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Johannes: Der Mann und das Evangelium

Einleitung

In so manchen wissenschaftlichen Kreisen würde diese Botschaft als nicht des Anhörens wert abgetan werden. Leon Morris zitiert A.M. Hunter folgendermaßen: „,Aus diesen und anderen Gründen würde kaum ein Wissenschaftler von Ruf in diesem Lande heutzutage sagen wollen, dass das Vierte Evangelium von dem Apostel Johannes geschrieben wurde.’“ 1

Die liberale Wissenschaft neigt zu der Ansicht, dass dieses Evangelium nicht von dem Apostel Johannes geschrieben wurde, sondern von einem anonymen Christen des zweiten Jahrhunderts, der „Jesus nie zu Gesicht bekommen hat“2. Wenn das wahr wäre – welchen Wert könnte dann die Beschäftigung mit dem Apostel Johannes für das Studium dieses großartigen Evangeliums haben? Ich würde Ihnen gerne erklären, warum ich denke, dass sie von großem Wert ist.

Um es gleich zu sagen: Ich glaube, dass das Johannes-Evangelium von dem Apostel Johannes geschrieben wurde3. Das Johannes der Autor dieses Evangeliums war, sollten wir aus verschiedenen Gründen akzeptieren: Es war dies die Überzeugung der Kirchenväter des zweiten Jahrhunderts, die diese Frage erstmals zur Sprache brachten4. Es war dies immer die Ansicht wahrhaft evangelikaler Wissenschaftler5. Morris sagt dazu: „Der fundamentale Grund für die Auffassung, dass der Apostel Johannes der Verfasser war, liegt darin, dass das Evangelium selbst es offenbar so sagt.“6

Wenn man in den vier Evangelien liest, stellt man fest, dass Matthäus den Apostel Johannes dreimal namentlich erwähnt, Markus zehnmal, Lukas siebenmal und Johannes überhaupt nicht. Johannes erwähnt allerdings die „Söhne des Zebedäus“ in Vers 21:2, und es gibt Anspielungen auf ihn selbst in den Versen 13:23, 18:15-16, 19:26-27, 20:1-10, 21:7, 20-23 und 24. Dass Johannes davon Abstand nimmt, sich selbst namentlich zu erwähnen, überrascht nicht im Geringsten. Ebenso wenig erwähnt er in seinem Evangelium ausdrücklich die „inneren Drei“ (Petrus, Jakobus und Johannes – siehe Markus 5:37, Matthäus 17:1, Markus 14:33). Von den vier Verfassern der neutestamentarischen Evangelien waren zwei (Markus und insbesondere Lukas) nicht bei unserem Herrn als einer Seiner 12 Jünger anwesend. Matthäus gehörte nicht zu den inneren Drei. Und so kann Matthäus zwar aus der Perspektive eines der „äußeren“ neun Jünger über den Dienst unseres Herrn schreiben, doch nur Johannes kann aus der Perspektive der inneren Drei bestimmte kritische Ereignisse beschreiben. So hat jedes Evangelium seinen eigenen Zweck, seine eigene Perspektive, seine eigenen Adressaten und seinen eigenen, einmaligen Beitrag.

Johannes: Der Mensch

Die Evangelien geben uns ein recht klares Bild vom Jünger Johannes. Um das Evangelium des Johannes zu verstehen, sollten wir die biographischen Züge berücksichtigen, die uns die Schrift über diesen Mann mitteilt.

Unsere erste Begegnung mit Johannes findet vielleicht in Johannes 1:35-40 statt. Da schaut Johannes der Täufer auf Jesus und erklärt: „Siehe, das Lamm Gottes!“ (Johannes 1:36, NET). Zwei der Jünger von Johannes verlassen ihn daraufhin sofort und schließen sich Jesus an. Der Name eines dieser beiden Männer, so wird uns gesagt, war Andreas (Vers 40), der andere Jünger von Johannes dem Täufer wird nicht namentlich genannt. Ich bezweifle, dass es Petrus war, der Bruder von Andreas, denn Andreas wird Petrus aufsuchen und darüber informieren, dass sie den Messias gefunden haben (Vers 40-42). Da Petrus und Andreas Partner von Jakobus und Johannes waren, ist durchaus die Möglichkeit gegeben, dass der Apostel Johannes der zweite Jünger von Johannes dem Täufer war. Interessanterweise lenkt das Johannes-Evangelium unsere Aufmerksamkeit gleich auf „Johannes den Täufer“, der im Johannes-Evangelium allerdings niemals mit diesem Titel genannt wird; er wird immer nur als „Johannes“ bezeichnet. Der Grund dafür mag sein, dass ihn der Apostel Johannes als sein vormaliger Jünger so gut kannte.

Als Nächstes lesen wir von dem Ruf an Johannes und seinen Bruder Jakobus, direkt nach dem Ruf an Petrus und Andreas (Matthäus 4:18-22, Markus 1:19). Jesus geht am Ufer des Galiläischen Meeres entlang. Er trifft zuerst auf Petrus und Andreas, zu denen er spricht: „Folgt Mir“, sagte Jesus zu ihnen, „und ich werde euch Menschen fischen lassen.“ (Markus 1:17). Als Nächstes trifft Er auf Jakobus und Johannes, die mit ihrem Vater im Boot sitzen und ihre Netze flicken. Er rief sie, und die zwei Brüder verließen sofort ihre Netze und folgten Ihm. Es scheint dies nicht das endgültige Verlassen und Folgen gewesen zu sein; das wird erst später geschehen. Es ist der Ruf, dass sie ihre Beschäftigung für eine Weile verlassen sollen, damit sie bei Ihm sein können. Johannes scheint einer der ersten gewesen zu sein, die unserem Herrn als Jünger gefolgt sind. Und wenn das so ist, dann war er von Anfang an bei Ihm.

Gemeinsam mit seinem Bruder Jakobus begleitete Johannes Jesus zum Haus von Simon Petrus und Andreas, wo Jesus Simons Schwiegermutter und anschließend noch viele andere Menschen heilte (Markus 1:29-31f). Gemäß Markus geschah dies, nachdem Jesus in der Synagoge von Kapernaum gelehrt hatte. Die Menschen, die Jesus hörten, waren erstaunt, denn im Gegensatz zu den Schriftgelehrten und Pharisäern lehrte Er mit Vollmacht (Vers 22, 27). Welche Vollmacht Jesus besaß, zeigte sich in Seiner Fähigkeit zu heilen und Dämonen auszutreiben. Und wenn irgendjemand die Vollmacht unseres Herrn bezeugen konnte, dann war es Johannes, der zusammen mit Petrus und Jakobus Zeuge von mehr Wundern aus der Hand unseres Herrn war als praktisch jeder andere Mensch.

Während der Zeit, die er mit dem Herrn verbrachte, wurde Johannes immer deutlicher bewusst, wie groß und überwältigend Jesus eigentlich war. In Lukas 5:1-11 gibt es einen Quantensprung in Johannes’ Verständnis von Jesus. Jesus hatte zu der Menge am See Genezareth (dem Galiläischen Meer) gesprochen. In der Nähe lagen zwei Boote, eines gehörte Simon und Andreas und das andere Jakobus und Johannes. Während Jesus lehrte, saßen die Männer in ihren Booten und wuschen ihre Netze, nachdem sie die ganze Nacht lang erfolglos gefischt hatten. Jesus sprach von einem der Boote aus, und dann wies er Petrus an, in tieferes Wasser hinauszufahren und die Netze zum Fang auszuwerfen. Petrus protestierte kurz, dann aber gab er nach und ließ die Netze herab, die anschließend einen großen Fang enthielten. Der Fang war so groß, dass er seine Partner Jakobus und Johannes zu Hilfe rufen musste (Vers 10), um die Netze einbringen zu können. Sie füllten ihre Boote, bis diese zu sinken begannen. Als er das sah, fiel Petrus zitternd vor unserem Herrn nieder mit den Worten: „Geh von mir weg, denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr!“ (Vers 8). Das Gleiche taten, so sagt der Text uns auch, Petrus’ Partner, Jakobus und Johannes. Die Worte Jesu: „Fürchte dich nicht, von nun an wirst du Menschen fangen.“ richteten sich an alle drei Männer, nicht nur an Petrus (siehe Vers 10). Und Johannes war auf dem Weg, die Erhabenheit und Macht Dessen zu verstehen, dem er folgen würde.

Johannes wurde von unserem Herrn erwählt, dass er zu den Zwölfen gezählt würde (Matthäus 10:1ff., Markus 3:13-19, Lukas 6:12-16). Markus berichtet uns, dass Jesus zu dieser Zeit Jakobus und Johannes den Beinamen „Donnersöhne“ gab (Markus 3:17). Das passt definitiv zu dem, was wir an anderer Stelle von den beiden zu sehen bekommen. Diese beiden Kerle waren eine altertümliche Ausgabe der Filmstars John Wayne und Clint Eastwood – sie waren ein ungeschliffenes und ungeschlachtes Paar. Johannes scheint nicht so viel geredet zu haben wie Petrus, aber er war eindeutig jemand, der sich behaupten konnte. Er war vom kräftigen, ruhigen Schlag, von der Art Mensch, die man besser nicht gegen sich aufbringt.

Johannes war einer der „inneren drei“ Jünger unseres Herrn. Nur Petrus, Jakobus und Johannes war es erlaubt, Jesus in das Haus des Synagogenvorstehers zu begleiten, dessen Tochter gestorben war, noch bevor Jesus dort ankam (Markus 5:35-43, Lukas 8:49-56). Hier wurde Johannes offensichtlich Zeuge von der Macht unseres Herrn über den Tod.

Johannes war, gemeinsam mit Jakobus und Petrus, anwesend bei der Verklärung Jesu (Matthäus 17:1ff., Markus 9:2ff., Lukas 9:28ff.). Hierbei bekam Johannes einen Vorgeschmack auf den Ruhm unseres Herrn und Seines Königreiches. Während Petrus bei dieser Gelegenheit keine Hemmungen hatte zu sprechen, scheint Johannes stumm geblieben zu sein; vielleicht weil es ihm vor Staunen über das, was er zu sehen bekam, die Sprache verschlagen hatte.

Johannes war es, der bekannte, dass sie einem Mann begegnet wären, der in Jesu Namen Dämonen austrieb, und ihm verboten hätten, so etwas noch einmal zu tun (Markus 9:38, Lukas 9:49). Johannes und andere (zu denen zumindest Petrus und Jakobus gehört haben müssen) hatten irgendwie angenommen, dass ihnen das „Jesus-Franchise“ gehörte und sie daher das Recht hätten, andere bei Taten in Seinem Namen zu lizenzieren oder zu behindern. Jesus widersprach ihnen und fuhr fort mit der Mahnung, „die Kleinen nicht sündigen [straucheln] zu machen“.

Jakobus und Johannes waren es, die Jesus um Erlaubnis baten, Feuer vom Himmel herabzurufen und „den Ort abzufackeln“, als einige Samariter Jesus nicht in ihr Dorf kommen lassen wollten (Lukas 9:54). Die beiden Brüder waren bereit und willens, Gottes Macht einzusetzen, um die Heiden zu bestrafen.

Zu einem äußerst unangemessenen Zeitpunkt bat Johannes, gemeinsam mit seinem Bruder Jakobus, um eine herausragende Position in Seinem künftigen Königreich (Markus 10:35). Als Jesus auf dem Weg nach Jerusalem war, erzählte Er Seinen Jüngern, dass Er dort in Kürze zum Tode verurteilt werden würde (Markus 10:32-34). Jetzt, wo die Zeit zu sterben für unseren Herrn näher rückt, zieht Er Seine Jünger ins Vertrauen und erzählt ihnen, was geschehen wird. Aber es ist, als hätten Jakobus und Johannes überhaupt nicht gehört, was Jesus gesagt hatte. Sie nahmen Jesus beiseite und baten Ihn im Geheimen, dass Er ihre Forderung nach einer herausragenden Position in Seinem Königreich erfüllen und sie über die anderen Jünger stellen möge. Die anderen Jünger waren natürlich erzürnt. Jakobus und Johannes wussten überhaupt nicht, worum sie da baten oder worin die wahre Jüngerschaft eigentlich bestand.

Gemeinsam mit Andreas baten Petrus, Jakobus und Johannes Jesus, als sie mit ihm allein waren, ihnen Einzelheiten über die letzten Tage zu enthüllen (Markus 13:1-4). Jesus und Seine Jünger waren in Jerusalem, und die Jünger waren vollkommen perplex über die Schönheit des Tempels. Jesus mahnte sie, ihr Herz nicht zu sehr an den Tempel zu hängen, da er zerstört werden würde. Die zwei Bruderpaare warteten, bis sie Jesus alleine sprechen konnten, und baten Ihn dann, ihnen „Insider-Informationen“ darüber zu geben, was wann geschehen würde. Tatsächlich bekümmerte sie weniger, „was“ geschehen würde, als „wann“ es geschehen würde. Das „Was“ hatten sie schon herausbekommen, so dachten sie, und müssten jetzt nur noch wissen, „wann“. Ihr Versuch, ohne die anderen geheimes Wissen von Jesus zu erlangen, war auch nur wieder der Wunsch, die Nase vorn zu haben. Es hat immer Menschen gegeben – und wird sie auch immer geben –, die prophetisches „Insider-Wissen“ zu erlangen suchen, das andere nicht haben. Manche Menschen brauchen solches Insider-Wissen, um sich den anderen überlegen zu fühlen.

Als Jesus zwei Seiner Jünger aussandte, um Vorbereitungen für das Passahfest zu treffen, war der eine davon Johannes und der andere war Petrus (Lukas 22:8). Diese beiden (die im Buch der Apostelgeschichte so viel Zeit miteinander verbringen) waren, so scheint es unter anderem, die zuverlässigsten Jünger. Judas konnte man diese Aufgabe gewiss nicht zutrauen. Es gab eine gewisse Geheimniskrämerei um den Ort ihres Versammlungsraumes, doch den beiden Männern gelang es, ihn so zu finden, wie Jesus es angekündigt hatte. Die Art, wie Jesus die beiden informierte und instruierte, hatte fast etwas Prophetisches, und so konnten sie die Vorbereitungen für die Passah-Feierlichkeiten treffen, ohne dass Judas erfuhr, wo sie sein würden.

Johannes war wohl „der Jünger, den Jesus liebhatte“ in Johannes 13:23 und derjenige, der während der Passahfeier an Jesu Brust lag. Jesus und Seine Jünger befanden sich dem Obergemach und feierten das Passahmahl. Während des Mahles sagte Jesus den Jüngern, dass einer von ihnen Ihn verraten würde. Die Jünger trauten ihren Ohren kaum. Sie hatten keine Ahnung, wen Er da als Seinen Verräter bezeichnete. Petrus war mit Johannes eng befreundet. Die beiden waren nicht nur Partner beim Fischen, sondern anscheinend auch enge Freunde. Anscheinend muss wohl Johannes der gewesen sein „den Jesus liebhatte“ (Vers 23), der an seiner Brust lehnte und dem Petrus Zeichen gab in der Hoffnung, dass Johannes mehr Einzelheiten aus Jesus herausbringen würde.

Johannes war, gemeinsam mit Petrus und Jakobus, dabei, als unser Herr im Garten von Gethsemane Todesangst erlitt (Markus 14:33).

Nachdem unser Herr verhaftet worden war, folgte Petrus Jesus gemeinsam mit „einen anderen Jünger“, bei dem es sich wohl um Johannes handelte. Dieser „andere Jünger“ war es, der dem Hohepriester bekannt war und daher den Hof des Hohepriesters betreten und Petrus dabei mit sich nehmen durfte (Johannes 18:15-16).

Als unser Herr am Kreuz hing, stand der „Jünger, den Jesus liebhatte“ am Fuße des Kreuzes. Vom Kreuz herab legte Jesus die Fürsorge für Seine Mutter in die Hand dieses Jüngers. Es scheint doch fast unbedingt so, dass dieser Mann Johannes gewesen sein muss (siehe Johannes 19:26-27).

Johannes war einer der ersten, die das leere Grab sahen und glaubten, dass Jesus tatsächlich von den Toten auferstanden war (Johannes 20:1-10). Nachdem Jesus gekreuzigt, begraben und auferweckt worden war, kam Maria am frühen Morgen des ersten Tages der Woche zum Grab. Als sie feststellte, dass der Stein davor schon weggenommen worden war, lief sie zu Petrus und „den anderen Jünger, den Jesus liebhatte“, um ihnen davon zu berichten. Der“andere Jünger“ (Johannes) rannte noch schneller als Petrus und erreichte das leere Grab als Erster. Er schaute hinein, sah die Leinentücher, aber betrat das Grab nicht. Als Petrus (keuchend und schnaufend, stelle ich mir vor) ankam, polterte er stracks hinein und sah die Grabtücher sauber geordnet, aber ohne den Leib des Herrn. Johannes betrat das Grab, beurteilte die Lage und glaubte. Johannes war nicht nur einer der ersten, die Zeuge der Auferstehung wurden, sondern er war der erste überhaupt, der daran glaubte.

Johannes scheint der „andere Jünger“ gewesen zu sein, an dessen Zukunft Petrus nach der Auferstehung unseres Herrrn so unangemessen interessiert ist (Johannes 21:20-23). In Johannes 21 lesen wir von den Worten, die unser Herr an Petrus richtete, und von der dreimaligen Frage: „Hast du Mich lieb?“ Nachdem unser Herr Petrus beauftragt hat, Seine Schafe zu weiden, sagt er ihm, dass er gegen seinen Willen fortgeführt werden wird, eine verhüllte Prophezeiung seines Todes als Märtyrer. Sofort schaut Petrus in Richtung „des Jüngers, den Jesus liebhatte“ und fragt: „Was ist mit ihm?“ Unser Herr erwiderte Petrus, dass ihn das nichts anginge. Manche Menschen haben unseren Herrn wohl irrtümlich so verstanden, dass Er sagen wollte, dieser „andere Jünger“ würde bis zur Wiederkunft des Herrn leben. Der Apostel Johannes korrigiert diese falsche Vorstellung und fährt dann fort, indem er sagt, dass eben dieser Mensch Zeuge dessen gewesen sei, was in diesem Evangelium aufgezeichnet ist, und dass er auch dessen Autor sei (Johannes 21:23-24). Dieser „andere Apostel“ ist der, den Jesus liebhatte, der beim Passahmahl an Jesu Brust lag und der das Johannesevangelium schrieb. Bei diesem „anderen Apostel“ handelt es sich fast mit Sicherheit um Johannes.

Johannes ist uns nicht zum letzten Mal begegnet, wenn wir an das Ende der Evangelien gelangt sind, denn Johannes und Petrus sind (neben Paulus) die dominanten Figuren der Apostelgeschichte. Johannes ist einer der Jünger, die sich im Obergemach versammelten (Apostelgeschichte 1:13). Er begleitet Petrus zur Stunde des Gebets auf dem Weg in den Tempel und hat so Teil an der Heilung des Lahmen (3:1ff). Johannes und Petrus werden verhaftet und von den Sadduzäern angewiesen, Christus nicht mehr zu predigen, doch sie weigern sich und beharren darauf, dass sie Gott mehr gehorchen müssen als den Menschen und daher verkündigen müssen,dass Jesus von den Toten auferweckt worden sei (4:1-22). Als das Evangelium in Samaria verkündet wird und viele zum Glauben kommen, werden Petrus und Johannes dorthin gesandt; und als sie den neuen Gläubigen die Hand auflegen, empfangen diese den Heiligen Geist, ebenso wie die Apostel selbst an Pfingsten (8:14-17). Jakobus, der Bruder des Johannes, wurde von Herodes getötet, und dieser beabsichtigte auch Petrus zu töten. Gott aber befreite Petrus, so dass der die Predigt des Evangeliums fortsetzen konnte (12:1ff.).

In Galater 2:9 bezeichnet Paulus Johannes als eine der „angesehenen Säulen“ der Gemeinde in Jerusalem. Johannes ist natürlich der Verfasser der Johannes-Briefe (Johannes 1, 2 und 3) und des Buches der Offenbarung. Dieser Mensch, der einst im Johannes-Evangelium „an Jesu Brust lag“, ist derselbe, der im Buch der Offenbarung „wie ein Toter“ zu den Füßen seines auferstandenen und verherrlichten Herrn niederfiel (Offenbarung 1:17).

Was wir aus dem Leben des Johannnes lernen können

Der „Johannes der Apostelgeschichte“ unterscheidet sich stark vom „Johannes der Evangelien“. Die Veränderungen, die wir feststellen, liegen nicht an Johannes selbst, sondern an seinem Gott. Manche Bereiche in Johannes’ Leben treffen auch auf uns zu, und wir tun gut daran sie zu bedenken. Erlauben Sie mir, einige Lehren mit Ihnen zu teilen, die wir aus dem Leben des Johannes ziehen können.

Erstens: Johannes’ Leben veranschaulicht die Gnade Gottes. Aus dem, was wir in den Evangelien über Johannes erfahren, können mit ausreichender Sicherheit sagen, dass unser Herr ihn deswegen auserwählte, weil er so viele gute Eigenschaften besessen hätte. Johannes hatte als Fischer keinen gesellschaftlichen Status und war auch, selbst nach den Maßstäben seiner Tage, kein gebildeter Mensch (siehe Apostelgeschichte 4:13). Bestimmt besaß er keinerlei Eigenschaften oder Bildung, die die Schriftgelehrten und Pharisäer beeindruckt hätten. Er war ein impulsiver Typ, ein „Donnersohn“. Er wird nicht als eine anziehende Persönlichkeit oder als ein charismatischer Führer beschrieben. Er war egozentrisch und selbstsüchtig, ein Opportunist, der ohne Zögern darauf aus war, seine Kameraden zu übertrumpfen. Dass unser Herr Johannes auswählte, ist Zeugnis für die Gnade Gottes. Der Apostel Paulus fasst das recht gut zusammen mit den Worten:

26 Bedenkt die Umstände eurer Berufung, Brüder und Schwestern. Nur wenige waren weise nach menschlichen Maßstäben, nur wenige waren mächtig, nur wenige gehörten zur Oberschicht. 27 Aber Gott erwählte, was die Welt für töricht hält, um die Weisen zu beschämen, und Gott erwählte, was die Welt für schwach hält, um die Starken zu beschämen. 28 Gott erwählte, was niedrig und verachtet ist in der Welt, was als Nichts erachtet wird, und ließ außer Acht, was als Etwas erachtet wird, 29 damit sich niemand in seiner Gegenwart rühmen kann. 30 Er allein ist der Grund dafür, dass ihr Gemeinschaft habt mit Christus Jesus, der für uns zur Weisheit von Gott geworden ist, und zur Gerechtigkeit und Heiligung und Erlösung, 31 damit es so sei, wie es geschrieben steht: „Wer sich rühmt, der rühme sich im Herrn“ (1. Korinther 1:26-31).

Wer hätte sich je vorstellen können, dass dieser ungeschlachte und ungeschliffene Fischer zum Apostel der Liebe werden würde? Wenn Gott einen Menschen wie den „Johannes des Evangeliums“ in den „Johannes“ verwandeln kann, der uns später im Neuen Testament begegnet, dann kann Er gewiss auch uns transformieren.

Zweitens: Johannes’ Leben veranschaulicht die göttliche Souveränität. Wir sehen die Souveränität Gottes in Seinem Beschluss, Johannes zu erretten und zu einem der Zwölf zu machen, und darin, dass Er ihn erwählte, einer der inneren Drei (Petrus, Jakobus und Johannes) zu werden. Wir können die Souveränität Gottes insbesondere erkennen, wenn wir Johannes seinem Bruder Jakobus gegenüberstellen. Die beiden Brüder wuchsen in derselben Familie auf und wurden durch dieselben Erfahrungen geformt. Beide Brüder folgten Jesus über denselben Zeitraum nach, und beide gehörten zum Kreis der inneren Drei. Trotz all dieser Ähnlichkeiten aber war Jakobus der erste, der als Märtyr um Christi willen starb; Johannes dagegen scheint als letzter der Zwölf gestorben zu sein. Jakobus schrieb kein einziges Buch des Neuen Testaments; Johannes schrieb fünf davon. Wie kann man das erklären? Ich weiß nicht, ob man es überhaupt erklären kann, aber man kann es als Veranschaulichung der göttlichen Souveränität akzeptieren. Gott wirkt nicht auf die Art, wie Menschen es erwarten. Gott erhebt den einen und erniedrigt den anderen. Gott ist souverän.

Drittens: Ich sehe im Leben des Johannes die Veranschaulichung von Gottes Liebe, die in diesem Evangelium7 und in den Johannes-Briefen ein herausragendes Thema darstellt. Johannes bezeichnet sich häufig als „der Jünger, den Jesus liebhatte“ (13:23, 20:2, 21:7,20). Ob Sie es glauben oder nicht: Einige Wissenschaftler denken, dass das eines der stärksten Argumente sei, die man gegen Johannes als den Autor des Evangeliums vorbringen kann. Morris schreibt: „Der stärkste Einwand gegen diese Identifikation ist meiner Meinung nach die Vorstellung, dass ein Mann wahrscheinlich nicht von sich selbst als dem ‚Jünger, den Jesus liebhatte’, sprechen würde. Dem stimme ich zu.“8 Für manche mag das vielleicht der stärkste Einwand gegen die Autorschaft des Johannes sein; ich aber halte es für einen ausgesprochen bemerkenswerten Titel, den Johannes sich selbst verliehen hat. Welcher Nachruf könnte besser sein, als bekannt zu sein als ein Mann, den Jesus liebhatte? Wenn David ein Mann nach Gottes Herzen war, so sah sich Johannes als einen Mann, den das Herz Gottes gesucht hatte.

„Liebe“ ist eines der großen Themen der Bibel und ganz bestimmt das Thema des Johannes-Evangeliums. In der New King James Version erscheint das Wort „Liebe“ in irgendeiner Form 57mal innerhalb des Johannes-Evangeliums. Kein Wunder, dass Menschen vom Studium des Johannes-Evangeliums mit dem überwältigenden Gefühl aufstehen, von Gott „geliebt“ zu sein: „In diesem Evangelium wird die Liebe Gottes in dramatischer Weise durch Jesus Christus vermittelt – so sehr, dass Karl Barth der Kommentar zugeschrieben wird, die tiefste Wahrheit, die er je gehört habe, sei ‚Jesus liebt mich, wissen wir, / denn die Bibel sagt es mir’“9.

Vor einigen Jahren nahm ich aktiv an den Gefängnis-Gottesdiensten der Prison Fellowship teil. Ein Seminar führte ich in einem Hochsicherheitsgefängnis in Texas durch. Das war ein ziemlich hartes Gefängnis. In einer Pause kam einer der Insassen zu mir und sagte, er habe gehört, dass einige der Freiwilligen, die das Seminar gestalteten, selbst ehemalige Verbrecher seien. Er fragte, ob es möglich wäre, dass einige dieser Ex-Verbrecher während des Seminars Zeugnis ablegten. Ich hielt das für eine großartige Idee und fragte die Freiwilligen, ob irgendjemand Zeugnis ablegen wollte. Einer von ihnen erzählte die folgende Geschichte, die ich so gut wiedergebe, wie ich mich an die Einzelheiten erinnern kann:

Ich saß vor einigen Jahren selbst in diesem Gefängnis. Ich war Mitglied einer Motorrad-Gang und lebte mit anderen Mitgliedern der Gang in einem Haus zusammen. Im Gefängnis war ich, weil ich ein Motorrad gestohlen hatte. Mein Leben lief überhaupt nicht gut, und dann sagte mir jemand, dass ich die Bibel lesen sollte. Also holte ich mir eine – na ja, eigentlich stahl ich mir eine. Ich begann die Evangelien zu lesen. Als ich von der Person Jesus Christus und Seiner Liebe las, war ich so überwältigt, dass ich zu weinen anfing. Ich weinte so laut, dass ich zum Lesen ins Badezimmer gehen musste, wo ich die Dusche aufdrehen konnte, um das Geräusch vom Weinen zu überdecken. ...

Irgendetwas in den Evangelien zieht Männer und Frauen zu unserem Herrn hin. Die Jünger, die Ihn sagen hörten „Folge mir nach“ konnten nicht anders als Ihm zu folgen. Männer und Frauen, die sich schändlicher Sünden schuldig gemacht hatten, näherten sich Ihm in der Gewissheit, dass Er sie irgendwie nicht zurückweisen würde, und sie spürten, dass Er gekommen war, um ihnen zu vergeben. Ich glaube, dass ein wesentlicher Teil dieser magnetischen Anziehungskraft, die Männer und Frauen zu unserem Herrn hinzog, Seine Liebe war.

Ich glaube, eines der Dinge, die Johannes überwältigten, war die Liebe, die Jesus für ihn hatte. Wie Karl Barth glaubte Johannes „Jesus liebt mich, wissen wir ...“. Das war mehr als genug auch für Johannes. Und deshalb bezeichnete sich Johannes mit dem Begriff, der ihm am meisten bedeutete. Johannes wusste, er war „der, den Jesus liebhatte“, und das genoss er. Welches Etikett wäre Johannes lieber gewesen als dies: „der, den Jesus liebhatte“? Wie kann man nur aus der Tatsache, dass Johannes in dieser Weise von sich spricht, ein Problem machen? Bei dem Gedanken wird mir regelrecht schwindlig, dass irgendjemand der Ansicht sein kann, die Tatsache, dass Johannes so von sich spricht, könne ein Argument gegen seine Autorschaft an diesem Evangelium sein.

Es gibt im Johannes-Evangelium eine bestimmte Stelle, die ich besonders mag:

Kurz vor den Passah-Feiern erkannte Jesus, dass die Zeit für ihn gekommen war, aus dieser Welt hinweg zum Vater zu gehen. Er hatte die Seinen, die in der Welt waren, geliebt, und nun liebte er sie bis zum Ende (Johannnes 13:1)10.

Andere Versionen lauten folgendermaßen:

Es war kurz vor den Passah-Feiern. Jesus erkannte, dass die Zeit für ihn gekommen war, diese Welt zu verlassen und zum Vater zu gehen. Er hatte die Seinen, die in der Welt waren, geliebt und zeigte ihnen nun das volle Ausmaß seiner Liebe (NIV).

Es war vor dem Passah-Fest. Jesus erkannte, dass seine Stunde gekommen war und er diese Welt verlassen und zum Vater gehen musste. Er hatte die Seinen, die in der Welt waren, immer geliebt und würde nun das volle Ausmaß seiner Liebe zeigen (New English Bible).

Es war vor dem Fest des Passah, und Jesus erkannte, dass die Stunde für ihn gekommen war, da er von dieser Welt zum Vater hinübergehen solle. Er hatte die, die in dieser Welt waren, immer geliebt, nun aber zeigte er, wie vollkommen seine Liebe war (New Jerusalem Bible).

Das volle Ausmaß der Liebe unseres Herrn zeigte sich am Kreuz von Golgatha. Dort nahm Er die Sünden der Welt auf Sich. Dort trug Er den Zorn Gottes für unsere Sünden. Hast Du diese Liebe schon persönlich erfahren und Seinen Opfertod für Deine Sünden angenommen? Ich bitte Dich dringend: Setz Dich einfach hin und lies dieses wunderbare Johannes-Evangelium durch. Spüre die Liebe, die Gott Dir in Christus entgegenbringt, und empfange sie, indem Du an Ihn glaubst. Es gibt keine größere Liebe. Es gibt kein größeres Geschenk als das Geschenk der Errettung in Jesus Christus.

Johannes: Das Evangelium

Ich war Trompeter in unserer Highschool-Band, die häufig bei Umzügen mitmarschierte, und wir hatten einen Posaunenspieler namens Pete, der peinlich berechenbar war. Wann immer jemand ein Foto von der Band machte: Pete war darauf aus dem Gleichschritt. Er geriet immer aus dem Schritt. Nicht dass er sich nicht bemühte, was glauben Sie! Er wusste nicht nur, dass er aus dem Schritt geraten war, sondern er versuchte auch andauernd, wieder in den Schritt zu kommen. Und so vollführte er in dem Versuch, seine Füße mit der Musik und mit denen der anderen Band-Mitglieder zu synchronisieren, ständig eine merkwürdige Art von Shuffle. Aber wenn er mit dem Shuffle fertig war, war Pete schon wieder aus dem Schritt.

Eine Reihe von Wissenschaftlern scheinen Johannes und sein Evangelium so ähnlich anzusehen wie meinen Freund Pete – aus dem Schritt geraten. Einige Wissenschaftler sagen etwa, dass das Evangelium des Johannes nicht im Gleichschritt ist mit den drei anderen Evangelien – Matthäus, Markus und Lukas. Diese drei Evangelien werden oft als die Synoptischen Evangelien bezeichnet, weil diese Evangelien das Leben Christi prinzipiell aus der gleichen Perspektive betrachten. Johannes geht dagegen geht an das Leben und den Dienst unseres Herrn ganz anders heran. Einige dieser Unterschiede und die Auswirkung, die sie auf unser Studium des Johannes-Evangeliums haben, würde ich gerne herausstellen.

Was fehlt im Evangelium des Johannes?11

Man kann das Evangelium des Johannes mit den synoptischen Evangelien vergleichen, indem man zunächst einmal das zu Rate zieht, was in den Evangelien übereinstimmt. Für diese „Übereinstimmungen“ stellt man die Ereignisse nebeneinander, die in allen vier Evangelien beschrieben werden. Wenn man dann Johannes mit den anderen drei (synoptischen) Evangelien vergleicht, entdeckt man, dass viele Elemente, die in den anderen Evangelien enthalten sind, bei Johannes nicht vorkommen. Ich will einige dieser „fehlenden“ Dinge hier benennen: Im Vergleich zu den synoptischen Evangelien enthält das Evangelium des Johannes nicht ...

  • die Genealogie von Jesus
  • einen Bericht über die Geburt unseres Herrn
  • irgendwelche Ereignisse aus der Kindheit unseres Herrn
  • die Taufe unseres Herrn
  • die Versuchung unseres Herrn
  • die Bergpredigt
  • den Bericht über die Zweifel von Johannes dem Täufer
  • irgendwelche Dämonenaustreibungen
  • irgendwelche Heilungen von Leprakranken
  • irgendwelche Gleichnisse unseres Herrn
  • einen Bericht über die Verklärung unseres Herrn
  • die Wahl und Aussendung der 12 oder der 70
  • irgendwelche eschatologischen (prophetischen) Reden
  • eine Wehklage über die religiösen Führer (vgl. Matthäus 23)
  • die Einsetzung des Abendmahls
  • einen Bericht über die Todesangst unseres Herrn im Garten von Gethsemane
  • die Verleihung der Großen Vollmacht
  • einen Bericht über die Himmelfahrt unseres Herrn

Was findet sich nur im Evangelium des Johannes?

Damit sich keiner jetzt beim Lesen des Johannes-Evangeliums übers Ohr gehauen fühlt, sollte ich Sie auch noch darauf hinweisen, dass es Vieles bei Johannes gibt, was man in keinem der anderen Evangelien findet. Erlauben Sie mir, hier einige der einmaligen Beiträge des Johannes-Evangeliums aufzuzählen. Nur im Evangelium des Johannes finden wir …

  • Jesus als den Schöpfer (Johannes 1)
  • Jesus als den „einzig gezeugten Sohn des Vaters“ (Johannes 1)
  • Jesus als das verheißene „Lamm Gottes“ (Johannes 1)
  • die Offenbarung Jesu als das große „Ich Bin“ (siehe die „Ich Bin“-Texte auf Seite 11)
  • wie Jesus Wasser in Wein verwandelt (Johannes 2)
  • Jesu Gespräch mit Nikodemus (Johannes 3)
  • Jesu Gespräch mit der Frau am Brunnen (Johannes 4)
  • Jesus und die überführte Ehebrecherin (Johannes 8)
  • die Erweckung des Lazarus von den Toten (Johannes 11)
  • wie Jesus den Jüngern die Füße wäscht (Johannes 13)
  • die Rede unseres Herrn im Obergemach (Johannes 14-17)
  • die Lehren Jesu über das Kommen des Heiligen Geistes (Johannes 14-16)
  • das hohepriesterliche Gebet Jesu (Johannes 17)

Insgesamt sind über 90% des Materials im Johannes-Evangelium spezifisch für dieses Evangelium12. Johannes vermied die unnötige Wiederholung von Dingen, die die anderen Evangelienschreiber schon mitgeteilt hatten, und möchte statt dessen seine Aufmerksamkeit dem widmen, was wir noch nicht erfahren haben. Es stellt sich heraus, dass das Evangelium des Johannes uns damit viele „Puzzle-Steine“ der Wahrheit präsentiert, die nicht nur über das hinausgehen, was wir an anderer Stelle erfahren, sondern auch dazu beitragen, dass wir besser verstehen können, was das, was wir anderswo in den Evangelien erfahren, eigentlich bedeutet.

Die Schwerpunkte des Johannes-Evangeliums

Es gibt bestimmte Schwerpunkte im Evangelium des Johannes, an die wir auch denken sollten, wenn wir mit dem Studium dieses großartigen Evangeliums beginnen. Johannes betont unter anderem …

  • den Dienst unseres Herrn in Jerusalem und Judäa, im Gegensatz zu Seinem Dienst in Galiläa
  • genauer die Zeitpunkte, insbesonderein Bezug auf die jüdischen Festtage
  • die Lehren Christi (wenn auch nicht die in Gleichnissen)
  • den „König“ mehr als „das Königreich Gottes“
  • Jesu private Gespräche mit einzelnen Menschen (Nikodemus, die Frau am Brunnen, Petrus)
  • Jesu Dienst an Seinen Jüngern
  • Jesu Lehre im Obergemach, insbesondere in Bezug auf das Kommen des Heiligen Geistes
  • die letzten 24 Stunden im Leben Jesu
  • Glaube13 und Unglaube14
  • „Mein Vater“ kommt 35 Mal vor, „Wahrlich, wahrlich“ (KJV) 25 Mal

Einige weitere Bereiche müssen im Hinblick auf ihre Betonung noch etwas näher untersucht werden. Beim ersten handelt es sich darum, wie Johannes vom Alte Testament Gebrauch macht. Man könnte meinen, dass Johannes das Alte Testament weniger wichtig nimmt, den er zitiert es seltener als jeder andere Evangelienschreiber – gerade einmal zehn Mal. Tatsächlich aber ist das Evangelium des Johannes durchdrungen von Bezügen zum Alten Testament, wie auch D.A. Carson sagt:

Obwohl Johannes vom Alten Testament nicht so häufig oder ausdrücklich wie Matthäus Gebrauch macht, tut er das doch (auch wenn es ihm so vorgeworfen wurde) nicht nur marginal; und das Johannes-Evangelium ist außergewöhnlich reich an feinsinnigen Bezügen auf das Alte Testament. Eines dieser Bezugsmuster besteht darin, wie Jesus alttestamentarische Gestalten und Einrichtungen ersetzen soll. Er ist der neue Tempel; er ist der, von dem Moses schrieb, er ist das wahre Brot vom Himmel, der wahre Sohn, der wahre Weinstock, das Tabernaculum [die Stiftshütte oder das Offenbarungszelt des Alten Testaments, Anm. d. Ü.], die Schlange in der Wüste, das Passahlamm. Obwohl es selten ausgesprochen wird, wirkt darin doch eine grundlegende Hermeneutik, eine Art, das Alte Testament zu lesen, die auf Jesus selbst zurückgeht15.

Ein zweiter wichtiger Schwerpunkt bei Johannes ist seine hochentwickelte Theologie. Paradoxerweise nehmen manche Menschen das als Argument dagegen, dass Johannes der Verfasser dieses Evangeliums wäre.

Viele meinen, dass die hochentwickelte Theologie von Johannes auf einen späteren Zeitraum hinweist.16

Das erinnert mich an einen Film, den ich vor Jahren als Lehrer einer sechsten Klasse meinen Schülern zeigte. Es ist schon eine ganze Weile her, aber ich glaube, der Titel des Films war „Das Geheimnis von Stonehenge“. Die entschlossenen Anhänger der Evolutionstheorie nahmen an, dass die Menschen der Urzeit primitiv gewesen sein mussten – gerade eben vom Baum heruntergestiegen, sozusagen. Als das erstaunliche Muster der Steine in Stonehenge entdeckt wurde, weigerten sich einige Wissenschaftler vehement dagegen zu glauben, dass dahinter irgendetwas Ausgeklügeltes stecken könnte. Primitive Menschen waren zu so etwas einfach nicht in der Lage. Je weiter aber Stonehenge untersucht wurde, umso mehr Menschen ergriff das Erstaunen darüber, wie diese Steine sich in Bezug zu den Himmelskörpern setzen ließen, vielleicht sogar in einer Weise, die sie zu einem einfachen Computer machte. Hüten wir uns also davor, dass unsere Sicht durch Vorurteile getrübt wird. Warum sollten wir eine primitive und unentwickelte Theologie erwarten, wenn Johannes mit der Inspiration des Heiligen Geistes schrieb?

Auch vom Inhalt her ist die Theologie des Johannes von Interesse. Er hat eindeutig bestimmte Doktrinen, die er seine Leser verstehen machen möchte. Die Christologie ist dabei ein Hauptgebiet und theologischer Schwerpunkt. In den synoptischen Evangelien sehen wir, wie die Göttlichkeit unseres Herrn den Jüngern allmählich immer mehr aufgeht. Am Anfang schauen sie den Reden und Handlungen Jesu mit großen Augen zu. In Lukas 5 (vgl. Vers 1-11) staunen Petrus, Jakobus und Johannes über das Wunder des großen Fischzugs. In Lukas 7 wird der verstorbene Sohn der Witwe von den Toten auferweckt (vgl. Vers 11-17). In Lukas 8 stillt Jesus den Sturm auf dem Galiläischen Meer, und die Jünger staunen (vgl. Vers 22-25). Den Wendepunkt stellt in den synoptischen Evangelien das große Bekenntnis des Petrus dar, dem die Verklärung unseres Herrn folgt. Bei Johannes gibt es keine derartige Spannung. Der Leser weiß schon und es wird ihm gleich zu Beginn des Buches gesagt, wer Jesus ist:

  • Er ist Gott, der Schöpfer des Universums, der keinen Anfang hat—1:1-3
  • Er ist Gott, der Fleisch geworden und als Mensch zu uns gekommen ist—1:14
  • Er ist weitaus größer als Johannes der Täufer, der größte Prophet—1:19-28
  • Er ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt—1:29-36
  • Er ist der Sohn Gottes, der Messias, der König von Israel—1:40-51

Eine der großen theologischen Stoßrichtungen des Johannes ist die Doktrin von der Souveränität Gottes:

12 Allen aber, die ihn aufnahmen – die an seinen Namen glaubten –, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden 13 – Kinder, die nicht von menschlichen Eltern oder durch menschlichen Willen oder aus der Entscheidung eines Mannes heraus geboren werden, sondern durch Gott (Johannes 1:12-13).

„Niemand kann zu mir kommen, es sei den, der Vater ziehe ihn, der mich gesandt hat; und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken“ (Johannes 6:44).

„So versuchten sie dann, Jesus zu ergreifen, doch niemand legte Hand an ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen (Johannes 7:30).

27 „Meine Schafe hören auf meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir. 28 Ich gebe ihnen ewiges Leben und sie werden niemals untergehen; niemand wird sie aus meiner Hand reißen. 29 Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als Alle, und niemand kann sie meinem Vater aus der Hand reißen. 30 Ich und der Vater sind Eins.“ (Johann 10:27-30).

„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und beauftragt, hinzugehen und Frucht zu tragen, Frucht, die bestehen bleibt, so dass mein Vater euch geben wird, worum auch immer ihr ihn in meinem Namen bittet.“ (John 15:16).

Die Doktrin von der Dreieinigkeit steht im Evangelium des Johannes deutlicher als in jedem anderen Evangelium. Jesus sprach oft von Gott dem Vater, er sprach von Sich Selbst als Gott und vom Heiligen Geist als Gott. Die Dreieinigkeit findet sich überall, wo man hinschaut im Evangelium des Johannes.

Johannes leistet einen wichtigen Beitrag, indem er die Göttlichkeit des Herrn und seinen Anspruch darauf, der Messias Israels zu sein, durch Wunderzeichen bezeugt. Diese Wunderzeichen sind …

1. die Umwandlung von Wasser in Wein in Kana (2:1-11)

2. die Heilung eines Beamtensohns in Kapernaum (4:46-54)

3. die Heilung des Invaliden am Teich Bethesda (oder Bethsaida) in Jerusalem (5:1-18)

4. die Speisung der 5000 am Galiläischen Meer (6:5-14)

5. der Gang auf dem Wasser auf dem Galiläischen Meer (6:16-21)

6. die Heilung eines Blinden in Jerusalem (9:1-7)

7. die Auferweckung des toten Lazarus in Bethanien (11:1-45)

Zusätzlich gibt es „sieben Zeugen“ bei Johannes …

1. Johannes der Täufer

„Dieser ist der Auserwählte [wörtlich: ‚Sohn’] Gottes.“ (1:34)

2. Nathaniel

„Du bist der Sohn Gottes.“ (1:49)

3. Petrus

„Du bist der Heilige Gottes!“ (6:69)

4. Martha

„Du bist der Christus, der Sohn Gottes.“ (11:27)

5. Thomas

„Mein Herr und mein Gott!“ (20:28)

6. Johannes

„Jesus ist der Christus, der Sohn Gottes.“ (20:31)

7. Jesus

Ich bin der Sohn Gottes.” (10:36; siehe auch 4:26; 8:58)

Und schließlich gibt es sieben „Ich-Bins” bei Johannes …

1. „Ich bin das Brot des Lebens.“ (6:35)

2. „Ich bin das Licht der Welt.“ (8:12)

3. Ich bin das Tor für die Schafe.“ (10:7; vgl. Vers 9)

4. Ich bin der gute Hirte.“ (10:11, 14)

5. Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ (11:25)

6. Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ (14:6)

7. Ich bin der wahre Weinstock.“ (15:1; vgl. Vers 5)

Das Evangelium des Johannes
und andere Werke des Johannes

In keinem der existierenden Kommentare wird dieses Thema, soweit ich gesehen habe, besonders ausführlich behandelt, und das sagt dem Leser vielleicht schon alles. Aber man kann über die Tatsache nicht hinwegsehen, dass Gott bei der Niederschrift von insgesamt fünf Büchern von Johannes Gebrauch machte. Diese bestehen aus dem Evangelium, den drei Johannes-Briefen (Erster, Zweiter und Dritter Johannes) und seinem großen Finale – dem Buch der Offenbarung. Diese fünf Bücher drücken eine gewisse Einheit und Vollständigkeit aus. (Das soll aber keineswegs heißen, dass wir nichts als die Werke des Johannes brauchen würden und die anderen Bücher der Bibel überflüssig wären.) Im Johannes-Evangelium, beispielsweise, spricht Jesus zu Seinen Jüngern über die Nächstenliebe und über die Kennzeichen eines wahren Jüngers. In seinen Briefen hat Johannes dann einiges dazu zu sagen, wie die Liebe unter Brüdern verwirklicht werden sollte.

Vielleicht ist hier die Zusammenfassung einiger Kontinuitäten hilfreich, die es zwischen dem Johannes-Evangelium und dem Buch der Offenbarung gibt:

Im Johannes-Evangelium beginnt Johannes mit Jesus zum Zeitpunkt der Schöpfung, mit Jesus dem Schöpfer. Er fängt, sozusagen, an bei der Genesis, dem Beginn der überlieferten biblischen Geschichte. In der Offenbarung konzentriert sich Johannes auf den Abschluss, die Vollendung der Geschichte.

In der Genesis haben wir den Sündenfall; im Evangelium haben wir eine neue Genesis, einen neuen Anfang, bei dem ein neuer treuer „Sohn“ im Bilde Gottes daherkommt und die Sünde durch Seinen Opfertod überwindet. In der Offenbarung wird diese Erlösung mit der Rückkehr in das Paradies dann vollständig verwirklicht; nun aber ist es ein vollkommenes Paradies.

Im Johannes-Evangelium sehen wir Gott vom Himmel auf die Erde herabkommen, nicht um die Menschen zu verdammen, sondern um sie zu erretten. In der Offenbarung sehen wir Gott vom Himmel herabkommen, um den Himmel für die Heiligen herabzubringen und um die Bösen zu richten.

Im Johannes-Evangelium sehen wir Johannes an der Brust Jesu liegen; in der Offenbarung sehen wir Johannes wie einen Toten zu Füßen Jesu niederfallen.

Im Johannes-Evangelium sehen wir, dass Gott wie im Tabernaculum unter den Menschen wohnt und Seine Herrlichkeit verborgen bleibt. In der Offenbarung sehen wir, wie Gott in Jesus in vollem Glanz und Herrlichkeit enthüllt wird, die so groß sind, dass durch das Licht des Ruhmes von Vater und Sohn die Sonne überflüssig wird.

Im Buch der Offenbarung schreibt Johannes von den schweren Zeiten, die vor uns liegen, und davon, dass Ausdauer und Ausharren notwendig sind. Im Anschluss daran beschreibt er die Segnungen, die den Ausharrenden zukommen werden. Es gibt einen „Strom von Wasser des Lebens“ (22:1) und einen „Baum des Lebens“ (22:2). Es gibt keinen Tempel und auch keine Sonne oder Mond, denn der Vater und der Sohn sind der Tempel und das „Lamm“ ist sein „Licht“ (21:23). Genau die gleichen Dinge, die Johannes im ersten Kapitel seines Evangeliums herausgestellt hat, werden auch im Schlusskapitel seines letzten Werkes – der Offenbarung – herausgestellt. Wenn Sie das Johannes-Evangelium durcharbeiten, sollten Sie daran denken, wie das, was im Johannes-Evangelium gesagt wird, an anderer Stelle in den späteren Schriften des Johannes wiederaufgenommen wird.

Johannes: Das Evangelium vom Glauben

Das Evangelium des Johannes ist ein wunderbares Werk; und manch ein Wissenschaftler hat diesem Buch einen großen Teil seines Lebens gewidmet. Hören Sie, was einige dieser Wissenschaftler über dieses Evangelium geschrieben haben:

Das Evangelium nach Johannes ist das erstaunlichste Buch, das je geschrieben wurde. ‚Ziehe deine Schuhe aus, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliger Grund.’ – das mag gut und gerne zur Haltung eines jeden werden, der bei seinen Studien über die Schwelle dieses Buches tritt; denn wenn sein Zeugnis wahr ist, dann erhält der Glaube an Jesus Christus als den Sohn Gottes eine grandiose Bestätigung.17

Johannes war ein Poet, und sein Evangelium ist ein kunstvolles Gedicht. Seine Einfachheit täuscht. Johannes ist ein Spezialist für Doppeldeutigkeit, Anspielung, Allegorie, Ironie und Symbolik. Sein ausgefeiltes Werk präsentiert, wie eine Symphonie, neue Themen, driftet dann ab zu anderen und kehrt zurück mit Klängen, die wieder ähnlich und doch verlockend neu sind. Viele Lesungen und Kommentatoren verlieren sich in diesem Wogen. Auch mir ist das – wieder und wieder – passiert. Es ist schwierig zurückzutreten und die Gesamtbewegung des Werkes zu erfassen. Aber ich bin davon überzeugt, dass dieses Buch den Leser auf eine im Voraus entworfene Reise mitnimmt, die von Jesus selbst angeführt und von Johannes erzählt wird. ... Und ich habe mich davon überzeugen lassen, dass dieses Werk von einem Verfasser motiviert wurde, der sein ganzes Leben auf einer spirituellen Reise mit Jesus verbrachte und andere dazu ermutigen wollte, ihm dabei Gesellschaft zu leisten.18

Das Evangelium des Johannes ist täuschend einfach. Auf dem Priesterseminar war das Johannes-Evangelium das erste Buch des Neuen Testamentes, das uns zu übersetzen aufgegeben wurde, weil man es als das einfachste Griechisch betrachtete. Wir übersetzen das Johannes-Evangelium oft als erstes in die Sprache eines bisher nicht erreichten Volkes, das Zugang zur Botschaft der Evangelien bekommen soll. Wir regen die verlorenen und die neuen Christen dazu an, zuerst das Johannes-Evangelium zu lesen, weil es so klar und einfach ist. Trotz dieser vordergründigen Einfachheit stellen Wissenschaftler aber darin eine Tiefe der Bedeutung fest, die selbst noch nach jahrelanger Arbeit noch immer neu zu finden ist.

Das Johannes-Evangelium wird mit einem Teich verglichen, in dem ein Kind waten und ein Elephant schwimmen kann. Ich mag diesen Vergleich. Er ist sowohl einfach als auch tiefsinnig. Er gilt für den, der im Glauben noch ganz am Anfang steht, genauso wie für den gereiften Christen. Seine Wirkung ist unmittelbar und versagt nie.19

Das Johannes-Evangelium wurde nicht primär für Wissenschaftler geschrieben; es wurde für ganz alltägliche Männer und Frauen geschrieben, um sie davon zu überzeugen, dass der Jesus des Neuen Testaments der verheißene Messias des Alten Testaments ist, der Erlöser der Welt. Dadurch, dass sie an Ihn glauben, werden diese Männer und Frauen Kinder Gottes, ihre Sünden werden ihnen vergeben und sie gelangen in den Besitz ewigen Lebens. Es gibt keine wichtigere Frage in der ganzen Welt als diese: „Wer ist Jesus Christus?“ Und es gibt keinen besseren Ort, um die Antwort darauf zu finden, als das Evangelium des Johannes.

Das Herz all dessen, was dieses Evangelium so unverwechselbar macht, liegt darin, als wen uns Johannes Jesus vorstellt.20

Ich möchte diese Lektion mit einer Geschichte darüber beenden, welche Erfahrungen ich gemacht habe, als ich vor über 25 Jahren zum ersten Mal über das gesamte Johannes-Evangelium Unterricht hielt. Ein noch nicht erlöstes Ehepaar, das ein paar Häuser weiter wohnte, begann an meinen Bibelstudien über das Johannes-Evangelium teilzunehmen. Irgendwann um das dritte Kapitel herum, platzte die Frau plötzlich heraus: „Na, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich ja denken, dass Jesus behauptet, er wäre Gott.“ Einige Wochen später begleitete ich ihren Mann auf dem Heimweg nach dem Bibelstudium. Er erzählte mir, dass irgendwann in den zurückliegenden Wochen etwas in seinem Leben geschehen wäre. (Ich wusste, dass er mir sagen wollte, dass er gerettet worden wäre – dass er zu einem persönlichen Glauben an Jesus als seinen Erlöser gelangt wäre.) Ich fragte Charlie, wann diese Veränderung stattgefunden hätte. Seine Antwort werde ich nie vergessen. Sie lautete in etwa: „Na ja, das war irgendwo zwischen Kapitel 3 und Kapitel 6 vom Johannes-Evangelium.“ Charlie betrachete seine Bekehrung nicht unter zeitlichen Gesichtspunkten, sondern nach der Fortentwicklung der Argumentation im Johannes-Evangelium. Charlie war bereit. Er musste nicht bis Kapitel 21 warten, um an Christus zu glauben. Er war schon überzeugt und bekehrt, als er Kapitel 6 erreicht hatte.

Ich lade Sie ein, sich auf ein Studium des Johannes-Evangeliums einzulassen. Ich kann Ihnen versichern, dass es Ihr Leben verändern wird, wie Jesus das Leben der Apostel Johannes und Petrus veränderte und das Leben all der anderen, die an Ihn glaubten und Ihm in diesem Evangelium folgten. Studieren Sie mit mir gemeinsam dieses großartige Buch, ja? Machen Sie die Botschaft dieses Buches zu Ihrer eigenen. Es gibt keine wichtigere Botschaft in der ganzen Welt als die Botschaft dieses Evangeliums.


1 A.M. Hunter, Introducing the New Testament [Vorstellung des Neuen Testaments], (London, 1945), S. 50, wie zitiert bei Leon Morris, The Gospel According to John [Das Evangelium nach Johannes], (Grand Rapids: Wm.B. Eerdmans Publishing Co., 1971), S. 9.

2 Siehe Morris, Fußnote 1, S. 8.

3 Einige evangelikale Wissenschaftler glauben, dass Johannes der Urheber dieses Evangeliums ist, aber möglicherweise Hilfe bei dessen Abfassung hatte; ähnlich wie Markus, der sein Evangelium selbst schrieb, aber sich auf Petrus als seine Quelle stützte. Ich bin von dieser Ansicht nicht überzeugt, würde sie aber auch nicht als häretisch bezeichnen.

4 „Wenn wir uns den äußerlichen Hinweisen zuwenden, sehen wir uns mit der Tatsache konfrontiert, dass Johannes, der Sohn des Zebedäus, in den frühesten Tagen nicht als der Verfasser dieses Evangeliums genannt wird, dass in der Überlieferung aber auch kein anderer Name vorkommt. Der erste, von dem überliefert ist, dass er das Evangelium eindeutig Johannes zuschrieb, war offenbar Theophilus von Antiochien (c. AD 180). Auch Irenäus sagt, dass es von dem Apostel Johannes geschrieben wurde, und seine Quelle war anscheinend Polycarp, der Jesus noch persönlich kannte.“ Leon Morris, S. 21.

5 “Das Vierte Evangelium wurde seit dem zweiten Jahrhundert mit der Bezeichnung ‚nach Johannes’ versehen. Dies wurde in der christlichen Tradition so verstanden, dass die Autorität des Apostels Johannes, des Sohnes des Zebedäus, dahinter stehe und dass es dessen Zeugnis über das Leben und die Lehre Jesu enthalte. Der Kommentator stimmt voll und ganz mit der Aussage des verstorbenen Erzbischofs William Temple überein, der schrieb: ‚Meiner Meinung nach richtet sich jede Theorie über den Ursprung dieses Evangeliums selbst, die keine enge Verbindung zwischen dem Evangelium und Johannes, dem Sohn des Zebedäus feststellen kann. Die Kombination von inneren und äußeren Beweisen ist in diesem Punkt überwältigend.’“ R.V.G. Tasker, The Gospel According to St. John: An Introduction and Commentary [Das Evangelium nach St. Johannes: Einführung und Kommentar], (Grand Rapids, Michigan: Wm.B. Eerdmans Publishing Company, 1980 [zehnter Nachdruck]), S. 11.

6 Morris, S. 9; siehe Johannes 21:24.

7 „Interessanterweise gebraucht Johannes beide Verben [für Liebe] mehr als doppelt so häufig wie alle anderen. Liebe bedeutet diesem Verfasser eindeutig sehr viel.“ Leon Morris, S. 229, Fn. 71.

8 Leon Morris, S. 12.

9 D.A. Carson, The Gospel According to John [Das Evangelium nach Johannes], (Grand Rapids: William B. Eerdmans Publishing Company, 1991), S. 21.

10 Die Anmerkung des Übersetzers in der NET-Bible lautet: „Oder: ‚nun liebte er sie vollständig’, oder: ‚nun liebte er sie bis zum Äußersten’“ (siehe Johannes 19:30).

11 Wenn Morris das Problem der Austreibung aus dem Tempel in Kapitel 2 behandelt, weist er darauf hin, dass „… nichts sonst aus den ersten fünf Kapiteln dieses Evangeliums sich bei irgendeinem der Synoptiker findet“. Morris, S. 190.

12 „Damit enthält Johannes’ unverwechselbares Porträt Jesu zu 93 Prozent Originalmaterial, wenn man es mit den Synoptikern vergleicht.“ John F. Walvoord und Roy B. Zuck, The Bible Knowledge Commentary [Fakten zur Bibel], (Wheaton, Illinois: Scripture Press Publications, Inc.), 1983, 1985. “John” [„Johannes“] en loc.

13 Das griechische Verb für glauben erscheint 98 Mal im Johannes-Evangelium. Eigenartigerweise kommt die Substantiv-Form überhaupt nicht bei Johannes vor.

14 „Kein Evangelium überliefert mehr Beispiele von falschem Verständnis und von Unverständnis als das von Johannes.” Carson, S. 98.

15 Carson, S. 98.

16 Morris, S. 32

17 William Hendriksen, New Testament Commentary: Exposition of the Gospel According to John [Neutestamentarischer Kommentar: Entwurf zum Evangelium nach Johannes], (Grand Rapids: Baker Book House, 1953), S. 3.

18 Philip Wesley Comfort, I Am the Way: A Spiritual Journey Through the Gospel of John [Ich bin der Weg: Eine spirituelle Reise durch das Johannes-Evangelium], (Grand Rapids: Baker Books, 1994), S. 11.

19 Leon Morris, The Gospel According to John [Das Evangelium nach Johannes], (Grand Rapids: Wm.B. Eerdmans Publishing Co., 1971), S. 7.

20 Carson, S. 95.

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