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Where the world comes to study the Bible

2. Was ist das für ein Kind? (Johannes 1:1-18)

Einleitung

In der Weihnachtszeit wird oft ein Lied von William Chatterton Dix gesungen, das folgendermaßen anfängt:

What Child is this, who laid to rest / On Mary’s lap, is sleeping?
Whom angels greet with anthems sweet, / While shepherds watch are keeping?

This, this is Christ, the King, / Whom shepherds guard and angels sing:
Haste, haste to bring Him laud, / The Babe, the Son of Mary!

[Anm. d. Ü.: Dieses Lied wird nach der Melodie „Greensleeves“ gesungen und lautet übersetzt etwa:

Was ist das für ein Kind, das da in Marias Schoß gebettet schläft?
Das Engel mit süßen Melodien grüßen, während die Hirten die Wacht halten?

Das, das ist Christus, der König, den die Hirten bewachen und dem die Engel singen:
Eilt, eilt und bringt ihm Lob, dem Kind, Marias Sohn!
]21

Während ich diese Botschaft für Sie schreibe, ist Weihnachten schon sehr nahe gerückt. Insofern mag es angemessen sein, die Botschaft mit „Was ist das für ein Kind?“ zu überschreiben. Wenn man allerdings unseren Text im Johannes-Evangelium betrachtet, werden viele sagen, dass ich den Titel eher zu „Was für ein Kind?“ abkürzen müsste. Es gibt kein Kind in unserem Text – keine Maria, die vom Heiligen Geist schwanger wird, kein Baby in der Krippe, keine Hirten oder Magier, keinen sich bedroht fühlenden König Herodes. Warum also sollte man diese Botschaft „Was ist das für ein Kind?“ nennen, wenn es in unserem Text gar kein Kind gibt?

Matthäus und Lukas versorgen uns in ihren Evangelien mit einer ganzen Menge an Details über die Empfängnis und die Ankunft des Christuskindes. Markus übergeht diese Details und beginnt sein Evangelium mit dem Dienst Johannes’ des Täufers. Johannes fängt sein Evangelium mit einem Prolog an, den wir in den ersten 18 Versen von Kapitel 1 finden. Dieser Prolog zum Johannes-Evangelium ist unser Text für diese Lektion. Wenn auch viele der vertrauten „weihnachtlichen“ Elemente aus den anderen Evangelien fehlen, leistet der Prolog des Johannes doch einen wesentlichen Beitrag zum Weihnachtsfest, und das wurde in der Vergangenheit auch nicht übersehen. J.I. Packer schreibt über den Prolog des Johannes: „In der Kirche von England wird er jedes Jahr als das Evangelium für den Weihnachtstag gelesen, und das zu Recht. Nirgendwo im Neuen Testament werden das Wesen und die Bedeutung der Gottessohnschaft Jesu so deutlich erklärt wie hier.“22

Der Prolog des Johannes verschafft uns Einsichten, die dazu beitragen, unser Verständnis und unsere Wertschätzung für die Geburtserzählungen von Matthäus und Lukas zu verbessern. Die letzteren beiden Evangelien unterstreichen die Menschlichkeit unseres Herrn, ohne dabei Seine Göttlichkeit zu leugnen. Das Evangelium des Johannes unterstreicht die Göttlichkeit Jesu Christi, ohne Seine Menschlichkeit zu schmälern. Wenn wir Weihnachten in seiner ganzen Bedeutung feiern wollen, dürfen wir die Aussagen nicht außer Acht lassen, die im Prolog des Johannes enthalten sind. Lassen Sie uns also aufmerksam auf diese ganz besonderen Worte des Apostels Johannes hören, damit unsere Anbetung des Erlösers bereichert und verstärkt werde. Angesichts der reichhaltigen Doktrinen, die in diesem Text enthalten sind, werden wir dann geradezu zwangsläufig einstimmen, wenn zu Weihnachten gesungen wird: „O, lasset uns anbeten den König“.

Am Anfang:
Das Wort und der Vater
(1:1-2)

Am Anfang [schuf] Gott … (Genesis 1:1).
1 Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 2 Das Wort war im Anfang bei Gott.

Matthäus und Lukas beginnen mit der Geburt Johannes’ des Täufers und des Herrn, und Markus beginnt mit dem Dienst Johannes’ des Täufers. Johannes dagegen geht ganz zurück an den „Anfang“. Die ersten Worte vom Johannes-Evangelium „Am Anfang ...“ rufen die Erinnerung wach an den Schöpfungsbericht in Genesis 1. Die Formulierung „am Anfang“ ist – im Griechischen23 wie auch im Englischen oder Deutschen – dieselbe in Genesis 1:1 und in Johannes 1:1. Das kann kein Zufall sein, sondern es muss eine Absicht dahinter stecken. Als Moses das Buch Genesis schrieb, begann er mit „Am Anfang [schuf] Gott ...“. Praktisch dasselbe macht Johannes mit den zwei ersten Versen seines Evangeliums.

In diesem ersten Kapitel seines Evangeliums erwähnt Johannes den Namen „Jesus“ erst in Vers 17, und danach erst wieder in Vers 29. Er sagt nicht – und kann auch nicht sagen –, dass am Anfang „Jesus“ war. „Jesus“ ist der Name des Gott-Menschen, der von der Jungfrau Maria geboren wird. Es ist dies Sein menschlicher Name, der Ihm erst nach Seiner Inkarnation verliehen wird. Wenn ich über diesen Text lehren wollte, habe ich schon oft nach Worten gesucht, um unseren Herrn richtig zu bezeichnen. Manchmal kommt es vor, dass ich dann einen ganz anderen Ausdruck benutze: „die zweite Person der Gottheit“. Das kommt daher, dass unser Herr von jeher bei Gott und als Gott existierte, doch zu einem bestimmten Zeitpunkt nahm Er dann einen menschlichen, fleischlichen Körper an. In Johannes 1:1-3 spricht Johannes von der Präexistenz unseres Herrn als „zweiter Person der Gottheit“. Wenn Johannes hier von unserem Herrn spricht, nennt er Ihn „das Wort“24. Die Begriffe „Messias“, „Sohn Gottes“ und „Jesus“ sind im Großen und Ganzen nur dann angebracht, wenn man von unserem Herrn nach Seiner Inkarnation spricht25. Unser Herr hat schon immer als Gott existiert, und er hat schon immer in Einheit und Gemeinschaft mit Gott dem Vater existiert. Aber erst bei der Inkarnation wurde er der inkarnierte Gott (Jesus), der von Matthäus und Lukas beschrieben wird.

Was Johannes uns in den ersten zwei Versen seines Evangeliums erzählt, verschlägt einem die Sprache: Jesus ist Gott. Bevor er Menschengestalt annahm, existierte „das Wort“ schon von Ewigkeit her als Gott und in Gemeinschaft mit Gott dem Vater. Es ist wichtig, dass wir uns diese Tatsache wirklich bewusst machen. Johannes’ Worte können nicht auf irgendeine andere, irgendeine geringere Bedeutung als diese reduziert werden. Unser Herr ist Gott. Er ist ewig. Er existierte von Anfang an und Er hat schon immer beim Vater existiert. Das ist es, was Johannes uns mit seinen Worten zu verstehen geben will, und von dieser Wahrheit hofft er uns zu überzeugen.

Johannes stellt damit ganz offensichtlich eine wichtige Verbindung her: Der Gott, der das Universum erschuf, ist derselbe, der in Bethlehem in einer Krippe lag. Johannes lässt uns wissen, dass der „Jesus“, den er hier vorstellt, der im Alten Testament verheißene Messias ist. Und noch mehr als das: Jesus ist der Messias und Jesus ist Gott. Die Existenz unseres Herrn begann nicht in Bethlehem. Sein Ursprung liegt noch nicht einmal in Genesis 1 und 2, wo Gott das Universum erschafft. Er war dabei; er existierte bereits, als die Welt erschaffen wurde. Er war da bei Gott. Er war da als Gott.

Lesen wir da irgendetwas in die Bibel hinein, was gar nicht darin steht? Keineswegs! Diese Göttlichkeit Christi wird im Johannes-Evangelium immer wieder bestätigt. Jesus beansprucht nicht nur, Gott zu sein, sondern auch, vom Vater im Himmel herabgekommen zu sein. Das glauben die, die Ihm vertrauen. Das versuchen Seine Feinde zu leugnen:

„Ich habe es gesehen und ich habe es bezeugt, dass dieser der Sohn Gottes ist (Johannes 1:34).

Nathanael antwortete ihm: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel! (Johannes 1:49)

„Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabkam – des Menschen Sohn“ (Johannes 3:13).

„Der von oben kommt, ist höher als alle. Der von der Erde ist, gehört zur Erde und spricht über irdische Dinge. Der vom Himmel kommt, ist höher als alle“ (Johannes 3:31).

Aus diesem Grunde suchten die jüdischen Würdenträger nur umso mehr, ihn zu töten; denn er brach nicht nur den Sabbat, sondern er nannte auch Gott seinen Vater und machte sich so Gott gleich (Johannes 5:18).

31 „Unsere Vorfahren aßen das Manna in der Wüste, wie geschrieben steht: Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.’“26 32 Da sagte Jesus zu ihnen: „Ich sage euch die tiefe Wahrheit: Es ist nicht Moses, der euch das Brot vom Himmel gab, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. 33 Denn das Brot Gottes ist der, der vom Himmel herabkommt und der Welt Leben schenkt“ (Johannes 6:31-33).

„Denn ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht um meinen eigenen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat“ (Johannes 6:38).

47 „Ich sage euch die tiefe Wahrheit: Wer glaubt, der hat ewiges Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Vorfahren aßen das Manna in der Wüste und starben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, damit man davon esse und nicht sterbe. 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wenn jemand von diesem Brot isst, wird er für immer leben. Das Brot, das ich für das Leben der Welt geben werde, ist mein Fleisch. ... 58 Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist; nicht wie bei euren Vorfahren, die aßen und doch starben. Wer dieses Brot isst, wird für immer leben“ (Johannes 6:47-51,58).

28 Also rief Jesus aus, als er im Tempel lehrte: „Ihr kennt mich und ihr wisst, woher ich komme! Und ich bin nicht von mir aus gekommen, sondern der mich gesandt hat, ist wahrhaftig. Ihr kennt ihn nicht, 29 aber ich kenne ihn, weil ich von ihm her gekommen bin und er mich gesandt hat (Johannes 7:28-29).

Jesus antwortete: „Auch wenn ich über mich selbst Zeugnis ablege, so ist mein Zeugnis doch wahr, weil ich weiß, woher ich kam und wohin ich gehe. Ihr aber wisst nicht, woher ich gekommen bin oder wohin ich gehe“ (Johannes 8:14).

Jesus erwiderte: „Ihr seid von unten; ich bin von oben. Ihr Menschen seid von dieser Welt; ich bin nicht von dieser Welt“ (Johannes 8:23).

40 „Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat, die ich von Gott gehört habe. So etwas tat Abraham nicht! 41 Ihr tut die Werke eures Vaters.“ Da sagten sie zu Jesus: „Wir wurden nicht durch Hurerei geboren! Wir haben nur einen Vater, Gott selbst.“ 42 Jesus erwiderte: „Wenn Gott euer Vater wäre, würdet ihr mich lieben, denn ich bin von Gott gekommen, und nun bin ich hier. Ich bin nicht von mir aus gekommen, sondern er hat mich gesandt“ (Johannes 8:40-42).

56 Euer Vater Abraham freute sich sehr, meinen Tag zu erleben, und er sah ihn und war froh.” 57 Da erwiderten die Juden, die ihm zugehört hatten: „Du bist noch keine fünfzig Jahre alt! Hast du Abraham gesehen?“ 58 Jesus sagte zu ihnen: „Ich sage euch die tiefe Wahrheit: Ehe Abraham ins Dasein kam, bin ich!“ (Johannes 8:56-58)

Dann sagten einige von den Pharisäern: „Dieser Mann ist nicht von Gott, denn er hält den Sabbat nicht.“ Andere aber sagten: „Wie kann ein Mensch, der ein Sünder ist, solch wunderbare Zeichen vollbringen?“ Auf diese Weise gab es eine Spaltung unter ihnen (Johannes 9:16).

29 „Wir wissen, dass Gott zu Moses gesprochen hat! Aber wir wissen nicht, woher dieser Mensch kommt!“ 30 Der Mann erwiderte: „Das ist verwunderlich, dass ihr nicht wisst, woher er kommt, und doch hat er mich sehend gemacht!“ (Johannes 9:29-30)

„Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, könnte er nichts tun“ (Johannes 9:33).

1 Kurz vor den Passah-Feiern erkannte Jesus, dass die Zeit für ihn gekommen war, aus dieser Welt hinweg zum Vater zu gehen. Er hatte die Seinen, die in der Welt waren, geliebt, und nun liebte er sie bis zum Ende. 2 Das Abendmahl war im Gange, und der Teufel hatte Judas Ischariot, Simons Sohn, schon ins Herz gelegt, dass er Jesus verraten sollte. 3 Jesus aber, da er wusste, dass der Vater ihm alle Dinge in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückging, ... (Johannes 13:1-3).

„Lasst euer Herz nicht beunruhigt sein. Ihr glaubt an Gott; glaubt auch an Mich“ (Johannes 14:1).

„Nun wissen wir, dass du alles weißt und nicht nötig hast, dass dich irgendjemand irgendetwas frage. Deshalb glauben wir, dass du von Gott gekommen bist“ (Johannes 16:30).

7 „Jetzt haben sie erkannt, dass alles von dir ist, was du mir gegeben hast, 8 denn ich habe ihnen die Worte gegeben, die du mir gabst. Sie nahmen sie an und erkannten wirklich, dass ich von dir gekommen bin, und glaubten, dass du mich gesandt hast“ (Johannes 17:7-8).

Die religiösen Führer der Juden erwiderten: „Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er sterben, weil er behauptet hat, der Sohn Gottes zu sein!“ (Johannes 19:7)

Jesus erwiderte ihr: „Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht zu meinem Vater aufgefahren. Gehe hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: ‚Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott’“ (Johannes 20:17).

Thomas erwiderte: „Mein Herr und mein Gott!“ (Johannes 20:28)

Diese aber sind aufgeschrieben worden, damit ihr glaubet, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und dass ihr durch den Glauben in seinem Namen Leben habt (Johannes 20:31).

Aus der vorhergehenden Lektion (1) erinnern Sie sich vielleicht, dass ich vor Jahren bei einem Bibelstudium in unserem Haus über das Johannes-Evangelium lehrte und ein junges Ehepaar dazu kam. Als wir beim dritten Kapitel aus Johannes waren, platzte die Frau heraus: „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich ja denken, dass Jesus behauptet, er wäre Gott.“ Jesus behauptet tatsächlich und ganz offensichtlich, Gott zu sein. Ebenso offensichtlich sucht Johannes uns zu überzeugen, dass Jesus Gott ist. Das ist die Wahrheit, die die Feinde unseres Herrn einfach nicht ertragen konnten.

Was Johannes uns hier über die Göttlichkeit Jesu Christi sagt, steht im Einklang mit dem, was das Alte Testament über den verheißenen Messias lehrte. Die alttestamentarischen Propheten sprachen davon, dass der künftige Erlöser ein Mann und ein Nachkomme Abrahams, Jakobs, Judas und Davids sein würde (Genesis 49:8-10, 2.Samuel 7:12-14). Und sie sprachen auch davon, dass der Erlöser der ewige Gott sein würde:

6 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft wird auf Seiner Schulter sein. Und Sein Name wird sein Wunderbar, Ratgeber, Mächtiger Gott, Ewiger Vater, Friedefürst. 7 Ohne Ende werden Seine Herrschaft und Frieden zunehmen, auf dem Thron Davids und über Sein Königreich, es zu ordnen und mit Recht und Gerechtigkeit zu erhalten, von jener Zeit an bis sogar in Ewigkeit. Der Eifer des Herrn der Heerscharen wird dies vollbringen (Jesaja 9:6-7, NKJV).

„Du aber, Bethlehem Ephrata, obwohl du klein bist unter den Tausenden von Juda, wird doch aus dir der Eine Mir hervorgehen, der Herrscher in Israel sein soll, dessen Ausgang ist von altersher, von Ewigkeit“ (Micha 5:2, NKJV).

Die neutestamentarischen Schreiber sind offensichtlich mit Johannes einig in der Feststellung, dass der Jesus der Evangelien, der Jesus, den die Kirche als ihren Erlöser und Herrn anbetet, nicht nur ein sündenloser Mensch war, sondern auch in vollkommener und ungeschmälerter Weise ein Gott:

15 Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene über die ganze Schöpfung, 16 denn alle Dinge im Himmel und auf Erden wurden von ihm erschaffen – alle Dinge, ob sichtbar oder unsichtbar, seien es Throne oder Herrschaften, Regierungen oder Kräfte – alle Dinge wurden durch ihn und für ihn erschaffen. 17 Er selbst ist vor allen Dingen und alle Dinge werden in ihm zusammengehalten. 18 Er ist das Haupt des Leibes, der Kirche, und auch der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, damit er selbst in allen Dingen der Erste werde. 19 Denn Gott hat es gefallen, seine ganze Fülle in ihm wohnen zu lassen 20 und durch ihn alle Dinge mit sich zu versöhnen, indem er Frieden schloss durch das Blut seines Kreuzes – seien es Dinge auf Erden oder im Himmel (Kolosser 1:15-20).

1 Nachdem Gott zu unseren Vorfahren vor langer Zeit in verschiedenen Teilen und verschiedenen Arten durch die Propheten sprach, 2 hat er nun zu uns in diesen letzten Tagen in einem Sohn gesprochen, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat und durch den er die Welt erschaffen hat. 3 Der Sohn ist der Glanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens und erhält alle Dinge durch sein mächtiges Wort. Und so setzte er sich zur Rechten des Erhabenen in der Höhe, nachdem er die Reinigung von den Sünden vollbracht hatte (Hebräer 1:1-3).

8 Aber von dem Sohn: „Dein Thron, o Gott, ist für alle Zeit; ein gerechtes Szepter ist das Szepter deines Königreichs. 9 Du hast Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst. Darum hat dich Gott, dein Gott, mit dem Öl der Freude gesalbt über deine Gefährten.“

10 Und: „Du, Herr, hast im Anfang die Erde begründet, und die Himmel sind das Werk deiner Hände. 11 Sie werden vergehen, du aber wirst bleiben. Und sie alle werden alt werden wie ein Kleidungsstück, 12 und wie ein Kleid wirst du sie zusammenfalten, und wie ein Kleidungsstück werden sie gewechselt werden; du aber bleibst derselbe und deine Zeit wird nie ablaufen“ (Hebräer 1:8-10).

9 Ich, Johannes, euer Bruder und Mitteilhaber an der Verfolgung, dem Reich und dem Ausharren, die in Jesus sind, war auf der Insel namens Patmos um des Wortes Gottes und des Zeugnisses über Jesus willen. 10 Als ich am Tag des Herrn im Geiste war, hörte ich hinter mir eine laute Stimme wie eine Trompete, 11 die sprach: „Schreibe in ein Buch, was du siehst, und sende es an die sieben Gemeinden – nach Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodicea.“ 12 Ich wandte mich um, zu sehen, wo die Stimme herkam, die da zu mir sprach; und als ich das tat, erblickte ich sieben goldene Leuchter, 13 und inmitten dieser Leuchter war einer gleich einem Menschensohn. Er war in ein Gewand gekleidet, das bis zu seinen Füßen herabfiel, und trug einen goldenen Gürtel um seine Brust. 14 Sein Haupt und Haar waren weiß wie Wolle, ja sogar weiß wie Schnee, und seine Augen waren wie feurige Flammen. 15 Seine Füße waren wie poliertes, in einem Feuerofen geläutertes Kupfer und seine Stimme glich dem Brüllen vieler Wasser. 16 In seiner Rechten hielt er sieben Sterne und aus seinem Mund ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert hervor. Sein Antlitz schien so hell wie die Sonne auf der Höhe ihrer Kraft. 17 Als ich ihn erblickte, fiel ich wie tot zu seinen Füßen nieder; er aber legte seine rechte Hand auf mich und sprach: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte, nämlich der Lebende! Ich war tot, doch siehe, nun lebe ich – für immer und ewig – und ich habe die Schlüssel des Todes und des Hades!“ (Offenbarung 1:9-18)27

Das Wort und die Welt
(1:3-5)

3 Alle Dinge wurden durch ihn erschaffen, und ohne ihn wurde nicht ein Ding erschaffen, das erschaffen wurde. 4 In ihm war Leben28 und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint weiter in der Finsternis, doch die Finsternis hat es nicht erfasst.

Die Verse 1 und 2 stellen unseren Herrn ganz an den Anfang – eigentlich sogar noch vor den Anfang. Er war schon da mit dem Vater, bevor es die Welt gab. In Vers 3 nun fährt Johannes fort, indem er zeigt, dass unser Herr nicht nur von allem Anfang an war, sondern dass Er auch der Ursprung alldessen war, was einen Anfang hat. Das „Wort“ war nicht passiv, sondern aktiv und war der Eine, durch den alle Dinge ins Dasein kamen. Er wurde nicht erschaffen; sondern Er war der Schöpfer. Er erschuf nicht einfach alle Dinge für Gott, sondern Er erschuf alle Dinge als Gott. Alle Dinge entstanden durch Ihn. Das „Wort“ sprach, und alle Dinge kamen ins Dasein. Als der Schöpfer ist Er der Ursprung und die Quelle des Lebens29.

Danach zieht Johannes das Bild des „Lichtes“ heran, das auch in Genesis 1 vorkommt, und wendet dieses Bild wiederum auf das „Wort“ an. In der Genesis erzählt uns Moses mit an erster Stelle, dass Gott das Licht ins Dasein rief (Genesis 1:3). Dann schied Gott das „Licht“ von der „Finsternis“ (1:4). Und nachdem Gott „Licht“ geschaffen hatte, schuf er „Leben“ (1:11ff.). Johannes zieht die Parallele zu der anfänglichen Schöpfung, bei der „das Wort“ anwesend und aktiv war. Fast unmerklich werden wir dann zeitlich von der anfänglichen Schöpfung (Johannes 1:3) zu der Inkarnation und Erscheinung unseres Herrn in der menschlichen Geschichte (Verse 4-5ff) versetzt. Als das „Wort“ in die Welt kam, war die Welt, geistlich gesehen, in einem chaotischen Zustand. Als das „Wort“ erschien, war Es das „Licht“, das die Dunkelheit erhellte und so die Gerechtigkeit Gottes enthüllte und die Sünden der Menschen zum Vorschein brachte. Das bewirkte, dass das „Licht“ von der „Finsternis“ geschieden wurde. Die Finsternis bemerkte das Licht, aber „erfasste“ es nicht (Vers 5).

Dieses „Licht“, das bei der Erscheinung unseres Herrn aufleuchtete, scheint noch immer. Vers 5 kann auf mehrere Arten übersetzt werden, wie im Folgenden gezeigt wird:

Das Licht scheint in der Finsternis, doch die Finsternis hat es nicht verstanden (NIV).

Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht überwunden (NRS).

Das Licht scheint fort in der Finsternis, und die Finsternis hat es nie ausgelöscht (NEB).

Das ausschlaggebende Wort in der NET-Übersetzung ist das Wort „erfasst“ [„mastered“; Anm. d. Ü.]30: „Und das Licht scheint weiter in der Finsternis, doch die Finsternis hat es nicht erfasst“ (Hervorhebung durch B. Deffinbaugh). Das entsprechende griechische Wort kann die Bedeutung „erfassen“ oder „verstehen“ im geistigen Sinne haben, aber auch die Bedeutung „überwältigen“ (wie in der Randnote der NASB gesagt wird) oder „überwinden“. Beide Färbungen dieses Begriffs wären im gegebenen Zusammenhang möglich31. Jesus kam in die Welt als das wahre „Licht“, aber die verlorene Menschheit war nicht in der Lage, das zu verstehen (vergleiche 1. Korinther 3:14). Oder, stärker noch: Jesus kam in die Welt und beleuchtete deren Sünde und Erlösungsbedürftigkeit, aber die Welt entschied sich dafür, in ihrer Sünde zu bleiben, versuchte also, dem Licht entgegenzuwirken oder es sogar zu überwinden, doch sie hat es nicht geschafft.

Johannes führt mit dem „Licht“ ein Thema ein, das uns überall in seinem Evangelium wieder begegnen wird (Johannes 3:18-21, 5:35, 8:12, 9:5, 12:35-36, 12:46). Es ist dies ein prophetisches Thema, das auch bei Matthäus (4:13-16, 5:14-16) und Lukas (1:76-79, 2:25-32, 16:8) hervorgehoben wird. Jesus kam als das „Licht“ und Er hinterließ Seine Jünger und Seine Kirche, um dieses „Licht“ in Seiner Abwesenheit widerzuspiegeln. Alle Bemühungen der Welt, das „Licht“ zu unterdrücken, sind bisher fehlgeschlagen, und so scheint das Licht noch immer, sogar bis zum heutigen Tag, durch das Volk Gottes:

3 Doch selbst wenn unsere gute Botschaft verhüllt ist, ist sie doch nur für die verhüllt, die dem Untergang geweiht sind, unter denen der Gott dieses Zeitalters den Sinn der Ungläubigen blind gemacht hat, dass sie das Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, der das Bild Gottes ist, nicht sähen. 5 Denn wir verkünden nicht uns selbst, sondern Jesus Christus als den Herrn und uns als eure Leibeigenen um Jesu willen. 6 Denn Gott hat gesagt „Aus der Finsternis soll ein Licht aufleuchten“, und er selbst ist es, der in unseren Herzen aufgeleuchtet hat, um uns das Licht der herrlichen Wahrheit Gottes durch das Angesicht Jesu Christi zu schenken (2. Korinther 4:3-6).

7 Darum seid ihnen nicht Teilhaber; 8 denn ihr wart einst Finsternis, nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts – 9 denn die Frucht des Lichts ist lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit – 10 und sucht zu erfahren, was dem Herrn wohlgefällig ist. 11 Habt nicht Teil an den fruchtlosen Werken der Finsternis, sondern deckt sie vielmehr auf. 12 Denn was sie im Geheimen tun, ist schändlich auch nur auszusprechen. 13 Alles vom Licht aufgedeckte aber wird offenbar gemacht. 14 Denn alles, was offenbar gemacht wurde, ist hell, und darum heißt es: „Wach auf, du Schläfer, / steh auf von den Toten, / und Christ wird dich erleuchten!“ (Epheser 5:7-14)

14 Tut alles ohne Murren und Widerrede, 15 damit ihr rein und ohne Tadel seid, Kinder Gottes, ohne Makel selbst in einer verderbten und verkehrten Gesellschaft, in der ihr als das Licht in der Welt leuchtet, 16 indem ihr an dem Wort des Lebens festhaltet, so dass ich am Tag Christi Grund zum Feiern haben werde, weil ich nicht umsonst gelaufen bin und gearbeitet habe (Philipper 2:14-16)

Jesus und Johannes:
Das Wort und der Zeuge
(1:6-8)

6 Ein Mann kam32, von Gott gesandt, der hieß Johannes. 7 Er kam als ein Zeuge, um Zeugnis abzulegen über das Licht, damit jeder durch ihn zum Glauben käme. 8 Er selbst war nicht das Licht, sondern er kam, um über das Licht Zeugnis abzulegen.

Johannes der Täufer war ein sehr berühmter und geachteter Mensch. Viele kamen, um ihn predigen zu hören, obwohl seine Botschaft der Ruf zur Buße war. Sie waren es zufrieden, mit Johannes zu gehen, und hielten es sogar für möglich, dass er der Messias wäre.

Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem gingen hin zu ihm und bekannten ihre Sünden und wurden von ihm im Jordan getauft (Markus 1:5).

Während die Menschen voller Erwartung waren und alle in ihrem Herzen erwogen, ob wohl Johannes der Christus sein könnte (Lukas 3:15).

33 „Ihr habt Leute zu Johannes gesandt und er hat Zeugnis für die Wahrheit abgelegt. 34 (Ich nehme nicht das Zeugnis eines Menschen an, sondern ich sage dies, damit ihr gerettet werdet.) 35 Er war eine brennende und leuchtende Lampe und ihr wolltet für eine kurze Zeit sehr fröhlich sein in seinem Licht“ (Johannes 5:33-35).

Das Erstaunliche an Johannes dem Täufer ist, dass er niemals irgendein Wunder oder Zeichen vollbracht hat; er predigte und taufte nur:

40 Jesus ging wieder fort über den Jordan, an den Ort, wo Johannes in früheren Zeiten getauft hatte, und er blieb dort. 41 Viele kamen zum ihm und sie sagten: „Johannes hat keine Wunderzeichen vollbracht, aber alles, was Johannes über diesen Mann gesagt hat, ist wahr!“ 42 Und viele glaubten dort an Jesus (Johannes 10:40-42; Hervorhebung von B. Deffinbaugh).

Der Apostel Johannes wendet seine Aufmerksamkeit in Vers 6-8 Johannes dem Täufer zu. Wenn meine Annahme stimmt, dass der Apostel Johannes der zweite der beiden Jünger von Johannes dem Täufer war, die diesen verließen, um Jesus zu folgen (Johannes 1:35-42), dann ist es wenig verwunderlich, dass der Verfasser des Evangeliums einiges über Johannes den Täufer zu sagen hat. Wie interessant, dass der Apostel Johannes hier den Täufer nicht als „Johannes der Täufer“ bezeichnet, sondern nur als „Johannes“. Die Betonung liegt in Vers 6-8 nicht auf Johannes als „Täufer“, sondern auf Johannes als „Zeugen“. Johannes kam als ein Zeuge für das „Licht“, in das alle Menschen ihr Vertrauen setzen sollten. Er war nicht selbst das Licht, sondern nur ein Zeuge für das Licht. Wenn der Apostel Johannes über Johannes den Täufer spricht, achtet er darauf, die untergeordnete Rolle des Täufers hervorzuheben – so wie auch der Täufer selbst es tat (siehe Vers 19ff.).

Johannes der Täufer hatte die Aufgabe, Zeugnis für das „Licht“ abzulegen. Seine Mission war dieselbe wie die seines Jüngers, des Apostels Johannes: seinen Dienst auf Christus zu fokussieren, damit die Menschen durch den Glauben an Ihn zur Erlösung kämen. Als Johannes der Täufer Zeugnis ablegte, war das „Licht“ noch nicht erschienen und Jesus war noch nicht als dieses „Licht“ erkannt worden. Johannes konnte nur vom „Licht“ als von Einem sprechen, der kommen würde, von Einem, der erst noch offenbart werden würde.

Das „Licht“ und die verlorenen Sünder
(1:9-13)

9 Das wahre Licht, das jedem Menschen Licht gibt, kam in die Welt. 10 Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn erschaffen, aber die Welt erkannte ihn nicht. 11 Er kam zu dem, was sein Eigen war, doch sein eigenes Volk nahm ihn nicht auf. 12 Allen aber, die ihn aufnahmen, die an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden, 13 Kinder, die nicht aus menschlicher Abstammung oder menschlichem Wunsch oder eines Ehemannes Entscheidung heraus gezeugt sind, sondern aus Gott.

Johannes selbst ist nicht das Licht, für das er Zeugnis ablegt. Das Licht, für das er Zeugnis ablegt, ist das wahre33 Licht, die Erfüllung alldessen, was „Licht“ nur vorausahnen lässt. Das „Wort“ ist die Quelle des Lichts, Der, der das Licht ins Dasein rief (Genesis 1:3). Nach dem Schöpfungsbericht in Genesis wird „Licht“ ein herausragendes Thema im Alten Testament. Denken Sie an die folgenden alttestamentarischen „Licht“-Texte, die auf das Kommen unseres Herrn hindeuten:

„’Und er wird sein wie das Morgenlicht, wenn die Sonne aufgeht, / ein Morgen ohne Wolken, / wie das zarte Gras, das aus der Erde hervorbricht / durch den hellen Glanz nach dem Regen’“ (2. Samuel 23:4, NKJV).

Denn Du wirst meine Lampe entzünden; / der Herr, mein Gott, wird meine Dunkelheit erleuchten (Psalm 18:28, NKJV).

Der Herr ist mein Licht und meine Rettung; / wen soll ich fürchten? / Der Herr ist die Stärke meines Lebens; / vor wem soll ich Angst haben? (Psalm 27:1, NKJV)

Der Du Dich mit Licht wie mit einem Kleid einhüllst, / der Du die Himmel wie einen Vorhang ausbreitest (Psalm 104:2, NKJV).

Bei den alttestamentarischen Propheten wird Gottes „Licht“ das dominierende messianische Thema:

Die Menschen, die in der Finsternis wandelten, / sahen ein großes Licht; / über denen, die im Lande des Todesschattens wohnten, / ist ein Licht aufgeleuchtet (Jesaja 9:2, NKJV).

So wird das Licht Israels zu einem Feuer werden / und sein Heiliger zu einer Flamme; / es wird brennen und sein Unkraut und Dorngestrüpp in einem einzigen Tag verzehren (Jesaja 10:17, NKJV).

Ich werde die Blinden auf einen Weg bringen, der ihnen vorher unbekannt war; / ich werde sie auf Pfaden führen, die ihnen bisher unbekannt sind. / Ich werde die Dunkelheit vor ihnen licht machen / und holpriges Gelände eben. / Das werde ich für sie tun, / und ich werde sie nicht im Stich lassen (Jesaja 42:16, NKJV).

Ja, Er spricht: „Es ist zu wenig, dass Du Mein Knecht seiest, / der die Stämme Jakobs aufrichtet / und die Bewahrten Israels zurückbringt; / Ich will Dich auch noch den Heiden als ein Licht geben, / damit Du Mein Heil seist bis an das äußerste Ende der Erde“ (Jesaja 49:6, NKJV).

Dann soll dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, / deine Heilung soll schnell voranschreiten / und deine Gerechtigkeit soll vor dir hergehen; / die Herrlichkeit des Herrn soll deine Nachhut sein (Jesaja 58:8, NKJV).

1 Erhebe dich, leuchte, / denn dein Licht ist gekommen! / Und die Herrlichkeit des Herrn ist über dir aufgegangen. 2 Denn siehe, Finsternis soll die Erde bedecken / und tiefe Dunkelheit die Völker; / aber über dir wird der Herr aufgehen / und Seine Herrlichkeit wird über dir erscheinen. 3 Die Heiden sollen zu deinem Lichte ziehen / und Könige zu dem Glanz deines Erhebens (Jesaja 60:1-3, NKJV).

19 „Die Sonne soll nicht mehr dein Licht sein bei Tage, / noch soll der Mond dir zum Glanze sein Licht geben; / sondern der Herr wird dir ein immerwährendes Licht sein / und dein Gott dein Glanz. 20 Deine Sonne soll nicht mehr untergehen / und dein Mond soll nicht mehr abnehmen, / denn der Herr wird dein immerwährendes Licht werden / und die Tage deiner Trauer sollen ein Ende haben“ (Jesaja 60:19-20, NKJV).

Er offenbart, was tief und verborgen ist; / Er weiß, was in der Finsternis liegt, / und bei Ihm wohnt das Licht (Daniel 2:22, NKJV).

8 Frohlocke nicht über mich, meine Feindin. / Wenn ich falle, werde ich wieder aufstehen; / und wenn ich im Finstern sitze, / wird der Herr mir ein Licht sein. 9 Ich will den Grimm des Herrn ertragen / – denn ich habe gegen Ihn gesündigt –, / bis Er meinen Fall vertritt / und Gerechtigkeit für mich vollzieht. / Er wird mich herausführen ans Licht, / und ich werde Seine Gerechtigkeit sehen (Micha 7:8-9, NKJV).

Wenn Johannes uns sagt, dass Jesus das „Licht“ ist, so sagt er damit, dass unser Herr die Erfüllung der Hoffnungen Israels ist, der Messias, der im Alten Testament als Licht symbolisiert und beschrieben wird. Jesus ist das „wahre Licht“, das heißt, die Vollendung des „Lichtes“, auf das das Alte Testament hindeutet. Die Erscheinung des „wahren Lichts“ führte zur Festlegung eines Maßstabs für Gerechtigkeit, der die Sünden derer ans Licht bringt, die im Finstern wandeln:

19 „Dies ist nun die Grundlage für das Gericht: dass das Licht in die Welt kam und die Menschen die Dunkelheit mehr liebten als das Licht, denn ihre Werke waren böse. 20 Denn jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht ans Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt würden. 21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt ans Licht, damit es ganz offenbar werde, dass seine Werke in Gott getan sind“ (Johannes 3:19-21).

11 Habt nicht Teil an den fruchtlosen Werken der Finsternis, sondern deckt sie vielmehr auf. 12 Denn was sie im Geheimen tun, ist schändlich auch nur auszusprechen. 13 Alles vom Licht aufgedeckte aber wird offenbar gemacht. 14 Denn alles, was offenbar gemacht wurde, ist hell, und darum heißt es: „Wach auf, du Schläfer, / steh auf von den Toten, / und Christ wird dich erleuchten!“ (Epheser 5:7-14)

Das „wahre Licht“ kam in die Welt; doch die Welt reagierte nicht so auf dieses Licht, wie man hätte hoffen sollen. Das Wort, das schon existierte, bevor die Welt erschaffen wurde, das Wort, das die Welt ins Dasein brachte, das Wort, das das Licht hervorbrachte, kam in die Welt, die Er selbst gemacht hatte, und doch erkannte Ihn die Welt nicht. Der Eine, der sowohl das Wort als auch das Licht war, kam in die Welt, die Er erschaffen hatte, und die Welt wollte nichts von Ihm wissen.

Er kam, um das in Besitz zu nehmen, was Sein Eigen war, aber selbst Sein eigenes Volk nahm Ihn nicht auf. Vers 11 enthält eindeutig ein Wortspiel, doch manche englischen Übersetzungen geben nicht einmal einen Hinweis darauf, dass Johannes hier zwei verschiedene Ausdrücke benutzt, die eine etwas unterschiedlicher Bedeutung haben. Sie übersetzen vielmehr die beiden griechischen Ausdrücke mit denselben englischen Worten „Sein Eigen“:

Er kam zu Seinem Eigen, und Sein Eigen nahm Ihn nicht auf (Vers 11, NKJV; Hervorhebung durch B. Deffinbaugh).

Er kam zu Seinem Eigen, und die Sein Eigen waren, nahmen Ihn nicht auf (Vers 11, NASB; Hervorhebung durch B. Deffinbaugh).

Er kam auf sein Eigen, und sein Eigen nahm ihn nicht auf (Vers 11, KJV; Hervorhebung durch B. Deffinbaugh).

Die NET-Bibel übersetzt diesen Vers am genauesten:

Er kam zu dem, was sein Eigen war34, doch sein eigenes Volk nahm ihn nicht auf (NET-Bibel).

Welch eine Ironie, dass der Eine, der alle Dinge erschuf, von Seinem eigenen Volk abgelehnt wurde, als Er kam, um das Seine in Besitz zu nehmen. Das erinnert doch sehr an das Gleichnis unseres Herrn von den „bösen Pächtern“ in Matthäus 21:33-46. Es ist dies in der Tat ein finsteres Bild, eines, das die Bosheit der Menschen aufzeigt, die ihren Schöpfer abweisen (siehe Römer 1:18-32).

Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Dass Sein eigenes Volk das „Licht“ abwies, vereitelte die Absichten Gottes in keiner Weise. Johannes erzählt uns nämlich nicht einfach nur die Geschichte von „Gott in der Hand der wütenden Sünder“35, sondern in den Versen 12 und 13 erzählt er uns auch von den Sündern, die in der Hand eines gnädigen Gottes sind. Nicht alle werden das Licht zurückweisen, das in die Welt gekommen ist. Die, die Ihn aufnehmen, erhalten das Recht, sich Gottes Kinder zu nennen – sie sind in zweifacher Hinsicht die Seinen: die Seinen aufgrund der Schöpfung und die Seinen aufgrund der Kindschaft. Dies trifft auf jeden zu, der sein Vertrauen in Seinen Namen setzt36.

Damit nicht jemand auf die Idee kommt, es sich selbst anzurechnen, dass er unter die Gemeinschaft der Erlösten gezählt wird, sollte man sich Johannes’ Worte in Vers 13 anhören. Sie sagen deutlich, dass die Erlösung Gottes Werk ist und nicht das unsere; Gott erwählt uns eher als dass wir Ihn erwählen37:

„Kinder, die nicht von menschlichen Eltern oder durch menschlichen Willen oder aus der Entscheidung eines Mannes heraus geboren werden38, sondern durch Gott.“

Über die Bedeutung dieser Worte gibt es beträchtliche Diskussionen. Wörtlich lautet der Text: „Die geboren wurden nicht aus dem Blut ...“. Anstatt viel Zeit darauf zu verwenden, alle vorhandenen Möglichkeiten zu erforschen, ist es hier günstiger, einen allgemeineren Standpunkt einzunehmen. Alle drei Ausdrücke, „aus dem Blut“, „Willen des Fleisches“ und „Willen des Mannes“ beschreiben einen menschlichen Ursprung aus der Sicht menschlicher Initiative und menschlicher Handlung. Johannes stellt hier wohl alle Ausdrücke zusammen, von denen er annimmt, dass seine Leser sie als Quelle menschlicher Empfängnis und Geburt ansehen. Sowohl im Hinblick auf die tatsächliche Vereinigung von Zellen als auch im Hinblick auf die Motivation und Initiative hinter dieser Vereinigung sagt uns Johannes, dass unsere geistliche Geburt nicht aus oder durch menschliche(r) Absicht und Bemühung entsteht. Vielmehr werden diejenigen, die in die Familie Gottes als Seine Kinder geboren werden, „durch Gott geboren“. Gott ist der Schöpfer; Er ist der letzte Grund, Er ist Derjenige, durch dessen Willen und Wirken Menschen zu Seinen Kindern werden. Dies wird noch weiter im Detail bei dem Gespräch unseres Herrn mit Nikodemus in Kapitel 3 ausgeführt werden. Genau und mit biblischen Worten gesagt:

„Die Rettung ist des Herrn“ (Jona 2:9, Psalm 3:8, NKJV).

„Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, der Vater ziehe ihn, der mich gesandt hat; und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken“ (Johannes 6:44, siehe auch 6:65).

Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen (Römer 11:36).

Das Wort und das menschliche Fleisch
(1:14-18)

14 Nun aber wurde das Wort Fleisch und lebte39 unter uns. Wir sahen seine Herrlichkeit – die Herrlichkeit des einzigen [Gezeugten]40, voller Gnade und Wahrheit, der vom Vater herkam. 15 Johannes legte Zeugnis über ihn ab und rief aus: „Dieser war es, von dem ich sagte: ‚Der nach mir kommt, ist größer als ich es bin, denn er existierte schon vor mir.’“ 16 Denn wir alle haben aus seiner Fülle eine Gnade nach der anderen empfangen. 17 Denn das Gesetz wurde durch Moses gegeben, aber die Gnade und Wahrheit sind durch Jesus Christus geworden. 18 Niemand hat Gott je gesehen; der Einzige, Er, der selbst Gott ist, der in der Gegenwart des Vaters ist, hat über ihn Aufschluss gegeben.

Diese Verse stellen den Höhepunkt alldessen dar, worauf Johannes in seinem Prolog abzielt. Bis zu diesem Punkt wurde uns gesagt, dass „das Wort“ eine Person ist, eine ewige Person, die in der Tat Mitglied der Gottheit ist. Es gab Ihn schon bei der Schöpfung, ja, Er war der Schöpfer. Er ist verschieden von Gott dem Vater und doch in engster Gemeinschaft mit Ihm. Er ist der Ursprung von Licht und Leben. Er ist Der, den Johannes der Täufer bezeugte und dessen Erscheinen er voraussagte. Er ist Der, den Sein eigenes Volk zurückwies, aber den man annehmen muss, um ein Kind Gottes zu werden. Und die dann Gottes Kinder werden, werden es nicht aus menschlichem Willen oder Bemühen heraus; sie entstehen aus göttlicher „Empfängnis“. Bisher wurde noch nicht gesagt, wer diese Person ist. Das wird uns nun in den Versen 14-18 mitgeteilt.

Bis hierher wurde der Eine, den Johannes uns vorstellt, nur als „das Wort“ bezeichnet. Dieses „Wort“ ist gleichzeitig das „Licht“, das auf die Menschen scheint. Erleuchtung kann ja aus großer Entfernung heraus geschehen, so wie das Licht der Sonne von weit her auf uns scheint. Aber Johannes geht nun daran, uns eine ganz erstaunliche Tatsache mitzuteilen: Das „Wort“ wurde Fleisch und lebte unter den Menschen. Hier geschieht etwas absolut Einmaliges in der menschlichen Geschichte. In den heidnischen Religionen kommen die „Götter“ in verschiedenen Formen auf die Erde, doch gab es dort niemals eine Inkarnation wie die unseres Herrn. Ebenso wird den Menschen in manchen falschen Religionen versprochen,dass sie zu Göttern würden; niemals aber, dass Gott Menschlichkeit annehmen würde, wie es Johannes hier beschreibt41.

Das „Wort“ ‚tabernakelte’42 bei Seinem Volk und verband dabei vollständiges Mensch-Sein mit Seinem unverminderten Gott-Sein. So machte Er unter den Menschen Seine Herrlichkeit offenbar. Einst wurde Gottes “Herrlichkeit” durch das Tabernaculum [die Stiftshütte oder das Offenbarungszelt des Alten Testaments; Anm. d. Ü.] sichtbar gemacht:

42 „Das soll das beständige Brandopfer sein, durch eure Generationen hindurch, am Eingang des Tabernaculums der Begegnung vor dem Herrn, wo Ich euch begegnen und mit dir sprechen werde. 43 Und dort werde Ich den Kindern Israels begegnen, und das Tabernaculum soll durch Meine Herrlichkeit geheiligt werden“ (Exodus 29: 42-43, NKJV).

33 Und er richtete den Vorhof rings um das Tabernaculum auf und den Altar und hängte den Sichtschutz in das Tor des Vorhofes. So stellte Moses das Werk fertig. 34 Da bedeckte die Wolke das Tabernaculum der Begegnung und die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Tabernaculum. 35 Und Moses konnte nicht in das Tabernaculum der Begegnung hineingehen, weil die Wolke über ihr ruhte und die Herrlichkeit des Herrn das Tabernaculum erfüllte (Exodus 40:33-35, NKJV).

Während der Inkarnation ‚tabernakelte’ Gott durch Seinen Sohn unter Seinem Volk, und so kann Johannes sagen: „Wir sahen seine Herrlichkeit – die Herrlichkeit des einzigen [Gezeugten], voller Gnade und Wahrheit, der vom Vater herkam“ (Johannes 1:14; siehe auch 1. Johannes 1:1-4).

Johannes sagt: „Wir sahen seine Herrlichkeit.“ Das „wir“ muss sich auf jeden Fall auf die Apostel beziehen, schließt aber vielleicht auch noch andere Menschen ein. Die Verklärung unseres Herrn war sicher eine der dramatischsten Demonstrationen Seiner Herrlichkeit (siehe Lukas 9:30-32; 2.Petrus 1:16-19). Andere Gelegenheiten waren wohl die Verwandlung von Wasser in Wein (Johannes 2:11) und die Erweckung des Lazarus (Johannes 11:4,40). Die großartigste Darstellung der Herrlichkeit Gottes in Christus ist bis heute Sein Tod und Begräbnis und Seine Auferstehung (siehe Johannes 12:28, 13:31, 17:5,22,24, 1. Korinther 15:43). Die Art, wie Johannes das Wort „Herrlichkeit“ gebraucht, mag uns wohl dazu bringen, die „Herrlichkeit“ neu zu überdenken und neu zu definieren, so dass sie dann Dinge einschließt, die wir normalerweise nicht mit Herrlichkeit assoziieren würden. Von dem Einen, der „vom Vater herkam“, der „voller Gnade und Wahrheit“ war, sollte man gewiss erwarten, dass Er die Herrlichkeit Gottes offenbart.

Dieser Eine, den Johannes so weit vorgestellt hat, ist Jesus Christus. Er ist Der, von dem Johannes der Täufer Zeugnis ablegte. Er ist Der, der größer als alles ist. Er ist größer als Johannes der Täufer; Er existierte schon vor ihm. Er ist größer als das Gesetz. Er ist „voller Gnade und Wahrheit“ (Vers 14). Das Gesetz war eine Offenbarung Gottes, die in Stein geschrieben wurde. Der Herr Jesus Christus ist eine Offenbarung Gottes, die sich in menschlichem Fleisch manifestierte und unter den Menschen wohnte. Er ist die vollendete und endgültige Offenbarung Gottes:

1 Nachdem Gott zu unseren Vorfahren vor langer Zeit in verschiedenen Teilen und verschiedenen Arten durch die Propheten sprach, 2 hat er nun zu uns in diesen letzten Tagen in einem Sohn gesprochen, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat und durch den er die Welt erschaffen hat. 3 Der Sohn ist der Glanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens und erhält alle Dinge durch sein mächtiges Wort. Und so setzte er sich zur Rechten des Erhabenen in der Höhe, nachdem er die Reinigung von den Sünden vollbracht hatte (Hebräer 1:1-3).

Jesus Christus ist größer als das Gesetz, weil Er die vollkommene Offenbarung Gottes ist (wo das Gesetz Ihn nur partiell offenbarte). Außerdem ist Seine Gnade größer als die Gnade, die das Gesetz gewährt: „Denn wir alle haben aus seiner Fülle eine Gnade nach der anderen [wörtlich: Gnade über Gnade] empfangen. 17 Denn das Gesetz wurde durch Moses gegeben, aber die Gnade und Wahrheit sind durch Jesus Christus geworden“ (Johannes 1:16-17).

Während wir in einer Hinsicht die Gnade und das Gesetz als Gegensatz betrachten können, trifft es andererseits auch zu, dass das Gesetz Gottes gnädige Gabe an die Menschen war. Dem Gesetz fehlt es nicht an Gnade. Nur erzeigt Gott durch Jesus Christus und den Neuen Bund eine noch größere Gnade43. So kann Johannes sagen, dass wir in Christus „Gnade über Gnade“ empfangen haben. Moses war das Instrument, mit dessen Hilfe „die Gnade des Gesetzes“ gegeben wurde; Jesus Christus ist das Instrument, durch das „Gnade über Gnade“ gegeben wird.

In der Person unseres Herrn Jesus Christus, des inkarnierten Gottes, ist der unsichtbare Gott nun für die Menschen sichtbar. Moses sehnte sich danach, Gott umfassender zu sehen, und es wurde ihm ein partieller Blick gewährt (Exodus 33:17-34:7). In Christus sehen wir Gott in menschlichem Fleisch unter den Menschen wohnen. Das ist mehr, als man je zu hoffen gewagt hätte. Es ist auch mehr, als wir je in der Lage sein werden zu begreifen. Es ist ein Wunder, das unsere Anbetung in alle Zeit und Ewigkeit inspirieren wird.

Schlussfolgerung

Der Sinn wird über alle Maßen strapaziert, wenn man Johannes’ Worte im Prolog zu seinem Evangelium liest. Es sind dies großartige Wahrheiten, die wir in diesem ganzen Leben weiter zu ergründen suchen und die unsere Anbetung des Herrn in alle Ewigkeit nähren sollen. Bedenken Sie am Ende dieser Botschaft einige der möglichen Bedeutungen dieses Textes für den Leser.

Erstens: Der Leser sollte Johannes’ Prolog als Einführung großartiger Wahrheiten und Themen erkennen, auf die wir im weiteren Verlauf des Evangeliums immer wieder stoßen werden.

Im Prolog werden wir mit den Schlüsselthemen bekannt gemacht, die in der folgenden Erzählung vorkommen: das Wort, Gott, Leben, Licht, Finsternis, Zeugnis, die Welt, Ablehnung/Annahme, Glaube, Erneuerung (ein Kind Gottes werden), Inkarnation (das Wort wurde Fleisch), der eine Sohn des Vaters, Herrlichkeit, Gnade, Wahrheit und Fülle – dies alles wird im restlichen Evangelium weiter ausgeführt und veranschaulicht. Und wir werden mit den Schlüsselgestalten des Evangeliums bekannt gemacht: Gott, das Wort (Jesus, der Sohn Gottes), Johannes der Täufer, Moses, der Verfasser (als Sprachrohr für die Apostel) und alle Gläubigen. 44

Vielleicht haben Sie auch schon einmal die frustrierende Erfahrung gemacht, dass Sie an die Tür oder ans Telefon gingen und es mit einem Vertreter zu tun bekamen, der dann meistens versichert, dass er uns gar nichts „verkaufen“ will. Aber wir wissen, dass er etwas verkaufen will, und in der Regel wollen wir gar nichts kaufen. (Pfadfinderinnen und ihre Pfefferminztaler sind dabei eine willkommene Ausnahme, sowohl was die Methode als auch was das Produkt betrifft.) Johannes tut das nicht. Er klärt seine Leser von vorneherein darüber auf, wo er herkommt und wo er hin will. Ob man mit ihm einig ist oder nicht – zumindest weiß man, was man zu erwarten hat. Ist Jesus Gott? Mancher stimmt dem vielleicht nicht zu, muss aber zumindest zugeben, dass Johannes daran glaubt und sich sicher ist, dass Er es sei.

Zweitens: Die Wahrheiten, die Johannes in seinem Prolog entwirft, sind nicht nur für sein Evangelium grundlegend, sondern auch grundlegend für die Gute Botschaft von unserem Herrn Jesus Christus. Während die anderen Evangelien erst allmählich die Erkenntnis aufbauen, dass Jesus von Nazareth der fleischgewordene Gott ist, platzt Johannes damit gleich zu Beginn seines Werkes heraus. Jesus ist „das Wort“, der Gott, der von Ewigkeit her existierte und der bei der Schöpfung gegenwärtig und tätig war. Und Wunder über Wunder – das Wort, das seit Ewigkeit mit dem Vater existierte, wurde bei der Inkarnation fleischlicher Mensch. Er ist die Quelle des Lichts (der Wahrheit) und des (ewigen) Lebens. Durch Ihn lässt uns der Vater Gnade und Wahrheit im Überfluss zukommen.

Diese grundlegenden Wahrheiten bilden die Angriffspunkte für diejenigen, die die Dunkelheit dem Licht vorziehen, die Den nicht annehmen wollen, der kam, um Seinen Anspruch auf Seine Schöpfung geltend zu machen. Es sind diese fundamentalen Doktrinen, über die sich Johannes hier ergeht, die die Menschen anfechten und durch falsche Lehren und Glaubensinhalte zu ersetzen bemüht sind. Das Gott-Sein Christi wurde durch den Arianismus angefochten, der behauptete, dass Jesus einfach nur ein Mensch wie alle anderen Menschen auch gewesen sei. Das Mensch-Sein Christi wurde vom Doketismus bestritten, der die Menschen davon überzeugen wollte, dass Jesus gar keinen wirklichen Körper gehabt habe, dass Er eine Art Geist oder Geistwesen gewesen sei. Genau darum legt Johannes solch starke Betonung auf die grundlegenen Wahrheiten der Göttlichkeit und der Inkarnation unseres Herrn. Das sind keine späteren Ausschmückungen, die als Wahrheiten verkauft werden; sie sind Wahrheit.

Drittens: An erster Stelle unter den Lehren in Johannes’ Prolog steht die Doktrin von der Inkarnation unseres Herrn. J.I. Packer definiert, was mit Inkarnation gemeint ist:

Das Kind, das in Bethlehem geboren wurde, war Gott, zum Menschen gemacht. Das Wort war Fleisch geworden: ein richtiger menschlicher Säugling. Er hatte damit nicht aufgehört, Gott zu sein; Er war nicht weniger Gott als zuvor, aber Er war jetzt Mensch. Er war nicht Gott minus einiger Bestandteile Seines Gott-Seins, sondern Gott plus alles, was Er Sich zu Eigen gemacht hatte, indem Er die Menschheit an Sich genommen hatte. Er, der den Menschen gemacht hatte, lernte nun, wie es war, ein Mensch zu sein. Er, der den Engel gemacht hatte, der dann zum Teufel wurde, war nun in einer Verfassung, in der Er vom Teufel versucht werden konnte – oder vielmehr nicht vermeiden konnte, dass er versucht wurde; und die Vollkommenheit Seines menschlichen Lebens wurde erst durch die Auseinandersetzung mit dem Teufel erreicht.45

Inkarnation bedeutet, dass Gott seinem unverminderten Gott-Sein ein nicht-gefallenes Mensch-Sein hinzufügte. Es bedeutet in gar keiner Weise, dass die Göttlichkeit unseres Herrn beeinträchtigt oder aufgehoben wurde. Es bedeutet aber, dass bestimmte Manifestationen Seiner Herrlichkeit verhüllt wurden und dass der Gebrauch einiger Seiner Fähigkeiten freiwillig beschränkt war. Es bedeutet nicht, dass unser Herr in Bethlehem erschaffen wurde, sondern nur, dass Er bei Seiner Inkarnation auf die Erde herabkam. Es bedeutet, dass der Säugling in der Krippe Gott war, in menschlicher Fleischlichkeit manifest.

Die Doktrin von der Inkarnation unseres Herrn ist aus verschiedenen Gründen wichtig. Sie ist wichtig, weil sie wahr ist und weil sie hier im Johannes-Evangelium, wie auch an anderen Stellen, eindeutig und nachdrücklich gelehrt wird. Außerdem ist sie wichtig, weil die Inkarnation unseres Herrn alttestamentarische Schriften erfüllte. Das Alte Testament lehrte, dass der verheißene Messias ein Mensch sein würde, ein Nachkomme Abrahams, Isaaks, Jakobs, Judas und Davids (siehe 2. Samuel 7:12-14). Das Alte Testament lehrte auch, dass der Messias Gott sein würde (siehe Jesaja 9:6, Micha 5:2). Die Inkarnation unseres Herrn war eine praktische Notwendigkeit. Für die Erlösung der Menschen war ein Opfer nötig, ein vollkommenes menschliches Opfer – ein Mensch, der nicht um seiner eigenen Sünden willen sterben musste und deshalb für die Sünden der anderen sterben konnte. Diese Person musste ein „Sohn Adams“ sein, um der „letzte Adam“ werden zu können (1. Korinther 15:45), der die Auswirkungen des ersten Adam für alle rückgängig machen konnte, die an Ihn glauben (siehe Römer 5:12-21). Die Inkarnation unseres Herrn ist auch die Grundlage dafür, dass Er mit den Menschen mitfühlen und sich mit ihnen identifizieren und so ein gnädiger und treuer Hohepriester werden konnte (Hebräer 2:14-18, 4:14-16, siehe auch 1. Timotheus 2:5).

Viertens: Wenn Johannes’ Lehren über die Inkarnation wahr sind (und das sind sie gewiss!), müssen wir auf jeden Fall beachten, was unser Herr sagte. Jesus Christus ist die vollkommene und endgültige Offenbarung Gottes (Hebräer 1:1-4). Das ist wahr, und deshalb tun wir gut daran zu beherzigen, was Er gesagt hat:

1 Darum müssen wir den Dingen, die wir gehört haben, umso mehr Aufmerksamkeit schenken, damit wir nicht abgleiten. 2 Denn wenn sich die von den Engeln gesprochene Botschaft als so unumstößlich erwies, dass jeder Verstoß oder Ungehorsam dagegen seine gerechte Strafe empfing, 3 wie wollen wir dann entrinnen, wenn wir eine solch großartige Errettung missachten? Sie wurde zuerst mitgeteilt durch den Herrn und uns dann von denen bestätigt, die ihn gehört haben, 4 wobei Gott ihr Zeugnis mit Zeichen und Wundern bestätigte und mit mancherlei Wundern und Gaben des Heiligen Geistes nach seinem Willen (Hebräer 2:1-4).

Erinnern wir uns daran, was der Vater sagte, nachdem Er Jesus als Seinen Sohn identifiziert hatte: „Während er noch redete, umgab sie eine lichte Wolke, und eine Stimme aus der Wolke sprach: ‚Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich große Freude habe. Hört auf ihn!’“ (Matthäus 17:5).

Fünftens: Was der Prolog des Johannes über die Inkarnation unseres Herrn lehrt, steigert unsere Wertschätzung der Weihnachtsgeschichte von der Geburt unseres Herrn, wie sie in Matthäus und Lukas berichtet wird. Das „Wunder“ von Weihnachten besteht nicht darin, dass demütigen Eltern ein Kind geboren wurde. Es beschränkt sich nicht auf die Tatsache, dass dieses Kind die Erfüllung vieler Prophezeiungen war und Gegenstand von Gottes Fürsorge und Schutz (vor Herodes, zum Beispiel). Das Wunder besteht darin, dass dieses Kind die zweite Person der Gottheit war, gekommen, um als Mensch (ein Gott-Mensch) unter Menschen zu wohnen, gekommen, um die Sünden der Welt zu tragen.

Johannes erzählt uns nicht die „alte Geschichte“ von der Geburt unseres Herrn. Statt dessen sagt er uns, dass Der, der von der Jungfrau Maria geboren wurde, jemand war, „dessen Ausgang von langer Zeit her ist, von den Tagen der Ewigkeit“ (Micha 5:2b, NASB). Was uns Johannes erzählt, wirft ein ganz neues Licht auf das, was wir in den Geburtsberichten von Matthäus und Lukas lesen. Er sagt uns, dass diese Geburt ein einmaliges Ereignis in der Geschichte darstellt, das sich nie mehr wiederholen wird und für immer die Quelle großer Verwunderung, Freude und Dankbarkeit sein soll.

Haben Sie bemerkt, wie manchmal jemand (besonders Maria) in den Evangelien sich über Dinge „verwundert“, sie „bedenkt“ oder „in ihrem Herzen bewegt“? Maria erlebte Dinge, die über ihr Fassungsvermögen hinausgingen. Johannes sagt uns in seinem Prolog auch etwas, das über unser Fassungsvermögen hinausgeht und uns dazu bewegen sollte, eine lange Zeit über diesen Text nachzudenken. Stellen Sie sich das doch nur vor: das Baby in der Krippe ist kein anderer als Gott. Der, zu dem die Weisen durch einen Stern geleitet wurden, war Der, der diesen Stern gemacht hatte.

The Maker of the universe
As Man, for man was made a curse.
The claims of Law which He had made
Unto the uttermost He paid.

His holy fingers made the bough
Which grew the thorns that crowned His brow.
The nails that pierced His hands were mined
In secret places He designed.

He made the forest whence there sprung
The tree on which His body hung.
He died upon a cross of wood
Yet made the hill on which it stood.

Der Schöpfer des Universums als Mensch,
denn der Mensch war zu einem Fluch geworden.
Die Forderungen des Gesetzes, das Er gemacht hatte,
erfüllte Er Selbst bis zum Äußersten.

Seine heiligen Finger machten den Ast,
der die Dornen trug, die Seine Stirn krönten.
Die Nägel, die Seine Hände durchbohrten, wurden in
verborgenen Minen gewonnen, die Er gestaltet hatte.

Er machte den Wald, aus dem der Baum stammte,
an dem Sein Leib hing.
Er starb an einem Kreuz aus Holz und hatte doch
den Hügel gemacht, auf dem es stand.

The sky that darkened o’er His head
By Him above the earth was spread.
The sun that hid from Him its face
By His decree was poised in space.

The spear which spilled His precious blood
Was tempered in the fires of God.
The grave in which His form was laid
Was hewn in rocks His hands had made,

The throne on which He now appears
Was His from everlasting years.
But a new glory crowns His brow
And every knee to Him shall bow.

Author Unknown

Den Himmel, der sich über Seinem Haupt verfinsterte,
hatte Er Selbst über der Erde ausgespannt.
Die Sonne, die vor Ihm ihr Angesicht verbarg,
wurde durch Seinen Befehl im Raum gehalten.

Der Speer, der Sein kostbares Blut vergoss,
wurde in Gottes Feuern geläutert.
Das Grab, in das Seine Gestalt gelegt wurde,
war in Felsen gehauen, die Seine Hände gemacht hatten.

Der Thron, auf dem Er nun erscheint,
war von Ewigkeit her der Seine.
Aber neue Herrlichkeit krönt Seine Stirne
und jedes Knie soll sich vor Ihm beugen.

Unbekannter Verfasser

Sechstens: Der Prolog des Johannes und insbesondere die Lehren darin über die Inkarnation unseres Herrn beleuchten uns den wahren „Geist von Weihnachten“. Johannes schrieb: „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige [Gezeugte], Er, der selbst Gott ist, der in der Gegenwart des Vaters ist, hat über Gott Aufschluss gegeben“ (Johannes 1:18). Der Ausdruck „hat Aufschluss über Gott gegeben“ könnte von einem Seminaristen mit „hat Ihn ausgelegt“ übersetzt werden. „Auslegung“ ist die Erklärung eines Schrifttextes. Durch Seine Inkarnation hat Jesus den Vater für uns „erklärt“. Das tat er nicht nur mit Worten, sondern auch durch Seine Handlungen. Viele von uns, die zu der Auffassung neigen, dass wir unseren Herrn am besten durch das widerspiegeln, was wir sagen, sollten lieber einmal diesen Text betrachten, der uns lehrt, dass wir unseren Herrn außer durch unsere Worte auch durch unseren Wandel offenbaren.

Die Inkarnation unseres Herrn ist mehr als ein – wenn auch wichtiges – geschichtliches Ereignis. Sie beinhaltet ein Beispiel46, dem jeder von uns folgen sollte:

5 Diese Gesinnung solltet ihr gegeneinander haben, die auch Jesus Christus hatte, 6 der, obwohl er in Gottesgestalt existierte, nicht nach der Gottgleichheit zu greifen bestrebt war, 7 sondern sich entäußerte, indem er die Gestalt eines Sklaven annahm, eines Menschen, der aussah, wie andere Menschen auch, indem er die menschliche Natur mit uns teilte. 8 Er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis hin zum Tod ... ja selbst zum Tod an einem Kreuz (Philipper 2:5-8).

Der „Geist der Weihnacht“, den wir aus dem Beispiel unseres Herrn lernen können, ist das genaue Gegenteil vom „Geist von Korinth“, wie er im Paulus-Brief an die Korinther beschrieben wird. Die Korinther dachten nur an sich selbst. Kein Wunder also, dass es dort Unmoral, Maßlosigkeit, Stolz und Uneinigkeit gab. Die Korinther wollten die „Herrlichkeit“ jetzt sofort, sie wollten nicht warten. Sie wollten nicht leiden oder ihre Annehmlichkeiten aufgeben. Den wahren Geist der Weihnacht sehen wir in unserem Herrn, der Seine Herrlichkeit und Seine himmlischen Annehmlichkeiten aufgab, damit Er Sein Leben als Sühneopfer für die Sünden der Menschen hingeben konnte. Der Geist von Korinth dagegen forderte alle himmlischen Vergünstigungen sogleich und ging jedem Opfer in der gegenwärtigen Zeit aus dem Wege.

Satan hat schon immer aktive Anstrengungen unternommen, um einen Keil zwischen die Menschheit und die Gottheit zu treiben. Im Garten Eden gelang es Satan, eine Barriere zwischen Mensch und Gott zu schaffen, indem er den Menschen dazu verführte, die eine Sache aus dem Weg zu räumen, die Gott anscheinend vom Menschen unterschied – das Wissen um Gut und Böse. Indem er den Menschen zur Sünde verführte, gelang es Satan, einen Keil zwischen Mensch und Gott zu treiben. Bei der Versuchung unseres Herrn in der Wüste versuchte Satan, einen Keil zwischen unseren Herrn und Seinen Vater zu treiben, indem er Ihn dazu drängte, dass Er Sich trotz Seiner göttlichen Berufung Seine menschlichen Bedürfnisse erfüllen sollte. Aber das klappte nicht. Die Inkarnation unseres Herrn ermöglichte die Vereinigung des Menschen mit Gott in einer Weise, wie es sich niemand je hätte träumen lassen. Indem wir Gottes Geschenk der Sündenvergebung und das ewige Leben in der Person und dem Opferwerk Jesu Christi empfangen, gelangen wir in eine Vereinigung mit Christus; und unsere Fähigkeiten reichen nicht aus, um eine so unfassbare Gnade zu ergründen.

Siebtens: Die Inkarnation unseres Herrn rückt alle anderen Lehren der neutestamentarischen Evangelien ins rechte Licht. Niemand drückt das besser aus als J.I. Packer, dessen fünftes Kapitel „Der fleischgewordene Gott“ aus Knowing God [Gott erkennen] es wert ist, wieder und wieder gelesen zu werden – besonders an Weihnachten:

Kein Wunder, dass es denkenden Menschen schwer fällt, das Evangelium von Jesus Christus zu glauben, denn die Tatsachen, die darin vorkommen, gehen über das menschliche Verständnis hinaus. Aber es ist traurig, dass so viele Menschen sich mit dem Glauben noch schwerer tun als nötig, indem sie Schwierigkeiten an den falschen Stellen sehen. Nehmen Sie beispielsweise die Versöhnung. ... Oder nehmen Sie die Auferstehung. ... Oder nehmen Sie wiederum die Jungfrauengeburt, die von den Protestanten dieses Jahrhunderts weitgehend bestritten wird.

Die wirkliche Schwierigkeit aber – denn es handelt sich um das größte Geheimnis, mit dem uns das Evangelium konfrontiert – liegt eigentlich überhaupt nicht an dieser Stelle. Sie liegt nicht in der Karfreitagsbotschaft der Sühne und auch nicht in der Osterbotschaft der Auferstehung, sondern in der Weihnachtsbotschaft der Inkarnation. Die wirklich schwindelerregende Behauptung des Christentums ist die: Jesus von Nazareth war Gott, zum Menschen gemacht – die zweite Person der Gottheit wurde zum ‚zweiten Menschen’ (1.Ko 15:47), der das Schicksal der Menschheit bestimmte, zum zweiten repräsentativen Kopf der menschlichen Rasse. Und Er nahm das Mensch-Sein ohne Verlust seines Gott-Seins an, so dass Jesus von Nazareth genauso wahrhaftig und vollständig Gott war, wie er Mensch war. Hier bekommen Sie zwei Geheimnisse zum Preis von einem: die Mehrzahl der Personen innerhalb der Einzahl Gottes und die Vereinigung von Gottheit und Menschheit in der Person Jesu. Hier, in dem, was am ersten Weihnachten geschah, liegen die unergründlichsten und tiefsten Tiefen der christlichen Offenbarung. ‚Das Wort wurde Fleisch’ (Johannes 1:14), Gott wurde Mensch, der göttliche Sohn wurde ein Jude, der Allmächtige erschien auf der Erde als ein hilfloses Menschenkind, das nichts konnte als daliegen und schauen und strampeln und Laute von sich geben und das man genauso füttern und wickeln und sprechen lehren musste wie jedes andere Kind auch. Und diesbezüglich gab es keine Illusion oder Täuschung: das Baby-Dasein des Sohnes Gottes war Realität. Je mehr man darüber nachdenkt, umso erschütternder wird es. Keine Dichtung kann so phantastisch sein wie die Wahrheit der Inkarnation.

Das ist der eigentliche Stolperstein im Christentum. Und daran sind Juden, Moslems, Unitarier, Jehovas Zeugen und viele andere, die die oben erwähnten Schwierigkeiten (über die Jungfrauengeburt, die Wundertaten, die Versöhnung und die Auferstehung) empfinden, gescheitert. Gewöhnlich liegt es am Irrglauben – oder zumindest unzulänglichen Glauben – über die Inkarnation, wenn man Schwierigkeiten mit anderen Gebieten der Evangeliums-Erzählungen hat. Wenn man aber einmal die Inkarnation als Wirklichkeit begriffen hat, lösen sich diese anderen Schwierigkeiten rasch auf.47

Jetzt, am Beginn der Weihnachtszeit und der Feierlichkeiten für Weihnachten, muss ich Ihnen die einfache Frage stellen: „Haben Sie schon Gottes Geschenk empfangen, das er Ihnen in der Person Seines Sohnes macht?“ Gott sandte Seinen Sohn in die Welt, damit die verlorenen Sünder nicht die Ewigkeit in der Hölle verbringen müssen. Gott sandte Seinen Sohn als den vollkommenen Gott-Menschen, damit die Menschen von ihren Sünden errettet werden konnten. Haben Sie das Geschenk der Sündenvergebung und des ewigen Lebens empfangen? Bekenne deine Sünden und dass deine Sünde dich zu ewiger Qual verdammt. Empfange Christi Tod, Begräbnis und Auferstehung als Sein Werk zu deinen Gunsten, als Tilgung für deine Sünden und als Quelle einer Gerechtigkeit, die Gott als ausreichende Voraussetzung für das ewige Leben akzeptiert. Ich wünsche dir, dass du erfährst, wie es ist, wenn Gott in dir wohnt, zu Seinem Ruhm und zu deinem ewigen Besten.


21 Joyful Noise Music Company, Logos Hymnal (Fort Worth, TX: Joyful Noise Music Company, 1994).

22 J.I. Packer, Knowing God [Gott erkennen], (Downers Grove: Inter-Varsity Press, 1973), S. 48.

23 In der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, ist der Ausdruck in Genesis 1:1 der selbe wie der in dem griechischen Text von Johannes 1:1.

24 „Den Begriff ‚Sohn’ bringt er überhaupt nicht in seinem Eröffnungssatz; stattdessen spricht er zunächst vom Wort. Es bestand keinerlei Gefahr, dass man ihn missverstehen würde; denn die Leser des Alten Testaments würden den Bezug sofort erkennen. Gottes Wort im Alten Testament ist Seine schöpferische Äußerung, Seine Macht, die am Werk ist, um Seine Absichten zu verwirklichen. Das Alte Testament stellte die Äußerungen Gottes, das Aussprechen Seiner Absichten, so dar, dass sie an sich die Macht hatten, die beabsichtigten Dinge zu bewirken. Genesis 1 erzählt uns, wie bei der Schöpfung ‘Gott sagte, Es werde ..., und es ward ...’ (Gen 1:3). ‘Durch das Wort des Herrn wurden die Himmel gemacht ... Er sprach, und es wurde gemacht’ (Ps 33:6,9). Das Wort Gottes ist also Gott am Werk.“ J.I. Packer, S. 48.

25 Es stimmt natürlich, dass man in einem prophetischen Sinne auch vor der Inkarnation vom „Messias“ oder „Sohn Gottes“ sprechen könnte.

26 In der NET-Bibel werden neutestamentarische Zitate aus dem Alten Testament durch eine Kombination aus Fett- und Kursivdruck wiedergegeben. Weniger direkte Bezüge auf das Alte Testament werden durch Kursivdruck wiedergegeben.

27 Siehe auch 1. Korinther 8:4-6; Titus 2:11-14; 1. Johannes 5:20.

28 Siehe oben, Fußnote 7. Diese Worte sind eine Anspielung auf Psalm 36:9.

29 Siehe Kolosser 1:15-20, wie oben zitiert.

30 „Erfasst“ [„mastered“] scheint die beiden möglichen Bedeutungen des hier benutzten griechischen Wortes am besten wiederzugeben bzw. zuzulassen.

31 Die Verse 9 and 10 vereinen offenbar die beiden Färbungen des Worte, indem die Welt weder Ihn, der das Licht war, erkannte, noch Ihn als das Licht aufnahm.

32 Es gibt hier einen klaren Gegensatz zwischen dem Wort und Johannes. Das Wort war, Johannes kam. Der Begriff, der in Vers 6 mit „kam“ übersetzt wird, kommt in Johannes 1:3 dreimal vor und bezieht sich dort in jedem Fall auf Dinge, die erschaffen wurden, Dinge, die durch den Willen Gottes entstanden. Johannes kam (ins Dasein, könnte man sagen); das Wort dagegen war. Morris schreibt: „Jesus ‚war’ am Anfang. Johannes ‚kam ins Dasein’. Der Gegensatz wird weiter verfolgt, indem Johannes als ‚ein Mann’ bezeichnet wird, während von Jesus zuvor als von dem ‚Wort’ gesprochen wurde.“ Morris, S. 88.

33 Von allen 27 Gelegenheiten, bei denen dieses Wort vorkommt – das (in der KJV) immer mit „wahr“ [„true“, Anm. d. Ü.] übersetzt wird –, sind es nur fünf Mal andere Verfasser, die diesen Begriff benutzen; alle übrigen Erwähnungen stammen aus den Schriften des Johannes. Das Wort „wahr“ kann „wahr im Gegensatz zu falsch“ bedeuten (siehe Lukas 16:11). Es kann aber auch (wie hier) „wahr“ in dem Sinne bedeuten, dass es die ultimative und endgültige Verwirklichung früherer Prototypen bezeichnet. In diesem Sinne ist unser Herr das wahre Licht (Johannes 1:9, 1. Johannes 2:8), das wahre Brot (Johannes 6:32), der wahre Weinstock und der wahre Zeuge (Offenbarung 3:14).

34 Ich neige hier zu der Übertragung von Leon Morris, „er kam in sein Zuhause“; diesen Punkt werde ich aber noch einmal aufnehmen, wenn wir uns mit der „Reinigung des Tempels“ beschäftigen (Johannes 2:12-22). Leon Morris, The Gospel According to John [Das Evangelium nach Johannes], (Grand Rapids: Wm. B. Eerdmans Publishing Co., 1971), S. 96.

35 Dies ist R.C. Sprouls Titel für ein ganz hervorragendes Kapitel in seinem Buch: R.C. Sproul, The Holiness of God [Die Heiligkeit Gottes], (Wheaton: Tyndale House Publishers, Inc., 1985), Kapitel 9, S. 221-234.

36 „Für die Menschen des Altertums hatte der ‚Name’ eine viel größere Bedeutung als für uns. ... Auf Menschen bezogen stand er also für die gesamte Persönlichkeit. Wenn der Psalmist beispielsweise von der Liebe für den Namen Gottes spricht (Ps. 5:11) oder wenn er betet ‚Der Name des Gottes Jakobs schütze dich’ (Ps. 20:1), dachte er dabei nicht nur an das Aussprechen des Namens, sondern an all das, was ‚Gott’ bedeutet. In gewisser Weise drückte der Name die gesamte Person aus.“ Morris, S. 99.

37 Siehe auch Johannes 15:16. Das soll nicht heißen, dass wir keine Wahl zu treffen hätten; es soll nur heißen, dass Seine Wahl der unseren vorausgeht.

38 Ich umschreibe die Worte „Entscheidung eines Mannes“ mit „das Augenzwinkern eines Mannes“.

39 Das griechische Wort, das hier mit „lebte“ übersetzt wird, lautet buchstäblich „tabernakeln“. Das kann wohl kein Zufall sein. Johannes spielt hier wieder auf alttestamentarische Geschichte und Symbolik an. Das Tabernaculum war Gottes Mittel, um inmitten Seines Volkes zu wohnen. Wieviel besser ist doch die Inkarnation unseres Herrn als das Tabernaculum des Alten Testaments.

40 Das Wort „Gezeugter“ wird in der NET-Bibel weggelassen, aber ich glaube, es sollte doch dort stehen. Es steckt in der tiefsten Bedeutung des griechischen Begriffs und ist ein Schlüsselelement für die Darstellung des Messias in der Bibel. „Zeugen“ kann sich auf die leibliche Geburt (Hebräer 11:17) und auf die geistliche Geburt (1. Korinther 4:5, Philemon 1:10) beziehen. Auf den Messias bezogen bedeutet „gezeugt sein“ nicht „eingeboren“ sein, sondern als Gottes König ernannt und inthronisiert zu sein (siehe Psalm 2:7). Bei der Geburt unseres Herrn zitierte Gott der Vater Psalm 2:7 nicht, aber dafür später (siehe Apostelgeschichte 13:33, Hebräer 1:5, 5:5).

41 Es ist interessant, Satans Strategien in dieser Hinsicht zu betrachten. Beim Sündenfall des Menschen, der in Genesis 3 beschrieben wird, verspricht Satan dem Menschen (technisch versprach er es Eva), dass er Gott gleich werden kann (siehe Genesis 3:5). In Genesis 6:1-4 scheint es, dass Satan eine Art „Inkarnation“ zu erreichen versucht, indem er gefallene Engel sich mit den „Töchtern der Menschen“ vereinigen lässt.

42 Siehe oben, Fußnote 38.

43 Der Verfasser des Hebräer-Briefes würde den Ausdruck „besser“ vorziehen.

44 Philip Wesley Comfort, I Am the Way: A Spiritual Journey Through the Gospel of John [Ich bin der Weg: Eine spirituelle Reise durch das Johannes-Evangelium], (Grand Rapids: Baker Books, 1997), S. 33-34.

45 Packer, S. 50.

46 Die liberale Wissenschaft will das Leben und den Dienst unseres Herrn ganz auf die Kategorie des Beispielhaften beschränken. Die biblische Sicht betrachtet unseren Herrn zuvorderst als den Sohn Gottes und das Lamm Gottes, der durch Seinen Sühnetod und die Auferstehung die Errettung aller erreicht hat, die daran glauben. Dann und nur dann geht es über das wundervolle Beispiel unseres Herrn hinaus. Diese beiden Aspekte (der Sühne und des Beispiels) sind untrennbar miteinander verbunden, wie Philipper 2 zeigt.

47 J.I. Packer, Knowing God [Gott erkennen], S. 45-46 aus dem Kapitel 5, „God Incarnate“ [„Der fleischgewordene Gott“]

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