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”Glauben zweiter Klasse“ (Johannes 2:23-25)

Einleitung

Eine Zeit lang hatte Johannes der Täufer dem Volk Israel gepredigt und die Menschen zur Buße in Vorbereitung auf das Kommen des Messias aufgerufen. Zu dieser Zeit hatte aber selbst Johannes der Täufer noch nicht mit Sicherheit gewusst, wer der Messias war, und daher sprach er in allgemeinen Begriffen über Ihn.

6 Ein Mann kam, von Gott gesandt, der hieß Johannes. 7 Er kam als ein Zeuge, um Zeugnis abzulegen über das Licht, damit jeder durch ihn zum Glauben käme. 8 Er selbst war nicht das Licht, sondern er kam, um über das Licht Zeugnis abzulegen. 9 Das wahre Licht, das jedem Menschen Licht gibt, kam in die Welt (Johannes 1:6-9).

Johannes legte Zeugnis über ihn ab und rief aus: „Dieser war es, von dem ich sagte: ‚Der nach mir kommt, ist größer als ich es bin, denn er existierte schon vor mir.’“ (Johannes 1:15)

26 Johannes antwortete ihnen: „Ich taufe mit Wasser. Unter euch steht Einer, den ihr nicht erkennt, 27 der nach mir kommt. Ich bin nicht wert, ihm den Riemen seiner Sandale zu lösen!“ (Johannes 1:26-27)

Als Johannes Jesus taufte, enthüllte ihm Gott schließlich die Identität des Messias:

30 „Dieser ist es, von dem ich sagte: ‚Hinter mir her kommt ein Mann, der größer ist als ich es bin, weil er vor mir existierte.’ 31 Ich kannte ihn nicht, sondern damit er Israel offenbart werden könne, kam ich und taufte mit Wasser.“ 32 Dann bezeugte Johannes: „Ich sah den Geist als eine Taube vom Himmel herabkommen, und er blieb auf ihm. 33 Und ich kannte ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, sprach zu mir: ‚Der, auf den du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.’ 34 Ich habe es gesehen und ich habe es bezeugt, dass dieser Mann der Auserwählte Gottes ist“ (Johannes 1:30-34).

Johannes wies seine Jünger und andere sofort darauf hin, dass Jesus derjenige war, von dem er zuvor gesprochen hatte. Und so dauerte es nicht lange, bis sich mehrere Jünger Jesus anschlossen und mit Ihm reisten, ja sogar bei Seiner Familie in Kapernaum wohnten (Johannes 1:35ff.) Sie begleiteten unseren Herrn zu der Hochzeitsfeier in Kana in Galiläa (2:1-2). Man konnte meinen, es sei an der Zeit, dass Jesus nun Sein Debüt als der Messias Israels geben sollte. So etwas mag auch Maria im Sinn gehabt haben, als sie Jesus mitteilte, dass der Wein für die Hochzeitsgesellschaft zur Neige ging. Jesus sorgte für Wein; aber Er tat es in einer Weise, die das Geheimnis Seiner Identität – und sogar Seiner Fähigkeiten – wahrte.

Einige Tage später gingen Jesus und Seine Jünger hinauf nach Jerusalem, wo unser Herr Seine Identität dann auf höchst ungewöhnliche Weise öffentlich verkündete. Er reinigte den Tempel, das heißt, Er trieb die Schafe und die Ochsen hinaus und auch die Menschen, die das Haus Seines Vaters zu einem Ort des Kommerzes gemacht hatten. Das bezeichnet Johannes zwar nicht als „ein Zeichen“, dennoch war es doch zumindest eine „Mitteilung“ unseres Herrn, und zwar eine ganz öffentliche Mitteilung. Jesus korrigierte hier nicht einfach irgendeinen Makel, sondern Er tat das als Jemand, der das Recht dazu hat – Israels Messias.

In Jerusalem gewann Jesus eine zunehmende Anhängerschaft. Es sah ganz wie der Anfang von etwas Größerem aus. Und das ist genau das, worauf die Jünger gehofft haben. Es ist das, was die Brüder unseres Herrn fast aufsässig von Ihm fordern (siehe Johannes 7:1-5). Man sollte erwarten, dass unser Herr die „Flamme“ Seiner zunehmenden Popularität vielleicht „anfachen“ und die Reihen Seiner Anhänger noch erweitern würde. Statt dessen lesen wir die folgenden Worte, die in keinem anderen als dem Johannes-Evangelium aufgezeichnet sind: „Aber Jesus vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle Menschen kannte. 25 Er hatte es nicht nötig, dass irgendjemand Zeugnis über einen Menschen ablegte, denn er wusste, was im Menschen war” (Johannes 2:24-25).

Was hat Jesus gegen Popularität und viele Menschen? Was soll es bedeuten, wenn Johannes uns sagt, dass Jesus Sich diesen Menschen, die an Ihn glaubten, nicht „anvertrauen“ wollte? Warum wahrt Jesus Abstand gegenüber denen, die Ihm nahe sein wollen? Was sollen wir aus alledem lernen? Es ist der Zweck der vorliegenden Lektion, eine Antwort auf diese Fragen zu finden und dann die Konsequenzen daraus für uns heutige Christen auszuloten. Meine Überzeugung ist, dass die drei Verse, die das zweite Kapitel des Johannes-Evangeliums beschließen, den Weg für die nachfolgenden Kapitel bereiten. Hören wir also genau auf die Worte des Johannes und schauen wir auf den Geist Gottes, wenn wir sie dann interpretieren und auf unser Herz und Leben anwenden.

Die Situation
(2:23)

Und als Jesus während der Feier des Passah in Jerusalem war, glaubten viele Menschen an seinen Namen, weil sie die Wunderzeichen sahen, die er tat.

Einige Tage zuvor hatte unser Herr das zeremonielle Waschwasser in Wein verwandelt. Dann ging Er mit Seinen Jüngern hinauf nach Jerusalem. Nach Seiner Ankunft beim Tempel vertrieb Jesus die Menschen, die „Seines Vaters Haus“ zu einem Ort des Handels gemacht hatten. Man könnte meinen, dass diese Tempelreinigung – was die Popularität unseres Herrn betrifft – eher kontraproduktiv gewesen wäre. Aber abgesehen davon, dass sie Jesus bei der religiösen Elite unpopulär machte, scheint das überhaupt nicht der Fall gewesen zu sein. Wenn man die Evangelien liest, gewinnt man nicht unbedingt den Eindruck, dass die jüdischen Religionsführer ausgesprochen populär waren. Sie waren, scheint es, arrogante Snobs, die sich weniger um das gemeine Volk kümmerten als um ihre eigene Position und Macht. Hören Sie sich die Antwort dieser Führer an, als die Beamten, die ausgesandt worden waren, um Jesus zu verhaften, mit leeren Händen zurückkamen:

45 Danach kehrten die Beamten zu den Oberpriestern und Pharisäern zurück, und diese sagten zu ihnen: „Warum habt ihr ihn nicht mitgebracht?“ 46 Die Beamten erwiderten: „Niemand hat je so gesprochen, wie dieser Mann es tat!“ 47 Da antworteten die Pharisäer: „Seid ihr etwa auch irregeführt worden? 48 Glaubt denn irgendeiner der Obersten oder Pharisäer an ihn? 49 Aber dieser Pöbel, der das Gesetz nicht kennt, ist verflucht!“ (Johannes 7:45-49; Hervorhebung durch B. Deffinbaugh)

Man hat nicht den Eindruck, als teilte die religiöse Elite die Einstellung des einfachen Volkes gegenüber dem römischen Gesetz. Das einfache Volk scheint ganz versessen gewesen zu sein, „die Halunken rauszuwerfen“, und sie erwarteten wohl vom Messias, dass Er dies tun werde. Aber hören Sie sich andererseits an, was die Oberpriester und Pharisäer sagen, als ihnen klar wird, wie populär Jesus geworden ist – zum Teil deswegen, weil Er kurz zuvor den Lazarus auferweckt hat:

47 Da riefen die Oberpriester und die Pharisäer den Rat zusammen und sagten: „Was sollen wir tun? Denn dieser Mann vollbringt viele Wunderzeichen. 48 Wenn wir ihn weiter gewähren lassen, wird jeder an ihn glauben, und dann werden die Römer kommen und unser Heiligtum und unsere Nation wegnehmen“ (Johannes 11:47-48).

Als Jesus es mit den religiösen Führern aufnahm und ihre Ignoranz, Arroganz und Heuchelei entlarvte, scheint das Volk dies richtig genossen zu haben:

35 Während seiner Lehren im Tempelhof sagte Jesus: „Wie kommt es, dass die Schriftgelehrten sagen, der Christus sei Davids Sohn? 36 David selbst sagte durch den Heiligen Geist: ‚Der Herr sprach zu meinem Herrn: „Setze dich zu meiner Rechten, bis dass ich deine Feinde unter deine Füße lege.“’
37 David selbst nennt ihn ‚Herr’. Wie kann er also sein Sohn sein?“ Und die große Menschenmenge hörte ihm mit Freude zu (Markus 12:35-37; Hervorhebung durch B. Deffinbaugh).

In diesem ganz frühen Stadium des Dienstes unseres Herrn gefiel, so könnte ich mir denken, selbst den Pharisäern, was Jesus bei Seiner Tempelreinigung tat. Anscheinend waren an dem Tempelmarkt, den Jesus bei Seinem Debüt im Tempel „schloss“, die Hohepriester und die Sadduzäer am stärksten beteiligt. Die Hohepriester waren wohl Sadduzäer (siehe Apostelgeschichte 5:17) und die Pharisäer waren, im Gegensatz zu den Priestern und religiösen Würdenträgern, offenbar Laien. Zwischen den Pharisäern und Sadduzäern141 gab es einige sehr unterschiedliche Auffassungen (siehe Apostelgeschichte 23:6-8). Zusammenfassend könnte man diese Unterschiede so beschreiben, dass die Sadduzäer Liberale und die Pharisäer – theologisch gesehen – sehr konservativ waren.

Als Jesus den Tempel reinigte, stellte das eine Konfrontation und Herausforderung für die Sadduzäer dar. Die Pharisäer, als Rivalen der Sadduzäer, genossen es wahrscheinlich zu sehen, wie ein „Mann“ (von scheinbar einfacher Herkunft) das religiöse Establishment alt aussehen ließ. Dieser „Jesus“ kam den Pharisäern vielleicht sogar ganz gelegen – zumindest dachten sie das wohl. Solche Gedanken vergingen ihnen sicher schnell wieder; doch während der ersten Zeit des Dienstes unseres Herrn, während Er noch in Jerusalem war, mag es sie wohl gegeben haben.

Und noch etwas trug zur Popularität unseres Herrn bei. Während Jesus in Jerusalem war, tat Er eine Reihe von Zeichen:

Und als Jesus während der Feier des Passah in Jerusalem war, glaubten viele Menschen an seinen Namen, weil sie die Wunderzeichen sahen, die er tat (Johannes 2:23; Hervorhebung durch B. Deffinbaugh).

Er kam bei Nacht zu Jesus und sprach zu ihm: „Rabbi, wir wissen, dass du alsLehrer von Gott gekommen bist. Denn niemand könnte die Wunderzeichen tun, die du tust, es sei denn, Gott ist mit ihm“ (Johannes 3:2; Hervorhebung durch B. Deffinbaugh).

Als er nun nach Galiläa kam, nahmen ihn die Galiläer auf, weil sie alles gesehen hatten, was er in Jerusalem auf dem Fest getan hatte (denn sie waren auch zum Fest gekommen) (Johannes 4:45; Hervorhebung durch B. Deffinbaugh).

Johannes ist sehr wählerisch in Bezug darauf, welche Wunderzeichen er in sein Evangelium einarbeitet. Das erste öffentliche Zeichen unseres Herrn war wohl die Verwandlung von Wasser in Wein. Und nun sagt uns Johannes, dass Jesus eine ganze Reihe von weiteren Zeichen tat, während Er in Jerusalem war. Diese Zeichen machten großen Eindruck auf viele, die sie sahen. Viele, die davon Zeuge wurden, „glaubten an Seinen Namen“ (Vers 23).

Werden diese „Gläubigen“ wirklich gerettet?

Wenn Sich Jesus diesen Leuten nicht anvertrauen wollte, müssen wir uns fragen, ob diese „Gläubigen“ wirklich wahre Gläubige waren. Manche Menschen sehen es so, dass diese „Gläubigen“ gar nicht unbedingt gerettet wurden. Es stimmt schon, dass es an anderen Stellen in der Bibel „Gläubige“ gibt, die offenbar nicht „gerettet“ werden. Jakobus spricht von den Dämonen, die „glauben ... und zittern!“ (Jakobus 2:19). Diese Dämonen sind natürlich keine wahren Gläubigen! In Apostelgeschichte 8 lesen wir über einen „Simon“, der gemeinsam mit zahlreichen Samaritern „gläubig wurde“ (8:13). Die Worte des Petrus an diesen Mann, der die Macht zur Verleihung des Heiligen Geistes zu kaufen versuchte, lassen uns aber fragen, ob „Simon“ wirklich ein Gläubiger war:

20 Aber Petrus sagte zu ihm: „Möge dein Silbergeld mit dir zugrunde gehen, weil du denkst, du könntest Gottes Gabe mit Geld erwerben! 21 Du hast weder Anteil noch Anrecht daran, denn dein Herz ist nicht rechtens vor Gott. 22 Bereue daher diese deine Bosheit und bete zum Herrn, dass er dir womöglich das Trachten deines Herzens vergeben möge. 23 Denn ich sehe, dass du voll bitteren Neides und in Sünde verstrickt bist“ (Apostelgeschichte 8:20-23).

Abgesehen von diesen Stellen komme ich aber aus dem Johannes-Evangelium zwangsläufig zu dem Schluss, dass diejenigen, von denen im Text gesagt wird, dass sie „glaubten“, wahre Gläubige wurden. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Erstens: Johannes sagt uns, dass diese Menschen „an Seinen Namen glaubten“. Derselbe Ausdruck findet sich in Kapitel 1 des Johannes-Evangeliums: „Allen aber, die ihn aufnahmen – die an seinen Namen glaubten – gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden“ (Johannes 1:12; Hervorhebung durch B. Deffinbaugh). Johannes sagt uns, dass die, die „an Seinen Namen glauben“, „Ihn aufgenommen haben“ und also Kinder Gottes geworden sind. Wenn in Kapitel 1 gesagt wird, dass alle, die „an Seinen Namen glauben“, gerettet werden – wie können wir dann sagen, dass solche Leute nicht gerettet werden, wenn sie mit denselben Worten in Kapitel 2 beschrieben werden?

Zweitens: Johannes verfolgt mit seinem Evangelium die Absicht, Menschen zum rettenden Glauben zu bringen. Um seine Leser dazu zu bringen, „an Seinen Namen zu glauben“, setzt Er das Mittel der Wunderzeichen ein: „Und Jesus tat vor seinen Jüngern noch viele andere Wunderzeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. 31 Diese aber sind aufgeschrieben worden, auf dass ihr glaubet, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und dass ihr durch den Glauben in seinem Namen Leben haben möget“ (Johannes 20:30-31; Hervorhebung durch B. Deffinbaugh).

Wenn Johannes solche ausgewählten „Zeichen“ aufschreibt und sie benutzt, um die Menschen zum Glauben zu bringen, sollte man doch kaum annehmen, dass er den Glauben derer in Frage stellt, die aufgrund dieser Zeichen „an Seinen Namen glauben“.

Drittens: Die beiden Beispiele, die sich anschließen (Nikodemus in Kapitel 3 und die Frau am Brunnen in Kapitel 4) geben Gespräche wieder, die unser Herr mit Personen führte, die zum Glauben kamen. Nikodemus versteht das Evangelium nicht unmittelbar und kommt auch nicht sofort zum Glauben, aber am Ende tut er es offenbar doch. In Kapitel 3 erzählt uns Johannes nicht, wann Nikodemus Jesus verlässt; er ist einfach weg. Nikodemus spricht mit unserem Herrn, und irgendwann nach Vers 9 wird uns bewusst, dass er inzwischen fort ist. Wann er aber gegangen ist, wissen wir nicht genau. Ich glaube, als er geht, , kratzt er sich den Kopf und fragt sich, was Jesus ihm eigentlich hat sagen wollen. Er ist verwirrt über das, was Jesus gerade gesagt hat, und vielleicht demütig geworden ob seiner eigenen Unwissenheit in diesen Dingen. Wenn Johannes in Kapitel 3 fortfährt, ist man nicht sicher, ob es sich dabei um die Worte unseres Herrn oder die des Apostels Johannes handelt142. In Kapitel 7 wird Nikodemus dann von seinen Kollegen bestraft, weil er Jesus verteidigt. Sie fragen ihn, ob er auch ein Galiläer sei (7:50-52). Nikodemus scheint daraufhin den Mund einfach nicht aufzumachen. Und wenn wir Nikodemus zum letzten Mal begegnen, bemächtigt er sich gemeinsam mit Joseph von Arimathia (noch so einem heimlichen Gläubigen) in aller Stille des Leichnams Jesu, um ihn für das Begräbnis herzurichten (Johannes 19:38-39). Wenn wir Nikodemus zum letzten Mal begegnen, ist er ein „Undercover“-Christ, aber ungeachtet dessen doch ein Gläubiger.

Nikodemus ist bei Johannes das erste Beispiel für einen Menschen, der aufgrund der Wunderzeichen unseres Herrn „glaubt“; aber er gehört auch zu denen, denen Sich unser Herr nicht „anvertraut“. Hier haben wir einen Mann, der sicher enorme Möglichkeiten hat, dem Dienst unseres Herrn förderlich zu sein. Nikodemus ist ein Jude, ein Pharisäer, ein Mitglied des Sanhedrin und einer der berühmtesten Lehrer seiner Zeit. Wow! Ganz schön beeindruckend! Es sieht ganz danach aus, als könnte er eigentlich viel dazu beitragen, dass der Dienst unseres Herrn vorankommt. Aber Jesus „vertraut“ Sich Nikodemus nicht an. Er „vertraut“ Sich allerdings der samaritischen Frau am Brunnen und den Einwohnern von Sychar an. Infolge des Dienstes unseres Herrn an der Frau am Brunnen kommt die gesamte Stadt heraus, um Ihn zu hören. Jesus verbringt dann zwei Tage bei diesen Samaritern143. Ich glaube, ihnen „vertraute“ Sich Jesus – mit Johannes’ Worten gesagt – an.

Aus allen diesen Gründen gelange ich also zu dem Schluss, dass Johannes uns zu verstehen geben will, dass diese Menschen, die „an Jesu Namen glaubten“, tatsächlich wahre Gläubige wurden. Es ergibt sich dann aber die Frage: „Warum vertraut Sich unser Herr ihnen nicht an?“ Lassen Sie uns versuchen, eine Antwort auf diese Frage zu finden.

Warum vertraut Sich unser Herr
manchen Heiligen nicht an?
(2:24-25)

24 Aber Jesus vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle Menschen kannte. 25 Er hatte es nicht nötig, dass irgendjemand Zeugnis über einen Menschen ablegte, denn er wusste, was im Menschen war.

Zunächst einmal muss ich Sie auf etwas hinweisen, das in der Übersetzung dieses Textabschnitts nicht ausreichend klar wird: Johannes benutzt den gleichen griechischen Ausdruck144 für den Glauben derer, die an Seinen Namen glaubten (um dieses Wort geht es), und das Sich-nicht-Anvertrauen (hier ist es wieder) unseres Herrn. Am nächsten käme man dem griechischen Text wohl mit einer Übersetzung wie: „Und als Jesus während der Feier des Passah in Jerusalem war, vertrauten viele Menschen auf Seinen Namen, weil sie die Wunderzeichen sahen, die Er tat. Aber Jesus vertraute Sich ihnen nicht an, ...“.

Wir wollen versuchen zu verstehen, was Johannes meint, wenn er sagt, dass Jesus Sich einigen Gläubigen nicht anvertraute. Ich glaube, das können wir am besten erreichen, indem wir die folgenden zwei Fragen beantworten: (1) Warum vertraute Sich Jesus diesen Gläubigen nicht an? und (2) Wem, wenn überhaupt, vertraute Sich Jesus denn an? Lassen Sie uns diese beiden Fragen bearbeiten, wobei wir von der zweiten ausgehen wollen.

Johannes sagt in 2:23-25 nur, dass Sich Jesus bestimmten Menschen nicht anvertraute. Das lässt aber doch den Umkehrschluss zu, dass es Menschen gab, denen Er Sich anvertraute. Meinen Sie nicht, dass – wenn Sich unser Herr überhaupt irgendwelchen Menschen anvertraute – das Seine Jünger gewesen wären? Wir können uns also nun der ersten Frage, in leicht abgeänderter Form, zuwenden: „Warum vertraute Sich Jesus Seinen Jüngern, nicht aber diesen Jerusalemer Gläubigen an?“

Johannes sagt uns, warum. Jesus ist Gott. Als Gott weiß Er alles. Unter anderem weiß Er, was in den Herzen der Menschen ist. Aus den Evangelien erfahren wir, dass unser Herr die Gedanken der Menschen kannte:

3 Einige Menschen kamen und brachten einen Gelähmten zu ihm, der von Vieren getragen wurde. 4 Weil sie wegen der vielen Menschen nicht in der Lage waren, ihn hineinzutragen, deckten sie das Dach auf über Jesus; und nachdem sie es aufgerissen hatten, ließen sie die Trage hinab, auf der der Gelähmte lag. 5 Da Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“ 6 Nun saßen dort einige der Schriftgelehrten, die erwogen dies in ihrem Sinn: „Warum redet er so? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?“ 8 Aber Jesus erkannte sofort in seinem Geiste, dass sie solche Gedanken hegten, und so sagte er zu ihnen: „Warum denkt ihr so? 9 Was ist leichter: zu dem Gelähmten zu sagen ‚Deine Sünden sind vergeben’ oder zu sagen ‚Stehe auf, nimm deine Trage und gehe’? 10 Damit ihr aber erkennt, dass der Menschensohn Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben –“ und er sprach zu dem Gelähmten: – 11 „Ich sage dir, stehe auf, nimm deine Trage und gehe heim“ (Markus 2:3-11; Hervorhebung durch B. Deffinbaugh).

Ein eindrucksvolles Beispiel für die Omniszienz145 unseres Herrn hat Johannes schon in Kapitel 1 beschrieben. Jesus nahm die zwei Jünger Johannes’ des Täufers auf, von denen einer Andreas war (1:35-40). Er wusste, was in den Herzen der Menschen war, die Er zu Seinen Jüngern erwählte. Er änderte Simons Namen in „Petrus“ (der Fels). Er wusste, was Petrus für einen Charakter haben würde. Das eindrucksvollste Beispiel der Omniszienz unseres Herrn aber war, dass Er Nathanael als einen Mann erkannte, in dem kein Falsch war, dass Jesus diesen Mann „sah“, als niemand ihn sah, unter dem Feigenbaum (1:45-51). Die Herzen der Jünger waren unserem allwissenden Herrn „ein offenes Buch“. Ebenso wusste er, was im Herzen von Judas war, der Ihn verraten würde (siehe Matthäus 9:3-5; Johannes 6:70-71, 13:26).

Ich entnehme dem, dass Jesus – da Er die Herzen aller Menschen ganz und gar kennt – Sich denen nicht anvertraut, die einen zweitklassigen Glauben haben. Darin liegt ein Widerspruch, den ich nicht übersehen oder abstreiten kann. Auf der einen Seite haben wir nichts, womit wir uns Gott empfehlen könnten. Er errettet uns nicht um dessentwillen, was wir sind, was wir getan haben (siehe Titus 3:4-5) oder was wir für Sein Reich tun könnten (entgegen manchen landläufigen aber falschen Vorstellungen). Er erwählt das Schwache und das Törichte, um die Weisen ins Unrecht zu setzen (1. Korinther 1:26-31). Wir haben nichts als das, was wir von Ihm Selbst empfangen haben (1. Korinther 4:7). Auf der anderen Seite sieht Gott auf das Herz. Er verwirft Saul und Er erwählt David, nicht aufgrund von dessen Statur oder gutem Aussehen, sondern wegen seines Herzens (1. Samuel 16:7). Es geht hier nicht um die Menschen, die Gott zur Erlösung erwählt, sondern um die, die Er in Dienstämter und zur vertrauten Gemeinschaft und zum Dienst mit Ihm erwählt.

Nachdem Johannes-Markus Paulus hatte sitzen lassen, weigerte sich der Apostel, den jungen Mann mit auf seine folgende Missionsreise zu nehmen. Paulus wollte sich und seine Mission nicht einem Menschen anvertrauen, der ihn im Stich gelassen hatte, als es darauf ankam (siehe Apostelgeschichte 15:36-41). Paulus wies Timotheus an: „Und was du unter vielen Zeugen von mir gehört hast, das vertraue getreuen Menschen an, die in der Lage sind, auch andere zu lehren“ (2. Timotheus 2:2; Hervorhebung durch B. Deffinbaugh). Die Führung der lokalen Gemeinden ist denjenigen vorbehalten, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen, wovon viele den Charakter betreffen (siehe 1. Timotheus 3:1-13; Titus 1:5-9). Die Jünger, denen Sich unser Herr anvertraut, sind es, denen Er dann auch den Großen Auftrag geben und die Er zum Fundament Seiner Kirche machen wird (Matthäus 28:18-20; Epheser 2:17-22).

Was an diesen Jerusalemer „Gläubigen“ bringt unseren Herrn dazu, Sich von ihnen zu distanzieren, während Er Sich andererseits Seinen Jüngern anvertraut und viel Zeit mit ihnen zusammen verbringt? Ich glaube, unser Text sagt uns den Grund: Ihr Glaube war „Zeichen-Gläubigkeit“. Johannes sagt: „Und als Jesus während der Feier des Passah in Jerusalem war, glaubten viele Menschen an seinen Namen, weil sie die Wunderzeichen sahen, die er tat (Johannes 2:23).

Der Glaube dieser Heiligen beruht auf den Zeichen, die unser Herr vollbringt. Und wenn ihr Glaube nicht über diese Zeichen-Abhängigkeit hinauswächst, dann werden sie, so vermute ich, auf ein neues Zeichen warten, sobald irgendwelche Schwierigkeiten auftauchen. Natürlich gab es, wie wir wissen, viele Menschen, die ein Zeichen forderten, um zu glauben. Diese Leute aber konnten wohl nie genug Zeichen-Beweise bekommen, um zu glauben. Allerdings gibt es dann da auch noch Menschen wie Nikodemus, die „heimliche Gläubige“ bleiben und aus Furcht vor den Juden über ihren Glauben an Jesus Stillschweigen bewahren:

Niemand aber redete offen über ihn aus Furcht vor den jüdischen Machthabern (Johannes 7:13).

Danach bat Joseph von Arimathia, der ein Jünger Jesu war (aber nur im Geheimen, da er die jüdischen Machthaber fürchtete), den Pilatus, dass er den Leichnam Jesu abnehmen dürfte. Pilatus gab ihm die Erlaubnis, und so ging er hin und nahm den Leichnam herab (Johannes 19:38).

Wenig später würde Jesus Seine Jünger in Zweiergruppen zur Verkündigung des Evangeliums aussenden. Dabei würden sie mit Widerstand, Ablehnung und Verfolgung konfrontiert werden. Jesus wollte Sich niemandem anvertrauen, der unter solchen Widrigkeiten welken und weichen würde. Jesus kannte die Herzen der Menschen, und deshalb vertraute Er Sich Seinen Jüngern an und hielt Abstand von anderen Menschen, deren Glaube von Zeichen abhängig war.

Schlussfolgerung

Die drei Verse, die das zweite Kapitel des Johannes-Evangeliums beschließen, können uns einige wichtige Dinge lehren. Die erste Lektion betrifft ein „heißes“ Thema unter Christen: die „Zeichen und Wunder“. Es wird sehr viel über die Rolle debattiert, die „Zeichen und Wunder“ im Leben eines Christen spielen sollten. Und es wird viel darüber debattiert, ob „Zeichen und Wunder“ auch heute noch vorkommen.

Lassen Sie mich zuerst einmal festhalten, dass Gott souverän ist. Er braucht nicht unsere Erlaubnis, um jederzeit „Zeichen und Wunder“ hervorzubringen, wenn Er es denn will. Ebenso wenig braucht Er unsere Aufforderung dazu. Wer selbst die Möglichkeit abstreitet, dass eine wunderbare Intervention auch in unserer Zeit noch geschehen kann, geht offensichtlich über die Schriften hinaus. Wer darauf beharrt, dass es heutzutage derartige Phänomene geben muss, geht ebenfalls über die Schriften hinaus. Damit will ich sagen: Ich würde schon die Möglichkeit einräumen, dass heutzutage „Zeichen“ geschehen können – unabhängig davon, ob sie das wirklich tun. Unser Text sagt ein paar Dinge über „Zeichen“, die für uns Heutige wichtig sind zu hören. Erstens: Jesus war nicht darauf aus, „Zeichen“ zu vollbringen – schon gar nicht auf Aufforderung. Die Menschen wollten gerne, dass Jesus „Zeichen“ vollbrächte; und fast immer hatten diejenigen, die solche Zeichen forderten, einen schwachen oder gar keinen Glauben. Das „Zeichen“-Wirken unseres Herrn brachte keinen weit verbreiteten Glauben hervor und verstärkte auch nicht unbedingt den Glauben derer, die glaubten.

Auch heute gibt es Menschen, die uns glauben machen wollen, dass „Zeichen und Wunder“ eine Notwendigkeit seien. Diese Menschen scheinen nicht gewillt zu sein, ihr christliches Leben ohne solche „Zeichen und Wunder“ zu leben. Schlimmer noch, sie erheben ihre spirituelle Nase hoch über diejenigen, die keine erleben. Kurz, wer „Zeichen und Wunder“ erlebt, fühlt sich denen geistlich überlegen, die das nicht tun. Das klingt doch sehr nach den Verhältnissen bei den Christen in Korinth, die ihre spirituellen Gaben missbrauchten und stolz waren auf Dinge, die sie eigentlich hätten demütig machen sollen.

Man kann Johannes’ Worte in Johannes 2:23-25 schwerlich lesen, ohne zu dem Schluss zu gelangen, dass „Zeichen-Glaube“ ein zweitklassiger Glaube ist. Jesus wollte Sich denen nicht „anvertrauen“, deren Glaube bloßer „Zeichen-Glaube“ war. Warum halten dann die, die behaupten, auch heute noch „Zeichen und Wunder“ zu erleben, sich und ihren Glauben für etwas Besseres? „Zeichen-Glaube“ ist ein ganz guter Anfang – aber ein ziemlich armseliges Ende.

Bei der Betrachtung der ersten Kapitel des Johannes-Evangelium erkenne ich, dass dort der “Zeichen-Glaube” dem gegenübergestellt wird, was man als „Wort-Glauben“ bezeichnen könnte. Nikodemus (ein Zeichen-Gläubiger) ist spirituell kein Riese. Er bringt niemanden zu Christus. Auch er selbst kommt nur heimlich zu unserem Herrn. Die Verwandlung von Wasser in Wein geschah durch den Gehorsam der Diener gegenüber dem gesprochenen Wort Jesu. Er sprach, sie gehorchten, und das Wasser wurde zu Wein. Die Frau am Brunnen und die Menschen von Sychar glaubten aufgrund der Worte unseres Herrn:

39 Und viele der Samariter aus dieser Stadt glaubten an ihn um der Rede der Frau willen, die bezeugte: „Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.“ 40 Als daher die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, dass er bei ihnen bleibe. Er blieb dort zwei Tage lang, 41 und viele weitere glaubten um seines Wortes willen. 42 Sie sagten zu der Frau: „Wir glauben nun nicht mehr um deiner Worte willen, denn wir haben selbst gehört und wir erkennen, dass dieser wirklich der Erlöser der Welt ist“ (Johannes 4:39-42).

Soweit wir wissen, tat Jesus in Sychar keine Zeichen. Das war nicht nötig. Es war das gesprochene Wort, das die Schöpfung ins Dasein brachte (Genesis 1; Johannes 1; Hebräer 11:3). Es ist das Wort Gottes, das, durch den Heiligen Geist, neues geistliches Leben ins Dasein bringt:

63 „Der Geist ist es, der Leben gibt; die menschliche Natur ist gar nicht von Nutzen! Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben. 64 Aber es sind einige unter euch, die nicht glauben.“ (Denn Jesus wusste schon von Anfang an, wer nicht glaubte und wer ihn verraten würde.) (Johannes 6:63-64; siehe auch 3:5-8)

17 Alle reichliche Gabe und jede vollkommene Gabe ist von oben und kommt herab vom Vater der Lichter, bei dem es kein Schwanken noch den geringsten Hinweis auf einen Wandel gibt. 18 Nach seinem souveränen Plan hat er uns hervorgebracht durch das Wort der Wahrheit, dass wir wie die Erstlingsfrucht alldessen seien, was er geschaffen hat (Jakobus 1:17-18).

Ihr seid wiedergeboren worden, nicht von vergänglichem sondern von unvergänglichem Samen, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes (1. Petrus 1:23).

Thomas musste „sehen“, um zu glauben. Das war eine Art von „Zeichen-Glaube“. Jesus und die Schreiber des Neuen Testaments loben dagegen einen Glauben, der nicht auf dem basiert, was man sieht, sondern auf etwas Unsichtbarem – dem Wort Gottes:

26 Acht Tage später waren die Jünger wiederum zusammen im Haus, und Thomas war bei ihnen. Obwohl die Türen verschlossen waren, kam Jesus und trat unter sie und sprach: „Friede sei mit euch!“ 27 Dann sagte er zu Thomas: „Lege deinen Finger hierher und untersuche meine Hände. Strecke die Hand aus und lege sie in meine Seite. Verharre nicht in deinem Unglauben, sondern glaube.“ 28 Thomas erwiderte: „Mein Herr und mein Gott!“ 29 Jesus sprach zu ihm: „Bist du zum Glauben gekommen, weil du mich gesehen hast? Selig sind die Menschen, die nicht gesehen und doch geglaubt haben“ (Johannes 20:26-29).

Das elfte Kapitel des Hebräer-Briefes ist eine “Ruhmeshalle” für die alttestamentarischen Heiligen. Diese Heiligen glaubten an Gottes Wort und handelten entsprechend. Sie glaubten nicht dem, was sie sahen, sondern sie glaubten dem, was Gott sagte. Diese Art von Glauben ist es, die Jesus lobt. Solchen Heiligen, deren Glaube auf Seinem Wort beruht, vertraut Sich unser Herr an, in vertrauter Gemeinschaft und zum Dienst. Lassen Sie uns danach streben, über den Glauben an das Sichtbare hinaus zu einem Glauben an das zu gelangen, was Gott sagt.

Ich sollte Ihre Aufmerksamkeit auch auf das lenken, was unser Text nicht sagt. Allzu oft gehen Menschen eilends weiter zu Johannes 3 und 4, zu den Gesprächen unseres Herrn mit Nikodemus und mit der Frau am Brunnen, und sehen diese als Muster dafür, wie man evangelisieren sollte. Darüber gibt es schon etwas zu lernen – aber ich möchte Sie daran erinnern, dass Johannes diese Gespräche nicht als Muster für eine Evangelisation, sondern als Beweis für die Einmaligkeit Jesu wiedergibt, und eine Seiner einmaligen Eigenschaften wird in Johannes 2:24-25 aufgeführt: Jesus weiß, was in den Herzen der Menschen ist. Wir können unseren Herrn darin nicht nachahmen und versuchen, ebenfalls allwissend zu sein. Unser Herr kannte die Herzen der Menschen; wir nicht. Eben deshalb warnt Paulus Christen davor, über die Motive anderer zu richten:

1 So sollten uns die Menschen sehen: als Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes. 2 Und was man an einem Verwalter sucht, ist, dass er sich als treu erweise. 3 Für mich ist es also ein Geringes, wenn ihr oder irgendein menschliches Gericht über mich ein Urteil fällt. Ja, noch nicht einmal ich selbst fälle ein Urteil über mich. 4 Denn mir ist nichts bewusst, was gegen mich vorläge, doch dadurch werde ich nicht freigesprochen. Der Herr ist es, der über mich richtet. 5 Urteilt also über nichts vor der Zeit. Wartet, bis der Herr kommt. Er wird ans Licht bringen, was im Finsteren verborgen liegt, und die Beweggründe der Herzen offenbar machen. Dann wird ein jeder seine Anerkennung von Gott erhalten (1. Korinther 4:1-5; Hervorhebung durch B. Deffinbaugh).

Unser Herr wusste alles über das Herz des Menschen. Er konnte Sich manchen Menschen anvertrauen und anderen eben nicht. Wir sollen „uns getreuen Menschen anvertrauen“, aber wir müssen erkennen, dass unser Urteil in dieser Hinsicht fehlbar ist. Viele Jahre des Dienstes haben mir dies immer wieder bewiesen. Manche, von denen ich fürchtete, dass sie scheitern würden, haben ausgeharrt und sogar Fortschritte gemacht. Manche, von denen ich sicher war, dass sie im christlichen Leben und Dienst erfolgreich sein würden, sind erbärmlich gescheitert. Wir müssen anerkennen, dass nur Gott die Herzen der Menschen kennt, und deshalb sollten wir mit unserem Urteil vorsichtig sein, insbesondere wenn es um die Beweggründe von Menschen geht. Ungeachtet dessen gilt: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ (Matthäus 7:20).

Ich will damit sagen, dass wir niemals wie Jesus evangelisieren oder führen können, weil wir eben nicht wie Jesus sind. Wir sind nicht allwissend und allmächtig. Er ist es. Ungeachtet dessen hat Jesus Seinen Geist gesandt, um uns zum Dienst zu befähigen und zu stärken. Wir müssen uns auf Sein Wort und Seinen Geist verlassen, um Seine Absichten zu erfüllen. Deshalb ist „der Dienst des Wortes und Gebetes“ so lebenswichtig für den christlichen Dienst.

Gott erwählt uns souverän zur Erlösung und zum Dienst, und Er kennt im Voraus die Frucht, die wir durch Seine Gnade bringen werden (siehe Johannes 15:16). Andererseits ist es auch so, dass Gott sich diejenigen zum Dienst und zur vertrauten Gemeinschaft aussucht, die ein Herz für Ihn haben, die einen fest verwurzelten Glauben haben, die den Widrigkeiten des Lebens standhalten können. David war so ein Mensch; Saul war es nicht. Paulus lehrte Timotheus, dass der Gebrauch, den Gott von einem Menschen macht, in gewisser Weise damit zusammenhängt, ob dieser Menschen ein reines und heiliges Instrument in Seiner Hand sein will:

20 In einem großen Haus aber gibt es nicht nur Gefäße aus Gold und Silber, sondern auch solche aus Holz und Ton; einige für Ehrenhaftes, andere für Unehrenhaftes. 21 Wenn sich daher jemand von Letzterem rein erhält, wird er ein Gefäß für Ehrenhaftes werden, geheiligt und dem Hausherrn nützlich, bereit für jedes gute Werk (2. Timotheus 2:20-21).

Wollen wir also, durch Seine Gnade, versuchen, ein Gefäß von der Art zu werden, wie sie Gott für ehrenhafte Zwecke benutzt! Und wenn Er uns dann für solche Zwecke benutzt, so wollen wir daran denken, dass das alles von Ihm kommt (Römer 11:36).

Schließlich möchte ich Sie noch einmal daran erinnern, dass unser Herr die Herzen der Menschen kennt. Er weiß, was in Deinem und was in meinem Herzen ist. Ein beängstigender Gedanke, nicht wahr? Andere können wir vielleicht an der Nase herumführen, nicht aber Gott. Unser Herz ist elend und unrein. Unser Herz ist falsch und böse. Wenn Gott uns errettet, gibt Er uns ein neues Herz. Möge Er feststellen, dass wir treu sind, so dass wir dann feststellen können, dass Er Sich uns anvertraut, mit uns vertraute Gemeinschaft pflegt, uns lehrt und leitet, damit wir Seine Barmherzigkeit und Gnade einer verlorenen und sterbenden Welt verkünden mögen.


141 Ich sollte allerdings darauf hinweisen, dass der Ausdruck „Sadduzäer“ im Johannes-Evangelium nirgendwo vorkommt.

142 Ich tendiere dazu, den Umbruch am Ende von Vers 15 zu machen, aber darüber kann man gewiss geteilter Meinung sein.

143 Manche meinen, dass der Dienst unseres Herrn hier bei den Samaritern den Weg geebnet hat für die spätere Wiederbelebung des Glaubens in Samaria, die in Apostelgeschichte 8:1-25 beschrieben wird.

144 Ich muss das klarstellen: Es handelt sich in beiden Versen um das gleiche griechische Verb. Wenn Johannes den Glauben derer bezeichnet, die an Jesus glaubten, benutzt er die Zeitform des Aorist und fokussiert damit auf das momentane Glauben. Wenn er die Weigerung unseres Herrn beschreibt, Sich diesen „Gläubigen“ „anzuvertrauen“, gebraucht Johannes das Imperfekt und sagt uns damit, dass dies Jesu Art zu handeln war, etwas, das Er beständig tat, in jedem Fall wieder, in jeder Situation wieder.

145 Omniszienz bedeutet Allwissenheit. Sie ist ein Attribut von Gott allein. Jesus besitzt, als Gott, diese Eigenschaft.

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