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Gott und Mensch in den Sprüchen

Einleitung

Zwei Fehler, hauptsächlich, machen Viele von uns bei dem Versuch, das Alte Testament zu interpretieren. Der erste Fehler ist, dass wir dazu neigen, zu viel zu sehen. Damit meine ich, dass Viele einfach die Botschaft des Neuen Testaments aus dem Alten lehren. Buchstäblich jede Wahrheit des Neuen Testaments wird dann schon im Alten vorgefunden. Damit tut man dem Text oft wirklich Gewalt an. Der andere Fehler liegt darin, dass wir nicht genug in den Textstellen des Alten Testaments sehen, die wir studieren und über die wir predigen. Ich bin Dispensationalist, aber ich finde bei Einigen, die meine Überzeugung teilen, die Neigung, das Alte Testament nur als ein Buch aus einem anderen Zeitalter anzusehen. Ich glaube aber, dass die Heiligen des Alten Testaments mehr wussten, als wir ihnen zuschreiben. So konnte Jesus beispielsweise sagen: „Abraham, euer Vater, freute sich sehr darauf, Meinen Tag zu sehen, und er sah ihn und war froh“ (Joh 8:56).

Wenige Christen würden wohl erwarten, das Evangelium im Buch der Sprüche dargestellt zu finden. Ich glaube aber tatsächlich, dass das Evangelium darin enthalten ist, ebenso wie in anderen Büchern des Alten Testaments. Was das Alte Testament in allgemeinen Begriffen lehrt, lehrt das Neue spezifischer. Ich bin überzeugt davon, dass die wesentlichen Sachverhalte des Evangeliums eindeutig in den Sprüchen ausgesagt werden.

Ich habe ein besonderes Interesse daran, das Buch der Sprüche bezüglich seiner Lehren über Gott und den Menschen zu durchforschen. Die Sprüche enthalten meiner Meinung nach eine detaillierte Beschreibung Gottes, und das aus gutem Grund. Schließlich sind die Sprüche der Ausbildung eines gottgefälligen Charakters gewidmet. Und wenn ein Mensch gottgemäß sein will, muss er zuerst wissen, wie Gott ist. Schon aus diesem Grund dürfen wir erwarten, dass die Sprüche eine Beschreibung von Gottes Wesen enthalten.

Es gibt aber auch noch einen anderen Grund, warum die Sprüche viel zu unserem Verständnis vom Wesen Gottes beitragen können. Das Buch der Sprüche ist ein ausgesprochen praktisches Buch. Es handelt nicht von ätherischer, philosophischer Wahrheit, sondern von praktischer Wahrheit, von Wahrheit, die unmittelbar in gottgemäße Haltungen und Taten umgesetzt werden kann. Wenn die Sprüche uns über Gott unterrichten, enthüllen sie uns jene göttlichen Eigenschaften, durch die unser Leben geformt werden sollte. Sehen wir uns also das Buch der Sprüche an, um mehr über Gott und über das Verhältnis des Menschen zu Ihm zu erfahren.

Die Beschreibung Gottes in den Sprüchen

Gottes Wesen wird in den Sprüchen anhand dessen am deutlichsten, was Ihn erfreut und was Er hasst.

1. GOTT LIEBT DIE GERECHTEN, ABER ER HASST DIE BÖSEN.

Denn wer krumme Wege geht, ist abscheulich für den Herrn; Aber mit dem Rechtschaffenen pflegt Er vertrauten Umgang. Der Fluch des Herrn liegt auf dem Hause des Bösen, Aber Er segnet den Wohnort des Gerechten (3:32-33).

Der Weg des Bösen ist dem Herrn ein Gräuel; Aber Er liebt den, der die Gerechtigkeit verfolgt (15:9).

2. GOTT LIEBT DEN GUTEN MENSCHEN; ABER ER HASST DIE PLÄNE UND ABSICHTEN DES BÖSEN.

Des Herrn Wohlgefallen wird einem guten Menschen zuteil; Aber den, der Böses plant, wird Er verurteilen (12:2; vgl. 6:18).

Üble Pläne sind dem Herrn ein Gräuel, Aber die angenehmen Reden sind rein (15:26).

3. GOTT LIEBT DIE REDLICHKEIT BEIM ABSCHLUSS EINES GESCHÄFTES, ABER ER VERACHTET DIE UNEHRLICHKEIT.

Eine falsche Wägung ist dem Herrn ein Gräuel, aber ein volles Gewicht ist Sein Wohlgefallen (11:1; vgl. 20:10,23).

4. GOTT LIEBT DIE INTEGEREN, ABER ER HASST DIE, DEREN HERZEN FALSCH SIND.

Falsche Herzen sind dem Herrn ein Gräuel, Aber die untadelig wandeln sind Sein Wohlgefallen (11:20; vgl. 3:32).

5. GOTT LIEBT DIE EHRLICHEN, ABER ER HASST DIE LÜGNER UND IHRE FALSCHHEIT.

Falsche Lippen sind dem Herrn ein Gräuel, Aber die in Treue handeln sind Sein Wohlgefallen (12:22; vgl. 6:17,19).

6. GOTT LIEBT DIE GEBETE DER RECHTSCHAFFENEN, ABER ER HASST DIE RELIGIÖSEN ZEREMONIEN DER BÖSEN.

Das Opfer des Bösen ist abscheulich für den Herrn, Aber an dem Gebet des Rechtschaffenen findet Er Wohlgefallen (15:8; vgl. 21:27).

Ich finde den Gedankengang verblüffend ähnlich zwischen dieser Beschreibung dessen, was Gott liebt und was Er hasst, und der Bergpredigt in Matthäus 5-7. Wenn man aber davon ausgeht, dass die Worte unseres Herrn Seine eigene Auslegung – im Gegensatz zu der der jüdischen religiösen Führer Seiner Zeit – des alttestamentarischen Gesetzes darstellen, ist es eigentlich wenig verwunderlich, dass Er dort die Lehren der Sprüche wieder aufnimmt.

Was wir gerade den Sprüchen darüber entnommen haben, was Gott liebt und was Er hasst, hat mindestens zwei ganz praktische Implikationen: erstens (womit wir uns noch später im Detail befassen werden), dass uns Einblick gewährt wird in das Ziel der göttlichen Führung, in den Willen Gottes. Gottes Wille ist, allgemein ausgedrückt, dass wir das tun, was Ihm wohlgefällt, und das lassen, was Er verachtet. Zweitens, dass man viel über den Charakter einer Person selbst aus dem erfahren kann, was diese Person liebt und was sie hasst. Aus den obigen Betrachtungen sollte damit offenbar werden, dass Gott selbst aufrichtig, gut, heilig, ehrlich und gerecht ist. Er liebt die Gerechtigkeit und Er hasst das Böse.

Wir haben aus den Sprüchen also gelernt, dass Gott gut ist. Die Sprüche beschreiben aber auch einen Gott, der groß ist: Er ist groß an Wissen und groß an Macht.

Die Theologen sprechen von Gott als einem Allwissenden, was schlicht bedeutet, dass Er Alles weiß. Die Sprüche spezifizieren einige der Bereiche von Gottes Allwissenheit näher:

1. GOTT KENNT DIE TATEN DER MENSCHEN, DIE GUTEN WIE DIE SCHLECHTEN.

Denn die Wege des Menschen liegen vor den Augen des Herrn, Und Er betrachtet alle seine Bahnen (5:21).

Die Augen des Herrn sind an jedem Ort Und beobachten die Schlechten und die Guten (15:3).

2. GOTT KENNT DIE HERZEN DER MENSCHEN UND SPÜRT IHRE MOTIVE AUF.

Scheol und Abaddon liegen offen vor dem Herrn; Um wie viel mehr die Herzen der Menschen! (15:11).

Alle Wege eines Menschen sind lauter in seinen eigenen Augen, Aber der Herr wägt die Absichten (16:2; vgl. auch 17:3; 21:2).

Gott ist auch allmächtig. Er hat alle Macht. Nichts liegt außerhalb Seiner Kontrolle. Gott ist in der Lage, das durchzuführen, wozu Er Sich entschlossen hat. Niemand ist fähig, Seinen Plan zu durchkreuzen. Selbst Könige, die mächtigsten Gestalten der Alten Welt, unterstanden Seinem Willen:

Das Herz des Königs ist wie Wasserbäche in der Hand des Herrn; Er lenkt es, wohin immer es Ihm gefällt (21:1).

Selbst die Bösen, die sich entschieden haben, gegen Gott zu rebellieren, werden am Ende Seine Absichten erfüllen.

Ein Jedes hat der Herr für seinen eigenen Zweck gemacht, Selbst das Böse für den üblen Tag (16:4).

Durch Seinen Willen werden Schlachten gewonnen, und selbst das, was zufällig erscheint, steht unter Seiner Kontrolle.

Das Pferd wird für den Tag der Schlacht gerüstet, Aber der Sieg gehört dem Herrn (21:31).

Das Los wird in den Schoß geworfen, Aber jede seiner Entscheidungen kommt vom Herrn (16:33).

Gottes Souveränität reicht sogar in die Rede und die Schritte eines Menschen hinein.

Die Pläne des Herzens gehören zum Menschen, Aber die Antwort der Zunge ist vom Herrn (16:1).

Das Herz des Menschen erdenkt sich seinen Weg, Aber der Herr lenkt seine Schritte (16:9).

Gott sorgt für Seine Schöpfung und Er wird niemals die Kontrolle darüber aus der Hand geben. Der Mensch muss sich wohl entscheiden, seiner Torheit abzusagen und sich für den Weg der Weisheit zu entscheiden. Kein irdisches oder himmlisches Wesen aber hat die Macht, dem Willen Gottes zu widerstehen.

Es gibt weder Weisheit noch Erkenntnis Noch irgendeinen Rat gegen den Herrn (21:30).

Gottes unendliche Güte und Größe stellt Ihn weit außerhalb der Reichweite des Menschen. Der Mensch wäre niemals in der Lage, Gott zu erfahren oder zu verstehen, wenn nicht Gott selbst zuerst die Menschen suchte, um Sich ihnen zu offenbaren und eine Beziehung mit ihnen aufzubauen.

Gewiss bin ich unverständiger als irgendein Mensch, Und ich habe nicht den Verstand eines Menschen. Und ich habe die Weisheit nicht gelernt, Aber ich habe die Kenntnis des Einen Heiligen. Wer ist zum Himmel aufgestiegen und herabgestiegen? Wer hat den Wind in Seiner hohlen Hand gesammelt? Wer hat die Wasser in Seinen Überwurf gewickelt? Wer hat alle Enden der Erde festgesetzt? Wie ist Sein Name und wie der Name Seines Sohnes? Du weißt es sicher! (30:2-4).

Tatsächlich kann ein Mensch sich noch nicht einmal selbst verstehen, geschweige denn dazu kommen, Gott zu verstehen.

Die Schritte des Menschen sind vom Herrn bestimmt; Wie kann der Mensch dann seinen Weg verstehen? (20:24).

Gott hat sich entschlossen, sich aufs Engste in die Geschäfte der Menschen verwickeln zu lassen. Er steht nicht ferne oder abseits. Wie es die Theologen ausdrücken würden: Gott ist immanent. Gottes Sorge für Seine Schöpfung reicht bis hin zum Gebrauch reeller Gewichte.

Eine gerechte Waage und Waagschalen gehören dem Herrn; Alle Gewichte des Beutels sind Sein Werk (16:11).

Er kennt die Bedürfnisse der Gerechten und geht auf sie ein.

Der Herr wird den Gerechten nicht hungern lassen, Aber Er wird die Gier des Bösen wegstoßen (10:3).

Er wird nicht zulassen, dass Schlechtes und Ungerechtigkeit ungestraft davon kommen, noch dass Freundlichkeit unbelohnt bleibt.

Wer den Armen verspottet, schmäht den, der ihn gemacht hat; Wer sich über Schaden freut, wird nicht ungestraft bleiben (17:5).

Wer dem Armen Großzügigkeit erweist, leiht dem Herrn, Und Er wird ihm seine gute Tat vergelten (19:17).

Eines der Dinge, die über Gottes Wesen konkret und intensiv dargestellt werden, ist die Tatsache, dass Er der Richter über die Erde und insbesondere über die Menschheit ist. Wir können sicher sein, dass es einen Tag der Abrechnung geben wird, an dem Gott über die Menschen richten und sie nach ihren Taten belohnen wird.

Reichtümer bringen keinen Nutzen am Tag des Zornes, Aber Gerechtigkeit wird vom Tode befreien (11:4).

Wenn du auch sagst: „Siehe, wir haben dies nicht gewusst“ – Wird nicht Er es bemerken, der die Herzen wägt? Und wird nicht Er es wissen, der deine Seele erhält? Und wird Er nicht dem Menschen nach seinem Tun erstatten? (24:12)

Wir finden in den Sprüchen häufig den Ausdruck „er wird nicht ungestraft bleiben” als Hinweis darauf, dass der oder die Schreiber einen Tag des Gerichtes kommen sahen, an dem Gott sicher die Menschen nach ihren Taten beurteilen würde (vgl. 11:21; 17:5; 19:5; 28:20).

Es wird zwar gesagt, dass selbst die Bösen einen göttlichen Zweck erfüllen (16:4), dennoch wird das Urteil über schlechte Menschen genau so sein, wie sie es verdienen. Sie „ernten nur, was sie gesät haben“ (vgl. Gal 6:7).

Wer fest in der Gerechtigkeit steht, wird das Leben erhalten; Und wer Böses betreibt, bringt seinen eigenen Tod herbei (11:19).

Ein Mensch wird mit Gutem gesättigt werden durch die Frucht seiner Worte, Und die Taten seiner Hände werden zu dem Menschen zurückkehren (12:14).

Wer die Aufrechten auf den Weg des Bösen verführt, Wird in seine eigene Grube fallen, Aber die Untadeligen werden das Gute ererben (28:10; vgl. 14:14,32).

Dies ist die biblische Doktrin der Vergeltung – man bekommt, was man verdient. Beachten Sie aber hier etwas, das durchaus von Bedeutung ist: Von den Bösen wird ausdrücklich gesagt, dass sie bekommen, was sie verdient haben – aber über die Segnungen für die Gerechten wird in einer anderen Formulierung gesprochen. Der das Böse tut, bringt seinen eigenen Tod herbei, aber vom Gerechten wird nicht gesagt, dass er das Leben verdient, sondern dass er es erhalten wird (11:19). Der Heilige des Alten Testamentes sah das vielleicht noch nicht so klar, wie wir es heute tun sollten, aber ich glaube, dass auch er wusste, dass das Leben ein Geschenk und keine Belohnung ist. Die Gerechten erhalten das Leben, aber sie erhalten es durch Gottes Gnade und nicht durch ihre eigenen Verdienste.

Die Sprüche stellen Gott dar als einen Sucher nach den Menschen. Ein Sünder wird zwar erst am Ende vor Gott als seinem Richter stehen – aber zu denen, die Ihn lieben, ist es Sein Wunsch, ein inniges Verhältnis zu unterhalten.

Denn wer krumme Wege geht, ist abscheulich für den Herrn; Aber mit dem Rechtschaffenen pflegt Er vertrauten Umgang (3:32).

Wörtlich heißt es hier im Text: “Sein vertrauter Rat” (Randnotiz, NASB) ist mit dem Gerechten. Weil Gott die Gemeinschaft mit den Menschen wünscht, wird Er als Dame Weisheit personifiziert, die die Menschen einlädt, mit ihr zu speisen:

„Kommt, nährt euch von meinem Brot Und trinkt von dem Wein, den ich gemischt habe. Verlasst die Torheit und lebt Und geht voran auf dem Weg des Verständnisses“ (9:5-6).

Es gibt eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dieser Einladung und der Vertrautheit, die unser Herr zu Seinen Kindern in Offenbarung 3:20 sucht.

Gott hat es den Menschen ermöglicht, Ihn zu erfahren, weil Er Sich ihnen offenbart hat. Das Werk Seiner Hände kann in der Schöpfung betrachtet werden (3:19-20; 8:22-31). Man kann Ihn durch die Lehren der Weisen kennen lernen (2:1-11). Aber vor Allem hat Er Sich durch Sein heiliges Wort offenbart.

Jedes Wort von Gott ist geläutert; Er ist ein Schild denen, die zu Ihm Zuflucht nehmen. Füge Nichts zu Seinen Worten hinzu, Damit Er dich nicht zurechtweise und du als ein Lügner überführt werdest (30:5-6).

Das Dilemma des Menschen

Gemäß der Sprüche befindet sich der Mensch in einem ernsthaften Dilemma, und das aus zwei Gründen. Erstens wird jeder Mensch vor eine Entscheidung gestellt. Er kann sie aktiv treffen oder durch Geschehenlassen – aber sie muss getroffen werden. Es ist die Entscheidung, Gott zu fürchten oder sich Ihm zu widersetzen, der Weisheit zu folgen oder dem Pfad der Torheit.

Der weise Vater drängt seinen Sohn, die richtige Wahl zu treffen:

Mein Sohn, vergiss meine Lehren nicht, Sondern lass dein Herz meine Gebote halten, Und die Länge der Tage und Jahre des Lebens Und der Friede werden dir zukommen. Güte und Wahrhaftigkeit mögen dich nicht verlassen; Binde sie um deinen Hals, Schreibe sie auf die Tafel deines Herzens. So wirst du Gunst und einen guten Ruf Bei Gott und den Menschen finden. Vertraue auf den Herrn mit deinem ganzen Herzen, Und stütze dich nicht auf deinen eigenen Verstand. Denke an Ihn auf all deinen Wegen, Und Er wird deine Wege gerade machen. Dünke dich nicht weise, Sondern fürchte den Herrn und kehre dich ab vom Bösen (3:1-7).

Ebenso drängt Dame Weisheit die Menschen, ihr zu folgen:

„Wie lange wollt ihr Unerfahrenen die Unerfahrenheit lieben? Und ihr Spötter euch am Spott erfreuen, Und ihr Unvernünftigen die Erkenntnis hassen? Kehrt um zu meiner Zurechtweisung, Dann will Ich meinen Geist über euch ausgießen; Ich will euch meine Worte bekannt geben“ (1:22-23).

Die Entscheidung, die jeder Mensch treffen muss, ist eine Entscheidung zwischen zwei Wegen, aus denen zwei Schicksale resultieren. Der Weg der Weisheit ist der Weg von Leben, Köstlichkeit und Frieden (3:16-18), der Weg der Sicherheit, ohne Furcht vor der Strafe für das Böse (1:33; 3:25-26). Den Gerechten wurde versprochen, dass sie „im Lande wohnen bleiben” sollten (2:21).

Schlechte Menschen, die den Pfad der Torheit gewählt haben, gehen genau auf das zu, was sie fürchten: Sie werden ernten, was sie gesät haben (1:31). Sie werden den Tod erleiden (2:18) und „aus dem Land ausgerottet werden” (2:21). Sie können nur den Zorn und die Verdammnis Gottes erwarten (3:32; 12:2).

Das Dilemma des Menschen wird durch einen zweiten Faktor noch verstärkt: Während er die Entscheidung zu treffen hat, Gott zu fürchten oder auf sich selbst zu vertrauen, ist er zur Torheit, zum Weg des Bösen prädisponiert. Schon in der Kindheit neigen wir dazu, unsere eigenen Wege zu gehen.

Torheit ist an das Herz eines Kindes geknüpft; Aber die Rute der Zucht wird sie von ihm entfernen (22:15).

Die Rute und die Zurechtweisung bringen Weisheit, Aber ein Kind, dem freier Lauf gelassen wird [wörtlich: das sich selbst überlassen wird] bereitet seiner Mutter Schande (29:15).

Wenn wir älter werden, neigen wir zur Selbsttäuschung und glauben, dass der Weg, den wir gewählt haben, der Richtige sei – auch wenn er das nicht ist.

Es gibt einen Weg, der vor dem Menschen recht erscheint, Aber am Ende ist es der Weg des Todes (14:12; auch 16:25).

Der Weg des Toren ist recht in seinen Augen, Aber wer auf einen Rat hört, ist weise (12:15).

Alle Wege eines Menschen sind lauter in seinen eigenen Augen, Aber der Herr wägt die Absichten (16:2).

Schlechte Menschen sind nicht in der Lage, Wahrheit und Weisheit zu erkennen, und demzufolge wenden sie sich denen zu, die für die Torheit eintreten.

Wer verkehrten Sinnes ist, findet nichts Gutes, und wer verkehrter Zunge ist, wird ins Unglück fallen (17:20).

Ein Übeltäter hört auf böse Lippen, Ein Lügner schenkt zerstörerischer Zunge Gehör (17:4).

Das Dilemma des Menschen ist also dieses: Er neigt von Natur aus der Sünde zu und nicht zu Gott (die Theologen nennen das Verderbtheit), und diese Veranlagung veranlasst ihn dazu, sich gerade denjenigen Worten zu verweigern, die ihm den Weg zur Erlösung verheißen. Statt dessen hört der schlechte Mensch auf die, die ihm erzählen, was er hören will – Torheit. Die Wurzel des menschlichen Dilemmas ist die Sünde:

Die Toren spotten der Schuld, Aber unter den Aufrichtigen ist guter Wille [oder: Gefallen an Gott; Randnotiz NASB] (14:9).

Gerechtigkeit erhöht eine Nation, Aber die Sünde ist eine Schande für jedes Volk (14:34).

Wer kann sagen: „Ich habe mein Herz gereinigt, ich bin frei geworden von meiner Sünde“? (20:9).

Gottes Vorkehrungen

Die Sprüche legen uns nicht nur das Problem dar, sondern sie enthüllen auch Gottes Vorkehrungen zu seiner Lösung. Als ein praktisches Buch teilen die Sprüche den Menschen mit, was alles für eine Gemeinschaft mit Gott notwendig ist. Ich möchte nicht gerade sagen, dass dies die Schritte zur Bekehrung sind, sie sind eher auf einem anderen Maßstab Schritte zu einer Umkehr, vom Weg der Torheit zur Nachfolge der Weisheit. Gehen Sie sie gemeinsam mit mir durch.

1. DER MENSCH MUSS DEMÜTIG WERDEN UND SEINE SÜNDE BEKENNEN.

Die Furcht des Herrn ist Anleitung zur Weisheit, Und der Herrlichkeit geht Demut voraus (15:33).

Wer seine Übertretungen zudeckt, wird kein Gelingen haben, Doch wer sie bekennt und von ihnen lässt, wird Barmherzigkeit finden (28:13).

2. DER MENSCH MUSS GOTTES WORT GLAUBEN.

Neige dein Ohr und höre auf die Worte des Weisen Und richte deinen Sinn auf meine Erkenntnis; Denn lieblich ist es, wenn du sie bei dir behältst, Damit sie auf deinen Lippen bereit sind. Damit deine Zuversicht im Herrn gegründet werde, habe ich dich, gerade dich heute unterwiesen. Habe ich dir nicht hervorragende Dinge Als Ratschlag und Erkenntnis aufgeschrieben, Um dir die Gewissheit der Worte der Wahrheit zu zeigen, Damit du dem recht antworten könnest, der dich gesandt hat? (22:17-21).

Jedes Wort von Gott ist geläutert; Er ist ein Schild denen, die zu Ihm Zuflucht nehmen (30:5).

Wer das Wort verachtet, wird in seiner Schuld sein, Aber der das Gebot fürchtet, wird belohnt (13:13).

Einige mögen vielleicht meine Interpretation dieser Verse, insbesondere 22:17-21, anzweifeln. Aber der Gott, der errettet, ist es selbst, der gesprochen hat. Der Schreiber der ersten Textstelle scheint zu spüren, dass seine Worte von Gott kommen, und deshalb drängt er den Leser, ihnen für seine eigene Erlösung Beachtung zu schenken. Schließlich ist unsere Erlösung nur so sicher wie die Offenbarung, die sie uns in Aussicht stellt. Um an Gott zu glauben, müssen wir zuerst an Sein Wort glauben.

3. DER MENSCH MUSS AUFHÖREN, AUF SICH SELBST ZU BAUEN, UND NUR GOTT FÜR SEINE ERLÖSUNG VERTRAUEN.

Vertraue auf den Herrn mit deinem ganzen Herzen, Und stütze dich nicht auf deinen eigenen Verstand. Denke an Ihn auf all deinen Wegen, Und Er wird deine Wege gerade machen. Dünke dich nicht weise, Sondern fürchte den Herrn und kehre dich ab vom Bösen (3:5-7).

Der Name des Herrn ist ein starker Turm; Der Gerechte läuft hinein und ist in Sicherheit (18:10).

Die Furcht vor den Menschen legt dich in eine Schlinge, Aber wer auf den Herrn vertraut, wird erhöht werden (29:25).

4. DER MENSCH MUSS SEINER TORHEIT ENTSAGEN UND SICH DEM WEG DER WEISHEIT ZUWENDEN.

Wenn du dich um sie [die Weisheit] bemühst wie um Silber Und nach ihr suchst wie nach verborgenen Schätzen, Dann wirst du die Furcht des Herrn verstehen Und die Erkenntnis Gottes finden. Denn der Herr gibt Weisheit; Von Seinem Mund kommt Wissen und Einsicht. Für die Rechtschaffenen bewahrt er dauerhafte Weisheit auf; Er ist ein Schild denen, die in Lauterkeit wandeln, Er behütet die Pfade der Gerechtigkeit Und erhält den Weg Seiner Frommen (2:4-8).

Verlasst die Torheit und lebt Und geht voran auf dem Weg des Verständnisses“ (9:6).

Die Sprüche fassen die Art, wie der Mensch ein Verhältnis zu Gott eingehen soll, gerne in dem Ausdruck “die Furcht des Herrn” zusammen.

1. DIE FURCHT DES HERRN IST DER ERSTE SCHRITT, UM WEISHEIT ZU ERLANGEN UND GOTT ZU ERKENNEN.

Dann wirst du die Furcht des Herrn verstehen Und die Erkenntnis Gottes finden (2:5).

Die Furcht des Herrn ist der Beginn der Weisheit, Und die Erkenntnis des Einen Heiligen ist Verständnis (9:10; vgl. 1:7; 15:33).

2. DIE FURCHT DES HERRN BRINGT UNS VOM TOD ZUM LEBEN, VON GOTTES ZORN ZUM LEBEN DURCH IHN.

Die Furcht des Herrn verlängert das Leben, Aber die Jahre der Bösen werden verkürzt werden (10:27).

Die Furcht des Herrn ist ein Quell des Lebens, Um sich abzuwenden von den Schlingen des Todes (14:27).

Die Furcht des Herrn gereicht zum Leben, Sodass man gesättigt schläft und vom Bösen nicht berührt wird (19:23).

Der Lohn der Demut und der Furcht des Herrn Sind Reichtum, Herrlichkeit und Leben (22:4).

3. DIE FURCHT DES HERRN LÄSST UNS DAS BÖSE MEIDEN UND GERECHTIGKEIT AUSÜBEN.

„Die Furcht des Herrn bedeutet, das Böse zu hassen; Stolz und Überheblichkeit, den schlechten Weg Und den verkehrten Mund hasse ich“ (8:13).

Wer in Rechtschaffenheit wandelt, fürchtet den Herrn, Aber wer verkehrt ist auf seinen Wegen, verachtet Ihn (14:2).

Durch liebende Güte und Wahrhaftigkeit wird Missetat gesühnt, Und in der Furcht des Herrn hält man sich vom Bösen fern (16:6).

Lass dein Herz nicht neidisch sein auf Sünder, Sondern lebe allezeit in der Furcht des Herrn (23:17).

4. DEN HERRN ZU FÜRCHTEN BEDEUTET, IHN ZU RESPEKTIEREN, ABER AUCH, IHM ZU VERTRAUEN.

Dünke dich nicht weise, Sondern fürchte den Herrn und kehre dich ab vom Bösen (3:7).

In der Furcht des Herrn liegt ein tiefes Vertrauen, Und für seine Kinder wird es eine Zuflucht geben (14:26).

Um vor dem göttlichen Gericht bewahrt zu werden und in eine enge Gemeinschaft mit Gott einzutreten, muss der Mensch als Erstes demütig werden und seine Sündhaftigkeit bekennen. Er muss aufhören, auf sich selbst zu bauen und sein Vertrauen in Gott setzen. Und nachdem er dem Weg der Sünde entsagt hat, muss er das Böse meiden und der Gerechtigkeit anhängen.

Schlussfolgerung

Lassen Sie mich zum Schluss – im Hinblick auf das, was wir aus den Sprüchen über Gott und den Menschen gelernt haben – noch einmal zwei Verpflichtungen herausstellen, die wir nicht vernachlässigen dürfen.

1. DER MENSCH IST DAZU VERPFLICHTET, SICH ZU ENTSCHEIDEN, OB ER DEM WEG DER WEISHEIT FOLGEN WILL, INDEM ER SEINE SÜNDHAFTIGKEIT BEKENNT, SICH VOM BÖSEN ABKEHRT UND AUF GOTT VERTRAUT.

Die Sprüche konfrontieren uns immer wieder mit der Dringlichkeit unserer Entscheidung für oder gegen die Furcht des Herrn. Es gibt nur zwei Wege, den Weg der Weisheit und den Weg der Torheit. Diejenigen, die ihrer natürlichen Neigung folgen, werden auf dem Weg zur Vernichtung bleiben. Denjenigen, die ihre Sünde bekennen und auf Gott vertrauen, werden Leben, Frieden und Gemeinschaft mit Gott zuteil werden. Sei es durch aktive Entscheidung oder durch passives Geschehenlassen – jeder Mann, jede Frau und jedes Kind trifft seine Wahl. Schieben Sie die Entscheidung für den Weg der Weisheit, den Weg des Lebens nicht länger auf!

2. WER SICH FÜR DEN WEG DER WEISHEIT ENTSCHIEDEN HAT, IST VERPFLICHTET, DENEN DIESEN WEG ZU ZEIGEN, DIE IHN NOCH NICHT BETRETEN HABEN.

Ich glaube,dass das Buch der Sprüche uns zu Evangelisten erziehen möchte. Wir sollen es machen wie Gott (und Dame Weisheit) und den Menschen nachgehen, sie vor den Gefahren ihres Weges warnen und sie ermahnen, sich von der Torheit hin zur Weisheit zu bekehren. Es gibt mehrere Sprüche, die zeigen, dass der Weise verpflichtet ist, andere auf den Weg zu drängen, der die Menschen vom Tod zum Leben führt.

Die Frucht des Gerechten ist ein Baum des Lebens, Und wer weise ist, gewinnt Seelen (11:30).

Der Rechtschaffene ist seinen Nächsten ein Vorbild, Aber der Weg der Bösen führt sie in die Irre (12:26).

Die Lehren der Weisen sind ein Quell des Lebens, Um sich abzuwenden von den Schlingen des Todes (13:14).

Befreie die, die zum Tode weggeführt werden; Und die zur Schlachtung hinstolpern, O halte sie zurück! Wenn du auch sagst: „Siehe, wir haben dies nicht gewusst“ – Wird nicht Er es bemerken, der die Herzen wägt? Und wird nicht Er es wissen, der deine Seele erhält? Und wird Er nicht dem Menschen nach seinem Tun erstatten? (24:11-12)

Derjenige, der seine eigene Sündhaftigkeit erkannt hat und die Gefahren, die auf dem Weg der Torheit entstehen, der kennt auch zur Genüge die Gefahren, die auf Andere zukommen, und er fühlt sich gedrängt, die Anderen zu warnen, und möchte die Worte der Weisheit mit ihnen teilen, die er als wahr erkannt hat.

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