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6. Der Faule

Einleitung

Vor Jahren, als ich noch an einer Schule lehrte, hatte ich einen Schüler, dem es selbst zu anstrengend war, auch nur gerade zu stehen. Wann immer möglich, lehnte er sich beim Gehen an der Wand an. Seine Technik der Fortbewegung war eigentlich ganz amüsant anzusehen und erinnerte etwas an Rollerfahren – abstoßen...gleiten, abstoßen...gleiten. Glen hatte darin geradezu Perfektion entwickelt. Normalerweise funktionierte das auch recht gut – abgesehen davon, dass er die Farbe von den Wänden herunterwischte und seine Hemden ruinierte.

Eines Tages aber machte die Klasse eine Exkursion und ging die Druckerei einer großen Stadtzeitung besichtigen. Ich hatte alle meine Schüler vorgewarnt, dass sie sich ruhig und vorsichtig verhalten müssten und nichts anfassen dürften. Zunächst ging Alles gut. Glen allerdings sah keine Notwendigkeit, seine Fortbewegungsart zu ändern, und so rutschte er durch das Gebäude, von den Wänden gestützt. Dann aber machte er einen entscheidenden Fehler und passte nicht auf, wo er hin ging. Eine Türschwelle erwischte ihn hinterrücks und ohne dass es Einer von uns verhindern konnte, schlug der ganze Kerl der Länge nach mit lautem Krachen in einen Schrank. Mit vielem Gestrampel befreite er sich schließlich und entstieg dem Schrank recht kleinlaut. Für den Rest des Tages zog er es dann vor, sich auf eine weniger unübliche Art fortzubewegen.

Der Faule hat etwas Amüsantes an sich, selbst im Buch der Sprüche. Dort finden wir ihn, nicht ganz ernst gemeint, beschrieben, wie er sich auf seinem Bett hin und her dreht wie eine Tür in ihren Angeln (26:14). Wir müssen lachen bei der Vorstellung, dass der Faule seine Hand in die Schüssel taucht, aber es nicht schafft, sie zurück zum Mund zu heben (26:15). Wir können uns nur amüsieren über seine Ausrede, warum er nicht zur Arbeit gehen kann: „Ein Löwe steht auf dem Weg“ (26:13).

Von der humorvollen Art, in der der Faule beschrieben wird, sollten wir uns aber nicht irreführen lassen. Im Buch der Sprüche wird Humor aus mindestens zwei Gründen eingesetzt: Erstens macht es uns eine treffende, humorvolle Beschreibung der Wahrheit schwerer, sie zu vergessen. Die Lehren der Sprüche über den Faulen haben also, sozusagen, „geistige Widerhaken“, die die Wahrheit tief in unserem Gedächtnis verankern. Zweitens wird Humor oft eingesetzt, um den Leser zu entwaffnen und ihn bereit zu machen für die Wucht der Anklage, die direkt unter der Oberfläche verborgen liegt. Während wir noch lachen, realisieren wir allmählich, dass die Pointe der Geschichte auf uns selbst gerichtet ist. Durch unser Lachen haben wir ja schon zugegeben, dass sie prinzipiell wahr ist – zumindest was Andere anbelangt. Und nun stehen wir plötzlich der unangenehmen Notwendigkeit gegenüber, uns auch der Wahrheit über uns selbst zu stellen.

Unter Berücksichtigung dessen wollen wir jetzt unsere Aufmerksamkeit auf den Faulen richten, so wie er in den Sprüchen portraitiert wird. Lassen Sie uns das im Wissen darum tun, dass es wertvolle Lektionen für uns zu lernen gibt, nicht nur über Andere, sondern auch über uns selbst.

Charakterzüge eines Faulen

Der Zustand “Faulheit” kann anhand einiger verräterischer Symptome diagnostiziert werden. Wir werden jedes davon so betrachten, wie es die Sprüche beschreiben.

1. DER FAULE IST EIN ZAUDERER. Das Motto des Faulen ist: „Was du auf morgen verschieben kannst, das tue nie heute.“ Faule haben die Fähigkeit hoch entwickelt, sowohl den Beginn einer Arbeit aufzuschieben als auch die Vollendung bereits begonnener Arbeiten.

Der Faule kann unmöglich zur Arbeit gehen, weil ein gefährlicher Löwe auf dem Weg steht (22:13). Er hat ja ernsthaft vor zu arbeiten, aber erst nach einem klein Wenig mehr Schlaf (6:9-10). Wenn die Zeit der Ernte gekommen ist, ist der Faule noch nicht ganz so weit, auf das Feld zu gehen (10:5). Der Faule ist immer fast so weit, mit der Arbeit zu beginnen, aber eben nicht ganz.

Die Aufgaben, die der Faule begonnen hat zu erledigen, scheinen nie fertig zu werden. Die Vorhaben, die er beginnt, erweisen sich immer als zeitraubender und anspruchsvoller, als er gedacht hatte. Der Faule zögert nicht, die voreilige Absicht, eine Arbeit zu beginnen, zu korrigieren und diese Arbeit erst einmal wieder zur Seite zu legen. In den Sprüchen kann man eine ganze Reihe von Beispielen finden für diese Unfähigkeit, eine begonnene Arbeit fertigzustellen.

Ein träger Mann wird das Beutetier nicht braten, Aber eines Mannes kostbarer Besitz ist Fleiß (12:27).

Der Faule birgt seine Hand in der Schüssel; Er ist zu müde, um sie zurück an den Mund zu bringen (26:15).

Nach dem Herbst will der Faule nicht pflügen, Und er bettelt während der Ernte und hat Nichts (20:4).

Es gibt verschiedene Interpretationen für Sprüche 12:27. Ich verstehe diesen Vers so, dass der Faule sich zwar der Mühe unterzogen hat, seine Beute zu fangen, dann aber nicht weitermacht und sie brät. Dadurch verschwendet er seine Mühe und verliert die Frucht seiner Arbeit. Der Faule hebt zwar an und steckt seine Hand in die Schüssel,26 aber er bringt die Energie nicht mehr auf, sie wieder herauszuziehen und kommt daher nicht in den Genuss der Früchte seiner anfänglichen Mühe (26:15). Nachdem er die Ernte eingefahren hat, ist der Faule zu müde (oder vielleicht auch zu gleichgültig), um das Feld für das kommende Jahr zu bestellen (20:4).

Ich bin nie ein großer Sportler gewesen, aber ich bin der festen Überzeugung, dass etwas durchzuziehen eines der wichtigsten Dinge im Sport ist. Beim Baseball, Golf oder Tennis, überall muss der Sportler beim Schlag bis zum Ende durchschwingen. Der Faule zieht Nichts durch und macht spätestens damit seine Mühen zunichte –wenn sie nicht bereits von vorneherein zu gering waren und zu spät eingesetzt wurden.

2. DER FAULE HAT IMMER EINEN GRUND. Unterschätzen Sie nie einen Faulen: Sein Gehirn arbeitet schneller als sein Körper. Wenn es darauf ankommt, sich seiner Verantwortung zu entziehen, reagiert Niemand so schnell wie der Faule. Es gibt immer einen „Grund“ für seine Unentschlossenheit und Tatenlosigkeit. Wenn der Faule beschließt nicht zu arbeiten, hat er immer eine – in seinen Augen plausible – Erklärung für seine Entscheidung. Die klassische Ausrede ist diejenige, die an zwei Stellen in den Sprüchen zu finden ist:

Der Faule sagt: „Ein Löwe ist draußen; auf der Straße werde ich getötet werden!“ (22:13; vgl. 26:13).

Soviel ich weiß, gab es zu dieser Zeit tatsächlich Löwen in Israel (vgl. Ri 14:8; 1.Sam 17:34; 1.Kö 13:24, 20:36; Spr 28:15). Die Wahrscheinlichkeit auf einen Löwen zu treffen war wohl gering, aber der Faule betont die Gefahr, dass es doch passieren könnte. Seiner Meinung nach ist es sinnvoller zu Hause und in Sicherheit zu bleiben. Wir mögen über eine solch alberne Ausrede lachen, aber viele der „Gründe“, mit denen sich Menschen bei ihrem Arbeitgeber „krank melden“, sind kaum überzeugender – jedenfalls nicht für alle außer demjenigen, der sich entschlossen hat zu Hause zu bleiben. Der springende Punkt ist der, dass der Faule eine Schwierigkeit konstruiert, die ihn von dem abhält, was er sowieso nicht tun wollte. Während seine Gründe für Andere unbefriedigend bleiben, empfindet er selbst sie als zwingend.

Lieber noch als sich zu entscheiden, nicht zur Arbeit zu gehen, würde der Faule überhaupt keine Entscheidungen treffen – außer derjenigen, jegliche Tätigkeit von seiner Seite her auf später zu verschieben. Häufig ist der Faule nicht aufrichtig genug um zuzugeben, dass er nicht zur Arbeit gehen oder dass er kein Feld bestellen wird. Der Faule zieht es vor, die Unannehmlichkeiten der Arbeit loszuwerden, indem er die Entscheidung darüber aufschiebt, ob er arbeiten sollte oder nicht. Wie der Faule begründen kann, dass er wegen eines „Löwen“ nicht arbeitet, so kann er auch die Entscheidung darüber aufschieben, weil etwas Unwichtiges (“ein wenig...“) ohnehin nicht so dringend sein kann.

“Ein wenig Schlaf, ein wenig Schlummer, Ein wenig Händefalten, um so dazuliegen” (6:10; vgl. 24:33).

Meine Frau Jeannette ist die Erste, die bei uns am Morgen aufsteht. Wenn sie mich aufweckt, sage ich ihr oft, sie solle in fünf Minuten wiederkommen, oder ich bitte sie, schon einmal den Kaffee aufzusetzen, so dass ich noch eine kurze Gnadenfrist habe. Der Faule tröstet sich selbst, wenn er das Unausweichliche aufschiebt, indem er sich einredet, dass es doch nur um ein wenig mehr Schlaf geht. Was können schließlich ein paar weitere Augenblicke der Ruhe schaden? Seiner eigenen Ansicht nach plant der Faule nur seinen Tag oder sammelt seine Kräfte.27 Im Hohenlied Salomos wird gesagt, dass es „die kleinen Füchse“ sind, die „den Weinberg verwüsten“ (Hoh 2:15). Der Faule entschließt sich selten bewusst, seine Pflichten zu vernachlässigen, aber er schiebt sie ständig auf.

3. DER FAULE NIMMT DEN WEG DES GERINGSTEN WIDERSTANDES. Wenn irgendetwas auf den Faulen zutrifft, dann dass er arbeitsscheu ist. Sein „Werkzeug“ ist das Bett (6:10; 10:5; 19:15; 20:33; 26:24). Ihm fehlt der Fleiß der Weisen.

Wie Essig für die Zähne und wie Rauch für die Augen, So ist der Faule für die, die ihn aussenden (10:26).

Der lässig ist in seiner Arbeit, Ist ein Bruder dessen, der zerstört (18:9).

Faulheit lässt in einen tiefen Schlaf fallen, Und ein lässiger Mensch wird Hunger leiden (19:15).

Wegen seiner Trägheit wird der Faule den Weg wählen, der das geringste Opfer von seiner Seite aus zu erfordern scheint und das größte Maß an unmittelbarem Vergnügen verspricht.

Liebe nicht den Schlaf, damit du nicht verarmst; Öffne deine Augen und du wirst mit Nahrung gesättigt werden (20:13).

Sein Verlangen [nach Müßiggang] bringt den Faulen zum Tode, Denn seine Hände weigern sich zu arbeiten; Den ganzen Tag lang verlangt er begierig, Während der Gerechte gibt und nicht zurückhält (21:25-26).

Wenn er der Arbeit nicht mehr aus dem Weg gehen kann, wählt der Faule dasjenige Vorgehen, das ihm auf dem leichtesten Wege Geld verschafft.

Wer sein Land bebaut, wird mit Brot gesättigt werden, Aber wer eitlen Dingen nachjagt, dem fehlt es an Verstand. Der Böse begehrt die Beute schlechter Menschen, Aber die Wurzel des Gerechten trägt Frucht (12:11-12).

Wer sein Land bebaut, wird Nahrung zur Genüge haben, Aber wer eitlen Dingen nachgeht, wird Armut zur Genüge haben. Ein Mensch mit bösen Augen jagt dem Reichtum nach Und weiß nicht, dass Not über ihn kommen wird (28:19,22).

4. DER FAULE IST TÖRICHT. Ich möchte den Faulen nicht mit dem Toren gleichsetzen, aber es ist doch augenfällig, dass der Faule töricht ist. Nicht alle Toren sind unbedingt faul, aber alle Faulen sind töricht.

Der Weg des Faulen ist wie eine Dornenhecke, Aber der Pfad des Gerechten ist ein breiter Weg (15:19).

Da der Faule hier dem Gerechten gegenüber gestellt wird, ist es wohl angemessen zu sagen, dass der Faule schlecht, der Gerechte aber fleißig ist. Die Sorgfalt des Weisen wird der Trägheit des Faulen gegenüber gestellt (10:26). Den Faulen mangelt es an Verstand (24:30) und sie sind nur in ihrer eigenen, eitlen Selbsteinschätzung weise (26:16). Mit anderen Worten: Der Faule ist ein Tor. Wie alle Toren strebt er der plötzlichen (doch für ihn unvorhergesehenen) Vernichtung zu (6:11; 20:34).

5. DER FAULE BENÖTIGT STÄNDIG ÜBERWACHUNG UND ANTRIEB. Außer unter Druck und Anstoß von außen wird ein Fauler seiner Verantwortung nicht nachkommen. Die immense Trägheit des Faulen kann nur durch dramatische Einwirkungen überwunden werden; seien es Magenschmerzen vor Hunger (13:25; 16:26) oder die Peitsche des Aufsehers (12:24). In Kapitel 6 wird der Faule gemahnt, sich ein Beispiel an der Ameise zu nehmen, die ihren Pflichten getreulich und doch ohne irgendeine Überwachung nachgeht (Vers 6-8).

Die Konsequenzen für den Faulen

Die Konsequenzen, denen sich der Faule gegenüber sieht, lassen sich in zwei Worten ausdrücken: Schwierigkeiten und Druck. Eine genauere Betrachtung der Sprüche führt zur Erklärung, warum der Faule diese beiden unangenehmen Konsequenzen tragen muss.

Gemäß der Weisheit der Sprüche wird “der nicht arbeitet auch nicht essen”.

Faulheit lässt in einen tiefen Schlaf fallen, Und ein lässiger Mensch wird Hunger leiden (19:15).

Oft wird das Ergebnis der Faulheit noch allgemeiner als “Armut” bezeichnet.

“Ein wenig Schlaf, ein wenig Schlummer, Ein wenig Händefalten, um so dazuliegen” – Und die Armut wird zu dir kommen wie ein Wegelagerer Und die Not wie ein bewaffneter Mann (6:10-11; vgl. 10:4; 20:13).

Allerdings hat der Faule noch andere Probleme außer Hunger und Armut. Sein Leben ist von Problemen gezeichnet:

Der Weg des Faulen ist wie eine Dornenhecke, Aber der Pfad des Gerechten ist ein breiter Weg (15:19).

Wie auch an anderer Stelle in diesem Weisheitsbuch gesagt wird, ist “der Weg des Gesetzesübertreters holprig“ (13:15).

Eine weitere Folge der Faulheit ist ständiger Druck. Der Faule wird, wenn es irgend geht, die Arbeit meiden. Während der Fleißige gedeiht und vorankommt, versagt der Faule überall außer in einer durch und durch strukturierten Umgebung.

Die Hand des Fleißigen wird herrschen, Aber die lässige Hand wird zur Zwangsarbeit verpflichtet werden (12:24).

Als College-Student arbeitete ich während der Weihnachtsferien für die Post. Normalerweise fuhr ich ein Postauto, aber als ich mich einmal im Postgebäude aufhielt, fielen mir überall, selbst in den Waschräumen, halbdurchlässige Spiegel auf. Was das bedeutete, war offensichtlich: „Du musst jederzeit damit rechnen, beobachtet zu werden.“ Die Faulen werden immer unter Druck sein, weil sie nur auf diese Weise etwas schaffen.

Die Wurzel des Problems der Faulen

Im Leben eines Menschen kommen mehrere Faktoren zusammen, um die Wurzel für charakterliche Mängel zu bilden. Wir werden jetzt einen Blick auf die Wurzel des Problems der Faulen werfen, wie sie das Buch der Sprüche darstellt.

1. DER FAULE IST SELBSTSÜCHTIG. Der Faule sieht immer auf die Nummer Eins – sich selbst. Er nimmt keine Rücksicht auf irgendeinen Anderen.

Sein Verlangen bringt den Faulen zum Tode, Denn seine Hände weigern sich zu arbeiten; Den ganzen Tag lang verlangt er begierig, Während der Gerechte gibt und nicht zurückhält (21:25-26).

Die Gerechten nehmen Rücksicht auf die Bedürfnisse Anderer. Wie die letzte Zeile von Vers 26 ausdrückt, sind sie gekennzeichnet durch großzügiges Entgegenkommen, wenn es darum geht, diese Bedürfnisse zu befriedigen (vgl. auch 22:9; 29:7; 31:20). Den Faulen charakterisiert dagegen die Sorge um seine eigene Bequemlichkeit. Wer schon keine Opfer für sein eigenes Wohl bringen will, wird sicher auch kein Opfer für Andere bringen.

2. DER FAULE IST VERGNÜGUNGSSÜCHTIG. Wir haben in Sprüche 21:25-26 gerade gelesen, dass der Faule durch seine eigenen Begierden vernichtet werden wird. Darüber hinaus wird er von diesen Begierden ständig beherrscht.28

Die Seele des Faulen giert und bekommt Nichts, Aber die Seele des Fleißigen wird fett gemacht werden (13:4).

Wer das Vergnügen liebt, wird arm werden; Und wer Wein und Öl liebt, wird nicht reich werden (21:17).

Der Faule wünscht sich ein bequemes Leben, voller Luxus und Köstlichkeiten der Reichen. Da seine körperlichen Bedürfnissen die Kontrolle über ihn haben, wird der Faule Alles, was er hat, sofort verzehren. Seine Unfähigkeit, auf unmittelbare Befriedigung zu verzichten, führt ihn in die Armut.

3. DER FAULE IST KURZSICHTIG. Der Faule denkt nur ans Jetzt. Er spricht zwar ständig über Morgen – als dem Zeitpunkt, an dem er die Arbeit aufnehmen wird – aber er denkt nie voraus. Er versäumt es, die Zukunft zu planen, und er bereitet sich nie darauf vor.

Geh zur Ameise, du Fauler, Sieh ihre Wege und werde weise; Wie sie, ohne Befehlshaber, Beamte oder Herrscher, Ihre Nahrung im Sommer bereitet und in der Ernte ihre Nahrungsvorräte einsammelt (6:6-8).

Der im Sommer einsammelt, ist ein Sohn, der weise handelt, Aber wer in der Ernte schläft, ist ein schändlich handelnder Sohn (10:5).

Der Faule steht den Erfordernissen der Zukunft gleichgültig gegenüber. Während der Erntezeit ist mehr als genug Nahrung verfügbar, aber der kalte Winter steht bevor. Ohne fleißige Arbeit für die Ernte und die Rückstellung von Nahrung für den Winter wird der Faule Hunger leiden. Ihm fehlt einfach jegliches Gefühl der Dringlichkeit bezüglich der Zukunft.

4. DEM FAULEN MANGELT ES AN SELBSTDISZIPLIN. Wenn es etwas gibt, das dem Faulen fehlt, so ist es Selbstbeherrschung. Wenn es irgendetwas zu essen gibt, wird er es aufessen, ohne die Folgen zu bedenken. Wenn er die Wahl hat, zu arbeiten oder zu spielen, wird er sich immer für das Spielen entscheiden. Was immer leicht und vergnüglich ist, für das wird er sich entscheiden.

Ein weiser Mensch weiß, dass kurzfristige Opfer für das zukünftige Wohlergehen notwendig sind. Ein weises Kind entscheidet sich dafür, ohne Süßigkeiten und Eiscreme auszukommen, damit es das Geld für ein Fahrrad sparen kann. Der disziplinierte Sportler weiß, dass er nicht zu viel von bestimmten Nahrungsmitteln essen und nicht zu spät zu Bett gehen darf, wenn er einen Wettkampf gewinnen will. Der Faule aber ist nicht bereit, irgendwelche Opfer zu bringen oder auf irgendein Vergnügen zu verzichten, das vor seinen Augen liegt.

Die Lösung des Problems des Faulen

Der Faule mag bisweilen amüsant sein – aber nicht lange. Er ist eine Belastung für Andere; er nimmt, aber er gibt nicht. Er gehört zu den Lasten der Gesellschaft. Das Buch der Sprüche weist den Weg, wie der Faule zur Gesellschaft beitragen kann, statt nur von ihr zu zehren.

1. DIE AUFMERKSAMKEIT DES FAULEN KANN MAN DURCH SCHMERZEN, DRUCK UND SCHWIERIGKEITEN GEWINNEN. Wir haben gesehen, dass Schwierigkeiten und Druck die Konsequenzen aus dem Lebensstil des Faulen sind, aber sie können auch zu seiner Heilung beitragen. Denken Sie daran, dass der Faule von Natur aus Alles vermeidet, was schmerzhaft oder unangenehm ist. Dem entsprechend nimmt er auch den Hunger und die Armut Ernst, die aus seinem faulen Leben resultieren.

Der Gerechte hat genug, um seine Seele zu sättigen, Aber der Bauch des Bösen ist leer (13:25).

Die Seele des Arbeiters arbeitet für ihn, Denn sein Hunger treibt ihn voran (16:26).

Es ist wichtig für uns, die Art der Armut und Bedürftigkeit eines Menschen genau zu kennen. Einige Menschen haben keinen Einfluss auf ihre Armut, und denjenigen, deren Bedürftigkeit nicht Resultat ihrer Sünde ist, müssen wir entgegenkommen und ihnen helfen. Aber der Faule sollte nicht gefüttert werden, damit seine sündige Lebensart auf Kosten Anderer nicht noch verstärkt werde. Was die Sprüche andeuten, wird an anderer Stelle in der Schrift deutlich gesagt:

Denn auch, als wir bei euch waren, gaben wir euch gewöhnlich diese Weisung: Wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen (2.Th 3:10).

Der so genannte “verlorene Sohn” in Lukas 15 kam erst zur Vernunft, nachdem er all seine Habe vergeudet hatte und am Schweinetrog angekommen war. Wenn wir ernstlich wünschen, dem zu helfen, der Anderen Weh tut, müssen wir daran denken, dass wir dem Faulen nur helfen können, wenn wir ihn die Konsequenzen seiner Sünden lange genug spüren lassen, dass er die Torheit seines Weges einsieht und ihn zugunsten des Weges der Weisheit aufgibt. Hüten wir uns aber auch vor der falschen Schlussfolgerung, dass Alle, die arm und bedürftig sind, Faule seien.

Der Faule muss lernen, dass der “Weg des geringsten Widerstandes” kein Weg des Wohllebens und Gedeihens ist. Gemäß dem Buch der Sprüche ist er wie eine Dornenhecke (15:19). Richten wir unsere Mühe nicht darauf, den Weg des Sünders leicht zu machen, sondern darauf zu tun, was in unserer Macht steht, um Männer und Frauen auf den Weg der Weisheit zu bringen. Die Schmerzen auf dem Weg der Torheit sind nur ein kleiner Vorgeschmack auf das Leiden und die Vernichtung, die all denen bevorstehen, die sich für diesen Weg entschieden haben.

2. DER FAULE MUSS SEINEN BLICKWINKEL UND SEINE PRIORITÄTEN ÄNDERN. Unser Herr fasste das Gesetz des Alten Testamentes in nur zwei Geboten zusammen:

Und Er sagte zu ihm: „‚DU SOLLST GOTT, DEINEN HERRN, LIEBEN MIT GANZEM HERZEN, MIT GANZER SEELE UND MIT ALL DEINEM SINN.’ Dies ist das größte und erste Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: ‚DU SOLLST DEINEN NÄCHSTEN LIEBEN WIE DICH SELBST.’ An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ (Mat 22:37-40).

Das Problem des Faulen ist es, das er diese beiden Gebote willentlich missachtet. Er liebt Gott nicht noch fürchtet er Ihn. Alles weist darauf hin, dass der Faule schlecht ist. Er wird in einen Gegensatz zum Gerechten gestellt (15:19; 21:25-26) und mit den Bösen gleichgesetzt (13:25). Ebenso wie der Faule Gott missachtet, zeigt er auch keine Liebe zu seinen Mitmenschen. Er strebt nur danach, Schmerzen zu meiden und sein eigenes Vergnügen zu verfolgen. Die Sprüche implizieren, was andere Schriften ausdrücklich lehren, dass wir nämlich Gott an die erste Stelle in unserem Leben setzen und danach streben müssen, Anderen zu dienen, statt nur unsere eigenen selbstsüchtigen Bedürfnisse zu befriedigen.

Dass ihr Nichts aus Selbstsucht oder leerer Einbildung tut, sondern Einer den Anderen mit Demut des Geistes als wichtiger erachte als sich selbst; dass ihr nicht bloß auf eure eigenen Interessen seht, sondern auch auf die Interessen der Anderen. Bewahrt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war, der, obwohl Er in Gottesgestalt existierte, nicht danach griff, Gott gleich zu sein, sondern Er entäußerte Sich selbst, indem Er Sklavengestalt annahm und dem Menschen gleich wurde. Und in der Beschaffenheit als ein Mensch gefunden, erniedrigte Er Sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja sogar bis zum Tod an einem Kreuz (Php 2:3-8).

Kurz gesagt, der Faule muss zuerst zur Erlösung gelangen durch Glauben an die Person und das Werk Jesu Christi, der für seine Sünden gestorben ist und ihm neues Leben anbietet – kein leichtes Leben, aber ein erfülltes Leben, das durch den Dienst an Gott und den Menschen gezeichnet ist.

Nur wenige Textstellen beschreiben die Veränderung, die durch das Evangelium im Leben eines Menschen geschieht, besser als Epheser 4:

Wer stiehlt, stehle nicht mehr, sondern er arbeite vielmehr hart und vollbringe mit seinen eigenen Händen, was gut ist, damit er etwas habe, um es mit dem Bedürftigen zu teilen (Eph 4:28).

Das Evangelium Jesu Christi verwandelt den verlorenen Menschen vom Parasiten zum Produktiven, von Einem, der nur von Anderen nimmt, in Einen, der unter Opfern gibt, um die Bedürfnisse des Hilflosen zu befriedigen. Das Evangelium wendet die Aufmerksamkeit eines Menschen von sich selbst weg auf Andere. Der richtige Weg, einen Faulen zu heilen, besteht darin, einen Heiligen aus ihm zu machen.

Der Faule muss also damit aufhören, nur für das Jetzt zu leben, und sein Leben statt dessen im Licht der Ewigkeit führen. Der Faule lebt, als gebe es kein Morgen, und deshalb muss er hinter allem Vergnügen herjagen, das er nur finden kann, und es genießen, sobald es sich ihm bietet. Ein Christ lebt dagegen im Licht von Gottes Verheißung eines Lebens voller Segnungen für alle, die an Ihn glauben und sich Vergnügungen daher versagen, die dem geistlichen Dienst und Wachstum abträglich sind. Das ist die Botschaft des elften Kapitels des Hebräer-Briefes:

Durch Glauben wollte Moses, als er erwachsen geworden war, nicht mehr der Sohn der Tochter Pharaos genannt werden; sondern er wollte lieber mit dem Volk Gottes schlecht behandelt werden als die vergänglichen Annehmlichkeiten der Sünde zu genießen; und achtete die Schmach Christi als größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens, denn er richtete den Blick auf die Belohnung hin (Heb 11:24-26).

Der Faule muss sein Wertesystem vollständig umkehren. Das vornehmste Ziel im Leben ist nicht, glücklich zu sein, sondern heilig (Christ-ähnlich) zu sein. Als Christ sollte man danach streben, wahrhaft fromm zu sein statt nur gedeihlich (30:7-9). Das bedeutet, dass jeder Christ bereit sein muss, Leiden und Bedrängnis in diesem Leben zu ertragen (2.Tim 3:12; 1.Pe 1:3-7; Jak 1:2-4). Auch die Freiheiten, die wir besitzen, müssen möglicherweise zurückstehen vor dem höheren Gut, Gott zu dienen oder zum Wohlergehen Anderer beizutragen (1.Ko 8ff).

Ich verstehe die Bibel so, dass die biblischen Prophezeiungen dazu da sind, Christen immer wieder daran zu erinnern, dass Gottes Absichten gewiss sind und dass wir unser gegenwärtiges Leben gottgemäß führen sollen, in dem Wissen, dass dieses Leben und auch diese ganze Welt vorübergehen.

Da alle diese Dinge solcherart zerstört werden sollen, was für Menschen solltet ihr da sein in heiligem Wandel und Gottgefälligkeit, dass ihr der Ankunft des Tages Gottes drängend harret, durch den die Himmel in Flammen aufgehen und die Elemente in Gluthitze zerschmelzen werden! Aber nach Seiner Verheißung erwarten wir neue Himmel und eine neue Erde, auf der Gerechtigkeit wohnen wird (2.Pe 3:11-13).

Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, aber es ist noch nicht offenbart worden, was wir sein werden. Wir wissen, dass, wenn Er offenbart werden wird, wir Ihm gleich sein werden, denn wir werden Ihn sehen, so, wie Er ist. Und jeder, der solche Hoffnung auf Ihn gesetzt hat, läutert sich selbst, so wie Er lauter ist. (1.Joh 3:2-3).

3. DER FAULE MUSS ARBEITEN. Die Quintessenz für den Faulen ist, dass er aufhören muss herumzulungern und zur Arbeit gehen muss. Ob er nun durch Schmerz und äußeren Druck oder (besser) durch die Aussicht auf ein neues Leben dazu gebracht wird: er muss seine Lethargie überwinden und tun, was getan werden muss.

Wer sein Land bebaut, wird mit Brot gesättigt werden, Aber wer eitlen Dingen nachjagt, dem fehlt es an Verstand (12:11).

Durch jederlei Arbeit ergibt sich ein Vorteil, Aber bloßes Reden führt nur zu Armut (14:23).

Wer sein Land bebaut, wird Nahrung zur Genüge haben, Aber wer eitlen Dingen nachgeht, wird Armut zur Genüge haben (28:19).

Im Hinblick auf die Entscheidung, welche Arbeit als Erste getan werden sollte, sagen uns die Sprüche, dass es diejenige Arbeit sein sollte, die uns am Besten auf die vor uns liegenden Schwierigkeiten vorbereitet. Nicht unsere Bequemlichkeit, sondern unsere dringendsten Nöte müssen Priorität haben.

Bereite deine Arbeit draußen Und mache sie dir auf dem Feld zurecht; Danach dann baue an deinem Haus (24:27).

Schlussfolgerung

Die Lehren der Sprüche über den Faulen haben weit reichende Folgen für Jeden von uns. Ich hoffe sehr, wir alle können zugeben, dass wir zu viel von einem Faulen in uns haben, wenn es an Aufgaben geht, die wir als unangenehm empfinden. Sei es bei der Arbeit oder zu Hause: Wir müssen lernen, das zu tun, was wichtig ist, bevor wir das tun, was uns den meisten Genuss bereitet.

Aber über diesen ganz offensichtlichen Anwendungsbereich hinaus gibt es einen Weiteren, der noch dringender zu berücksichtigen ist: Nirgendwo kommen die Symptome der Faulheit deutlicher zum Vorschein als als auf dem Gebiet meiner geistlichen Pflichten und Verantwortlichkeiten. Mögen vielleicht auch noch andere Ursachen in Betracht zu ziehen sein – der Hauptgrund für meine Versäumnisse beim Gebet, beim empfohlenen Bibelstudium, bei der Anbetung und bei der Bezeugung meines Glaubens an Christus liegt darin, dass ich spirituell faul bin. Ich gebe zwar zu, dass diese Dinge wichtig, ja entscheidend sind, aber ich komme einfach nie dazu, sie so intensiv oder so gut zu betreiben, wie ich müsste.

Sehen wir der Tatsache ins Auge, dass unser geistliches Leben keineswegs leicht zu nehmen ist. Wir sind aufgerufen, Jünger unseres Herrn zu sein, und als Solche müssen wir Entbehrungen und Verfolgung ertragen. Mit den Worten eines Gospels: „Es ist kein leichter Weg...“ Der Faule in mir bringt mich immer wieder dazu, die Dinge leicht zu nehmen, den leichten Weg einzuschlagen und mir einzureden, dass Morgen ja auch noch ein Tag ist. Augenblick für Augenblick, Tag für Tag, ein winziges Bisschen nach dem Anderen geht der spirituelle Kampf verloren, größtenteils durch Passivität.

Mir wird immer klarer, warum der Faule eine so bedeutende Rolle im Buch der Sprüche spielt. In den ersten neun Kapiteln wird wiederholt nicht nur der Wert der Weisheit betont, sondern auch der Preis, der für sie zu zahlen ist:

Mein Sohn, wenn du meine Reden annehmen Und meine Gebote in dir bewahren wirst, Leihe der Weisheit dein Ohr Und neige dein Herz der Erkenntnis zu; Denn wenn du nach Unterscheidungsvermögen rufst Und deine Stimme für die Erkenntnis erhebst, Wenn du dich um sie bemühst wie um Silber Und nach ihr suchst wie nach verborgenen Schätzen, Dann wirst du die Furcht des Herrn verstehen Und die Erkenntnis Gottes finden (2:1-5; vgl. 3:1-18; 4:1-9).

Die korinthische Gemeinde des Neuen Testaments war fleischlich (vgl. 1.Ko 3:1-3). Als Paulus schließlich ihren Schwierigkeiten auf den Grund ging, stellte sich als eines der Hauptprobleme heraus, dass diesen Heiligen die Selbstdisziplin und Ausdauer fehlte, um sich Vergnügungen zu versagen, die ihrem Zeugnis, ihrer eigenen geistlichen Entwicklung oder dem Wohlergehen eines Mitchristen abträglich waren. In den letzten Versen von Korinther 9 und der ersten Hälfte von Kapitel 10 bezieht sich Paulus auf die Notwendigkeit zur Disziplin im christlichen Leben. Im Prinzip sagte Paulus dort den Korinthern, dass sie spirituell faul waren.

Beim Lesen des Neuen Testaments finde ich, dass die Charakterschwächen des Faulen aus den Sprüchen dort wiederholt behandelt werden. Beispielsweise in Matthäus 24, wo unser Herr über die Zeit der Großen Bedrängnis und über die letzten Tage sprach. Wiederholt drängte Er Seine Jünger zu wachen und bereit zu sein, damit sie nicht von seiner Rückkehr überrascht würden, wenn sie sich weniger wichtigen Dingen hingäben als dem Reich Gottes (vgl. Vers 42-43,50). In Kapitel 25 des Matthäus-Evangeliums fährt der Herr fort die Heiligen vor den Gefahren geistlicher Faulheit zu warnen. Im Gleichnis von den Talenten (Vers 14-30) ist es der Sklave, der nur ein Talent („ein wenig“, vgl. Spr 6:10) hat, der es versäumt, dieses für seinen Herrn zu verwenden. Der Sklave hat eine Ausrede (seinen „Löwen auf dem Weg“), indem er sagt, dass er die Strenge seines Herrn kenne und sich vor ihr gefürchtet habe. Aber der Herr akzeptiert seine Entschuldigung nicht, sondern antwortet ihm: “Du böser, fauler Sklave“ (25:26). Ungeachtet seiner Ausreden war dieser Sklave ein Fauler.

Wie unser Herr, so hatten auch seine Apostel wenig Mitleid mit einem Faulen. Paulus wies die thessalonische Gemeinde an, Keinem zu Essen zu geben, der nicht arbeiten wollte (2.Th 3:10). Fleiß und Selbstdisziplin wurden von allen Heiligen gefordert. Beachten Sie beispielsweise die Ermahnung des Paulus:

Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet am Guten fest. Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, kommt einander in Ehrerbietung zuvor; seid nicht saumselig in euren Geschäften, seid glühend im Geist und dient dem Herrn; freut euch in der Hoffnung, harrt aus in der Bedrängnis, widmet euch dem Gebet, sorgt für die Bedürfnisse der Heiligen, zeigt Gastfreundschaft. Segnet die, die euch verfolgen, segnet, und verflucht nicht. Freut euch mit denen, die sich freuen, und weint mit denen, die weinen. Seid einander gleichgesinnt, seid nicht hochmütig im Geist, sondern den Niedrigen zugetan. Dünkt euch nicht weise (Rö 12:9-16).

Wenn er die Christen mahnt, wach zu werden im Licht der nahenden Rückkehr des Herrn, gebraucht Paulus eine sprachliche Wendung, die der über den Faulen ähnelt:

Und tut dies, weil ihr die Zeit erkennt, dass die Stunde für euch schon gekommen ist zu erwachen aus dem Schlaf; denn jetzt ist unsere Erlösung näher als zu der Zeit als wir gläubig wurden (Rö 13:11).

Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis, dass der Tag euch überfalle wie ein Dieb; denn ihr seid alle Söhne des Lichts und Söhne des Tages. Wir gehören nicht zur Nacht, noch zur Finsternis; so lasst uns auch nicht schlafen, wie es die Anderen tun, sondern lasst uns wach und besonnen bleiben (1.Th 5:4-6).

Die Eigenschaften des Faulen werden im Neuen Testament beschrieben als die Eigenschaften der alten Natur des Menschen, die ein Christ ablegen muss:

Und habt nicht mehr Teil an den unfruchtbaren Werken der Finsternis, sondern deckt sie vielmehr auf; denn von den Dingen, die sie im Verborgenen tun, auch nur zu sprechen ist schändlich. Aber alle Dinge werden sichtbar, wenn sie durch das Licht offenbart werden, und Alles, was sichtbar ist, ist licht. Aus diesem Grunde heißt es: „ERWACHE, DU SCHLÄFER, UND STEH AUF VON DEN TOTEN, UND CHRISTUS WIRD AUF DICH SCHEINEN.“ So achtet gewissenhaft auf euren Wandel, nicht als Unweise, sondern als weise Menschen; nutzt eure Zeit aus, denn die Tage sind schlecht (Eph 5:11-16).

Ertötet daher die Glieder eures irdischen Leibes in Bezug auf Unmoral, Unreinheit, Leidenschaft, böses Begehren und Gier, die zum Götzendienst führen. Denn es geschieht durch diese Dinge, dass der Zorn Gottes kommen wird; und auch ihr seid in ihnen einst gewandelt, als ihr in ihnen lebtet. Nun aber, legt auch ihr sie alle beiseite: Ärger, Zorn, Bosheit, Verleumdung und unzüchtige Rede aus eurem Munde. Belügt einander nicht, denn ihr habt euer altes Selbst mit seinen schlechten Gebräuchen beiseite gelegt und habt das neue Selbst angezogen, das zu wahrer Erkenntnis erneuert wird gemäß dem Bilde des Einen, der es geschaffen hat (Kol 3:5-10).

Das Neue Testament mahnt den Christen dringend, die Haltungen und Taten des alten Menschen abzulegen und dafür Christus anzulegen. Frühere Begierden müssen abgelegt werden, und wir sollen in Übereinstimmung mit dem Gesetz der Liebe leben. Christen sind durch die Erkenntnis zu motivieren, dass die Zeit kurz und die Wiederkunft unseres Herrn nahe ist, so dass wir unsere Möglichkeiten jetzt nutzen müssen (vgl. Kol 4:5-6).

Wann immer ich auch predige, ist mir bewusst, dass es irgend jemanden geben wird, der versucht, meine Worte zu einer Entschuldigung für seine eigenen sündigen Taten zu verdrehen. Als ich diese Botschaft vorbereitete, fragte ich mich deshalb, wer wohl dieses Mal aufstehen und stolz auf seine sündige Lebensführung sein würde. Ein bestimmter Typus fiel mir ein: der Workaholic. Wie gut würde sich ein Workaholic fühlen – schließlich ist er kein Fauler. Er ist das genaue Gegenteil.

Ich würde an dieser Stelle gerne eine Hypothese aufstellen, die Beunruhigendes impliziert: Ich glaube, dass der Workaholic ein Fauler ist. Vergewissern wir uns, dass wir alle das Gleiche mit dem Ausdruck „Workaholic“ meinen. Der Ausdruck „Workaholic“ bezieht sich nicht auf Männer oder Frauen, die ihre Aufgaben mit Sorgfalt erfüllen. Wir müssen sorgfältig sein in Allem, was wir tun (Rö 12:11), und mit vollem Einsatz im Beruf wie für den Herrn arbeiten (Kol 3:23). Ein Workaholic ist dagegen ein Mensch, der von seiner Arbeit so eingenommen ist, dass er darüber anderen, wichtigeren Verpflichtungen aus dem Weg geht.

In unserer Gesellschaft gibt es diejenigen, die einfach und geradezu faul sind und sich weigern zu arbeiten. Während aber von diesen vielleicht eine Handvoll in unseren Kirchen sitzt, gibt es eine Menge Anderer, die sich dafür entschieden haben, auf eine gesellschaftlich akzeptierte Weise spirituell faul zu sein – indem sie Workaholics geworden sind. Ein Workaholic versäumt es, seine Verantwortung als Ehemann (oder –frau), Elternteil oder Mitglied der christlichen Gemeinschaft wahrzunehmen, weil er so sehr mit seiner Arbeit beschäftigt ist. Arbeit ist für den Workaholic der „Löwe auf dem Weg“. Es ist leichter für einen Workaholic, sich seinen Pflichten als Arbeitgeber oder Arbeitnehmer hinzugeben als seinen anderen, geistlichen Verpflichtungen. Unter Druck von Anderen, dem Ehepartner oder dem eigenen Gewissen redet er sich heraus mit einer momentan schwierigen Situation, einem Bericht, der fertig gestellt werden muss, einer in Kürze ablaufenden Frist, den schweren Zeiten für das Geschäft. Natürlich gibt es dringende Situationen, in denen wir mehr Zeit als sonst für die Arbeit aufbringen müssen, aber für den Faulen scheinen diese niemals aufzuhören. Als Fauler lebt man von einer „Krise“ zur Nächsten. Am Ende aber müssen wir erkennen, dass wir deshalb zu viel Zeit und Energie in die Arbeit investieren, weil wir es so wollen, weil das einfacher ist als wenn wir uns mit unseren Verantwortlichkeiten zu Hause oder in der Kirche auseinandersetzen.

Der Workaholic hat also herausgefunden, dass seine Arbeit ihm eine Ausflucht bietet, wenn er die Erfüllung von Pflichten hinauszögert, die schwierig oder unangenehm sind. Er kann für sein sündhaftes Verhalten sogar eine Begründung konstruieren, indem er darauf besteht, dass er doch „seinem Zeugnis zuwider handeln“ würde, wenn er nicht gut arbeitete. Der spirituell Faule kann so sich selbst und seiner Familie die biblische Wahrheit vorenthalten und für seinen eigenen Untergang wie auch den Anderer verantwortlich werden. Jemand, der beruflich ein christliches Amt inne hat, ist sogar besonders anfällig dafür, ein Workaholic zu werden, weil er davon überzeugt ist, „das Werk des Herrn“ zu tun. Während wir die geistlichen Bedürfnisse anderer befriedigen, werden wir vielleicht nachlässig bei unseren Studien und in unserer Hingabe, oder dabei, unsere Familie zu führen. Ich weiß, dass das für mein Leben zutrifft. Seien wir also ehrlich mit uns selbst: Wenn das, wofür wir am härtesten arbeiten, uns davon abhält, die Gebote unseres Herrn zu beachten, können wir durchaus Workaholics und Faule sein.

Schließlich ist es aber auch möglich, dass du deine geistliche Verantwortung noch aus einem anderen Grund nicht wahrnimmst. Als Christ vernachlässigt man seine Verantwortlichkeiten möglicherweise aus Gleichgültigkeit oder Faulheit; es muss aber auch gesagt werden, dass Manchen das Interesse an den geistlichen Angelegenheiten deswegen fehlt, weil sie gar kein spirituelles Leben haben. Solche Menschen sind nicht faul, sie sind ohne Leben, spirituell tot. Möglicherweise lebst du deshalb nicht im Gehorsam gegenüber den Geboten der Schrift, weil du noch nicht zum ewigen Leben durch den Glauben an die Person Christi gekommen bist. Als Er von seinen Landsleuten gefragt wurde, was sie tun sollten, antwortete Jesus: „Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an Den glaubt, den Er ausgesandt hat“ (Joh 6:29). Wenn du deinen Glauben noch nicht auf Jesus Christus gesetzt hast, der an deiner Stelle gestorben ist und so die Strafe für deine Sünden erlitten hat, dann bitte ich dich jetzt dringend, das zu tun.


26 Die Orientalen verzichteten auf Löffel und Gabel und tauchten ihre Hand in die Schüssel, um sich ihre Portion herauszunehmen. Frühere Kommentatoren übersetzten “Schoß, Schlitz in einem Kleidungsstück” entsprechend unserem Ausdruck “die Hände in den Taschen vergraben”, aber das trifft weniger wahrscheinlich zu. A. Cohen, Proverbs (“Die Sprüche”) (London: Soncino Press, 1967), S. 129.

27 Kidner sagt über den sich selbst gegenüber Blinden Faulen, wie er in Spr 26:13-16 beschrieben wird, dass dieser gar nicht auf die Idee kommt, er sei faul: Er ist kein Drückeberger, sondern ein “Realist” (13); nicht zu nachgiebig sich selbst gegenüber, sondern “frühmorgens noch nicht in Bestform” (14); seine Trägheit hilft ihm, “sich nicht hetzen zu lassen” (15), seine geistige Abstumpfung, „sich nicht beirren zu lassen“ (16). Derek Kidner, The Proverbs [Die Sprüche] (Chicago: Inter-Varsity Press, 1964), S. 163.

28 Kidner überschreibt diese beiden Verse “Die Tyrannei der Begierde” und sagt: “Der Faule lebt in einer Welt der Wünsche, die ihm Ersatz für die Arbeit ist. Das kann ihn materiell ruinieren (25) und spirituell gefangen halten (26), denn er kann sich weder selbst beherrschen noch sich selbst entkommen.” Ibid., S. 145.

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