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Die Eigenschaften eines gottgefälligen Ehepartners

Einleitung

Einer meiner Lehrer im College erzählte einmal von der ehrlichsten Beisetzungsansprache, die er je gehört hatte. Der Verstorbene war ein Trinker gewesen, er hatte als Vater versagt und war ein miserabler Ehemann gewesen. Jeder hörte gespannt auf die Worte des Predigers und fragte sich, was der überhaupt Gutes über diesen Trunkenbold sagen könnte. Zur Überraschung Aller lehnte sich der Prediger aus der Kanzel und sprach direkt zu der Witwe. Seine Botschaft an sie war klar und einfach: „Mach denselben Fehler nicht noch einmal!“

Viele Ehen in der Bibel sind alles Andere als ideal. Sarah, Abrahams Frau, fand ich immer auffallend übelgelaunt und herrisch. Hiobs Frau bot ihm wenig Trost in all seinen Prüfungen. Tatsächlich hätte man es vielleicht sogar als einen Segen für sie ansehen können, wenn sie bei einem jener Schicksalsschläge, die Hiobs Kinder und Herden vernichteten, mit dahingegangen wäre.

Eine ausgesprochen dramatische Ehen im Alten Testament ist die zwischen Abigail und ihrem Ehemann Nabal, die in 1.Samuel 25 beschrieben wird. Sie war weise und schön, während er unfreundlich und böse war (1.Sa 25:3). Wie schon sein Name andeutete, war er ein Tor (25:25). Ich bezweifle, dass Abigail bei der Wahl ihres Ehemannes viel hatte mitreden dürfen. Die Tragödie dieser Ehe wird jedoch nach dem in 1.Samuel 25 aufgezeichneten Bericht am Ende in ihr Gegenteil verkehrt, denn der Herr nimmt Nabals Leben und Abigail wird Davids Frau.

Dem, der so unglücklich ist, einen Toren geheiratet zu haben, stellen die Sprüche kein leichtes Leben und auch keine schnelle Heilung in Aussicht. In dem gesamten Buch wird vielmehr davon ausgegangen, dass ein Mensch mit den Fehlern leben muss, die er oder sie bei der Eheschließung begangen hat. Nirgendwo wird als Lösung für das Problem einer törichten Partnerwahl die Möglichkeit einer Scheidung erwähnt. Das Bild einer solchen Ehe wird bewusst in düsteren Farben gezeichnet.

Man könnte denken, dass die Verfasser der Sprüche der Ehe recht zynisch gegenüberstanden, denn sie wissen viel mehr über deren Gefahren als Freuden zu sagen. Dabei muss man aber berücksichtigen, dass dieses Buch in erster Linie für junge, noch unverheiratete Männer geschrieben wurde („mein Sohn“, vgl. 1:8, 2:1, 3:1). Und eine Absicht der Sprüche ist es, diese jungen Männer dazu anzuhalten, sehr bedacht bei der Wahl ihrer Lebensgefährtin vorzugehen, da die Folgen einer schlechten Wahl so schmerzhaft wie unwiderruflich sind.

Für die Verfasser der Sprüche ist die Ehe die Norm. Nirgendwo wird das Alleinleben als Alternative erwähnt (so wie bei Paulus in 1.Korinther 7). Die Ehe wird als göttliche Institution angesehen, und es ist Gottes Gabe, wenn ein Mann eine tugendhafte Frau findet.

Haus und Vermögen sind von den Vätern ererbt, Aber eine kluge Frau ist vom Herrn (19:14).

Die Wahl der Lebensgefährtin kann eines Mannes Wohl oder Wehe bestimmen; sie kann seine Freude oder sein Verderben werden.

Wer eine [gute] Ehefrau findet, findet etwas Gutes, Und er erlangt die Gunst des Herrn (18:22).

Besser ist es, in einem öden Land zu leben Als mit einer streitsüchtigen Ehefrau, die eine Last ist (21:19).

Ein ständig träufelndes Dach an einem regnerischen Tag und eine streitsüchtige Frau gleichen sich; wer sie zu bändigen sucht, hält den Wind zurück und fasst in seiner Rechten Öl (27:15-16).

Das Potenzial, das eine Ehefrau zum Guten wie zum Schlechten hat, wird mit den Worten des folgenden Spruches zusammengefasst:

Eine tüchtige Frau ist eine Krone für ihren Ehemann, Aber die ihm Schande bereitet ist wie Fäulnis in seinen Knochen (12:4).

Eine Auseinandersetzung mit den Risiken der Ehe hat unter Anderem zum Ziel, diejenigen zu warnen, die sich vielleicht aufs Geratewohl in eine Ehe begeben, ohne eingehend über die Folgen dieser Entscheidung nachzudenken. Wenn man eine Ehe eingeht, legt man damit ein Gelübde ab, ein Versprechen, das man zu halten verpflichtet ist.

Eine Schlinge ist es für einen Menschen, wenn er übereilt sagt “Es ist heilig!” Und nach dem Gelübde Nachforschungen anstellt (20:25).30

Die meisten von uns sind die Verpflichtungen einer Ehe wohl schon eingegangen. Ich würde meine Frau jederzeit wieder heiraten, wenn ich es noch einmal zu tun hätte, aber in einer so glücklichen Lage sind Viele wohl nicht. Was haben die Sprüche den Verheirateten unter uns zu sagen, die wir unsere Wahl bereits getroffen haben? Wir können diesen Schritt nicht rückgängig machen, aber wir können auf jeden Fall danach streben, ein Ehepartner gemäß dem biblischen Ideal zu werden, das uns die Sprüche vor Augen halten.

Als Frau mag man anfangs irritiert darüber sein, dass die Sprüche zwar für den jungen Mann die Notwendigkeit herausstellen, die Wahl seiner Ehefrau sorgfältig zu bedenken, der Frau aber keinen Rat bezüglich ihrer Wahl eines gottgefälligen Ehemannes geben. Das aber ist nicht anders zu erwarten von einem König, der seine Söhne über die Entscheidungen belehrt, die sie in den kommenden Jahren zu treffen haben werden. Wir werden darüber hinaus sehen, dass die Sprüche doch auch jungen Frauen viel darüber zu sagen haben, was für einen Mann sie heiraten sollten. Da das Buch der Sprüche geschrieben wurde, um junge Männer zu belehren, wie sie zu gottgemäßen Führern werden, lehrt es als Nebeneffekt schließlich auch junge Frauen, was für einen Mann sie heiraten sollten – einen Mann, der ihr Haus gottgemäß führen wird.

Dieser Studienbrief will Diejenigen, die noch nicht verheiratet sind, dazu anhalten, ihre Wahl sorgfältig und auf der Grundlage von charakterlichen Eigenschaften zu treffen. Diejenigen, die schon verheiratet sind, sollten ihre Aufmerksamkeit nicht darauf konzentrieren, welchen Erwartungen ihr Ehepartner nicht entspricht, sondern sich vielmehr bemühen, das zu verstehen und für sich selber umzusetzen, was uns die Sprüche über den gottgefälligen Ehemann oder die gottgefällige Ehefrau sagen.

Wir werden an das Thema so herangehen, dass wir die verschiedenen Arten von Hinweisen betrachten, die sich am Ende zu einem Charakterbild des gottgemäßen Ehepartners zusammensetzen lassen. Es gibt Verse, die sich direkt mit Ehemann und Ehefrau befassen. Einige davon stellen die positiven Charakterzüge vor, Andere deren Gegenteil (z.B. die „streitsüchtige Ehefrau”). Darüber hinaus müssen wir aber auch indirekte Hinweise berücksichtigen. So haben die Sprüche beispielsweise viel über die Merkmale eines guten Freundes zu sagen; andererseits beschreiben sie auch Menschen, mit denen wir besser keinen Umgang pflegen sollten. Ich möchte alle diese Hinweise betrachten, damit wir die Eigenschaften besser kennen lernen, die wir bei einem Partner (wenn wir noch nicht verheiratet sind) oder als Partner (wenn wir bereits verheiratet sind) anstreben sollten. Bei der Betrachtung der Charaktereigenschaften eines gottgemäßen Ehepartners müssen wir auf jeden Fall daran denken, dass Gottgefälligkeit nur bei einem im Glauben gereiften Menschen zu finden ist. Wenn auch ein Ungläubiger oder ein unreifer Christ vielleicht einzelne dieser Eigenschaften aufweisen mag, so kann er doch unter dem Strich kein wirklich gottgemäßer Charakter sein und sollte als Lebenspartner für einen Alleinstehenden daher nicht infrage kommen. Möge Gott uns führen bei dieser entscheidenden Betrachtung.

Die Bedeutung der Charaktereigenschaften

Es gibt im Buch Genesis einen interessanten Gegensatz zwischen der Wahl von Rebekka als Isaaks Frau (Kapitel 24) und Jakobs Wahl von Rahel statt von Lea (Kapitel 29). Abraham sandte seinen ältesten und vertrauenswürdigsten Knecht aus, um – innerhalb der Kriterien, die er festgelegt hatte – eine Frau für Isaak auszuwählen (24:2-4). Die Probe, die sich der Knecht dafür klug zurechtlegte (24:13-14), war geeignet den Charakter der jungen Frau offenzulegen: sie würde von Herzen dienen und bereit sein, einem Fremden und seinen Kamelen Wasser zu geben.

Jakob dagegen wählte eine Frau für sich selbst. Er sträubte sich dagegen, Lea, die ältere Tochter, zu heiraten, obwohl das zu jener Zeit so Sitte war (29:26). Jakob zog Rahel Lea vor, nicht ihres Charakters wegen, sondern wegen ihres Aussehens und ihrer Persönlichkeit (29:17). Die spätere Entwicklung der Dinge scheint zu bestätigen, dass Rahel Jakobs, Lea aber Gottes erste Wahl war. Lea überlebte beispielsweise ihre jüngere Schwester. Lea und ihre Magd gebaren doppelt so viele Kinder wie Rahel und ihre Magd. Lea gebar Juda, aus dem später der Messias kommen würde, und Levi, den Führer der Priesterkaste. Und es war Lea, die in der Höhle von Machpela begraben wurde, neben Abraham und Sara und Isaak und Rebekka (49:31), während Rahel am Weg nach Bethlehem begraben wurde (35:19).

Was das Buch Genesis uns anhand eines praktischen Beispiels vor Augen führt, lehren die Sprüche im Grundsätzlichen: Ein Mann, der eine gute Ehe eingehen will, muss seine Lebensgefährtin aufgrund ihres Charakters und nicht aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Persönlichkeit auswählen.

Anmut ist Trug und Schönheit ist nichtig, Aber eine Frau, die den Herrn fürchtet, soll gepriesen sein (31:30).

Wir wollen nun versuchen, die Charaktereigenschaften eines gottgemäßen Ehepartners festzustellen.

Die Charaktereigenschaften einer gottgefälligen Ehefrau

Am Deutlichsten werden die Sprüche bei der Darstellung der Eigenschaften einer gottgemäßen Ehefrau. Diese werden noch zusätzlich betont durch die Gegenüberstellung mit den moralischen Verfehlungen einer Frau, die alles Andere als tugendhaft ist.

1. EINE GOTTGEMÄSSE EHEFRAU IST FROMM. Eine angemessene Beziehung zu Gott ist der Anfang der Gottgefälligkeit. Eine gottgemäße Ehefrau ist zuallererst und vor Allem eine gottesfürchtige Frau.

Anmut ist Trug und Schönheit ist nichtig, Aber eine Frau, die den Herrn fürchtet, soll gepriesen sein (31:30).

Im Gegensatz dazu ist eine Frau zu meiden, die Gott nicht kennt oder nicht fürchtet. Sie wird manchmal als eine “fremde Frau” bezeichnet, d.h. als eine Ausländerin, die den Gott Israels nicht kennt (vgl. 2:25; 5:3,20; 7:5). Sie praktiziert das Böse und hat keine Kenntnis vom Weg des Herrn.

Den Pfad des Lebens betrachtet sie nicht; Ihre Wege sind unstet, sie weiß es nicht (5:6).

Um dich von der schlechten Frau fernzuhalten, Von der glatten Zunge der Ehebrecherin (6:24).

Der Begriff „Gottesfurcht” wird selbst vielleicht nicht gebraucht; aber wenn die fromme Ehefrau als tugendhaft oder tüchtig bezeichnet wird (12:4, 31:10), so beschreibt das doch offenbar ihre herausragende Moral, die in ihrer Frömmigkeit wurzelt.

2. EINE GOTTGEMÄSSE EHEFRAU IST WEISE. Sie erinnern sich sicher, dass die Weisheit im Buch der Sprüche als eine Frau personifiziert wird (vgl. 1:20-33; 8:1-36; 9:1-6). Ebenso wird die ideale Ehefrau als eine Frau von Weisheit beschrieben.

Die weise Frau baut ihr Haus auf, Aber die Törichte reißt es mit ihren eigenen Händen nieder (14:1).

Sie tut ihren Mund mit Weisheit auf, Und die Lehre der Güte ist auf ihrer Zunge (31:26).

Das Gegenteil der frommen Frau ist die törichte Frau.

Die törichte Frau ungestüm, Sie ist einfältig und weiß Nichts (9:13).

Wie ein goldener Ring im Rüssel eines Schweines, So ist eine schöne Frau, der es an Zurückhaltung mangelt (11:22).

3. EINE GOTTGEMÄSSE EHEFRAU IST EINE EHRE FÜR IHREN MANN. Wenn ein Mann eine fromme Frau geheiratet hat, so hat er eine Frau, die ihm Ehre macht. Sie ist ihrem Ehemann eine wirkliche Hilfe.

Eine tüchtige Frau ist eine Krone für ihren Ehemann, Aber die ihm Schande bereitet ist wie Fäulnis in seinen Knochen (12:4).

Auf sie vertraut das Herz ihres Ehemannes, Und es wird ihm nicht an Gewinn fehlen. Sie tut ihm Gutes und nicht Böses Alle Tage ihres Lebens (31:11-12).

Eine gottlose Frau dagegen beschämt und schikaniert ihren Ehemann. Sie ist keine Hilfe, sondern steht ihrem Gefährten im Weg. Sie ist „wie Fäulnis in seinen Knochen“ (12:4), und er fühlt sich erbärmlich durch ihre Tiraden:

Ein törichter Sohn zerstört seinen Vater, Und die Streitereien einer Ehefrau sind wie ein ständig träufelndes Dach (19:13).

4. EINE GOTTGEMÄSSE EHEFRAU IST LIEBENSWÜRDIG. Die fromme Frau ist für ihre Liebenswürdigkeit bekannt. Das ist einer der Gründe für die Achtung, die sie von Anderen erfährt.

Eine liebenswürdige Frau erlangt Ehre, Und gewalttätige Männer erlangen Reichtümer (11:16).

Die gottlose Frau wird in sehr unschicklichen Ausdrücken beschrieben. Sie ist eine Plage durch ihre zänkische Natur.

Besser ist es, in einer Ecke unter dem Dach zu leben Als in einem Haus, das man mit einer streitsüchtigen Ehefrau teilt (21:9; vgl. 25:24).

Besser ist es, in einem öden Land zu leben Als mit einer streitsüchtigen Ehefrau, die eine Last ist (21:19).

5. EINE GOTTGEMÄSSE EHEFRAU IST IHREM MANN TREU. Dies wird am deutlichsten gezeigt durch den Kontrast mit der törichten Frau, die eine Ehebrecherin ist.

Um dich von der fremdländischen Frau zu befreien, Von der Ehebrecherin, deren Worte schmeicheln, Die den Gefährten ihrer Jugend verlässt Und den Bund ihres Gottes vergisst (2:16-17).

Um dich von der schlechten Frau fernzuhalten, Von der glatten Zunge der Ehebrecherin (6:24).

„Komm, wir wollen uns an Liebe satt trinken bis zum Morgen; Lass uns einander mit Liebkosungen erfreuen, Denn der Mann ist nicht zu Hause...“ (7:18-19).

Es wird nicht ausdrücklich gesagt, aber doch implizit davon ausgegangen, dass eine fromme Ehefrau züchtig ist. Sie ist eine Frau von Tugend und Tüchtigkeit (31:10) und ihr Ehemann vertraut ihr vollständig (31:11). Sie tut ihrem Mann nur Gutes und nichts Böses (31:12). Sie lehrt ihren Sohn die Vorzüge der Keuschheit. So ist sie gewiss eine züchtige Frau.

Die Charaktereigenschaften eines guten Freundes

Mancher mag nicht gleich einsehen, dass der Charakter des Ehepartners auch etwas mit den Eigenschaften eines guten Freundes zu tun haben sollte. Aber wenn man ein Wenig darüber nachdenkt, wird klar, warum das so ist. Der Bruch des Eheversprechens ist eine Versündigung gegen einen Gefährten, gegen einen engen und intimen Freund.

Die den Gefährten ihrer Jugend verlässt Und den Bund ihres Gottes vergisst (2:17).

Der Ausdruck, der hier mit „Gefährte“ wiedergegeben wird, wird an anderen Stellen für die allerengsten Freunde verwendet.31 Wenn mein Ehepartner kein Freund ist, was ist er oder sie dann? Und doch entscheiden sich manche Menschen törichterweise für eine Ehe mit Jemandem, der noch nicht einmal als Freund in Frage kommt. Wir werden jetzt die Eigenschaften eines guten Freundes kurz zusammenfassen und dabei auch die Eigenschaften Derjenigen betrachten, mit denen wir einen Umgang besser vermeiden sollten.

1. EIN GUTER FREUND IST TREU. Gut-Wetter-Freunde gibt es Viele, und sie werden in den Sprüchen auch erwähnt (vgl. 14:20; 19:4,6,7). Aber nur ein Mensch, der auch dann noch da ist, wenn uns der Wind ins Gesicht bläst, ist ein wirklicher Freund.

Ein Freund liebt allezeit Und ein Bruder ist für Widrigkeiten geboren (17:17).

Ein Mann, der viele Freunde hat, kommt ins Verderben, Aber es gibt auch einen Freund, der fester zu dir hält als ein Bruder (18:24).

Deinen eigenen Freund oder den Freund deines Vaters verlasse nicht, Und gehe nicht in das Haus deines Bruders am Tag deines Unheils. Besser ist ein Nachbar in der Nähe als ein Bruder in der Ferne (27:10).

2. EIN GUTER FREUND WEIST UNS NÖTIGENFALLS ZURECHT. Manches, was wir einem Freund sagen müssen, fällt uns vielleicht nicht leicht zu sagen. Ich bin immer wieder enttäuscht über die Sentimentalität, die unsere Freundschaften beherrscht, so dass wir Freunden oft schmeicheln, wenn wir sie eigentlich offen zurechtweisen müssten. Ein wahrer Freund ist so aufrichtig uns zu sagen, was wir hören müssen, anstatt uns zu schmeicheln.

Ein Mann, der seinem Nächsten schmeichelt, Breitet ein Netz aus für seine Schritte (29:5).

Besser ist offene Zurechtweisung Als verhüllte Liebe. Treu sind die Wunden durch einen Freund, Aber trügerisch sind die Küsse eines Feindes (27:5-6).

Wie kommt es also, dass wir anscheinend immer der Meinung sind, eine Frau sollte ihren Ehemann niemals kritisieren? Ist es nicht besser, wenn wir von unserer besten Freundin berichtigt werden, als von Jemandem, der uns feindlich gesinnt ist? Manchmal ist das Netteste, was eine Frau für ihren Ehemann tun kann, ihm mitzuteilen, dass seine Idee absolut lächerlich ist – natürlich auf liebenswürdigere Weise.

3. EIN GUTER FREUND IST RÜCKSICHTSVOLL UND TAKTVOLL. Ein guter Freund spürt unsere Bedürfnisse und spricht so zu uns, dass wir ermutigt und bereichert werden. Seine Sensibilität zeigt sich auch darin, dass er weiß, dass Frohsinn und Goodwill nicht in jeder Lage angemessen und erwünscht sind. „Es kommt nicht nur darauf an, ‘was’ wir sagen, sondern auch darauf, ‘wie’, ‘wann’ und ‘warum’ wir es sagen.”32

Wie Einer, der ein Gewand an einem kalten Tag ablegt, Oder wie Essig auf Lauge Ist Jemand, der vor einem betrübten Herzen Lieder singt (25:20).

Wer seinen Freund mit lauter Stimme früh am Morgen segnet, Dem wird es als ein Fluch angerechnet werden (27:14).

4. EIN GUTER FREUND FORDERT UNS. Wir brauchen nicht nur Kritik, wenn sie einmal angebracht ist, sondern manchmal müssen wir auch in unserem Denken gefordert oder auf die Probe gestellt werden. Ein guter Freund erlaubt uns nicht, geistig auf der Stelle zu treten, sondern er gibt uns auch einmal einen Stoß, damit wir weiter und größer denken.

Eisen schärft Eisen; So schärft ein Mann den Anderen (27:17).

Ein Plan im Herzen eines Menschen ist wie tiefes Wasser, Aber ein Mensch von Verständnis wird ihn herausziehen (20:5).

Gilt das nicht für unser Leben? Suchen Sie nicht die Freundschaft derer, die Ihr Denken herausfordern und Sie auch einmal mit ganz neuen Aspekten konfrontieren? Warum sollte einer dieser Freunde nicht Ihr Ehepartner sein?

5. EIN GUTER FREUND GIBT UNS GUTEN RAT. Die wir zu unseren Freunden wählen, sollten sich durch Weisheit auszeichnen und uns dementsprechend gottgemäßen Rat erteilen können.

Öl und Düfte erfreuen das Herz; So ist auch der Rat eines Mannes lieblich für seinen Freund (27:9).

Denken Sie einen Augenblick zurück an den Bericht über David, Nabal und Abigail in 1.Samuel 25. David war verärgert durch die groben Worte, die Nabal zu seinen Männern gesagt hatte, und er war entschlossen, jedes männliche Glied des Hauses Nabals auszulöschen (25:13,34). Abigail entwickelte daraufhin rasch einen Plan, um Davids Zorn zu besänftigen, und sprach mit weisem Ratschlag zu ihm, indem sie ihm klarmachte, wie nachteilig sich seine Handlungen auf seine weitere Regentschaft als König auswirken würden (25:28-31). Davids Erwiderung zeigt, dass er die Weisheit ihrer Worte anerkannte:

Daraufhin sprach David zu Abigail: „Gesegnet sei der Herr, der Gott Israels, der dich mir an diesem Tag entgegen gesandt hat, und gesegnet sei deine Verständigkeit, und gesegnet seist du, die du mich an diesem Tag davon zurückgehalten hast, Blut zu vergießen und mich mit meiner eigenen Hand zu rächen” (1.Sam 25:32-33).

Ich möchte nur einmal darauf hinweisen, dass David in der Tat weise war, als er eine Frau heiratete, die solch weisen Rat erteilen konnte. Und auch wir würden gut daran tun, Jemanden zu heiraten, der oder die weisen Rat geben kann. Warum also scheinen Männer immer zu denken, dass die biblische Anweisung zur Unterordnung der Frau unter ihren Ehemann verbietet, dass sie ihm weisen Rat gibt, selbst wenn sie das taktvoll und mit demütigem Geist tut? Lassen Sie uns doch von David und Abigail lernen!

Wir sollten uns also bemühen, dass Menschen mit den oben aufgeführten Eigenschaften unsere Freunde werden. Und wir müssen andererseits Diejenigen meiden, deren Charaktereigenschaften unserem Wandel in der Weisheit im Wege stehen würden. Wenn wir aber keinen Umgang mit den im Folgenden beschriebenen Menschen pflegen sollen, sollten wir sie sicherlich schon gar nicht heiraten. Hier sind also einige Charaktereigenschaften, die Jemanden als Ehepartner ungeeignet erscheinen lassen:

1. WIR SOLLTEN KEINEN UMGANG MIT EINEM TOREN PFLEGEN.

Wer mit Weisen wandelt, wird weise werden, Aber wer mit Toren Gemeinschaft pflegt, wird Kummer leiden (13:20).

Geh weg von dem Toren, denn sonst wirst du die Worte der Erkenntnis nicht hören (14:7).

2. WIR SOLLTEN KEINEN UMGANG MIT JEMANDEM PFLEGEN, DER SICH NICHT BEHERRSCHEN KANN.

Verkehre nicht mit einem Mann, der voller Wut ist, Noch mit einem jähzornigen Mann, Damit du nicht seine Art lernst Und dir selber eine Schlinge legst (22:24-25).

3. WIR SOLLTEN KEINEN UMGANG MIT SCHLECHTEN MENSCHEN PFLEGEN.

Sei nicht neidisch auf schlechte Menschen Und verlange nicht, mit ihnen zu sein, Denn ihr Herz plant Gewalttat Und ihre Lippen reden von Unheil (24:1-2).

Wer mit einem Dieb gemeinsame Sache macht, hasst sein eigenes Leben; Er hört den Eid, aber er sagt es nicht (29:24).

4. WIR SOLLTEN KEINEN UMGANG MIT REVOLUTIONÄREN PFLEGEN.

Mein Sohn, fürchte den Herrn und den König; Lass dich nicht mit denen ein, die für Veränderungen sind; Denn ihr Unheil wird sich plötzlich erheben, Und ihr Untergang von diesen beiden her (24:21-22).

Es gibt Leute, die immer darauf aus sind, irgendetwas zu ändern – die Gesellschaft, die Regierung, andere Menschen. Es ist sicher nicht falsch, wenn man versucht, Etwas zu verbessern, aber ein Revolutionär neigt eher zum Abschaffen als zum Verbessern. Der Revolutionär möchte die Dinge um des Änderns Willen ändern, nicht um einer Verbesserung Willen. Nebenbei gesagt, einige Menschen suchen auch nach einem Ehepartner, der geändert werden muss – in einer Art lebenslanger Unternehmung. Die Sprüche empfehlen so etwas nicht.

5. WIR SOLLTEN KEINEN UMGANG MIT JEMANDEM PFLEGEN, DER SEINE GELÜSTE NICHT KONTROLLIEREN KANN.

Der verständige Sohn achtet das Gesetz, Aber wer mit Schlemmern Gemeinschaft pflegt, beschämt seinen Vater (28:7).

Die Charaktereigenschaften eines frommen Kindes

Vor einiger Zeit blieb ich einmal an den Worten des Hauptmanns im Evangelium nach Matthäus hängen:

„Denn auch ich bin ein Mensch, der unter Befehlsgewalt steht, und habe Soldaten unter mir; und sage ich zu Diesem „Geh”, so geht er, und zu einem Anderen „Komm”, so kommt er, und zu meinem Knecht „Tu dies”, so tut er’s.“ (Mat 8:9, Hervorhebung durch mich).

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich es immer so verstanden, dass der Hauptmann sagte, er sei ein Mann von Befehlsgewalt, nicht unter ihr. Vielleicht handelt es sich um eine Art Euphemismus. Aber andererseits halte ich es für einen biblischen Grundsatz (und einen, der auch im Leben deutlich wird), dass kein Mensch zur Befehlsgewalt geeignet ist, der ihr nicht auch einmal unterworfen war. Schließlich hat selbst unser Herr gelernt, gehorsam zu sein (Heb 5:8).

Meiner Meinung nach lehren uns die Sprüche, dass wir aus dem Verhältnis eines Menschen zu seinen Eltern viel über seinen Charakter erfahren können. Beachten Sie die folgenden Textstellen:

Ein weiser Sohn nimmt die Zucht seines Vaters an, Aber ein Spötter hört nicht auf Zurechtweisung (13:1).

Ein Tor missachtet die Zucht seines Vaters; Wer aber der die Zurechtweisung beachtet, ist klug (15:5).

Ein weiser Sohn erfreut seinen Vater, Aber ein törichter Mensch verachtet seine Mutter (15:20).

Ein törichter Sohn verursacht seinem Vater Kummer Und Bitterkeit der, die ihn geboren hat (17:25).

Wer seinen Vater angreift und seine Mutter davontreibt, Ist ein schändlicher und undankbarer Sohn (19:26).

Höre auf deinen Vater, der dich gezeugt hat, Und verachte nicht deine Mutter, wenn sie alt geworden ist (23:22).

Der Vater eines Gerechten wird große Freude haben, Und der einen weisen Sohn zeugt, wird sich an ihm freuen. Lass deinen Vater und deine Mutter froh werden, Und lass die frohlocken, die dich geboren hat (23:24-25).

Es gibt eine Art, die ihrem Vater flucht Und ihre Mutter nicht segnet (30:11).

Alle diese Textstellen weisen darauf hin, dass ein guter Sohn ein frommer Mann ist; und ein frommer Mann gibt auch einen guten Ehemann ab. Jeder Mann aber, der kein guter Sohn ist, wird auch kein guter Ehemann werden.

Noch einen weiteren Spruch gibt es, der mit dem Thema ‚Eltern’ zu tun hat. Ehrlich gesagt, finde ich ihn etwas schwierig, aber er sagt uns, dass wir versuchen müssen, etwas über die Familienverhältnisse unseres zukünftigen Ehepartners zu erfahren, bevor wir ihn oder sie heiraten:

Unter drei Dingen erbebt die Erde, Und unter vieren kann sie es nicht aushalten:
Unter einem Sklaven, wenn er König wird, Und einem Toren, wenn er Nahrung zur Genüge hat,
Unter einer ungeliebten Frau, wenn sie geheiratet wird, Und einer Dienerin, wenn sie ihre Herrin aussticht (Spr 30:21-23).

Der rote Faden, der diese vier unerträglichen Situationen miteinander verbindet, ist der Folgende: Jemand bekommt Etwas, an das er oder sie nicht gewohnt ist und mit dem er nur schwer fertig wird, wenn er es hat. Ein Sklave, der bisher nur unter fremder Autorität gelebt hat, bekommt, wenn er König wird, selbst absolute Befehlsgewalt. Er wird versucht sein, seine neu errungene Autorität zu missbrauchen. Ein Tor wird normalerweise eher Armut und Entbehrung kennen. Mit einem vollen Magen weiß er dann gar nicht, wie er sich verhalten soll. Seine Motivation zum Handeln wird größtenteils dahin sein. Eine Dienerin, die über ihre Herrin hinauswächst, wird geneigt sein, Vergeltung zu üben, indem sie ihrer früheren Herrin das Leben schwer macht. Wenn sie sich zuvor ausgenutzt und unterdrückt vorkam, wird sie ihre Herrin ebenfalls Unterdrückung spüren lassen. Und entsprechend ist es auch mit einer ungeliebten Frau. Da sie niemals echte Liebe kennen gelernt hat, kann es leicht dazu kommen, dass sie sie bis zum Letzten auskostet und ausnützt und ihr Ehemann bald den Tag bereut, an dem er schwor, ihr in Liebe treu zu bleiben.

Ich bin mir dessen bewusst, dass Einige von Ihnen aus Familien kommen, in denen Sie wenig oder gar keine Liebe erfahren haben. Sie mögen sich dann fragen, ob dieser Spruch bedeutet, dass Sie zu einem Leben in Einsamkeit verdammt sind. Ich denke, nicht. Sicherlich umfasst Gottes Gnade Jedermanns Bedürfnisse. Aber der Spruch soll uns davor warnen, dass Diejenigen, die in Kinderjahren keine Liebe erfahren haben, dazu neigen können, die Liebe in einer Ehe auszunutzen. Ein Mensch, der von seinen Eltern nicht geliebt worden ist, sollte nicht seinen Ehepartner dafür büßen lassen. Und ein Mensch, der einen zuvor ungeliebten Ehepartner bekommt, sollte sich der Probleme bewusst sein, die eine solche Kindheit mit sich bringen kann. Die Sünden der Väter (und der Mütter) gehen auf die nachfolgenden Generationen über (Ex 20:5).

Überall im Buch der Sprüche lesen wir die Lehren von Vater und Mutter, die das Kind mahnen und anleiten. Leider ist das aber nicht in jeder Familie so. Sicherlich sind die meisten von uns oft nicht ganz zufrieden mit der Art und Weise, wie Kinder aufgezogen werden. Wir können daher Vieles über unseren Ehepartner lernen, wenn wir die häusliche Umgebung berücksichtigen, in der er oder sie aufgewachsen ist. Die Sprüche gehen davon aus, dass die Familie großen Einfluss auf den Erfolg des Kindes im Leben und als Ehepartner hat. Das ist ein Faktor, den wir uns nicht leisten können außer Acht zu lassen.

Die Eigenschaften eines gottgefälligen Ehemannes

Anfangs kam es uns so vor, als hätten die Sprüche Frauen, die nach Erkenntnis über die Eigenschaften eines gottgemäßen Ehemannes suchen, nur Wenig zu sagen. Ich habe aber inzwischen eingesehen, dass das so eigentlich gar nicht zutrifft. Generell kann man sagen, dass die Frau einen Mann wählen sollte, der weise ist. Da wir die Eigenschaften des Weisen früher bereits untersucht haben, wollen wir sie hier nur noch einmal zusammenfassen. Insbesondere die Folgenden scheinen mir ausschlaggebend für eine Ehe zu sein:

1. Ein weiser Ehemann ist freundlich und mitfühlend (12:10).

2. Ein weiser Ehemann ist ehrenhaft (29:24).

3. Ein weiser Ehemann arbeitet hart (12:11; 27:23-27).

4. Ein weiser Ehemann ist aufrichtig (12:17,19).

5. Ein weiser Ehemann hat Selbstbeherrschung (12:15; 16:32).

6. Ein weiser Ehemann spricht milde (12:18; 15:1-2,4).

7. Ein weiser Ehemann ist großzügig (14:21; 28:27).

8. Ein weiser Ehemann ist bereit, sich korrigieren zu lassen (auch von seiner Frau), und hört auf einen Rat (12:15; 15:12,31-32; 28:13; 29:1).

9. Ein weiser Ehemann ist integer (19:1; 20:7).

10. Ein weiser Ehemann ist treu und zuverlässig (17:17; 29:3; für den Gegensatz: 25:19; 31:3).

11. Ein weiser Ehemann ist bereit zu vergeben (19:11).

12. Ein weiser Ehemann kann zugeben, wenn er sich geirrt hat (28:13).

13. Ein weiser Ehemann ist bescheiden (15:25,33; 16:18-19; 18:12; 29:23).

14. Ein weiser Ehemann ist nicht streitsüchtig, sondern stiftet Frieden (17:1; 18:1,19).

15. Ein weiser Ehemann ist nicht launisch (14:29; 16:32; 17:27; 29:11).

16. Ein weiser Ehemann vermeidet Exzesse (20:1; 23:20-21, 29-35; 31:3-9).

17. Ein weiser Ehemann denkt auch an Andere, besonders an die Armen und Unterdrückten (29:7).

18. Ein weiser Ehemann kann vertraulich Gesprochenes bei sich behalten (17:9; 26:20).

19. Ein weiser Ehemann fürchtet Gott und gehorcht Seinem Wort (13:13; 14:26; 16:20; 28:25; 31:30).

20. Ein weiser Ehemann ist nicht eifersüchtig (27:4).

21. Ein weiser Ehemann sieht das Leben positiv (15:15; 17:22; 18:14).

Wenn ich mir diese Eigenschaften des Weisen so betrachte, erinnern sie mich an die Voraussetzungen, die der Apostel Paulus für die Ältesten und Aufseher der Gemeinde in 1.Timotheus 3 fordert. Die Voraussetzungen für Führungspersönlichkeiten in der Kirche und die Charaktereigenschaften des Weisen in den Sprüchen scheinen mir sehr ähnlich zu sein. Aber überrascht uns das? Wurden die Sprüche nicht geschrieben, um junge Männer anzuleiten, die einmal zu Führungspersönlichkeiten werden sollten? So gesehen fasst 1.Timotheus 3 nur noch einmal zusammen, was die Sprüche im Detail lehrten.

Schlussfolgerung

Für Menschen, die vor einer Eheschließung stehen, sollte die Aussage dieses Studienbriefes klar sein: Die Wahl Ihres Lebenspartners sollte auf der Grundlage von Charaktereigenschaften getroffen werden, nicht aufgrund von Charme oder äußerlicher Schönheit. Allgemein ausgedrückt, sollte Ihr Partner die Eigenschaften eines Weisen aufweisen. Genauer gesagt, wird ein gottgemäßer Ehemann oder eine gottgemäße Ehefrau sicher nicht der Art von Menschen entsprechen, deren Umgang wir nach den Sprüchen meiden sollen, sondern wird die Eigenschaften eines guten Freundes zeigen. Jeder, der die Lehren der Sprüche über die Ehe außer Acht lässt, wird das im weiteren Verlauf seines Lebens bedauern.

Es fällt mir sehr schwer zu sagen, dass viel von der Kraft der Sprüche und ihrer Warnungen bezüglich der Ehe durch eine Gegebenheit des christlichen Lebens im 20. Jahrhundert verloren gegangen ist – dadurch, dass selbst unter Christen die Scheidung eine akzeptierte Alternative zur unglücklichen Ehe geworden ist. Selbst Christen wollen oft nicht auf die Warnungen bezüglich eines streitsüchtigen Ehepartners hören, weil sie davon ausgehen, dass sie sich, wenn ihre Ehe nicht gut läuft, einfach aus ihrer Verpflichtung lösen und es halt noch einmal probieren können. Für mich ist das eine sehr traurige Feststellung über das heutige Christentum.

Warum unterscheidet sich unsere Auffassung von Ehe, Scheidung und Wiederverheiratung so sehr von der unseres Herrn? Sie werden sich erinnern, dass die Pharisäer Jesus einmal fragten, ob es nach dem Gesetz irgendeine Möglichkeit gäbe, dass ein Mann sich scheiden ließe (Mat 19:3). In seiner Antwort betonte unser Herr die Regel, nicht die Ausnahme, und damit die Dauerhaftigkeit der ehelichen Gemeinschaft (Mat 19:4-9). Bedeutsam ist die Reaktion der Jünger unseres Herrn: „Wenn die Stellung eines Mannes zu seiner Frau so ist, dann ist es besser, nicht zu heiraten“ (19:10). Unser Herr korrigierte diese Auffassung nicht, sondern bestätigte sie (19:11-12) und machte dadurch deutlich, dass Er mit der Auffassung im Buch der Sprüche übereinstimmte. Wir sollten daher sorgfältig darauf achten, dass wir die Absicht Gottes bezüglich der Ehe erfüllen, anstatt die Ausnahmefälle in den Vordergrund zu stellen. Wenn wir von der Dauerhaftigkeit der Ehe ausgehen, werden wir wieder Männer und Frauen dazu anhalten können, ihre Ehepartner mit Sorgfalt zu wählen und dann mit ihnen so zu leben, dass sie zu ihrem Eheversprechen stehen.

Die Sprüche erteilen uns außerdem eine Lektion zum Thema Persönlichkeit. Ich glaube, viele Christen achten mehr auf ihre Persönlichkeit als auf ihren Charakter. Schlimmer noch, ich fürchte, dass Mancher sogar Gefahr läuft, Beides miteinander zu verwechseln oder einander gleichzusetzen. Manche Frauen neigen dazu, für den idealen Ehemann und geistlichen Führer Jemanden mit einer Verkäufernatur zu halten – Jemanden, der kontaktfreudig, energisch und aggressiv ist. Frauen, die mit einem Mann von weniger aggressiver Natur verheiratet sind, mögen dann gelegentlich versucht sein, auf ihren Mann herabzusehen, weil er nicht so dominierend ist. (Sie sollten sich einmal mit Frauen unterhalten, die sehr energische Ehemänner haben!) Manche Männer andererseits denken, dass die ideale “untertane” Ehefrau eine schüchterne und passive Frau sei. In beiden Fällen wurden Persönlichkeit und Charakter verwechselt. Gott aber legt nicht annähernd so viel Wert auf unsere Persönlichkeit wie auf unseren Charakter. Aggressive Männer sind nicht unbedingt bessere Führer und schon gar keine gottgemäßeren Führer, und genauso ordnen sich passive Frauen nicht unbedingt besser unter.

Lernen wir also daraus, dass unser Charakter weit wichtiger ist als äußere Schönheit oder unsere Persönlichkeit. Hat das nicht auch Petrus den Frauen gesagt, die ja oft sensibler für ihre äußere Erscheinung sind?

Und schmückt euch nicht nur äußerlich, indem ihr die Haare flechtet und Goldschmuck tragt und Kleider anzieht; sondern euer Schmuck sei die verborgene Person des Herzens, mit der unvergänglichen Eigenschaft eines sanften und stillen Geistes, wie es in den Augen Gottes wertvoll ist (1.Pe 3:3-4).

Die Sprüche sagen uns, dass Anmut (Persönlichkeit?) Trug ist und Schönheit nichtig (nach der NIV: „flüchtig”). Unsere Persönlichkeit kann trügerisch sein, denn man kann gleichzeitig charmant und geistlich schwach sein. Und Schönheit ist geht vorüber, während der Charakter unvergänglich ist. Streben wir also danach, gottgemäß zu werden.

Als Eltern müssen wir unsere Kinder so erziehen, dass sie für sich selbst wie auch bei denjenigen, mit denen sie befreundet sind, einen gottgemäßen Charakter anstreben. Wir müssen sie, durch Wort und Tat, die Dauerhaftigkeit eines Eheversprechens lehren, und die Freuden einer Ehe, die beide Partner zur Ehre Gottes führen. Man muss nicht weit suchen, um genügend Beispiele für gescheiterte Ehen und für die verheerenden Folgen zu finden, die daraus für alle Beteiligten entstehen.

Unter denen, die diese Botschaft lesen, sind sicher Einige, die aus dem einen oder anderen Grund niemals heiraten werden. Dafür gibt es die verschiedensten Gründe, und einige davon sind durchaus lobenswert (vgl. 1.Kor 7). Lassen Sie mich einfach sagen, dass die Eigenschaften eines guten Ehepartners auch die Eigenschaften eines frommen Mannes oder einer frommen Frau im Allgemeinen sind. Nicht Jedermann wird ein Vorsteher oder Ältester in der Gemeinde, und doch sollte jeder Christ danach streben, den Anforderungen für Diejenigen, die ein solches Amt erlangen, zu genügen (1.Tim 3). Und genauso geziemt sich ein gottgemäßer Charakter für jeden Christen. Lassen Sie uns also für uns selbst danach streben und auch andere Gläubige ermutigen, danach zu streben. Und machen wir den Verlorenen deutlich, dass Frömmigkeit und Weisheit jede Anstrengung wert und nur für Denjenigen erreichbar sind, der den Herrn fürchtet.


30 siehe auch Numeri 30:2; Psalm 15:4.

31 Derek Kidner, The Proverbs [Die Sprüche], Chicago: Inter-Varsity Press, 1964, S. 49-50.

32 Ibid., S. 166.

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