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Soteriologie: Erlösung

Der Begriff Soteriologie leitet sich von zwei griechischen Wurzeln ab, nämlich von so„ter mit der Bedeutung „Retter“ oder „Erlöser“, und von logos mit der Bedeutung „Wort“, „Sache“ oder „Ding“. In der christlichen systematischen Theologie wird der Begriff gebraucht, um das Studium der biblischen Doktrin von der Erlösung zu bezeichnen. Er umfasst Themen wie die Art und das Ausmaß der Versöhnung sowie auch den gesamten Vorgang der Erlösung, der als ein ewiger, göttlicher Plan zur Rettung der verlorenen und in die Irre gegangenen Sünder angesehen werden kann, die so zurück in die ewige Gemeinschaft mit Gott gebracht werden. Viele betrachten diesen Prozess als das Hauptthema der Schrift überhaupt, und sein Endziel ist die Herrlichkeit Gottes.

Das Wesen der Versöhnung

Im Verlaufe der Kirchengeschichte wurden eine Reihe verschiedener Ansichten über das Wesen der Versöhnung (d.h. über die theologische Bedeutung von Christi Tod) vorgebracht. Die Rekapitulations-Hypothese wurde von Irenäus (ca. 120 bis ca. 200) aufgestellt. Nach seiner Ansicht vereinigt Christus dadurch, dass er alle Stadien des menschlichen Lebens durchlief, – ohne je der Versuchung zu erliegen, – dann starb und von den Toten auferstand, alles Menschsein in sich. Von seinem Leben, Tod und seiner Auferstehung können daher alle profitieren, die durch den Glauben an Ihm teilhaben.

Die Hypothese vom moralischen Einfluss oder Beispiel (oder „subjektive“ Hypothese) wurde von Theologen wie Pelagius (ca. 400), Faustus und Laelius Socinus (16. Jahrhundert) oder Abelard (1079-1142)33 vorgebracht. Sicherlich gibt es unterschiedliche Hypothesen über das moralische Beispiel34; im Kern aber stimmen sie alle insofern überein, als sie die Auffassung beinhalten, dass das Kreuz als ein Zeichen für die übergroße Liebe Gottes in unseren Herzen selbst die Liebe erweckt und wir deshalb leben, wie Jesus selbst lebte. Obwohl diese Vorstellung sich biblisch untermauern lässt (z.B. durch Php 2:6-11; 1.Pe 2:21), ist sie doch, so formuliert, unvollständig und geht an wichtigeren Aspekten der biblischen Lehre zu diesem Thema vorbei.

Eine weitere Theorie über die Versöhnung, die in der frühen Gemeinde formuliert – und tatsächlich bis zu Anselms Zeit als die gängige Ansicht beibehalten – wurde, ist die Hypothese vom Lösegeld an Satan. Origenes (185-254) war einer der Hauptvertreter dieser Vorstellung, die davon ausgeht, dass Christi Tod ein Lösegeld darstellte, das an Satan gezahlt wurde, um die Befreiung seiner Geiseln – der sündigen Männer und Frauen – zu sichern. Das Vokabular einer Geiselnahme wird in der Schrift zwar benutzt, wenn es um die Versöhnung geht (z.B. Mar 10:45); aber es ist wahrscheinlich dennoch falsch, damit die Vorstellung zu verbinden, dass ein „Preis“ an Satan gezahlt wurde. Eine solche Auffassung wird nirgendwo in der Schrift vertreten.

In seiner Arbeit Christus Victor [Christus, der Sieger] vertritt der schwedische Theologe Gustav Aulén (1879-1977) bezüglich der Versöhnung die Ansicht vom Göttlichen Triumph oder Drama, die der Lösegeld-Theorie von Origenes und der frühen Kirche recht ähnlich ist. Gemäß der Hypothese vom Drama überwand Gott alle Mächte der Hölle und des Todes durch das Kreuz, und darin machte er seine versöhnende Liebe zum Menschen sichtbar. Auch diese Auffassung findet teilweise Unterstützung in der Bibel, aber sie umfasst wohl kaum die gesamte Offenbarung der Schrift zu diesem Thema in adäquater Weise.

Anselm (1033-1109) vertritt in seiner Genugtuungs- oder Handels-Hypothese die Auffassung, dass der Mensch Gott durch seine Sünden entehrte und dass durch den Tod des vollkommenen, sündlosen Gott-Menschen Jesus Christus diese Ehre und mehr – einschließlich der Niederlage Satans – vor Gott wiederhergestellt wurde. Auch diese Theorie findet Unterstützung in der Schrift, aber wiederum wurde mehr als die Ehre Gottes durch den Tod seines Sohnes wiederhergestellt.

Die Regierungs-Hypothese, die von Hugo Grotius (1583-1645) vorgestellt wurde, misst der Gerechtigkeit Gottes und den Forderungen seines heiligen Gesetzes hohen Wert bei. Nach dieser Auffassung unterstützt Christi Tod Gottes moralische Herrschaft, indem er zeigt, dass Sein heiliges Gesetz für Ihn voll und ganz verbindlich ist. Auch ohne den Tod Christi hätte er den Menschen vergeben können, dann aber wäre der Mensch ohne das tiefe Wissen um Seine Hingabe an Sein Gesetz geblieben. Der Tod Christi geschieht dann nicht stellvertretend für den unseren, sondern stellt vielmehr Gottes Aussage darüber dar, wie er seine moralische Herrschaft über das Universum sieht. Für diese Sichtweise spricht Vieles, aber als globale Theorie betrachtet kann sie einfach nicht die enge Verbindung zwischen drei wichtigen biblischen Tatsachen erklären: (1) der Versöhnung des glaubenden Sünders mit Gott, (2) der Vergebung der Sünde und (3) dem Tod Christi. Petrus sagt, dass „Christus ein für allemal für die Sünden starb, der Gerechte für die Ungerechten, damit er [uns] zu Gott bringe“ (1.Pe 3:18; vgl. Rö 5:8).

Die Hypothese von der stellvertretenden Bestrafung35 – diejenige Auffassung von der Versöhnung, die am häufigsten mit den Reformierten (insbesondere Calvin) in Verbindung gebracht wird – sagt aus, dass Christus anstelle des Sünders starb und den Zorn Gottes über die Sünde stillte. Diese Sichtweise enthält damit ein ganzes Bündel von Vorstellungen, wie die der Tilgung (Lösegeld), des Opfers, des Stellvertreters, der Sühne und der Versöhnung. Obwohl diese Hypothese gewisse innere Spannungen aufweist und obwohl auch die anderen Hypothesen wichtige Erkenntnisse zur neutestamentarischen Konzeption der Versöhnung in Christus beitragen, hat sie doch die beste Grundlage in der Heiligen Schrift und bringt die Heiligkeit und die Liebe Gottes, das Wesen und das Opfer Christi und die Sündigkeit des Menschen so zusammen, dass sie all diesen Aspekten gerecht wird. Wichtig ist dabei aber, dass die substanziellen Erkenntnisse aus den anderen Hypothesen durch dieses Modell nicht verloren gehen oder aufgehoben werden sollten.

Der Umfang der Versöhnung

Oft wird die Frage gestellt: „Für wen ist Christus gestorben?“ Für die Evangelikalen sind im Allgemeinen zwei verschiedene Antworten auf diese Frage möglich. Beide scheinen in der Schrift, der Tradition und der Logik ihre Unterstützung zu finden. Diese beiden Antworten sind, dass „er für alle Menschen starb“ (die Hypothese von der allgemeinen Erlösung) oder dass „er für die Erwählten starb“ (die Hypothese von der eingeschränkten oder der besonderen Erlösung). Niemand unter den Evangelikalen glaubt, dass Christus starb, um die gesamte Welt in dem Sinne zu retten, dass jeder Mensch, auch der Letzte, durch seinen Tod in den Himmel kommen wird. Das wär Universalismus und wird von bibelfesten Christen zurecht abgelehnt. Alle Evangelikalen begrenzen also bis zu einem gewissen Grade die Gültigkeit der Versöhnung – das sollte man unbedingt festhalten!

Beide Seiten sind sich in diesem Streit darüber einig, dass das Evangelium allen Menschen aufrichtig angeboten werden kann und soll, dass aber nicht alle Menschen gerettet werden. Im Endeffekt werden die unterschiedlichen biblischen Aussagen wohl am schlüssigsten darin zusammengefasst, dass Christus nur für die Auserwählten starb. So verstanden trug er die Strafe nur für die Sünden der Auserwählten, und alle anderen Menschen werden ihre eigenen Sünden durch die ewige Vernichtung sühnen müssen. In diesem Konzept wirkt die Gottheit einheitlich zusammen, indem der Vater bestimmte Menschen von Ewigkeit her erwählt hat, Christus für diese Menschen in der geschichtlichen Zeit stirbt (er stirbt nicht für alle Menschen, nur für diejenigen, die der Vater erwählt hat) und der Heilige Geist diesen Tod für die Erwählten nutzt und sie bis zum Tag Christi aufbewahrt. Genau das ist das Bild, das wir in Epheser 1:3-14 (s.a. Joh 3:16) präsentiert bekommen. Im Falle der besonderen oder eingeschränkten Versöhnung bedeutet der Begriff „die Welt“ in der Schrift (z.B. Joh 3:16) also nicht alle Menschen ohne Ausnahme, sondern alle Menschen ohne Unterschied; und der Begriff „erkauft“ in 2.Petrus 2:1 bedeutet schließlich nicht wirklich „erkauft“ im Sinne einer Errettung, sondern nur, dass Gott der rechtmäßige Besitzer dieser Menschen ist, obwohl sie dies durch ihre Lehren verleugnen (vgl. Deu 32:6).36

Der Vorgang der Errettung

Bedingungslose Erwählung

Der Begriff „Erwählung“ bezieht sich auf Gottes Auswahl – vor der Schöpfung – derjenigen aus der Masse der Menschheit, die er segnen wollte, indem er sie vor der ewigen Verdammnis rettete und ihnen ewiges Leben garantierte. Es ist dies ein Auserwähltsein, das in keiner Weise enttäuscht werden kann, da es sich auf die Verwirklichung in der Dreieinigkeit gründet.

Der Ausdruck „bedingungslos“ bedeutet im Zusammenhang mit der „Erwählung“, dass Gottes Auswahl nichts mit irgendwelchen vorhersehbaren Verdiensten des Objektes seiner Wahl zu tun hat. Er erwählte sie ohne Bedingung, er erwählte aus freien Stücken wertlose Sünder aufgrund seiner Liebe, nicht weil sie in irgendeiner Weise die Errettung verdienten.

Diejenigen, die eine bedingte Erwählung lehren, argumentieren oft, dass Gott den Glauben eines Menschen vorhersieht und ihn auf dieser Basis erwählt. Nach dieser Vorstellung ist Gottes Vorherwissen neutral in Bezug auf die Ereignisse, die in der Zukunft liegen. Aber auch hier gilt wieder, dass Begriffe wie yada‘ im Hebräischen und progino„sko„ im Griechischen nicht auf Neutralität hindeuten, sondern auf eine positive Beziehung zu den vorhergewussten Dingen (vgl. 1.Pe 1:20).37 Außerdem ist die Vorstellung einer bedingten Erwählung mit dem entscheidenden Makel behaftet, dass die Menschen durch die Sünde tot und nicht in der Lage sind, aus eigener Kraft zu glauben oder sich selbst zu erretten (Rö 2:9-11,Eph 2:1). Auch lehrt die Schrift nirgendwo, dass Gott sich entschließt, einen Menschen zu erwählen, weil derjenige Glauben hat. Vielmehr ist es umgekehrt: ein Mensch glaubt, weil Gott ihn erwählt hat. Von Anfang bis Ende macht die Schrift es ganz klar, dass die Menschen durch Gott errettet werden und sich ihm niemals zuwenden würden, ja, das gar nicht könnten, wenn sie sich selbst überlassen wären (Joh 6:65; Apg 13:48; Rö 9:15-16,20-22). Ebenso wenig gibt es irgendwo eine biblische Aussage über eine grundsätzlich vorhandene Gnade, die es allen Menschen ermöglicht zu glauben. Wer an Christus glaubt, glaubt aufgrund von Gottes Wirken in seinem Herzen.

Der wirksame Ruf

Allgemein gesagt gibt es in der Schrift zwei „Rufe“.38 Es gibt einen allgemeinen Ruf, durch den die gute Nachricht allen Kreaturen unter dem Himmel verkündet wird. Er beinhaltet die Predigt des reinen Evangeliums in Verbindung mit der Aufforderung zu bereuen und zu glauben. Jesus rief jeden auf, der mühselig und beladen war, bei ihm erquickt zu werden (Mat 11:28-30; Jes 45:22). Viele kamen nicht, aber einige taten es doch.

Daneben gibt es etwas, das als der besondere oder wirksame Ruf bezeichnet wurde, durch den der Heilige Geist die Predigt des Evangeliums benutzt, um einen Sünder / eine Sünderin zu bekehren und zum Glauben zu bringen. Wer von Gott frei erwählt wurde (also durch die bedingungslose Erwählung), erhält diesen besonderen Ruf. Ein Ungläubiger kann Gottes wirksamen Ruf in seinem Herzen nicht hintertreiben, aber das bedeutet nicht, dass die Menschen gegen ihren Willen und „sich mit Händen und Füßen sträubend“ in das Königreich kommen. Vielmehr ist ihre Entscheidung authentisch,39 wenn sie auch durch den Geist erzeugt, aufrechterhalten und zur Frucht gebracht wird. Diesen besonderen Ruf an die Auserwählten finden wir in Römer 1:7, 8:30, 11:29; 1.Korinther 1:9; 2.Timotheus 1:9.

Erneuerung

Die Erneuerung wird oft auch als „Geburt“ (d.h. „wiedergeboren sein“) bezeichnet. Sie wurde für uns in drei grundlegenden Texten beschrieben, nämlich in Johannes 1:12-13, 3:3 und Titus 3:540 (s.a. Jak 1:18; 1.Pe 1:3). Sie ist ein ein-für-allemal gültiger Akt, der nicht durch den menschlichen Willen oder aufgrund guter Taten geschieht, sondern durch Gottes Geist (eigentlich sagt man von jedem Mitglied der Dreieinigkeit, dass es in der einen oder anderen Weise daran beteiligt ist) und durch den ein Mensch spirituell erneuert und in Christus lebendig gemacht wird: Er wird ein Kind Gottes und in dessen Familie „hineingeboren“ und erfreut sich dann Gottes besonderer Vaterschaft. Sie ist das Werk der Gnade durch den Geist und entspricht den Verheißungen des Neuen Bundes, unergründlich aus menschlicher Sicht, doch offensichtlich in ihren Auswirkungen: der Liebe zu Gott, die zu Ihm ruft „Abba“, Vater, dem Gebet im vollständigen Vertrauen auf Gott, dem Hass gegen die Sünde und der Liebe für andere Christen und auch für diejenigen, die Christus nicht haben. Logischerweise geht die Erneuerung dem rettenden Glauben voraus, denn wer tot ist durch die Sünde, kann nicht glauben. Niemand kommt in das Reich Gottes, sagte Jesus, wenn er nicht zuvor wiedergeboren wird (vgl. Joh 3:5).

Bekehrung

Wo Erwählung, wirksamer Ruf und Erneuerung (vgl. auch Rechtfertigung und Verherrlichung) objektive Aspekte der Erlösung, d.h. Gottes Wirken bei der Erlösung, beschreiben, beschreibt Bekehrung die menschliche oder subjektive Reaktion auf Gottes gnädiges Wirken. Zur Bekehrung gehört, dass das reine Evangelium gehört und mit rettendem Glauben und aufrichtiger Reue verbunden wird. Bekehrung beinhaltet also zwei eng miteinander verwandte Aspekte: den Glauben und die Reue. Der Glaube seinerseits beinhaltet es, die Botschaft von der Erlösung durch Christus zu verstehen, ihr zuzustimmen und Christus persönlich zu vertrauen, dass er dich rettet. Ein wesentliches Element dieses Vertrauens liegt darin, die Sünden zu bereuen, derer man sich bewusst ist, und das wiederum beinhaltet, sich von der Sünde ab- und Christus um Vergebung zuzuwenden. Also bereut rettender Glaube, und aufrichtige Reue glaubt; sie besteht nicht nur in weltlichem Bedauern (Apg 20:21; Heb 6:1; 2.Ko 7:10). Glaube besteht ebensowenig wie biblische Reue nur in mentaler Zustimmung,. Im Evangelium haben wir es nämlich nicht einfach mit historischen Tatsachen zu tun – obwohl es sich tatsächlich darauf gründet –, sondern mit einer Person, mit „einem verzehrenden Feuer“, wie es ein biblischer Schreiber formuliert hat (Heb 12:29).

Wenn eines der beiden Elemente – Glaube oder Reue – in einem Bibeltext nicht erwähnt wird, dürfen wir daraus nicht schließen, dass der Verfasser den jeweiligen Anteil nicht als wichtig für das Evangelium ansieht. Vielmehr kann es sein, dass der Verfasser zwar einen Anteil mehr als den anderen betonen will, nicht aber mit der Betonung des einen den anderen ausschließen will. An vielen Stellen wird nur Glauben erwähnt (z.B. Joh 3:16, 5:24; Rö 3:22) und an etlichen anderen nur Reue (z.B. Luk 24:46-47; Apg 3:19, 17:30; Rö 3:22). Eine aufrichtige Antwort auf das Evangelium umfasst beide Bestandteile. Jemand hat einmal gesagt, dass Reue und Glaube zwei Seiten derselben Medaille sind. Gemeinsam stellen sie für uns eine aufrichtige Antwort auf Gottes gnädiges Angebot zur Vergebung in Christus dar.

Gemeinschaft in Christus

Der Ausdruck „in Christus“ (sowie Ableitungen davon) wird im NT gebraucht, um unsere Gemeinschaft als Glaubende mit Christus auszudrücken. Er umfasst das gesamte Spektrum unserer Errettung, von ihrem Entwurf in Gottes Sinn an bis dahin, wo wir in den neuen Himmeln und der neuen Erde ihre Nutznießer werden. Unsere Erwählung geschah ebenso „in Christus“ (Eph 1:4) wie alles, was uns daraus folgend gewährt wird: unser Ruf, unsere Erlösung, Erneuerung, Bekehrung, Rechtfertigung, Annahme, Heiligung und Verherrlichung (Rö 8:29-30,38-39; 1.Ko 1:30; Joh 15:1-11; 1.Jo 2:5-6). Unsere gesamte gegenwärtige Erfahrung und unser künftiges Schicksal sind „in Christus“.

Der Sünde Tod und die Auferstehung zu einem neuen Leben erfahren wir im Lichte unserer Gemeinschaft mit Christus in seinem Tod und seiner Auferstehung. So sind nicht nur wir „in Christus“, sodern auch er (ebenso wie der Vater und der Heilige Geist) ist in uns (Joh 14:23), und durch Seinen uns innewohnenden Geist werden wir in Christus geheiligt und immer mehr zu seinem Bild umgeformt und ihm angeglichen (Rö 8:29, 2.Ko 3.18). Zudem sind alle Gläubigen „ein Leib“ in Christus Jesus. Dabei handelt es sich um eine geistliche Wirklichkeit, die die wahren Glaubenden zur Einigkeit (nicht Uneinigkeit und auch nicht Einförmigkeit) untereinander anspornen sollte (Rö 8:29; 1.Ko 10:17; Eph 4:4).

Rechtfertigung

Die Doktrin von der Rechtfertigung ist nicht nur eine Doktrin, die in der Hitze des Gefechts im Galaterbrief entwickelt wurde, sondern sie ist essenziell für das richtige Verständnis des Evangeliums.41 Verschiedene Aspekte dieser Doktrin sollen kurz angeführt werden. Erstens bezeichnet Rechtfertigung die verbindliche Erklärung Gottes, dass unsere Sünden – vergangene, gegenwärtige und zukünftige – durch Christus vergeben sind und Christi Gerechtigkeit uns zugerechnet wird. Zweitens ist es die ein-für-allemal gültige Entscheidung, uns aus seiner Sicht für gerecht zu erklären (nicht, uns gerecht zu machen), so dass keinerlei legaler Zugriff oder Anklage gegen uns verbleibt. Auf diese Bedeutung bezieht sich Paulus, wenn er in Römer 8:33-34 fragt: „Wer wird gegen die Erwählten Gottes irgendeine Anklage erheben? Gott ist es, der gerechtspricht.“ Drittens beantwortet die Rechtfertigung, da sie die Vergebung der Sünden und die Auseinandersetzung mit unserer Verurteilung beinhaltet, abschließend die Frage nach unserer Schuld: Wir befinden uns nicht länger im Zustand der Schuld. Viertens besitzen wir nach Gottes Ansicht die Gerechtigkeit Christi; und da Gott das so sieht, ist es tatsächlich wahr. Es ist keine Vorstellung, wie manche meinen, sondern Wirklichkeit, obwohl die Doktrin von der Rechtfertigung sich nicht direkt mit der Praxis, sondern mit dem Stehen vor Gottes Gesetz befasst. Unser Stand hat sich für immer geändert, wir sind nicht mehr schuldig und das Gesetz hat keinen Zugriff mehr gegen uns. Fünftens geschieht die Rechtfertigung durch den Glauben und nicht durch die Werke, wie Paulus in Römer 3:26-28, 4:4-5 deutlich macht. Wir verdienen diesen Stand nicht, sondern er wird uns durch den Glauben an Christus gutgeschrieben. Sechstens wird die Reinheit des Evangeliums von Gottes Gnade gefährdet, wenn man Vorstellungen von moralischer Besserung in die Doktrin von der Rechtfertigung bringen will. Rechtfertigung ist zwar unauflöslich mit Heiligung verbunden, aber diese beiden Begriffe bezeichnen trotzdem nicht dieselbe Tatsache und sollten nicht miteinander verwechselt werden. Rechtfertigung bedeutet nicht, dass Gott uns Gerechtigkeit einflößt, damit wir seine Gnade empfangen können (die dann keineswegs mehr Gnade im neutestamentarischen Sinne wäre). Noch einmal: Rechtfertigung bezieht sich auf unseren Stand vor dem Gesetz und auf die Zurechnung von Christi Gerechtigkeit für uns; sie bezieht sich nicht auf unser Wachstum von Tag zu Tag im Herrn. Siebtens hat die Rechtfertigung ein eschatologisches Ziel. Wie N.T. Wright sagt: „Das Urteil, das in der Gegenwart auf der Grundlage des Glaubens gesprochen wird (Rö 3:21-26) nimmt zutreffend das Urteil vorweg, das im Jüngsten Gericht auf der Grundlage des gesamten Lebens gefällt werden wird.“ 42

Annahme

Annahme bezeichnet Gottes Entscheidung, uns zu Mitgliedern seiner Familie zu machen und uns alle Vorteile und (ethischen) Standards des Lebens „unter seinem Dach“ anzubieten. Rechtfertigung bezieht sich auf meinen legalen Stand vor Gott als ein Sünder; Annahme dagegen bezieht sich auf meine familiäre Beziehung zu dem Richter: Ich bin nun durch Adoption eines seiner eigenen Kinder geworden (Gal 3:26) und er ist mein Vater geworden. An vielen Stellen – viel öfter als im Alten Testament – postuliert das Neue Testament, dass Gott unser ganz besonderer Vater durch das Evangelium ist und dass wir seine Kinder sind. Und im Zusammenhang mit dieser neuen Beziehung erfahren wir viele und große Segnungen. Erstens ist Gott unser Vater, derjenige, der für uns und alle unsere Bedürfnisse sorgt. Er ist derjenige, zu dem Jesus uns anbefahl zu beten, denn unser „himmlischer Vater weiß, was wir benötigen, schon ehe wir ihn überhaupt fragen“ (Mat 6:25-34). Zweitens vergibt Er uns, wenn wir unsere Sünde bekennen, denn er ist ein heiliger Vater, aber auch ein Vater, der unsere Schwäche kennt und uns in Zeiten der Not zur Seite tritt (Mat 6:12-14). Drittens diszipliniert und züchtigt er uns für unsere Sünden, damit wir teilhaben können an seiner Heiligkeit (Heb 12:10). Er liebt uns so sehr, dass er uns nicht lange umherstreifen lässt, sondern uns immer wieder zurück an seine Seite zieht. Tatsächlich führt er uns durch Seinen Geist zu immer tieferer Erfahrung seiner Heiligkeit. Das bedeutet es im Wesentlichen, ein Sohn oder eine Tochter Gottes zu sein (Rö 8:14). Schließlich werden wir durch unsere Kindschaft Erben Christi – einschließlich des Leidens in unserem gegenwärtigen Leben (Gal 4:7; Rö 8:17) – und Erben Gottes und alles dessen, was das ewige Leben für uns bereithält.

Wir stellen auch fest, dass die Kindschaft oder Annahme in Gottes Familie zu einer neuen Lebenshaltung führt.43 Wir sind aufgefordert, unseren Vater nachzuahmen, der uns mit so großer Liebe bedachte. Wir sind aufgefordert, andere gemäß dem Beispiel zu lieben, das er uns gab (Eph 5:1, 1.Pe 1:15-16). Durch die Erneuerung werden wir moralisch und geistig transformiert, so dass wir wie Kinder Gottes leben können und nicht wie Sklaven, die ihren Herrn nicht kennen.

Heiligung

Die Lehre von der Heiligung kann auf drei Zeiten bezogen werden. In Bezug auf die Vergangenheit wurden wir ausgesondert, um Gott sowohl (von der Stellung her gesehen) zu gehören als auch (praktisch gesehen) zu dienen. Im Moment der Bekehrung wurden wir geheiligt und als vor dem Gesetz heilig und zu Gott gehörig erklärt (1.Ko 6:11). In Bezug auf die Zukunft werden wir eines Tages in unseren verherrlichten Leibern vollkommen geheiligt sein. Zu dieser Zeit wird unser praktisches Handeln dann unserer Stellung bzw. unserem Stand vor Gott vollständig entsprechen. Zur gegenwärtigen Zeit werden wir geheiligt, das heißt, immer mehr zu einem Bildnis des Herrn umgeformt (2.Ko 3:18). Damit besteht das Wesen der Heiligung in einer Umgestaltung; wir werden immer mehr dem Bild des Sohnes angeglichen, der für uns starb. Darin liegt Gottes erklärte Absicht (Rö 8:29).

Heiligung besteht also in gegenwärtiger Zeit in dem Prozess unserer Umgestaltung in ein Abbild Christi, und die effektive Ursache für diese glorreiche Veränderung ist der Geist, der in uns lebt (2.Ko 3:18). Er vermittelt die Gegenwart Christi für uns und enthüllt uns den moralischen Willen Gottes (Joh 16:13-14; 1.Ko 3:16, 6:19-20). Der Geist macht Gebrauch von Gottes Volk (Kol 3:16), von Gottes Wort (2.Ti 3:16-17), von den Umständen, die Gott dazu bestimmt hat, uns zu formen und zu bilden (Rö 8:28), und von den Sakramenten der Taufe und des Abendmahls (Mat 28:19-20; 1.Ko 11:23-26). Wir befinden uns auf seiner Töpferscheibe und nicht in einer Tretmühle – Beziehung, Umformung und Heiligkeit sind die Ziele, nicht Erschöpfung.

Was der Geist in unserem Leben beabsichtigt, ist also unsere Christ-Ähnlichkeit; und der Grad unserer Angleichung an ihn entspricht dem Grad unserer Heiligung. Unser Leben sollte daher gekennzeichnet sein von den Früchten der Liebe, der Freude, des Friedens, der Geduld, der Freundlichkeit, der Güte, der Treue und der Selbstbeherrschung (Gal 5:23-24). Unsere Umformung wurzelt in der Mit-Kreuzigung und Mit-Auferstehung mit Christus (Rö 6:3-4), und in diesem Leben wird dieser Prozess nicht vollendet werden (Php 3:12-13). Dennoch streben wir die Vollkommenheit an (1.Pe 1:15-16) – in dem Wissen, dass wir diese nicht erreichen werden, bis der Erlöser vom Himmel kommen und unsere Leiber der Niedrigkeit umgestalten wird (Php 3:20). Bis dahin ist dieser Prozess vom Kampf gegen die Welt (1.Jo 2:15-16), gegen das Fleisch (Rö 8:6-7; Gal 5:17) und gegen den Teufel (Eph 6:12) gekennzeichnet.

Unsere Rolle in dem Heiligungsprozess bezieht sich direkt nur auf die gegenwärtige Zeit. Sie besteht darin, die Taten des Leibes zu schmähen – das heißt, alles abzutöten, was zu unserer irdischen (fleischlichen) Natur gehört (Kol 3:5), – und statt dessen Christus anzuziehen (Rö 13:14). Wenn wir durch den Geist die falschen Handlungen unseres Leibes zu Tode bringen, werden wir mit Sicherheit in den Genuss der ganzen Kraft, allen Trostes und aller Freuden des geistigen Lebens kommen (vgl. Rö 8:13). Wir müssen in unserem Kampf gegen die Sünde (und für die Gerechtigkeit) jedoch daran denken, dass wir in einer Beziehung mit Gott auf der soliden Grundlage unserer Rechtfertigung leben. Wir strengen uns an, ihm zu gefallen, aber nicht damit er unser Vater wird und uns aufnimmt, sondern vielmehr weil er seine Vaterschaft für uns schon erklärt hat und weil er Selbst es ist, der in uns darauf hinarbeitet. Unsere Verantwortlichkeit wiederum kann unter dem Begriff der „Mitarbeit“ zusammengefasst werden. Gott ist Der, der in uns Beides wirkt, „das Wollen und das Handeln“ (Php 2:12-13).

Ausharren

Die Doktrin vom Ausharren der Heiligen entspricht eigentlich der Vorstellung von einer Heiligung, die ein ganzes Menschenleben lang andauert. Gott ist der Urheber der Erlösung, und er ist auch ihr Vollender. Wie Paulus sagt: „Er wird die guten Werke zur Vollendung bringen, die er in Christus begonnen hat (Php 1:6). Indem der Glaube selbst eine Gabe Gottes ist (Eph 2:8-9), befähigt Gott die Glaubenden durch die Kraft des Geistes, in ihrer Zuversicht auszuharren und sich der Christ-Ähnlichkeit immer mehr anzunähern, auch wenn sie vielleicht einmal eine ganze Zeit lang in Sünde umherirren. Gott nimmt seinen Ruf nicht zurück und annulliert die Rechtfertigung nicht, die er einmal festgelegt hat (Rö 11:32). Die er berufen hat, ... hat er auch verherrlicht (Rö 8:30). Er wird sein Eigen niemals verderben lassen (Joh 10:28-30).

Textstellen wie Hebräer 6:4-6 wurden oft herangezogen, um die Doktrin vom Ausharren der Heiligen zu widerlegen. Diese Textstellen aber sagen nicht aus, dass ein Mensch seine Erlösung einbüßen kann (vgl. Heb 6:9). Vielmehr zieht der Schreiber seine Schlüsse aus den Dingen, die er sieht (d.h. aus der Handlungsweise seiner Zuhörer). Wie ein guter Seelsorger warnt er die Menschen vor den realen Folgen, die ihnen drohen, wenn sie in ihrem Leben das Opfer Christi bewusst oder unbewusst missachten. Er weiß nicht, ob jeder Einzelne gerettet werden wird, sondern nur, dass man sicher fragen muss, ob ein Mensch Christus wirklich kennt, der von Christentum/Verfolgung in den politisch sicheren Hafen des Judentums zurückweicht. Und so warnt der Schreiber vor den ewigen Folgen eines Lebens getrennt von Christus. Der springende Punkt, den diese so genannten Warnstellen verdeutlichen, besteht darin, dass kraftvolle Predigt und ein Wort des Tadels eines der Mittel darstellen, mit denen Gott seine Heiligen schützt und in die Lage versetzt auszuharren.

Die Doktrin vom Ausharren der Heiligen – oder von der ewigen Sicherheit der Glaubenden, wie sie gewöhnlich genannt wird (was eigentlich nicht genau dasselbe ist) – führt schließlich im christlichen Leben nicht zur Trägheit oder zu einem Mangel an Eifer. Erstens enthält sie in dieser Hinsicht ernstliche Warnungen, wie wir oben sahen. Zweitens bedeutet Ausharren, dass der Geist mit uns ausharrt, um die Früchte des Geistes in uns hervorzubringen. Das hat er von Anfang an getan, denn als wir noch tot in der Sünde waren, hauchte er uns erneuerndes Leben ein. Warum sollte er damit aufhören, nachdem wir gerettet wurden? Wir sind jetzt nicht sündiger, als wir es damals waren. Drittens sind wir erwählt zu Heiligkeit und Verherrlichung, und der trinitarische Plan kann nicht unterlaufen werden (Eph 1:4; Rö 8:30). Viertens beinhaltet die Auffassung, dass ein Glaubender seine Erlösung einbüßen könnte, ein falsches Verständnis vieler biblischen Textstellen, und man unterwirft das Werk der Heiligung damit letztendlich dem menschlichen Willen. Das ist unbiblisch und läuft hauptsächlich auch dem Prinzip der Gnade zuwider. Und schließlich müssten diejenigen, die aufgrund von Hebräer 6:4-6 argumentieren, dass die Gläubigen durch einen fehlerhaften Lebenswandel ihre Erlösung einbüßen können, auch die Tatsache akzeptieren, dass die einmal so eingebüßte Erlösung niemals wiedergewonnen werden kann – wie es der Text ja deutlich sagt. Im Gegensatz dazu lehrt die Bibel jedoch nachdrücklich die ewige Sicherheit des Glaubenden (Rö 8:38-39).

Wir müssen auch daran denken, dass nicht jeder, der behauptet zu glauben, auch ein Glaubender ist und gerettet werden wird – so die Warnung vieler Schreiber. Viele werden an jenem Tag zu Ihm sagen „Herr, Herr“, und er wird zu ihnen sagen: „Weicht von mir, denn ich habe euch nie gekannt“ (Mat 7:21-23). Dass ein Mensch behauptet, an Jesus zu glauben, bedeutet also nicht unbedingt, dass er es auch tut. Die Doktrin von der ewigen Sicherheit bezieht sich nur auf diejenigen, die wahrhaftig wiedergeboren sind und daher bis zum Ende ausharren werden.

Verherrlichung

Die Verherrlichung ist der Moment, in dem sich das Leben Gottes eindrucksvoll in uns manifestiert, wenn wir unsere auferstandenen Leiber erhalten und damit perfekt für das Sein in Ewigkeit ausgerüstet sein werden. Eine gewisse Ähnlichkeit wird zwischen unseren sterblichen Leibern und unseren verherrlichten Leibern existieren, wie das Beispiel von Jesus nach seiner Auferstehung zeigt (z.B. Joh 21:4ff), aber große Unterschiede werden bestehen zwischen dem, was in Unehre gesät wurde, und dem, was in Herrlichkeit auferweckt wird (1.Ko 15:35-49). Der Leib wird seinem Vorläufer so weit ähnlich sein, wie ein Same der Pflanze ähnelt, zu der er heranwächst. Aber er wird nicht von Unehre, Vergänglichkeit, Schwachheit und Mangel an geistigem Leben gekennzeichnet sein. Im Gegenteil – es wird ein materieller Körper sein, der eigens für die geistige Existenz ausgerüstet und mit Würde, Macht und Herrlichkeit gekleidet ist. Er wird nach dem Muster von Christi eigenem auferstandenen Leib gestaltet sein (1.Ko 15:49). In diesen verherrlichten Leibern wird es vollkommene Übereinstimmung geben zwischen Wunsch und Erfüllung, was unseren Gehorsam und Dienst für unseren großen Herrscher betrifft. Und auch unsere Erfahrung Gottes wird die einer vollkommenen Erfüllung sein. Dann werden wir wahrhaft menschlich sein und fähig, Gott so anzubeten und zu preisen, wie es ihm rechtmäßig zusteht (s. den entsprechenden Abschnitt unter „Persönliche Eschatologie“ weiter unten).


33 Es lässt sich kaum mit Sicherheit sagen, ob diese Hypothese Abelards Ansicht entsprach oder ob er sie einfach neben anderen, orthodoxeren Sichtweisen herausstellen wollte.

34 Die Sichtweise von Socinus betont die menschliche Natur Christi, um ihn als ein Beispiel für die Liebe darzustellen, die wir Gott zeigen sollen. Die Theorie vom moralischen Einfluss, wie sie von Abelard und später von Horace Bushnell in den U.S.A. vertreten wurde, betrachtet Christi Tod dagegen als eine Demonstration der göttlichen Liebe, so dass Jesu göttlicher Aspekt betont wird. Siehe Erickson, Christian Theology [Christliche Theologie], S. 785.

35 Wir betrachten hier die Versöhnung in dem Sinne, dass sie wichtige Vorstellungen, wie Stellvertreterschaft, Opfer, Versöhnung und Tilgung einschließt.

36 Siehe Grudem, Theology [Theologie], S. 594-603. Für eine modifizierte calvinistische Sichtweise siehe Erickson, Christian Theology [Christliche Theologie], S. 825-835. Auch könnte „erkauft“ (agorazo„) in 2.Petrus 2:1, wie bereits angedeutet, sprachlich aus dem AT stammen, aber es könnte auch die besondere Sprechweise der Gegner des Petrus sein, d.h. ihre Einschätzung ihrer selbst. Dann würde Petrus das in einer sarkastischen Absicht benutzen. Auch könnte Johannes, wenn er sagt, dass Christus nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für (peri + Gen.) die Sünden der ganzen Welt starb (1.Jo 2:2), schlicht auf eine beginnende Form der Gnostik reagieren, die die Initiation auf einige wenige Auserwählte beschränkte. Johannes sagt: „Nein, dieses Evangelium gilt gleichermaßen für alle Menschen.“ Für eine erschöpfende Diskussion dieses Themas möchten wir den Leser zum Studium anregen von John Owen, The Death of Death in the Death of Christ [Der Tod des Todes in Christi Tod], The Works of John Owen [John Owens gesammelte Werke], Hrsg. William H. Goold, Bd. 10 (Edinburgh: Banner of Truth, 1967).

37 Erickson, Christian Theology [Christliche Theologie], S. 926; siehe auch BDB, S. 394.

38 Wir befassen uns hier nicht mit dem „Ruf“ als Berufung zu einer bestimmten Aufgabe.

39 Damit ist eine Entscheidung gemeint, die Verstehen, Zustimmung und Annahme des Werkes Christi am Kreuz umfasst.

40 In der frühen Kirche scheint die Erneuerung mit der Taufe in Verbindung gebracht worden zu sein. Aber man muss grundsätzlich sagen, dass die Schrift nirgendwo einen Glauben rechtfertigt, der die Erneuerung materiell zu irgendetwas anderem als dem vom Geist aus der Taufe gehobenen, rettenden Glauben in Beziehung setzt. Der Ritus der Taufe ist das christliche Symbol für die Erlösung und oft von Glauben begleitet, trägt aber an sich gesehen nichts zur Rettung bei.

41 Paulus führt sie in Römer 8:30 als integralen Bestandteil des Erlösungsprozesses an. Dort steht sie gemeinsam mit anderen wichtigen Wahrheiten wie Gottes Vorherbestimmung der Erwählten, seinem geschichtlichen Ruf zur Erlösung und seiner Zusage, sie in der Zukunft sicher zur Verherrlichung zu bringen. Die Rechtfertigung ist als Doktrin auch wichtig für die Bestimmung von Gottes Volk, das weiß, dass es nicht durch die Vollbringung von Werken, sondern durch die Gnade Gottes gerettet wird.

42 N.T. Wright, “Justification” [“Rechtfertigung”], in New Dictionary of Theology [Neues Wörterbuch der Theologie], Hrsg. Sinclair B. Ferguson, David F. Wright und J.I. Packer (Downers Grove, IL: InterVarsity Press, 1988), S. 360.

43 Diese hat natürlich direkt mit der Erneuerung und Heiligung zu tun.

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