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Ekklesiologie: Die Kirche

Das Wesen der Kirche

Heutzutage ist es erforderlicher denn je, den Wesenskern der Kirche von den Lehren der Schrift her zu verstehen, und nicht in erster Linie von dem her, was manche als ihre Rolle innerhalb der Gesellschaft fordern. Wir dürfen die Kirche nicht länger existenziell, d.h. nach ihren Interaktionen mit der Welt und den Veränderungen, die sie aufgrund dessen durchmacht, definieren. Wir müssen vielmehr mit dem Wort Gottes beginnen, um zu erfassen, welcher Art ihr Wesen ist. Davon ausgehend können wir dann entscheiden, welcherlei Aufgaben sie übernehmen sollte.

Überall im Neuen Testament wird vorwiegend der Ausdruck ekkle„sia für die Kirche benutzt (etwa 114x; nicht in 1. und 2.Petrus). Um ihn zu verstehen, können wir seine Verwendung im klassischen Griechisch betrachten; noch wichtiger ist aber sein Gebrauch in der Septuaginta. Im klassischen Griechisch bezeichnet der Begriff meistens eine „Versammlung“, die regelmäßig aus politischen Gründen einberufen wird und in der die Menschen beispielsweise über die Angelegenheiten ihrer Stadt abstimmen.

In der Septuaginta (dem griechischsprachigen AT) wird der Ausdruck ekkle„sia oft zur Übersetzung des hebräischen Ausdrucks lh^q* benutzt. Dieser kann für eine Versammlung in Angelegenheiten der Bürgerschaft (1.Kö 2:3) oder zur Kriegführung (Num 22:4), für eine Nationalversammlung oder für eine Reihe anderer Zusammenkünfte stehen, unter anderem und vor allem auch für Israels religiöse Zusammenkünfte (Deu 9:10; 2.Ch 20:5; Joel 2:16).44

Der Begriff ekkle„sia kann sich im NT auf die Versammlung der „Kirche Gottes“ in einem Haushalt (Rö 16:5), in einer bestimmten Stadt (1.Ko 1:2; 1.Th 1:1), in einer Region (Apg 9:31) oder in einem größeren Gebiet, wie z.B. ganz Asien (1.Ko 16:19), beziehen. Wenn wir alle diese Angaben zusammenfassen, erkennen wir, dass die Kirche eigentlich ein universeller Verband ist und sich aus allen Menschen zusammensetzt, die wahrhaft an Christus glauben und in Ihm durch den Geist vereinigt sind. In bestimmten geographischen Regionen und im Verlauf der Geschichte hat es hier und da besondere Prägungen der Kirche gegeben. Obwohl es aber viele lokale „Kirchen“ gibt, gibt es doch in Wirklichkeit nur eine Kirche (Eph 4:4; Heb 12:23). 45

Von daher kommt man ganz von selbst zu der Vorstellung, dass die Kirche sowohl sichtbar als auch unsichtbar ist. Sie ist insofern unsichtbar, als Gott weiß, wer wahrhaftig Christ ist und wer nicht. Sie ist insofern sichtbar, als sie lokale Ausformungen hat, zu denen sich Christen jeweils bekennen. Desweiteren erfordert das Christ-Sein nicht unbedingt die Zugehörigkeit zu einer lokalen Kirche, doch aus Gehorsam gegen Christus wird man sie natürlich trotzdem anstreben. Andererseits ist nicht jeder Mensch, der zur Kirche geht, auch tatsächlich ein Teil des spirituellen Leibes Christi.

Wir wollen uns nun einer Abhandlung der verschiedenen Metaphern zuwenden, die in Bezug auf die Kirche verwendet werden. Dadurch werden wir weitere Einsicht in das eigentliche Wesen der Kirche erlangen. Die Liste der bildlichen Vergleiche ist lang, und wir werden uns auf einige wenige konzentrieren.

Bildliche Beschreibungen der Kirche

Neutestamentarische Schreiber benutzen zur Bezeichnung der Kirche einige inhaltsreiche Metaphern. Erstens wird die Kirche als Ganzes in 1.Korinther 12:12-27 als der Leib Christi bezeichnet; in Epheser 1:22-23 ist sie der Leib und Christus ist das Haupt. Zweitens wird sie auch als Gottes Familie bezeichnet: wir sind alle Söhne und Töchter des Herrn (2.Ko 6:18). Drittens wird ihre enge und abhängige Beziehung zu ihrem Herrn mit einem Weinstock und seinen Reben verglichen (Joh 15:1-11). Viertens wird sie in ihrem Verhältnis zur Welt als Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit bezeichnet (1.Ti 3:15). Fünftens wird sie als Ganzes als ein Gebäude bezeichnet (1.Ko 3:9), als ein lebendinger und wachsender Tempel (Eph 2:20-21) und als ein heiliger Tempel, in dem Gott wohnt (1.Ko 3:16). Sechstens wird sie aufgrund ihres Dienstes vor Gott und ihres Verhältnisses zu ihm als Sein Volk auch als eine „heilige Nation“ und eine „königliche Priesterschaft“ bezeichnet (1.Pe 2.9), und jedes ihrer Mitglieder wird mit einem lebendigen Stein verglichen, gebaut um den auserwählten und kostbaren Eckstein, den Christus selbst darstellt. Siebtens wird sie vom Herrn als das Salz und das Licht der Welt bezeichnet (Mat 5:1315; Apg 13:47; Kol 4:5-6).

Die Kirche und das Reich Gottes

Eine weitere Frage stellt sich, wenn wir das Wesen der Kirche genau bestimmen wollen, nämlich die nach dem Verhältnis zwischen der Kirche und dem Reich Gottes. Das Reich Gottes kann man sich vorstellen als die Herrschaft Gottes und die Kirche als denjenigen Bereich, in dem sich diese Herrschaft sichtbar manifestiert. Aber die Kirche ist nicht selbst das Reich, wie einige Theologen sich darzulegen bemüht haben, wenngleich beide nicht voneinander getrennt werden sollten. Über das Verhältnis von Kirche und Reich Gottes macht Ladd fünf hilfreiche Bemerkungen: (1) die Kirche ist nicht selbst das Reich; (2) die Kirche wird durch das Reich hervorgebracht; (3) die Kirche bezeugt das Reich Gottes; (4) die Kirche ist ein Instrument des Reiches und (5) die Kirche ist Hüter und Wächter des Reiches.46

Die Kirche und Israel

Viele amilleniaristische Theologen vertreten bezüglich des Bundes die Auffassung, dass die Kirche das Volk Israel in Gottes Segensplan ersetzt hat. Sie selbst habe die Verheißungen Israels ererbt und sei so das Neue Israel geworden. Diese Theologen sagen, dass der Bund mit David gegenwärtig in der Kirche und zukünftig in der Ewigkeit erfüllt werden wird und dass die Nation Israel und die ethnisch jüdischen Menschen keine besondere Zukunft erwartet. Auf der anderen Seite gibt es etliche prämilleniaristisch-dispensationalistische Theologen, die die Meinung vertreten, dass die Kirche und Israel zweierlei Dinge sind und nicht miteinander verschmolzen werden sollten. Sie behaupten, dass der davidische Bund (da er mit der Nation Israel geschlossen wurde) nicht gegenwärtig in der Kirche erfüllt wird, sondern zusammen mit all den anderen Zusagen, die Gott Israel gab, im Milennium erfüllt werden wird. In diesem System müssen Israel und die Kirche als zwei unterschiedliche Entitäten auseinandergehalten werden: die eine erfüllt Gottes irdische Zusagen und die andere seine himmlischen Zusagen.

Es gibt allerdings auch noch Positionen zwischen diesen beiden Extremen. Viele prämilleniaristische Theologen vertreten die Meinung, dass es zukünftig, was Paulus wohl in Römer 11 meint, eine Erneuerung vieler ethnischer Juden geben wird, aber nicht im Sinne der nationalen Wiederherstellung, die der klassische und der revidierte Dispensationalismus vertreten. Auf der anderen Seite gibt es progressive Dispensationalisten, die der Auffassung sind, dass der davidische Bund zwar gegenwärtig in der Kirche erfüllt, dadurch aber nicht die Erfüllung des Bundes für das Volk Israel nach der Vorstellung des AT aufgehoben wird. Diese Dispensionalisten argumentieren, dass alle Menschen Gottes (Israel im AT und die Kirche im NT) soteriologisch gleich sind, es dabei aber strukturelle Unterschiede gäbe, die bis zu einem gewissen Grad während der tausendjährigen Herrschaft Christi wie auch in der Ewigkeit aufrecht erhalten würden.

Aus dieser kurzen Übersicht kann man bereits entnehmen, dass das Verhältnis zwischen Israel und der Kirche gelinde gesagt, eine komplexe Frage ist. Wahrscheinlich sollte man beide nicht als vollkommen voneinander unabhängige Entitäten ansehen, da so viele Aussagen und Verheißungen des AT als im Messias und seiner Verbindung zur Kirche erfüllt angesehen werden (z.B. Apg 13:33; Gal 3:29). Auf der anderen Seite mag man mit Recht in Frage stellen, ob die ganze Breite und Tiefe mancher alttestamentarischer Verheißungssprüche durch die Kirche angemessen ausgelotet wird und ob man sagen darf, dass Gott das, was er zugesagt hat, tatsächlich schon erfüllt hat. Diese Vermutung wird dadurch untermauert, dass die Synopsis, der Römerbrief und die Offenbarung in Bezug auf das Reich von einer Zeit des Vollzugs sprechen – eine Zeit, die ohne große Schwierigkeiten mit der alttestamentarischen Hoffnung in Einklang gebracht werden kann.

Dienst und Zweck der Kirche

Der Zweck der Kirche liegt darin, das Werk Christi fortzuführen, indem sie das Evangelium verkündet und ein Licht für die Welt darstellt (Joh 14:13-14; Apg 1:8, 13:47). Damit steht das Evangelium mit seinem lebensverändernden Charakter im Zentrum der Kirche und sollte sich in ihren Mitgliedern widerspiegeln.

Die Kirche muss einen Gott zugewandten Kernpunkt in Anbetung, Lobpreis und Gebet haben. Dazu gehören die freimütige Anbetung des Dreieinigen Gottes und das Gebet füreinander wie auch für alle anderen in der Welt, einschließlich unserer politischen Führer (1.Ti 2:1-3). Die Kirche ist auch beauftragt, neue Gläubige im Glauben aufzubauen und auszurüsten. Dazu gehört die Lehre über das Evangelium und seine ethischen Aspekte, d.h. die Gehorsamkeit gegen Gottes Wort, die Liebe füreinander und die verantwortliche und heilige Lebensführung in einer gefallenen Welt. Auch soll die Kirche, wie oben bereits erwähnt, der Welt anhaltenden Dienst leisten durch Taten der Barmherzigkeit und durch die Bezeugung der Wahrheit und Wirklichkeit Gottes und des Evangeliums. So erkennt eine gesunde Kirche, dass ihre Berufungen nach oben, nach innen und nach außen eigentlich drei Aspekte eines einzigen Rufes sind: Christus zu erkennen und bekannt zu machen. Die oberste Autorität, die ihre Handlungen leitet, ist dabei selbstverständlich die Heilige Schrift, und bei ihrer Auslegung und Anwendung verlässt sich die Kirche auf den Geist und die Weisheit, die sie im Verlaufe ihrer Geschichte erlangt hat.

Die Kirchenleitung

In der Geschichte der Kirche gab es verschiedene grundlegende Formen der Kirchenleitung, unter anderem (1) die episkopalische, (2) die presbyterianische, (3) die kongregationale und (4) Kirchen ohne Leitung. Wir werden die drei ersteren Formen hier kurz beschreiben, aber aus Platzgründen können sie nicht ausführlich diskutiert werden.

In der episkopalischen Kirche hat ein Erzbischof (und davon gibt es mehrere) Autorität über den Bischof, der seinerseits über eine Diözese herrscht, d.h. über mehrere Kirchen, die von einem Pfarrer oder Vikar versorgt werden. Sie alle, der Erzbischof, der Bischof und die Pfarrer sind ordinierte Priester innerhalb des episkopalischen Systems der Kirchenleitung. Diese Art der Kirchenleitung findet man in der Methodistischen, der Anglikanischen und – mit der ausgedehntesten Hierarchie (d.h. mit vielen Bischofsrängen) – in der Katholischen Kirche.

Verschiedene Glaubensgemeinschaften bedienen sich der presbyterianischen Form der Kirchenleitung, bei der die lokalen Gemeinden die Ältesten für die „Versammlung“ (Presbyterianische Kirche) oder das „Konsistorium“ (Reformierte Kirche) wählen. Einige (oder alle) dieser Ältesten sind Mitglieder einer übergeordneten leitenden Körperschaft, dem „Presbyterium“ (Presbyterianische Kirche) oder „Kirchenrat“ (Reformierte Kirche). Mitglieder des Presbyteriums oder Kirchenrates werden vom Presbyterium (oder Kirchenrat) wiederum ausgewählt, um eine Synode zu bilden. Daneben gibt es in der presbyterianischen Kirche noch eine weiter übergeordnete Körperschaft, die als die Generalversammlung bezeichnet wird. Diese setzt sich aus Laien und kirchlichen Vertretern aus den Presbyterien zusammen. Die Generalversammlung ist verantwortlich für alle Gemeinden einer Region oder eines Landes.

Die kongregationale Form der Kirchenleitung betont die Autonomie (bei gleichzeitiger Unterordnung unter Christus) der lokalen Gemeinden und die Rechte der einzelnen Mitglieder. Die diesem System zugrunde liegende Überzeugung ist die, dass es nirgendwo im NT Hinweise auf eine Kontrolle von Gemeinden durch außenstehende Individuen oder durch andere Gemeinden gibt. In der Tat trug Paulus Titus auf, die Führer der Gemeinden aus den Reihen der Kreter selbst zu bestimmen (Titus 1:5). Nirgendwo wird erwähnt, dass diese Führer Außenstehenden gegenüber verantwortlich gewesen wären bezüglich ihres Budgets oder ihrer alltäglichen, praktischen Entscheidungen. In diesem System wird die Priesterschaft der Glaubenden als wichtig angesehen. Dennoch werden in den meisten Fällen dieser Art von Kirchenleitung ein oder mehrere Führer gewählt werden (nur in extremen Fällen ist das nicht der Fall); aber diese dürfen in keiner Weise den Dienst und das Engagement der Mitglieder ersetzen.47

Am ehesten scheint das Neue Testament das Konzept eines am jeweiligen Ort amtierenden pluralistischen Ältestenrates48 zu stützen (Apg 14:23, 20:17; .1.Ti 4:14; Tit 1:5; Heb 13:17; 1.Pe 5:1-2), nicht aber die Vorstellung einer darüber hinaus entwickelten hierarchischen Struktur. Die Autorität der Apostel wird uns durch die Schriften mitgeteilt, die sie zu unserer Unterrichtung hinterließen. „Presbyterien“ oder „Generalversammlungen“ aber, denen wir Rechenschaft schuldig wären, sind nicht notwendig. Tatsächlich sind derlei Organisationen oft die Ursache gewesen, wenn eine lokale Gemeinde Irrtümern in der Lehre verfiel. Durch freie und erwünschte Verbindungen zu anderen christlichen Gemeinschaften können Gemeinden und ihre Führer ein hohes Maß an doktrinärer und moralischer Reinheit bewahren, aber gleichzeitig auch das Bewusstsein dafür, was um sie herum vorgeht und wie sie in anderen Situationen Dienst leisten können.

Ein Mensch, der für die Aufgabe eines Älteren in Betracht gezogen wird, sollte bestimmte Qualifikationen erfüllen. Dazu gehören moralische Qualitäten (d.h., er muss über jeden Tadel erhaben sein), eine gute häusliche Führerschaft und die Fähigkeit zu lehren. Außerdem sollte ein solcher Kandidat nicht erst kürzlich zum Glauben übergetreten sein (s. 1.Ti 3, Tit 1). Zu den grundlegenden Aufgaben der Älteren gehören die Führerschaft, die Lehre und der Schutz der Kirche Gottes.

Geradeso wie für die Älteren gibt es auch für die Diakone bestimmte Qualifikationen, die sie erfüllen müssen, bevor sie für dieses Amt innerhalb von Gottes Kirche in Betracht gezogen werden können. Diese Qualitäten werden in 1.Timotheus 3:8-13 aufgelistet und umfassen moralische Eigenschaften ebenso wie eine gute häusliche Führung; über die Glaubenslehre wird hier allerdings nichts gesagt. Es scheint, dass zu den vielfältigen Pflichten der Diakone administrative Aufgaben und vielleicht auch die Verwaltung der Gemeindefinanzen gehörten.

Der Kirche verliehene Ordinierungen

Zwei Ordinierungen49 wurden der Kirche vom Herrn verliehen: die Taufe und das Abendmahl, wobei das Letztere allgemein auch als die Eucharistie bezeichnet wird. Wir werden unsere Betrachtungen mit einer Übersicht über die Taufe beginnen und uns mit der Aufforderung zur Taufe, ihrem Ablauf, ihrer Bedeutung und Wichtigkeit sowie mit dem Gegenstand und der Wirkung der Taufe beschäftigen. Auch das Abendmahl werden wir kurz behandeln.

Das erste, was wir über die christliche Taufe festhalten wollen, ist, dass der auferstandene Herr den Auftrag dazu im Rahmen des Jünger-Machens gab. In Matthäus 28:19-20 trug er seinen Jüngern auf hinauszugehen und alle Völker zu Jüngern zu machen. Das sollten sie auf zweierlei Art tun: (1) indem sie sie im Namen des Dreieinigen Gottes tauften und (2) indem sie sie lehrten, alles zu befolgen, was Christus bestimmt hatte. Nicht jede lokale Kirche hat die Möglichkeit, neue Gläubige zu taufen, und in allen Gemeinden sind es nur bestimmte Mitglieder, die die Taufe durchführen dürfen (vgl. 1.Ko 1:17). Die frühe Kirche war sich der Wichtigkeit der Taufe bewusst und praktizierte sie getreulich mit jedem Neubekehrten.

Meistens bedeutet das Verb „taufen“ sowohl in der griechischen Literatur wie im Neuen Testament „tauchen“, „eintauchen“ oder „untertauchen“,50 nicht aber „besprengen“. Mehrere Tatsachen sprechen dafür, dass die Vorstellung des „Untertauchens“ den Aussagen des Neuen Testaments entspricht und sie am besten erklärt: Erstens taufte Johannes die Menschen im Jordan und nicht auf dem Trockenen – was am leichtesten damit erklärt werden kann, dass er das durch Untertauchen und nicht durch Besprengen tat. Das trifft natürlich auch auf Jesu Taufe zu, von der gesagt wird, dass er hinab in das Wasser stieg und wieder aus dem Wasser heraufkam.51 Zweitens taufte Johannes in Aenon nahe bei Salim, weil es dort reichlich Wasser gab (hoti hudata polla e„n ekei). Man sollte doch vernünftigerweise annehmen, dass so viel Wasser nicht nötig gewesen wäre, wenn Johannes die Methode des Besprengens mit Wasser benutzt hätte (s. Joh 3:23). Drittens gibt es da noch die Geschichte von Philippus und dem äthiopischen Eunuchen in Apostelgeschichte 8:37-38. Wenn eine Taufe einfach durch Besprengung mit Wasser geschehen wäre, hätten die beiden wohl nicht damit warten müssen, bis der Äthiopier ein größeres Gewässer fand. Warum außerdem stiegen beide, Philippus und der Äthiopier in das Wasser hinab, wenn es nur um ein Besprengen ging? Die passendste Auslegung des Wortes baptizo„, bei der es auch Sinn macht, dass Philippus und der Eunuch zusammen im Wasser waren, ist die, dass Philippus den Äthiopier bei der Taufe im Wasser untertauchte und ihn dann wieder heraushob. 52 Viertens sprach Petrus im Zusammenhang mit der Taufe von der Reinigung des Leibes von Schmutz (vgl. 1.Pe 3:21). Das zeigt, dass er dabei an viel mehr als ein bloßes Besprengen mit Wasser dachte, und steht eher in Einklang mit der Vorstellung eines Eintauchens. Schließlich gebraucht Paulus die Wassertaufe in Römer 6:4 als ein Symbol für das „Begraben- und Auferwecktwerden“ mit Christus. Die Parallele zum „Begraben- und Auferwecktwerden“ ist viel leichter verständlich, wenn Paulus dabei an die Methode des Untertauchens dachte (s.a. Kol 2:12).

Insofern als die Taufe äußerliches Zeichen einer inneren spirituellen Wahrheit und einer neuen Vereinigung zwischen Christus und dem Glaubenden ist, sollte sie nur an Glaubenden vollzogen werden. Sie wirkt nicht ex opere operato, wie es die Katholische Kirche lehrt (vgl. 1.Pe 3:21), sondern wird als Ordination denen gegeben, die sich persönlich und im vollen Bewusstsein ihrer Handlung Christus anvertraut haben. Mehrere Stellen in der Apostelgeschichte verdeutlichen dies (Apg 2:41, 8:12, 10:44-48, 16:14-15). Andere Stellen, die anscheinend davon sprechen, dass ein ganzes Haus getauft wurde (Apg 16:32-33; 1.Ko 1:16), sollten also nicht so verstanden werden, dass auch Kleinkinder oder ungläubige Erwachsene bei der Taufe eingeschlossen wurden, sondern vielmehr so, dass jeder (oder fast jeder) in diesem Haus das Evangelium annahm und daher getauft wurde.

Manche Menschen vertreten auch die Meinung, dass die Taufe Voraussetzung für die Erlösung ist. Um ihre Ansicht zu untermauern, zitieren sie oft (aber nicht nur) Apostelgeschichte 2:38. Andere begegnen diesem Argument, indem sie den entsprechenden Vers folgendermaßen übersetzt sehen wollen: „Petrus sagte zu ihnen: ‚Bereut, und jeder von euch lasse sich taufen im Namen Jesu Christi wegen (eis) der Vergebung eurer Sünden, dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.’“ Wenn das die richtige Übersetzung wäre, wäre das obige Argument für eine Taufe als Voraussetzung für die Erlösung ja erledigt. Aber die Anzeichen dafür, dass eis mit wegen übersetzt werden sollte, sind, kurz gesagt, nicht sehr überzeugend. Allerdings gibt es andere Anhaltspunkte.

Da in der Apostelgeschichte die Reue der Taufe vorausgehen kann (vgl. 3:19, 26:20) und die Erlösung aus reiner Gnade gewährt wird (z.B. 10:43,47, 13:38-39,48), kann die Taufe, auch wenn dieser Text sie in einen engen Zusammenhang mit dem Glauben bringt, für Gott keinen unabdingbaren Aspekt bei der Erlösung darstellen. Am besten sollte man die Taufe hier als die Wassertaufe verstehen und berücksichtigen, dass für die frühe Kirche die Taufe sowohl die spirituelle Wahrheit als auch das körperliche Symbol beinhaltete.53

Die Vorstellung, dass das Getauftsein für die Erlösung nicht unbedingt notwendig ist, lässt sich weiter erhärten, wenn wir Paulus’ Anmerkung in 1.Korinther 1:17 lesen. Dort sagt er, dass Christus ihn nicht aussandte um zu taufen, sondern um das Evangelium zu predigen. Wenn aber die Taufe wesentlicher Bestandteil der erlösenden Annahme des Evangeliums gewesen wäre, hätte Paulus sie niemals unterlassen – was er nach seiner eigenen Aussage jedoch tat. Das bedeutet, dass er die Verkündigung des Evangeliums und den Dienst der Taufe voneinander getrennt sah. Damit ist die Taufe kein wesentlicher Teil des Evangeliums. Auch Petrus sagt etwas Entsprechendes, wenn er die Taufe mit der an Gott gerichteten Bitte um ein gutes Gewissen gleichsetzt, und nicht mit der Reinigung vom Schmutz des Fleisches (1.Pe 3:21). Wenn man die Taufe, d.h. einen äußerlichen Ritus, in das Evangelium einschließt, kommt man außerdem in einen unüberwindlichen Widerspruch zu Römer 4:1-12 und vermischt – ungeachtet aller gegenteiligen Behauptungen – Glauben und Werke miteinander (Eph 2:8-9). So etwas entspricht nicht dem Evangelium, das Paulus predigte, und ist strikt abzulehnen (Gal 1:6-7). Schließlich und endlich hätte auch der Dieb am Kreuz nicht auf den Himmel hoffen können, den Jesus ihm versprach (Luk 23:43), wenn die Taufe unabdingbar wäre für den Glauben, der zur Erlösung führt.

Die Taufe symbolisiert also die Vereinigung des Glaubenden mit Christus zur Abtötung der Sünde (und des Lebens in Adam) und Auferstehung zu einem neuen Leben. Eng damit verbunden ist die Vorstellung, die beispielsweise in Titus 3:5 ausgedrückt wird, dass die Taufe ein „Abwaschen“ oder „Reinigen“ bedeutet und dass die „im Namen Christi“ Getauften54 als rein angesehen werden und ein heiliges Leben führen sollen. In Bezug auf das „Zeugnis“ symbolisiert die Taufe die Aufnahme des Glaubenden in die Gemeinschaft des Messias, damit er im Leib des Herrn mit denen lebt, die dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist angehören.

Die andere Ordinierung, die der Kirche verliehen wurde, ist die des Abendmahls. Während die Taufe als Initiationsritus den endgültigen Bruch mit unserem alten Leben in Adam und unsere unwiderrufliche Vereinigung mit Christus symbolisiert, ist das Abendmahl oder die Eucharistie ein sich wiederholender Ritus, der für unsere anhaltende Gemeinschaft mit Christus und unsere stetige Verkündigung der Bedeutung seines Todes (nämlich für die Vergebung der Sünden) steht.

Unter gläubigen Christen gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, wie oft man am Abendmahl teilnehmen sollte. In den synoptischen Evangelien sind keine Aussagen Jesu aufgezeichnet, wie oft es gefeiert werden sollte. Die Tatsache, dass sich das Abendmahl auf den Neuen Bund bezieht und das Blut Jesu symbolisiert, das für Viele vergossen wird, deutet aber wohl darauf hin, dass Jesus es von Anfang an auf alle bezog, die ihm künftig nachfolgen würden, bis hin zu der Zeit, da er selbst leiblich mit uns beisammen sitzen und es in seines Vaters Reich aufs Neue trinken wird (Mat 26:29). Lukas fügt die Aussage hinzu, dass die Jünger dies, d.h. das Brechen des Brotes, zu meinem Gedächtnis tun sollten. Auch das deutet darauf hin, dass das Abendmahl ein wiederkehrendes Ereignis sein würde (s. 1.Ko 11:24). Dennoch gibt es keinen Bibeltext, der uns sagt, dass wir jede Woche, einmal im Monat, viermal im Jahr oder wie häufig auch immer daran teilnehmen sollten. Aus 1.Korinther 11:20ff. kann man wohl entnehmen, dass die Korinther es recht regelmäßig durchführten. Wie oft sie es genau taten, ist aber unsicher, und natürlich ist das auch nicht gerade das Problem, das Paulus in 1.Korinther 11:27-34 anspricht. In Anbetracht dessen, dass das Abendmahl eine „Erinnerung“ darstellt, scheint es durchaus angebracht, es häufiger einmal zu feiern – vorausgesetzt, dass dies in einer Weise geschieht, die dem Herrn Ehre macht und den anwesenden Seinen Mut macht.

Über das Wesen des Abendmahls und die Beziehung seiner Bestandteile (d.h. Brot und Wein) zum tatsächlichen, physischen Leib des Herrn gibt es ebenfalls unterschiedliche Ansichten. Die römisch-katholische Kirche vertritt eine Auffassung, die als Transsubstantiation bezeichnet wird und behauptet, dass das Brot und der Wein auf geheimnisvolle Weise buchstäblich in den Leib und das Blut des Herrn umgewandelt werden, so dass der Herr in Form dieser Dinge tatsächlich zugegen ist. Schließlich sagte Christus tatsächlich zu seinen Jüngern „dies ist mein Leib“ und „dies ist mein Blut“. Allerdings geht diese Interpretation über das hinaus, was die vom Herrn benutzte Sprachfigur beinhaltet. Wir dürfen sicher annehmen, dass die Jünger dies als Metapher verstanden (was aber nicht bedeuten muss, dass es keine buchstäbliche Bedeutung gibt), da Jesus selbst ja direkt vor ihnen saß. Sollen wir also auch den „Kelch“ als den „Neuen Bund“ selbst ansehen, da Jesus doch sagte „dieser Kelch ist der Neue Bund“ (Luk 22:20)? Bei anderer Gelegenheit, als er sich selbst als eine „Tür“ bezeichnete, verstanden sie die Metapher ganz gut als solche und stellten sich nicht vor – wie auch wir es nicht tun sollten –, dass Jesus jedes Mal buchstäblich zu einer Tür wird, wenn jemand ein Christ wird. Diese obige Ansicht basiert außerdem großenteils auf der unbiblischen Vorstellung, dass dieses Sakrament ex opere operato wirksam sei. Die Erlösung geschieht aus Gnade durch den Glauben und nicht durch das Empfangen von Sakramenten.

Im Gegensatz zu der katholischen Auffassung vertritt Luther eine Ansicht, die als Konsubstantiation bezeichnet wird. Er ist der Meinung, dass die Sprechweise „dies ist mein Leib“ und „dies ist mein Blut“ schon eine gewisse, besondere körperliche Anwesenheit des Herrn beinhaltet. Seiner Ansicht nach ist der Herr daher „in, mit und unter“ den Bestandteilen des Abendmahls gegenwärtig. Diese Ansicht beruht allerdings auf der Vorstellung, dass der Herr in seiner Natur als Mensch allgegenwärtig sei. Das Problem dabei ist, dass die Schriften aussagen, dass Jesus in seinem irdischen, verherrlichten Leib in den Himmel auffuhr, aber von einem allgegenwärtigen Leib ist nirgendwo die Rede.

Die beste Sichtweise beruht vielleicht auf der Erkenntnis, dass Jesus hier – wie bei vielen anderen Gelegenheiten – tatsächlich eine Metapher benutzt und dass die Metapher, die er benutzt, auf seine spirituelle Anwesenheit hindeuten will. Wenn wir also das Abendmahl feiern, erinnern uns dessen Bestandteile daran, dass er für uns starb, dass wir durch seinen gebrochenen Leib und sein vergossenes Blut Vergebung erfahren und dass wir durch ihn freie Teilhaber und Nutznießer des von ihm begründeten Neuen Bundes werden dürfen. Wann immer wir über diese Dinge nachdenken, ist Jesus geistig bei uns anwesend, um uns zu stärken und sich selbst zu verherrlichen. Das Abendmahl, das dem Herrn im Glauben dargebracht wird, verleiht also heiligende und nicht rettende Gnade.

Das Abendmahl schließlich ist zwar nur für die Glaubenden; es sollte aber nicht auf die getauften Gläubigen beschränkt werden, während andere, die aus welchem Grund auch immer noch nicht getauft sind, davon ausgeschlossen werden. Jeder sollte sich zudem selbst prüfen, ob seine Gemeinschaft mit und sein Verhalten gegenüber anderen Christen mit dem Anspruch in Einklang steht, dass er hier an dem einen Leib Christi teilhat. Die Korinther wurden vom Herrn ziemlich streng behandelt, weil sie den anderen Gliedern des Leibes Christi keine aufrichtige Liebe entgegenbrachten. Sie waren arrogant und schwelgten selbstsüchtig beim Abendmahl, während andere Not litten. Sie verachteten, kurz gesagt, die Kirche Gottes, und dafür strafte Gott sie mit Krankheit und Tod (1.Ko 11:17-34; vgl. Vers 30).

Der Kirche verliehene Gaben

Von Anfang an war es Gottes ungeteilte Absicht, eine Kirche zu erschaffen – eine Gruppe von Menschen, die aus der Finsternis in das wundervolle Licht seiner Gegenwart und Segnung gerufen würden (Gen 12:3; Lev 26:12; Jer 32:38; Hes 37:27; 2.Ko 6:16; Off 21:3-4). Zahlreiche Gaben hat er über uns ausgegossen, unter anderem die Gabe der Erlösung selbst. Mit dieser großartigen Erlösung geht zudem einher, dass der Geist uns innewohnt und jedes einzelne Mitglied des Leibes Christi mit unterschiedlichen geistigen Gaben ausstattet. Im Folgenden finden Sie keine Auslegung der verschiedenen Texte, in denen diese Gaben zur Sprache kommen, sondern eine allgemeine Erörterung der Gaben sowie im Anschluss daran eine pastorale Erklärung zum Thema der zeichenhaften Gnadengaben des Geistes.

Was man als allererstes über die geistigen Gaben im Kopf behalten muss, ist dies: sie werden von Gott verliehen, nach seinem Ermessen und zum Besten des Leibes. Das stellt Paulus mehr als deutlich klar in 1.Korinther 12:7,11. Und in Anbetracht dessen, dass der Herr allein es ist, der seinen Leib gestaltet (1.Ko 12:18), ist es weder notwendig noch förderlich, wenn man um eine bestimmte Gabe betet. Zweifellos aus diesem Grund werden wir nirgendwo aufgefordert, darum zu beten, dass wir persönlich irgendwelche geistigen Gaben erhalten, sondern nur darum, dass wir diejenige(n), die uns frei gegeben wird oder werden, erkennen und wohl gebrauchen mögen und allen anderen Menschen die Freiheit lassen, von den ihren Gebrauch zu machen (1.Ko 14:1). Auf diese Weise vermeiden wir den Reduktionismus, der in der korinthischen Kirche so allgemein und so zerstörerisch vorhanden war (nämlich den Irrtum, dass nur eine bestimmte Gaben wirklich zählt). Gott wird jedem Mitglied die geistige(n) Gabe(n) nach Seinem Beschluss (und ohne unsere Bitten oder Ratschläge) geben, denn er hat im Bezug auf die Bedürfnisse des Leibes das große Ganze im Auge.

Der souveräne Herr ist es also, der die Gaben verleiht. Als Nächstes müssen wir verstehen, dass nicht alles, was im Namen Christi und der geistigen Gaben geschieht, auch tatsächlich von Gott kommt. Das wird deutlich, wenn wir 1.Korinther 12-14 betrachten (s. Verse 12:1-3, die als Überschrift über diesem gesamten Abschnitt stehen könnten). Wir erkennen dann, dass man über die Gaben und ihren Zweck und Gebrauch durchaus irrige Ansichten haben und daher Zurechtweisung gebrauchen kann. Demut ist also „das Gebot der Stunde“. Wir müssen uns durch die Schrift über diese Dinge belehren lassen, damit wir nicht wie die Korinther in die Irre gehen. Auf der anderen Seite vertrete ich nicht unbedingt die in manchen Kirchen gängige Vorstellung, dass jedes übernatürliche Geschehen „außerhalb der Norm“ vom Teufel und dämonisch sei. Wer so lebt, würde gut daran tun, sich Jesu Lehre über die Blasphemie des Geistes (Mat 12) in Erinnerung zu rufen. Fahren wir also fort.

In fünf Textabschnitten werden die Gaben ausdrücklich erwähnt: (1) Römer 12:4-8, (2) 1.Korinther 1:7, 12-14 (Apg 21:9), (3) Epheser 4:11-12, (4) Hebräer 2:3-4 und (5) 1.Petrus 4:10-11. Anhand dieser Texten lassen sich mehrere Feststellungen treffen. Erstens gibt es keine zwei Aufzählungen von Gaben, die miteinander übereinstimmen. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Menge der Gaben, so wie sie im Neuen Testament erwähnt werden, nicht vollständig aufgeführt ist. Zu dieser Feststellung passt die Tatsache, dass Paulus die unterschiedlichen Offenbarungen des Geistes als „die Gaben der/des ...“ bezeichnet und damit ausdrückt, dass es wohl mehr als eine Gabe, sagen wir, der „Leitung“, des „Beistands“ etc. gibt. Des Weiteren sind auch diese Ausdrücke selbst, „Leitung“, „Beistand“ etc., recht vage und können beliebig viele mögliche Ausformungen beinhalten. Betrachten Sie schließlich auch Paulus’ Erörterung in 1.Korinther 12:4-6, wo er von der „Vielfalt“ (diaireseis) der Gaben spricht. Er sagt, dass ein und derselbe Geist viele verschiedene „Gaben“ (charismato„n), der Herr mannigfaltige „Dienste“ (diakonio„n) und Gott viele unterschiedliche „Wirkungen“ (energe„mato„n) vermittelt. Sie alle werden als „Offenbarungen des Geistes“ (phanero„sis) bezeichnet.55 Der Apostel vermittelt also den Eindruck, dass er niemals alle Gaben aufzählen könnte, sondern den Korinthern nur einen theologischen und praktischen Rahmen vermitteln will, in dem sie die Inspiration und das Sichtbarwerden des Geistes verstehen sollen. Aber er gibt ihnen eindeutig nirgendwo eine erschöpfende Liste der Gaben selbst.

Zum allgemeinen Nutzen werden also dem Leib Christi durch die Inspiration des Geistes vielfältige Gaben verliehen, doch manchmal missverstehen wir diese auch. Aus der Schrift geht ganz klar hervor, dass die Gaben auf dem Boden der Liebe verwirlicht werden sollen und dass sie kein Unterscheidungsmerkmal darstellen, anhand dessen man erkennen kann, wer geistlich ist und wer nicht. Es kommt daher nicht auf unsere Erfahrung an: Sofern wir von unseren Gaben nicht in Liebe Gebrauch machen, stehen wir nicht in Gottes Willen und tragen nicht wirklich zur Stärkung seiner Kirche bei. Es muss daher wohl nicht weiter gesagt werden, dass es die Frucht des Geistes ist, die den notwendigen Hintergrund für die richtige Ausübung Seiner Gaben darstellt (vgl. Gal 5:22-23).

Im Zusammenhang mit der genauen Bedeutung bestimmter Gaben stellen sich durchaus auch einige schwierige Fragen. In einer Hinsicht sind Gaben wie „Lehren“, „Ermahnen, „Dienen“, „Geben“ und „Leiten“ nicht sehr schwer zu verstehen, und sie stellen gute biblische Beispiele dafür dar, wie dem Fleisch geholfen werden kann, was ja auch ihre Bedeutung ist. Aber über Gaben wie die „Rede der Weisheit“ und die „Rede der Erkenntnis“ kann man nur schwer Genaueres sagen. Wahrscheinlich bezieht sich die „Rede der Weisheit“ auf die Weisheit Gottes in Christus, d.h. auf die Botschaft des Kreuzes und eine entsprechende Ethik. Jemand mit dieser Gabe hatte also vielleicht in besonderer Weise die Fähigkeit zu verstehen, was die Kreuzeslehre der Apostel mit den gegenwärtigen Lebensumständen seiner Kirche zu tun hatte; der Geist lehrte ihn dies zum Besten der Kirche, und er war unter dessen Führung in der Lage, solchen Inhalten Ausdruck zu verleihen. Die „Rede der Erkenntnis“ andererseits könnte sich darauf beziehen, dass jemand Erkenntnisse äußerte, die er durch direkte Offenbarung des Geistes erhalten hatte, oder darauf, dass jemand Gottes Wahrheit geistig erkennen, darlegen und lehren konnte. Aber es ist schwierig, dazu irgendetwas mit Sicherheit zu sagen. Genauso schwierig ist es auch festzulegen, warum diese Gabe als „Erkenntnis“ (gno„sis) bezeichnet wurde und wodurch sie sich genau von der „Rede der Weisheit“ unterscheidet.

Es gibt also einige Unsicherheiten bei der Festlegung der Bedeutung von Begriffen, die zur Beschreibung bestimmter Gaben benutzt werden. Daneben stellt sich auch noch die Frage, ob bestimmte Gaben heute noch immer durch den Geist verliehen werden. Dabei handelt es sich um den Themenkreis der abgeschlossenen oder der fortgesetzten Verleihung der Gnadengaben des Geistes und vielleicht auch der Gabe des Jüngerseins. Werden zum Beispiel Wunderkräfte, Heilkräfte, Zungenreden oder das Zungenauslegen heute noch immer der Kirche verliehen?

Einige Dinge sollten gleich in einer Art Vorwort über die Diskussion zum Thema der abgeschlossenen oder nicht abgeschlossenen Verleihung von Gnadengaben gesagt werden. Erstens herrscht unter denjenigen, die dieses Thema informiert und nicht abwertend behandeln, die klare Erkenntnis, dass es sich dabei nicht um eine Diskussion darüber handelt, ob Gott noch immer Heilungen und Wunder vollbringt oder nicht. Nach bestem Zeugnis tut er es, und das wird von allen informierten Christen aller Lager anerkannt und gefeiert. Ebensowenig handelt es sich um eine Debatte darüber – wie ich schon so oft sagen gehört habe, – ob es heute noch geistige Gaben gibt oder nicht. Kein kundiger Christ irgendeines Lagers bestreitet das. Selbstverständlich verleiht Gott seiner Kirche noch immer geistige Gaben. Die Frage ist vielmehr, ob Gott einzelnen Individuen in der Kirche noch immer Gnadengaben verleiht. Einige beantworten diese Frage mit „ja“, andere mit „nein“, und in beiden Lagern gibt es daneben natürlich auch noch abgestufte Meinungen zu diesem Thema.

Desweiteren gibt es auch im NT selbst offensichtliche Spannungen bei diesem Thema. Es scheint als erwarte 1.Korinther 1:4-9 das Auftreten von Gnadengaben für das gesamte Zeitalter der Kirche, während ein Verfasser der zweiten Generation, der Schreiber des Hebräerbriefes, merkwürdigerweise keinen Bezug auf Wunder in seiner eigenen, gegenwärtigen Erfahrung nimmt, sondern statt dessen auf die Wunder verweist, die vom Herrn und seinen Aposteln vollbracht wurden (Heb 2:3-4). Umfasst außerdem die Tatsache, dass Wunder offensichtlich als Bestätigung der Lehren der Apostel fungierten, notwendigerweise auch die Vorstellung, dass heutzutage keine derartige Bestätigung mehr notwendig ist (vgl. Apg 14:3; Heb 2:3-4). Anders ausgedrückt: War eine solche Bestätigung allein an diese Männer gebunden, oder an ihre Botschaft, oder an beides? Warum sollten wir nicht eine ähnliche göttliche Bestätigung erwarten, wenn wir doch die selbe Botschaft predigen wie sie? Wie erklären wir uns das relative Fehlen von wunderbaren Gaben in der Kirchengeschichte? Und wenn sie doch einmal auftretren, scheinen sie dann nicht weniger markant ausgeprägt zu sein als die im Neuen Testament berichteten? Es ergeben sich also Fragen über die Lehren des Neuen Testaments zu diesem Thema und darüber, wie wir heute diese Gaben erfahren.

Diejenigen, die das Vorhandensein von Gnadengaben bejahen, verweisen jedenfalls allgemein auf ihre eigenen Erfahrungen und dann auf die Schrift, um ihre Auffassung zu bekräftigen. Sie behaupten vielleicht, selbst dabei gewesen zu sein, als jemand ein Wunder tat, oder selbst in Zungen gesprochen zu haben. Sodann neigen sie dazu, die fraglichen Texte der Schrift in diesem Licht zu lesen. Und das ist gar nicht unbedingt etwas Schlechtes, sondern vielmehr etwas ganz Natürliches und Notwendiges. Wir alle lesen die Bibel im Lichte unserer eigenen Erfahrungen; wir können gar nicht anders. Wir können uns nicht frei machen von geschichtlichen Gegebenheiten, wie unserer Abstammung, Kultur (z.B. auch Verbindungen zu einer Kirche), geistlichen Erfahrung, Denkart und so weiter.

All das darf uns aber nicht zu dem Schluss verleiten, dass unsere Interpretation der Bibel und unserer Erfahrungen notwendigerweise richtig ist. Selbst die „geistlichen“ Korinther missverstanden beispielsweise vollständig, was Paulus zum Thema der Beziehungen zwischen Christen und Nichtchristen gesagt hatte (s. 1.Ko 5:9-13). Wenn wir aber auch keine Ansichten sozusagen „aus dem Nichts heraus“ gewinnen können, so können wir doch – bei erhöhter Aufmerksamkeit und gesteigertem Bewusstsein für die Vorbedingungen unserer Erkenntnis – unsere Ansichten korrigieren lassen, indem wir die Bibel verantwortungsvoller als bisher lesen (vgl. den Lernprozess in 2.Ti 3:16-17). Das gilt natürlich für alle Christen und unabhängig vom jeweiligen Thema. Besonders aber trifft es für diejenigen zu, die die Neigung haben, die Schrift kurzsichtig und im Hinblick auf ihre eigenen Erfahrungen zu lesen, d.h., wenn jemand dazu neigt, geschichtsrelevante exegetische Fragen nicht zu stellen und Texte vom Tisch zu wischen, die seine Ansichten – zumindest oberflächlich betrachtet – gefährden könnten.

Auf der anderen Seite gehen diejenigen, die die Frage nach den Gnadengaben des Geistes mit „nein“ beantworten, im Allgemeinen von der Schrift aus und versuchen zu zeigen, dass die Bibel die Fortdauer dieser Gaben nicht lehrt. Ihre Methode und ihre Behauptung basieren auf der zutreffenden Voraussetzung, dass die Schrift in Angelegenheiten des Glaubens und der Religionsausübung die letztgültige Autorität darstellt. Für diese Menschen sehen daher in der Bibel den besten Ausgangspunkt, und vielleicht haben sie ja recht mit ihrer Auffassung. Aber selbst unter der Voraussetzung sola scriptura ist es nicht zwingend logisch, von dort auszugehen. Das „Prinzip der Schrift“ führt also nicht notwendigerweise oder logischerweise eher zu der einen als zu der anderen Herangehensweise, sondern es kommt nur darauf an, dass die Bibel die letzte und entscheidende Stimme in der jeweiligen Angelegenheit hat. Dabei können wir genauso gut bei unserer eigenen Erfahrung anfangen, wie wir es ja auch oft tun, wenn wir an die Schrift herangehen.

In logischer Hinsicht ist der Ausgangspunkt also in beiden Fällen überhaupt nicht problematisch. Das Problem liegt vielmehr darin, dass die meisten Menschen gar nicht über ihren Ausgangspunkt hinaus und zu einer ernsthaften und vertieften Betrachtung des jeweils anderen Endes kommen, nämlich zur Schrift im Falle der „Kontinuierlichen“ und zur eigenen Erfahrung im Falle der „Abgeschlossenen“. Beides muss ernsthaft untersucht und die zentralen Widersprüchlichkeiten so lange zugelassen werden, bis eine echte Synthese daraus hervorgeht.

Kurz und gut, ich will nicht sagen, dass diejenigen, die bei ihrer eigenen Erfahrung anfangen, niemals hin zur Schrift fortschreiten, aber meiner Erfahrung nach gelangen doch viele in diesem Lager nicht zu einer ernsthaften Betrachtung der Schrift, die auch die Lektüre von Bibelauslegungen ihrer verantwortlichen Kritiker einschließt. Wenn sie das täten, würden sie die Stärken und Schwächen jeder Position besser verstehen, vielleicht auch eher dazu geneigt sein, in dieser Hinsicht Demut vor Gott zu zeigen, und darauf vorbereitet, ihren Beitrag gemeinsam mit denen zu leisten, deren Meinung sie nicht teilen. In einigen Fällen mag es dann geschehen, dass Ansichten geändert und eine christliche Integrität entwickelt werden. – Diejenigen, die von der Schrift ausgehen, argumentieren andererseits ständig so, als spiele ihre eigene Erfahrung bei der Ausformung ihrer Ansichten überhaupt keine Rolle (was schlicht naiv ist), und viele von ihnen kommen nie dahin, dass sie (1) die Erfahrungen anderer und (2) Bibeltexte, die ihren Standpunkt schwächen, ernsthaft in Betracht ziehen. Am Ende muss man denjenigen, die die Fortdauer der Gnadengaben vertreten, also denselben Rat geben wie den Vertretern eines Endes der Gaben. Wenn wir so an diese Sache herangehen, sind wir vielleicht auch besser in der Lage, die geistigen Gaben im Allgemeinen und ihre relative Bedeutung für das christliche Leben zu würdigen, und wir erkennen möglicherweise den Weg des Geistes selbst durch dieses Problem.

Abschließend müssen wir noch ein Wort über die Gabe der Zungenrede sagen. Erstens handelte es sich dabei um eine vom Geist inspirierte Gabe, die der Kirche verliehen wurde, und so wie Paulus’ im Brief an die Korinther darüber spricht, gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass sie, richtig verstanden, dämonisch oder irgendetwas in dieser Art sei. Zweitens diente sie, richtig ausgeübt, dem Nutzen des Leibes. Drittens steht es Ihnen, was immer Sie darüber glauben, nicht frei, Zwietracht innerhalb des Leibes Christi darüber zu säen. Sie glauben, dass diese Gabe existiert – wunderbar! Dann folgen Sie bitte dem Rat des Paulus in 1.Korinther 12-14 über den angemessenen Gebrauch der Gabe und fordern Sie nicht von anderen, dass sie auch in Zungen reden müssten. Wie Paulus sagt, spricht nicht jeder in Zungen (1.Ko 12:30). Gebrauchen Sie die Gabe zum Besseren des Leibes und nur in Anwesenheit eines Übersetzers. Und machen Sie nicht den Fehler, anderer Menschen Spiritualität auf der Grundlage dieser Gabe zu beurteilen, denn damit würden Sie den Heiligen Geist ernsthaft betrüben (vgl. Eph 4:30). Wenn Sie andererseits glauben, dass diese Gabe heute nicht mehr existiert – auch gut! Haben Sie Geduld mit denen, die behaupten, dass sie es doch tut, und halten Sie sie dazu an, immer wieder nach Gottes Willen für ihr Leben zu suchen. Werden Sie nicht stolz, sondern lieben Sie Ihre Brüder und Schwestern und lernen Sie von ihrer Erfahrung. Sehen Sie sich vor, dass Sie nicht die spirituellen Erfahrungen anderer Menschen so weit herunterspielen, bis Sie den Heiligen Geist praktisch gefangen und gezähmt haben. Sie werden sonst vielleicht feststellen, dass er dem Wind doch mehr gleicht, als Sie dachten (Joh 3:3-5).

Kein Christ sollte seine Spiritualität über diese Gabe definieren oder einordnen – und übrigens auch nicht über irgendeine andere Gabe. Christliche Spiritualität entwickelt sich nämlich nicht pimär durch psychologische Erfahrungen, sondern durch ein ethisches (Heiligkeit) und biblisches Leben, in dessen Mittelpunkt die Gemeinschaft mit Christus und das vom Geist inspirierte Bekenntnis zu Ihm als dem Herrn stehen (1.Ko 12:1-3). Das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein des Geistes wird also nicht durch das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein der Gabe des Zungenredens bestimmt. Dies verdeutlicht Paulus in 1.Korinther 12-14, vgl. insbesondere 12:1-3,30. Nun, da wir dies festgehalten haben, müssen wir noch etwas zu den Erzählungen in der Apostelgeschichte sagen.

Die Art, wie die Gabe nach Apostelgeschichte 2, 10 und 19 verliehen wurde (im Falle der Samariter wird sie in Apg 18 nicht erwähnt), sollte die Empfängnis desselben Geistes von Angehörigen verschiedener Ethnien bestätigen und damit Spaltungen innerhalb der frühen Kirche – nämlich zwischen Juden und Heiden – vorbeugen. Aus der Tatsache, dass Heiden wie Cornelius und andere genauso in Zungen sprachen, wie sie selbst es getan hatten, als sie an Pfingsten den Geist empfingen, zogen die Apostel den Schluss, dass diese Heiden dann auch denselben Geist auf dieselbe Art empfangen haben mussten (s. Apg 10:45-46, 11:1-18, bes. Vers 1-3 und 17-18). Der Geist tat also sein Herabkommen durch die Gabe des Zungenredens kund. Die Verleihung der Gabe des Zungenredens geschah damit nicht, weil diese Heiden per se gerettet waren, und sie war auch nicht irgendein sekundärer Akt, sondern vielmehr ein öffentliches Zeichen dafür, dass der Geist nun auch in Heiden leben würde. Auch sie waren also Mitglieder von Gottes Kirche, und es sollte keine Trennung zwischen Juden und Heiden darin geben. Beider Herr ist derselbe Gott, das begannen die Apostel nun zu begreifen!

Auch wenn die Gabe des Zungenredens in Apostelgeschichte 8 nicht erwähnt wird, so ist doch auch das Herabkommen des Geistes auf die Samariter in einer Weise dargestellt, die das Motiv der Einigkeit hervorhebt. Die Apostel Petrus und Johannes verließen Jerusalem, um dem Bericht über die Samariter nachzugehen. Das deutet darauf hin, dass in ihren Köpfen Zweifel über die Echtheit der Bekehrung der Samariter waren (Apg 8:14-17). Aber wenn sie sahen, dass diese Menschen das Wort des Herrn empfangen hatten, legten sie ihnen die Hand auf und die Samariter empfingen den Heiligen Geist. Auch hier ist das spätere Kommen des Geistes – nach dem Empfängnis des Wortes Gottes – nicht so gedacht, dass es für zukünftige Christen immer auch so sein würde (s. Eph 1:13-14). Es sollte vielmehr die Einigkeit betonen, die nun zwischen Juden und Samaritern herrschen sollte – zwischen zwei Gruppierungen also, die sich immer gegenseitig gehasst hatten (s. Joh 4:9). Das Handauflegen der Apostel ist wie ein Stempel der Authentizität und bestätigt, dass sie die Bekehrung der Samariter anerkennen, war für die Errettung selbst aber andererseits nicht notwendig (wie man an den 3000 sieht, die sich am Pfingsttag bekehrt hatten).

Die Verleihung der Gabe des Zungenredens und das Herabkommen des Geistes im Buch der Apostelgeschichte sind also Zeichen, mit denen Lukas vorrangig den Wunsch des Geistes verdeutlichen will, dass es innerhalb der Kirche keine Spaltungen gebe. Der Geist lehrt uns in der Apostelgeschichte nicht, dass er zu irgendeinem beliebigen Zeitpunkt kommt (das widerspricht dem Kernpunkt der Erzählungen in der Apostelgeschichte), sondern dass er gleichermaßen über alle kommt, die die frohe Botschaft glauben, damit sie alle in Einigkeit unter der Herrschaft Christi leben mögen. Das trifft auch im Falle der Jünger von Johannes dem Täufer zu. Auch sie empfingen denselben Geist, als Paulus ihnen die Hand auflegte. Der Geist verzögerte hier sein Kommen aus ebendiesem Grund, dass diese Menschen mit den anderen Mitgliedern der Kirche vereint werden sollten.

Noch viel mehr könnte über die geistigen Gaben gesagt werden, doch der Platz reicht dafür nicht aus. Lassen Sie alles zum Nutzen des Leibes geschehen und brechen Sie über diese Dinge keinen unnötigen Streit vom Zaun. Möge Gott seiner Kirche Weisheit, Kraft und Liebe bei der Vervollkommnung und Ausübung der Gaben verleihen, die sie von Ihm empfängt.


44 Es gibt noch einen anderen Ausdruck im hebräischen AT, nämlich hd*u@, das Israel als eine „zeremonielle Gemeinschaft“ bezeichnet, in deren Zentrum der Kult oder das Gesetz steht. Dieser Ausdruck wird jedoch nie mit ekkle„sia übersetzt. Siehe Jack P. Lewis, “qahal”, in Theological Wordbook of the Old Testament [Theologisches Wörterbuch des Alten Testaments] (Chicago: Moody, 1980), S. 789-790; Lothar Coenen, “Church” [“Kirche”] in The New International Dictionary of New Testament Theology [Neues internationales Wörterbuch des Neuen Testaments], Hrsg. Colin Brown (Grand Rapids: Zondervan, 1975), 1:291-295.

45 Vgl. BAGD, S. 240-241.

46 Seine Rechtfertigung dieser Aussagen findet sich in George Eldon Ladd, A Theology of the New Testament [Eine theologische Betrachtung des Neuen Testamentes], überarb. Aufl.., Hrsg. Donald A. Hagner (Grand Rapids: Eerdmans, 1993), S. 109-117.

47 Für eine vertiefte Diskussion dieser drei grundlegenden Formen der Kirchenleitung, siehe Erickson, Christian Theology [Christliche Theologie], S. 1069-83; Leon Morris, “Church Government” [„Kirchenleitung“] in: Evangelical Dictionary of Theology [Evangelikales Wörterbuch der Theologie], Hrsg. Walter A. Elwell (Grand Rapids: Baker, 1984), S. 238-41; D. MacLeod, “Church Government” [“Kirchenleitung”] in: New Dictionary of Theology [Neues Wörterbuch der Theologie], Hrsg. Sinclair B. Ferguson, David F. Wright und J.I. Packer (Downers Grove, IL: InterVarsity, 1988), S. 143-146.

48 Die „Älteren“ werden im NT auch als „Hirten“, „Aufseher“ und „Bischöfe“ bezeichnet. Siehe Grudem, Systematic Theology [Systematische Theologie], S. 913-914. Diese Ansicht ist zwar keineswegs sicher, aber dennoch gut vertretbar.

49 Sie werden manchmal auch als „Sakramente“ bezeichnet. Für Manchen legt der Begriff „Sakrament“ die Vorstellung nahe, dass entweder eine Teilnahme an diesen Riten Voraussetzung für die Erlösung ist oder aber dass sie aus sich selbst heraus und unabhängig vom Glauben des Teilhabenden wirksam sind. So werden sie tatsächlich oft in der Katholischen Kirche verstanden.

50 Siehe BAGD, s.v., baptizo„. Siehe auch A. Oepke, “baptizo„” in TDNT, 1:529-546.

51 Matthäus gebraucht den Ausdruck anebe„ apo tou hudatos (Mat 3:16) und Markus sagt anabaino„n ek tou hudatos (Mar 1:10). Beides deutet darauf hin, dass Jesus und Johannes im Wasser und nicht nur an seinem Rande waren.

52 Derselbe Ausdruck, der beschreibt, wie Jesus wieder aus dem Wasser heraufsteigt, wird auch für den Eunuchen benutzt (nämlich avebe„san ek tou hudatos).

53 Siehe Wallace, Exegetical Syntax [Exegetische Syntax], S. 369-371.

54 In dieser oder ähnlicher Form wird in der Apostelgeschichte am häufigsten davon gesprochen, dass jemand getauft wird.

55 Von der Auslegung her ist es unhaltbar, manche Gaben dem Sohn, andere dem Vater und wieder andere dem Geist zuzuschreiben. Obwohl dies in einigen Kirchen gängig ist, trägt es doch nicht zum Verständnis der Gaben oder des gemeinschaftlichen Handelns der Dreieinigkeit bei. Außerdem basiert diese Vorstellung auf einem Missverständnis und einer Harmonisierung der entsprechenden Bibeltexte. Es handelt sich dabei um ein klassisches Beispiel für den Fehlschluss eines Tertium non datur.

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