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Die Apokalypse Von Johannes Und Die Entrückung Der Gemeinde: Eine Neubewertung

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Einführung

Problem und Zielsetzung

Bei aller Aufmerksamkeit, welche der Entrückung der Gemeinde2 von Studenten und Lehrern der Eschatologie gewidmet wird, fragt man sich, warum die Doktrin der Entrückung der Heiligen, die von Paulus in 1.Thess 4,17 beschrieben wird, in der Apokalypse3 von Johannes nicht deutlicher erwähnt wird. Das ist besonders problematisch, wo Jesus sagt, dass Er diese Offenbarung seinen Dienern gibt, um zu zeigen “was sehr bald geschehen muss” (Offb 1,1)4.

Verschiedene Kommentatoren und Bibellehrer haben eine Reihe von Möglichkeiten präsentiert, welche die Entrückung im Buch der Offenbarung5 beschreiben. Allerdings ist keine weder vollständig zufriedenstellend noch wird sie der Tiefgründigkeit der Doktrin der Entrückung und der Paulinischen Verknüpfung mit der Auferstehung und dem ultimativen Ausdruck unserer Erlösung6 gerecht.

Dieses Papier besteht aus 2 Teilen. Zunächst werden einige der Probleme behandelt, die im Zusammenhang mit der Platzierung der Entrückung der Gemeinde an bestimmten Stellen der Apokalypse stehen. Zweitens wird es eine alternative Stelle für die Entrückung in der Offenbarung anbieten (ab Seite 26), die konsistent ist mit allen interpretativen Betrachtungen: lexikalisch, kontextuell, theologisch und literarisch.

Die vielen “Entrückungen” der Offenbarung

Robert Mounce bemerkt in seinem Kommentar zur Apokalypse, “dass genau die Diskussion einer ‘Entrückung der Gemeinde’ außerhalb von Johannes’ Bezugsrahmen liegt.”7 Dennoch bieten viele Kommentatoren eine Vielzahl von oft widersprüchlichen Passagen an, um dieses Vakuum zu füllen. Dieser Abschnitt untersucht die bekanntesten und plausibelsten Optionen, indem er kritisch die Argumente für jede einzelne unter die Lupe nimmt.8

Offenbarung 3,10

Das Versprechen des Schutzes in Offenbarung 3,10 wird von vielen Kommentatoren als der beste exegetische Beweis einer prätribulationalen Entrückung der Gemeinde betrachtet. Lewis Sperry Chafer hat Offenbarung 3,10 die “entscheidende Stelle” genannt in Bezug auf den Zeitpunkt der Entrückung9. Viele andere Prätribulationisten stimmen dem zu.10

Argumente für die Entrückung in Offenbarung 3,10. Das Versprechen in Offenbarung 3,10-11 ist folgendes: “Weil du meine Aufforderung zur Standhaftigkeit beherzigt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Zeit der Versuchung, in der die ganze Menschheit den Mächten der Verführung ausgesetzt sein wird.” (NEÜ) Obwohl das Versprechen spezifisch der Gemeinde in Philadelphia gegeben wurde (Offb 3,7) ist das Versprechen anwendbar auf alle Gläubigen (Offb 3,13)

Diejenigen, welche in diesem Vers die Entrückung sehen, argumentieren primär auf der Basis der Phrase τηρησω ἐκ τῆς ὥρας “Ich will dich vor dieser Stunde bewahren”. Es wird angenommen, dass τηρήσω “bewahren” oder “beschützen” bedeutet, während die Präposition ἐκ “heraus von”11 bedeutet. Es wird betont, dass Gläubigen nicht nur Schutz vor der Versuchung sondern Schutz vor der gesamten Stunde der Versuchung versprochen wird, was ein Wegnehmen von der Erde in den Himmel erfordert12.

Obwohl einige damit argumentieren, ἐκ bedeute “herausheben aus” der Stunde der Versuchung, und deshalb den Schutz garantiert,13 hängt diese spezielle Bedeutung von ἐκ sehr stark von dem Typ des Verbs ab, mit dem es verbunden ist14. Daniel Wallace schlägt ein generelles Prinzip bei transitiven Präpositionen wie ἐκ vor, wenn diese im Zusammenhang mit Zustandsverben wie τηρέω verwendet werden: “Zustandsverben setzen die transitive Präposition außer Kraft. Praktisch immer, wenn ein Zustandsverb mit einer transitiven Präposition verwendet wird, ist die Präposition außer Kraft gesetzt; das, was verbleibt, ist der Zustand”15. Deshalb, so wird argumentiert, ist aus syntaktischen Gründen die Bedeutung des Abschnitts im Sinne von Bewahrung vor der Stunde der Versuchung und nicht Bewahrung durch die Stunde der Versuchung hindurch zu verstehen.

Probleme mit der Entrückung in Offenbarung 3,10. Obwohl der Schreiber dieses Artikels die grammatikalischen Argumente zugunsten des Verständnisses von τηρήσω ἐκ im Sinne von “bewahren vor” als ziemlich überzeugend ansieht, gibt es Gründe, die Rolle dieser Textstelle als “entscheidende Textstelle” über die Entrückung in Frage zu stellen.

Ungeachtet der grammatikalischen Erwägungen sind Kommentare wie der von Mounce unter kompetenten Auslegern sehr verbreitet: “Die Stunde der Versuchung ist gerichtet gegen die gesamte nichtchristliche Welt, aber der Gläubige wird vor ihr bewahrt, nicht durch ein vorheriges Erscheinen von Christus, um die Gemeinde körperlich aus der Welt zu nehmen, sondern durch geistlichen Schutz, den er gegen die Mächte des Bösen gibt.”16 Ähnliche Sichtweisen scheinen eine Abschwächung der Ausdruckskraft darzustellen, so dass “vor der Stunde” mehr allgemein oder bildlich verstanden wird; das heißt, dass Gläubige als “bewahrt vor der Versuchung” im Sinne von (nicht) betroffen sein von den Gerichten gesehen werden anstatt als “bewahrt vor der Stunde der Versuchung” in einem zeitlichen oder räumlichen Sinn. Sicherlich liegt ein solches ungenaues Verständnis der Ausdrucksweise im Rahmen der Möglichkeiten. Auf der anderen Seite argumentiert Beale, dass das Bewahren vor der Stunde der Versuchung sich nicht auf den Schutz vor einer zukünftigen Trübsal bezieht, sondern auf das Unheil des “Abfallens von dem Glauben, das heißt, Schutz vor Versuchungen, die Unglauben hervorrufen.”17

Noch ein Problem stellt die Wahl des Verbs τηρέω dar. Während die Entrückung sich in 1. Thess. 4,17 als eine plötzliche oder eine gewaltsame Bewegung darstellt, ist τηρέω ein Zustand. Wenn dieser Abschnitt dem Leser irgendetwas über die Entrückung mitteilt, dann beschreibt er lediglich das Ergebnis des Ereignisses, nicht das Ereignis selbst. Sogar Verfechter der prätribulatorischen Sichtweise geben dieses Manko zu. Thomas schreibt:

Das Statement bezieht sich nicht direkt auf die Entrückung. Was es garantiert, ist Schutz vor der Szenerie der “Stunde der Versuchung”, während diese Stunde am Laufen ist. Diese Auswirkung, die Gläubigen in Philadelphia (und somit alle Gläubigen in allen Gemeinden; vgl. 3,13) in einer Position der Sicherheit zu platzieren, setzt voraus, dass sie zu Beginn des Zeitabschnitts an einen anderen Ort (z.B. Himmel) versetzt worden sein mussten.18

Ein weiteres Problem der Identifikation von τηρέω ἐκ mit dem physischen Wegnehmen von dem Zeitabschnitt der Trübsal ist der Gebrauch desselben Konstrukts in Joh 17,15: ἵνα τηρήωῃς αὐτοὺς ἐκ τοῦ πονηροῦ “sie vor dem Bösen zu bewahren.” Ladd argumentiert:

Im Gebet unseres Herrn gibt es kein Konzept von einem körperlichen Wegnehmen der Jünger von der bösen Welt, sondern die Bewahrung vor der Kraft des Bösen, wenn sie in seiner engen Gegenwart sind. . . . In gleicher Weise muss das Versprechen von Offb 3,10: vor (ek) der Stunde der Versuchung bewahrt sein kein Versprechen im Sinne von Wegnehmen von genau der physischen Gegenwart der Trübsal sein.19

Andere Kommentatoren haben dieselben Bedenken vorgebracht.20 Während Gelehrte genügend Gegenargumente präsentiert haben, um zumindest die Tragfähigkeit der Ansicht zu belegen, dass die Entrückung in Offb 3,10 angedeutet wird,21 ist die Debatte darüber weit davon entfernt zur Ruhe zu kommen, und man muss innehalten wegen der dogmatischen Rechthabereien auf beiden Seiten.

Zusammenfassend kann sicher gesagt werden, dass eine Entrückung sehr gut durch den Vers beschrieben sein könnte, wenn das Zustandsverb mit einer transitiven Präposition andeutet “Bewahrung weg von” und wenn die Phrase “Stunde der Versuchung” wörtlich einen Zeitabschnitt meint, was damit eine Translation aus dieser Welt heraus erfordert. Doch sogar wenn man diese Bedingungen voraussetzt, fehlt das Schlüsselelement in Offb 3,10, die Entrückung selber. Der systematische Theologe muss das Ereignis von 1.Thess 1,17 in das Versprechen hineinlesen und Offb 3,10 als das Ergebnis ansehen. Diese diskussionswürdigen Variablen müssen Offb 3,10 mindestens auf einen Platz von sekundärer Bedeutung oder erhärtender Beweisführung verweisen in Bezug auf die Entrückung der Gemeinde in der Apokalypse von Johannes.

Offenbarung 4,1-2

Es ist von unzähligen Prätribulationisten argumentiert worden, dass die Erfahrung, die von Johannes in Offb 4,1-2 beschrieben wird, ein Symbol für die Entrückung der Gemeinde ist.22

Argumente für die Entrückung in Offenbarung 4,1-2. Der Abschnitt selbst liest sich so: “Danach blickte ich auf und sah im Himmel eine offene Tür. Die gleiche Stimme, die schon vorher mit mir gesprochen hatte, und die wie eine Posaune klang, sagte: ‘Komm hier herauf! Ich werde dir zeigen, was nach diesen Dingen geschehen muss.’ Im gleichen Augenblick wurde ich vom Geist ergriffen. Ich sah einen Thron im Himmel stehen, und auf dem Thron saß jemand.” Über diesen Abschnitt schreibt Seiss,

Diese offene Tür im Himmel ist die Tür der Himmelfahrt der Heiligen. Diese Posaune ist dieselbe, die Paulus beschreibt als die, welche die Entschlafenen in Jesus ruft und auf die sich der Erlöser bezieht als auf die Stimme, mit der seine Erwählten von den 4 Himmelsrichtungen gesammelt werden, aber von der wir keine Veranlassung haben, dass sie von jemandem anders gehört oder verstanden wird, als von denen, die bestimmt sind, um mit ihm in den Himmeln versammelt zu werden. Und dieses “KOMM HIER HERAUF” ist für jeden, der in demselben Stand wie Johannes steht, das gnädige und mächtige Wort des wiederkommenden Herrn selber, aufgrund dessen die, welche auf ihn warten, neue Kraft bekommen und mit Flügeln auffahren wie Adler. (Jes 40,31)23

Durch die Erwähnung der Posaune, der Stimme, des Himmel und des Geistes ebenso wie durch die angedeutete Aktion von Johannes’ Entrückung in den Himmel bietet sich diese symbolische Interpretation an.

Ein weiteres Argument für die Annahme, dass die Entrückung in Offb 4,12 geschieht (oder zwar unerwähnt, aber anzunehmen ist zwischen Kapitel 3 und 4) ist die Interpretation, dass die Phrase μετὰ ταῦτα “nach diesen Dingen” von Vers 1 einen entscheidenden Abschnittswechsel in der Apokalypse markiert. Kapitel 1 bis 3 werden genannt ταῦτα “diese Dinge” (vgl. 1,19), das aktuelle Zeitalter der Gemeinde, wohingegen alles ab Kapitel 4 Ereignisse repräsentiert, welche nach dem jetzigen Zeitalter der Gemeinde stattfinden.24 Zu diesem Argument trägt bei, dass einige eine Interpretation verfechten, welche die Briefe an die sieben Gemeinden in Kleinasien als Abfolge der Geschichte der Gemeinde in prophetischer Form darstellt,25 ebenso wie die Interpretation, dass die vierundzwanzig Ältesten, die zuerst in Offb 4,4 auftauchen, entweder ein Symbol für oder die Repräsentanten der entrückten, verklärten Heiligen sind.26

Probleme mit der Entrückung in Offenbarung 4,1-2. Während einige der Bilder ähnlich sind, gibt es bei der Interpretation der Entrückung in Offb 4,1-2 signifikante Schwierigkeiten. Tatsächlich scheint der Abschnitt in gewöhnlicher Sprache die tatsächliche Erfahrung von Johannes beim Empfangen der Vision zu beschreiben. Ein dispensationalistischer Schreiber, Robert Thomas, gibt diese Schwierigkeit zu und folgert, “Diese Aufforderung ist am ehesten zu verstehen als eine Einladung an Johannes, einen neuen Aussichtspunkt einzunehmen wegen der Offenbarung, die zu empfangen er im Begriff ist.”27

Zweitens muss, was die Bedeutung von μετὰ ταῦτα angeht, festgehalten werden, dass die Phrase durchgängig in der Offenbarung verwendet wird (4,1; 7,1; 7,9; 15,5; 18,1); An diesen Stellen beschreibt sie einen plötzlichen Wechsel im Inhalt von Johannes’ Vision, nicht einen Wechsel von Zeitalter, Epoche oder Dispensation. Bei der Betrachtung, ob ein chronologischer Ablauf in Bezug auf die prophetischen Ereignisse impliziert ist oder nicht, schreibt Smith,

Dieser Abschnitt beschreibt einen Ablauf oder ein Ausgeben als zeitliche Abfolge. Wenn diese Phrase auf den Ausdruck “Ich sah” angewendet wird, so wie es in diesem Buch elfmal geschieht, kann es sich nur um die Reihenfolge der Visionen und nicht notwendigerweise (obwohl meistens) um die chronologische Reihenfolge der Ereignisse handeln. Zum Beispiel, soweit es die verwendete Sprache betrifft, kann der Seher sich nur auf das Erhalten einer neuen Vision an sich beziehen und nicht notwendigerweise auf die Tatsache, dass die Dinge, über die er berichtet, zeitlich aufeinander folgen.28

Zusammenfassend scheint es, dass, solange jemand nicht spezifisch nach der Entrückung der Gemeinde vor der Großen Trübsal sucht, Offb 4,1-2 nicht notwendigerweise zu einer solchen Interpretation führt. In diesem Kontext ist es am besten, diesen Abschnitt als eine Einzelerfahrung von Johannes in einem ekstatischen geistlichen Zustand zu sehen, in dem er die Visionen empfangen hat.

Offenbarung 4,4 und 5,9-10

Argumente für die Entrückung in Offenbarung 4,4 und 5,9-10. Man hat oft geltend gemacht, dass die vierundzwanzig Ältesten im Himmel, die zuerst in Offenbarung 4,4 auftauchen, entweder Symbole oder lebende Repräsentationen der entrückten, verherrlichten Gemeinde darstellen. Walvoord schreibt, “Einer der Gründe, warum die vierundzwanzig Ältesten als erlöste und belohnte Menschen betrachtet werden, ist der, dass sie mit goldenen Kronen und eingekleidet in weißen Gewändern dargestellt werden (Offb 4,4). Das würde bedeuten, dass sie bereits beurteilt und belohnt wurden, so wie es der Fall ist bei einer Vorentrückung und dem nachfolgenden Richterstuhl Christi im Himmel.”29

Ähnlich schreibt Thiessen:

Wir folgern also, dass die Szene in Offb 4,5 ein direktes Resultat der Entrückung darstellt. Der Herr ist vom Himmel herabgekommen, die Toten in Christus, sowohl die aus der Zeit des Alten als auch des Neuen Testaments, sind auferweckt worden und die bis zur Wiederkunft des Herrn verbliebenen Gläubigen sind entrückt worden um mit den anderen zusammen den Herrn in der Luft zu treffen (1.Thess. 4,16-17). Diese “Ältesten” repräsentieren diese zwei Gruppen vor dem Thron. Daraus folgt, dass die Entrückung vor der Trübsal stattfindet, weil die Ältesten eingekleidet, gekrönt und inthronisiert sind, bevor das erste Gericht auf die Erde gesendet wird.30

Frühere Ausleger haben sich sehr stark auf die Lesart des Textus Receptus von Offenbarung 5,9-10 berufen für die Unterstützung ihrer Interpretation, dass die vierundzwanzig Ältesten die verherrlichte Gemeinde darstellen müsse. Der Abschnitt beschreibt die vierundzwanzig Ältesten, wie sie in der ersten Person Plural von ihrer Erlösung singen: ἠγόρασας τῷ θεῷ ἡμᾶς ἐν τῷ αἵματί σου . . . καὶ ἐποίησας ἡμᾶς τῷ θεῷ ἡμῶν βασιλεῖς καὶ ἱερεῖς, καὶ βασιλεύσομεν ἐπὶ τῆς γῆς du hast uns losgekauft zu Gott durch dein Blut . . . und hast uns zu Königen und Priestern gemacht für unseren Gott. Es wird dann argumentiert, dass, weil die Gemeinde bereits verherrlicht im Himmel gesehen wird, bevor sich die Ereignisse der Trübsal entfalten, sie deshalb vor diesem Punkt auferweckt/entrückt wurde.31

Probleme mit der Entrückung in Offenbarung 4,4 und 5,9-10. Das erste Problem bei dieser Herangehensweise ist, dass die Identifizierung der vierundzwanzig Ältesten mit der Gemeinde in Wirklichkeit gar nichts über die Entrückung selber aussagt. Wenn die Gruppe der vierundzwanzig Ältesten dazu bestimmt ist, die Gemeinde zu repräsentieren, dann ist nichts erwähnt, was die Art ihrer Ankunft dort beschreibt. Nochmals, die Entrückung und die Auferstehung selber fehlen.

Zweitens, der Deuter muss zuerst schlüssig beweisen, dass die Visionen aus Offenbarung 4 und 5 Beschreibungen der Zukunft sind und nicht die Situation im Himmel zur Zeit der Vision von Johannes darstellen.32 Wenn die Szene im Thronsaal, in der alle weiteren Visionen geschehen, dazu bestimmt ist, eine Beschreibung der gegenwärtigen himmlischen Situation darzustellen, dann ist die Identifikation der vierundzwanzig Ältesten mit der Gruppe der Entrückten entlarvt.

Drittens, obwohl das Singen der vierundzwanzig Ältesten in der ersten Person Plural in der Tat ein starkes Argument für die Identifikation mit der verklärten Menschheit ist, die textuellen Anhaltspunkte für diese Lesart sind unauffällig.33 Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die vierundzwanzig Ältesten das Lied in der ersten Person Plural singen. Das schließt die Möglichkeit nicht aus, dass sie über sich selbst (und die erlöste Menschheit) in der dritten Person singen.34 Es bedeutet, dass eine derartige Interpretation keine notwendige Schlussfolgerung ist.

Zusammengefasst, die Unfähigkeit, die vierundzwanzig Ältesten sicher mit der Gemeinde identifizieren zu können, das Fehlen eines jeglichen Entrückungs-/Auferstehungsereignisses und die Ungewissheit bzgl. der Chronologie der Vision des himmlischen Thronsaals, all das hinterlässt die Entrückung vor Offenbarung 4,4 und 5,9-10 als eine mögliche aber nicht verifizierbare Hypothese.

Offenbarung 4-18

Ein weiteres verbreitetes Argument für die Entrückung in Offenbarung ist für einige Prätribulationisten der Einwand, dass die Gemeinde auf der Erde nirgendwo erwähnt wird zwischen Offenbarung Kapitel 4 bis 18.35

Neben dem, dass es ein Argument aufgrund des Verschweigens ist, kann diese Position auch zu einem Zirkelschluss führen. Als Antwort auf die Behauptung, dass “Heilige” in der Offenbarung die Anwesenheit der Gemeinde auf der Erde erfordert (vgl. Offb 12,17, etc.), zeigt Renald Showers zum Beispiel die Möglichkeit einer Unterscheidung zwischen Heiligen der Trübsal und Heiligen der Gemeinde auf. Obwohl die Möglichkeit der Unterscheidung mit Sicherheit gegeben ist, wäre der einzige Beweis für diese Unterscheidung die Vorentrückung. Aber solange die Vorentrückung nicht zuerst bewiesen ist, hat der Ausleger keine Wahl, als die gläubigen Heiligen der kommenden Trübsal als Mitglieder der Gemeinde zu klassifizieren. Ohne zuerst die Vorentrückung zu beweisen, können Prätribulationisten nicht seriös die Abwesenheit der Gemeinde in Offenbarung 4-18 als Entrückung unterstellen. Diese Schlussfolgerung scheint ein Zirkelschluss zu sein, da sie voraussetzt, was sie zu beweisen versucht.36

Ein weiteres Problem mit dieser Beweisführung ist, dass sie eine strikte chronologische Struktur des Buches der Offenbarung voraussetzt, eine Annahme, die zum einen weder allgemein vertreten wird, noch durch diese Aussage belegt wird. Damit die Abwesenheit der Gemeinde in Offenbarung 4-18 als relevant betrachtet werden kann, muss zuerst bewiesen werden, dass diese Kapitel Ereignisse beschreiben, die sich ausschließlich auf die siebzigste Jahrwoche Daniels beziehen.37

Deshalb bleibt in dem Argument, das auf der Abwesenheit des Wortes “Gemeinde” in Offenbarung 4-18 basiert, das Ereignis der Entrückung/Auferstehung der Gemeinde unerwähnt.

Offenbarung 7,9-17

Einige Studenten der Heiligen Schrift haben die Anwesenheit der großen Menge aus “jeder Nation, Stamm, Volk, und Sprache, stehend vor dem Thron und vor dem Lamm” in Offenbarung 7,9-17 als bezeichnend für die entrückten/auferweckten und verherrlichten Heiligen gesehen.

Argumente für die Entrückung in Offenbarung 7,9-17. Ein Vertreter dieser Sichtweise, Robert Van Kampen, behauptet kühn, dass es “ein unwiderlegbarer Beweis ist, dass diese Menge die entrückte Gemeinde sein muss, keine Märtyrer, die während der großen Trübsal durch den Antichristen starben.”38 Obwohl Van Kampen’s Werk auf einem leicht verständlichen Niveau verfasst ist, rechtfertigt die Behauptung von “unwiderlegbarer Beweis” einige Vorsicht, besonders weil Bücher mit einem populären Anreiz dazu tendieren, größeren Einfluss auf die Theologie der Gemeinde als Ganzes zu nehmen.39

Van Kampen schreibt, “Wie bereits an verschiedenen anderen Stellen in diesem Buch bemerkt wurde, sind die gemarterten Heiligen des fünften Siegels als Seelen unter dem Altar im Himmel dargestellt, welche noch nicht ihre Auferstehungsleiber erhalten haben (Offb 6,9). Wie in Offenbarung 20 erklärt wird, bekommen diese gemarterten Heiligen ihre Auferstehungsleiber nicht vor dem Beginn des Millenniums.”40

Er fährt fort, den Unterschied zwischen den Seelen der Heiligen in Offenbarung 6,9 und der großen Menge aus Offenbarung 7,9ff darzustellen:

Auf der anderen Seite stehen die Heiligen, die in Offenbarung 7,9 beschrieben werden, vor dem Thron, sind in weiße Gewänder gekleidet und halten Palmzweige in ihren Händen - was schlüssig darauf hinweist, dass sie bereits ihre Auferstehungsleiber besitzen. Diese große Menge können daher nur die auferweckten Heiligen sein, die entrückt wurden aus der großen Trübsal des Antichristen - und es muss exakt dieselbe himmlische Gruppe (die ebenfalls Leiber hat) sein, auf die sich Offenbarung 15,2 bezieht als “An seinem Ufer sah ich die stehen, die dem Tier standgehalten hatten . . . Sie hatten von Gott Harfen bekommen (Hervorhebung hinzugefügt).41

Probleme mit der Entrückung in Offenbarung 7,9-17. Van Kampen’s “schlüssiger” Beweis, dass die große Menge die entrückte Kirche darstellt, versagt an mehreren Fronten. Zuerst, es wird angenommen, dass nicht-auferweckte Seelen nicht dargestellt werden können als “stehen”, “gekleidet”, “halten”. Es ist nicht klar, woher diese Überzeugung herrührt, aber es gibt keine biblische Unterstützung für die Annahme, dass körperlose Seelen nichts tun können als formlos umher zu flattern.

Zweitens, den “Seelen” aus Offenbarung 6,9 werden weiße Gewänder gegeben. Van Kampen weist darauf hin, dass in weiße Gewänder gekleidet zu sein, beweist, dass die große Menge aus Offenbarung 5,9 auferweckt ist. Gilt nicht dasselbe für Offenbarung 6,9? Oder wurden die weißen Gewänder den Seelen gegeben und sie konnten sie aber nicht anziehen, weil sie noch keine Auferstehungsleiber hatten? Die Argumente erweisen sich als selbstzerstörend.

Drittens, obwohl Engel unkörperliche Wesen sind (sie sind Geister), sind sie in der Lage mit der physikalischen und materiellen Welt zu interagieren. Auf welcher Basis wird das unkörperlichen menschlichen Seelen verweigert, besonders, wenn sie auf das Himmelreich eingeschränkt werden? 42

Viertens, die genaue Natur der Vision wird nicht hinterfragt. Es wird einfach angenommen, dass alles in der Vision wörtlich zu nehmen ist, dass Johannes aus erster Hand Zukunftsereignisse sieht, wie sie tatsächlich passieren. Nichtsdestotrotz ist es möglich, und sehr wohl im Rahmen einer wörtlichen Herangehensweise an das apokalyptische Genre, die Vision als Symbol für ein zukünftiges Ereignis zu sehen. Das bedeutet, es kann durchaus ein allgemeines Bild sein, das die Botschaft vermittelt, dass diejenigen, welche Martyrium in der Trübsal erleiden, im Himmel versammelt und entlohnt werden und ihren Sieg feiern.

Nachdem Van Kampen’s “schlüssiger” Beweis alles andere als schlüssig ist, tauchen eine Anzahl weiterer Probleme mit der Identifizierung der großen Menge mit den auferweckten Heiligen auf.

Zuerst, wenn die große Menge die entrückte Gemeinde ist, wo sind die 144.000 aus Offenbarung 7,1-8 und warum wurden sie nicht entrückt? Das ist besonders verblüffend, wenn man sich die Beschreibung von ihnen in Offenbarung 14,4-5 anschaut: “Sie hatten sich dem Lamm gegenüber durch keinerlei Untreue schuldig gemacht, sondern sich wie eine Braut unberührt und rein gehalten, und sie folgen dem Lamm, wohin es auch geht. Als Erstlingsgabe waren sie für Gott und das Lamm freigekauft worden. Sie sind ohne Tadel. Keine Falschheit kann ihnen vorgeworfen werden.” Sicher würde eine derartig herausragende Menge in die Entrückung einbezogen werden, wenn diese irgendwo in Offenbarung 7 stattfinden würde!

Zweitens, die Menge, die in Offenbarung 7,9-17 beschrieben wird, scheint in Wirklichkeit die gemarterten Heiligen darzustellen, welche Verfolgung unter dem Tier erleiden und die letztlich siegreich im Himmel gezeigt werden.43 Deshalb versteht dieser Schreiber die Szene als voraus greifend, nicht in chronologischer Reihenfolge; sie zeigt die Trübsal als ein Ganzes und den Sieg der Märtyrer.

Offenbarung 11,11-19

Die oberflächlichen Parallelen zwischen 1.Thess 4,17 und Offenbarung 11,11-12 werden oft herangezogen um die Entrückung an dieser Stelle in der Apokalypse aufzuzeigen. Manchmal wird noch der Schall der siebten Posaune in 11,15 als Parallele zu 1.Kor 15,52 hinzugefügt und der Lobgesang und die vierundzwanzig Ältesten werden ferner in diesem Licht interpretiert.

Argumente für die zwei Zeugen als die Entrückung.

James Buswell, ein Befürworter dieser Sicht argumentiert wie folgt::

Es ist meine Ansicht, dass wir in der Auferweckung und Entrückung der zwei Zeugen (Offenbarung 11,11 ff.) eine exakte Synchronisation von Ereignissen vorliegen haben. Die zwei Zeugen werden in demselben Moment in den Himmel aufgenommen “in der Wolke”, in dem die Auserwählten von Gott aufgenommen werden in den Wolken, um mit dem Herrn in der Luft zusammen zu treffen (1.Korinther 15,52; 1.Thessalonicher 4,13-18).44

Natürlich steht Buswell nicht allein mit seiner Identifizierung der Entrückung in Offenbarung 11,11-19. Andere behaupten, dass die zwei Zeugen nicht wirklich Individuen sind, sondern Repräsentanten der Gemeinde als Ganzes, entweder symbolisch oder als zwei individuelle Mitglieder dieser Gemeinde.45

Die sprachlichen Parallelen scheinen in der Tat die Auferstehung und die Entrückung in den Himmel anzudeuten. Die folgende Tabelle illustriert diese Parallelen zwischen Offenbarung 11,11-12 und der Schlüsselstelle der Entrückung, 1.Thessalonicher 4,16-17.

Offenbarung 11,11-12

1.Thessalonicher 4,16-17

Und nach den drei Tagen und einem halben kam der Geist des Lebens aus Gott in sie, und sie standen auf ihren Füßen; und große Furcht fiel auf die, welche sie schauten. (11,11)

Denn der Herr selbst wird . . . mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christo werden zuerst auferstehen (4,16)

Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel… (11,12a)

. . . wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel … (4,16)

… zu ihnen sagen: Steigt hier herauf! Und sie stiegen in den Himmel hinauf in der Wolke, und es schauten sie ihre Feinde . (11,12b)

danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und also werden wir allezeit bei dem Herrn sein. (4,17)

Probleme mit den Zwei Zeugen als die Entrückung. Diejenigen, die wie Mounce folgern, dass die zwei Zeugen keine Individuen sind sondern ein Symbol der bekennenden Gemeinde in den letzten stürmischen Tagen vor dem Ende des Zeitalters46, haben anscheinend eine Übermacht an Beweisen gegen sich. Zunächst, wenn die zwei Zeugen ein Symbol für die bekennende Gemeinde sind, würde ihr Tod durch die Hand des Tieres (Offb 11,7) nach den 1260 Tagen ihres Zeugnisses nahelegen, dass die gesamte Gemeinde durch das Tier vernichtet wurde. Zweitens, wenn die zwei Zeugen selber Symbole darstellen, scheint es ziemlich seltsam, die Symbole in symbolischer Sprache mit der Analogie zwei Ölbäume und die zwei Leuchter zu beschreiben (Offb 11,4). Die Symbolik der Ölbäume und Leuchter ist Sacharja 4 entliehen, wo die Vorbilder zwei wirkliche Individuen sind, Serubbabel und Josua.47 Drittens, die Aktivitäten und Erfahrungen der zwei Zeugen machen es schwierig die symbolische Interpretation aufrecht zu erhalten. Es heißt von ihnen, dass sie alle Arten von Plagen herbeirufen können (Offb 11,6), eine Fähigkeit, die schon immer besonders gesalbten Propheten vorbehalten war, niemals der ganzen Gemeinde im Allgemeinen. Nachdem sie getötet sind, heißt es, dass ihre Leichen auf den Straßen Jerusalems liegen (11,8), ein ziemlich lächerliches Ereignis, sollten die zwei Zeugen die gesamte bekennende Gemeinde darstellen; warum würde das Symbol in dieser Sache die Leichen auf Jerusalem oder irgendeine andere einzelne Stadt beschränken? Viertens, der gesamte Grundtenor des Abschnitts von 11,3-13 ist der einer geradlinigen Beschreibung von zukünftigen Ereignissen. Obwohl bestimmte Bilder und Symbole klar vorhanden sind (11,4;5;7-8), wird die Bedeutung dieser Symbole aus dem Kontext ersichtlich.48 Deshalb scheint die Beweislast auf der Seite derer zu liegen, welche die zwei Zeugen als Symbole interpretieren, denn sie müssen auf die symbolische Bedeutung der verschiedenen Details eingehen, die auf eine direkte Beschreibung der Erfahrung der zwei endzeitlichen Individuen hindeuten.

Nichtsdestotrotz, das größte Problem bei der Identifikation der Elemente aus Offenbarung 11,11-12 mit 1.Thessalonicher 4,16-17 ist, dass die beiden sich nur scheinbar decken. Eine genauere Untersuchung zeigt die Schwierigkeit, die Reihenfolge der Ereignisse in Übereinstimmung zu bringen. In Offenbarung 11,11-12, ist die Reihenfolge folgende: 1) Auferweckung; 2) laute Stimme; 3) Himmelfahrt. In 1.Thessalonicher 4,16-17, ist die Reihenfolge: 1) Ruf, Stimme, Posaune, Herabkommen; 2) Auferweckung; 3) Wegreißen. Das ist besonders problematisch, wenn man den Befehl der lauten Stimme in Offenbarung 11 betrachtet, der direkt an die zwei Zeugen gerichtet ist (λεγούσης αὐτοῖς) und sie auffordert, hinauf in den Himmel zu kommen (ἀνάβατε ὧδε). Im starken Gegensatz dazu kündigt der Ruf, die Stimme und die Posaune von 1.Thessalonicher 4,16-17 (ebenso wie die Posaune in 1.Korinther 15,51-52) das Herabkommen des Herrn an und die Auferweckung der toten Heiligen und die Verwandlung der lebenden Heiligen. Das Emporheben der verherrlichten Leiber erfolgt hinterher. Deshalb, in Offenbarung 11,12, ruft die Stimme die Zeugen in den Himmel; sie kündigt nicht ihre Auferweckung an.

Es ist ebenso interessant, wenn nicht gar relevant, festzuhalten, dass die zwei Zeugen aufgefordert werden “Kommt hier herauf!” (ἀνάβατε ὧδε); sie befolgen sofort die Aufforderung (ἀνέβησαν). Das Verb ἀνέβησαν, das im Aktiv steht, zeigt an, dass sie selber teilnehmen an der Aktion, sie werden nicht weggenommen oder weggerissen, so wie es das Verb ἁρπάζω nahelegt in seiner passiven Form in 1.Thessalonicher 4,17. Während die Zeugen aktiv involviert sind in einem allmählichen Aufstieg, wird die Gemeinde dargestellt als passive Teilnehmer einer plötzlichen Wegnahme.

Diese Probleme sind natürlich nicht unüberwindbar. Man könnte damit argumentieren, dass die Erzählung in der Offenbarung sich nur auf die einzigartige Erfahrung der zwei Zeugen konzentriert und Details zur Auferstehung/Entrückung auslässt.49 Das aber ist praktisch dasselbe, wie zu sagen, dass die Entrückung nicht wirklich in dem Abschnitt der “zwei Zeugen” vorkommt.

Argumente für die siebte Posaune als die Entrückung. Es wird oft behauptet, dass das Blasen der siebten Posaune in Offenbarung 11,15 die Entrückung der Gemeinde einleitet. Weil dieses die “letzte Posaune” in der Reihe von sieben im Buch der Offenbarung ist, wird sie oft gleichgesetzt mit der “letzten Posaune”, welche die Auferweckung/Entrückung der Heiligen ankündigt, die in 1.Korinther 15,52 beschrieben ist. Caird schreibt, “Wir wissen aus dem Neuen Testament, dass die letzte Posaune im christlichen Sprachgebrauch das klassische Signal für die Erscheinung von Christus geworden ist (Matt. xxiv. 31; 1 Kor. xv. 52; 1 Thess. iv. 16), und das ist fraglos die Bedeutung von Johannes siebter Posaune.”50

Probleme mit der siebten Posaune als die Entrückung. Zuerst, man kann nicht automatisch davon ausgehen, dass das Erschallen der Posaune von Offenbarung 11,15 tatsächlich ein Zukunftsereignis darstellt, im Gegensatz zu einem symbolischen Erklingen in der Vision von Johannes, wo es lediglich die Visionen der zukünftigen Ereignisse ankündigt. Das heißt, sind die Posaunen in Offenbarung nur Zeichen von Dingen die kommen oder sind sie die Dinge selber die kommen sollen? Schilling vertritt diejenigen, die vorschlagen, dass die siebte Posaune tatsächlich in der Zukunft erklingen wird. Er schreibt:

Dass die siebte Posaune der Offenbarung eine wörtliche Posaune ist, die in der Zukunft erklingen wird, wird angedeutet durch die Tatsache, dass das Geheimnis Gottes in den Tagen der siebten Posaune vollendet werden wird, wie Gott seinen Dienern den Propheten versprochen hat (Offb 10,7). Weil das Geheimnis Gottes nicht vollendet wurde bei der Enthüllung der Ereignisse der siebten Posaune in Offenbarung, deutet das darauf hin, dass die siebte Posaune tatsächlich erklingen wird in der Zukunft.51

Wie auch immer, diese Interpretation erfordert, dass der Genitiv der Phrase ἐν ταῖς ἡμέραις τῆς φωνῆς τοῦ ἑβδόμου ἀγγέλου in den Tagen des Schalls des siebten Engels verstanden wird als in den Tagen, während derer die siebte Posaune erklingt. Das ist aber nicht die einzige Möglichkeit, wie der Genitiv verwendet werden kann. Es könnte genauso gut bedeuten die Tage, die charakterisiert sind durch [oder assoziiert werden mit] den Schall von dem siebten Engel. Das erfordert kein tatsächliches Blasen der Posaune in der Zukunft wenn die Ereignisse stattfinden. Es könnte bedeuten dass das posaunen von dem siebten Engel auf die Tage der Zukunft hinweist, wenn das Geheimnis Gottes vollendet ist. Hätte Johannes deutlicher machen wollen, dass die Ereignisse während des Blasens der Posaune stattfinden, hätte er ἐν mit Dativ ohne ἐν ταῖς ἡμέραις verwendet, so wie es Paulus in 1.Korinther 15,52 getan hat. Aus diesem Grund wird Schillings Interpretation, dass die sieben Posaunen während der Trübsal ertönen müssen, von der Grammatik in Offenbarung 10,7 nicht gefordert..52

Zweitens, selbst wenn wir annehmen, dass das Blasen der siebten Posaune ein wörtliches zukünftiges Ereignis darstellt und nicht ausschließlich auf Johannes’ Vision beschränkt ist, bedeutet es nicht, dass die “letzte Posaune” von 1.Korinther 15,52 dieselbe ist wie die siebte Posaune von Offenbarung 11,15. Der Syllogismus, den einige aufbauen, ist folgender:

Annahme 1: Die Entrückung = Letzte Posaune (1.Kor 15,52)

Annahme 2: Letzte Posaune = siebte Posaune (Offb 11,15)

Schluss: Die Entrückung = siebte Posaune.

Allerdings ist dieser Syllogismus ein klassischer Fall für Mehrdeutigkeit, solange man nicht zuerst Annahme 2 schlüssig beweist. Was diese Annahme angeht, sagt uns 1.Korinther 15,52 nichts über die Reihe, von der diese besondere Posaune die letzte ist. Paulus sagt nicht “Die letzte Posaune, die jemals in der Geschichte des Universums geblasen wird”. Und er sagt auch nicht, dass es die finale Posaune in einer bestimmten eschatologischen Sequenz oder Vision ist. Er nimmt es einfach als gegeben an, dass seine Leser etwas verstehen, was für uns unverständlich ist. Es wird nicht aufgezeigt, dass der Ausdruck “letzte Posaune” gleichzusetzen ist mit der “siebten Posaune” in Offenbarung 11,15.

Es sprechen also tatsächlich mehrere Erwägungen gegen das Gleichsetzen der “letzten Posaune” von 1.Korinther 15,52 mit der “siebten Posaune” von Offenbarung 11,15. Zuerst muss erwähnt werden, dass nur in 1.Korinther 15,52 die endzeitliche Posaune als “letzte” Posaune bezeichnet wird (ἐν τῇ ἐσχάτῃ σάλπιγγι). An den anderen beiden Stellen im Neuen Testament, wo eine Posaune mit der Wiederkunft Christi oder der Auferstehung der Toten in Verbindung gebracht wird, wird sie σάλπιγγος μεγάλης genannt “Ein lauter Posaunenstoß” (Matth 24,31) und σάλπιγγι θεοῦ “Posaune Gottes” (1.Thess 4,16). Die erste Erwähnung basiert wahrscheinlich auf der Septuaginta von Jesaja 27,12-13 wo der laute Posaunenstoß die Sammlung der verstreuten Söhne Israels einleitet.53 Wenn wir richtig liegen in der Verbindung der Ereignisse von 1.Korinther 15,52 und 1.Thessalonicher 4,16-17, dann ist das Blasen der Posaune, das von Paulus beschrieben wird in beiden Kontexten wahrscheinlich eine Anspielung auf dasselbe endzeitliche Ereignis. Deshalb ist die “letzte Posaune” von 1.Korinther 15,52 die “Posaune Gottes”. Können wir dann die Posaune von Paulus mit der siebten Posaune der Offenbarung gleichsetzen?

Wenn sich die letzte Posaune von 1.Korinther 15,52 und die siebte Posaune von Offenbarung 11,15 auf dieselbe Posaune beziehen, dann würde Paulus’ Phrase ἐσχάτῃ σάλπιγγι bedeuten “die letzte einer Reihe”. Aber welche Reihe meint er? Diejenigen, die beide Posaunen gleichsetzen, würden sagen ἔσχατος was sich auf die “siebte” in der Reihe bezieht. Aber selbst wenn wir die neronische Datierung der Offenbarung akzeptieren (c. A.D. 68),54 dann ist der erste Korintherbrief, der circa 55 A.D. 55 geschrieben wurde, immer noch dreizehn Jahre zu früh dran, um auf der Symbolik der Offenbarung aufzubauen. Die zweite Alternative ist, dass der Autor der Offenbarung sich auf die Bücher von Paulus bezieht, speziell 1.Korinther, und die Apokalypse so erstellt hat, dass die siebte Posaune mit der mysteriösen “letzten Posaune” von Paulus korrespondiert. Jedoch ist das sehr zweifelhaft, weil wenn der Autor der Offenbarung sich auf Paulus’ alleinige Erwähnung der Posaune als die “letzte” bezogen hätte, scheint es wahrscheinlicher, dass er die siebte Posaune mit dessen Fachbezeichnung versehen hätte um die Anspielung offensichtlicher zu machen. Ferner, weil die “letzte Posaune” bei Paulus spezifisch und exklusiv mit der Auferstehung (nicht dem zweiten Kommen Christi) verbunden ist und weil Offenbarung 11,15 komplettes Stillschweigen über die Auferstehung wahrt, wird die Theorie dieser Verbindung weiter geschwächt. Die letzte Alternative ist, dass der Heilige Geist Paulus durch göttliche Inspiration “letzte” schreiben ließ ohne einen realen Bezug in dessen eigenem Kopf, in Wirklichkeit aber war Gottes Bezug die siebte Posaune von Offenbarung 11,15, die für mindestens weitere dreizehn Jahre noch nicht geschrieben war. Deswegen würde der Ausdruck “letzte” für Paulus und seine Erstleser in Korinth bedeutungslos gewesen sein. Das ist vermutlich die unwahrscheinlichste Hypothese, da ein solches ekstatisches Schreiben von verschlüsselter Heiliger Schrift einfach nicht erwartet wird beim Briefeschreiben.

Im Licht der obigen Erwägungen erscheint es etwas künstlich und erzwungen, die “letzte Posaune” von 1.Korinther 15,52, welche die Auferstehung ankündigt, und die siebte Posaune von Offenbarung 11,15 gleichzusetzen. Während es eine zufriedenstellende Erklärung für Paulus’ Gebrauch von ἔσχατος gibt, muss diese für 1.Korinther 15,52 noch gefunden werden, die Anmerkung dass es “die letzte in einer Reihe von sieben” bedeutet, scheint diesem Schreiber die am wenigsten wahrscheinliche Option zu sein.

Argumente dafür, dass der große Lobgesang die Entrückung bekanntgibt. Nachdem die Probleme, die mit dem Gleichsetzen der “letzten Posaune” aus 1.Korinther 15,52 und dem Blasen der sieben Engel aus Offenbarung 11,15 im vorigen Abschnitt diskutiert wurden, bleibt nur noch die Annahme übrig, dass der große Lobgesang des Himmels und der vierundzwanzig Ältesten in Offenbarung 11,15-18 die Entrückung der Gemeinde belegt.

Ein Vertreter dieser Ansicht, James Oliver Buswell, präsentiert ein Fünf-Punkte-Argument für die Entrückung der Gemeinde in Offenbarung 11,15-18. Sein Argument hängt nicht von der Identifikation von Paulus’ “letzter Posaune” und der siebten Posaune der Offenbarung ab. Deswegen wird es hier gebracht in praktisch seinen eigenen Worten:56

  1. Die siebte Posaune kündigt die Zeit der Belohnung der gerechten Toten an (Offenbarung 11,18).
  2. Die Zeit der Belohnung für die gerechten Toten ist zum Zeitpunkt der “Auferstehung der gerechten Toten.”
    Siehe Lukas 14,14. In diesem Abschnitt erklärt Christus, “Er wird dich belohnen bei der Auferstehung der Gerechten.”
  3. Die Auferstehung der Gerechten findet im selben Moment statt, “in einem Augenblick” zu dem die Heiligen, die leben wenn Christus wiederkommt, verwandelt und unsterblich gemacht werden (1. Korinther 15,52).
  4. Von diesem gleichen Moment wird vorhergesagt, dass er “bei der letzten Posaune” stattfindet (1.Korinther 15,52).
  5. Der Moment der Auferstehung der Gerechten, der Belohnung für die gerechten Toten, der Verwandlung in die Unsterblichkeit der lebenden Heiligen, der letzten Posaune ist der Moment der Entrückung der Heiligen, die aufgenommen werden, um den Herrn in der Luft zu treffen (1.Thessalonicher 4,13-18).

Buswell folgert deshalb: “Es scheint mir deshalb, dass die Übereinstimmung der Angaben, die sich um die siebte Posaune als die Posaune der Entrückung anhäufen, so vollständig, so präzise und so unmissverständlich sind, dass mehr Aufmerksamkeit dem Studium der siebten Posaune und ihrem Bezug zu andere Schriftstellen gewidmet werden sollte, als es jemals in der Geschichte der Gemeinde bisher gemacht wurde.”57

Probleme mit dem großen Lobgesang als Bekanntgabe der Entrückung. Buswell’s Fünf-Punkte-Argument wird unten Punkt für Punkt durchgegangen.

Buswell’s erste Voraussetzung behauptet, dass Offenbarung 11,18 die Zeit der Belohnung für die gerechten Toten ankündigt. Wie in diesem Artikel hervorgehoben wurde, ist es zweifelhaft, ob Johannes Ereignisse der Zukunft sieht, also ob das Blasen des siebten Engels ein Ereignis ist, das in der Zukunft stattfinden wird und die Zeit der Belohnung der Gerechten ankündigt, oder ob das Blasen ein Ereignis in Johannes’ Vision ist, das zukünftige Ereignisse symbolisiert. Wenn man entscheidet, dass Johannes in der Tat die Zukunft sich entfalten sieht und das Blasen der siebten Posaune wörtlich erfolgen wird, dann müssen wir entscheiden, was gemeint ist mit καὶ δοῦναι τὸν μισθὸν τοῖς δούλοις σου τοῖς προφήταις “und Belohnungen zu geben deinen Dienern und Propheten”. Es ist wahrscheinlich, dass der Ton der siebten Posaune sich in Wirklichkeit nicht auf die Belohnungen bezieht, welche die auferweckten Heiligen für ihre guten Taten empfangen. (vgl. 2.Kor 5,10), sondern dass er den göttlichen Zorn ankündigt über das Tier als Vergeltung für die Heiligen und Märtyrer, welche ihr Leben gegeben haben in der Trübsal. Es ist dann eine Antwort auf das fünfte Siegel von Offenbarung 6,9-11.58

Was Buswell’s zweite Annahme angeht, dass Lukas 14,14 die Belohnung der Gerechten bei der Auferstehung andeutet, diese Sicht berücksichtigt nicht, dass die Aussage von Jesus in Lukas 14,14 einfach nur eine Zusammenfassung von Belohnungen darstellt, die in dem Leben nach dem irdischen Leben kommen. Die Betonung liegt nicht auf dem Zeitpunkt der Belohnung, sondern auf Zeitlichkeit versus Ewigkeit.

Buswell’s dritte Annahme scheint stichhaltig zu sein, mit Ausnahme dessen, dass es möglich ist, dass die Auferstehung der Gerechten in mehreren Stufen anstatt von alle auf einmal erfolgt.

Die vierte Annahme, welche das Gleichsetzen der letzten Posaune mit der siebten Posaune betrifft, wurde erschöpfend diskutiert in dem vorherigem Abschnitt.

Buswell’s Folgerung scheint also nicht auf soliden oder unanfechtbaren Annahmen zu stehen. Es hat den Anschein, dass andere Schriftstellen, welche eine komplexere Herangehensweise an das Thema erfordern als eine simple Identifikation von ähnlichen Elementen, vernachlässigt werden.

Zusammenfassung bezüglich des großen Lobgesangs als Bekanntgabe der Entrückung. Es wurde oben gezeigt, dass es wirklich keinen guten Grund gibt in dem Lobpreis von Offenbarung 11,15-18 die Entrückung zu sehen, solange man nicht die “letzte Posaune” von Paulus mit der siebten Posaune von Offenbarung 11,15 zusammenbringt oder nachweist, dass die Belohnung der Diener, der Propheten in Offenbarung 11,18 eine Belohnung nach der Auferstehung ist. Ich habe versucht, aufzuzeigen, dass beide Annahmen unseriös sind.

Offenbarung 14,14-20

Eine weitere Stelle, an der die Entrückung/Auferweckung in Offenbarung platziert wird, ist die Zeit der Ernte in Offenbarung 14,14-20. Die Fragestellung reduziert sich somit auf die verwendete Symbolik. Zeigt sie Gericht, Erlösung oder beides? Wenn die Symbolik das Sammeln der Auserwählten aus den Nationen zeigt, ist das Sammeln der Auserwählten mit der Entrückung gleichzusetzen oder mit irgendeinem anderen Ereignis?

Argumente für die Entrückung in Offenbarung 14,14-20. David V. Schilling argumentiert in seiner Arbeit zum Master of Theology “Die Entrückung gemäß dem Buch der Offenbarung” damit, dass die erste Ernte von Offenbarung 14,14-20 die Entrückung der Gemeinde unmittelbar vor dem finalen Ausgießen von Gottes Zorn am Ende der Trübsal darstellt. Seine Argumente zusammenfassend schreibt er:

In Zusammenfassung der vorangegangenen Diskussion können mehrere Dinge gesagt werden. (1) In der Ernte von Offb 14,14-16 sitzt Jesus auf einer Wolke und Er scheint dort sitzen zu bleiben bis die Erde abgeerntet ist, weil der Sitzende . . . “schwang” . . . “seine Sichel über der Erde und die Erde wurde abgeerntet”. Das ist konsistent mit der Erwartung der Gemeinde, dem Herrn in den Wolken zu begegnen wenn er für die Entrückung der Gemeinde kommt (1.Thess 4,17). (2) Die laute Stimme des Engels vor der Ernte (Offb 14,15) mag die Erwartung der Stimme des Erzengels erfüllen, welche der Entrückung vorangeht (1.Thess 4,16). ). (3) Wenn es stimmt, dass die Ernte in dem Zeitraum stattfindet, der durch die siebte Posaune am Ende der Trübsal eingeleitet wird, dann könnte das die Erfüllung der Erwartung der Gemeinde sein, bei der letzten Posaune entrückt zu werden (1.Thess 4,16; 1.Kor 15,52). (4) Während die Stellen über die Entrückung keine Engel im Zusammenhang mit dem Entrückungsereignis erwähnen, werden Engel gebraucht in der Sammlung der Kinder des Königreichs (Matth 13,30) und bei der Sammlung der Auserwählten (Matth 24,31). Das könnte erklären, warum Christen aufgehoben werden um den Herrn in der Luft zu treffen (1.Thess 4,17).59

Deshalb sind die Zusammenhänge zwischen den Wolken, der lauten Stimme, der siebten Posaune und dem Sammeln der Auserwählten, die in Matth 13,30 und 24,31 erwähnt werden, als starke Hinweise auf eine begriffliche Verbindung zu verstehen.

Ein weiteres Argument ist das Bild des “erntens”. Für viele Gelehrte scheint es, als ob es zwei verschiedene, obschon miteinander verknüpfte Ernten in Offenbarung 14,14-20 gibt. Die erste ist die Ernte des Getreides, die zweite die Ernte der Trauben. Die erste wird oft betrachtet als Ernte der Gerechten. Caird’s lexikalische Argumente sind typisch für diese Sichtweise:

Das Hauptwort therismos (Ernte) und das Verb therizo, obwohl sie perfekt ebenso verwendet werden könnten für das Niedermähen der Feinde, werden niemals so in der Septuaginta gebraucht, selbst nicht in Abschnitten, wo Gericht mit Ernte verglichen wird; und im Neuen Testament werden sie verwendet für das Einsammeln der Menschen in das Königreich Gottes. (Matth 9,37f.; Mk 4,29; Luk 10,2; Joh 4,35-38).60              

Obwohl Caird die beiden Ernten miteinander in Verbindung bringt und beide den Gerechten zuordnet ,61 ordnen andere Kommentatoren die Ernte des Menschensohnes in Offenbarung 14,14-16 den Gerechten zu (die Entrückung); die zweite Ernte in Offenbarung 14,17-20 ist die Ernte der Bösen zum Gericht.62 Für einige ist die erste Ernte die der Gerechten, aber nicht notwendigerweise der in Himmel Entrückten, während die zweite ein Hinweis auf das Gericht ist.63

Probleme mit der Entrückung in Offenbarung 14,14-20. Zunächst zeigen viele Kommentatoren auf, dass die Bilder im gesamten Abschnitt von Offenbarung 14,14-20 Bilder des Gerichts und nicht von der Erlösung der Gerechten sind.64 Abschnitte wie Jeremia 51,33 und Joel 3,11-16 werden zitiert als Quellen für diese Bilder.65 Seiss schreibt bezüglich Joel 3,11-16: “Hier finden wir beides, eine Ernte und eine Weinlese; jeweils Teil des anderen und beide sind ausschließlich der Vernichtung der Bösen zugeordnet. Diese Ernte und diese Weinlese sind fraglos dieselben, wie im Text beschrieben [von Offenbarung 14].”66 Die Argumente dafür, dass sich beide auf Gericht beziehen, werden unten weiter ausgeführt.

Zweitens, contra Caird, θερίζω “ernten” taucht nur zwölf mal in der LXX auf, und niemals in apokalyptischer Literatur. Sechs von ihnen sind substantivische Partizipien, die auf diejenigen hinweisen, welche die Arbeit des Erntens tun.67 Eine Phrase ist καὶ ἦν ὁ τρυγητὸς ἕτοιμος τοῦ θερίζειν “und die Zeit des Sammelns kam, um zu ernten” (1.Samuel 13,21, LXX). Deswegen, obwohl Caird Recht hat damit, dass das Verb nicht verwendet wird beim Gericht über Feinde, wird es ebenso wenig verwendet beim Sammeln der Auserwählten. Das Substantiv, θερισμός, taucht nur vierzehn mal auf, es wird ebenfalls nie in apokalyptischen Texten verwendet, weder für Gericht noch für das Sammeln der Auserwählten. Im Neuen Testament wird das Verb θερίζω einundzwanzig Mal verwendet. Nur drei dieser Vorkommen stehen im apokalyptischen Kontext: alle in Offenbarung 14,15-16. Das Substantiv wird dreizehn Mal verwendet. Drei von diesen Vorkommen in Matthäus 13,30 und 13,39 und eines in Markus 4,29 beziehen sich anscheinend auf das Ende der Zeitalter. Der gesamte Rest bezieht sich entweder auf eine buchstäbliche Ernte (Johannes 4,35a) oder auf die “Ernte” der Evangelisation, mit der Ungläubige ins Königreich in diesem aktuellen Zeitalter gebracht werden (Lukas 10,2; Johannes 4,35b; etc.). Deshalb, wenn Offenbarung 14,14-15 sich auf eine Ernte des Neuen Testaments bezieht, sind die Parallelen entweder in Markus 4,29 oder Matthäus 13,30 oder 13,39 zu finden.

In Markus 4,26-29 wird nichts gesagt über entweder Gericht oder ein Sammeln zum Segen. Bei dem gegebenen nicht-endzeitlichen Kontext aller anderen Parabeln in Markus 4 (die vier Böden in Markus 4,3-20, die Lampe in 4,21-25, und das Senfkorn in 4,30-32) ist es ziemlich wahrscheinlich, dass diese Parabel keinen eschatologischen Fokus hat, sondern sich stattdessen auf das Aussäen von Gottes Wort im gegenwärtigen Zeitalter konzentriert. Deswegen würde “Ernte” sich auf Evangelisation beziehen, eine Analogie, die vollständig konsistent ist mit dem neutestamentlichen Sprachgebrauch und Symbolik der Ernte (Matthäus 9,37.38; Lukas 10,2; Johannes 4,35.38).

Ein wahrscheinlicherer Kandidat für den Bezug von Offenbarung 14,15-16 ist ist Matthäus 13,24-30 mit der Erklärung in Matthäus 13,36-43. Der Kontext ist das gemeinsame Aufwachsen von Weizen und Unkraut, die Söhne des Königreichs und die Söhne des Bösen (13,38). In dem Gleichnis sagt der Säende zu seiner Knechten “Lasst beides wachsen bis zur Ernte (θερισμός). Wenn es dann so weit ist, werde ich den Erntearbeitern sagen: Reißt zuerst das Unkraut aus und bindet es zum Verbrennen in Bündel. Und dann bringt den Weizen in meine Scheune.” (NEÜ). Die Reihenfolge bei der Ernte ist zuerst das Sammeln des Unkrauts zum Verbrennen (Gericht), dann das Sammeln des Weizens in die Scheune (das Königreich?).

Jesus erklärt bei der Auslegung des Gleichnisses, dass der Säende der Menschensohn ist (13,37), das Feld ist die Welt (κόσμος), die gute Saat sind die Söhne des Königreichs und das Unkraut sind die Söhne des Bösen (13,38). Der Feind, der das Unkraut sät ist der Teufel und die Ernte beschreibt Jesus als “das Ende des Zeitalters” während “Engel” die Erntearbeiter sind (13:39). Nachdem Jesus die Symbole erklärt hat, bringt er eine geradlinige Beschreibung des Endes des Zeitalters. Er sagt:

Der Menschensohn wird seine Engel ausschicken, und sie werden aus seinem Reich alle entfernen, die ein gesetzloses Leben geführt und andere zur Sünde verleitet haben, und werden sie in den glühenden Ofen werfen. Dann wird das große Weinen und Zähneknirschen anfangen. Und dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters leuchten wie die Sonne.68

Wie auch immer, die Szene, die in Offenbarung 14,14-16 beschrieben wird, ist bemerkenswert unterschiedlich. Zuerst scheint der “Menschensohn” auf einer weißen Wolke zu sitzen. Die Anspielung ist zweifellos auf Daniel 7,13 bezogen. Er hält eine scharfe Sichel in seiner Hand (Offb 14,14). Ein Engel kommt aus dem Tempel und instruiert den Menschensohn die Ernte zu beginnen (14,15). Der Menschensohn antwortet indem er seine Sichel über der Erde schwingt (γῆ) und die Erde aberntet. Die Szene wechselt plötzlich zu einem weiteren Engel, der die Ernte der Trauben durchführt, was sicherlich ein Hinweis auf Gericht darstellt (Vgl. Offb 14,19-20).69

Matthäus 13,41-43 spricht davon, dass der Menschensohn Engel aussenden wird zum ernten; Offenbarung 14,14-16 lässt einen Engel den Menschensohn instruieren zum ernten. In Matthäus 13,41-43 werden die Bösen aus den Gerechten heraus geerntet, die dann in das Königreich gesammelt werden. In Offenbarung 14,14-20 ist die Reihenfolge umgekehrt, wenn die erste Ernte die der Gerechten ist. Wenn wir beachten, dass die Worte von Jesus in Matthäus 13,41-43 eine geradlinige Auslegung sind, dann scheinen die Symbole aus Offenbarung 14,14-20 nicht adäquat das Ereignis dazustellen, das vom Herrn beschrieben wird.

Es gibt zwei wahrscheinlich bessere Erklärungen dafür, dass die erste Ernte sich auf die Gerechten und die zweite Ernte auf Gericht bezieht. Zuerst könnte Offenbarung 14,14-16 in einer zusammenfassenden Art das gesamte Einsammeln der Gerechten während der Trübsalsperiode repräsentieren. Das heißt, das Bild der “Ernte” kann sehr gut auf Evangelisation bezogen sein, anstatt auf die Vollendung (Vgl. Johannes 4,35). Eine zweite Möglichkeit ist, dass das Sammeln, das in Offenbarung 14,14-16 beschrieben wird, das Sammeln des Überrestes von Israels darstellt, die 144.000, die vorher in 14,1-15 beschrieben werden. Sie werden gesehen als gemeinsam gesammelt an einem Ort (Berg Zion, 14,1), sie sind erlöst von der Erde (γῆ, 14,3; Vgl. 14,15-16), und sie werden beschrieben als “Erstlingsfrüchte für Gott und das Lamm” (14,4), ein möglicher Hinweis auf das Sammeln der Erstlingsfrüchte der Ernte in Abschnitten wie Exodus 23,16 und 34,22. Dieses Einsammeln würde also entweder ähnlich oder gleich dem Sammeln der Auserwählten in Matthäus 24,31 sein (Vgl. Jes 27,12-13).70 In keiner dieser beiden Sichtweisen ist das Bild das einer Entrückung der Gemeinde Gottes, sondern das Sammeln der Gerechten in das Königreich entweder während der Trübsal (erste Sichtweise), oder das Sammeln der Auserwählten von Israel am Ende der Trübsal (zweite Sichtweise).

Trotzdem glaube ich, dass die beste Erklärung der Bilder der Ernte die ist, dass beide sich auf Gericht beziehen und eine Erweiterung der zweifachen Ernte in Joel 3,13 darstellen. Joel 3,13-16 liest sich folgendermaßen (ELB):

Die Nationen sollen sich aufmachen und hinabziehen in das Tal Josaphat; denn dort werde ich sitzen, um alle Nationen ringsum zu richten. Legt die Sichel an, denn die Ernte ist reif; kommt, stampft, denn die Kelter ist voll, die Kufen fließen über! Denn groß ist ihre Bosheit. - Getümmel, Getümmel im Tal der Entscheidung; denn nahe ist der Tag Jahwes im Tal der Entscheidung. Die Sonne und der Mond verfinstern sich, und die Sterne verhalten ihren Glanz. Und Jahwe brüllt aus Zion und lässt aus Jerusalem seine Stimme erschallen, und Himmel und Erde erbeben. Und Jahwe ist eine Zuflucht für sein Volk und eine Feste für die Kinder Israel.

Die Befehle zum Aussenden der Sichel sind in Offenbarung 14,15 und Joel 3,13 so ähnlich 3:13 dass wir kaum anders können, als es als Parallele anzusehen: ἐξαποστείλατε δρέπανα ὅτι παρέστηκεν τρύγητος εἰσπορεύσθε “Legt die Sichel an, denn die Ernte ist reif” und πέμψον τὸ δρέπανόν σου καὶ θέρισον, ὅτι ἦλθεν ἡ ὅρα θερίσαι, ὅτι ἐξηράνθη ὁ θερισμὸς τῆς γῆς “Leg deine Sichel an und ernte, denn die Stunde der Ernte ist gekommen, denn die Ernte der Erde ist reif.” Mehr noch, in beiden Stellen in Joel 3,13 und Offenbarung 14 wird das Ernten des Weizens gefolgt von der Ernte der Trauben. Es ist meine Annahme, dass diese Parallelen stark für ein Gerichtsszenario sprechen in der gesamten Offenbarung 14,14-20.

Eine weitere Erwägung ist die Tatsache, dass das Buch der Offenbarung als Ganzes sich stärker auf die Symbolik des AT als auf die des NT stützt. Das trifft zu einem solchen Grad zu, dass einige kritische Schriftgelehrten vorgeschlagen haben, die Offenbarung wäre ursprünglich eine jüdische Schrift und später von christlichen Bearbeitern übernommen worden.71 Das schließt die Möglichkeit von Anspielungen auf einige neutestamentlichen Abschnitte wie Matthäus 13 nicht aus, aber es legt nahe, dass der Ausleger zuerst schauen sollte, ob es nicht eine klarere alttestamentliche Anspielung gibt bevor er auf einen neutestamentlichen Abschnitt zurückgreift. Diese alttestamentliche Anspielung scheint Joel 3,13-16 und das letzte Gericht am Tag des Herrn zu sein.

Zusammengefasst, es scheint, dass das saloppe Gleichsetzen der Ernte in Offenbarung 14,14-16 mit der Entrückung der Gemeinde, das in 1.Thessalonicher 4,17 beschrieben wird, hoch problematisch ist. Die Bilder scheinen zutreffender das Einsammeln der Auserwählten in das Tausendjährige Königreich am Ende der Trübsal zu beschreiben oder das Ausmerzen der Bösen am Ende der Trübsalsperiode als Gericht. Obwohl man zugeben muss, dass die Entrückung tatsächlich hier in einer sehr kryptischen Art beschrieben sein könnte, ist nichts im Text, was dieses fordert, noch scheint mir dieser Abschnitt von selbst leicht auf eine solche Interpretation hinzudeuten.

Offenbarung 19,11-20,6

Nachdem Post-Tribulationisten die Entrückung der Gemeinde nach der Trübsal und beim zweiten Kommen Christi ansiedeln, ist die Abfolge der Ereignisse in Offenbarung 19,11-20,6 ein offensichtlicher Untersuchungsgegenstand. Das ist als besonders wichtig zu betrachten, weil Offenbarung 20,4-6 eine tatsächliche Auferstehung beschreibt, ein Ereignis, das eng assoziiert wird mit der Entrückung der Gemeinde in 1.Thessalonicher 4,17.

Argumente für die Entrückung in Offenbarung 19,11-20,6. Mir ist keine Diskussion bezüglich der Vision aus Offenbarung 19,11-16 unter Prämillennialisten bekannt; man stimmt einheitlich überein, dass dieser Abschnitt in lebendigen Abbildungen das zweite Kommen Christi beschreibt, um abschließendes Gericht an den Feinden Gottes zu üben und seine irdische Regierung aufzurichten. Deshalb, wenn gefordert ist, die Entrückung/Auferstehung und das zweite Kommen sauber zu synchronisieren, ist das hier der offensichtlichste Abschnitt um die Entrückung der Gemeinde zu platzieren.

Man kann ebenso argumentieren, dass die Auferstehung, die in Offenbarung 20,46 beschrieben ist, genau dieselbe Auferstehung in 1.Korinther 15,42 und 1.Thessalonicher 4,17 beim Kommen Christi ist. Deshalb, aufgrund der Analogie der Schrift muss die Entrückung der Gemeinde notwendigerweise zu diesem Zeitpunkt stattfinden.

Trotzdem gibt es große Schwierigkeiten mit dieser Sichtweise.

Probleme mit der Entrückung in Offenbarung 19,11-20,6. Zuerst, und das ist wahrscheinlich das Nebensächlichste, wird die Entrückung nicht erwähnt in Offenbarung 19,11-20,6.72 Um sicher zu sein, wird eine Auferstehung in einigen Details beschrieben in 20,4-6, aber ein Wegnehmen der Heiligen ist hier nicht zu finden. Indessen ist das ein Argument aufgrund des Verschweigens. Es ist in der Tat möglich, dass die Entrückung an dieser Stelle stattfindet, aber sie wird im Text einfach nicht erwähnt.

Ein größeres Problem mit der Entrückung der Gemeinde im Kontext dieses Abschnitts ist die augenscheinliche Reihenfolge der Ereignisse aus Offenbarung 19,11-20,6. Es scheint hier mit Sicherheit eine fortlaufende Steigerung anstelle einer Aufreihung von voneinander unabhängigen Visionen zu geben. Wenn diese Interpretation zulässig ist, dann geschieht die angenommene Entrückung/Auferstehung nicht im Moment des Herabkommens von Christus aus dem Himmel, sondern einige Zeit nach dem zweiten Kommen und der Zerstörung der Feinde Gottes. Im Gegensatz dazu sind in 1.Korinther 15,52 und 1.Thessalonicher 4,16-17 das Herabkommen Christi, die Posaune und die Auferstehung/Entrückung alles gleichzeitige Ereignisse.73 Wir würden deshalb die Auferstehung der Gemeinde nicht nach dem zweiten Kommen, sondern gleichzeitig mit ihm erwarten.

Ein weiterer Grund, warum die Auferstehung/Entrückung der Gemeinde und die Auferstehung der Seelen in Offenbarung 20,4 nicht als parallele Ereignisse gesehen werden sollten, ist die Identifikation der himmlischen Armeen, die Christus bei seinem zweiten Kommen begleiten (Offb 19,14) und ihre Unterscheidung von denen, die auferweckt wurden in 20,4. Obwohl einige argumentiert haben, dass die Armeen, die Christus in 19,14 begleiten, himmlische Heere sind,74 gibt es einige Anhaltspunkte die dagegen sprechen. Zuerst, die Armeen werden beschrieben als gekleidet in “weißes, reines Leinen”. Dieses Bild ist identisch mit dem “weißen Leinen” der Braut Christi, der Gemeinde, beschrieben in Offenbarung 19,8 als τὰ δικαιώματα τῶν ἁγίων ἐστίν “die rechtschaffenen Taten der Heiligen.” Zweitens, die Christus bei seiner Rückkehr begleitenden Armeen, werden in Offenbarung 17,14 explizit vorausgreifend interpretiert. Der Engel beschreibt die finale Schlacht von Armageddon und sagt “Diese [Die Armeen des Tieres] werden mit dem Lamme Krieg führen, und das Lamm wird sie überwinden; denn er ist Herr der Herren und König der Könige, und die mit ihm sind Berufene und Auserwählte und Gläubige.” Diese Beschreibung derer, die Christus bei seinem Kommen begleiten, um die Armeen des Tieres zu vernichten ist κλητοὶ καὶ ἐκλεκτοὶ καὶ πιστοί. Es ist signifikant, dass die Ausdrücke κλητός und εκλεκτός in der Offenbarung nur hier verwendet werden. Überall im Neuen Testament beziehen sie sich am häufigsten auf Gläubige.75 Der Ausdruck πιστός wird achtmal in Offenbarung verwendet. Dreimal beschreibt er Christus (Offb 1,5; 3,14; 19,11); zweimal beschreibt er Christen (Offb 2,10.13) und zweimal bezieht er sich auf die Glaubwürdigkeit der prophetischen Worte der Offenbarung selber (Offb 21,5; 22,6). Das andere Vorkommen ist hier in Offenbarung 17,14. Wenn man die lexikalischen Beweise betrachtet, scheint es ziemlich klar zu sein, dass die betrachteten erlösten Heiligen von Offenbarung 17,14 Christus bei seinem Kommen begleiten. Deswegen wären die Menge der Reiter aus Offenbarung 19,11 die auferweckten und verherrlichten Heiligen.

Was sagt uns das über diejenigen, die in Offenbarung 20,4 auferweckt werden? Nachdem die Vision von 19,11 bis 20,10 in einem Ablauf zu sein scheint und nachdem die Christus begleitenden Armeen die auferweckte verherrlichte Gemeinde sind, scheint es, dass das unerwähnte Subjekt des Verbs der dritten Person Plural in Offenbarung 20,4 am besten verstanden wird als Bezug auf Christus und die ihn begleitenden Armeen des Himmels. Der Absatz beginnt mit: Καὶ εἶδον θρόνους καὶ ἐκάθισαν ἐπ ᾿ αὐτοὺς καὶ κρίμα ἐδόθη αὐτοῖς. Einige Übersetzungen haben das Problem des fehlenden Subjekts hier erkannt und ihre Übersetzungen entsprechend angepasst.76 Deswegen, wenn man den gesamten Abschnitt von 19,11 bis 20,10 als eine lange von Johannes beschriebene Vision liest, realisiert man, dass unmittelbar vor 20,4 die einzigen in der Vision anwesenden Personen Christus und seine Armeen sind, die auf die Erde hinabfahren. Deswegen sind diejenigen, die auf den Thronen sitzen und denen das Gericht gegeben ist, diejenigen, die Christus auf weißen Pferden begleiten. Wenn das der Fall ist, wären die Auferweckten aus Offenbarung 20,4-6 auf die Heiligender Trübsal beschränkt, die während der Trübsal gemartert wurden.

Dass die Auferstehung aus Offenbarung 20,46 beschränkt zu sein scheint auf ausschließlich diejenigen aus der Trübsal, wird weiterhin belegt durch ihre Beschreibung in 4,4b: “die, welche das Tier nicht angebetet hatten, noch sein Bild, und das Malzeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und an ihre Hand” Die Beschreibung scheint für alle Seelen zuzutreffen, die auferweckt wurden. Ladd schreibt:

Die Sprache deutet auf zwei verschiedene Gruppen hin: eine Gruppe, der das Gericht gegeben wurde und eine kleinere Schar, welche die Märtyrer der großen Trübsal sind. Im Griechischen ist die Sprache ziemlich ungrammatisch, was Charles dazu führte, die erste Phrase als eine Randbemerkung zu behandeln. Nichtsdestotrotz ist es gut möglich, dass Johannes tatsächlich zwei Gruppen sah: eine größere Schar aller Heiligen und dann eine kleinere Gruppe - die Märtyrer - die er zur besonderen Beachtung hervorhob.77

Man kann hier sicherlich nicht dogmatisch sein. Für den gegenwärtigen Schreiber unterstützen die Anhaltspunkte am ehesten eine Unterscheidung zwischen denen, die auf dem Thron sitzen als die verherrlichten Heiligen, die Christus bei seinem Kommen begleiten und denen die in Offenbarung 20,4 auferweckt werden. Die andere Alternative, welche die beiden Gruppen gleichsetzt, zieht anscheinend nicht die Identifikation in Offenbarung 17,14 in Betracht, die augenscheinliche Steigerung der Vision von Offenbarung 19,11 bis 20,10, das unspezifizierte Subjekt des Verbs ἐκάθισαν in Offenbarung 20,4 als einen Bezug auf die Armeen des Himmels, die gerade auf die Erde herabkamen und die Feinde des Volkes Gottes vernichteten, und die Beschreibung der Auferweckten in Offenbarung 20,4-6 als die, welche gemartert wurden unter der Regierung des Tieres (Offb 20,4). Unter diesen Erwägungen scheint es hoch unwahrscheinlich, dass die Auferstehung in Offenbarung 20,4-6 am besten mit der Auferweckung/Entrückung der Gemeinde in 1.Korinther 15,51-52 und 1.Thessalonicher 4,17 zusammenpasst.

Zusammenfassung

Von den obigen Abschnitten erfüllt keiner vollständig zufriedenstellend die Referenz der Entrückung der Gemeinde im Buch der Offenbarung. Einige mögen eine Entrückung/Auferweckung einschließen während das Ereignis als solches fehlt (z.B. Offb 3,10). Andere mögen oberflächlich betrachtet ähnliche Elemente zuordnen, ihnen fehlt aber wirkliche Übereinstimmung bei einer genaueren Betrachtung (Offb 4,1-2; 11,11-19; 19,11-20,6). Nach einer kurzen Untersuchung der positiven und negativen Hinweise bleibt uns der Eindruck von Mounce, dass “gerade die Diskussion der ‘Entrückung der Gemeinde’ außerhalb des Bezugsrahmens von Johannes liegt”78. Von diesem Punkt in der Neubewertung der Apokalypse von Johannes und der Entrückung der Gemeinde wenden wir uns der letzten Stelle in der Offenbarung zu, die ein gelegentlicher Kandidat für die Entrückung der Gemeinde ist: Offenbarung 12,5.

Die Entrückung in Offenbarung 12,5

Der vorherige Teil untersuchte die vielen Stellen in der Apokalypse, wo Kommentatoren, Ausleger und Theologen die Entrückung der Gemeinde identifiziert haben. Dieser Teil wird eine letzte Stelle der Entrückung im Buch der Offenbarung untersuchen, eine, die von den Kommentatoren trotz ihrer Verdienste79 entweder übersehen oder abgelehnt wurde aus Gründen, die, wie ich hoffe aufzeigen zu können, schwache Einwände sind. In diesem Teil werde ich aufzeigen, dass ein beeindruckendes Argument aus der Analyse von Genre, Kontext und Wortbedeutung präsentiert werden kann, um die Entrückung der Gemeinde mit dem Wegnehmen des männlichen Kindes in Offenbarung 12,5 zu identifizieren.

Betrachtungen des Genre

Die meisten evangelischen Gelehrten stimmen darin überein, dass die Offenbarung des Johannes zum größten Teil ein Beispiel für neutestamentliche “apokalyptische/prophetische” Literatur ist.80 Indem der Offenbarung die Kategorie “apokalyptisch/prophetisch” zugewiesen wird, möchte der gegenwärtige Schreiber den Gebrauch von offenbarenden Bildern unterstreichen, nicht die Übereinstimmung des Autors mit apokalyptischer Literatur der zwischentestamentlichen Epoche.81 Während das Zweite erhebliche Debatten und Diskussionen bewirkt82, ist Ersteres ziemlich gut etabliert in evangelikalen Kreisen.83

Der hermeneutische Zugang zu dieser Art von Literatur unterscheidet sich sowohl qualitativ als auch quantitativ im Vergleich zum Zugang zur Nichtapokalyptischen/prophetischen Literatur. Qualitativ ist die Sicherheit von Schlussfolgerungen bei der Natur eben dieses Genre zu einem größeren Grad verringert als Schlussfolgerungen bei Episteln oder erzählender Literatur.84 Quantitativ erfordert die Auslegung von apokalyptischer Literatur zusätzlichen Aufwand, da Bilder verglichen werden müssen, Bezüge zu identifizieren sind, mögliche Quellen oder Hinweise müssen untersucht werden und Entscheidungen müssen getroffen werden, ob die Vision auf Details eingeht oder das Gesamtbild zeigt.85

In Bezug auf Offenbarung 12 beginnen wir mit einer kurzen einführenden Untersuchung des Literaturtyps, der Perspektive des Abschnitts, der Struktur des Abschnitts und der Funktion und Bedeutung der Symbole im allumfassenden Kontext von apokalyptischer Literatur.86

Ein kurzes Statement bezüglich des zu ermittelnden Literaturtyps. Während viele Abschnitte aus Offenbarung sich anderen Genretypen annähern (z.B. Offb 2-3 als Epistel), fällt Offenbarung 12 unter die breite Definition von Apokalypse dieses Artikels, indem er Symbole verwendet um eine Offenbarung vom Himmel zu beschreiben. Die Vision beginnt mit καὶ σημεῖον μέγα ὦφθη ἐν τῷ οὐρανῷ “und ein großes Zeichen erschien im Himmel . . .” Die Kombination des Symbols (σημεῖον) ebenso wie der himmlische Ursprung des Symbols (ἐν τῷ οὐρανῷ) machen diese Identifikation klar.

Zweitens, die Perspektive des Abschnitts ist ziemlich klar, selbst wenn die Symbole, oberflächlich betrachtet, es nicht sind. Da sind der Schmerz und die Qual der Frau (12,2) und die drohende unmittelbare Gefahr durch den Drachen gegenüber dem Kind, das im Begriff ist geboren zu werden (12:4). Die wachsende Spannung wird gemildert als das Kind entrückt wird von der sich abzeichnenden Gefahr, während die Frustration des Drachens sich erhöht.(12:5). Er wendet seine Aufmerksamkeit der Frau zu, die ihrerseits errettet wird von seiner Gegenwart (12,6.14). Am Ende wandelt sich die Frustration in Zorn, als er in einem großen Kampf aus dem Himmel geworfen wird und Krieg gegen den “Rest ihrer Nachkommenschaft” beginnt, ein Krieg, der er zu gewinnen scheint (Offb 13). Damit tragen die allgemeinen Themen der Erlösung vom Feind für bestimmte Menschen Gottes und das wiederholte Vereiteln und das Besiegen des Drachen und seiner Armeen zu der Perspektive des Abschnitts bei. Eine derartige Perspektive ist sicherlich eine enorme Ermutigung für die Heiligen jedes Zeitalters, die physische oder geistige Verfolgung erleiden, die nach einem Ausweg und Erlösung von der Qual dieser κοσμός (Welt) suchen. Obwohl einigen bestimmt ist, den Tod zu erleiden (Offb 12,17; 13,7.10), wird ihr Ende immer noch das perfekte Paradies und Seligkeit sein (Offb 14,1-5; 20,4-6), wohingegen das Ende ihrer Feinde ewige Pein sein wird (Offb 19,19-21). Damit fokussiert sich die Vision von Offenbarung 12 primär auf diejenigen, welche auf wunderbare Art erlöst werden vom Zorn des Drachens, beide, das männliche Kind und die Frau.

Drittens, die Struktur der Textstelle ist schwierig zu ermitteln. Innerhalb des größeren Abschnitts scheint es so, dass Offenbarung 12 im Zentrum einer chiastischen Struktur liegt, in der die triumphierende Autorität der zwei Zeugen für 1260 Tage in Kapitel 11 die totalitäre Autorität der zwei Tiere für 42 Monate in Kapitel 13 spiegelt. Während das Zeugnis der zwei Zeugen mit Tod und Auferstehung endet, beginnt die Karriere der zwei Tiere mit dem Tod und der Auferstehung des ersten Tieres (Offb 1,3). Während die beiden Zeugen von allen Nationen gehasst werden (11,10), werden die zwei Tiere angebetet (13,3-4).87 Ob diese chiastische Struktur sich nach außen fortsetzt bis zu beiden Enden der Offenbarung sei dahingestellt;88 aber es scheint, dass die Zentralität des zwölften Kapitels innerhalb von Offenbarung 11-13 eine sichere Annahme ist. Wie später erwähnt werden wird, gibt es weitere Überlegungen, warum die Geburt und das Wegreißen des männlichen Kindes im Brennpunkt nicht nur dieses Abschnitts steht, sondern auch das in der Offenbarung vorherrschende Thema der Niederlage von Gottes Feinden und der Wiederkunft Christi ist.

Innerhalb der kleineren Einheit von Kapitel 12 an sich werden zuerst die Frau und der Drache eingeführt und die Ereignisse von 12,1-6 scheinen durchgängig chronologisch aufeinander zu folgen. Der Krieg im Himmel von 12,17 scheint eine Ausweitung des Schicksals des Drachens auf das Entrücken des männlichen Kindes in den Himmel zu sein. Dann rekapituliert 12,3-18 die Ereignisse nach der Entrückung des männlichen Kindes und lässt Details einfließen bezüglich der Verfolgung der Frau und der Bewahrung, die erstmalig in 12,6 beschrieben wird.

Viertens, die Funktion und die Bedeutung der Symbole wird unten genauer im Detail diskutiert. Im Vorblick: ich werde damit argumentieren, dass die Frau das Israel des Glaubens symbolisiert oder das wahre Israel, entsprechend der Erwählung in beiden Testamenten, im Alten und Neuen (Vgl. Röm 9-11). Das männliche Kind ist ein Symbol für das gesamte Volk Gottes, das im mystischen Leib Christi verbunden ist, die Gemeinde, beginnend mit dem Kommen des Heiligen Geistes zu Pfingsten und vollendet mit der Entrückung der Gemeinde. Der Drache symbolisiert die Mächte der Welt, die durch die Geschichte hindurch im Einklang zusammen arbeiten gegen das Volk Gottes, ebenso wie die Macht hinter diesen Mächten, Satan selber.

Die Symbole von Offenbarung 12

Es gibt primär drei symbolische Persönlichkeiten in Offenbarung 12,1-6 – die Frau, der Drache und das männliche Kind. Jedes wird der Reihe nach besprochen werden.

Die Frau. Das erste Zeichen ist die Frau, eingeführt in Offenbarung 12,1. Sie wird beschrieben als “bekleidet mit der Sonne und mit dem Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Kopf war eine Krone von 12 Sternen” (12,1). Das ist ihr Aussehen. Ihr Zustand ist der folgende: “Sie war schwanger und stand kurz vor der Geburt. Die Wehen hatten bereits begonnen und sie schrie vor Schmerzen” (12:2).

Manche haben diese Frau identifiziert als die Gemeinde des Alten sowohl wie des Neuen Testaments.89 Andere, besonders Dispensationalisten, die eine starke Unterscheidung zwischen Israel aus dem Alten Testament und der Gemeinde des Neuen Testaments verfechten, sehen die Frau ausschließlich als Repräsentation der Nation Israel.90 Wieder andere neigen mehr zu der Sichtweise, dass es sich um Israel handelt, aber mit einer Einschränkung: Die Frau ist das “vollkommene Israel”.91

Wenn wir anerkennen, dass die Frau ein Symbol darstellt und nicht lediglich ein historisches Individuum, scheint es am wahrscheinlichsten, dass die Frau primär den wahren, erwählten, und gläubigen Überrest vom Israel des Alten und Neuen Testaments repräsentiert. Das heißt, sie stellt den Leib des vereinigten Israels dar, dessen Mitglieder nicht nur die physische Nachkommenschaft von Jakob sind, sondern das kleinere geistliche “Israel innerhalb Israels”, das Paulus “der Überrest, erwählt aus Gnade” (Röm 11,5) nennt. Das schließt die Möglichkeit nicht aus, dass das Symbol einen weiteren Bezug zu Maria als Mutter Jesu beinhaltet, der historisch einige Aspekte der Vision erfüllt.92 Trotzdem deutet es an, dass die primäre Signifikanz des Symbols die israelitische Glaubensgemeinschaft ist.

Das wird unterfüttert durch die Beschreibung der Frau. Wenn wir das Griechisch aus Offenbarung 12,1 und Genesis 37,9 (LXX) vergleichen, sehen wir eine starke lexikalische Entsprechung. In Offenbarung 12,1 steht: καὶ σημεῖον μέγα ὤφθη ἐν τῷ οὐρανῷ, γυνὴ περιβεβλημένη τὸν ἥλιον, καὶ ἡ σελήνη ὑποκάτω τῶν ποδῶν αὐτῆς καὶ ἐπὶ τῆς κεφαλῆς αὐτῆς στέφανος ἀστέρων δώδεκα “Und ein großes Zeichen erschien im Himmel: eine Frau bekleidet mit der Sonne, und der Mond unter ihren Füßen, und auf ihrem Kopf eine Krone mit zwölf Sternen.” In der LXX von Genesis 37,9 steht: ὥσπερ ὁ ἥλιος, καὶ ἡ σελήνη, καὶ ἕνδεκα ἀστέρες προσεκύνουν με “und siehe die Sonne, und der Mond und die elf Sterne verbeugten sich vor mir.” Beides, Reihenfolge und der Gebrauch der Symbole verweisen auf die Schlussfolgerung, dass die Frau Israel repräsentiert. Die Sonne, Mond und Sterne korrespondieren mit den Symbolen in Josephs Traum aus Genesis 37,9, wo sie den Erzvater, Erzmutter und die Söhne Jakobs, entsprechend Vater, Mutter und die zwölf Stämme der Nation Israels repräsentieren.93

Das Symbol einer Frau für die Nation Israel ist in der ganzen alttestamentlichen prophetischen und apokalyptischen Literatur zu finden.94 In der Tat hallt auch der Zustand der “Geburtswehen” im Alten Testament wider.95 Trotzdem gibt es eine große grammatikalische Wichtigkeit, oft übersehen von den Auslegern, die bei der Identifizierung der Frau und des ihr geborenen männlichen Kindes hilft.

In Offenbarung 12,5 modifiziert das neutrale Adjektiv ἄρσεν das maskuline υἱόν. Dieser Mangel an Harmonie, obwohl merkwürdig für das Griechische, ist nicht unüblich in der Offenbarung.96 Oft wird ein krasser grammatikalischer Konflikt verwendet, um den Leser darauf zu stoßen, dass auf eine bestimmte Passage des Alten Testaments Bezug genommen wird. Dies ist der Fall in Offenbarung 12,5. G. K. Beale argumentiert, dass der Abschnitt, auf den durch ἄρσεν in Offenbarung 12,5 hingewiesen wird, Jesaja 66,7 ist. Er folgert:

Johannes lässt mit Absicht das neutrale pronominale Adjektiv ἄρσεν (anstelle des maskulinen) das maskuline υἱὸν irregulärer Weise modifizieren. Wie oben bei den textuellen Vergleichen zwischen Jesaja 66 und Offenbarung 12 beobachtet wurde, reflektiert die unübliche Grammatik die tatsächliche Wortwahl des Textes aus Jesaja, wo beides, das Erwähnen von ‘männlich’ und der körperschaftliche Plural von ‘Sohn’ (oder ‘Kind’) in synonymen Phrasen auftritt, die Jerusalem darstellen als in Wehen liegend. Dass Johannes keinen achtlosen grammatikalischen Schnitzer gemacht hat, wird klar in Offb 12,13, wo das maskuline τὸν ἄρσενα korrekt verwendet wird.

Auf der anderen Seite sehen einige keine grammatikalische Unstimmigkeit im Gebrauch von ἄρσεν, sondern betrachten es als ein Substantiv als Apposition (Hinzufügung) an ‘Sohn’, das es weiter beschreibt. . . . Aber das lässt nach wie vor die Frage unbeantwortet, warum das Neutrum in Offb 12,5 auftaucht und das Maskulinum in Offb 12,13; Hinzu kommt, dass der substantivische Gebrauch normalerweise artikular ist, wie in Offb 12,13.97

Deswegen liegt die Intention von Johannes’ “schlechter Grammatik” darin, den Leser zurück auf die Bilder in Jesaja 66,7 zu verweisen, wo steht: “Ehe sie Wehen hatte, hat sie geboren; ehe Schmerzen sie ankamen, wurde sie von einem Knaben entbunden.” Der nächste Vers demonstriert, dass die Frau und das Kind nicht vorgesehen sind um Individuen zu repräsentieren, sondern Gruppen: “Wer hat solches gehört, wer hat dergleichen gesehen? Kann ein Land an einem Tage zur Welt gebracht, oder eine Nation mit einem Male geboren werden? Denn Zion hat Wehen bekommen und zugleich ihre Kinder geboren”. Der Absatz wechselt vom Singular “Sohn” zum Plural “Söhne” und beschreibt die Geburt “eines Landes” und “einer Nation.”

Deshalb, mit den gegebenen symbolischen Parallelen zwischen der Beschreibung der Frau in Offenbarung 12,1 und Israel aus Genesis 37,9 ebenso wie der beabsichtigten verbalen Anspielung auf Jesaja 66,7, wo die Frau klar die Nation Israel, “Zion” darstellt, ist die Folgerung, die mit den Anhaltspunkten am besten übereinstimmt, die, dass wenn sich der Schauplatz aus Offenbarung 12 öffnet, die Frau primär das Israel des Alten Testaments in Wehen darstellt.98 Dennoch ist es vollkommen möglich, dass Maria, die Mutter Jesu, auch teilweise im Blickfeld ist, aber nur zweitrangig.

Der Drache. Später, in Offenbarung 12,9 wird der Drache genannt “Die alte Schlange, die der Teufel und Satan genannt wird, welche die ganze Welt verführt.” Obwohl der Drache identifiziert wird als “Satan”, ist er weitaus mehr als nur ein Individuum. Die Symbolik der sieben Köpfe und zehn Hörner ist nicht gedacht um ihn als das Tier aus Offenbarung 13 zu identifizieren, sondern als die Nationen der gesamten Geschichte, die Gottes Volk entgegenstanden. Tatsächlich sind die sieben Köpfe und zehn Hörner des Drachens in Offenbarung (und das Tier in Offenbarung 13) wahrscheinlich dazu bestimmt, um den sieben Köpfen und zehn Hörnern der vier Tiere aus Daniel 7,1-8 zu entsprechen.99 Deswegen symbolisiert der Drache beides, das weltliche System als den großen inimicus vom Volk Gottes über die gesamte Geschichte und den heimlichen Beherrscher des Weltsystems, Satan selber.

Das männliche Kind. Die Crux der Argumentation dieses Papiers liegt in der Identifikation des männlichen Kindes, das der Frau, Israel, geboren wird. Der folgende Teil wird diese Identifikation mit größerem Tiefgang untersuchen. Im Vorgriff: es wird argumentiert, dass das männliche Kind, das der Frau geboren wird ebenso wie der Drache und möglicherweise die Frau eine Doppelbedeutung hat, eine als Individuum, Jesus Christus, die andere als gemeinschaftlicher Leib, die Gemeinde. Fünf Hauptargumente für diese Identifikation werden gebracht: 1) Die Konsistenz in der Symbolik in Offenbarung 12; 2) die Signifikanz der Anspielung auf Jesaja 66,7-8; 3) die lexikalischen Aspekte, die das Entrücken des männlichen Kindes einschließen; 4) die Identifizierung des männlichen Kindes als den Einen, der „über alle Nationen mit einem eisernen Stab herrschen wird”; und 5) die Abwesenheit von Tod und Auferstehung des Messias spricht für die Identifikation des männlichen Kindes mit der Gemeinde.

Die Identifikation des männlichen Kindes

In Offenbarung 12,5 steht: καὶ ἔτεκεν υἱὸν ἄρσεν, ὅς μέλλει ποιμαίνειν πάντα τὰ ἔθνη ἐν ῥάβδῳ σιδηρᾷ, καὶ ἡρπάσθη τὸ τέκνον αὐτῆς πρὸς τὸν θεὸν καὶ πρὸς τὸν θρόνον αὐτοῦ “Und sie gebar einen männlichen Sohn, der alle Nationen weiden soll mit eiserner Rute; und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und zu seinem Throne.” (ELB). Um es klarzustellen, viele Kommentatoren identifizieren das männliche Kind mit niemandem anders als mit Jesus Christus.100 Sicherlich führt ein erstes Lesen dieses Abschnitts von selber zu dieser Interpretation. Dennoch, die nachfolgenden Überlegungen verringern jede für sich die Wahrscheinlichkeit, dass Jesus Christus allein hier im Blick ist und stärken gleichzeitig die Ansicht, dass das Kind den gesamten Leib Christi, die neutestamentliche Gemeinde umfasst.

Die Identifikation des männlichen Kindes als Leib von Christus ist konsistenter mit der Symbolik von Offenbarung 12,1-6.101 Wie schon zu Beginn dieses Teils bemerkt wurde, ist Offenbarung 12 ein Kapitel von symbolischen Repräsentationen der Wirklichkeit, nicht ein Abbild der Wirklichkeit selber. Die Frau wurde gezeigt als wahrscheinlichste symbolische Darstellung des gläubigen, geistlichen Überrestes von Israel aus der physischen Nachkommenschaft von Jakob. Deshalb repräsentiert die Frau primär einen körperschaftlichen Leib, dessen individuelle Mitglieder durch die Geschichte hindurch wechseln, obwohl eine Anwendung auf Maria, die Mutter von Jesus, nicht verneint wird durch diese Identifikation. Ähnlich ist es mit dem Drachen, der, obwohl er Satan symbolisiert, ebenso gezeigt wurde als eine symbolische Darstellung der Nationen oder heidnischen Mächte des Weltsystems, die Widersacher von Israel und Gottes Volk durch die Geschichte hindurch sind. Nochmal, der Drache repräsentiert ein körperschaftliches Gebilde (die Nationen) ebenso wie ein Individuum (Satan).

Das männliche Kind dann als einen einzelnen Mann, Jesus von Nazareth, zu nehmen, würde die Konsistenz mit den Symbolen in Offenbarung 12,1-7 brechen. Zugegebenermaßen ist eine derartige Inkonsistenz das Vorrecht des Autors [der Offenbarung], aber es kommt nicht mit der Tatsache zurecht, dass Johannes den Abschnitt nicht ex nihilo verfasst, sondern eine Vision beschreibt, die unserer Meinung nach tatsächlich so stattgefunden hat. Deswegen könnten die Elemente der Vision gemischt werden; das heißt, die Frau und der Drache könnten körperschaftliche Gebilde symbolisieren während das männliche Kind ein tatsächliches menschliches Wesen ist. Dennoch, eine Interpretation, die das männliche Kind versteht als ein körperschaftliches Gebilde widerspricht nicht dem Kontext des Abschnitts; tatsächlich stimmt sie besser mit dem Kontext überein.

Diese Interpretation leugnet nicht die Tatsache, dass das Individuum, Jesus Christus, Teil der Vision ist. Sie schlägt stattdessen vor, das Jesus Christus nicht allein in der Vision ist noch dass er die primäre Identifikation darstellt. Stattdessen ist die Gemeinde, der Leib Christi, der in mystischer geistlicher Einheit mit ihm ist durch die Taufe des Heiligen Geistes (1.Kor 12,13-14), im Blick.102 Es ist nicht zu leugnen, dass diese unio mystica eine der größten und deutlichsten Lehren des Neuen Testaments ist. 1.Korinther 12,27 sagt, “Jetzt seid ihr (Plural) der Leib (Singular) von Christus, und Glieder davon.” In Römer 12,5 steht, “Genauso sind wir alle in Verbindung mit Christus ein einziger Leib und einzeln genommen Glieder, die voneinander abhängig sind.” Epheser sagt, dass das Ziel des Priestertums des Leibs ist dass wir alle zu einem „reifen Mann” werden (ἄνδρα τέλειον); im selben Kontext gebraucht Paulus das Bild des Leibes, Christus als der Kopf (4,15-16). In ähnlicher Weise demonstriert der Bericht in Apostelgeschichte 9,4, dass Christus selber so innig mit seiner Gemeinde assoziiert ist, dass die Verfolgung der Gemeinde mit der Verfolgung des auferstandenen Christus gleichgesetzt wird!

Deshalb schließt die Identifikation des männlichen Kindes in Offenbarung 12,5 die Annahme nicht aus, dass auch Christus mit im Bild ist. Gleichzeitig ist sie konsistent mit den Visionen der körperschaftlichen Wesen, die in der Frau und dem Drachen gesehen werden.103 Sie ist ebenso konsistent mit der realen und geistlichen Einheit, die Gläubige als der Leib Christi durch die Taufe des Heiligen Geistes genießen.

Die Identifikation des männlichen Kindes als der Leib Christi erklärt am besten den Hinweis auf Jesaja 66,7. Dieser Aspekt wurde kurz erwähnt in der Diskussion der Identifikation der Frau als Israel. Dort wurde gezeigt, dass der Gebrauch des neutralen Adjektivs als ἄρσεν eine Modifikation des männlichen υἱόν ein absichtliches Mittel des Autors ist, um einen Hinweis auf die LXX in Jesaja 66,7 zu geben.104 Der Hinweis ist subtil und beabsichtigt wahrscheinlich nicht, eine vollständige Übertragung der Bedeutung von Jesaja 66,7-8 auf Offenbarung 12,5 herzustellen. Dennoch, gewisse Elemente von Jesaja 66,7‑8 legen die Identifikation des männlichen Kindes mit dem körperschaftlichen Leib der Gemeinde nahe.

In Jesaja 66,7-8 wird das Kind der Frau, die zweifellos eine Personifizierung von Israel oder Jerusalem („Zion”, 66,8) darstellt, nicht als einzelnes Individuum gezeigt, sondern als körperschaftlicher Leib selber, da er später τὰ παιδία “die Kinder” genannt wird. Diese Parallele findet sich sowohl in der LXX als auch im MT.105 Im Originalkontext verspricht Gott Israel eine übernatürliche Wiederherstellung und Erneuerung (Jes 66,10-24), genauso wie eine Sammlung von Völkern aus allen Nationen, damit sie die Herrlichkeit des Herrn sehen (Jes 66,18-19). Es ist in diesem Kontext, wo Gott „den neuen Himmel und die neue Erde” schafft. Während diese ultimative Erneuerung der neuen Himmel und der neuen Erde in der Offenbarung als noch zukünftig dargestellt wird (Vgl. Offb 21,1-22,5), ist diese Erneuerung in der Gemeinde in embryonaler Form zu sehen (Röm 8,20-22). Wenn das männliche Kind verstanden wird als Leib Christi, ist der Punkt der Anspielung beides, der Ursprung der messianischen Gemeinde (die Nation Israel) genauso wie der Bezug zwischen der messianischen Gemeinde und der eschatologischen Wiederherstellung.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Anspielung auf Jesaja 66,7, angedeutet durch das neutrale Adjektiv ἄρσεν in Offenbarung 12,5 am besten erklärt wird, wenn das männliche Kind ein körperschaftliches Wesen ist: die Gemeinde anstelle nur eines Individuums, Jesus Christus.

Identifikation des männlichen Kindes als Leib Christi nimmt die Sprache von Offenbarung 12,5 ernst.106 Die Bestimmung des männlichen Kindes ist beschrieben durch das Folgende: καὶ ἡρπάσθη τὸ τέκνον αὐτῆς πρὸς τὸν θεὸν καὶ πρὸς τὸν θρόνον αὐτοῦ “und er wurde entrückt zu Gott und seinem Thron.” Wenn dieser Abschnitt als Bezug auf die Himmelfahrt Christi genommen wird, wie so oft, dann erzeugt diese Sichtweise ein sehr ernsthaftes lexikalisches Problem. Kühn gesagt, das Verb ἁρπάζω scheint diesem Schreiber höchst unpassend zu sein für die Himmelfahrt Christi. Diese kühne Annahme kann durch folgende Erwägungen dargelegt werden:

1. Der unbeeinflussten Bedeutung von ἁρπάζω innewohnend ist der Begriff des „wegreißens” (engl. „snatch up”), nicht ein bloßes Verschieben oder Transportieren von einem physikalischen Ort zu einem anderen.107 Bei jeder Verwendung sowohl in der Septuaginta (die Apokryphen eingeschlossen) und dem Neuen Testament, steuert ἁρπάζω diese Bedeutung dem Abschnitt bei (siehe Grafik in Abbildung 2). Diese Bedeutung von „wegreißen” passt in keinster Weise auf die Beschreibungen der Himmelfahrt Jesu zum Vater.108

2. Für die Himmelfahrt Christi verwenden die Autoren des Neuen Testaments Ausdrücke wie ἐπαίρω “aufgehoben werden” (Apostelgeschichte 1,9), ἀναβαίνω “auffahren” (Johannes 20,17; Epheser 4,8-10), und ἀναλαμβάνω “aufgenommen werden” (Markus 16,19; Lukas 1,11). Das sind neutralere Ausdrücke für einen räumlichen Standortwechsel in einer Richtung nach oben. Einige dieser Ausdrücke werden verwendet mit Jesus als den Akteur (Johannes 20,17; Epheser 4,8-10) nicht nur als passives Objekt der Aktion. Jesus war aktiv einbezogen in seine eigene Himmelfahrt, die dargestellt wird als eine graduell aufsteigende Aktion.109

Johannes war sich dieser Ausdrücke der Himmelfahrt sehr wohl bewusst. Neben dem Gebrauch des Wortes ἀναβαίνω für die Himmelfahrt Christi in Johannes 20,17, verwendet Johannes exakt dasselbe Wort etwa zwölf Mal im Buch der Offenbarung selber. Besonders bemerkenswert ist, dass Johannes ἀναβαίνω gebraucht, nur zwölf Verse vorher, wo er die Auffahrt der zwei auferweckten Zeugen in den Himmel beschreibt (Offb 11,12). Das Vokabular zur Himmelfahrt frisch im Kopf benutzt Johannes stattdessen ἁρπάζω in Offenbarung 12,5. Wenn dass Entrücken des männlichen Kindes in den Himmel die Himmelfahrt Christi repräsentiert, muss man fragen, warum Johannes nicht den Auffahrts-Ausdruck verwendete, besonders deshalb, weil er den meisten Sinn machen würde und am klarsten darlegen würde, dass das männliche Kind tatsächlich Jesus Christus ist.110

3. Ein weiterer Umstand der zu betrachten ist, ist die vorgegebene Bedeutung von ἁρπάζω im Alten und Neuen Testament ebenso wie der Kontext von Offenbarung 12,5. Wie in der Grafik im Diagramm 2 gezeigt, wird ἁρπάζω neben seiner einfachen oder normalen Bedeutung von „wegreißen, wegschnappen” wiederholt verwendet in Abschnitten, die gewalttätige Angriffe, Raub, oder Errettung implizieren. Keine dieser differenzierten Bedeutungen sind ἁρπάζω innewohnend, aber dieses Verwendungsmuster demonstriert die Arten von Situationen in denen ἁρπάζω die Aktion beschreibt. Die Frage, die wir stellen müssen, ist diese: trifft auf Offenbarung 12,5 eine dieser vorgegebenen Bedeutungen von ἁρπάζω zu, und wenn, hilft es bei der Interpretation der Figur des männlichen Kindes?

Offenbarung 12,1-4 baut eine ziemlich intensive Situation auf, in der der Drache mit „offenem Rachen” darauf lauert, das männliche Kind zu verschlingen, sobald es geboren ist. Die Vision zeichnet klar die unmittelbar bestehende Gefahr für das männliche Kind ausgehend von dem beabsichtigten Angriff des Drachens. Deswegen scheint der Ausdruck ἁρπάζω hier in einem rettenden Kontext gebraucht zu werden, ein Kontext, der passend ist für diesen Ausdruck (Apostelgeschichte 23,10; Judas 23). Eine solche Rettungsnuance ist vollkommen inkompatibel zu der neutestamentlichen Darstellung der Himmelfahrt Christi. Jesus Christus wurde nicht weggerissen zu Gott, um irgendeiner Bedrohung, real oder imaginär, zu entkommen, weder durch Satan noch durch irgendjemand sonst.111 Ladd betont dieses Problem wenn er schreibt, “Das kann kaum ein Hinweis auf die Himmelfahrt Christi sein, da seine Entrückung nicht den Zweck des Entkommens vor Satans Feindseligkeit hatte. Im Gegenteil, als der gekreuzigte und auferstandene Christus hatte er bereits den Triumph über die satanische Macht gewonnen (Hebräer 2,14; Kolosser 2,15).”112

Zusammenfassend gesagt, die lexikalischen Probleme, die mit dem Identifizieren des männlichen Kindes als Jesus Christus im Zusammenhang stehen, scheinen beträchtlich zu sein. Zumindest die Interpretation, dass das männliche Kind ausschließlich Jesus Christus repräsentiert, wird durch die Verwendung von ἁρπαζω nicht gestützt. Es ist bestenfalls widersprüchlich.

Die Identifikation des männlichen Kindes als Leib Christi harmoniert am besten mit dem Zitat von Psalm 2,9, das am Anfang, in der Mitte und am Ende der Offenbarung zu finden ist.113 J. Dwight Pentecost argumentiert, dass das Zitieren von Psalm 2,9 ein unwiderlegbarer Beweis ist, dass es sich bei dem männlichen Kind um Jesus Christus handelt. Er schreibt: “Weil das Kind geboren ist ‘um über alle Nationen mit einem eisernen Stab zu herrschen’ (Offb 12,5), kann es sich nur auf Christus beziehen, der Eine, dessen Recht es ist zu regieren. Der Psalmist bestätigt diese Interpretation in Psalm 2,9, der anerkanntermaßen messianisch ist.”114 Eine derart gewagte Aussage bedarf einer umfassenden Antwort.

Es ist meine Annahme, dass das Zitieren von Psalm 2,9 in Wirklichkeit die Identifikation des männlichen Kindes als Leib Christi statt als Jesus Christus allein stärkt. Das wird gezeigt bei einer Untersuchung der anderen zwei Vorkommnisse des Zitats von Psalm 2,9 im Buch der Offenbarung.

Psalm 2,9 wird zuerst zitiert in Offenbarung 2,26-28, wo die Verheißung des Psalms von Jesus Christus auf die Gläubigen ausgedehnt wird. Jesus sagt:

Dem, der siegreich aus dem Kampf hervorgeht und bis zuletzt nicht aufhört, so zu handeln, wie ich es will, werde ich Macht über die Völker geben, sodass er mit eisernem Zepter über sie regieren und sie wie Tongeschirr zerschmettern wird. Ich verleihe ihm damit dieselbe Macht, die auch ich von meinem Vater bekommen habe. Und ´als Zeichen dieser Macht` werde ich ihm den Morgenstern geben. (NGÜ)

Bei der Rückkehr von Christus auf die Erde, die in Offenbarung 19,14-15 festgehalten ist, wird der Abschnitt erneut zitiert, dieses Mal für Christus geltend:

Ihm folgten, auf weißen Pferden reitend und in reines, leuchtend weißes Leinen gekleidet, die Heere des Himmels. Aus dem Mund des Reiters kam ein scharfes Schwert. Mit diesem Schwert wird er den Völkern eine vernichtende Niederlage beibringen; er wird mit eisernem Zepter über sie regieren und sie den furchtbaren Zorn des allmächtigen Gottes erfahren lassen, indem er sie wie reife Trauben in der Weinpresse zertritt. (NGÜ)

Diese doppelte Anwendung der Verheißung von Psalm 2,9 harmoniert perfekt mit der Identifikation des männlichen Kindes mit dem Leib Christi, da eine derartige Interpretation nicht abstreitet, dass etwas von Christus im Bild ist, sondern behauptet, dass es Christus in Einheit mit seinem geistlichen Leib, der Gemeinde, ist, der symbolisiert wird.115 Das platziert das Entrücken des männlichen Kindes in die Mitte einer großen Inclusio (Offb 2,26-27; Offb 19,15), woraus argumentiert werden kann, dass das Ereignis aus Offenbarung 12,5 mindestens ein signifikanter, wenn nicht zentraler Abschnitt in der Struktur des Buches ist.

Das männliche Kind als den Leib Christi zu identifizieren erklärt am besten das Auslassen der sine qua non des Evangeliums, das ist der Tod und die Auferstehung des Messias. Eine der Schwierigkeiten, die Kommentatoren mit dem männlichen Kind als Jesus Christus haben, ist das Auslassen von dem Tod und der Auferstehung in der Offenbarung 12,5.116 Oftmals wird der Gedanke der Verkürzung bemüht. Trotzdem erscheint es sehr merkwürdig, dass die sine qua non des christlichen Glaubens in Offenbarung 12,5 gestrichen wird ohne jede Andeutung. Obwohl eine solche Auslassung sicherlich im Rahmen des Möglichen ist, die Identifikation des männlichen Kindes als Leib Christi spart dieses Problem vollständig aus.

Zusammenfassung. Zusammen genommen, die fünf präsentierten Argumentationslinien scheinen das Übergewicht der Beweise zugunsten der Interpretation zu neigen, dass das männliche Kind nicht nur Christus allein ist, sondern der Leib Christi, die Gemeinde. Das „entrücken” des männlichen Kindes wäre dann gleichzusetzen mit der Entrückung der Gemeinde, wie es in 1.Thessalonicher 4,17 beschrieben ist.

Argumente gegen die Identifikation des männlichen Kindes mit der Gemeinde

Trotz der obigen Überlegungen haben eine Reihe von Gelehrten gegen die körperschaftliche Interpretation des männlichen Kindes und zugunsten der Sichtweise argumentiert, dass Jesus Christus allein repräsentiert wird.

Vergeistigung außerhalb von Raum und Zeit.117 Ein Argument gegen die hier präsentierte Interpretation kommt aus einer Vergeistigung des Abschnittes bis zu dem Punkt, dass er keinerlei zukünftige Ereignisse vorhersagt. Eine solche Sichtweise unterstützend, schreibt Ladd:

Das ist keine Vision eines Ereignisses, das stattfindet am Ende; es ist eine Vision in stark phantasievollen Ausdrücken eines himmlischen Krieges zwischen Gott und Satan, das seinen Gegenpart in der Geschichte im Konflikt zwischen der Gemeinde und dämonischen Bösen hat. Als solche transzendiert die Vision vollständig die üblichen Kategorien von Zeit und Raum. Sie ist nicht gedacht, eine Vorhersage der Geschichte zu sein, sondern eine Repräsentation des Kampfes in der geistlichen Welt, die hinter der Geschichte liegt. . . . Mit anderen Worten, dieses Kapitel verkörpert ein surrealistisches Wort-Bild, das den geistlichen Kampf beschreibt, der hinter den historischen Ereignissen steht.118

Natürlich grenzt dieses Verständnis an eine Ablehnung des futuristischen Anspruchs der Offenbarung als Ganzes. Selbst dann gibt es Anhaltspunkte in dem Abschnitt selber, welche die Vision in den „üblichen Kategorien von Raum und Zeit” verankern, ohne die symbolische oder figurative Erscheinung zu verleugnen, in der die zukünftigen Ereignisse dargestellt werden. Zuerst, wie oben in einiger Ausführlichkeit beschrieben, sind die Symbole selber in alttestamentlichen Abschnitten verankert, welche ihrerseits reale, historische oder historisch-prophetische Bezüge haben. Zum Beispiel, der siebenköpfige, zehnhörnige Drachen von Offenbarung 12,3 scheint eine Verschmelzung der vier Tiere aus Daniel 7,4-7 zu sein, welche ihrerseits aufeinanderfolgende Weltmächte der aktuellen Geschichte (Dan 7,17-20) symbolisieren. Zweitens, die chronologischen Anzeichen in Offenbarung 12,6 („eintausend zweihundert und sechzig Tage”) und 12,14 („Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit”), welche eine Anspielung sind auf die gleichen Zeitelemente in Daniel 12,7 und wahrscheinlich 9,27, dienen ebenso dazu die Vision an Zeit-Raum Ereignisse der Zukunft zu verankern.

Überbetonungen des „Offensichtlichen. Oftmals werden Ausleger gegen die Interpretation als Leib Christi argumentieren, nicht etwa indem sie eindeutige Argumente oder Gegenbeweise bringen, sondern indem sie einfach die entgegengesetzte Sicht über-betonen Deswegen schreibt Smith, “Der Bezug hier ist unmissverständlich zur Geburt von Christus in Bethlehem in Judäa. Im Griechischen steht, ‘Sie brachte einen Sohn hervor, einen männlichen’”119 Bezogen auf die Anspielung auf Psalm 2,9 schreibt er “Der zweite Teilsatz verweist deutlich auf Psalm 2,9. . . . und stellt die Tatsache fest, dass das männliche Kind Christus ist.”120 Bezüglich des „Entrückens” zu Gott schreibt Smith,

Eindeutig bezieht sich das auf die Himmelfahrt Christi. Einwände wurden gegenüber dieser Sichtweise mit der Begründung gemacht, dass das originale Wort für entrücken ein gewaltsames Wegreißen weg von der Gefahr beschreibt. Vgl. Judas 23; Apostelgeschichte 23,10. Dass das Wort nicht beschränkt ist auf diese Verwendung wird klar von seinem Gebrauch in Apostelgeschichte 8,39, wo der Heilige Geist Philippus entrückt und noch einmal in 2.Korinther 12,2.4 wo Paulus sagt, dass er ins Paradies entrückt wurde. In der Tat mag dieses Wort die genau entgegengesetzte Bedeutung haben, so wie es der Fall ist, wo die Schafe an einem Ort der Sicherheit von der Welt geschnappt werden (Johannes 10,12) und noch einmal im gleichen Kapitel in der Deklaration „Keiner kann sie aus meiner Hand reißen” (Vers 28).121

Nachdem die lexikalischen Aspekte ziemlich ausführlich im vorhergehenden Teil diskutiert wurden und unten kurz auf sie eingegangen wird, erübrigt es sich zu sagen, dass Smith’s Beweise nicht wirklich die Schlussfolgerung „offensichtlich” ermöglichen. Nirgendwo argumentiert dieses Papier, dass die unbeeinflusste Bedeutung von ἁρπάζω “retten” ist, wohingegen demonstriert wurde, dass es nicht einfach nur bedeutet „auffahren” ohne die Assoziation eines gewaltsamen Wegreißens.122

Vermischen von Metaphern. Ein weiteres Argument gegen die Sichtweise des körperschaftlichen Leibes ist die Andeutung, dass das Sehen des männlichen Kind als die Gemeinde Metaphern für die Gemeinde vermischt. Smith schreibt, “Die Gemeinde kann nicht nicht konsistent als Braut und als männliches Kind betrachtet werden.”123 Walvoord schreibt:

Wenn die Identifikation der vierundzwanzig Ältesten sachgemäß als die Gemeinde im Himmel angesehen wird, wäre es das Vermischen von Metaphern, die Gemeinde als männliches Kind darzustellen, besonders, wenn die Gemeinde in Kapitel 19 als die Ehefrau und Braut betrachtet wird. Es gibt keinen guten Grund dafür, das männliche Kind nicht als Christus zu identifizieren und das Drama von Vers 5 nicht als Panorama seiner Geburt, seines Lebens und seiner Himmelfahrt zu interpretieren.124

Zuerst, es ist kein Vermischen von Metaphern, wenn die Symbole in zwei verschiedenen Visionen auftauchen, wie es hier geschieht. Zweitens, Epheser 4,13 sieht die Gemeinde als einen „Mann” (ἄνδρα). Wenn das keinen Widerspruch zum Porträtieren der Gemeinde als Braut darstellt, dann auch nicht das Porträtieren der Gemeinde als männliches Kind in Offenbarung 12,5. Drittens vermischt Walvoord’s eigene Identifikation der Gemeinde als die vierundzwanzig Ältesten und die Braut nicht die Metaphern gemäß seiner eigenen Kriterien?

Entrückt zu Gott und seinem Thron ist nicht anwendbar auf die Gemeinde. Andere behaupten, dass die Gemeinde nicht beschrieben werden kann als „entrückt zu Gott und seinem Thron”, dass dieser Bestimmungsort reserviert ist allein für den Sohn Gottes.125 Dennoch sehen wir an anderen Stellen der Offenbarung, dass der Bestimmungsort von Gottes Thron nicht ausschließlich dem Sohn Gottes vorbehalten ist (Offb 4,4; 7,9); und es muss darauf hingewiesen werden, dass Offenbarung 12,5 nicht sagt, dass das männliche Kind auf dem Thron sitzt, sondern dass es entrückt wird „zu Gott und seinem Thron”, was die Richtung des Wegreißens andeutet (πρὸς τὸν θεὸν καὶ πρὸς τὸν θρόνον αὐτοῦ).

αρπάζω ist praktisch identisch mit ἀναλαμβάνω. Wenn es zu lexikalischen Problemen kommt mit dem Gebrauch von ἁρπάζω, dann schwächen einige Kommentatoren, die das männliche Kind nur für Christus allein halten, einfach die Bedeutung des Ausdrucks per Kommentar ab. Swete schreibt also:

Mit ἡρπάσθη (Vg. raptus est, A.V., R.V., “was caught up”) vergleiche Apg 8,39 . . . 2.Kor 12,2.4 . . . 1.Thess 4,17 . . . . Hier, wenn unsere Interpretation korrekt ist, passt es zu ἀνελήμφθη in 2.Kö 2,11, Apg 1,2.11.22, 1.Tim 3,16, die Himmelfahrt darstellend als eine Entrückung – eine bildliche und wahre, wenn nicht sogar erschöpfende Darstellung.

In ähnlicher Weise argumentiert Thomas so:

Es bezieht sich am ehesten auf die Himmelfahrt Christi zum Thron seines Vaters nach der Auferstehung (vgl. Apg 2,33.34; 5,31; 7,55.56; Röm 8,34; Eph 1,20; Hebr 8,1; 10,12; 12,2; 1.Petr 3,22). Harpazo muss nicht die Nebenbedeutung des Entkommens vor einer unmittelbar bevorstehenden Gefahr in sich tragen. Es ist schlicht eine weitere Möglichkeit, die Aktion von ἀνελήμφθη zu beschreiben . . . aus Apg 1,2.22; 1.Tim 3,16 (Swete). Der Hauptzweck seiner Himmelfahrt war nicht Satan’s Feindseligkeit zu entkommen, das war nur ein Nebeneffekt. Sobald der Messias erst einmal in der himmlischen Gegenwart war, hatte Satan keinen weiteren Zugang zu ihm, deshalb musste er seine Feindseligkeit umleiten.126

Aber ein derartiges Wegdeuten des Wortes ignoriert schlicht den soliden Hinweis, dass ἁρπάζω mit sich die Bedeutung des „Wegreißens” trägt, dass Christus in keinem der Abschnitte über die Himmelfahrt jemals als „weggerissen” dargestellt wurde, und dass der Kontext von Offenbarung 12,5 in der Tat eine Rettung vor einer unmittelbaren Bedrohung durch den Drachen darzustellen scheint. Thomas’ Diskussion einer Flucht des Messias vor Feindseligkeit muss deshalb im Licht der Tatsache zurückgewiesen werden, dass Christus nach seiner Auferstehung unter keiner wie auch immer gearteten Bedrohung von Satan stand, weder real noch imaginär.127

Psalm 2,9 belegt, dass Christus gemeint ist, nicht die Gemeinde. Pentecost schreibt, “Weil das Kind geboren wurde um ‘alle Nationen mit einem eisernen Stab zu regieren’ (Offb 12,5), kann es sich nur auf Christus beziehen, den Einen, dessen Recht es ist, zu regieren”128 und er führt später an, dass die Anspielung auf Psalm 2,9 “das männliche Kind hier als niemand anderen als Jesus Christus identifiziert.”129

Robert Thomas bezieht sich stark auf die Anspielung auf Psalm 2,9 wenn er annimmt:

Obwohl einige frühere Ausleger υἱόν ἄρσεν als Christus und die Gemeinde interpretierten oder sogar die Gemeinde allein, ist es ein eindeutiger Bezug auf Jesus Christus (Swete, Seiss).130 Die Verifizierung findet sich in dem relativen Ausdruck ὅς μέλλει ποιμαίνειν πάντα τὰ ἔθνη ἐν ῥάβδῳ σιδηρᾷ ( . . . “der dabei ist, alle Nationen mit einem eisernen Stab zu vernichten”). Die Worte dieses Ausdrucks sind von Ps 2,9 und werden dem Überwinder von 2,27 zugerechnet, wie auch dem kriegerischen König in 19,15 (Alford). . . . Bei seiner triumphalen Rückkehr wird Christus „alle Nationen” zerstören . . . und dann die Herrschaft haben über neue Nationen, die entstehen werden, wenn er seine Königsherrschaft aufrichtet. Dieses Bild, das von Psalm 2 abgeleitet ist, erfordert, dass die hier gezeigte Geburt die von Jesus Christus ist.131

Auch Thomas scheint einen unbelegten inhaltlichen Gedankensprung zu machen, indem er die andere Beweisführungen für die Identifikation des männlichen Kindes mit der Gemeinde missachtet. Nur das Aufzeigen der Anspielung auf Psalm 2,9 und seine Anwendbarkeit auf Christus schließt nicht automatisch aus, dass der Abschnitt sich auch auf die Gemeinde bezieht (vgl. Offb 2,26-28). In Wirklichkeit, wie oben gezeigt, legt Offenbarung 19, 11-16 nahe, dass beide, Christus und die himmlischen Heerscharen (die verherrlichten Heiligen) die Nationen vernichten, die sich gegen sie versammelt haben.132 Deswegen versagt Thomas’ „Verifizierung”, dass Offenbarung 12,5 ein eindeutiger Bezug auf „Jesus Christus” ist, darin, die Schwächen der Beweisführung zu überwinden.

Die Entrückung des männlichen Kindes bezieht sich auf den Tod oder die Auferstehung als die Inthronisierung statt auf die Himmelfahrt. Diese Sichtweise wird von Gelehrten wie Caird und Beale vertreten.133 Das Hauptargument liegt in der Anspielung auf Psalm 2,9, der ein Inthronisierungs-Psalm ist. Es wird dann gezeigt, dass in Christus’ Tod und Auferstehung er „proklamiert wird als der Sohn Gottes mit Macht” (Röm 1,4). Sogar Thomas zeigt auf, dass „das königliche Thema nicht deutlich genug in dem aktuellen Kontext hervorgehoben wird, um die Sicht zu belegen, dass es sich um seine Annahme der Herrschaft handelt”134. Dennoch gibt es noch größere Bedenken bei dieser Sichtweise. Wenn das „Entrücken” sich entweder auf den Tod oder die Auferstehung als die Inthronisierung bezieht, muss man erklären, warum das Ziel „hin zu Gott und seinem Thron” an dieser Stelle eingefügt wird. Beale meint, dass „die Anspielung auf die Auferstehung von den Toten implizit in dem Wort ἁρπάζω (‘entrücken’) liegt, welches oft verwendet wird für ein gewaltsames Wegnehmen. Die Idee ist möglicherweise, dass der Teufel kurzzeitig das Christuskind verschlang, indem er es zu Tode brachte, nur damit der Sieg mit der Auferstehung weggenommen wurde.” Trotzdem versagt diese Erklärung darin, die präpositionale Phrase πρὸς τὸν θεὸν καὶ τὸν θρόνον ernst zu nehmen, welche das Ziel der Bewegung mit ἁρπάζω nahelegt.135 Vierzig Tage lang nach seiner Auferstehung erschien Christus auf der Erde den Jüngern (Apg 1,3); erst nach diesem Zeitraum stieg er in den Himmel auf (Apg 1,9). Deswegen kann sich das „Entrücken” nicht auf den Tod oder die Auferstehung als die Inthronisierung beziehen, weil Jesus nicht unmittelbar danach zu Gott entrückt wurde (Johannes 20,17); noch lässt es sich leicht auf die Himmelfahrt Christi beziehen, weil, obwohl Christus auffuhr zu Gott und seinem Thron, er nicht „weggerissen” wurde (Apg 1,9).136 Obschon oberflächlich reizvoll, sind die Annahmen von Caird und Beale beide unbefriedigend; trotzdem sind sie zu loben, weil sie sich den Schwierigkeiten stellen, die sich ergeben, die Himmelfahrt an sich mit ἁρπάζω zu beschreiben.

Schillings vier Argumente gegen die Gemeinde als das männliche Kind in Offenbarung 12,5. Schilling, dessen Th.M. Arbeit an der Trinity Evangelical Divinity School behandelt die Entrückung der Gemeinde in der Offenbarung, beantwortet die Frage, “Kann das männliche Kind, das zu Gottes Thron ‘entrückt’ wird die Entrückung der Gemeinde darstellen, nachdem die Kirche eindeutig der Leib Christi ist (1.Kor 12,12)?”137 Das ist exakt die Frage, die in diesem Papier mit „Ja” beantwortet wird. Die vier besten Argumente von Schilling gegen diese Sichtweise werden hier trotzdem in ihrer Gänze zitiert:

    1. Die Repräsentation des männlichen Kindes passt eindeutig auf Jesus Christus und es ist kein weiterer symbolischer Bezug notwendig.
    2. Das männliche Kind würde das Individuum Christus bei seiner Geburt repräsentieren und dann sich ändern um die vielen Individuen der Gemeinde bei der Entrückung zu repräsentieren. Nachdem es keine Anzeichen dafür gibt, dass eine Änderung eintritt, scheint es am besten die Interpretation des männlichen Kindes unverändert zu lassen.
    3. Das Symbol lässt verschiedene Schlüsseldetails aus dem Entrückungsereignis aus (z.B. das Zusammentreffen mit Christus in den Wolken, etc.). Wenn dieser Abschnitt dazu bestimmt ist, die Entrückung darzustellen, dann würden zumindest einige Details der Entrückung vorhanden sein (1.Thess 4,16-17; 1.Kor 15,52), welche dieses Ereignis von der Geburt, Himmelfahrt und Erhöhung von Jesus Christus zum Thron Gottes unterscheiden.
    4. Die “Übrigen der Nachkommenschaft” (Offb 12,17) sind eindeutig diejenigen, welche das „Zeugnis von Jesus tragen” und “die Gebote Gottes halten”. Von diesen würde man erwarten, Teil der Gemeinde zu sein und zu dieser Zeit entrückt zu werden, wenn das die Entrückung der Gemeinde wäre. Weil sie nicht entrückt wurden, weist dies also ebenfalls darauf hin, dass dieses Ereignis nicht die Entrückung war.

Schilling’s erstes Argument wird widerlegt durch Folgendes, alles wurden ausführlich oben diskutiert: 1) ἁρπάζω ist unpassend für die Himmelfahrt Christi; 2) die Symbole in Offenbarung 12,1-4 sind körperschaftliche Gebilde, was nahelegt, dass eine ähnliche Dimension auch für das männliche Kind gilt; 3) das männliche Kind scheint vor den Kieferbacken des Drachens „gerettet” zu werden durch wegreißen; das trifft nicht zu für die Himmelfahrt von Christus; 4) der Tod und die Auferstehung werden nirgendwo angedeutet. Deswegen ist Schilling’s Behauptung, dass „die Darstellung des männlichen Kindes eindeutig auf Jesus Christus zutrifft” eine Übertreibung und ungenau in verschiedenen Punkten.

Sein zweites Argument ignoriert die Anspielung in Offenbarung 12,5 auf die Geburt einer neuen Nation für Jerusalem in Jesaja 66,7-8, wo das körperschaftliche Individuum, Zion, ein Wehen liegt und ein körperschaftliches Individuum zur Welt bringt, ihr „Kind”, das männliche, das beschrieben wird als „eine Nation” und „Söhne” im Plural. Der gegenwärtige Schreiber sieht kein stichhaltiges Gegenargument in Schilling’s zweitem Punkt.

Schilling’s drittes Argument scheint das Genre zu ignorieren und zudem selbst-verteidigend zu sein. Zuerst vergisst er, dass der Kontext eine symbolische Vision der Realität ist, nicht die Realität an sich. Während 1.Thess 1,4-17 die Entrückung in normaler wörtlicher Sprache beschreibt, ist Offenbarung eine symbolische Repräsentation des Ereignisses. Zweitens weist Schilling auf das Fehlen verschiedener Details der Entrückung hin, vermeidet aber, darauf hinzuweisen, dass Leben, Tod und Auferstehung von Christus vollständig abwesend ist in seiner eigenen Interpretation.

Zuletzt, Schilling’s Einwand, dass die “Übrigen der Nachkommenschaft” einen Widerspruch in der Identifizierung des männlichen Kindes mit der Gemeinde zeigt, übersieht die chronologischen Hinweise in dem Absatz. Es zeigt sich, dass die „Übrigen der Nachkommenschaft” der Frau für eine gewisse Zeit auf der Erde sind nach der Entrückung des männlichen Kindes. Die „Übrigen der Nachkommenschaft” in die Gemeinde einzuschließen, verrät Schilling’s Voreingenommenheit bezüglich einer Nach-Entrückungsposition. Es widerlegt jedoch nicht die Identifikation des männlichen Kindes als die Gemeinde.

Zusammenfassung. Beim Untersuchen der Argumente, die von verschiedenen Kommentatoren und Gelehrten, welche die Sichtweise ablehnen, dass das männliche Kind die Gemeinde repräsentiert, vorgebracht wurden, stellt der gegenwärtige Schreiber Folgendes fest: 1) Es gibt keinen guten Grund, die Sichtweise abzulehnen, dass das männliche Kind die Gemeinde repräsentiert; 2) die Identifikation des männlichen Kindes allein als Jesus Christus ist nicht ausreichend für alle Hinweise; und 3) die Identifikation des männlichen Kindes als die Gemeinde schließt alle Hinweise ein. Deshalb scheint für den gegenwärtigen Schreiber die beste Erklärung für die Identifikation des männlichen Kindes in Offenbarung 12,5 der Leib von Christus, die Gemeinde zu sein.

Auswirkungen und Zusammenfassung

Die Apokalypse des Johannes und die Entrückung der Gemeinde

Wenn das männliche Kind nicht einfach nur das Individuum Jesus Christus repräsentiert, sondern die unio mystica, die Gläubigen aus allen Generationen der Gemeinde, die ἐν Χριστῷ sind, dann ist Offenbarung 12,5 die einzige explizite Erwähnung der Entrückung der Gemeinde im Buch der Offenbarung. Obwohl andere Abschnitte in der Tat eine Entrückung beinhalten können (z.B. Offb 3,10), ist das Ereignis an sich nicht beschrieben. Die Stelle Offenbarung 12,5, die im Herzen der Apokalypse steht und welche die zwei Anspielungen auf Psalm 2,9, die an den beiden Enden des Buches zu finden sind, zusammenbringt, scheint eine passende Stelle für die Entrückung der Gemeinde in dem Buch zu sein, das geschrieben wurde, um „seinen Dienern zu zeigen, was sehr bald geschehen muss”.

Anhang

Bild 1: “Die zwei Zeugen und die zwei Tiere”

Bild 2: “ ᾿Αρπάζω in der LXX, Apokryphen, und NT”


1 Eine Version dieses Papiers wurde erstmals präsentiert auf dem Southwest Regional Meeting of the Evangelical Theological Society, Friday, April 7, 2000. Michael J. Svigel kann für Fragen oder Anmerkungen erreicht werden werden unter [email protected]

2 Mit Ausnahme von direkten Zitaten von anderen Autoren benutzt dieses Papier den Ausdruck “Gemeinde” durchgängig um die Gemeinschaft der lebenden und in Christus verstorbenen Gläubigen des Neuen Bundes zu bezeichnen. Diese muss unterschieden werden von der sichtbaren oder örtlichen Gemeinde, in denen Gläubige und Ungläubige zu finden sind.

3 Ein Schreiber drückt den Sachverhalt folgendermaßen aus: “Das Hauptproblem mit dem Buch der Offenbarung liegt darin, dass es keine klare Erwähnung der Entrückung der Gemeinde von Offenbarung 4 bis Offenbarung 18 gibt. Noch einmal, man muss sich der schwerwiegenden Tatsache stellen, dass ein Buch, das detailliert die Ereignisse präsentiert, die zum zweiten Kommen Christi führen, jede Hoffnung der Entrückung der Gemeinde für die Heiligen der Trübsal komplett auslassen würde.” (John F. Walvoord, The Rapture Question, rev. and exp. ed. [Grand Rapids: Academie Books, 1979], 260).

4 Neue evangelistische Übersetzung (NEÜ).

5 Einige der gebräuchlichsten und nachhaltigsten Vorschläge sind Offenbarung 3,10; 4,1-2; 7,9-17; 11,11-19; 14,14-16; und 19,11-20,6. Es kommt oft vor, dass Ausleger in Teile der Offenbarung abdriften, die mit ihren vorgefassten Entrückungsansichten übereinstimmen. Diejenigen, welche eine Vorentrückungsposition vertreten, tendieren dazu, die Entrückung in den Eröffnungskapiteln der Offenbarung zu finden und ignorieren quasi die anderen Teile des Buches. Vertreter der Zwischenentrückung und Entrückung vor dem Zorn werden die Entrückung irgendwo in der Mitte oder zum Ende hin finden, bevor in Kapitel 16 die Schalen des Zorns ausgegossen werden. Natürlich werden Anhänger der Nachentrückung die Entrückung in einem späteren Abschnitt wie Offenbarung 20,4-6 finden. Allerdings stimmen die meisten Gelehrten darin überein, dass diese Herangehensweise, egal ob beabsichtigt oder unbewusst, verkehrt ist. Um mir ein Wortspiel zu gestatten: man muss zulassen, dass die Entrückung dem Text sozusagen entspringt. Die Regeln der Genre-bezogenen Interpretation dürfen nicht überstrapaziert werden. Man muss fragen wo die Entrückung in der Offenbarung zu finden ist, bevor man sich fragt, wann die Entrückung stattfindet, sofern der Zeitpunkt tatsächlich durch den Kontext bestimmbar ist.

6 Vgl. Rö 6,5; 8; 1 Kor 15; Phil 3,10-11; 1.Thess 4,14-17, etc.

7 Robert Mounce, The Book of Revelation, rev. ed. (Grand Rapids: William B. Eerdmans, 1998), 119. Das wirft die Frage auf ob wir überhaupt erwarten sollten, die Lehre von der Entrückung im Buch der Offenbarung zu finden. Nachdem es so aussieht, dass diese Lehre eindeutig Paulinisch ist und ihm durch eine spezielle Offenbarung durch den Herrn gegeben wurde (1.Kor 15,51, 1.Thess 4,15) scheint es wahrscheinlich zu sein, dass das Entrückungs-/Auferstehungsereignis entweder unausgesprochen oder verhüllt in den Lehren von Christus ist. Deshalb sind die Stellen in Matth 24,30-31; Mk 13,24-27; Luk 17,22-37; Joh 14,1-4 keine Belegstellen für die Entrückung der Gemeinde oder anders ausgedrückt, die Entrückung ist verhüllt und lässt damit die Möglichkeit einer späteren klaren Offenbarung zu. Bis zu dem Zeitpunkt, als 1.Korinther verfasst wurde, wurde diese Lehre offensichtlich von Paulus vertreten und gelehrt. Ist es daher notwendig, dass die Entrückung auch noch im Buch der Offenbarung auftaucht? Wenn wir die Apokalypse als ein ausschließlich (oder sogar primär) menschliches Werk betrachten (d.h. wir verstehen es im Großen und Ganzen als durch die eigene Vorstellung des Autors erstellt), möchte man sehr wohl erwarten, das die Entrückung in dem Buch dargestellt wird, vorausgesetzt, der Autor kannte die Paulinische Lehre. Aber selbst wenn Johannes die Paulinische Lehre von der Entrückung unbekannt war, würde er keinen Grund gehabt haben sie mit einzufügen. Wie auch immer, wenn wir das Buch begreifen als Johannes’ präzise Schilderung der offenbarten Visionen aus dem Himmel, ist es unerheblich, ob Johannes die Lehre von der Entrückung kannte oder nicht. Auch wenn wir Gott das Gegenteil zugestehen, man kommt nicht umhin zu erwarten, dass Gott etwas von der Entrückung in seiner letzten großen apokalyptischen Botschaft an die Gemeinde mitteilt. Zusammengefasst kann man die Entrückung nicht einfach von der Apokalypse damit entschuldigen, dass sie eine paulinische Lehre und keine johanneische Lehre ist, wenn das Buch eine Darlegung von offenbarten Visionen vom Himmel ist. Die Frage ist also nicht ob sie paulinisch oder johanneisch ist, sondern ob sie wahr ist.

8 Obwohl für jede Option vielfach Beispiele herangezogen werden können, werden für den Zweck der vorliegenden Arbeit nur einige bedeutende Kommentatoren zur Unterstützung zitiert.

9 Lewis Sperry Chafer, Systematic Theology, vol. 4 (Dallas: Dallas Seminary Press, 1948), 369-371.

10 Siehe (z.B.) Paul D. Feinberg, “The Case for the Pretribulation Rapture Position,” in Three Views on the Rapture: Pre-, Mid-, or Post-Tribulational? (Grand Rapids: Zondervan Publishing House, 1996); Charles C. Ryrie, The Final Countdown, rev. and exp., (Wheaton: Victor Books, 1982), 87; Henry C. Thiessen, Lectures in Systematic Theology (Grand Rapids: Wm. B. Eerdmans, 1949), 478-79. J. Ramsey Michaels präsentiert ein interessantes Argument, dass nämlich das Versprechen von Offb 3,10 das Versprechen der offenen Tür in Kap. 3,8 beantwortet, welches verstanden wird nicht als eine offene Tür für das Evangelium sondern als Eingang in den Himmel, wie in Offb 4,1 (J. Ramsey Michaels, Revelation, The IVP New Testament Commentary Series, Grand Osborne, ed. [Downers Grove, IL: InterVarsity Press, 1997], 83-85).

11 Feinberg, “Pretribulation Rapture,” 63.

12 Robert L. Thomas, Revelation 1-7, An Exegetical Commentary, Kenneth Barker, ed. (Chicago: Moody Press, 1992), 283-290. Siehe Standardargumente in Thomas R. Edgar, “An Exegesis of Rapture Passages,” in Issues in Dispensationalism, Charles C. Ryrie, John R. Master, and Wesley R. Willis, eds. (Chicago: Moody Press, 1994), 211-217; Feinberg, “Pretribulation Rapture,” 63-72.

13 Vgl. Robert Gundry, The Church and the Tribulation (Grand Rapids: Zondervan, 1973), 54-61.

14 Vieles der Debatte über Offenbarung 3,10 dreht sich nicht um die Phrase als Ganzes, sondern um die armselige kleine Präposition, ἐκ. Wohl kaum hat ein Zwei-Buchstaben Wort soviel Prügel bezogen in theologischen Debatten.

15 Daniel B. Wallace, Greek Grammar Beyond the Basics: An Exegetical Syntax of the New Testament (Grand Rapids: Zondervan, 1996), 359.

16 Mounce, Revelation, 103. In ähnlicher Weise schreibt Ladd, “Obwohl die Gemeinde in diesen letzten schrecklichen Tagen auf der Erde sein und heftige Verfolgung und Martyrium erleiden wird durch die Hand des Tieres, wird sie vor der Stunde der Versuchung bewahrt werden, die über die heidnische Welt kommt. Gottes Zorn, ausgegossen über die Herrschaft des Antichristen, wird die Gemeinde nicht treffen.” (George E. Ladd, A Commentary on the Book of the Revelation of John [Grand Rapids: Eerdmans, 1972], 62).

17 G. K. Beale, The Book of Revelation, The New International Greek Testament Commentary, ed. I. Howard Marshall and Donald A. Hagner (Grand Rapids: Zondervan, 1999), 291. Allerdings stimme ich nicht mit der semi-futuristischen (“eclectic” or “modified idealist,” ibid., 48-49) Herangehensweise von Beale an die Offenbarung überein und sehe deshalb die “Stunde der Versuchung” nicht ausschließlich als Versprechen an die Gemeinde in Philadelphia oder die Gemeinde während das aktuellen Zeitalters sondern auch an die Gemeinde der Vollendung.

18 Thomas, Revelation 1-7, 288.

19 George Eldon Ladd, The Blessed Hope: A Biblical Study of the Second Advent and the Rapture (Grand Rapids: Eerdmans, 1956), 85-86.

20 Beale, Revelation, 290-292; Robert H. Gundry, The Church and the Tribulation (Grand Rapids: Zondervan, 1973), 58-59; William R. Kimball, The Rapture: A Question of Timing (Grand Rapids: Baker Book House, 1985), 83-85.

21 Lies (z.B.) Thomas R. Edgar, “Robert H. Gundry and Revelation 3:10,” Grace Theological Journal 3 (Spring 1982): 19-49; David G. Winfrey, “The Great Tribulation: Kept ‘Out Of’ oder ‘Through’?” Grace Theological Journal 3: (Spring, 1982): 3-18; Jeffrey L. Townsend, “The Rapture in Revelation 3:10,” Bibliotheca Sacra 137 (1980): 252-266.

22 Allen Beechick, The Pre-Tribulation Rapture (Denver: Accent Books, 1980), 173; H. A. Ironside, Revelation, Ironside Commentaries, rev. ed. (Neptune, NJ: Loizeaux Brothers, Inc., 1996), 61; William R. Newell, Revelation: Chapter-by-Chapter (Chicago: Grace Publications, 1935; rev. ed. Grand Rapids: Kregel Publications: 1994), 90-91; C. I. Scofield, The New Scofield Study Bible: NASB (New York: Oxford University Press, 1967), 1776; J. A. Seiss, The Apocalypse: A Series of Special Lecture on the Revelation of Jesus Christ with Revised Text, 14th ed. (Philadelphia, PA: Approved-Books Store, 1900), 1: 229; John F. Walvoord, The Revelation of Jesus Christ (Chicago: Moody Press, 1966), 103.

23 Seiss, Apocalypse, I: 229.

24 Siehe z.B. Renald Showers, Maranatha: Our Lord, Come! (Bellmawr, NJ: The Friends of Israel Gospel Ministry, Inc., 1995), 74, als einen zeitgenössischen Vertreter dieser Sichtweise.

25 Siehe z.B. F. W. Grant, The Prophetic History of the Church: Revelation 2 and 3 (Neptune: NJ: Loizeaux Brother, 1902).

26  J. Dwight Pentecost, Things to Come (Grand Rapids: Zondervan Publishing House, 1958), 207-209.

27  Thomas, Revelation 1-7, 336-337. Vgl. Ladd, Blessed Hope, 76-77.

28 Jacob B. Smith, A Revelation of Jesus Christ: A Commentary on the Book of Revelation, ed. J. Otis Toder (Scottsdale, PA: Herald Press, 1961), 101. Siehe ebenso Thomas, Revelation 1-7, 333, wo er schreibt, “Das vorherige Auftreten der Phrase μετὰ ταῦτα . . . in V. 1 beschreibt die Reihenfolge von Johannes’ Empfang der Offenbarung. Es markiert den Beginn einer neuen Vision, wie es das viele Male in dem Buch tut.
. . . Es ist wahr, dass die Reihenfolge der Visionen, die Johannes gegeben wurden, möglicherweise übereinstimmt mit der Reihenfolge der Ereignisse, welche sie vorhersagen . . . , aber wann immer εἶδον auf meta tauta folgt. . . Johannes’ primärer Bezug ist der auf den Beginn einer neuen Vision.”

29 Walvoord, Rapture Question, 259.

30 Thiessen, Theology, 482.

31 Chafer, Systematic Theology, 4:371-372. Siehe ebenso Seiss, Apocalypse, I: 250.

32 Diese Frage ist der Kern der interpretatorischen Herangehensweisen an das Buch der Offenbarung im Allgemeinen (Vgl. die ausgezeichnete Diskussion über die Interpretation der Symbole in Beale, Revelation, 50-69). Obwohl eine detaillierte Untersuchung dieses Themas außerhalb des Fokus dieses Papiers liegt, ist das Thema, soweit es die vierundzwanzig Ältesten betrifft, einen kurzen Exkurs wert. Die Identifikation der  vierundzwanzig Ältesten als Repräsentanten (entweder symbolisch oder föderativ) der Gemeinde anstelle von himmlischen Wesen zur Zeit der Vision des Johannes wirft viele Probleme auf. Zuerst, eines dieser Wesen interagiert mit Johannes in Offenbarung 7,13-17. Diese Unterhaltung zwingt uns, einige vorläufige Entscheidungen zu treffen, welche die Natur der Visionen/Szenen betreffen, von denen Johannes in der Offenbarung Zeugnis ablegt.  Entweder 1) wurde er geistig in die Zukunft versetzt, so dass er eine Konversation mit einem bereits verwandelten Gläubigen machen konnte (es sei denn, er führte ein Selbstgespräch);  2) Der Himmel und alle, die darin sind (sterblich oder unsterblich), befinden sich in einem zeitlosen Zustand, Johannes ist in der Lage den Himmel in seiner eigenen Zeit zu besuchen und mit Leuten Konversation zu machen, die aus der zeitlichen Sicht der Erde aus betrachtet, noch nicht dort sind, aber dort sein werden und es jetzt schon sind; 3) Johannes wurde in den Himmel seiner Zeit versetzt und unterhielt sich mit einem realen Wesen, das überhaupt nichts mit der verwandelten Gemeinde zu tun hat, weil zu der Zeit von Johannes die Gemeinde noch nicht verwandelt war; 4) Johannes wurde entrückt in eine geistige Scheinwelt, in der nicht reale Visionen als real erscheinen, in Wirklichkeit aber einfach nur “Diashows”, “Videoclips”, “Sketche” etc. sind, welche symbolisch zukünftige Ereignisse porträtieren; deshalb spricht er nicht mit einem realen Wesen, sondern mit einer komplexen interaktiven geistigen Multimedia Präsentation. Am wenigsten weit hergeholt und am konsistentesten mit dem Rest der Offenbarung scheint eine Kombination von 3) und 4) zu sein. Johannes, wie Paulus in 2.Kor 12,1-4, wurde in Wirklichkeit ins Paradies versetzt, wo er, wie in Jesaja 6,1-13, eine  Gotteserscheinung ebenso wie andere Elemente der himmlischen Szenerie beobachtete, von denen vorher nichts berichtet wurde. Deshalb sind Offenbarung 4 und 5 eine Beschreibung des Thronsaals im Himmel, zumindest so wie er Johannes gezeigt wurde. Weil er die Behausung von begrenzten Wesen ist (vier Kreaturen, vierundzwanzig Älteste, Engel, etc) muss er wahrscheinlich als ein Ort mit linearer Zeit betrachtet werden. Im Anschluss an Offenbarung 4 und 5 werden eine Reihe von Visionen und symbolischen Szenen präsentiert, etwa so, wie ein monumentaler aufwändiger Film aufgebaut ist. Johannes sieht nicht die tatsächlichen Ereignisse an sich, noch sieht er chronologisch in Echtzeit sich entfaltende symbolische Repräsentationen. Stattdessen, wie bei der alttestamentlichen apokalyptischen Literatur (Sacharja, Daniel, etc.) sieht er Episoden, eine nach der anderen in einer vom Himmel designten Reihenfolge, mit Zwischenteilen, Einschüben und Rückblenden in verschiedenen medialen Darstellungen. Deshalb ist ein strikt chronologisches Herangehen an die Offenbarung nicht leicht beizubehalten; ebenso verhält es sich auch mit der Ansicht, dass Johannes die Zukunft so sieht wie sie tatsächlich sein wird, stattdessen sieht er eine symbolische Darstellung dieser Zukunft.

33 Vgl. Bruce M. Metzger, A Textual Commentary on the Greek New Testament, 2d ed. (New York: American Bible Society, 1994), 666-667.

34 Mounce, Revelation, 121, nimmt die dritte Person Plural in Offenbarung 5,9-10 als Beweis dafür, dass die vierundzwanzig Ältesten nicht die Gemeinde sind, weil die Heiligen nicht über andere singen würden, wenn sie selbst gemeint sind. Dennoch, das Ziel der Anbetung ist Gott und Gott Lobpreis zu singen in der dritten Person mit seiner Gnade als Merkmal ist im alten Hymnengesang nicht unbekannt (Vgl. Ps 112; 114; 127).

35 Ironside, Revelation, 61; Showers, Maranatha!, 245; Walvoord, Rapture Question, 260.

36 Showers, Maranatha!, 247-248.

37 Die meisten Kommentatoren der Offenbarung vertreten die Meinung, dass es sich um eine Art Zusammenfassung der Visionen der Apokalypse anstelle einer strikten chronologischen Übersicht handelt. Weil die Meisten Offenbarung 12,5 als die Geburt und die Himmelfahrt von Christus ansehen (was später diskutiert wird), können dieselben Kommentatoren eine strikte futuristische Sichtweise und ein chronologisches Entfalten der Visionen von Offenbarung 4 bis 22 nicht ohne Widerspruch vertreten. Es scheint dem Textmaterial und der Natur des apokalyptischen Genres im Allgemeinen mehr gerecht zu werden, dass die Visionen der Offenbarung in der chronologischen Reihenfolge aufgeschrieben wurden, in der sie erhalten wurden, aber die Ereignisse, welche sie darstellen, sind manchmal chronologisch, während sie woanders nur Verallgemeinerungen oder Wiederholungen sind.

38 Robert Van Kampen, The Sign, exp. ed. (Wheaton, IL: Crossway Books, 1993), 308.

39 Die Intention hier ist nicht ein Strohmann-Argument zu generieren, sondern den Wert einer kühnen Behauptung zu untersuchen.

40 Van Kampen, Sign, 308-9.

41 Ibid., 309. Note: die Phrase “Hervorhebung hinzugefügt” ist die von Van Kampen.

42 Sieh Showers, Maranatha!, 248-249, wo er zeigt, dass nicht-auferweckte Geistwesen tatsächlich alle hier erwähnten Aktivitäten ausführen können.

43 Vgl. Ladd, Revelation, 117-120.

44 James O. Buswell, A Systematic Theology of the Christian Religion (Grand Rapids: Zondervan, 1963), 2: 456.

45 Norman B. Harrison, The End: Re-Thinking the Revelation (Minneapolis, MN: The Harrison Service, 1948), 114-121; Mounce, Revelation, 217; Henry Barclay Swete, Commentary on Revelation, reprint (Grand Rapids: Kregal Publications, 1977), 134-140.

46 Mounce, Revelation, 217. Vgl. Swete, Revelation, 134, 140.

47 Es ist ziemlich interessant, festzuhalten, dass der Kontext der zwei Zeugen in Offenbarung 11 das Vermessen des Tempels ist, offensichtlich der Tempel auf der Erde in Jerusalem (vgl. 11,1-2). Im Kontext von Sacharja 4 finden wir einen Bezug zu der Vollendung des Projektes, den Tempel in Jerusalem inmitten der Not wieder aufzubauen (Sach 4,7-10). Es ist möglich, dass die Bilder von Offenbarung 11,1-6 eine zukünftige Wiederherstellung des Tempels in Jerusalem während der ersten dreieinhalb Jahre von Daniels 70. Jahrwoche nahelegen, was eine wörtliche Erfüllung der Abschnitte in Daniel 9,27 und 2.Thess 2,4 ermöglicht, in denen ein irdischer Tempel angedeutet wird.

48 Das Symbol von dem “Feuer”, das aus ihrem Mund kommt, ist wahrscheinlich am besten erklärt durch die Beschreibung in 11,6, wo gesagt wird, dass sie Autorität haben Plagen auf die Erde herabzurufen, wann immer sie wollen.

49 Buswell, Theology, 2: 456; also see David V. Schilling, “The Rapture According to the Book of Revelation,” (Th.M. thesis, Trinity Evangelical Divinity School, 1990), 65-66, der folgert, dass die Auferweckung/Himmelfahrt der zwei Zeugen nicht die Entrückung der Gemeinde per se ist, sondern dass “es möglich ist, dass dieses Ereignis [das der zwei Zeugen] zusammenfällt mit der Entrückung der Gemeinde”

50 George Bradford Caird, The Revelation of Saint John, Black’s New Testament Commentary, Henry Chadwick, ed., reprint ed. (Peabody, MA: Hendrickson Publishers, 1993), 107. Vgl. Schilling, “Rapture,” 132ff.;

51 Schilling, “Rapture,” 132.

52 Der aktuelle Schreiber sieht die Posaunen der Offenbarung (genau wie das Öffnen der Siegel) als Ereignisse, die ausschließlich in Johannes himmlischer Erfahrung stattfanden und die Visionen der zukünftigen Ereignisse ankündigten. Sie sind nicht gleichzusetzen mit den zukünftigen Ereignissen an sich so wie während der Trübsal Jesus Christus eine Schriftrolle nehmen wird und ein Siegel nach dem andern öffnen wird. Ich erwarte auch nicht, dass sich sieben Engel aufstellen und ihre Posaunen blasen, während sich die Ereignisse auf der Erde entfalten. Ich glaube, dass Johannes nicht in die Zukunft schaut und Ereignisse sieht, die während der Trübsal stattfinden; Er sieht zu seinem Zeitpunkt eine Reihe von Visionen, die symbolisch auf die Ereignisse der Trübsal hindeuten. Die siebte Posaune ist Teil der Vision, nicht Teil der zukünftigen Ereignisse. Wie auch immer, die hier präsentierte Interpretation basiert nicht auf diesem Verständnis.

53 Interessanterweise wird die Posaune nur in der Version der Ölbergrede von Matthäus erwähnt. Sowohl Markus und Lukas lassen jede Erwähnung eines Posaunenstoßes bei der Wiederkunft Christi aus. Bei der gegebenen Vorliebe von Matthäus’ für Hinweise und Zitate des Alten Testaments verweist er wahrscheinlich auf Jesaja 27,12-13, wo die Sammlung von Gottes Volk, Israel, angekündigt wird durch die “große Posaune”. Die LXX liest sich καὶ ἐσται ἐν τῇ ἡμέρᾳ ἐκείνῃ συμφράξει κύριος ἀπὸ τῆ? διώρυγος τοῦ ποταμοῦ ἕως ῾ρίοκορούρων ὑμεῖς δὲ συναγάγετε τοὺς υἱοὺς Ισραηλ κατὰ ἕνα ἕνα καὶ ἔσται ἐν τῇ ἡμέρᾳ ἐκείνῃ σαλπιοῦσιν τῇ σάλπιγγι τῇ μεγάλῃ καὶ ἥξουσιν οἱ ἀπολόμενοι ἐν τῇ χώρᾳ τῶν ᾿Ασσυρίων καὶ οἱ ἀπολόμενοι ἐν Αἱγύπτῳ καὶ προσκυνήσουσιν τῷ κρυίῳ ἐπὶ τὸ ὄρος τὸ ἅγιον ἐν Ιερουσαλημ. In Matthäus 24,31 steht καὶ ἀποστελεῖ τοὺς ἀγγέλους αὐτοῦ μεγὰ σάλπιγγος μεγάλης, καὶ ἐπισυνάξουσιν τοὺς ἐκλεκτοὺς αὐτους ἐκ τῶν τεσσάρων ἀνέμων ἀπ ᾿ ἄκρων οὐρανῶν ἕως [τῶν] ἄκρῶν αὐτῶν. Im Licht dessen scheint Matthäus’ Bericht das Ereignis an die Wiederherstellung der verstreuten Israeliten in ihrem Land unter der zukünftigen Herrschaft Christi zu hängen.

54 Für eine Diskussion der Argumente für und gegen ein neronisches Datieren der Offenbarung, siehe Donald Guthrie, New Testament Introduction, 4th rev. ed. (Downers Grove, IL: InterVarsity Press, 1990), 957-961.

55 Siehe Diskussion in Guthrie, NT Introduction, 457-459.

56 Buswell, Theology, 2: 458-459.

57 Ibid. 2: 459.

58 Das Öffnen des fünften Siegels offenbart folgendes: “Da sah ich unter dem Altar die Seelen der Menschen, die man umgebracht hatte, weil sie an Gottes Wort festhielten und ihm als seine Zeugen treu geblieben waren. Sie riefen mit lauter Stimme: “Du heiliger und wahrhaftiger Herrscher! Wie lange dauert es noch, bis du unser Blut an den Bewohnern der Erde rächst und sie richtest?” “Habt noch eine kurze Zeit Geduld!”, bekamen sie zur Antwort, während jeder von ihnen ein weißes Gewand erhielt. Erst müsse noch eine bestimmte Zahl ihrer Glaubensgeschwister zum Ziel kommen und so wie sie getötet werden.” Ein Thema, das sich durch die ganze Offenbarung zieht, ist die Vergeltung Gottes an den Feinden seines Volkes für ihr ungerechtes Leiden und ihren Tod. Offenbarung 8,1-5 porträtiert die Gebete der Heiligen, die vom Altar kommen  (wo die Seelen sind, die Vergeltung fordern) mit dem Ergebnis, dass ein Engel Feuer vom Altar wirft und katastrophale Umwälzungen auslöst. Dann schwört in Offenbarung 10,6-7 ein Engel, “bei dem Einen, der für immer und ewig lebt,” der Schöpfer des Himmels, Erde und Meer, dass “keine Verzögerung mehr sein wird!” sondern dass “in den Tagen wenn der siebte Engel seine Posaune bläst, das Geheimnis Gottes vollendet ist, wie er es seinen Dienern den Propheten gesagt hat.” In Offenbarung 11,18-19, nach dem Blasen der siebten Posaune, preisen die vierundzwanzig Ältesten Gott dafür, dass “Die Völker hatten sich wütend gegen dich aufgelehnt, doch jetzt entlädt sich dein Zorn über sie. Jetzt ist die Zeit gekommen, wo du Gericht über die Toten hältst und wo du die verdirbst, die die Erde verderben.” Die Diener, die Propheten und die Heiligen werden belohnt durch das Zorngericht gegen diejenigen, welche sie verfolgt und getötet haben. Offenbarung 18,4-24 skizziert das Gericht von Babylon als Vergeltung für die Ermordung der Heiligen. Eine Stimme vom Himmel ruft Gottes Volk auf, aus Babylon herauszugehen, so dass sie nicht deren Plagen empfangen (18,4). Dann sagt er, “Denn ihre Sünden türmen sich bis zum Himmel auf, und Gott wird sie dafür zur Rechenschaft ziehen. Vergeltet ihr, wie sie auch euch vergolten hat! Zahlt ihr doppelt heim, was sie anderen antat! Gießt ihr ein doppelt so starkes Getränk in ihren eigenen Kelch!” (18,5-6). In 18,20 wirft die Stimme ein: “Ihr Himmel, jubelt über ihren Untergang! Freut euch ihr Heiligen, freut euch Apostel und Propheten! Für alles, was sie euch antat, hat Gott nun sein Urteil an ihr vollstreckt!” In 18,24 wird gesagt, “Blut klebt an ihren Händen, das Blut von Propheten und von Menschen, die Gott geheiligt hat, ja das Blut von allen, die auf der Erde ermordet worden sind.” (Vgl. Offb 19,1-10). Alles das zeigt, dass der Sound der siebten Posaune die Ankündigung des Gerichts über Babylon ist, das Reich des Tieres und die Zeit in der Gott sein Versprechen gegenüber den Märtyrern der Trübsal erfüllt, Rache zu üben an denen, die sie getötet haben. Aus meiner Sicht geschieht die Belohnung nicht bei der siebten Posaune, sondern wird damit angekündigt. in den nachfolgenden Visionen, besonders Offenbarung 14-19, schildert Johannes das Gericht über die Bösen. Deshalb glaube ich, dass ein Verheiraten der tatsächlichen Auferstehung/Belohnung der Heiligen mit dem Moment der siebten Posaune unhaltbar ist aus zwei Hauptgründen: 1) die Toten, die erwähnt werden, scheinen Märtyrer der Trübsal zu sein, welche in der ganzen Offenbarung erwähnt werden als Rache an ihren Mördern erwartend; und 2) diese Ereignisse sind nicht beschränkt auf den genauen Moment des Posaunenstoßes, sondern der Stoß kündigt diese lediglich an in Johannes’ Vision. Tatsächlich finden die Ereignisse statt mit den Schalen des Zorns, der Zerstörung von Babylon und der Schlacht von Armageddon.

59 Schilling, “Rapture,” 207-208. Der zur Verfügung stehende Platz gestattet keine tiefgehende Präsentation aller Argumente Schilling’s. Der Leser wird stark ermutigt, Schilling’s Arbeit für eine vollständige Erklärung und Verteidigung seiner Position zu konsultieren.

60 Caird, Revelation, 190.

61 Ibid., 188-195.

62 G. H. Lang, The Revelation of Jesus Christ: Select Studies, 2d ed. (London: The Paternoster Press, 1948), 236-243; Schilling, “Rapture,” 207-208.

63 Ladd, Revelation, 198; Swete, Revelation, 188-193.

64 G. R. Beasley-Murray, The Book of Revelation, New Century Bible, Matthew Black, gen. ed. (London: Marshall, Morgan & Scott, 1974), 228; Mounce, Revelation, 278; Thomas, Revelation 8-22, An Exegetical Commentary, Kenneth Barker, ed. (Chicago: Moody Press, 1995), 219-220.

65 In Jeremia 51,33 steht: “Denn so spricht Jahwe, der allmächtige Gott Israels: ‘Die Tochter Babylons gleicht einem Dreschplatz, wenn er gerade festgestampft wird. Ein Weilchen noch, dann kommt die Zeit der Ernte für sie.’”

66 Seiss, Apocalypse, III: 38-40

67 Ruth 2,3.4.5.6.7.14.

68 Matthäus 13:41-43, NEÜ. Die Kursivschrift in der originalen Übersetzung soll jeweils den Hinweis auf die alttestamentlichen Passagen in Daniel 3,6 und 12,3 widerspiegeln. Während ich die erste Anspielung für fragwürdig halte ist die nachfolgende nahezu sicher.

69 Siehe jedoch Caird, Revelation, 188-195.

70 Siehe kurze Diskussion in Fußnote 53 weiter vorne.

71 J. Massyngberde Ford argumentiert dass die Offenbarung “wenig Anzeichen zeigt, ein rein christliches Werk zu sein” und schlägt vor, dass sie eine überarbeitete jüdische Apokalypse aus dem ersten Jahrhundert ist. Die Hauptargumente dafür sind die enormen Unterschiede zwischen christlicher Apokalypse und Offenbarung, besonders das massive Fehlen von neutestamentlichen Bezügen und die Fülle an alttestamentlichen Anspielungen und Zitaten (J. Massyngberde Ford, Revelation, The Anchor Bible, W.F. Albright and David Noel Freedman, eds. [Garden City, NY: Doubleday & Company, 1975], 3-26).

72 Walvoord, Revelation, 268.

73 1.Thessalonicher 4:16,17 sagt, ὅτι αὐτὸς ὁ κύριος ἐν κελεύσματι, ἐν φωνῇ ἀρχαγγέλου καὶ ἐν σάλπιγγι θεοῦ, καταβήσεται ἀπ ᾿ οὐρανοῦ καὶ οἱ νεκροὶ ἐν Χριστῷ ἀναστὴσονται πρῶτον, ἔπειτα ἡμεις οἱ ζῶντες οἱ περιλειπόμενοι ἅμα σὺν αὐτοῖς ἁρπαγησόμεθα ἐν νεφέλαις εἰς ἀπάντησιν τοῦ κυρίου εἰς ἀέρα· καὶ οὕτως πάντοτε σὺν κυρίῳ ἐσόμεθα. In 1.Kor 15,52 steht ἐν ἀτόμῳ, ἐν ῥιπῇ ὀφθαλμοῦ, ἐν τῇ ἐσχάρῃ σάλπιγγι· σαλπίσει γὰρ καὶ οἱ νεκροὶ ἐγερθήσονται ἄφθαρτοι καὶ ἡμεῖς ἀλλαγησόμεθα 1.Thessalonicher verbindet das Herabkommen von Christus mit dem “Ruf,” der “Stimme des Erzengels” und der “Posaune Gottes” wohingegen 1.Korinther 15:52 die “letzte Posaune” mit der Auferstehung und der Verwandlung der Lebenden verbindet. Deswegen geschehen alle diese gleichzeitigen Ereignisse “in einem Moment, in einem Augenblick.”

74 Ladd, Revelation, 255.

75 Einmal wird der Ausdruck ἐκλεκτός gebraucht um den Begriff “Engel” zu modifizieren (1.Tim 5,21). Trotzdem, Engel werden nicht als “berufen” oder “treu” beschrieben.

76 Die NET Bibel übersetzt deshalb: “Then I saw thrones and seated on them were those who had been given authority to judge.” (“Dann sah ich Throne und auf ihnen saßen die, denen Autorität zum Richten gegeben war.”) Ähnlich ist es bei der NIV “I saw thrones on which were seated those who had been given authority to judge.” (“Ich sah Throne, auf denen jene saßen, denen Autorität zum Richten gegeben war.”)

77 Ladd, Revelation, 263. Trotzdem glaubt Ladd, dass beide Gruppen, obwohl sie in dem Abschnitt unterschieden werden, nichtsdestotrotz zur selben Zeit nach der Wiederkunft von Christus auferweckt werden. Er schreibt, “Beide Gruppen kommen wieder zum Leben zur selben Zeit bei der ersten Auferstehung. . . . Die Identität der zweiten Gruppe ist klar. Aber wer ist in der ersten undefinierten Gruppe enthalten? Nur eine Möglichkeit ergibt sich von selbst. Es sind die Gerechten, die auf natürliche Weise gestorben sind, die nicht gemartert wurden. . . . dieser Abschnitt platziert die Auferweckung beider, der Heiligen und Märtyrer, bei dem Offenbarwerden von Christus.” (Ladd, Blessed Hope, 83, Hervorhebung von Ladd). Dennoch übersieht Ladd’s Interpretation die Identifizierung der Christus begleitenden Armeen bei seiner Rückkehr in Offenbarung 17,14 und die Anwesenheit der Armeen in Offenbarung 19,14 (beides Mal ist von derselben Gruppe die Rede); diese Schar der Heiligen ist verherrlicht vor der Schlacht von Armageddon und der Auferstehung der Märtyrer in Offenbarung 20,4-6. Trotz der Beweise sagt Ladd, “Nach der Schlacht von Armageddon geschieht die Auferweckung. . . . Beide Gruppen kommen wieder zum Leben zur selben Zeit in der ersten Auferstehung (ibid., 83). Deshalb, wenn mein Verständnis von Offenbarung 17,14; 19,14; und 20,4 korrekt ist, ist Ladd’s Annahme nicht zu halten.

78 Mounce, Revelation, 119. Siehe Fußnote 7 oben.

79 Mounce (Revelation, 231-234), macht in seiner Diskussion des männlichen Kindes absolut keine Erwähnung der hier gezeigten Interpretation. Anscheinend hält er das für nicht diskussionswürdig, aus welchen Gründen auch immer. Beale (Revelation, 641-642) erwähnt diese Sichtweise nur, stellt sie aber nicht adäquat dar mit ihren Pro-Argumenten und macht keinen Versuch sie zu widerlegen. Ein derartiges Behandeln (oder Nicht-Behandeln) bei solchen Kommentatoren wie Mounce oder Beale ist eher als leichtfertiges Abtun zu werten als ein Auseinandersetzen mit der Materie.

80 “Apokalyptisch” wird hier in einem allgemeinen Sinn verwendet und schließt die Anwesenheit anderer Elemente (Sendschreiben, Prophetie) nicht aus. Trotzdem schlägt Beale in Revelation, 37 vor, dass “Apokalypse am besten verstanden wird als eine Intensivierung von Prophetie”. Eine Einführung in das Neue Testament beschreibt die Offenbarung als eine “Prophetie, ausgedrückt in apokalyptischer Form und niedergeschrieben in Briefform” (D. A. Carson, Douglas J. Moo, and Leon Morris, An Introduction to the New Testament [Grand Rapids: Zondervan, 1992], 39). Cf. Craig A. Blaising and Darrell L. Bock, Progressive Dispensationalism (Wheaton: BridgePoint Books, 1993), 90-96; James Moffatt, “Revelation of St. John the Divine,” in The Expositors Greek Testament, vol 5, ed. W. Robertson Nicoll (Grand Rapids: Eerdmans, n.d.), 295-305.

81 Siehe die Diskussion über die angenommenen Quellen der Offenbarung in Guthrie, NT Introduction, 965-968, wo er schreibt, “Die offensichtlichste Quelle von Ideen und geistigen Bildern ist das Alte Testament. . . Obwohl der Schreiber vertraut ist mit den [zwischentestamentlichen] jüdischen [apokalyptischen] Arbeiten, ist er unabhängig von ihnen kann daher nicht als Weiterführung betrachtet werden” (965-967). Cf. George E. Ladd, “The Revelation and Jewish Apocalyptic,” Evangelical Quarterly 29 (1957):94-100.

82 Eine kurze Übersicht dieser Debatte ist am leichtesten zugänglich in Beale, Revelation, 39-43.

83 Siehe Beale, Revelation, 37-39.

84 Cf. Millard J. Erickson, A Basic Guide to Eschatology (Grand Rapids: Baker Books, 1998), 183-184; Grant R. Osborne, The Hermeneutical Spiral: A Comprehensive Introduction to Biblical Interpretation (Downers Grove: InterVarsity Press, 1991), 231-232. Die dogmatischen und oft spaltenden Positionen über die Interpretation der Eschatologie in der Vergangenheit sind zum größten Teil aus der Gunst der heutigen evangelikalen Studenten der Eschatologie gefallen.

85 Bei Darrell Bock finden wir eine exzellente Diskussion der hermeneutischen Probleme im Zusammenhang mit apokalyptischer Literatur. Er schreibt: “Auslegung der Apokalypse ist keine Frage von wörtlicher versus bildlicher/allegorischer Herangehensweise, sondern, wie ein fragliches Bild zu identifizieren und zu verstehen ist” (Blaising and Bock, Progressive Dispensationalism, 93).

86 Diese Prinzipien sind entliehen von Osborne, Hermeneutical Spiral, 230-232, in welchem er eine Reihe von grundlegenden “Hermeneutischen Prinzipien” für das Herangehen an apokalyptischer Literatur diskutiert.

87 Siehe Diagramm 1 im Anhang.

88 Siehe E. S. Fiorenza, “Composition and Structure of the Book of Revelation,” Catholic Biblical Quarterly 39 (1977): 344-366. Sie zeigt auf, dass die Struktur der gesamten Offenbarung naturgemäß konzentrisch ist (nicht exakt chiastisch), mit den entsprechenden Abschnitten: 1,1-8 || 22,10-21; 1,9-3,22 || 19,11-22,9; 4,1-9.21 and 11,15-19 || 15,5-19,10; mit dem Brennpunkt auf 10,1-15,4. Andere Versuche, eine chiastische Struktur zu identifizieren haben unterschiedliche Ergebnisse hervorgebracht (Vgl. Michelle V. Lee, “A Call to Martyrdom: Function as method and Message in Revelation,” Novum Testamentum XL, 2 [1998]: 174-194). Es scheint für den aktuellen Schreiber (obgleich provokativ), dass Bestrebungen, eine chiastische Struktur in der Offenbarung zu identifizieren, wahrscheinlich letztendlich nicht haltbar sind.

89 Lang, Revelation, 198-201.

90 Walvoord, Revelation, 188.

91 Ladd, Revelation, 167; Mounce, Revelation, 23.

92 G. K. Beale schreibt, “Obwohl die Mutter Jesu hier in zweiter Linie gemeint sein kann, liegt der primäre Fokus hier nicht auf einem Individuum, sondern auf der Gemeinschaft des Glaubens.” (Revelation, 628).

93 Siehe Smith, Revelation, 181.

94 Vgl. Ford, Revelation, 195: “Obwohl die Frau ein Individuum sein kann, legt eine Studie des AT Hintergrundes nahe, dass sie eine Gemeinschaftsfigur ist. . . . Im AT ist das Bild einer Frau das klassische Symbol für Zion, Jerusalem, und Israel, z.B. Zion deren Ehemann Yahweh ist (Jes 54,1.5, Jer 3,20, Hes 16,8-14, Hosea 2,19-20), wer ist eine Mutter (Jes 49,21, 50,1, 66,7-11, Hosea 4,5, Bar 4,8-23), und wer ist in Geburtswehen (Micha 4,9-10, vgl. Jes 26,16-18, Jer 4,31, 13,21, Sir 48,19[21]).” Siehe ebenso Mounce, Revelation, 231;

95 Vgl. Isaiah 66,7; Micah 5,3.

96 Vgl. Revelation 1,8.

97 Der Leser wird verwiesen auf die vollständige Diskussion in G. K. Beale, Johns Use of the Old Testament in Revelation, Journal for the Study of the New Testament Supplement Series 166, ed. Stanley E. Porter (Sheffield, England: Sheffield Academic Press, 1998), 341-343.

98 Mounce, Revelation, 232; Swete, Revelation, 148.

99 In Daniel 7, hat das erste Tier, das Babylon repräsentiert (7,4) einen Kopf; das zweite Tier, Medo-Persien (7,5) hat einen Kopf; das dritte Tier, das Griechenland darstellt (7,6) hat vier Köpfe; und das vierte Tier, Rom (7,7) hat einen Kopf und zehn Hörner. Wenn wir nun alle feindlichen Nationen vom Volk Gottes in einem großen Monster symbolisieren müssten, würde es also sieben Köpfe und zehn Hörner haben. Deswegen ist das Symbol des Drachens in Offenbarung 12 Satan, der durch die Mächte der Welt wirkt. Im Eschaton sieht das Tier aus dem Meer aus wie ein Drache, der sieben Köpfe und zehn Hörner hat und es hat dieselben Fähigkeiten wie Löwe, Bär und Leopard , so wie die vier Weltmächte von Daniel 7,1-7 (Vgl. Offenbarung 13,1-2).

100 Mounce, Revelation, 231-234; Newell, Revelation, 175-76; Ford C. Ottman, The Unfolding of the Ages in the Revelation of John (Grand Rapids: Kregel Publications, 1967), 284-85; Pentecost, Things to Come, 215; Smith, Revelation, 183-184; Swete, Revelation, 151; Thomas, Revelation 8-22, 125-26; Walvoord, Revelation, 189-90.

101 Arthur E. Bloomfield, All Things New: The Prophecies of Revelation Explained (Minneapolis, MN: Bethany House Publishers, 1959), 215.

102 Ironside, Revelation, 140.

103 Lang, Revelation, 198.

104 Beale, Use of OT in Revelation, 341-343.

105 MT: בְּטֶרֶם יָבוֹא חֵבֶל לָהּ וְהִמְלִיטָה זָכָר(66:7)…. כִּי־חָלָה גַּם־יָלְדָה צִיּוֹן אֶת־בָּנֶיהָ (66:8).
LXX: ἔτεκεν ἄρσεν … καὶ ἔτεκε Σιὼν τὰ παιδία αὐτῆς.

106 Bloomfield, All Things New, 217.

107 BAGD definiert das Wort auf die folgenden Arten: “snatch, seize, i.e., plötzlich und gewaltsam nehmen, oder wegnehmen im Sinne von 1. stehlen, entführen, losreißen. . . . 2. wegreißen oder wegnehmena. gewaltsam . . . . b. auf eine Weise, dass kein Widerstand erfolgt” (BAGD, 109). Deswegen schreibt Ford, “Das Verb harpazo, ‘wegreißen,’ wird niemals für die Himmelfahrt Christi verwendet, aber dafür anabaino, ‘ascend,’ für die Zwei Zeugen in 11,12, hat diesen Sinnbezug, und wird verwendet als Verwandtschaft zur Himmelfahrt von Jesus. Aber in unserem aktuellen Text  scheint es keinen christologischen Bezug zu geben. In der LXX und dem NT bedeutet harpazo etwas gewaltsam wegnehmen, üblicherweise mit der Andeutung, dass kein Widerstand möglich ist.” (Ford, Revelation, 200).

108 Manche haben versucht, das Problem zu vermeiden indem sie andeuten, dass das wegreißen vom Tod gemeint ist und dass die gesamte Szenerie in Offenbarung 12,1-6 ein Midrasch von Psalm 2 ist. Caird schreibt deshalb: „Mit der Geburt des Messias meint Johannes nicht die native Geburt sondern das Kreuz. Der Grund dafür ist, dass er seine Ausführungen des zweiten Psalms fortsetzt, die er mit der Vision der siebten Posaune begonnen hat. In dem Psalm ist es nicht bei seiner Geburt, sondern bei seiner Inthronisation auf dem Berg Zion, dass der gesalbte König von Gott angesprochen wird ‘Du bist mein Sohn; heute habe ich dich gezeugt’ und ihm Autorität gegeben wird, alle Völker mit einem eisernen Stab zu zerschmettern (Ps. 2, 7-9). Der Geburtstag eines Königs ist der Tag seines Amtsantritts. Für die christliche Auslegung dieses Psalms hatte Johannes als Hilfe die Predigttradition der urtümlichen Kirche, dass Jesus ‘sich durch die Auferstehung aus den Toten und in der Kraft des Heiligen Geistes als Sohn Gottes erwiesen hat’ (Röm 1,4). Sohnschaft und Inthronisation gehören untrennbar zusammen, und deshalb wird das männliche Kind nicht früher geboren, als es weggerissen wird zu Gott und seinem Thron. Aber für Johannes als den vierten Evangelisten ist das Kreuz der Punkt, an dem Jesus in seinen königlichen Ruhm hineinkommt. ‘so wie auch ich den Kampf bestanden und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe.’ (Offb 3,21). . . . “Der Prinz wird weggerissen von den Fängen des Drachens nicht durch Magie sondern durch Tod; und sein Platz in Sicherheit ist nicht irgendein abgeschiedenes Eiland, sonder der Thron Gottes, von wo aus er zurückkehren wird um den Drachen zu töten.” (Caird, Revelation, 149-59). Das Problem mit einer solchen Sichtweise besteht darin, dass das Ziel des wegreißens „zu Gott und seinem Thron” ein Ereignis ist, das nach den Überlieferungen der Evangelien etwa vierzig Tage nach der Auferstehung stattfand. Ebenso, der große Midrasch von Psalm 2 ist zweifelhaft, weil in Psalm 2 der Vater des Sohnes Gott ist; in Offenbarung 12,5 ist die Mutter des Sohnes Israel. Auf welche Weise also, würde die „Geburt” des Sohnes in einem königlichen Sinn durch Tod, Auferstehung und Himmelfahrt im Zusammenhang stehen mit der Geburt der Nation von Israel? Caird’s Schlussfolgerungen scheinen diese Umstände nicht zu beachten.

109 Die Phrase in Apostelgeschichte 1,10 legt stark eine graduelle Auffahrt nahe, kein plötzliches Wegreißen. Im Griechischen steht: καὶ ὡς ἀτενίζοντες ἦσαν εἰς τὸν οὐρανὸν πορευομένου αὐτοῦ “Als sie zum Himmel blickten, während er ging . . .” Die Kombination des Imperfekt von εἰμι mit dem beiläufigen Partizip Präsens  ἀτενίζοντες und dem Partizip Präsens πορευομένου ergibt den besten Sinn, wenn die Himmelfahrt Christi ein graduelles Ereignis war. Beides, Sprache und Grammatik lassen wenig Raum für ein plötzliches und vehementes Wegreißen aus ihren Augen, weil entsprechend dieses Absatzes sie beobachteten während er auffuhr.

110 Zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung dieses Artikels auf dem Southwest Regional Evangelical Theological Society Meeting am Freitag, 7. April 2000, stand in der NET Bibelübersetzung von diesem Vers “Her child was taken up to God and to his throne.” Als Antwort auf meine ursprüngliche Kritik dieser Übersetzung in dieser Fußnote änderten die Editoren der NET Bibel die Übersetzung in eine, die weit über meinen Vorschlag von “caught up” oder “snatched up” hinausging. Jetzt steht in der NET Bibel: “Her child was suddenly caught up.” Die NET Bibel muss gelobt werden für ihre Bereitschaft, Änderungen vorzunehmen im Licht neuer Erkenntnisse.

111 Lang, Revelation, 198.

112 Ladd, Revelation, 170. Es muss darauf hingewiesen werden, dass Ladd nicht schließt, dass das männliche Kind die Gemeinde ist, sondern “Johannes’ anschauliche Art ist, den Sieg von Gottes Gesalbten über jeden satanischen Versuch ihn zu vernichten, festzustellen.”

113 Buswell, Theology, 2: 462; Ironside, Revelation, 140.

114 Pentecost, Things to Come, 215.

115 Der Gebrauch von Psalm 2,9 in Offenbarung spricht ebenso bis zu einem gewissen Grad für eine Identifikation der „himmlischen Heere” in Offenbarung 19,14 mit den überwindenden Gläubigen der Gemeinde (Offb 2,26-28). Es sind die Armeen, die tatsächlich die Nationen in Stücke schlagen. Das würde dann nahelegen, dass die Gemeinde, der Leib Christi vor der Rückkehr von Christus auf die Erde, wie in Offenbarung 19,11-21 beschrieben, entrückt, auferweckt und verherrlicht ist.

116 Vgl. Michaels, Revelation, 149. Er erklärt die Schwierigkeit damit dass er andeutet, dass 1) Johannes durchgängig andere Symbole (solche wie ein Lamm) für den Tod von Christus verwendet; und 2) dass die Betonung in Offenbarung 12,5 auf Jesus’ Identifikation mit dem „Samen” aus Genesis 3,15 liegt.

117 Das Identifizieren dieser Herangehensweise als „vergeistigend” zu bezeichnen ist nicht als Abwertung gemeint, da eine genaue Untersuchung von Ladd’s Interpretation aufzeigt, dass es genau das ist

118 Ladd, Revelation, 166-167.

119 Smith, Revelation, 183.

120 Ibid., 183-184.

121 Ibid., 184.

122 Vgl. D. A. Carson, Exegetical Fallacies, 2d ed. (Grand Rapids: Baker Books, 1996), 87-123; für eine Diskussion von logischen Trugschlüssen. Smith scheint dem Reiz des selektiven Beweises, unbelegten inhaltlichen Gedankensprüngen, Falschaussagen, leichtfertigem Abtun und dem Missbrauch von Wörtern wie „offensichtlich” und „zweifelsohne” zu erliegen.

123 Smith, Revelation, 184.

124 Walvoord, Revelation, 190-191.

125 Smith, Revelation, 184; Walvoord, Revelation, 191.

126 Thomas, Revelation 8-22, 126.

127 Der Zeitraum von Christus’ Erscheinungen auf der Erde während der vierzig Tage nach seiner Auferstehung ist in keiner Weise gekennzeichnet von Verfolgung durch Satan. Zu sagen, dass das Entkommen von Satans Feindseligkeit ein Nebeneffekt der Auferstehung ist, verleugnet die volle Bedeutung der Auferstehung. Jesus stand nicht länger im Konflikt mit Satan, sondern hatte war vollständig siegreich über ihn in seinem Tod und Auferstehung. Thomas liegt richtig, wenn er in dem Kontext von Offenbarung 12,5 eine unmittelbar bevorstehende Gefahr und Feindschaft durch den Drachen gegenüber dem männlichen Kind und deshalb einen „Rettungs-” Kontext für den Gebrauch von ἁρπάζω in 12,5 sieht, aber seine Anwendung auf die Himmelfahrt Christi ist theologisch nicht korrekt. Wenn dem so wäre, dann müsste Christus durch Satans Angriffe bedroht worden sein gerade nach seiner Auferstehung!

128 Pentecost, Things to Come, 215.

129 Ibid., 286.

130 Thomas’ beiläufiger Verweis auf Seiss ist einigermaßen unklar hier. Tatsächlich glaubt Seiss, dass das männliche Kind alle Gläubigen der Ersten Auferstehung umfasst. (Seiss, Apocalypse II: 335-338).

131 Thomas, Revelation 8-22, 125-126.

132 Offenbarung 19,19 sagt, dass das Tier und seine Armeen “versammelt werden um Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferd ritt und seiner Armee” (Hervorhebung hinzugefügt).

133 Caird, Revelation, 149-150; Beale, Revelation, 639-642. Siehe ebenso Fußnote 108 oben.

134 Thomas, Revelation 8-22, 125.

135 Während ἁρπάζω πρὸς τὸν θρόνον möglicherweise als rein metaphorisch verstanden werden kann für die „Inthronisierung” von Christus bei der Auferstehung, führt die Phrase ἁρπάζω πρὸς τὸν θεόν nicht notwendigerweise zu einer metaphorischen Interpretation. Obwohl die Inthronisierung sicherlich Bestandteil des Bildes ist, handelt es sich hier um eine Inthronisierung die wörtlich stattzufinden scheint in der Gegenwart Gottes und seines Thrones im Himmel, nicht geistig durch die Auferstehung.

136 Vgl. ebenso die Kommentare von Michaels, Revelation, 149.

137 Schilling, “Rapture,” 54.

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