Where the world comes to study the Bible

Weisheit und Kindererziehung (Teil VI)

Die Ziele, der Ablauf
und das Privileg der göttlichen Züchtigung

Einleitung

Immer, wenn ich gebeten werde zwei Menschen miteinander zu verheiraten, versuche ich unter Anderem herauszufinden, wie weit jeder von den Beiden zu einer dauerhaften Beziehung entschlossen ist. Eine solche Selbstverpflichtung zur Dauerhaftigkeit hat tiefgreifenden Einfluss auf die Beziehung. Ich will Ihnen erläutern, warum das so ist.

In jüngerer Zeit werden allzu viele Ehen nur auf einer bedingten Verpflichtung aufgebaut. Jeder fühlt sich dem Anderen genau so lange verpflichtet, wie der seinen Erwartungen entspricht, so lange, wie beide glücklich sind und Erfüllung finden. Sobald sich in der Beziehung Probleme auftun, wird jedem der Beiden bewusst, dass es ja noch eine andere Möglichkeit gibt, eine Ausflucht – die Scheidung. Wenn man aber davon ausgeht, dass man eine unerfreuliche Beziehung nur so lange ertragen muss, wie einem der Sinn danach steht, dann bringt man erheblich weniger Mühe auf, um diese Beziehung wachsen und tiefer werden zu lassen. Wenn man in eine Ehe investiert, die vielleicht schon bald wieder zu Ende ist, macht das ungefähr genau so viel Sinn, wie wenn man einen höheren Beitrag zur Sozialversicherung einzahlen würde.

Eine christliche Ehe soll man mit der Verpflichtung zur Dauerhaftigkeit eingehen. Unser Herr drückte das so aus: „Was also Gott zusammengefügt hat, das soll kein Mensch trennen“ (Mat 19:6). Wenn ein christliches Paar einen Konflikt erlebt (was unweigerlich auf es zukommen wird), müssen Beide bei ihrer Auseinandersetzung stets den Gedanken im Kopf haben: „Egal, was passiert, mit diesem Menschen zusammen werde ich den Rest meines Lebens verbringen.“ Ich kann Ihnen sagen, dass die Art, in der wir Probleme in unseren Beziehungen lösen, durch eine solche Festlegung ganz schön beeinflusst wird. Wenn Sie Ihre Frau sicher nie wiedersehen würden, könnten Sie leicht versucht sein, mancherlei hässliche Dinge zu sagen und zu tun. Da Sie aber wissen, dass Sie morgen und übermorgen und überübermorgen immer noch mit ihr leben, mit ihr arbeiten und mit ihr sprechen werden, sehen Sie sich sicher eher vor, Ihre Beziehung nicht zu beeinträchtigen. Die Dauerhaftigkeit einer Beziehung bestimmt also, wie wir die Konflikte angehen, die innerhalb dieser Beziehung auftreten.

Wenn wir Kinder erziehen, gilt genau der gleiche Grundsatz im Hinblick auf das Vorgehen bei einer Zurechtweisung. Göttliche Zucht ist Gottes Art, im Leben Seiner Söhne zu wirken, um sie zu gehorsamen und loyalen Kindern zu machen. Egal, was passiert – wenn wir einmal Kinder Seines Glaubens in Christus geworden sind, werden wir immer Seine Kinder bleiben. Gottes Umgang mit uns wird durch die Tatsache bestimmt, dass wir Seine Kinder sind und immer bleiben werden. Genauso werden wir uns bei der Bestrafung eines Kindes durch die Tatsache leiten lassen, dass wir das Kind in der Zucht halten wollen. Das Verhältnis zwischen uns und unserem Kind bestimmt, wann und wie wir die ‚Rute’ einsetzen.

In dieser Botschaft möchte ich mich auf einige wichtige Grundsätze konzentrieren, die den Erziehungsprozess leiten sollen. Der erste Grundsatz hat mit den Zwecken und Zielen der Züchtigung zu tun. Der Zweite bestimmt die Durchführung der Züchtigung. Der Dritte erinnert uns daran, dass Züchtigung ein Privileg ist. Lassen Sie uns diese wichtigen Tatsachen im Auge behalten, wenn sich jetzt unsere Studien über die Kindererziehung in den Sprüchen dem Ende nähern.

Die Ziele der göttlichen Züchtigung

Das Verhältnis eines Menschen zu Gott ist Ausschlag gebend dafür, wie Gott sich ihm gegenüber verhalten wird, und macht den Unterschied zwischen Züchtigung und Verdammnis aus. Wenn Gott Jemanden zu ewiger Verdammnis verurteilt, lässt Er ihm damit nur das zuteil werden, wonach derjenige selber strebt und was er andererseits auch verdient. Gott handelt absolut gerecht und richtig in SeinemGericht über den Sünder.

Wenn Gott einen Sohn züchtigt, tut Er das weniger, um ihn zu bestrafen, als um ihn zu bessern. Rehabilitation – dieser Begriff, der häufig auf unser Gefängnissystem bezogen gebraucht wird –, hat viel mehr Bedeutung für einen Christen als für einen Kriminellen. Gott züchtigt Seine Söhne, damit sie sich von ihren bösen Wegen abkehren und dem Weg der Weisheit und Gerechtigkeit zuwenden. Gottes Kinder müssen nicht bestraft werden, denn Christus hat ihre Strafe am Kreuz von Golgatha übernommen. Daher ist göttliche Züchtigung eher eine Zurechtweisung als eine Strafe.

Göttliche Züchtigung dient zwar vielerlei Zwecken; hier möchte ich mich aber nur auf den der Wiedervereinigung oder Versöhnung konzentrieren. Sünde trennt den Menschen von Gott. Als Adam und Eva sündigten, zogen sie sich damit aus der engen Gemeinschaft zurück, die sie zuvor mit Ihm genossen hatten (Gen 3:8). Und die, die Gottes Angebot zur Erlösung in Christus zurückweisen, werden in Ewigkeit aus der Gegenwart Gottes ausgesondert werden (2.Th 1:9). Der Tod Christi hat die Mauer zwischen Gott und Mensch beseitigt. Die ihr Vertrauen in Christus gesetzt haben, sind dagegen mit Gott versöhnt worden (Rö 5:10; 2.Kor 5:18; Kol 1:20-21).

Ein Christ kann durch die Sünden in seinem Leben niemals in dem Sinne von Christus getrennt werden, dass er seine Erlösung verlieren würde. In jedem Fall beeinträchtigt Sünde jedoch die Vertrautheit und die Freude in der Beziehung zwischen einem Heiligen und seinem Erlöser. Dieser Verlust der Vertrautheit zwischen einem Christen und dem Herrn wird oft als ‚being out of fellowship’ [‚die Gesellschaft Gottes verlassen’] bezeichnet. Ich empfinde hier zwar den Begriff ‚Gesellschaft’ als nicht besonders passend; aber der Zustand, den dieser Begriff zu beschreiben versucht, existiert tatsächlich. Wenn ein Mann und eine Frau streiten, ‚verlassen sie nicht ihre Ehe’, sondern es ist einfach so, dass ihr Verhältnis sich für die Zeit ihrer Uneinigkeit verschlechert und nicht mehr das ist, was es eigentlich sein könnte. Genauso kann auch ein Christ sein Verhältnis zu Gott nicht in vollem Ausmaß genießen, wenn er absichtlich sündigt.

Als ich stillschwieg über meine Sünde, verzehrte sich mein Körper durch mein andauerndes Stöhnen. Tag und Nacht lag Deine Hand schwer auf mir; meine Lebenskraft wurde mir entzogen wie in der Fieberhitze des Sommers. Schließlich erkannte ich meine Sündigkeit an vor Dir und verbarg meine Unzulänglichkeit nicht mehr; ich sagte: „Meine Verfehlungen will ich vor dem Herrn bekennen“, und Du vergabst die Schuld meiner Sünden (Ps 32:3-5; vgl. Ps 51).

Eines der Ziele göttlicher Züchtigung besteht darin, die Schranken zu beseitigen, die dem Genuss der ‚Gesellschaft’ mit Gott entgegen stehen, und das Verhältnis zwischen Gott und dem sündigen Heiligen wieder herzustellen – zu Vertrautheit und Freude statt Unbehaglichkeit und Entfremdung. Der Ungläubige wird am Ende bestraft, indem er in Ewigkeit aus Gottes Gegenwart ausgesondert wird (2.Th 1:9); der Heilige, der sündigt, aber wird gezüchtigt, damit er die vertraute Gemeinschaft mit Gott wieder erlangen kann:

„Die Ich lieb habe, weise Ich zurecht und nehme sie in Zucht; seid daher eifrig, Buße zu tun. Siehe, Ich stehe an der Tür und klopfe an; und wenn einer Meine Stimme hört und die Tür öffnet, so werde Ich zu ihm eingehen und das Mahl mit ihm halten und er mit Mir“ (Off 3:19-20).

Göttliche Züchtigung verfolgt also mindestens zwei Ziele: Gerechtigkeit und ein intaktes Verhältnis. Gottes Züchtigung sucht den eigensinnigen Heiligen von der Sünde zur Heiligkeit zurückzubringen und sein Verhältnis zu Gott von der Belastung durch die Sünde zu befreien, damit Vertrautheit und Gemeinschaft wieder hergestellt werden.

Manchmal erfordert göttliche Züchtigung eine vorübergehende Entfremdung oder Trennung, um dadurch die Buße und Wiedervereinigung zu erreichen. Im Falle des in offensichtlicher Sünde lebenden korinthischen Christen forderte Paulus, dass dieser gemieden, aus der Gesellschaft ausgeschlossen, ja sogar Satan zur Bestrafung übergeben werden sollte; aber das Ziel dieser Züchtigung war letztendlich doch die Wiederherstellung der Gemeinschaft (vgl. 1.Kor 5:1-13). Im Falle des Verlorenen Sohnes in Lukas 15 war es der Sohn selbst, der sich aus der Gemeinschaft entfernte, am Ende aber kehrte er dorthin zurück.

Ich weiß, dass manche Menschen die Isolation als eine nicht besonders gute Form der Strafe darstellen, aber ich kann diese Auffassung eigentlich nicht teilen. Warum sollte man die Isolation nicht als eine mögliche Option betrachten, wenn die elterliche Züchtigung doch nach dem Vorbild der göttlichen Züchtigung gestaltet werden soll? Sünde selbst trennt. Christen sollen sich von bestimmten Sündern fernhalten (Mat 18:15-17; 1.Kor 5), und es steht fest, dass Gott die Ungläubigen aus Seiner Macht und Gegenwart aussondern wird (2.Th 1:9). Ein zeitweiliger Ausschluss oder eine vorübergehende Trennung gibt einen Vorgeschmack auf die Folgen der Sünde und kann daher durchaus ein angemessener Weg zur Züchtigung eines ungehorsamen Kindes sein.

Der Haupteinwand gegen eine Isolation ist der, dass sie Groll und Bitterkeit erzeugen kann. Das stimmt sicherlich, aber auch eine Tracht Prügel kann Groll auslösen – wenn das Kind denn töricht darauf reagieren will. Wir müssen daran denken, dass der Heilige Geist im Herzen eines Kindes arbeitet, und eine kurze Zeit der Einsamkeit kann genau die richtige Voraussetzung zum Nachdenken und Gewissenskampf sein. Ein Kind alleine auf sein Zimmer zu schicken, sollten wir deshalb nicht voreilig und gedankenlos als Möglichkeit zur Züchtigung verwerfen.

Ausschlag gebend bei der göttlichen Züchtigung ist die Tatsache, dass sie immer in der Hoffnung auf Buße und auf die Wiederherstellung der Vertrautheit mit Gott stattfindet, da unser Verhältnis als Kinder Gottes durch die Sünde ja nicht beendet wird. Das Gericht über die Sünder dagegen trägt keine solche Hoffnung in sich. Wo immer ich in der Bibel von Gottes Züchtigungen lese, sucht Gott doch immer – egal wie schwer oder langdauernd die Sünde gewesen sein mag – die Reue des Sünders zu bewirken und bietet immer Hoffnung auf Vergebung und Wiedervereinigung. Selbst im tiefsten Leid, das Israel seiner großen Sünden wegen zu tragen hatte, konnte das Volk auf Gott schauen und wissen, dass Er mitleidig und barmherzig ist und dass es immer Hoffnung gibt:

Tatsächlich enden niemals die Taten der Güte des Herrn, denn Sein Erbarmen versagt nie. Sie sind alle Morgen neu, und groß ist Deine Treue. „Der Herr ist mein Teil“, sagt meine Seele, „darum hoffe ich auf Ihn.“ Der Herr ist freundlich zu denen, die auf Ihn harren, zu dem Menschen, der Ihn sucht. ... Denn der Herr wird nicht auf immer verstoßen; denn wo Er Leid verursacht, wird Er Sich wieder erbarmen nach der Fülle Seiner Güte. Denn nicht aus Seinem eigenen Herzen bedrückt er oder betrübt die Menschensöhne (Klg 3:22-25, 31-33).

Noch die Warnungen Gottes vor dem drohenden Gericht beinhalten explizit oder implizit die Zusicherung, dass Er Seinen Zorn zurückhalten möchte, wenn Sein Volk nur bereut und sich von seinem bösen Weg abkehrt:

Dann erging das Wort des Herrn an mich: „Kann Ich nicht; o Haus Israel, mit dir verfahren, wie es dieser Töpfer tut?“ spricht der Herr. „Siehe, wie der Ton in des Töpfers Hand bist du in Meiner Hand, o Haus Israel. In einem Augenblick mag Ich über ein Volk oder ein Königreich sprechen, dass Ich es ausrotten, niederreißen oder zerstören werde; wenn sich aber das Volk, gegen das Ich gesprochen habe, von seiner Bosheit abkehrt, wird Mich auch das Unheil reuen, das Ich über sie zu bringen dachte (Jer 18:5-8).

Jeremia wusste, dass Gott Seinem Volk aufs Neue Barmherzigkeit erweisen würde, nachdem Er sie gezüchtigt hatte, um ihre Herzen zu Ihm zurück zu bringen. Er würde sie zurück in das Land bringen und dort Seine Segnungen über ihnen ausgießen:

„Und es wird geschehen, dass Ich Mich, nachdem Ich sie ausgerissen habe, wieder über sie erbarme; und Ich werde sie zurück bringen, einen Jeden zu seinem Erbteil und auf sein Land“ (Jer 12:15).

Fast immer, wenn Gott Seine Propheten sandte, um Sein Volk vor Seinem kommenden Zorn zu warnen, bereitete Er gleichzeitig einen „Ausweg“, auf dem die Strafe abgewendet und die Vertrautheit mit Gott erneuert werden konnte:

Hört und merkt auf, und seid nicht hochmütig, denn der Herr hat gesprochen. Gebt dem Herrn, Eurem Gott, die Ehre, bevor Er Finsternis bringt und eure Füße auf den Bergen in der Dämmerung stolpern und Er das Licht, auf das ihr noch hofft, zu tiefer Dunkelheit macht und in Düsternis verwandelt (Jer 13:15-16).

An einem bestimmten Punkt gab es kein Zurück mehr für das Volk Gottes. Als Jesaja zum Prophetentum berufen wurde, hatte Israel die Zeit zur Reue schon verpasst, und Jesajas Worte kündeten von der bevorstehenden Düsternis (vgl. Jes 6:9-12). Und doch gab es selbst dann noch Hoffnung, denn Gott versprach einen Rest des Volkes zu bewahren, an dem Er alle Zusagen Seines Bundes erfüllen würde (Jes 6:13; vg. Rö 11:1-10).

Hier stoßen wir auf einen der wichtigsten Zwecke des Prophetentums – die Hoffnung selbst im größten Leid aufrecht zu erhalten. Viele der Prophezeiungen sind zwar Warnungen vor dem, was geschehen wird, wenn Gottes Volk in seiner Sünde verharrt – aber die Übrigen beinhalten dafür großenteils das Versprechen dessen, was Gott an Heilung und Segnungen bewirken wird, wenn Seine Züchtigungen erst einmal ihren Zweck erfüllt haben:

Dies ist das Wort, das vom Herrn an Jeremia erging: „So spricht der Herr, der Gott Israels: ‚Schreibe alle die Worte, die Ich zu dir gesprochen habe, in ein Buch. Denn siehe, es wird eine Zeit kommen,’ spricht der Herr, ‚wo Ich die Geschicke Meines Volkes Israel und Juda wenden werde.’ Der Herr spricht: ‚Und Ich werde sie zurück bringen in das Land, das Ich ihren Vorvätern gab, und sie werden es besitzen’“ (Jer 30:1-2).

„Und fürchte dich nicht, o mein Knecht Jakob,“ spricht der Herr, „und sei nicht bestürzt, o Israel. Denn siehe, Ich will dich aus der Ferne erretten und deine Nachkommen aus dem Land ihrer Gefangenschaft. Und Jakob soll zurückkehren und Ruhe haben und ohne Sorge sein, und niemand soll ihn schrecken. Denn Ich bin bei dir,“ spricht der Herr, „um dich zu erretten; denn Ich will all die Völker vollständig vernichten, unter die Ich dich zerstreut habe, nur dich will Ich nicht vollständig vernichten. Aber Ich will dich in gerechtem Maße züchtigen und werde dich keineswegs ungestraft lassen (Jer 30:10-11).

Der Herr erchien mir von ferne und sprach: „Ich habe dich mit immerwährender Liebe geliebt; darum habe Ich dich zu mir gezogen mit lauter Güte. ... Hört das Wort des Herrn, ihr Völker, und verkündet an den fernen Küsten und sprecht: „Der Israel zerstreut hat, wird es wieder sammeln und es behüten wie ein Hirte seine Herde. ... Denn Ich werde ihre Trauer in Freude verwandeln und sie trösten und ihnen Freude statt Betrübnis geben (Jer 31:3,10,13b).

Auch die vielleicht bedeutsamste Stelle findet sich in diesem Kapitel im Buch Jeremia. Inmitten allen Kummers, den sie um ihrer Halsstarrigkeit Willen erleiden, lässt Gott hier einen Ton der Hoffnung und des Triumphes erklingen. Gott hat Sein Volk gezüchtigt, um sie zur Reue zu bewegen und sie an den Platz zurückzubringen, den sie aus eigenem Willen aufgegeben hatten:

So spricht der Herr: „Mäßige das Weinen in deiner Stimme und die Tränen in deinen Augen. Denn deine Mühe soll belohnt werden,“ spricht der Herr, „und sie sollen aus dem Land ihrer Feinde zurückkehren. Und es gibt eine Hoffnung für deine Zukunft,“ spricht der Herr, „und deine Kinder sollen wieder in ihre Heimat kommen. Ich habe wohl gehört, wie Ephraim klagt: ‚Du hast mich gezüchtigt, und ich wurde gezüchtigt wie ein junger Stier, der noch nicht abgerichtet ist. Bring mich zur Umkehr, dass ich wieder hergestellt werde, denn Du bist der Herr, mein Gott. Denn nachdem ich bekehrt worden war, bereute ich, und nachdem ich zur Einsicht gebracht worden war, schlug ich mir an die Brust. Ich wurde beschämt und gedemütigt, denn ich trug die Schande meiner Jugend.’ Ist Ephraim Mein teurer Sohn? Ist er ein liebes Kind? So oft Ich auch gegen ihn gesprochen habe, gedenke Ich seiner doch gewiss auch weiterhin. Darum sehnt sich Mein Herz nach ihm, und Ich werde Mich seiner gewiss erbarmen,“ spricht der Herr (Jer 31:16-20).

In diesen prophetischen Texten (vor Allem in dem Letzten), finde ich eine bemerkenswerte Parallele zu der Züchtigung von Kindern, wie sie uns das Buch der Sprüche lehrt. Ist Ihnen aufgefallen, dass Gottes Liebe zu Seinem Volk mit der eines Vaters für seinen Sohn gleich gesetzt wird (vgl. Spr. 3:11-12)? Die Zucht oder Züchtigung, die Israel erhielt, wird ausdrücklich mit der verglichen, die einem Jugendlichen typischerweise zuteil wird (Jer 31:19). Gottes Züchtigung, so schwerwiegend sie auch sein mochte, galt denen, die er von Herzen liebte, und geschah zu dem Zweck, sie zur Reue und Umkehr zu bewegen (vgl. 31:18-19).

Damit finden wir in den Sprüchen die Züchtigung als lebensrettend und Leben spendend beschrieben. Die elterliche Erziehung sollte nicht nur von Hoffnung getragen sein, sondern auch dem Kind Hoffnung geben:

Denn das Gebot ist eine Leuchte und die Lehre ist ein Licht; Und die Zurechtweisungen der Zucht sind der Weg des Lebens (6:23).

Wer die Zurechtweisung befolgt, ist auf dem Pfad des Lebens, Aber wer die Zucht verlässt, geht in die Irre (10:17).

Die Lehren der Weisen sind ein Quell des Lebens, Um sich abzuwenden von den Schlingen des Todes (13:14).

Wer die Rute zurückhält, hasst seinen Sohn; Aber wer ihn liebt, sucht ihn heim mit Züchtigung (13:24).

Strenge Zucht ist für den, der den Weg verlässt; Und wer Zurechtweisung hasst, wird sterben (15:10).

Züchtige deinen Sohn, denn darin liegt die Hoffnung; Lass dich nicht hinreißen, zu seinem Tod beizutragen (19:18, NIV).

Daraus lernen wir, dass elterliche Zucht ein Kind niemals zur Verzweiflung, sondern vielmehr zur Reue bringen soll. Elterliche Zucht, die nach dem Vorbild von Gottes Zucht gestaltet wird, sollte zwar die Rute einsetzen, gleichzeitig aber auch klar machen, dass Gott ein Mittel zur Heilung der Sünder bereit hält. Wenn Menschen durch die Zucht demütig gemacht und dazu gebracht werden, ihre Sünden zu bekennen und zu bereuen, so wird Gott ihnen vergeben und sie erneut an den Ort vertrauter Gemeinschaft mit Ihm setzen.

Wer seine Übertretungen zudeckt, wird kein Gelingen haben, Doch wer sie bekennt und von ihnen lässt, wird Barmherzigkeit finden. Wohl dem, der allezeit Scheu empfindet; Aber wer sein Herz verhärtet, wird ins Unglück fallen (28:13-14).

Wo immer göttliche Züchtigung in der Bibel beschrieben wird, kann man feststellen, dass sie im Rahmen einer vertrauten Beziehung geschieht. Gottes ungehorsames Volk wird als Seine Braut (z.B. Jer 31:32) oder Sein Sohn (Jer 31:20) bezeichnet. Gottes Züchtigung entspringt Seiner Fürsorge und Betroffenheit als liebender Vater. Züchtigung ist notwendig, um den Ungehorsam von Gottes Volk zu beheben und das Verhältnis wieder herzustellen, das durch die Sünde beeinträchtigt wurde. Gott züchtigt nicht um zu zerstören, sondern um wieder herzustellen. Gott hält immer ein Heilmittel bereit und bietet immer eine Hoffnung. Gottes ungehorsames Kind weiß, dass sein himmlischer Vater leidenschaftlich darauf wartet, dass Sein eigensinniges Kind zurück kommt. Mit Sicherheit ist das eine der Aussagen der Geschichte vom Verlorenen Sohn (Luk 15:11-32).

Eine Lektion, die für uns Eltern daraus erwächst, ist, dass die Hoffnung auf Reue und Umkehr bis zu einem gewissen Grad von der Qualität der Eltern-Kind-Beziehung abhängt. Was Reue und Wiedervereinigung für den Sünder so attraktiv macht, sind doch die unvergleichlichen Segnungen, die er als Kind Gottes in Harmonie mit Ihm erfährt. Der Verlorene Sohn hätte wenig Veranlassung zu seinem Vater zurückzukehren, wenn sein Verhältnis zu ihm nicht so wäre, dass er es wiederhergestellt zu haben wünschte. Viele von uns haben vielleicht kein solches Verhältnis zu ihren Kindern, das zu Reue und Wiedervereinigung motiviert.

Lassen Sie uns in dieser Hinsicht versuchen Gott-ähnlich zu sein. Lassen Sie uns danach streben, dass wir ein Verhältnis zu unsereren Kindern entwickeln, in dem sich Liebe und Sorge ausdrücken. Lassen Sie uns unsere Kinder so züchtigen, dass sie ihre Sünden ablegen und dass unser Verhältnis zu ihnen nicht mehr unter der Entfremdung durch Sünde leiden muss. Lassen Sie uns auf so vielerlei Arten wie möglich ausdrücken, dass Züchtigung stets in Liebe und mit Hoffnung durchgeführt wird. Lassen Sie uns solche Eltern sein, zu denen unsere eigensinnigen Kinder gerne zurückkehren, nachdem sie zu sich selbst gefunden haben.

Der Ablauf
der göttlichen Züchtigung

Um ganz ehrlich zu sein, hatte ich Schwierigkeiten mit einigen Stellen in den Sprüchen, die eigentlich zu vielversprechend scheinen. Stellen wie die folgenden scheinen doch zu versprechen, dass die Rute ein Kind unbedingt zur Gerechtigkeit bringen wird:

Hiebe und Wunden säubern vom Bösen, Und Schläge reinigen das innerste Wesen (20:30, NIV).

Torheit ist an das Herz eines Kindes geknüpft; Aber die Rute der Zucht wird sie von ihm entfernen (22:15).

Enthalte dem Kind die Zucht nicht vor; Auch wenn du es mit der Rute schlägst, wird es nicht sterben. Du sollst es mit der Rute schlagen Und seine Seele vor dem Scheol bewahren (23:13-14).

Können Schläge wirklich die Sünde aus dem Leben eines Kindes vertreiben? Ist eine „ordentliche Tracht Prügel“ eine Art Allheilmittel für ein Kind? Bringen wir ein Kind durch einen Stock weg von der Sünde und hin zu Gott? Ich glaube, die Antwort auf mein Dilemma ist am besten in dem folgenden Vers zusammengefasst:

Die Rute und die Zurechtweisung bringen Weisheit, Aber ein Kind, dem freier Lauf gelassen wird, bereitet seiner Mutter Schande (29:15).

Die Rute war nie als ein Allheilmittel gedacht, sondern immer nur als ein Element der Kindererziehung. Die Rute als solche lehrt ein Kind nur wenig; aber zusammen mit einer verbalen Anleitung kann sie ein Kind von der Torheit zur Weisheit, von der Sünde zur Frömmigkeit bringen. Die Rute ist kein Allheilmittel, sondern nur ein Teil der Kindererziehung. The rod was never intended to be a cure-all, but only a part of the process of child-training.

Wenn Gott im Alten Testament Gebrauch von der ‚Rute’ der Züchtigung macht, geschieht das nie isoliert, sondern immer als Teil eines umfassenderen Geschehens, das Seine Kinder zu größerer Reife, Glauben und Gehorsam bringen sollte. Ich will versuchen, die einzelnen Schritte im Ablauf solcher Zurechtweisung und Züchtigung zu beschreiben, so wie ich sie gegenwärtig verstehe.

Erster Schritt: Festlegung des Herrschaftsrechts. Wie wir gesehen haben, wird das Wort ‚Züchtigung’ in Deuteronomium 4:36, 8:5 und 11:2 dort gebraucht, wo Gott Seine Größe zeigt, indem Er Israel aus Ägypten befreit und dann in der Wüste und am Berg des Gesetzes Seine Majestät und Macht offenbart. All das diente dem Zweck, Gottes Autorität – Sein Herrschaftsrecht – über das Volk Israel zu etablieren.

Auch Eltern müssen ihre Autorität etablieren, indem sie ihren Kindern deutlich machen, dass sie die Verantwortlichen sind. Sicher sollten wir auf unsere Kinder hören und ihre Meinungen und Gefühle berücksichtigen, doch die Verantwortlichkeit und Autorität zur Kindererziehung hat Gott den Eltern übergeben. Kinder sind nicht gleichberechtigt, so wie wir auch nicht gleichberechtigt mit Gott sind. Kindererziehung basiert auf der Voraussetzung, dass es die Eltern sind, die die Verantwortung tragen.

Zweiter Schritt: Aufstellung der Regeln. Nachdem Gott Seine Autorität festgelegt hatte, gab Er Seinem Volk das Gesetz – die Verhaltensregeln, die Er für sie aufgestellt hatte. In Abhängigkeit von Israels Gehorsam oder Ungehorsam diesem Gesetz gegenüber würde Gott das Volk entweder segnen oder züchtigen. Weil Gott heilig ist, musste auch Sein Volk ein heiliges Leben führen. Das Gesetz beschrieb daher die Art der Lebensführung, die dem Volk Gottes angemessen war.

Auch Eltern müssen die Verhaltensregeln für ihre Kinder festlegen. Wir müssen nicht nur deutlich machen, dass wir das Recht haben, die Regeln aufzustellen, sondern wir müssen die Regeln dann auch tatsächlich festlegen. Die Maßstäbe, die Gott setzte, waren klar und einfach (ich sage nicht: leicht). Die Maßstäbe, die wir setzen, sollten ebenfalls realistisch, klar und schlüssig sein.

Dritter Schritt: Darstellung der Folgen einer Sünde wie auch des Weges zur Heilung. Das Gesetz, das Gott Seinem Volk gab, enthielt eindeutige Aussagen über die Folgen der Sünde. Sowohl Deuteronomium 28 als auch Levitikus 26 beschreiben die Konsequenzen von Redlichkeit wie auch Unredlichkeit. Israel wusste genau, was Gott tun würde, wenn es Seinem Gesetz gegenüber ungehorsam werden würde.

Gott wusste um die Schwachheit Seines Volkes, und daher traf Er auch Vorsorge für ihre Sündigkeit. Das eingesetzte Opferungssystem ermöglichte nicht nur unmittelbar die Befreiung von einer Sünde, sondern nahm auch in prophetischer Weise die endgültige Erlösung vorweg, das Opfer des ‚Lammes Gottes’, das die Sünde der Welt hinweg nehmen würde (vgl.Joh 1:29; Heb 10:1-18).

Auch die elterliche Zucht sollte eine Ermahnung bezüglich der Konsequenzen ungehorsamen Verhaltens beinhalten. Unsere Kinder müssen wissen, dass die Regeln, die wir festgelegt haben, ihrem Leben Segen zu bringen beabsichtigen und dass ein Verstoß gegen diese Regeln unangenehme Folgen nach sich zieht. Kinder lassen sich eher durch die Schmerzen des Ungehorsams beeindrucken als durch die einzelne Vorschrift oder Aufforderung selbst. Wie Gott sollten Eltern daher ihre Kinder die Konsequenzen aus einer Sünde wissen lassen, bevor noch eine Regel übertreten wird.

Mehr noch als über die schmerzlichen Folgen der Sünde müssen Eltern aber mit ihren Kindern über die Fürsorge Gottes sprechen, die Er für die Sünder in der Person Seines Sohnes bereitet hat. Im Alten Testament fand jede Sünde ihre Strafe; aber Gott sorgte auch für eine Möglichkeit, die dem Gesetzesübertreter Vergebung und Versöhnung bot.

Vierter Schritt: Darlegung der Gründe für die Regeln. Es reichte nicht aus, dass dem Volk die Regeln einmalig durch Moses bekannt gegeben wurden, sondern dieses dem Moses gegebene Gesetz sollte auch weiterhin von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden. Die Verantwortung für diese Belehrung lag primär bei den Eltern, besonders beim Vater (vgl. Ex 12:24-27; Deu 6). Zusätzlich setzte Gott zur Belehrung jeder neuen Generation religiöse Führer ein, Männer wie die Priester, die Schreiber (Esr 7:6; Ne 8:1-18) und die Propheten. Jede Generation musste aufs Neue über das Ziel und die Bedeutung des Gesetzes belehrt werden. In jeder Generation mussten die Männer und Frauen wieder an Gottes Maßstäbe erinnert werden.

Kein Buch des Alten Testamentes enthält so viele ausdrücklich an ‚Söhne’ gerichtete Lehren wie das Buch der Sprüche. Das Gesetz wird als gegeben vorausgesetzt und nun in praktischer Hinsicht ausgelegt – in Hinsicht darauf, wie man sein Leben führen soll. Die Folgen der Sünde wie auch die Vorteile des Gehorsams gegen Gott werden eindeutig dargestellt. Über die reinen Vorschriften hinaus aber geben uns die Sprüche Grundsätze an die Hand, von denen unser Leben geleitet werden sollte.

Im Neuen Testament werden die Väter aufgefordert, ihre Kinder „in der Zucht und der Ermahnung des Herrn“ zu erziehen (Eph 6:4). Immr wieder ist es die Verantwortung der Eltern (in erster Linie) und Anderer (in zweiter Linie), einen jungen Menschen Gottesfurcht und Gehorsam zu lehren. Da jede folgende Generation aufs Neue belehrt werden muss, ist dieser Vorgang niemals abgeschlossen. Was ein Sohn von seinem Vater gelernt hat, muss er seinerseits seine Kinder lehren (vgl. Spr 4:3-9).

Fünfter Schritt: Verbale Zurechtweisung. Es bleibt nicht aus, dass wir sündigen. Egal wie gut wir die Regeln selbst und ihre Gründe kennen – am Ende werden wir sie doch irgendwann einmal missachten. Selbst Salomo, der einen großen Teil der Sprüche schrieb, missachtete seine eigenen Ermahnungen. Die Rolle der Propheten im Alten Testament bestand unter Anderem darin, auf einzelne Sünden hinzuweisen, auf bestimmte Fälle, in denen Gottes Gesetz verletzt worden war. So tadelte Nathan David (2.Sa 12) und die Propheten des Alten Testaments klagten Israel und Juda zunächst ihrer Sünden wegen an (vgl. auch Ne 13:15). Erst nachdem Gottes Volk anhaltend Sein Wort missachtet und Seine Propheten abgewiesen hatte, sah sich Gott schließlich gezwungen, die ‚Rute’ der Züchtigung einzusetzen:

„Und du sollst zu ihnen sagen: ‚Das ist das Volk, das der Stimme des Herrn seines Gottes nicht gehorcht und keine Zucht angenommen hat; die Wahrheit ist dahin und von ihrem Munde weggetilgt worden’“ (Jer 7:28).

„Aber sie hörten nicht und neigten ihre Ohren nicht zu mir, sondern wurden halsstarrig, um nicht zu hören und keine Zucht anzunehmen“ (Jer 17:23).

„Und der Herr hat euch wieder und wieder all Seine Diener, die Propheten, gesandt; ihr aber habt ihnen nicht zugehört noch eure Ohren geneigt, um sie zu hören“ (Jer 25:4).

Idealerweise muss die Züchtigung nicht über eine verbale Zurechtweisung hinaus gehen. Die Sprüche beschreiben den Weisen als Einen, der aus einem einzigen Wort des Tadels lernt und die ‚Rute’ nicht benötigt (vgl. 13:1, 15:31-32, 17:10-11). David, der ein Mann nach Gottes Herzen war, reagierte sofort auf den bloßen Tadel Nathans (2.Sa 12:13).

Sechster Schritt: Die Rute. Am Ende wird es immer Einige unter uns geben, die auf die einfache Art nicht lernen wollen. Demzufolge ist dann die ‚Rute’ nötig, um die Lehre und verbale Zurechtweisung zu unterstreichen, die bis dahin missachtet wurde. Wenn Gott Seine ‚Rute’ in Israel einsetzte, so geschah das, weil Israel Seine Zurechtweisung durch die Propheten zurückgewiesen hatte:

„Daher spricht der Herr der Heerscharen: ‚Weil ihr Meinen Worten nicht gehorcht habt, siehe, so will Ich ausschicken und alle Familien des Nordens holen,’ spricht der Herr. ‚Und ich werde zu Nebukadnezar, dem König von Babylon, Meinem Knecht, senden und sie gegen dieses Land aufbringen und gegen seine Bewohner und gegen all die Nationen ringsumher. Und ich werde sie bis auf den Grund zerstören und sie zum Gegenstand des Entsetzens und des Spottes und der immerwährenden Verwüstung machen’“ (Jer 25:8-9).

Besonders bemerkenswert an den Worten des Jeremia und an ihrer Erfüllung ist es, dass die ‚Rute’, die Gott hier bei Seinem Volk einsetzte, ganz genau dem entsprach, was im Gesetz und durch die Propheten angekündigt worden war. Gottes Züchtigung war genau so, wie Er zuvor gewarnt hatte.

Siebter Schritt: Reue und Versöhnung. Die Rute ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel – ein Mittel, um die Belehrung und die verbale Zurechtweisung zu unterstreichen, die ihr vorangegangen sind. Wenn Jemand sich nicht durch bloße Worte belehren lässt, dann macht die Unbelehrbarkeit des Sünders, wie uns die Sprüche (29:19) sagen, den Einsatz der Rute erforderlich. Die Rute zielt darauf ab, den Sünder demütig zu machen, ihn zur Reue zu bewegen, und schließlich das Verhältnis wieder herzustellen, das durch die Sünde belastet worden ist. Der Vorgang der Züchtigung ist nicht abgeschlossen, bevor nicht der Verletzende und der Geschädigte wieder in den Genuss ihrer vertrauten Beziehung zueinander gekommen sind. Das ist die bewegende Kraft, die hinter den folgenden Worten aus dem dritten Kapitel der Offenbarung steht:

„Die Ich lieb habe, weise Ich zurecht und nehme sie in Zucht; seid daher eifrig, Buße zu tun. Siehe, Ich stehe an der Tür und klopfe an; und wenn Einer Meine Stimme hört und die Tür öffnet, so werde Ich zu ihm eingehen und das Mahl mit ihm halten und er mit Mir“ (Off 3:19-20).

Unter den kulturellen Gegebenheiten jener Zeit fand die engste Gemeinschaft zwischen Freunden und innerhalb der Familie am Esstisch statt. In dieser Textstelle ergeht die Einladung an den eigenwilligen Sünder, damit er auf Gottes Züchtigung reagiere, bereue und in den vertrauten Status als Kind Gottes wieder eingesetzt werde. Dieser Text stellt keine Einladung zur Erlösung dar, sondern eine Ermahnung für den eigensinnigen Christen, auf die züchtigende Hand Gottes zu antworten, seine Sünden zu bereuen und in die vertraute Gesellschaft wieder aufgenommen zu werden, die er zuvor erfahren hatte.

Auch als Eltern sollten wir dies als das Ziel unserer Züchtigung ansehen. Wir sollten danach streben, dem Kind zu zeigen, dass die Züchtigung durch seine Sünde und durch die Weigerung, auf eine verbale Zurechtweisung zu hören, erforderlich wurde. Wenn das Kind zu aufrichtiger Reue gelangt ist, sollte es unmittelbar die Erleichterung der Vergebung und den Genuss der erneuerten Vertrautheit spüren dürfen. Wie immer man es nennen will, soll dies das Ende und das Ziel jeder Züchtigung sein – die Wiedervereinigung und die Gemeinschaft.

Das Privileg der Züchtigung

Der Vorgang der Züchtigung ist von Natur aus schmerzhaft. Trotzdem aber ist er auch ein großes Privileg. Am Ende unserer Betrachtungen über die elterliche Zucht möchte ich Ihnen noch einmal ins Gedächtnis rufen, welche Segnungen die ‚Rute’ sowohl für die Eltern als auch für das Kind mit sich bringt. Überall in den Schriften finden wir geschrieben, dass die ‚Rute’ zwar Schmerzen bringt, aber auch tröstet:

Dein Stock und Dein Stab, sie trösten mich (Ps 23:4).

Das Tröstende an der Rute ist die Tatsache, dass Züchtigung ein Beweis für unsere Kindschaft ist. Die Rute ist der Beweis dafür, dass wir Kinder Gottes sind und dass Er uns viel zu sehr liebt, um die Sünde in unserem Leben zu ignorieren. Da die Sünde unserer Beziehung mit Ihm im Wege steht, sucht Er nachdrücklich, Sich mit unseren Sünden auseinanderzusetzen und die Segnungen und die Vertrautheit unserer Beziehung wieder herzustellen. Deswegen können wir die Zucht als ein Geschenk der Gnade Gottes ansehen.

Eliphas hat diese Tatsache in Bezug auf Hiobs Leiden vielleicht missverstanden, aber die Tatsache als solche bleibt doch bestehen:

„Siehe! Glücklich ist der Mann, den Gott zurechtweist, So verwirf du nicht die Zucht des Allmächtigen. Denn Er fügt Schmerzen zu und gibt Erleichterung; Er verwundet, aber Seine Hände heilen auch“ (Hi 5:17-18).

Der Psalmist konnte von Gottes Zucht sagen:

Selig ist der Mann, den Du in Zucht nimmst, o Herr, und lehrst ihn aus Deinem Gesetz (Ps 91:12).

Bevor ich gepeinigt war, ging ich in die Irre, Nun aber halte ich Dein Wort. Zu meinem Guten wurde ich gepeinigt, Damit ich Deine Bestimmungen lerne. Ich weiß, o Herr, dass Deine Entscheidungen gerecht sind Und dass Du mich in Treue gepeinigt hast (Ps 119:67,71,75).

Das ist gleichermaßen auch die Botschaft der Sprüche:

Denn wen der Herr liebt, den weist Er zurecht, gleich wie ein Vater den Sohn, an dem er Gefallen hat (Spr 3:12).

Am umfassendsten befasst sich der Hebräerbrief mit den Segnungen der Zucht:

Zur Züchtigung dient euch, dass ihr erduldet; Gott behandelt euch als Seine Söhne; denn wo ist der Sohn, den sein Vater nicht züchtigen würde? Wenn ihr aber ohne die Zucht seid, deren Teilhaber nun alle geworden sind, so seid ihr illegitime Kinder und nicht Söhne. Zudem hatten wir irdische Väter, die uns züchtigten, und wir respektierten sie; sollen wir uns dann nicht umso mehr dem geistigen Vater unterwerfen und leben? Denn sie züchtigten uns für eine kurze Zeit, wie es ihnen am besten erschien; Er aber züchtigt uns zu unserem Besten, damit wir an Seiner Heiligkeit teilhaben mögen. Für den Augenblick scheint jede Züchtigung nicht erfreulich, sondern betrüblich, doch nachher trägt sie denen, die durch sie erzogen wurden, die Frucht von Frieden und Gerechtigkeit ein (Heb 12:7-11).

Selbst wenn wir sie also für den Augenblick als schmerzhaft empfinden, sollte eine Züchtigung doch ein Quell des Trostes sein, denn sie zeigt uns nicht nur Gottes Liebe, sondern sie sucht auch die Sünde in unserem Leben zu heilen und die vertrauliche Gesellschaft und Gemeinschaft mit Gott wieder herzustellen. In gleicher Weise sollte unsere elterliche Zucht mit der Sünde im Leben der Kinder umgehen und das Band der Liebe und der Hingebung zwischen uns und ihnen vertiefen.

Die Züchtigung unserer Kinder stellt auch für uns Eltern ein Privileg dar. Sie stellt unseren Gehorsam Gott gegenüber wie auch unsere Liebe dem Kind gegenüber auf den Prüfstand. Die Sprüche fordern von Eltern, ihre Kinder zu züchtigen und betonen, dass das ein Beweis elterlicher Liebe ist (vgl. 13:24, 22:15, 23:13). Einer der Vorzüge einer Züchtigung liegt meiner Meinung nach darin, dass sie Eltern die Gelegenheit gibt, die Botschaft des Evangeliums in einem sehr anschaulichen Zusammenhang zu vermitteln. Befreiung von der Sünde ist genauso wenig in der ‚Rute’ zu finden wie in der Opferung eines Stiers oder Ziegenbockes in alter Zeit (vgl. Heb 9). Befreiung von der Sünde ist nur im Blut unseres Herrn Jesus Christus zu finden, das Dieser am Kreuz von Golgatha für uns vergossen hat.

In Johannes 16 spricht unser Herr vom Dienst des Heiligen Geistes. Er sagt:

„Er aber, wenn Er kommt, wird der Welt die Augen öffnen bezüglich der Sünde und der Gerechtigkeit und des Gerichts“ (Joh 16:8).

Mit was, frage ich Sie nun, befasst sich die elterliche Zucht? Hat sie nicht mit Sünde, Gerechtigkeit und Gericht zu tun? Es gibt keine bessere Gelegenheit, um die Problematik der Sünde im Leben eines Kindes hervorzuheben, als wenn die ‚Rute’ zum Einsatz kommen muss. Und es gibt keine andere Lösung für die Sünde als das Gericht, das unser Herr am Kreuz von Golgatha auf sich nahm. Lassen Sie uns also die Gelegenheit der Züchtigung nutzen, um unseren Kindern die endgültige Lösung für ihre Sünde nahe zu bringen, und lassen Sie uns dafür beten, dass Gott dann unsere Kinder zu Sich zieht. Nicht die ‚Rute’ rettet, sondern das Kreuz. Wir wollen niemals die ‚Rute’ gebrauchen, ohne dabei auf das Kreuz zu verweisen.

Möge Gott uns als Eltern befähigen, so zu züchtigen, wie Er Selbst es tut – zu Seinem Ruhm und zu unserem Besten.

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