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Trinitarismus oderTheologie im engeren Sinne

Trinitarismus bezeichnet die Lehre vom dreieinigen Gott. Häufige Themen sind: rationale Argumente für die Existenz Gottes, die Eigenschaften Gottes, die Namen Gottes, die Dreieinigkeit und die Disposition oder der Plan Gottes.

Rationale Argumente für die Existenz Gottes

Gleich zu Beginn muss gesagt werden, dass die Bibel nirgendwo Argumente für die Existenz Gottes in einer Weise aufführt, wie man es sich bei solchen „Beweisen“ vorstellt. Ganz überwiegend ist die Ausrichtung der biblischen Schreiber so, dass sie Gottes Existenz voraussetzen und darauf aufbauen. Auch wird die Kraft derartiger Argumente unterschiedlich beurteilt: manche Menschen finden sie hilfreich und – besonders in der Zusammenschau – allgemein überzeugend, während andere sich dadurch kein bisschen überzeugen lassen. Man darf bezweifeln, dass die Ablehnung irgendeiner ihrer Prämissen oder Behauptungen notwendigerweise einen logischen Fehler beinhaltet, denn in vielen Fällen gehen die Diskussionsgegner schlicht von einem unterschiedlichen Satz von Axiomen aus. Zudem gibt es viele Abwandlungen (z.B. mehr als ein kosmologisches Argument) der hier aufgeführten Argumente. Für eine vertiefte Diskussion sollte man ein Lehrbuch für Religionsphilosophie heranziehen.8 Auch sollte man sich dessen bewusst sein, dass diese Argumente nicht nur von Atheisten kritisiert werden. Viele Christen haben laut über ihren Wert, ihre Wirksamkeit, Zuverlässigkeit und Wichtigkeit nachgedacht. Das Folgende soll einfach als Einführung verstanden werden.

Das Argument der Schöpfung

Das Argument der Schöpfung, auch unter der Bezeichnung kosmologisches Argument bekannt, sagt in seiner grundlegendsten Form aus, dass alles, was wir in der Schöpfung oder im Universum sehen, eine Ursache hat (d.h. kontingent ist) Die Kette der Ursachen aber kann nicht unendlich weit zurückgeführt werden. Daher hat das Universum selbst eine Ursache ohne weitere Ursache, und diese Ursache ist Gott. In der einen oder anderen Form wurde dieses Argument von Plato, Aristoteles, Thomas von Aquin, Leibniz und in jüngster Zeit auch von Richard Swinburne vorgebracht. Eine mögliche Widerlegung besteht darin, dass man es ablehnt, nach einer äußeren Ursache der Schöpfung zu suchen: die Schöpfung könnte ja einfach schon immer bestanden haben. Dagegen argumentieren andere, dass eine solche Reaktion eigentlich Drückebergerei ist, weil sie nicht erklärt, warum das Universum der geschaffenen und offenbar kontingenten Wesen immer weiter existiert. Auch fordert die ex cathedra-Postulierung einer unendlichen Kette von Ursachen weitere Fragen heraus, wenn ein solches Argument doch logisch trivial und nach Auffassung vieler Philosophen und Physiker absurd ist. Eine unendliche Kette von Ursachen ist intellektuelle Drückebergerei, so argumentieren sie, und verletzt das Prinzip der hinreichenden Begründung.

Das Argument der Gestaltung

Das Argument der Gestaltung, auch als das teleologische Argument bekannt, betrachtet die Harmonie, Ordnung und Gestaltung der Dinge innerhalb der Schöpfung. Es sagt dann, dass eine solche Gestaltung und Ordnung eine Absicht voraussetzt und es daher einen intelligenten Designer geben müsse, und dass dieser Designer Gott ist. Auch dieses Argument wurde seit den griechischen Philosophen immer wieder vorgebracht und wurde von Thomas von Aquin als sein Fünfter Weg, von William Paley und in jüngerer Zeit auch von Swinburne dargelegt. Ein mögliches Gegenargument ist die offensichtliche Zufälligkeit bestimmter Dinge und Ereignisse in der Schöpfung und das scheinbare Fehlen von Gestaltung. Auch die Häufigkeit des Bösen passt in diesen Problemkreis. Vertreter des Gestaltungsargumentes bringen oft vor, dass es tatsächlich zufällige Ereignisse u.s.w. zu geben scheint, dies aber nicht davon ablenken kann, dass wir die Gestaltung ganz überwiegend als sinnhaft erfahren. Ohne eine solche Gestaltung wäre es zweifelhaft, ob die Menschen überhaupt so lange überleben könnten oder überlebt hätten.

Das Argument des Seins

Anselms Argument9 des Seins, auch das ontologische Argument genannt, fordert, dass Gott das ist, „über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann“. Da die Existenz eine notwendige Eigenschaft des vollkommensten Wesens ist, muss er wirklich existieren, denn sonst wäre er nicht das perfekteste Wesen, das man sich vorstellen kann. Eine Möglichkeit, dieses Argument zu widerlegen, liegt in der Feststellung, dass es die Vorstellung von Gott bereits in seiner Prämisse enthält. Es setzt daher das voraus, was es zu beweisen versucht. „Die Katze beißt sich in den Schwanz“, könnte man sagen.

Das Argument der Moralität

Das Argument der Moralität stützt sich auf die Tatsache der Moralität, nicht auf die Existenz der scheinbar unterschiedlichen Moralvorstellungen. Es sagt aus, dass die Gegebenheit von Gewissen und Moralität notwendigerweise auf einen moralischen Gesetzgeber hinweist. Ein mögliches Gegenargument bildet die Behauptung, dass Moralität ein evolutionäres Phänomen sei und man als Begründung für ihre Existenz keinen Gott postulieren müsse. Ebenso versuchen andere zu argumentieren, dass es viele unterschiedliche Moralvorstellungen gibt – was einen, wie sie sagen, nicht unbedingt zu der Überzeugung führt, dass es nur einen Gott gibt, wie der Theismus behauptet. Vertreter des Moralitätsargumentes weisen darauf hin, dass die Evolutionisten sich entscheiden müssen: Der Mechanismus der Evolution wird im Allgemeinen als „Survival of the Fittest“ in irgendeiner Form angesehen. Wenn Moral ein evolutionäres Phänomen wäre, sollte man also nicht erwarten, dass Menschen sich um die Alten sorgen, den Kranken helfen und Krankenhäuser und die medizinische Forschung aufbauen, finanzieren und voranbringen. Aber so etwas tun wir, und wir fühlen uns irgendwie schuldig, wenn wir es nicht tun. Auch ist es keineswegs sicher, dass es wirklich viele verschiedene Moralvorstellungen unter den Menschen auf diesem Planeten gibt. In der Tat sagen die Ergebnisse der Soziologie ganz überwiegend aus, dass die Menschen sich bezüglich ihrer grundlegenden Moralvorstellungen über Mord, Diebstahl, Lüge etc. größtenteils sehr ähnlich sind. Das heißt nicht, dass die Lüge nicht manchmal belohnt würde; es bedeutet, dass die entsprechende Kultur nicht mehr funktionierte, wenn Lügen nachhaltig und allgemein praktiziert würde.

Die Attribute Gottes

Die Attribute Gottes sind diejenigen Qualitäten und Eigenschaften, die ihn als Gott auszeichnen und anhand derer wir ihn als Solchen erkennen. Theologen unterscheiden gerne zwischen den Attributen, die ihm alleine zukommen, und denjenigen, die seine Schöpfung in abgeleiteter und endlicher Form mit ihm teilt. So sprechen sie von „absoluten und relativen“, „immanenten und transitiven“ und – als die beliebteste Unterscheidung bei den reformierten Theologen – von „nicht-mitteilbaren und mitteilbaren“ Attributen. In der Liste der Nicht-mitteilbaren werden allgemein aufgeführt: die Existenz aus sich selbst heraus, Unwandelbarkeit, Unendlichkeit und Einheit. Unter der Überschrift „mitteilbare Attribute“ werden unter anderem anfgeführt: Geistigkeit, intellektuelle und moralische Attribute sowie Attribute der Souveränität und Macht.

Die Namen Gottes

Gott hat sich im Verlauf der Geschichte auf vielerlei Arten offenbart. Diese sind für uns heutige Menschen in der Heiligen Schrift aufgezeichnet – ein lebendiger und inspirierter Bericht seiner Enthüllungen darüber, wer er ist und was seine Absichten, sein Plan, sein Wesen und sein Wille sind. Bei vielen Gelegenheiten gab er für uns einen Namen an, durch den er sein Wesen entdeckte und durch den wir ihn daraufhin begreifen sollen. Solche Namen sind unter anderem: Jahwe (Der Aus Sich Selbst Heraus Ist)10, Jahwe Shalom (Jahwe Ist Frieden), Jahwe Maccadeshem (Jahwe, Der Dich Heiligt), Jahwe Rah (Jahwe Ist Mein Hirte), Jahwe Shammah (Jahwe, Der Gegenwärtig Ist), Jahwe Rapha (Jahwe, Der Heilt), Jahwe Elohim (Jahwe, Der Mächtige), Adonai (Herr oder Meister), Elohim (Der Mächtige oder Majestätische), El Olam (Der Mächtige In Ewigkeit), El Elyon (Der Höchste Mächtige), El Roi (Der Mächtige, Der Sieht), El Shaddai (Allmächtiger Gott), Jeshua (Jesus, Gott Rettet), Christos (Christus, Messias, Der Gesalbte), Kyrios (Herr), Soter (Retter), Abba (Vater) und Theos (Gott).

Die Dreifaltigkeit Gottes

Die Doktrin der Dreifaltigkeit bekräftigt aufgrund der Beweise aus der Schrift, dass es einen Gott gibt, der in Ewigkeit in drei voneinander unterscheidbaren Personen, nämlich dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, existiert. Eine besondere Art, dieses Phänomen zu beschreiben, besteht darin zu sagen, dass Gott im Kern / in der Substanz Einer (homoousios), in der Existenz aber Drei ist. Der herausragende Beitrag des AT zur Dreifaltigkeitslehre besteht darin, dass es wiederholt die Einheit Gottes in numerischer wie in qualitativer Hinsicht bestätigt, wobei es auch Stellen enthält, die manche als Beweis für die Göttlichkeit des Sohnes und des Geistes ansehen. Im NT wird diese Einheit unter dem Aspekt der Ankunft und der Lehre Christi jedoch noch weiterentwickelt und gezeigt, dass sie viel komplexer ist, als man bis dahin gewusst oder erkannt hatte. Im NT wird von allen Dreien (d.h. vom Vater, vom Sohn und vom Heiligen Geist) gesagt, dass sie göttlich sind, dass sie das Werk Gottes tun und dass sie als Gott zu verehren sind. Der Vater ist eindeutig göttlich im NT. Der Sohn ist Gottheit (Joh 1:1, Tit 2:13), und doch sagt er ständig, dass er vom Vater und vom Geist verschieden sei. Und vom Heiligen Geist wird gesagt, dass er Gott (Mat 28:19-20, Apg 5:3-5) und dass er verschieden vom Vater und vom Sohn ist. In der biblischen Darstellung gibt es also keinen Raum für drei Götter (Tritheismus) oder für einen Gott, der sich in drei verschiedenen Arten manifestieren kann (Modalismus). Die biblische Darstellung Gottes ist vielmehr die der Dreieinigkeit.

Der Plan Gottes

Die beste Beschreibung von Gottes „Plan“ – oder „Ratschluss“, wie er manchmal auch bezeichnet wird – findet man im Westminster Shorter Catechism [Kleiner Westminster Katechismus]: „Der Ratschluss Gottes ist seine ewige Absicht, gemäß dem Rat seines Willens, wodurch er, zu seinem eigenen Ruhm, vorherbestimmt hat, was immer geschieht“ (Q7). Diese Doktrin kann man an verschiedenen Stellen finden; die bekanntesten davon sind Römer 9 und in Epheser 1:11: „in den auch wir berufen worden sind, nachdem wir vorherbestimmt wurden nach dem Plan dessen, der alle Dinge gemäß dem Rat seines Willens bewirkt.“

Das muss man unterscheiden vom Willen Gottes, wie er aus seinen Geboten und Verboten hervorgeht, die im Dekalog eindeutig niedergelegt, von den Propheten erweitert und praktisch umgesetzt und im NT zu einem christozentrischen Brennpunkt gebracht wurden. Der Sündenfall des Menschen lag demnach in Gottes Ratschluss; dennoch hatte Gott das Gebot, „nicht von der Frucht zu essen“, sehr deutlich gemacht und kann also in keiner Weise als der Urheber der Sünde angesehen werden. Nichts lehrt uns deutlicher als die Sünde, dass der Mensch mit einem Quantum echter und verantwortlicher Wahlmöglichkeit ausgestattet wurde. So gibt es eine geheimnisvolle Beziehung zwischen dem, was in der Geschichte geschieht (d.h. der Erfüllung von Gottes Ratschluss), und den moralischen Forderungen, die wir in der Schrift finden. Dieses Geheimnis kann man am deutlichsten in dem quintessenziellen Ereignis des Kreuzes und in dessen Darstellung in der Heiligen Schrift sehen (vgl. Apg 2:22-24; 1.Pe 1:20). Das Endresultat ist natürlich die Offenbarung von Gottes Ruhm (Joh 12:23-27)!

Jesus lehrte, dass sein Tod kein „Unfall der Geschichte“ war, sondern im Einklang mit dem vorherbestimmten oder beschlossenen Plan Gottes stand. In Lukas 22:22 sagt er: „Der Menschensohn geht hin, wie es beschlossen ist“ (ho„rismenon). Über die Kreuzigung und die Rollen der dabei Beteiligten sagt Petrus, dass Jesus nach „Gottes festgesetztem Plan und Vorherwissen“ ausgeliefert wurde (ho„rismene„ boule„ kaiprogno„sei tou theou). Und doch werden in beiden Fällen die Taten der Menschen keineswegs heruntergespielt oder deren moralische und geistliche Konsequenzen verharmlost. Jesus sagt „Wehe“ dem, der ihn verraten wird, und Petrus bezeichnet die Männer als „böse“ (Apg 2:22-24). Die frühe Gemeinde legte Herodes, Pontius Pilatus, den Juden und den Heiden insgesamt diese schreckliche Tat zur Last und meinte, dass sie getan hätten, was „Gottes Hand und Willen im Voraus zu geschehen bestimmt hatten“ (he„ cheir sou kai he„ boule„ sou proorisen genesthai). Vergleichen Sie wiederum Apostelgeschichte 2:22-24. Diese Texte bestätigen eher die Augustinische / Calvinistische Doktrin, dass Gottes Ratschluss nicht identisch ist mit seinem Vorherwissen; er kennt die Zukunft, weil was auch immer geschieht in seinem Ratschluss liegt.

Die Diskussion über die Reihenfolge der Beschlüsse ist von theologischer Wichtigkeit, kann hier aber nicht ausführlich dargestellt werden. Diejenigen, die die Ansicht vertreten, dass Gott zuerst beschloss zu erschaffen, dann, den Sündenfall zuzulassen, dann, einige zu erretten und andere zu verdammen, einen Erlöser zu schaffen u.s.w., werden als Infralapsarier bezeichnet und bilden den größten Teil der Calvinisten. Diejenigen, die die Ansicht vertreten, dass Gott zuerst beschloss, die Auserwählten zu erretten und die Nicht-Erwählten zu verdammen, dann, die Auserwählten und die Nicht-Erwählten zu erschaffen, dann, den Sündenfall zuzulassen, und schließlich, einen Erlöser zu schaffen, werden als Supralapsarier bezeichnet.


8 Ich empfehle C. Stephen Evans, Philosophy of Religion, Contours of Christian Philosophy [Religionsphilosophie, Abriss einer christlichen Philosophie], Hrsg. C. S. Evans (Downers Grove, IL: InterVarsity, 1982), S. 31-76.

9 Anselm wollte aus der Idee des „Seins“ eigentlich kein Argument für die Existenz Gottes per se machen. Sein Proslogion (1079 n.Chr.) war einfach eine Meditation und ein Lobpreis der Größe Gottes. Und ein Teil dieser Größe besteht, zumindest nach Anselms Meinung, darin, dass er notwendigerweise existiert.

10 Bei der Festlegung der richtigen Bedeutung des Namens Jahwe gibt es viele und sehr unterschiedliche Schwierigkeiten. Versuche, die Bedeutung unter Einsatz der vergleichenden Philologie zu klären, sind bestenfalls dürftig; aber diejenigen, die die Wurzel des Wortes analysieren, sind auch nicht besser. Im Hinblick auf die Verwendung in Exodus 3:14 wurde immer argumentiert, dass der Begriff wohl etwas wie Gottes Existenz aus Sich Selbst heraus oder zumindest Einen, der seit den Zeiten der Patriarchen mit dem Volk Israel war, beschreibt.

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