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Jesus heilt den Sohn des Königlichen Beamten (Johannes 4:43-54)

Einleitung

Ich weiß, wie es ist, wenn ein geliebter Mensch in Lebensgefahr schwebt. Als ich 16 war, wurde meine Mutter bei einem Unfall schwer verletzt, und der Unfallfahrer beging Fahrerflucht. Ich war es, der meine Mutter ins Krankenhaus fuhr, während mein Vater sich bemühte, ihre Blutungen zum Stillstand zu bringen. Als wir am Krankenhaus ankamen, sprang ich aus dem Auto und rannte in das Krankenhaus. Die Diensthabende wollte anfangen, irgendwelche Formulare auszufüllen, aber dem setzte ich rasch ein Ende. Ich brauchte Hilfe für meine lebensbedrohte Mutter und hatte keine Zeit für Papierkram! Später im Leben wachten meine Frau und ich dann eines Morgens auf und stellten fest, dass unser erstes Kind im Schlaf gestorben war. Sie können sich meine Reaktion vorstellen, als unser nächstes Kind einmal offenbar ernsthaft krank wurde. Als ich meine Tochter damals hochhob, verdrehte sie so die Augen, dass man nur noch das Weiße sah. Um Geschwindigkeitsbegrenzungen kümmerte ich mich an dem Tag nicht – nur darum, so schnell wie möglich Hilfe für sie zu erlangen.

Genauso muss es dem königlichen Beamten in unserem Text ergangen sein, denn das Leben seines Sohnes hängt an einem seidenen Faden. Seine einzige Hoffnung ist Jesus. Als er hört, dass Jesus zurückgekehrt und nun in Kana in Galiläa anzutreffen sei, eilt er von seinem eigenen Wohnort Kapernaum aus 20 Meilen weit dorthin. Ob sein Sohn noch lebt oder während der fast acht Stunden, die er für den Weg zu Jesus braucht, schon gestorben ist, weiß der Mann nicht. Aber als er Jesus findet, bewegt ihn nur ein Gedanke – er muss Jesus dazu zu bringen, mit zurück nach Kapernaum zu kommen, und zwar so schnell wie möglich und hoffentlich noch rechtzeitig, um das Leben des Kindes zu retten.

Was für ein Schock muss für diesen königlichen Beamten die Erkenntnis sein, dass Jesus nicht mit ihm nach Kapernaum kommen wird. Schlimmer noch: Die Antwort unseres Herrn auf das Hilfeansinnen des Beamten klingt fast wie ein Tadel. Wie ist das möglich? Wie kann Jesus einem Vater, der doch nur versucht, das Leben seines Sohnes zu retten, so schroff antworten? Diese Frage werden wir beim Studium unseres heutigen Textes zu beantworten versuchen. Es ist ein wunderbarer Text, aus dem wir, ebenso wie der königliche Beamte, etwas lernen können. Hören wir also und lernen, was der Geist Gottes uns in diesem Teil Seines heiligen Wortes zu geben hat.

Die Rückkehr nach Galiläa
(4:43-45)

43 Nach diesen zwei Tagen kehrte er von dort nach Galiläa zurück. 44 (Denn Jesus selbst hatte bezeugt, dass einem Propheten in seinem eigenen Land keine Ehre zuteil wird.) 45 Als er nun nach Galiläa kam, hießen ihn die Galiläer willkommen, weil sie alles gesehen hatten, was er beim Fest in Jerusalem getan hatte. (Denn sie waren selbst bei dem Fest gewesen.)

Diese Verse verursachen manchem Studenten des Neuen Testaments erhebliches Kopfzerbrechen. Das zentrale Problem liegt dabei in Vers 44, wo Jesus bezeugt, dass „einem Propheten in seinem eigenen Land keine Ehre zuteil wird“. Die Verse 44 und 45 werden manchmal als unlogisch empfunden: Warum erzählt Johannes, dass die Galiläer Jesus „willkommen hießen“, wenn Jesus doch der Meinung ist, dass Ihm in „Seinem eigenen Land“ keine Ehre zuteil wird? Alle möglichen Lösungen sind schon für dieses Problem dargeboten worden, dabei scheint es doch eigentlich gar nicht so groß zu sein. Dasselbe Sprichwort findet sich in Matthäus 13:57, Markus 6:4 und Lukas 4:24; und in allen diesen Fällen sind die Umstände die gleichen. Bei Matthäus lesen wir:

53 Als Jesus nun dieses Gleichnis beendet hatte, ging er von dort weg. 54 Er kam in seine Heimatstadt207 und lehrte die Menschen dort in ihrer Synagoge. Sie waren erstaunt und sagten: „Woher hat dieser Mann solche Weisheit und wunderbaren Fähigkeiten? 55 Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Ist nicht Maria seine Mutter? Und sind seine Brüder nicht Jakobus und Joseph und Simon und Judas? 56 Und sind nicht alle seine Schwestern hier unter uns? Woher also hat er diese Dinge?“ 57 Und sie nahmen Anstoß an ihm. Jesus aber sagte zu ihnen: „Einem Propheten wird überall Ehre zuteil, außer in seiner eigenen Heimatstadt und in seinem eigenen Hause.“ 58 Und er tat dort nicht viele Wunder um ihres Unglaubens willen (Matthäus 13:53-58).

Jesus ist nach Nazareth gekommen und spricht dort in der Synagoge zu den Menschen. Einige von ihnen sind wahrscheinlich in Jerusalem gewesen, als auch Jesus dort war und Seine Wunderzeichen vollbracht hat (siehe Johannes 2:23, 4:45); und wer nicht persönlich dort war, muss doch auf jeden Fall von den Wundertaten gehört haben, die Er dort vollbracht hat. Als Jesus in Seine „Heimatstadt“ kommt, schlagen folglich die Erwartungen hohe Wellen: „Was wird Jesus hier vollbringen, in Seiner eigenen „Heimatstadt“? Aber trotz der hochgesteckten Erwartungen formiert sich in den Köpfen doch gelegentlich eine Frage. Denn auch wenn Jesus immer mehr zu einer Berühmtheit wird und Nachfolger anzieht, kennen sie doch Seine Ursprünge (oder glauben sie zumindest zu kennen). Nazareth ist Seine Heimatstadt, und so glauben sie, alles über Ihn zu wissen. Sie kennen Seine Mutter und (so glauben sie) Seinen Vater, Seine Brüder und Seine Schwestern. Wie kann irgendjemand von Wichtigkeit so niederen Ursprungs sein? Und da sie Jesus so wahrnehmen, ziehen sich einige Seiner Landsleute zurück oder fallen von ihm ab. Jesus betrachtet diese Reaktion als typisch und sprichwörtlich. Schließlich „wird einem Propheten überall Ehre zuteil, außer in seiner eigenen Heimatstadt und in seinem eigenen Hause“ (Vers 57). Infolgedessen vollbringt Jesus dort, ihres Unglaubens wegen, nur wenige Wunder208.

Lassen Sie uns nun diese Beschreibung einer Predigt unseres Herrn in Nazareth zu unserem Text im Johannes-Evangelium in Bezug setzen, in dem von Seiner Rückkehr nach Galiläa, in Sein „eigenes Land“ die Rede ist. Die naheliegende Frage ist: Wie kann Johannes das Sprichwort vom Propheten zitieren, dem im eigenen Land keine Ehre zuteil wird, und uns gleichzeitig erzählen, dass die Menschen in Galiläa Jesus bei Seiner Ankunft „willkommen heißen“? Beim Vergleich mit dem Bericht von Matthäus sehen wir hier wie dort buchstäblich dasselbe Phänomen: Jesus kehrt in Seine „Heimatstadt“ zurück und wird dort anfänglich wärmstens willkommen geheißen. Die Menschen wissen um die Wunder, die Er in Jerusalem (und vielleicht auch noch anderswo) vollbracht hat und hoffen, dass sie noch viel mehr in dieser Art in ihrer eigenen Stadt zu sehen bekommen werden. Wenn sie andererseits an Jesu Herkunft denken, sind sie sich da gar nicht mehr so sicher. Ist Er gekommen, um die Heiden ebenso zu segnen wie die Juden? Das wäre unverzeihlich (Lukas 4:16-30). Und so endet das, was so gut begann, mit großer Enttäuschung sowohl für unseren Herrn als auch für die Menschen in Seiner „Heimatstadt“.

Hier kommt ein Prinzip zum Tragen, das, einmal erkannt, den scheinbaren Widerspruch in unserem Text sofort löst: Die kurzfristige und oberflächliche Annahme unseres Herrn ist nicht dasselbe wie eine langfristige, aufgeklärte Hingabe an Ihn. Im Gleichnis von den vier Erdböden wird diese oberflächliche, vorübergehende Hingabe, glaube ich, durch die zweite Art von Boden dargestellt:

16 Und das sind die, die auf felsigen Grund gesät werden: Sobald sie das Wort hören, empfangen sie es sofort mit Freuden. 17 Aber sie haben keine Wurzel in sich selbst und bleiben nur eine Zeit lang. Wenn sie dann um des Wortes willen auf Schwierigkeiten oder Verfolgung treffen, fallen sie sofort ab209 (Markus 4:16-17).

Wir sollten also nicht glauben, dass die Galiläer Jesus wahrhaftig als ihren Messias annehmen, nur weil sie Ihn anfangs „willkommen heißen“. Diese Leute sind noch nicht einmal „Zeichengläubige“ – sie sind Ungläubige, die von den Zeichen fasziniert sind. Der Besuch unseres Herrn in Seiner Heimat endet mit einer Enttäuschung, und doch genau so, wie es unser Herr beabsichtigt hat. Er hat Judäa verlassen, weil Er dort zu schnell zu berühmt geworden ist (Johannes 4:1-3), und ist in Seine Heimat gegangen, um nicht so sehr „geehrt“ zu werden. Dort in der Heimat wird Er anfangs zwar willkommen geheißen, aber Er wird nicht wirklich geehrt.

Die Bitte des königlichen Beamten
(4:46-50)

46 So kam er erneut nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. In Kapernaum aber gab es einen königlichen Beamten, dessen Sohn war krank. 47 Als der hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa gekommen war, ging er zu ihm hin und bat ihn dringend, hinab zu kommen und seinen Sohn zu heilen, denn der lag im Sterben. 48 Jesus sprach zu ihm: „Wenn ihr keine Zeichen und Wunder seht, werdet ihr niemals glauben.“ 49 Der Beamte sagte zu ihm: „Herr, komm zu uns, bevor mein Kind stirbt.“ 50 Jesus sprach zu ihm: „Geh nach Hause, dein Sohn wird leben.“ Der Mann glaubte das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte, und machte sich auf den Weg nach Hause.

Ich möchte hier eine Tatsache nicht verschweigen, die von anderer Seite sehr wichtig genommen wird: Gelegentlich wird gesagt, diese Episode sei nur eine andere Version der Geschichte von der Heilung des Dieners des Zenturion (Matthäus 8:5-13; Lukas 7:2-10). Der Ähnlichkeiten sind hier wenige, aber es gibt zahlreiche Unterschiede. Erlauben Sie mir, einige dieser Unterschiede zu nennen:

  • Der Zenturion ist ein Heide, der königliche Beamte dagegen offenbar ein Jude.
  • Der Sklave des Zenturions leidet an einer Lähmung, der Sohn des königlichen Beamten an einer fieberhaften Erkrankung.
  • Der Zenturion ist in Kapernaum, der königliche Beamte in Kana.
  • Der Glaube des Zenturions ruft Jesu Lob hervor; der königliche Beamte und die anderen werden für ihren Mangel an Glauben getadelt.
  • Der Zenturion drängt Jesus, nicht zu ihm zu kommen, sondern nur ein Wort zu sprechen; der königliche Beamte drängt Jesus, zu ihm zu kommen.
  • Der Zenturion veranlasst die jüdischen Ältesten, für ihn zu bitten; der königliche Beamte bittet Jesus selbst.210

Ich glaube, wir können also mit Recht annehmen, dass der Bericht über das Wunder von der Heilung des Sohnes des königlichen Beamten einmalig ist – so wie der größte Teil des Materials im Johannes-Evangelium.

Jesus kehrt also zurück nach Kana in Galiläa, wo Er das Wasser zu Wein gemacht hatte (Johannes 2:1-11). Ein königlicher Beamter211, der in Kapernaum lebt, hört, dass Jesus wieder in Kana ist. Der Sohn dieses Beamten ist todkrank; und wie verzweifelt der Vater sein muss, weiß jeder, der so etwas je durchgemacht hat. Jesus ist seine letzte und einzige Hoffnung auf Rettung für seinen Sohn. Eilig macht er sich auf den 20 Meilen langen Weg nach Kana, um Jesus aufzusuchen. Er findet Ihn und bittet Ihn, sofort mit nach Kapernaum zurückzukommen und seinen Sohn zu heilen, der ansonsten sterben würde.

Die Antwort, die unser Herr dem königlichen Beamten gibt, ist seltsam, ja fast irritierend: „Jesus sprach zu ihm: ‚Wenn ihr keine Zeichen und Wunder seht, werdet ihr niemals glauben.’“ Die NET-Bibel weist, wie auch einige andere Übersetzungen, ausdrücklich darauf hin, dass das „ihr“ in Vers 48 im Plural und nicht im Singular gemeint ist. Jesus spricht also zu einem größeren Publikum und nicht nur zu dem königlichen Beamten. Ich könnte mir vorstellen, dass der königliche Beamte in der Stadt herumfragt, um herauszukriegen, wo sich Jesus aufhält. Dabei sammelt sich eine Gruppe neugieriger Gaffer und folgt dem königlichen Beamten zu Jesus, in der Hoffnung, dass Der ihnen ein Wunder vorführen werde. Jesus ist aber aus Judäa fortgegangen und nach Galiläa gekommen, um der öffentlichen Aufmerksamkeit aus dem Weg zu gehen, denn Er möchte nicht vorzeitig unangemessene messianische Hoffnungen wecken. Unser Herr ist also wohl kaum darauf aus, jetzt ein Wunder so zu vollbringen, dass Er dadurch schon wieder alle Aufmerksamkeit auf Sich Selbst lenkt.

Wenn nun unser Herr mit dem königlichen Beamten zu dessen Haus in Kapernaum zurückgekehrt wäre, wären Ihm vermutlich eine ganze Menge Menschen dorthin gefolgt. Und wenn die dann Zeugen der Heilung des Kindes geworden wären, hätten sie anderen davon erzählt, und dann wären die Leute wieder in Strömen zu unserem Herrn gekommen, um geheilt zu werden. Das möchte Jesus vermeiden. Und mit Seiner Antwort an den Beamten, wie auch an die versammelten Zuschauer, erreicht unser Herr, was Er will: die Menschenmenge löst sich auf. Was Er da äußert, ist eine Zurechtweisung. Diese Galiläer glauben nicht wirklich an Ihn als den Messias. Sie wissen nur, dass Er anderswo Zeichen vollbracht hat und wollen sehen, ob Er das (oder vielleicht sogar noch mehr) auch für sie tun wird. Jesus rügt sie zu Recht dafür, dass sie nur an Seinen Wundern interessiert sind und sich dabei die eigentliche Bedeutung dieser Wunder nicht zu Herzen nehmen. Die Botschaft von Jesu Tadel ist die, dass unser Herr jetzt nicht für Seine Zuhörer „durch den Reifen springen“ wird, den sie ihm hinhalten. Wenn sie nur gekommen sind, um ein Wunder zu erleben, dann werden sie für den Moment leer ausgehen. Alles, was sie erleben, ist eine Zurechtweisung.

Warum noch weiter ausharren, wenn nichts Sensationelles geschieht? Ich denke, die Menschen werden sich daraufhin wohl zerstreut haben. Natürlich hätten ihnen die folgenden Worte Jesu zu denken geben sollen. Jesus sagt ja zu dem Mann: „Geh nach Hause, dein Sohn wird leben.“ Rückblickend aus heutiger Sicht würde man also vielleicht erwarten, dass die gesamte Stadt dem Beamten nach Kapernaum gefolgt wäre, um zu sehen, ob sich die Worte unseres Herrn tatsächlich bewahrheiten. Aber denken Sie daran: Diese Menschen sind Wundersucher und keine Männer und Frauen des Glaubens. Sie gehören nicht zu denen, die an Jesus als ihren Messias glauben. Als sie unseren Herrn sagen hören „Geh nach Hause, dein Sohn wird leben“, sagen sie sich wahrscheinlich „Ja, ja – schon recht!“ und glauben, dass diese Worte nur darauf abzielen, den hartnäckigen Vater loszuwerden, aber nicht wirklich die Heilung des Sohnes zusichern. Es ist nicht überliefert, dass irgendjemand den Beamten nach Kapernaum begleitet hätte, noch dass irgendjemand außer dessen eigenen Dienern zum Glauben an Jesus gekommen wäre. Die Menge zerstreut sich, die Wundersucher gehen fort, sie sind enttäuscht und vielleicht auch etwas verärgert.

Allerdings scheint unser Herr bei seinem Tadel an die Menge doch auch den königlichen Beamten selbst mit einzuschließen. Mangelt es unserem Herrn hier nicht an Mitgefühl für den verzweifelten Mann, dem es doch einzig und allein um das Wohlergehen seines Sohnes geht? Man mag durchaus versucht sein zu fragen: „Wie kann denn Jesus so rüde sein, so unsensibel, so kritisch?“ Darf ich vorschlagen, dass wir den Ausweg aus diesem Dilemma im Markusevangelium suchen:

24 Jesus verließ den Ort und begab sich in die Gegend von Tyrus. Er ging in ein Haus und wollte nicht, dass es die Leute erfuhren, aber es gelang ihm nicht, unbemerkt zu bleiben. 25 Vielmehr hörte sogleich eine Frau von ihm, deren Tochter einen unreinen Geist hatte. Sie kam und fiel zu seinen Füßen nieder. 26 Die Frau war eine Griechin aus Syrophönizien. Sie bat ihn, den Dämon aus ihrer Tochter auszutreiben. 27 Er sprach zu ihr: „Lass zunächst die Kinder satt werden. Denn es ist nicht recht, dass man den Kindern das Brot wegnimmt und es den Hunden vorwirft.“ 28 Sie antwortete: „Ja, Herr, aber selbst die Hunde unter dem Tisch essen die Brotkrumen der Kinder.“ 29 Da sprach er zu ihr: „Weil du das gesagt hast, geh hin: Der Dämon hat deine Tochter verlassen.“ 30 Sie ging nach Hause und fand das Kind auf dem Bett liegend, und der Dämon war fort (Markus 7:24-30)

Ist unser Herr hier unangemessen schroff zu dieser heidnischen Frau, die Ihn bittet, einen Dämon aus ihrer Tochter auszutreiben? Ich glaube nicht. Erstens einmal stimmt es, was Jesus sagt. Er ist „zuerst zu den Juden“ gekommen und dann zu den Heiden (siehe Matthäus 10:5-6; Römer 1:16, 2:9-10). Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass unser Herr hier mit dieser Frau gerade so umgeht, dass Er sie zum Glauben inspiriert. Geht denn die Frau eingeschüchtert weg, nachdem sie gehört hat, was Jesus sagt? Nein – sie hakt um ihrer Tochter willen sogar noch intensiver nach und erinnert Ihn daran, dass die Heiden ebenso wie die Juden von Seiner Herabkunft profitieren sollen.

Dasselbe geschieht, glaube ich, in unserem Text. Die unbeteiligten Zuschauer sind nur Wundersucher und lassen sich vermutlich von den Worten unseres Herrn nach Hause schicken. Der königliche Beamte will seinen Sohn nicht sterben lassen und er weiß, dass Jesus seine einzige Hoffnung ist. Mag sein, dass sein Glaube schwach ist, dass er sehen muss um zu glauben, aber er glaubt jedenfalls, dass Jesus in der Lage ist seinen Sohn zu heilen, und deshalb beharrt er auf seinem Ansinnen. Ich glaube, die Worte unseres Herrn drängen ihn in die richtige Richtung: Sie zielen nicht darauf ab, dass er sich abwendet, sondern dass er sich im Glauben zu Jesus wendet.

Nach allem, was wir lesen, glaubt der Beamte offenbar an das Sprichwort „Wo Leben ist, ist Hoffnung“. Er denkt, dass Jesus Kranke heilen, aber nicht Tote auferwecken kann.212 Und es ist kein Wunder, dass er so denkt, denn Jesus hat bisher noch niemanden von den Toten auferweckt. Und der königliche Beamte glaubt offenbar, dass Jesus seinen Sohn zwar heilen kann, wenn Er direkt vor ihm steht, aber nicht aus 20 Meilen Entfernung. Aber dann sagt Jesus zu diesem Beamten: „Geh nach Hause; dein Sohn wird leben.“ und der Beamte geht nach Hause. In den wenigen Minuten, in denen er mit Jesus verhandelt hat, scheint der Glaube dieses Mannes schon gewachsen zu sein. Und so geht der Beamte fort und kehrt zu seinem Sohn zurück im Glauben an die Worte unseres Herrn.

Das erinnert mich an meine Zeit als Seminarstudent im Masters-Programm. Ich trug mich für einen Kurs ein, der von Dr. S. Lewis Johnson gehalten wurde. Dr. Johnson lehrte damals an der Believers Chapel, wo ich seine Kurse besuchte, und ich trug wirklich reichen Segen von seinem Dienst davon. Ich wollte am liebsten sämtliche Kurse belegen, die er am Seminar anbot. Als er einen Kurs „Wie Paulus das Alte Testament benutzt“ anbot, meldete ich mich dafür an. Am ersten Kurstag war Dr. Johnson offensichtlich überrascht darüber, wie viele Studenten den Kurs belegt hatten – mehr als er erwartet hatte und mehr als ihm lieb war. Deshalb eröffnete Dr. Johnson der Klasse, dass es sich hier um einen „Promotionskurs“ für angehende Doktoren handelte, der für alle anderen zu schwierig wäre. Er forderte uns buchstäblich auf, den Kurs zu verlassen und irgendeinen anderen zu belegen. Ich rührte mich nicht vom Fleck. Ich wollte diesen Kurs machen und ich würde mich davon nicht durch seine Warnungen abhalten lassen. Ich überlebte den Kurs und schnitt sogar ganz vernünftig ab. Einige „fielen ab“ aufgrund dessen, was er sagte, aber ich nicht. Ich wusste, was ich wollte, und ich wusste, dass ich es von ihm wollte. Genauso verhielt es sich auch mit dem königlichen Beamten und Jesus.

Das Wunder und der Glaube
(4:51-54)

51 Und als er hinabging, kamen ihm seine Sklaven entgegen und sagten ihm, dass sein Sohn leben werde. 52 Also erfragte er von ihnen den Zeitpunkt, zu dem dessen Zustand sich zu bessern begonnen hatte, und sie sagten ihm: „Gestern um ein Uhr nachmittags verließ ihn das Fieber.“213 53 Da wurde dem Vater bewusst, dass das genau der Zeitpunkt war, zu dem Jesus ihm gesagt hatte: „Dein Sohn wird leben.“ Und er wurde, gemeinsam mit seinem ganzen Haushalt, gläubig. 54 Das ist das zweite Wunder, das Jesus tat, als er von Judäa nach Galiläa kam.

Jesus sagt zu dem königlichen Beamten: „Geh nach Hause, dein Sohn wird leben.“ Die Bitte des königlichen Beamten erfüllt sich also nicht: Jesus ist nicht bereit, mit ihm nach Kapernaum zurückzugehen. Trotzdem glaubt der Mann Jesus; er verlässt Ihn und kehrt nach Hause zurück. Was genau glaubt er? Ich denke, er vertraut Jesus einfach, obwohl er nicht genau weiß, was Der eigentlich gemeint hat. Er versteht Jesu Worte so, dass sein Sohn noch nicht gestorben ist und auch nicht sterben wird. Auf dem Weg nach Hause müssen ihm unzählige Gedanken durch den Kopf gegangen sein, während er wohl sämtliche Möglichkeiten in Betracht zog. Aber noch während er unterwegs ist, kommen ihm seine Diener entgegen, die Neuigkeiten über den Zustand des Kindes haben und nicht wollen, dass ihr Herr länger als irgend nötig von Sorgen gequält wird.

Wir sollten hier einen Moment innehalten und das Ereignis aus der Sicht der Diener214 betrachten. Der Sohn ihres Herrn wird sehr krank und sie müssen hilflos zusehen, wie das Fieber gefährlich hoch ansteigt. Sie wissen, dass der Junge sterben wird, wenn nicht bald etwas geschieht. Sie sehen, wie ihr Herr voller Verzweiflung nach Kana in Galiläa eilt, weil er hofft, Jesus zu finden und dazu zu überreden, dass Er kommt und das Kind heilt. Nachdem ihr Herr fortgegangen ist, verschlechtert sich der Zustand des Kindes immer weiter. Sie verlieren allmählich jegliche Hoffnung und mögen gar nicht daran denken, wie ihr Herr wohl reagieren wird, wenn er nach Hause zurückkehrt und seinen Sohn tot vorfindet. Dann ist das Fieber auf einmal gebrochen und das Kind erholt sich zusehends. Die Diener wissen, dass die Gefahr vorüber ist und der Junge leben wird. Sie haben keine Ahnung, wie das geschehen ist; aber sie wollen auf keinen Fall, dass ihr Herr unnötig lange von Sorgen gequält wird, und daher gehen einige von ihnen los, ihrem Herrn entgegen, um ihm die gute Nachricht zu überbringen.

Sobald der Herr in Sicht ist, rufen sie ihm schon von Weitem die gute Nachricht zu: Sein Sohn wird leben. Die Worte klingen verblüffend ähnlich wie die Zusicherung, die der Vater nur wenige Stunden zuvor von unserem Herrn erhalten hat. Man sieht das Gesicht dieses Vaters geradezu vor Augen: den Ausdruck von Erleichterung und Freude, die ihn überkommen – aber dann ändert sich seine Miene kaum merklich und wird nachdenklicher. Der Vater beginnt, eins und eins zusammenzuzählen. Er bemerkt (im Gegensatz zu seinen Dienern), wie sehr die Worte der Diener denen von Jesus ähneln. Jesus hatte Recht und das Vertrauen des königlichen Beamten war offenbar begründet. Aber der Mann beginnt nun über diese Worte nachzudenken. Hat Jesus als Prophet gesprochen und ihm versichert, dass sein Kind sich von alleine erholen und nicht sterben werde? Oder hat Jesus durch Sein Wort eine wunderbare „Fernheilung“ bewirkt, als Er ihm etwa acht Stunden zuvor zusicherte, dass der Junge leben werde?

Es gibt einen Weg, das herauszufinden. Also richtet der Herr folgende Frage an seine Diener: „Wieviel Uhr war es denn genau, als es dem Jungen so plötzlich besser ging?“ Sie erzählen ihm, dass die Wende um 13:00 mittags eingetreten ist. Da weiß er es mit Sicherheit, denn das war genau der Zeitpunkt, zu dem Jesus ihm zusicherte, dass es seinem Kind gut gehen werde: Es ist tatsächlich ein Wunder, ein Wunder, das unser Herr durch ein einziges Wort vollbracht hat. Ein Wunder wie bei der Schöpfung, als Er die Welt durch Sein Wort ins Sein brachte (siehe Johannes 1:1-3; Hebräer 11:3; Genesis 1).

Der Vater215 erkennt, dass er Zeuge eines Wunders geworden ist, und er „wird, gemeinsam mit seinem ganzen Haushalt, gläubig“. Haben wir nicht bereits in Vers 50 gehört, dass er „glaubte“? Dort glaubte der Beamte, was Jesus sagte. Den Glauben in Vers 53 sehe ich als einen tieferen, aufgeklärten Glauben, einen Glauben an Jesus als den Messias, als den Erlöser der Welt. Der Mann und sein gesamter Haushalt werden zu einem Haushalt des Glaubens. So ist es mit dem Glauben. Sehen Sie sich die Jünger in den Evangelien an. Im ersten Kapitel des Johannes-Evangeliums sehen wir einige Jünger zum Glauben an Jesus als den verheißenen Messias gelangen. Dann sehen sie, wie der Herr Wasser in Wein verwandelt, und es wird wiederum gesagt, dass sie an Jesus glaubten (Johannes 2:11). Im Verlaufe des Lebens unseres Herrn vollbringt Er immer mehr Wunder und die Jünger werden davon Zeuge. Und je mehr sie von Ihm sehen, umso mehr wächst ihr Glaube an Ihn. Der Glaube ist nichts Statisches, nichts, was wir einmal erfahren und was dann anschließend immer unverändert bleibt. Unser Glaube sollte immer mehr wachsen, während wir unseren Herrn und Sein Wort immer besser kennenlernen, während wir erkennen, dass Der, auf den wir unser Vertrauen gesetzt haben, noch viel größer ist, als wir gedacht haben!

In Vers 54 sagt Johannes, dass dies das zweite Wunderzeichen war, das Jesus vollbrachte, als Er von Judäa nach Galiläa kam. Das kann nicht bedeuten, dass Er nur zwei Zeichen vollbrachte, denn wir wissen, dass Johannes sehr wählerisch bezüglich der Zeichen war, die er in seinen Bericht aufnahm (Johannes 2:23, 3:2, 20:30-31). Es ist das zweite dieser „ausgewählten“ Wunder, die dazu da sind, Männer und Frauen zum Glauben an Jesus als den verheißenen Erlöser zu bringen.

Schlussfolgerung

Was für ein großartiges Wunder das doch ist! Merken Sie es: Dieses Wunder ist dem von der Verwandlung des Wassers in Wein in gewisser Weise sehr ähnlich. Durch die Art und Weise, wie Er das Wasser in Wein verwandelt, verhindert Jesus, dass die meisten Menschen bei der Hochzeit auch nur mitbekommen, dass irgendetwas geschehen ist. Ein „Zeichen“ ist es offenbar für wenige und bewirkt den Glauben der Jünger unseres Herrn (Johannes 2:11). Genauso ist es auch, als der Sohn des königlichen Beamten geheilt wird. Wenn Jesus das Wunder so vollbracht hätte, wie der Beamte gehofft hat (nämlich indem Er persönlich zu dem Kind gekommen wäre und Seinen Dienst an ihm verrichtet hätte), wären viele Menschen mitgegangen und die Popularität unseres Herrn hätte ordentlich zugenommen. Aber das ist es nicht, was unser Herr zu diesem Zeitpunkt will. Deswegen hat Er ja Judäa verlassen und ist nach Galiläa zurückgekehrt (4:1-3). Jesus vollbringt das Wunder so, dass nur der Beamte erkennt, dass es ein Wunder ist. Und als der vor seinen Dienern „Zeugnis ablegt“ für dieses Wunder, werden auch sie Mitglieder im „Haushalt des Glaubens“. Jesus vollbringt also nicht nur ein Wunder, sondern Er tut es auch noch so, dass es mit Seinen Absichten im Einklang steht.

Jesus vollbringt dieses Wunder so, dass der Glaube des Beamten von einem „Zeichenglauben“ zu einem „Wortglauben“ wird. In Kapitel 2 führt Johannes nämlich ein Thema ein, das sich durch sein ganzes Evangelium hindurchzieht:

23 Und als Jesus während der Feier des Passah in Jerusalem war, glaubten viele Menschen an seinen Namen, weil sie die Wunderzeichen sahen, die er tat. 24 Aber Jesus vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle Menschen kannte. 25 Er hatte es nicht nötig, dass irgendjemand Zeugnis über einen Menschen ablegte, denn er wusste, was im Menschen war (Johannes 2:23-25; Hervorhebung durch R. Deffinbaugh).

Es ist ganz offensichtlich, dass „Zeichenglaube“ unserem Herrn nicht gefällt, denn Er vertraut Sich den „Zeichengläubigen“ nicht an. Zeichenglaube ist nicht schlecht für den Anfang, aber man sollte es nie dabei belassen. Jesus möchte, dass die Menschen ihren Glauben auf Sein Wort gründen und nicht auf Wunder.

Johannes der Täufer vollbrachte kein einziges Wunder, aber seine Worte waren mächtig und viele glaubten daran. Nikodemus war, wie auch seine Mit-Pharisäer, nicht bereit, Jesus bei Seinem Wort zu nehmen. Er hatte immer noch eine weitere Frage, und doch brachten ihn alle Fragen (zu diesem Zeitpunkt) nicht zum Glauben (Johannes 3). Die Frau am Brunnen nahm Jesus beim Wort, und die Einwohner von Sychar genauso (Johannes 4:4-42). Die Galiläer waren zwar beeindruckt von den Zeichen, die unser Herr tat, aber sie waren weniger geneigt, Sein Wort anzunehmen. Und der königliche Beamte gelangte an den Punkt, dass er bereit war, Jesus bei Seinem Wort zu nehmen, und so wurden er und sein Haushalt gläubig.

Falls ich Ihnen inzwischen vorkomme wie eine Schallplatte die einen Sprung hat und ständig dasselbe Motiv wiederholt, kann ich nur sagen, dass auch Johannes dieses Motiv ständig wiederholt: „Zeichenglaube“ ist weniger wert als „Wortglaube“. Wer unserem Herrn als Jünger folgen will, muss Ihn nach Seinem Willen bei Seinem Wort nehmen.

Wir können von diesem königlichen Beamten noch etwas anderes lernen. Er täuscht sich, als er (zunächst) annimmt, dass Gott unsere Bitten nur so erfüllen kann, wie wir es Ihm vorschreiben. So machen wir es ja gerne, wenn wir beten: Wir sagen Gott, was wir möchten, und anschließend sagen wir Ihm, wie Er es anstellen soll. Wir gehen davon aus, dass unsere Erwartungen an Sein Handeln am ehesten dem entsprechen, wie Er handeln kann und wird. So denkt der königliche Beamte, dass Jesus seinen Sohn nur heilen kann, wenn Er nach Kapernaum kommt und dort persönlich Seinen Dienst an dem Kind verrichtet. Aber darin täuscht er sich. Unser Herr will den Sohn dieses Mannes schon heilen, aber auf Seine eigene Weise. Er muss dazu gar nicht am Bett stehen, Er kann ihn aus der Entfernung heilen. (Und, menschlich gesehen: Wenn Jesus zugestimmt hätte und mit dem Beamten gegangen wäre, hätte der Sohn gut und gern in der Zeit sterben können, die sie unterwegs gewesen wären. Aber natürlich hätte Er den Jungen dann auch von den Toten auferwecken können.) So, wie unser Herr das Kind heilt, vermeidet Er, dass die Massen Zeuge des Wunders werden, und beschränkt die zum Glauben Kommenden auf den Beamten und dessen Haushalt. Geben wir also nicht gleich die Hoffnung auf, wenn Gott Sich weigert, „durch unseren Reifen zu springen“, und unsere Gebete nicht so erhört, wie wir es erwarten.

33 Oh, wie tief sind der Reichtum und die Weisheit und die Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Entscheidungen und wie unergründlich seine Wege! 34 Denn wer hat des Herrn Sinn erfasst, und wer ist je sein Ratgeber gewesen? 35 Oder wer hat Gott etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm vergelten müsste? 36 Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen (Römer 11:33-36).

9 Sondern so, wie geschrieben steht: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört und kein Sinn je erdacht hat – das ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“ (1. Korinther 2:9).

Gott gefällt es, unsere Gebete so zu erhören, dass Seine Macht und Gnade und Ehre und Souveränität dadurch hervorgehoben werden. Wir sollten Ihm also besser vertrauen, dass Er unsere Gebete auf Seine Weise erhöht.

Bevor ich schließe, möchte ich Sie noch auf ein sehr wichtiges Prinzip hinweisen: Gott bringt oft Widrigkeiten in unser Leben – Widrigkeiten, denen zu begegnen über unsere eigenen Fähigkeiten hinausgeht, so dass wir zu Ihm als zu unserer einzigen Hoffnung kommen müssen, so dass wir auf Ihn alleine vertrauen müssen. Ich bezweifle sehr, dass der königliche Beamte 20 Meilen weit gereist wäre, um Jesus um Heilung seines Sohnes zu bitten, wenn der Sohn Fußpilz oder einen eingewachsenen Zehennagel gehabt hätte. Dieser Mann ist verzweifelt. Er hat keine Hilfe und keine Hoffnung außer Jesus Christus. Jesus hat es Selbst gesagt: Er ist gekommen, um die Kranken zu heilen, nicht um den Gesunden zu dienen. Es gab Menschen, die nur deshalb zu Jesus kamen und mit Ihm argumentierten, damit sie selbst gut dastünden und Er schlecht. Aber abgesehen von solchen Unruhestiftern waren die meisten, die in den Evangelien zu Jesus kommen, Menschen, die verzweifelt nach Hilfe suchten, die verletzt und hilflos waren.

Bist du verletzt? Fühlst du dich hilflos und nicht in der Lage zu bewältigen, was ansteht? Das könnte die gnädige Hand Gottes sein, die dich zu Ihm zieht, zu Seiner Barmherzigkeit und Gnade in deiner Zeit der Not. Seien wir ehrlich: Wir suchen Gott nicht, wenn alles gut für uns läuft, sondern wir neigen dazu, uns nur in unserer Schwäche, unserer Not und unserer Verzweiflung an Gott zu wenden. Wenn das auch für dein Leben zutrifft, dann ist es möglicherweise die gnädige Hand Gottes, die dich nötigt, im Glauben zu Ihm zu kommen. Nimm Ihn bei Seinem Wort. Komm zu Ihm, der die Erfüllung all deiner Bedürfnisse ist.


207 Der hier benutzte griechische Ausdruck für „Heimatstadt“ findet sich in Matthäus 13:54,57, Markus 6:1,4 und Lukas 4:24 und wird in der NET-Bibel in allen diesen Fällen mit „Heimatstadt” übersetzt. Man darf daher begründet annehmen, dass derselbe Begriff, wenn er in Johannes 4:44 verwendet wird, auch dort im Wesentlichen dieselbe Bedeutung hat.

208 Hier handelt es sich um eine ausgesprochen interessante Umkehrung von Tatsachen: Johannes schrieb sein Evangelium – und nahm darin all die Zeichen auf, die Er vollbracht hat – damit die Menschen zum Glauben an Jesus als den Christus kämen (20:31). Die Menschen in Nazareth andererseits glauben nicht, und deshalb erleben sie auch nur sehr wenige Wunder.

209 Das griechische Wort, das in Markus 4:17 mit „abfallen“ übersetzt wird, ist im Prinzip dasselbe, das in Matthäus 13:57 mit „Anstoß nehmen“ übersetzt wird.

210 Siehe Leon Morris, The Gospel According to John [Das Evangelium nach Johannes], (Grand Rapids: Wm. B. Eerdmans Publishing Co., 1971), S. 288.

211 Basilikov“ wird zwar oft als „Edelmann“ übersetzt; es bezieht sich hier aber ziemlich sicher auf einen Mann, der in Diensten von Herodes, dem Tetrarchen von Galiläa (im NT als König bezeichnet: Mar 6:14,22; Mat 14:9) steht. Kapernaum war eine Grenzstadt, deshalb hatten dort sicherlich zahlreiche Verwaltungsbeamte ihren Wohnsitz.“ Anmerkung des Übersetzers in der NET-Bibel.

212 Vergleiche Marthas Worte in Johannes 11:21.

213 Manche Menschen zerbrechen sich sehr den Kopf darüber, wie spät es eigentlich war, als Jesus dem Beamten zusicherte, dass sein Sohn leben werde. Da es zwei Arten der Zeitangabe gibt (die römische und die jüdische), ist hier schon ein gewisser Raum für unterschiedliche Meinungen darüber, um wieviel Uhr genau Jesus dem Beamten zusichert, dass sein Sohn leben wird. Nach dem römischen System der Zeiterfassung wäre es um 7:00 abends gewesen, nach dem jüdischen System um 13:00 mittags. Manche Menschen fragen sich auch, warum der Mann für seinen Heimweg einen vollen Tag gebraucht haben sollte, und es gibt jede Menge Theorien zur Erklärung der scheinbaren Unstimmigkeiten. Offen gesagt: Johannes fand diese Einzelheiten gar nicht wichtig genug, um sie alle mitzuteilen. Zudem haben sie auch offensichtlich nichts mit der Bedeutung und Botschaft dieses Wunders zu tun; deshalb übergehe ich dieses Thema hier.

214 Sie sollten sich zu dieser Bezeichnung einmal die Anmerkung des Übersetzers in der NET-Bibel ansehen.

215 Beachten Sie, dass der Beamte jetzt in Vers 53 als „der Vater“ bezeichnet wird, denn das ist seine vorrangige Rolle. Er agiert in dieser Situation nicht als königlicher Beamter, sondern als ein besorgter Vater.

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