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Die zwei Wege (Sprüche 1:7-33)

Einleitung

Zwei Gefahren werden in den ersten neun Kapiteln des Buches der Sprüche hervorgehoben: die Verstocktheit und Gewalttätigkeit schlechter Männer und die Schlichen verführerischer Frauen. Beide Gefahren erscheinen im zweiten Kapitel:

Um dich vor dem Weg des Bösen zu bewahren, Vor dem Mann, der Falsches spricht;
Vor denen, die den geraden Weg verlassen Und auf den Pfaden der Finsternis wandeln;
Die sich freuen, Böses zu tun, Und fröhlich sind über die Verkehrtheit des Bösen;
Deren Pfade krumm sind und die auf Abwege geraten;
Um dich zu bewahren vor fremden Frauen, Vor der Ehebrecherin, die dir mit Worten schmeichelt;
Die den Gefährten ihrer Jugend verlässt Und den Bund ihres Gottes vergisst;
Denn ihr Haus neigt sich zum Tode, Und ihre Wege führen zu den Toten.
Keiner von denen, die zu ihr eingehen, kehrt zurück noch erreicht er wieder den Weg der Lebenden (Spr 2:12-19).

Wir werden uns in dieser Botschaft mit der ersten der beiden Gefahren befassen – mit der, die von der Verkehrtheit der Männer ausgeht. In unserer nächsten Lektion werden wir dann zwei Frauentypen untersuchen: Frau Torheit und Frau Weisheit.

Auf den ersten Blick erscheint es unglaublich, dass ein Vater es notwendig finden sollte, seinen Sohn vor dem Umgang mit gewalttätigen Männern und der Teilhabe an ihrem kriminellen Leben zu warnen. Es gibt jedoch einige Dinge, die mich veranlassen, diese Gefahr sehr viel ernster zu nehmen, als ich es sonst tun würde. Lassen Sie mich zunächst einige der Gründe dafür beschreiben, dass ein solches Leben einem Jugendlichen attraktiv erscheinen kann.

Die natürliche Veranlagung

Erstens haben Kinder, auch wenn sie lieb und unschuldig sind, eine natürliche Neigung zur Grausamkeit. Nach meinem ersten Jahr am Priesterseminar kam ich zurück in meinen Heimatstaat Washington, um den Sommer dort zu verbringen. Der Direktor der dortigen Grundschule nahm Kontakt zu mir auf und bat mich, für den Rest des Schuljahres eine ältere Frau zu vertreten, die viele Jahre lang eine gute Lehrerin gewesen war. Aus irgendeinem Grund hatte sie die Kontrolle über ihre Klasse verloren, und die Viertklässler, die ihre Schwäche spürten, halfen ihr nicht, sondern taten alles, um sie noch vollständig zu ruinieren. Und sie hatten Erfolg damit. Ihre Aktionen enthielten eine gehörige Portion Grausamkeit. Wie wir alle wissen, können Kinder insbesondere auch zu anderen Kindern grausam sein.

Gewalt ist attraktiv

Zweitens ist Gewalt für junge Menschen selbst dann attraktiv, wenn sie in einem warmen und liebevollen Zuhause aufgewachsen sind. Vor einiger Zeit las ich einen Artikel über die Familie von Ozzie und Harriet Nelson. Er handelte vom Leben der Familie Nelson während der Jahre, in denen ihre Sendung im Fernsehen lief, und von dem Leben, das David und Rickie seither geführt hatten. Was mir sofort ins Auge fiel, war die Tatsache, dass Rick sich einer Gruppe von “Rowdies” angeschlossen hatte. Der Verfasser des Artikels schrieb über Ricks neuen Umgang: “Die meisten seiner Kumpane, so erklärte Rick später, endeten im Gefängnis und drehten schließlich auch größere Dinger wie bewaffnete Überfälle.”12

Gewalttätigkeit ist eine Lebensart

Drittens ist Gewalttätigkeit für Amerikaner auch ein Teil ihres Lebens. Die Medien sind übervoll mit Gewalttaten, und eine kürzlich durchgeführte Studie zeigt, dass die Gewalt im Fernsehen innerhalb des vergangenen Jahres (1981-1982) um 33% zugenommen hat. Die Anzahl der Gewalttaten auf amerikanischen Bildschirmen ist viermal so groß wie die auf zwei kanadischen Kanälen.13 Fernsehhelden sind Männer der Gewalt. Die Spielzeuge unserer Kinder sind oft Werkzeuge für Krieg oder Gewalt. Sogar Computerspiele können in ihrer Art als brutal bezeichnet werden.

Gewalt ist nach dem Buch der Sprüche ein Teil des schlechten Weges, denn wir vermeiden sollen. Wir müssen über diese Gefährdung daher im Laufe unseres Studiums gründlich nachdenken.

Die Lehren eines Vaters
(1:8-19)

Die Verse 8-19 sind an einen Sohn gerichtet, der jung, unerfahren und – noch – verhältnismäßig unschuldig ist. Die Weisheit spricht hier durch die Eltern dieses Burschen, durch seine Mutter und seinen Vater (Vers 8). Ich denke, dass der junge Mann das Teenager-Alter erreicht hat, den Punkt im Leben, an dem er dem Erwachsenwerden gegenübersteht und seine eigenen Entscheidungen zu treffen beginnt. An diesem Punkt neigt er dazu, eher bei seinen Kameraden als bei seinen Eltern Anleitung und Vorbilder zu suchen, und normalerweise wird er jetzt die Werte, die ihn seine Eltern gelehrt haben, in Frage zu stellen beginnen. Der Vater drängt seinen Sohn, nicht zu vergessen, was er gelernt hat, und den Weg des Bösen zu meiden, den zumindest ein Teil seiner Altersgenossen verficht.

Die Absicht der väterlichen Worte, die hier aufgezeichnet sind, liegt in der Vorbereitung und Vorbeugung. Noch hat kein schlechter Mensch sich dem Kind genähert, aber das kann bald geschehen. Mit den Worten eines zeitgenössisches Sprichworts: “Vorbeugen ist besser als heilen.” Ich glaube, es war Mark Twain, der gesagt hat: “Es ist leichter, draußen zu bleiben als heraus zu gelangen.” Dieser Vater versucht, seinem Sohn die Schmerzen eines falschen Weges zu ersparen, die er durch die Wahl falscher Freunde und falschen Umgangs erleiden würde.

Der Appell eines Vaters

In den Versen 8-10 wird der Appell dieses weisen Vaters allgemein ausgedrückt. Sowohl die Mutter als auch der Vater haben den Burschen bisher gewissenhaft erzogen, und ihre Anleitung sollte nicht sorglos beiseite gelegt werden, jetzt, da der Junge allmählich ein größeres Ausmaß an Unabhängigkeit und äußeren Einflüssen erfährt. Positiv formuliert soll das Festhalten an den elterlichen Lehren jedes Kind stärken und schön machen (vorausgesetzt natürlich, dass diese elterlichen Lehren gottgefällig gewesen sind).

Lieb und unschuldig wie Kinder oft sein können, gibt es doch eine angeborene Neigung zur Unvernunft und Rebellion im Herzen eines jeden Kindes (vgl. 22:15). Dem entsprechend ist das, was die Eltern sagen, nicht das, was das Kind selbst zu denken geneigt ist. Eltern von Teenagern stimmen mir wahrscheinlich zu, dass die Erziehung und die Vermittlung von Benimmregeln eher als Mühlstein um den Hals betrachtet werden als als eine kunstvolle und schmückende Kette (Vers 9).

Dem Appell des Vaters in diesem Kapitel liegt die Annahme zugrunde, dass Weisheit einem Kind hauptsächlich durch seine Eltern vermittelt wird. Aber an dem besagten Punkt im Leben wird diese Annahme oft infrage gestellt. Haben Sie nicht auch schon einmal deutlich den Eindruck von ihrem Teenager vermittelt bekommen, dass Sie der Naive sind und Ihr Kind dagegen weltmännisch und gewandt? Eltern sind niemals so rückständig und so schlecht informiert wie während der Teenager-Jahre ihrer Kinder. Unsere Kinder verdrehen die Augen und tolerieren unsere Gedanken und Ideale gerade eben noch als einen vorsintflutlichen Anachronismus. Der Vater drängt seinen Sohn daher, sein Denken nicht durch jugendlich-irrige Gesinnung bestimmen zu lassen.

Was schlechte Menschen zu bieten haben

Die Verse 11-14 spezifizieren das zuvor allgemein Gesagte. In Vers 10 ist das Kind dazu angehalten worden, den Verführungen des Bösen zu widerstehen. Jetzt gibt der Vater seinem Sohn eine deutlich konkretere Vorwarnung, indem er ihn mit der Art einer solchen Annäherung bekannt macht. Die Worte “Komm mit uns…” in den Versen 11ff. werden vom Vater gesprochen, aber sie stellen eigentlich den Kern der Aufforderungen dar, mit denen sich der junge Bursche in Kürze konfrontiert sehen wird, wenn er mit dem Gruppendruck durch seine Kameraden umgehen muss. Der weise Vater weiß, was bald auf seinen Sohn zukommen wird, und seine Worte sind prophetisch.

Gottergebene Eltern können aus den Anleitungen dieses Vaters lernen. Wir neigen ja eher dazu, etwas in der Art zu sagen wie “Als ich ein Junge war, Johnny, ...”. Für unsere Kinder ist so etwas reine Historie und scheint ihnen wenig mit ihrem eigenen Leben zu tun zu haben. Unsere Kinder können sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass es “nichts Neues gibt unter der Sonne”. Für sie sind wir ein Produkt aus einer anderen Charge und unsere Erfahrungen von früher haben keine direkte Verbindung zu ihnen selbst. Dieser weise Vater spricht daher nicht von der Vergangenheit, sondern von der Zukunft. Wenn Sünder dann seinen Sohn ansprechen, wie es der Vater kommen sah, werden sie dem Burschen zeigen, wie recht sein Vater hatte. Viele von uns, die wir Eltern sind, haben noch nicht zu schätzen gelernt, wie wertvoll es ist, die Versuchungen zu kennen, denen unsere Kinder gegenüber stehen, und sie im Voraus darauf vorzubereiten. Gewöhnlich zögern wir eher und gehen Probleme erst dann an, wenn sie schon auf ein kritisches Ausmaß angewachsen sind. Wir können nur lernen von der Weisheit dieses Vaters.

Lassen Sie uns jetzt genauer betrachten, was schlechte Menschen unseren Kindern anbieten und was diese so reizvoll daran finden.

(1) Akzeptanz und Identität in der Gruppe

Die erste Verlockung ist die von Akzeptanz und Identität innerhalb der Gruppe. Als Teenager bauen Kinder ihr Selbstbewusstsein eher darauf, wie ihre Altersgenossen sie sehen, als darauf, was ihre Eltern über sie denken. Daraus resultiert eine enorme Sensibilität für das, was die Kameraden denken, und ein starkes Bedürfnis danach, innerhalb der eigenen Altersgruppe akzeptiert zu werden. Nie ist der Gruppendruck stärker als jetzt. Die Sünder, die den jungen Mann verleiten werden, sind, denke ich, diejenigen, die das Kind beeindrucken möchte, und sie sind wahrscheinlich genauso alt oder wenig älter als er selbst. Innerhalb der Gruppe gibt es Angenommensein, Bedeutung und Sicherheit – die Dinge, auf die ein Jugendlicher begierig ist.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Menschen in einer Gruppe Dinge tun, die für sie einzeln gar nicht infrage kämen? Massendemonstrationen und Aufstände sind Beispiele dafür, wie Gruppendruck eingesetzt werden kann, um Böses zu befördern. Das soll nicht heißen, dass jede Verbindung mit einer Gruppe schlecht wäre, denn Gruppendruck kann für das Gute wie für das Böse wirken. Im Hebräerbrief lesen wir:

Und lasst uns darauf achten, wie wir einander zu Liebe und guten Werken anreizen können, indem wir unsere eigene Zusammenkunft nicht aufgeben, wie es bei manchen der Brauch ist, sondern einander ermutigen, und das umso mehr, als ihr den Tag herannahen seht. (Heb 10:24-25).

Das Schlechte liegt nicht in der Gruppenzugehörigkeit selber, sondern in der Zugehörigkeit zur falschen Gruppe, zu einer, die uns dazu verleitet, uns dem Bösen anzuschließen.

(2) Die Aussicht auf materiellen Gewinn

Die zweite Verlockung der Sünder ist das Versprechen materiellen Gewinns:

“Wir werden allerlei kostbare Dinge von Wert finden, Wir werden unsere Häuser mit Beute füllen; Setze auf uns, einen Beutel soll es für uns alle geben” (1:13-14).

Wohlstand als solcher wird nirgendwo in den Sprüchen als etwas Schlechtes betrachtet, nur dann, wenn er auf sündhafte Art erworben wurde (10:2; 13:11; 19:22; 28:6). Gottergebenheit und Weisheit führen oft zu Wohlstand (3:9-10,16), aber der Gewinn, den der Böse uns anbietet, kommt aus Gewalt. Nicht durch Sorgfalt und harte Arbeit werden die Bösen wohlhabend, sondern durch Raub (1:11-12). Die individuelle Anstrengung wird dabei heruntergespielt, und Bequemlichkeit und Wohlstand sollen durch eine Art kommunistischer Arbeitsauffassung erreicht werden (1:14).

(3) Abenteuer und das Gefühl der Macht

Die dritte Verlockung liegt in der Aufregung, in dem Gefühl von Macht und dem Hochgefühl, das mit einem Verbrechen einhergeht. Junge Leute sind es Leid, immer wieder gesagt zu bekommen, dass man sie sehen und nicht hören sollte. Sie wollen wichtig sein und in der Lage, Macht über andere auszuüben. Ein kriminelles Leben ist einer der schnellen Wege zu einem Gefühl der Macht. Wenn man von der falschen Seite her auf einen Teenager mit einem 45er-Kaliber-Revolver blickt, erscheint der schon sehr Respekt einflößend. Ein kriminelles Leben bietet Jugendlichen die begehrte Gelegenheit, Gänsehaut und Nervenkitzel zu erleben, und die damit verbundenen Gefahren erhöhen nur die Attraktivität. Warum, schließlich, üben so viele junge (und auch ältere) Amerikaner Hobbies und Sportarten aus, die mit Gefahren für Leib und Leben verbunden sind?

Der abschließende Appell eines Vaters

Der abschließende Appell des Vaters in den Versen 15-19 geht von den gerade zuvor beschriebenen Verlockungen aus. Vers 15 enthält die Bitte an den Sohn, diesen Weg des Bösen zu meiden, und die Verse 16-19 geben zwei Gründe an, warum all diese Angebote abgelehnt werden sollten. In Vers 16 finden wir den ersten Grund: weil Geld und Abenteuer durch diesen Lebensstil auf Kosten Anderer erworben werden. Solche gewalttätigen Menschen drängen nicht nur darauf Blut zu vergießen, sondern sie werden es auch tun. Ich weiß, dass viele von Ihnen es kaum glauben werden, aber die drei Monate, die ich in einem staatlichen Gefängnis gelehrt habe, haben mich davon überzeugt, dass es Menschen gibt, die Jemanden erstechen würden für das bloße Vergnügen, ihn verbluten zu sehen. Solche Menschen muss man meiden.

Die Erläuterungen eines Vaters

Die Verse 17-19 erklären den zweiten Grund dafür, warum ein Leben mit Gewaltverbrechen schlecht ist: es zerstört den Täter ebenso wie das Opfer. Der böse Mensch ist wohl willens, andere zu zerstören – er sollte aber gewarnt sein, dass er auch sich selber zerstört.

Denn es ist müßig, das Netz auszubreiten Vor den Augen eines Vogels; Aber sie liegen auf der Lauer nach ihrem eigenen Blut; Sie überfallen ihr eigenes Leben aus dem Hinterhalt. So geht es Allen, die unrechten Gewinn machen; Er nimmt ihnen das Leben (1:17-19).

Bibelstudenten tun sich besonders schwer, diese Verse zu interpretieren. Zwei Erklärungen werden am häufigsten geboten, und ich neige zur zweiteren. Die erste Sichtweise ist die, dass Vögel intelligenter sind als die meisten Gauner. Ein Vogel, so wird uns gesagt, ist schlau genug, eine Falle zu meiden, die er aufgebaut werden sieht: Auch wenn man Getreidekörner ausstreut, wird der Vogel sie nicht anrühren, weil er weiß, dass dahinter eine Falle steckt, in der er gefangen werden würde. Kriminelle aber sind noch nicht einmal so schlau wie die Vögel, denn sie verfolgen einen kriminellen Lebenswandel, ohne sich dessen bewusst zu werden, dass sie damit ihre eigene Zerstörung herbeiführen.14

Der Impuls der zweiten Erklärung ist der, dass solche Kriminellen nicht mehr Vernunft haben als ein Vogel, der – obwohl er zugesehen hat, wie die Falle errichtet wurde – schließlich zu seinem eigenen Untergang seinen Appetit auf Körner über die Angst vor der Gefahr siegen lässt. Vögel können zusehen, wie ein Netz ausgebreitet und mit Körnern bestreut wird. Aber früher oder später werden ihre Augen nur noch die Körner wahrnehmen. Um ihren Appetit zu befriedigen, werden sie dann zu den Körnern herunterfliegen und im weiteren Verlauf ihr eigenes Leben zerstören. So geht es auch den schlechten Menschen, die sich für ein Leben voll Gewalt und Verbrechen entscheiden. Wie die unvernünftigen Tiere erlauben sie ihrem Appetit, die Herrschaft zu übernehmen. Solche Menschen sind schlimmer als die Vögel. Menschen können denken und sind in der Lage, Gefahren zu erkennen. Menschen haben auch Eltern, die sie vor dem Bösen gewarnt haben. Und Menschen sind auch deswegen weniger zu bemitleiden, weil sie die Falle durch ihre eigene Gewalttätigkeit aufgestellt haben, während Vögel Opfer einer Falle werden, die sie nicht selbst gebaut haben. Wie Haman, der den Galgen für Mordechai baute und dann selber daran hing (vgl. Esther 7), werden die, die das Schwert zum Leben wählen, auch durch das Schwert sterben (vgl. Mat 26:52).15

Die Weisheit spricht
(1:20-33)

Wenn wir zu den Versen 20-33 gelangen, kommt es zu einer bemerkenswerten Veränderung. In den vorausgehenden Versen hatte ein Vater seinem jungen und beeinflussbaren Sohn Weisheit vermittelt. In den Versen 20ff. wird die Weisheit dann personifiziert als eine Frau. Sie spricht nicht zu dem Unschuldigen, sondern zu dem Schuldigen. Während der Vater seinen Sohn drängte, den Weg des Bösen nicht zu betreten, spricht jetzt die Weisheit zu denen, die sich bereits entschieden haben, den Weg des Bösen zu gehen. Der erste Diskurs war vorbeugend, der zweite ist beschreibend. Der Punkt ist, dass es junge und alte Narren gibt, und die Weisheit der Sprüche gilt für Narren jeden Alters. Es gibt zwar keinen blauäugigen Optimismus, dass Viele ihren schlechten Weg verlassen und sich der Weisheit zuwenden werden, aber dennoch wird jedem das Angebot gemacht.

Weisheit wird verkündet

Die Verse 20 und 21 machen uns mit der Weisheit in der Person einer Frau bekannt und mit den Orten, wo Weisheit verkündet wird. In einem Volk, das Aufrichtigkeit fördert und Sündhaftigkeit mit Strafe belegt, können böse Menschen die Anderen nicht in aller Offenheit dazu verleiten, ihnen zu folgen. Aber während diese schlechten Menschen gezwungen sind, im Geheimen zu verführen, ruft die Weisheit zu allen Menschen und zwar auf öffentlichen Plätzen, wo sich die Massen aufhalten: Die Stadttore (Vers 21) sind der Ort, wo die Ältesten sitzen und Rechtsstreitigkeiten beigelegt werden (vgl. Ruth 4:lff.).

Die Schlussfolgerung aus diesen Versen ist offensichtlich: Wir können eine Menge lernen, wenn wir die Quelle einer angebotenen “Weisheit” in Betracht ziehen. Weisheit kann man, wie wir aus den vorangegangenen Versen wissen, in elterlichem Rat und Anleitung finden. Hier ist Weisheit jetzt auch von den Ältesten der Stadt zu erhalten, von Menschen, die für ihre Reife und Gottgefälligkeit bekannt sind. Die schlechten Menschen aus Vers 10-14 wird man kaum an den Stadttoren finden, denn ihresgleichen lungert eher in dunklen Straßen und kommt erst dann heraus, wenn es dunkel wird. Deren “Weisheit” wird nicht öffentlich ausgerufen, sondern im Geheimen geflüstert.

Wenn auch der “Sohn” aus den Versen 8ff. jung und unschuldig ist, so doch nicht diejenigen, die in Vers 22 und 23 angesprochen werden. Nicht Unwissenheit und Unschuld ist ihr Problem, sondern dass sie den Weg der Weisheit absichtlich verwerfen. “Wie lange”, ruft die Weisheit, “wollt ihr Unerfahrenen die Unerfahrenheit lieben? Und ihr Spötter euch am Spott erfreuen, Und ihr Unvernünftigen die Erkenntnis hassen?” (Vers 22). Die Einfältigen sind es zufrieden und die, die spotten, tun es mit Freude: Nicht dass das Wissen nicht verfügbar wäre, es ist für sie unakzeptabel – sie hassen es (Vers 22).

Die Weisheit korrigiert

Worte der Weisheit sind zurecht korrigierende Worte. “Wendet euch zu meiner Zurechtweisung”, ermahnt sie (Vers 23). Weisheit ruft die schuldigen Sünder zur Reue auf, denn für einen Sünder besteht die einzige Möglichkeit, die Weisheit zu erlangen, darin, sich von seinem schlechten Weg abzukehren, seiner Torheit abzusagen und den Weg der Rechtschaffenheit zu gehen.

Weisheit ist nicht naturgegeben

Von Natur aus besitzt man keine Weisheit – aber Torheit schon. Dem entsprechend schließt Weisheit eine übernatürliche Quelle ein (1.Kor 2:6-16). Die Weisheit bietet an, ihren Geist über diejenigen auszugießen, die die Torheit fliehen und sich zu ihr umkehren wollen (Vers 23). Der “Geist”, den die Weisheit hier den Menschen anbietet, ist, denke ich, der Heilige Geist, der unseren Geist erleuchtet und die Schriften erhellt, so dass wir die göttliche Weisheit verstehen können (vgl. Eph 1:17; Kol 1:9). Es ist meine persönliche Überzeugung, dass Christen zu wenig von Christus und dem Heiligen Geist im Alten Testament wahrnehmen. Ich finde es geradezu schwierig, diesen Text nicht in Bezug auf den Heiligen Geist zu lesen.16

Es gibt gute Gründe für die ernstliche Warnung der Weisheit. Die den Pfad der Torheit gewählt haben, befinden sich auf einem Weg der Zerstörung. In den Versen 17-19 drängte der Vater seinen Sohn, sich den schlechten Menschen nicht anzuschließen, weil sie ihn auf den Weg zur Selbstzerstörung bringen werden. In Vers 24-32 warnt die Weisheit Männer, die schon einen zerstörerischen Kurs eingeschlagen haben. Es gibt drei vorherrschende Themen in diesen Versen.

Schlechtigkeit wählt man

Das erste Thema ist, dass Menschen auf einem schlechten Weg sind, weil sie es so gewählt haben:

“Weil ich gerufen habe und ihr euch weigertet; Weil ich meine Hand ausgestreckt habe, aber keiner da war, der darauf Acht gab, Und ihr all meinen Rat unbeachtet ließet Und meine Zurechtweisung nicht wolltet” (Vers 24-25).

“Weil sie die Erkenntnis hassten Und die Furcht des Herrn nicht erwählten. Sie wollten meinen Rat nicht annehmen, Sie verschmähten all meine Zurechtweisung” (Vers 29-30).

Aus Vers 7 haben wir gelernt, dass der Anfang der Weisheit in der moralischen Entscheidung zur Gottesfurcht und zur Abkehr vom Bösen liegt (vgl. 3:7). Diejenigen, die hier von der Weisheit verwarnt werden, sind die, die sich bewusst entschieden haben, nicht auf ihren Ruf zu hören und dem Weg des Bösen zu folgen.

Die Menschen lehnen die Weisheit nicht aus Dummheit ab, sondern als Dummheit. Nur Wenige verfolgen den Weg des Bösen, weil sie nicht wissen, dass das Torheit ist. Sie tun es vielmehr, weil sie sich klüger vorkommen als alle Anderen:

Der Faule dünkt sich weiser als sieben Männer, die eine verständige Antwort geben können (26:16).

Während ich im Staatsgefängnis arbeitete, taten viele Gefangene offen die Meinung kund, dass ich in ihren Augen der Dumme war und nicht sie selber. Ich arbeitete freiwillig stundenlang, um etwas Geld zu verdienen, während sie in wenigen Minuten eine Bank ausrauben und dann Monate lang gut leben konnten. Die schlechten Menschen aus Spr 1:11-14 sind stolz auf ihre Lebensart. Sie werden schnell und mühelos reich, während die Ehrlichen (Vers 11) die Dummen sind, die sie rasch um ihr Geld erleichtern können.

Weisheit abzulehnen hat schmerzliche Konsequenzen

Das zweite Thema ist, dass es schmerzliche Konsequenzen nach sich zieht, wenn man dem Ruf der Wahrheit willentlich nicht folgt:

“Dann will ich auch lachen bei eurem Unglück; Ich werde spotten, wenn da kommt, was ihr fürchtet; Wenn über euch kommt wie ein Sturm, was ihr fürchtet, Und euer Unglück wie ein Wirbelwind daherkommt; Wenn Bedrängnis und Unheil über euch kommen” (1:26-27).

Die Tatsache erscheint zunächst beunruhigend, dass die Weisheit hier grausam auftritt. Aber die Weisheit warnt die Menschen, dass Bedrängnis und Unheil die Konsequenz aus ihrer Zurückweisung sind. Schlechte Menschen erleiden nur, was sie verdienen. Gottes Gerechtigkeit erfordert, dass die Menschen nicht nur das erhalten, was sie verdienen (z.B. Röm 6:23, “Der Sünde Lohn ist der Tod.”), sondern auch das, was sie sich wahrhaft wünschen.

“Darum sollen sie essen von den Früchten ihres Wandels Und sich an ihren eigenen Ratschlägen übersättigen. Denn die Eigenwilligkeit der Unverständigen wird sie töten, Und die Selbstzufriedenheit der Toren wird sie zerstören” (1:31-32).

Es gibt kein Zurück

Das letzte Thema ist, dass es einen Punkt gibt, von dem aus kein Zurück mehr möglich ist, von dem ab jede Reue zu spät kommt.

“Dann werden sie nach Mir rufen, aber Ich werde nicht antworten; Sie werden Mich unablässig suchen, aber sie werden Mich nicht finden, Weil sie die Erkenntnis hassten Und die Furcht des Herrn nicht erwählten” (1:28-29).

Wenn die Weisheit die Sünder in den Versen 20-33 anruft, handelt es sich nicht um ein Angebot, das man bis zu einem bequemeren Zeitpunkt zurückstellen könnte. Der Weg des Bösen führt am Ende zur Zerstörung, und Menschen können nicht selbstzufrieden den Weg des Bösen fortsetzen und erst dann bereuen, wenn die Konsequenzen daraus offen zutage treten. Dann wird es zu spät sein, und die Hölle wird bevölkert sein von Menschen, die bedauern, aber nicht aufrichtig bereuen. Die Gerechtigkeit erfordert es, dass die Menschen mit den Konsequenzen aus ihrem erwählten Lebensweg konfrontiert werden. Die Zeit zur Reue ist jetzt, nicht später (vgl. 2.Kor 6:2).

Im letzten Vers wird das Schicksal der Gerechten dem derjenigen gegenüber gestellt, die den Weg des Bösen gewählt haben:

“Wer aber auf mich hört, wird in Sicherheit wohnen Und kein Unglück fürchten” (1:33).

Die auf dem Pfad der Weisheit wandeln, werden ihren Lohn in der Vergebung der Sünden ernten, und sie werden sich nicht vor der Bestrafung ihrer Sünden fürchten müssen. Die ständige Furcht vor dem drohenden Übel gehört nur denen, die Übles tun, aber die Weisheit befreit Menschen von der Zerstörung, die aus der Sünde resultiert.

Schlussfolgerung

Das erste Kapitel der Sprüche ist wie eine Straßenkarte: es skizziert das Leben in Form von nur zwei Wegen – dem Weg der Weisheit und dem Weg der Torheit. Weisheit führt zu Frieden und Sicherheit, der Weg der Torheit endet dagegen mit Tod und Zerstörung. Jeder von uns befindet sich auf einem dieser beiden Wege. Der Weg der Torheit ist der der schlechten Menschen, die materiellen Gewinn durch Gewalt erreichen wollen. Der Weg der Weisheit wird betreten durch Gottesfurcht und die Absage an das Böse.

Weil wir durch unsere sündige Natur zum Pfad der Torheit neigen, müssen wir eine bewusste Entscheidung für den Pfad der Weisheit treffen. Für den Weg der Torheit muss man nur demjenigen folgen, der empfiehlt das zu tun, was man natürlicherweise tun würde, und dabei den Ruf der Weisheit zu überhören. Um den Weg der Weisheit zu betreten, muss man seine eigene Neigung zur Sünde erkennen, der Torheit absagen und sich entscheiden, der Weisheit in der Furcht des Herrn zu folgen.17 Jeder Mensch wird gezwungen, eine Entscheidung bezüglich der Furcht des Herrn zu treffen, Gott entweder zu fürchten (1:7) oder sich Ihm zu widersetzen (1:29).

Eine tiefer gehende Beschäftigung mit der “Furcht des Herrn” ist lohnenswert, doch lassen wir es für jetzt genug sein mit dem ausdrücklichen Hinweis darauf, dass die Weisheit im Buch der Sprüche personifiziert wird. Ich glaube, dass dies nicht nur ein literarisches Mittel ist, sondern dass diese Personifizierung der Weisheit uns auch vorbereitet auf die Inkarnation der Weisheit in der Person unseres Herrn Jesus Christus. Beachten Sie die verblüffende Ähnlichkeit zwischen der Weisheit im Buch der Sprüche und Jesus im Johannes-Evangelium:

“Der Herr hat mich schon besessen am Beginn Seiner Wege, Vor seinen Werken von alters. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, Vom Anfang, von den Vorzeiten der Erde. Als noch keine Wassertiefe war, wurde ich hervorgebracht, Als noch keine Quellen waren, die von Wasser fließen. Bevor die Berge eingesenkt wurden, Vor den Hügeln wurde ich hervorgebracht; Als Er die Erde noch nicht gemacht hatte und nicht die Äcker, Auch nicht den ersten Staub der Welt. Als Er die Himmel bereitete, war ich da, Als Er einen Kreis festsetzte über der Wassertiefe” (Spr 8:22-27).

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieser war im Anfang bei Gott. Alle Dinge kamen durch Ihn ins Dasein, und ohne Ihn kam auch nicht ein Ding ins Dasein (Joh 1:1-3).

Für die Menschen gibt es heute nur zwei Wege, den Weg von Sünde und Tod und den Weg der Erlösung. Der entscheidende Faktor ist unsere Antwort auf die Person und das Werk des Herrn Jesus Christus. Er selbst hat in Anspruch genommen, der einzige Weg in Gottes Himmel zu sein, als Er sagte:

“Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch Mich” (Joh 14:6).

Der Apostel Johannes schrieb im fünften Kapitel seines ersten Briefes:

Und das Zeugnis ist dies, dass Gott uns das ewige Leben gegeben hat, und solches Leben ist in Seinem Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. (1.Joh 5:11-12).

Es gibt keine wichtigere Entscheidung, mein Freund, als die, die dein ewiges Schicksal bestimmt. Deine Zukunft in Ewigkeit hängt ab von deiner Antwort auf die Person Jesu Christi. Wie die Weisheit im ersten Kapitel der Sprüche sagt unser Herr, dass du ein Sünder und zur ewigen Zerstörung bestimmt bist. Er kam zur Erde, führte ein schuldloses Leben und starb für deine Sünden am Kreuz von Golgatha, um dir vor Gott ein gerechtes Ansehen zu geben. Wirst du Sein Angebot zur Rettung weise annehmen oder töricht zurückweisen? Die Entscheidung liegt bei dir.

Es gibt nur zwei Arten von Weisheit in dieser Welt, die Weisheit Gottes und die sündhafter Menschen. Von seiner Natur her erscheint dem Menschen Gottes Weisheit töricht, denn in Seiner Weisheit hat Gott die Rettung für den Menschen durch den Tod Seines Sohnes gebracht.

Wo ist der Weise? Wo ist der Schriftgelehrte? Wo ist der Debattierer über dieses Zeitalter? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht? Denn da in Gottes Weisheit die Welt Gott durch ihre Weisheit nicht erkannt hat, hat es Gott gefallen, durch törichte Predigt die zu retten, die glauben. Denn die Juden bitten um Zeichen und die Griechen suchen nach Weisheit, aber wir predigen den gekreuzigten Christus, für die Juden ein Stolperstein und für die Nicht-Juden eine Torheit, aber für die Berufenen, Juden wie auch Griechen, Christus, die Kraft Gottes und die Weisheit Gottes. Denn die Torheit Gottes ist weiser als die Menschen und die Schwäche Gottes ist stärker als die Menschen” (1.Kor 1:20-25).

Weisheit ist nicht eine Art, sondern die Art zu leben. Man kann auf keinem anderen Weg in den Himmel gelangen als auf dem Weg der Weisheit, dem Weg unseres Herrn Jesus Christus. Ich bitte Sie dringend, Ihm zu vertrauen für Ihre ewige Erlösung.

Nachdem ich all das gesagt habe, erscheint es mir noch wichtig zu betonen, dass für einen wahren Christen Weisheit ein Lebensweg ist und nicht nur eine einmalige Entscheidung über Jesus Christus. Wir müssen unseren Glauben in Christus setzen, aber wir müssen Ihm auch folgen. Jesus rief Männer zu Sich mit dem Ruf “Folge Mir nach” (vgl. Mat 4:19; 10:38). Die Entscheidung, Christus zu vertrauen, bedeutet auch eine Verpflichtung dazu, dass wir uns von unserem Weg des Bösen abkehren und ein vollkommen neues Leben in Seiner Nachfolge beginnen.

In dem Wunsch, Männer und Frauen zum Glauben an Christus zu bekehren, könnten wir versucht sein, Christi Anspruch zu verwässern. Aber diejenigen, die zu Christus kommen, müssen ebenso vor den Belastungen durch ihre Jüngerschaft gewarnt werden, wie unser Herr die Menschen dazu gedrängt hat, die Kosten für Seine Nachfolge zu berechnen (Luk 9:57-62). Wenn Menschen zu Christus kommen, lassen sie ihr altes Leben vollkommen hinter sich und betreten einen ganz neuen Weg – den Weg der Weisheit.

Manche Christen denken offenbar, das ideale Leben bestehe darin, sich an Christus als den Erlöser zu wenden, dabei wie immer weiterzuleben und mit dem Besten aus beiden Welten schließlich in den Himmel zu kommen. Ich erinnere Sie daran, dass der Weg der Torheit der Weg zu Tod und Zerstörung ist. Auch ein Christ, der grundsätzlich zur Erlösung gekommen ist, kann vom Weg der Weisheit abweichen und auf den Wegen schlechter Menschen gehen. David, beispielsweise, beging Ehebruch und Mord, als er Bathseba nahm und Uriah töten ließ (2.Sam.11). David büßte nicht seine Erlösung ein, aber er musste lernen, dass jeder, der auf dem Weg des Bösen ist, die Folgen der Sünde erleidet. Und die Heiligen in Korinth lernten, dass willentliche Sünde zu Krankheit und Tod führen kann (1.Kor 5:1ff.; 11:27ff.). Wir werden niemals unsere Erlösung verlieren, wenn wir als Christen sündigen, aber wir werden feststellen, dass alle diejenigen, die den Weg der Torheit wählen, auch die Konsequenzen dieser Torheit tragen müssen. Der Weg der Weisheit ist der einzige Weg zum Leben und zum Frieden. Lassen Sie uns darauf gehen.


12 Marilyn Schwartz, “Was unterscheidet die Männer der Familie Nelson von den Jungen.” The Dallas Morning News, 3. Mai 1982, S. 6C.

13 Associated Press, “Groups: Die Gewalt im Fernsehen nimmt zu.” The Dallas Morning News, 11. Mai 1982, S. 11C.

14 “Geh nicht mit ihnen, denn ihre Absicht ist schlecht; geh nicht mit ihnen, denn wenn auch der Vogel flieht vor dem Netz, das vor ihm ausgespannt wird, so wirst Du doch sicher so blind sein und Dir Leid zufügen durch die Schlinge ihrer plumpen Verlockungen.” Franz Delitzsch, Biblischer Kommentar zu den Sprüchen Salomos (Grand Rapids: Wm. B. Eerdmans Publishing Company [Photolithodruck], 1968), It S. 66.

15 “. . . der Vergleich bezieht sich nicht auf die Vergeblichkeit, eine Schlinge vor den Augen eines Vogels auszulegen (der so die Falle sieht und sie meidet), sondern auf Vögel, die, obwohl die Schlinge vor ihrem Blick ausgelegt wird, . . . ” (A Critical and Exegetical Commentary, C. H. Toy, & T. Clark, 1959), S. 17.

16 Die Übersetzung der New International Version weicht hier deutlich ab, meiner Meinung nach ohne guten Grund. Sie übersetzt Vers 23 Wenn ihr auf meine Zurechtweisung gehört hättet, hätte ich mein Herz über euch ausgeschüttet und euch meine Gedanken bekannt gemacht und überträgt so das hebräische Wort für Geist als Herz. Das ist schon schlimm genug, aber sie gibt Vers 23 außerdem so wieder, als sei die Weisheit hier schon abgelehnt worden, was im hebräischen Text erst für den folgenden Vers zutrifft. Alles in Allem sollte man an dieser Stelle von der Übertragung der NIV wohl am besten abgehen.

17 Hier [in den Sprüchen] umfasst die Furcht des Herrn das, was wir heutzutage unter Religion verstehen. Mit der Furcht des Herrn forderten diese Weisen eine religiöse Hingabe im tiefsten Sinne des Wortes. Sie bedeutete schlicht und einfach das, was jedes menschliche Wesen seinem Schöpfer schuldet. Deshalb konnte der Bearbeiter, der das Motto über die erste Sammlung der Sprüche schrieb, mit diesem bestätigen, dass religiöse Hingabe Anfang und Grundprinzip aller Erkenntnis ist. Ohne eine lebendige Beziehung zu Gott war es niemandem möglich, so viel Wissen zu erwerben, dass er die Bezeichnung 'weise' verdient hätte. James L. Crenshaw, Old Testament Wisdom (Atlanta: John Knox Press, 1981), S. 95.

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