Weisheit und Kindererziehung (Teil III)

Warum die Rute gerecht ist

Einleitung

Aus meinem eigenen, umfangreichen Erfahrungsschatz heraus könnte ich mit Leichtigkeit ein Buch über das Thema ‚körperliche Züchtigung’ schreiben. Es würde den Titel tragen: „Prügel, die in Erinnerung bleiben“. Aus meiner Jugendzeit gibt es ein Ereignis, das mir noch immer so vor Augen steht, als wäre es erst gestern gewesen. Mein Vater bat mich, die Zufahrtsstraße hinunter zu laufen und die Post zu holen. Ich antwortete ihm, dass ich mit Vergnügen diese 200 Meter oder so fahren würde. Schließlich, so erinnerte ich ihn, würde ich meinen eigenen alten 1936er Ford Pickup fahren. Stimmt schon, erwiderte mein Vater, aber ich würde ja sein Benzin verbrauchen. Kaum dass ich aber zur Hintertür hinaus war, sah ich prompt diesen Truck da stehen, unbenutzt – eine Schande. Überzeugt dass mein Dad einfach dumm war, stieg ich ein und startete den Anlasser, in der Hoffnung, dass der Motor anspringen würde, bevor es mein Vater aus dem Haus schaffen konnte. Der Motor sprang ungefähr genauso schnell an wie mein Vater. Gut, jetzt war es ohnehin zu spät, dachte ich mir – was geschehen war, war geschehen. Also konnte ich genauso gut durchstarten und hoffen, dass der Pickup schneller war als mein Vater – eine vergebliche Hoffnung!

Zu meines Vaters und meinem eigenen Pech überfuhr ich seinen Fuß mit dem ziemlich platten Vorderrad. Das verstärkte seinen Eifer natürlich nur noch. Mit erstaunlicher Wendigkeit griff mein Dad nach dem Truck und hielt sich an ihm fest, und da der Pickup auf der Fahrerseite keine Tür hatte, fanden wir uns Auge in Auge gegenüber: ich auf dem Fahrersitz und er auf dem Trittbrett. Nun weiß ich ja, dass manche Bibellehrer viel von der Rute reden als dem Instrument zur Disziplinierung, und genauso ausführlich und genau bezeichnen sie den Ort, auf dem sie zum Einsatz kommen soll. In diesem Fall aber war es ein Stock, der auf der Straße lag und den es meinem Vater gelang zu ergreifen – und ich saß noch auf dem Körperteil, auf dem er ihn am besten zum Einsatz gebracht hätte. Das Ende vom Lied war, dass ein kräftiger Hieb mich zur Vernunft und den alten Truck zum Stehen brachte. Sie können sich vielleicht vorstellen, dass ich anschließend die Post zu Fuß hereinbrachte.

Um noch etwas zu meinem Vater und seinem Gebrauch des Schlagstocks zu sagen: Es gibt kein einziges Mal, an das ich mich erinnere, über das ich heute nicht schmunzeln kann. Das einzige Familienmitglied, das darüber anhaltend uneinig mit meinem Vater war, war Prinz, unser Collie. Ich glaube, der Hund litt genauso viel wie wir selber, wenn die Rute bei uns zum Einsatz kam.

Kein Buch der Bibel hat so viel über‚ die Rute’ zu sagen wie das Buch der Sprüche. Aber nur wenige Bücher aus der Zeit der letzten Jahre würden dem zustimmen, was die Sprüche lehren. Ein Artikel, der vor einigen Jahren im Journal of Psychology and Theology [Zeitschrift für Psychologie und Theologie] erschien, drückt aus, was vermutlich die meisten Amerikaner empfinden. Leichteres Schlagen, so stellte der Verfasser fest, bringe – wenn überhaupt – nur ganz geringen Nutzen, und häufigeres und festeres Schlagen sei definitiv als schädlich für das Kind anzusehen. Es folgen einige der Gründe, die der Verfasser zur Untermauerung seines Standpunktes heranzieht:46

1. Der Po des Kindes liegt sehr nahe bei seinen Geschlechtsorganen. Eine Tracht Prügel könnte daher sexuell stimulierend wirken (Aus diesem Einwand leuchten überall die Spuren Sigmund Freuds hervor).

2. Das Kind könnte die Wiedergutmachung, die einer Tracht Prügel folgt, so genießen, dass es Schläge provoziert.

3. Wenn man davon ausgeht, dass Schläge eine Art elterlicher Rache sind, muss man befürchten, dass das Kind Frustrationen genauso zu bewältigen lernt, wie es seine Eltern tun – indem es Schläge austeilt. Mit den Worten des Artikels ausgedrückt: Wenn wir unsere Kinder schlagen, geben wir ihnen „eine Kostprobe aus dem Urwald“47

4. Eine Frau, die unter einer Analfistel litt, brachte diese mit Schlägen bei ihrer Sauberkeitserziehung in Zusammenhang. Deshalb sollte niemand seine Kinder schlagen, damit sie eine solche Erfahrung nicht machen müssen.

5. Wenn die Möglichkeit besteht, geschlagen zu werden, kann ein Kind keine entspannte Haltung zum Leben entwickeln. Es lebt in ständiger Angst vor der nächsten Tracht Prügel.

6. Es gibt Kinder, die geschlagen werden und sich trotzdem noch schlecht benehmen. Daher kann eine Tracht Prügel wohl nicht wirksam sein.

Es erstaunt mich nicht, solche Aussagen von Nichtchristen zu lesen, von Menschen, die die Bibel nicht als Autorität ansehen. Aber dieser Artikel wurde von einem Mann geschrieben, der von einer der namhaftesten Theologischen Hochschulen der Vereinigten Staaten den Doktortitel verliehen bekommen hat. Außerdem lehrt er an einer christlichen Hochschule der Liberalen Wissenschaften.48 Bei dem Bemühen, Psychologie und Theologie unter einen Hut zu bringen, hat die Erstere sich wohl eindeutig durchgesetzt, wie wir an der folgenden Feststellung von Dr. Ruble sehen können:

Sollten Kinder geschlagen werden? Vom biblischen Standpunkt aus gibt es keine eindeutige Aufforderung, dass sie geschlagen werden sollten. Umgekehrt wird die Prügelstrafe auch nicht ausdrücklich verboten. Aus der Perspektive des Psychologen gibt es unterschiedliche Meinungen; die negativen Aspekte, die mit dem Schlagen verbunden sind, legen aber nahe, dass Kinder, wenn überhaupt, nicht schwer oder häufig geschlagen werden sollten.

Jeder Psychologe wird wohl die positiven und nicht die negativen Möglichkeiten zur Beeinflussung des kindlichen Verhaltens betonen. Schläge stellen einen aversiven Reiz dar und sind daher nicht so günstig wie eine verstärkende Belohnung zur Steuerung des Verhaltens. Wenn aversive Maßnahmen angewendet werden müssen, sollte man die gewaltlosen vorziehen.49

In einem weiteren Artikel schreibt Dr. Ruble später als Antwort auf die Kritik eines anderen christlichen Psychologen50:

Die Bibel lehrt nirgendwo, dass alle Kinder geschlagen werden sollten, um sich gut zu entwickeln. Vielmehr brauchen Kinder eine feste und geduldige Anleitung. Sie brauchen fröhliche, gut eingestellte und gut integrierte christliche Eltern, die dem Impuls um sich zu schlagen widerstehen, wenn sie vom Verhalten ihres Kindes enttäuscht sind. Sie brauchen erfinderische Eltern mit einem großen Repertoire kreativer Reaktionsmöglichkeiten auf das Kind. Und vor Allem brauchen sie ein Vorbild mit kraftvoller Ausstrahlung zur Nachahmung.51

Das zeigt mir, dass selbst evangelikale, bibelgläubige Christen an dem Thema ‚Schläge für Kinder’ zu beißen haben. Nicht nur wird deren Nutzen heute von manchen Christen infrage gestellt, sondern auch die Regierungsbehörden gehen offensichtlich immer mehr dahin, ihren Einsatz in den öffentlichen Schulen, aber auch zuhause zu ächten. Anfangs war ich einfach davon ausgegangen, dass Christen darüber einig seien, dass man Kinder auch schlagen muss, und ich wollte deshalb nur das Wie und Wann diskutieren. Inzwischen aber ist mir klar geworden, dass ich wohl diese ganze Lektion nutzen und die biblischen Argumente dafür darstellen sollte, dass christliche Eltern ihre Kinder schlagen müssen.

Die Leitgedanken für die Disziplinierung unserer Kinder müssen wir aus den Schriften ableiten, und anhand der Schriften müssen wir den Beitrag aller anderen Fächer dazu beurteilen. Die Bibel stellt den klaren Anspruch, eine angemessene und autoritative Anleitung für alle geistlichen Dinge zu sein, und dies insbesondere auch auf dem Gebiet der Zurechtweisung und Züchtigung.

Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen, zur Erziehung in der Gerechtigkeit; damit ein Mensch Gottes tauglich sei und ausgerüstet für jedes gute Werk (2.Tim 3:16-17).

Wenn es also die Schriften sind, die uns für jedes gute Werk und insbesondere für die Zurechtweisung angemessen ausrüsten, so wollen wir doch einmal in das Buch hineinsehen, das uns am meisten zum Thema ‚Schlagen’ zu sagen hat, in das Buch der Sprüche.

Was ist ‚die Rute’?

Bevor ich die biblischen Argumente für den Gebrauch der Rute aufzähle, muss ich doch noch in einem Punkt meine Übereinstimmung mit Dr. Ruble darlegen – wenn ich dabei auch nicht ganz so weit gehen möchte wie er.52 Ich stimme ihm zu, dass der Ausdruck ‚die Rute’ gelegentlich in einem weiteren Sinne benutzt wird als nur auf die körperliche Züchtigung bezogen. Der Ausdruck ‚Rute’ wird beispielsweise für die Züchtigung des Menschen durch Gott gebraucht (vgl. 2.Sa 7:14; Jes 10:5). In diesen Fällen geht man davon aus, dass der Ausdruck ‚Rute’ bildlich oder symbolisch für die göttliche Zucht steht. Das bedeutet aber nicht (wie Dr. Ruble zu folgern scheint), dass der Ausdruck ‚die Rute’ sich nirgendwo in den Sprüchen auf eine Tracht Prügel bezieht. Allerdings fürchte ich, dass manche Eltern andererseits vielleicht auch den Schluss ziehen, es gebe nur ein einziges Mittel zur Zurechtweisung – nämlich die Rute.

Ich glaube, wenn man Züchtigung nur unter dem Aspekt der ‚Rute’ betrachtet, liegt man damit aus verschiedenen Gründen falsch. Erstens lassen sich manche Kinder weniger durch die Rute beeindrucken als andere. Manche Kinder scheinen geradezu ein Hinterteil aus Gusseisen und eine sehr hohe Schmerzschwelle zu haben. Zu diesen spricht also die Rute nicht so laut wie zu den meisten Anderen. Zweitens werden andere Formen der Züchtigung vielleicht viel ernster genommen. Ein 16-jähriger Sohn, beispielsweise, würde wahrscheinlich eine Tracht Prügel viel lieber in Kauf nehmen als dass ihm die Autoschlüssel eine Woche lang weggenommen werden. Da eine Strafe darauf abzielt, die Aufmerksamkeit des Kindes zu wecken, sind andere Maßnahmen unter Umständen wirkungsvoller als Schläge. Zudem sind bestimmte Formen der Züchtigung vielleicht auch angemessener und leichter einzusehen als andere. Um noch einmal auf den 16-jährigen Sohn zurückzukommen: Wenn er bei einer rücksichtslosen Fahrweise ertappt würde, wäre der Entzug der Autoschlüssel eine nahe liegende und bedeutungsvolle Lektion für ihn. Wenn man ein Auto nicht richtig benutzt, verliert man das Vorrecht, fahren zu dürfen. Wir sollten uns nicht auf nur eine Form der Zurechtweisung beschränken lassen.

Einer meiner Freunde benutzt den Schlagstock als Antwort auf die verschiedensten Arten von Fehlverhalten, aber er hat einen interessantes Weg gefunden, um dabei zwischen unterschiedlich schweren Vergehen zu differenzieren. Er hat einen ziemlich langen Schlagstock, auf dessen Griff auf ganzer Länge Markierungen aufgetragen sind. Für schwerwiegenden Ungehorsam greift er diesen Stock ganz am Ende, um durch den Schwung einen langen und schmerzhaften Schlag auszuführen. Bei kleineren Vergehen fasst er ihn weiter oben wie ein Baseballspieler, der zu einem kurzen Schlag ansetzt.

Das ist eine Möglichkeit; aber ich denke, wir dürfen nicht für jedes Vergehen unserer Kinder den Schlagstock benutzen. Wenn die Sprüche uns Eltern dazu anhalten, die Rute nicht zu schonen, so steht das allgemein für die Notwendigkeit, unsere Kinder immer wieder zu verbessern, zurechtzuweisen und zu disziplinieren. Und eine der Möglichkeiten, die die Sprüche zur Zurechtweisung von Kindern empfehlen, ist die Rute. Zurechtweisung – ja. Der Schlagstock – vielleicht. Züchtigung – immer. Die Rute – manchmal.

Warum braucht man die Rute?

Die meisten Psychologen unserer Tage scheinen die Rute als ein Relikt aus vergangenen Zeiten zu betrachten: als ein abschreckendes, ein primitives Mittel zur Steuerung des kindlichen Verhaltens, das dank des heute umfangreicheren Wissens über das menschliche Verhalten längst veraltet ist. Einfach ausgedrückt, sind wir über ein solch primitives Mittel zur Beeinflussung unserer Kinder inzwischen doch hinausgewachsen. Für den modernen Geist ist die Rute wirklich ‚eine Kostprobe aus dem Urwald’. Wie kommt es dann, dass das Buch der Sprüche so viel von der Rute spricht und Eltern anweist, bei der Kindererziehung von ihr Gebrauch zu machen? Dafür kann man eine Reihe von Gründen in den Sprüchen selbst und an anderen Stellen der Bibel finden.

1. DIE BIBEL FORDERT DEN GEBRAUCH DER RUTE, WEIL WIR VON SELBST NICHT VON IHR GEBRAUCH MACHEN WÜRDEN. Die Sprüche gehen gleichermaßen von der Sündigkeit der Eltern wie von der der Kinder aus. Daher werden Eltern in den Sprüchen aufgefordert, die Rute zur Zurechtweisung eizusetzen – einfach deshalb, weil wir sonst nicht dazu geneigt wären, das zu tun. Das ist aus einer ganzen Reihe von Gründen so:

Manche Eltern versäumen es aufgrund ihrer eigenen Erziehung, die Rute zu gebrauchen. Einige von diesen mögen in einem Elternhaus aufgewachsen sein, in dem sie selbst nicht geschlagen wurden. Und meistens neigen wir dazu, unsere Kinder so aufzuziehen, wie wir selbst aufgewachsen sind (vgl. Spr 4:3-4). Unsere früheren Erfahrungen müssen wir aber immer im Lichte der Schriften beurteilen. Natürlich sollten wir das bewahren, was gut und gottgemäß ist, aber wir sollten auch erkennen, welche Bestandteile unserer Erziehung falsch waren.

Schlimmer noch ist es, wenn Eltern in einer Familie aufgewachsen sind, in der die ‚Rute’ ein Werkzeug in der Hand eines wütenden Vaters war, der nicht zwischen Züchtigung und Kindesmisshandlung unterscheiden konnte oder wollte. Leider gibt es Menschen, die die Bibel dazu benutzen, um ihre Grausamkeit Kindern gegenüber zu rechtfertigen. Kindesmisshandlung aber wird nirgendwo in den Sprüchen sanktioniert.

Im Unterschied zu Psychologen wie Dr. Ruble gehen die Sprüche davon aus, dass die meisten Eltern von sich aus gar nicht züchtigen würden. In diesem Fall müssen Eltern dazu angehalten werden, Gebrauch von der Rute zu machen. Manche Psychologen gehen andererseits davon aus, dass der, der von der ‚Rute’ Gebrauch macht, ‚Schläge unter seinen Kindern austeilt’. Schlagen wird als eine Form der elterlichen Aggression angesehen, als ein Rückzug auf primitive Neigungen. Die Psychologie tendiert daher dazu, das Schlagen zu verbieten; denn sie geht davon aus, dass Jeder, der die Rute gebraucht, das auf die falsche Art und aus den falschen Gründen tut. Das ist aber eine unzulässige Verallgemeinerung. Wenn einige Eltern die Rute zur Misshandlung ihrer Kinder missbrauchen, so bedeutet das noch nicht, dass die Rute generell schlecht wäre. Sündigkeit kann sich in einigen Fällen so äußern, dass Eltern ihre Kinder misshandeln – aber viel öfter noch tritt Sündigkeit nach den Sprüchen in der Form auf, dass Eltern es ganz vermeiden, ihre Kinder zurechtzuweisen oder zu züchtigen.

Etliche Gründe für eine Zurückhaltung der Rute haben andererseits nichts mit unserem Elternhaus zu tun. Einer der Hauptgründe, warum wir es versäumen unsere Kinder zu züchtigen, liegt meiner Meinung nach in unserer Trägheit. Wir können es nicht leugnen: Unsere Kinder zeigen sich nie dann ungehorsam, wenn man sie leicht züchtigen könnte. Eher schon passiert das mitten in einem Football-Spiel der Dallas Cowboys. Und wer will schon aufstehen und einem Kind eine Tracht Prügel verabreichen, wenn beim dritten Down nur noch ein Yard bis zur gegnerischen Zwei-Yard-Linie fehlt? Oder wer ist schon begierig darauf, sein Kind im Gang eines Supermarktes zu schlagen, wo er Aller Augen auf sich gerichtet fühlt? Wenn ich ganz ehrlich sein soll, ist meine Trägheit schon ein Hauptgrund dafür, dass ich meine Kinder nicht so oft schlage, wie ich es eigentlich tun müsste – ich bringe einfach die Energie nicht auf für etwas, das ich eigentlich nicht gerne tue.

Ein weiterer Grund dafür, dass Eltern ihre Kinder nicht schlagen, ist falsch verstandenes Mitleid. Nichts ist herzzerreißender als das Schreien eines Kindes unter den Schlägen. In der Tat beginnt das Schreien meist schon, bevor auch nur ein Schlag gefallen ist. Das Kind versucht verzweifelt, mit dramatischen Seufzern und Tränen die Tracht Prügel abzumildern oder zu verkürzen. Um den Eltern für diese Fälle das Rückgrat zu stärken und zu konsequentem Verhalten zu verhelfen, sagen uns die Sprüche:

Enthalte dem Kind die Zucht nicht vor; Wenn du es schlägst, wird es nicht sterben (23:13).

Im üblichen Sinne verstanden, versichert dieser Spruch Eltern mit einem schwachen Herzen, dass ihr Kind noch nicht wirklich reif für die Intensivstation im Krankenhaus ist – auch wenn es sich so anhört. Bleib dran, so wird uns geraten, trotz dieser Vorstellung.

Und noch ein weiterer Grund dafür, dass Eltern den Gebrauch der Rute vermeiden, sind falsche Vorstellungen von Liebe, Vergebung und Nachsicht. In unserer Kultur wird es als unvorstellbar erachtet, dass Liebe sich durch die Rute ausdrücken kann. Liebe, so meint man, bedeutet nie zu züchtigen, nie Schmerzen zu verursachen und mit dem Kind nur immer positiv umzugehen. Die Sprüche sehen die Liebe dagegen ganz anders:

Wer die Rute zurückhält, hasst seinen Sohn; Aber wer ihn liebt, sucht ihn heim mit Züchtigung (13:24).

Lieben wir unsere Kinder? Dann sollen wir sie, wenn nötig, gewissenhaft züchtigen. Hassen wir unsere Kinder? Dann werden wir es vermeiden, die Rute einzusetzen. Die Liebe sucht im besten Interesse des Kindes zu handeln, und das wird gelegentlich durch Zufügen von Schmerzen mithilfe der Rute erfüllt.

Wir können vielleicht versucht sein, eine nachgiebige Erziehung zu rechtfertigen anhand von Schriftstellen wie:

Eines Menschen Einsicht macht ihn langsam zum Zorn, Und es ist ruhmvoll für ihn, eine Übertretung zu übergehen (19:11).

Diese und andere Textstellen, wie auch die Ermahnung unseres Herrn, ‚die andere Wange hinzuhalten’ (Mat 5:39) lehren uns, dass wir keine Vergeltung üben sollen, wenn uns Jemand angreift. Das ist natürlich richtig: wir sollen nicht nach Rache streben.

Sage nicht: „Ich will Böses heimzahlen.” Harre auf den Herrn und Er wird dich erretten (20:22).

Wenn wir auch nicht nach Rache streben sollen, dürfen wir andererseits aber auch nicht die Sünden im Leben unserer Kinder oder im Leben anderer Gläubiger übergehen (vgl. Mat 18:15-20; 1.Kor 5:1-8; Gal 6:1).

Schließlich und endlich halten sich manche Eltern meiner Meinung nach mit dem Einsatz der Rute auch deswegen zurück, weil man ihnen beigebracht hat, dass sie niemals im Zorn züchtigen dürfen. Wir können Zorn aber durchaus als Mittel nutzen, um uns zu einer Züchtigung zu motivieren – wenn wir ihn auch niemals die Bestrafung selbst steuern lassen dürfen. Meine persönliche Überzeugung ist es, dass Ärger uns als Eltern nicht davon abhalten sollte, unserer Pflicht im Hinblick auf die Rute nachzukommen. Das ist ein sehr wichtiger Punkt ist, und ich werde mich deshalb in der nächsten Lektion ausführlicher damit beschäftigen. Im Moment will ich mich darauf beschränken zu sagen, dass Zorn uns nicht davon abhalten sollte, unsere Kinder zu züchtigen.

2. DIE RUTE IST ERFORDERLICH, UM DIE SÜNDE DER KINDER IN GRENZEN ZU HALTEN. Das Buch der Sprüche geht meiner Meinung nach von diesem Grundsatz aus; ich bin mir aber – so muss ich gleich zu Anfang zugeben – nicht sicher, ob ihn die Sprüche auch ausdrücklich lehren. Regierungsgewalt und Todesstrafe werden in Genesis 9 von Gott eingesetzt, und zwar, um dadurch die Menschen von der Sünde abzuhalten. Das Schwert, das die Regierung trägt (Rö 13:4), ist die Todesstrafe. Diese Autorität wurde ihr verliehen, so wird uns gesagt, um das Böse im Zaum zu halten und die Gerechtigkeit zu belohnen (Rö 13:1-7; 1.Pe 2:14). Ich glaube, genau die gleiche Verpflichtung haben auch wir als Eltern im Hinblick auf unsere Kinder. Ihr Herz können wir vielleicht nicht ändern, aber wir können bis zu einem gewissen Grad ihr Verhalten beeinflussen; und das ist es auch, wofür wir verantwortlich gemacht werden (vgl. 1.Sa 3:13; 1.Tim 3:4). So wie die Regierung das Schwert trägt, so halten Eltern die Rute.

3. DIE RUTE IST ERFORDERLICH, WEIL SIE DEN CHARAKTER EINES KINDES OFFENLEGT. Einem meiner Freunde verdanke ich die Erkenntnis, dass der Charakter eines Menschen sich oft anhand von dessen Reaktion auf Kritik zeigt. Auch die Sprüche lehren diese Tatsache, die natürlich ebenso auf die Reaktion eines Kindes auf die Rute übertragen werden kann.

Wer Zucht liebt, der liebt Erkenntnis, Aber wer Zurechtweisung hasst, ist dumm (12:1).

Ein weiser Sohn nimmt die Zucht seines Vaters an, Aber ein Spötter hört nicht auf Zurechtweisung (13:1).

Ein Tor missachtet die Zucht seines Vaters; Wer aber die Zurechtweisung beachtet, ist klug (15:5).

Ein Kind, das eine Züchtigung akzeptiert und daraufhin Reue und Besserung zeigt, befindet sich auf dem Weg der Weisen. Ein Kind, das auf Zurechtweisung verbittert reagiert (auch wenn sie zurecht durch die Eltern geschah), hat sich vom Weg der Weisheit abgewandt.

Im Hinblick darauf, dass die Rute eine Charakterprüfung für das Kind darstellt, müssen wir uns andererseits vorsehen, wenn wir bestimmte ‚positive’ Mittel bei der Erziehung einsetzen. Die weltliche Psychologie neigt dazu, nahezu jede negative Form der Zurechtweisung zugunsten der als positiver angesehenen Formen zu vermeiden. Positive Verstärkung ist gut und richtig, aber nicht, wenn sie notwendige negative Korrekturmaßnahmen verhindert. Wenn ich meinem Kind im Laden sage, dass es die Cornflakes-Packung zurückstellen soll, und es darauf mit „Nein!“ antwortet, habe ich mehrere Möglichkeiten zu reagieren. Aber wenn ich dann zu meinem Kind sage „Wenn du die Packung zurückstellst, kaufe ich dir Schokolade“, so ist das Bestechung und nicht Erziehung. Der Gehorsam unserer Kinder lässt sich am ehesten prüfen, wenn wir etwas Lästiges oder Unangenehmes von ihnen fordern, zum Beispiel, beim Arzt für eine Spritze still zu halten. Dem Kind einen Dollar zu geben und es aufzufordern, damit Süßigkeiten zu kaufen, ist keine Gehorsamsprüfung. Hüten wir uns vor ‚positiver’ Erziehung, wo sie nur Bestechung unter einem anderen Namen darstellt. Wir wollen sie nur dort einsetzen, wo es gottgemäß und richtig ist.

4. DIE RUTE IST ERFORDERLICH, UM DAS KIND ETWAS ZU LEHREN. Eine Tracht Prügel ist eine Charakterprüfung für ein Kind, aber sie dient auch dazu, das Kind etwas zu lehren.

„Ihr sollt aber darauf achten, jedes Gebot, das ich euch heute gebiete, sorgfältig einzuhalten, auf dass ihr leben und euch mehren möget, und einziehen und das Land in Besitz nehmen, das der Herr euren Vorvätern zugeschworen hat. Und ihr sollt des ganzen Weges gedenken, auf dem der Herr, euer Gott, euch diese vierzig Jahre lang in der Wüste geleitet hat, damit Er euch demütige, euch auf die Probe stelle, um zu wissen, was in euren Herzen sei, ob ihr Seine Gebote halten würdet oder nicht. Und Er demütigte euch und ließ euch hungern und speiste euch mit Manna, das ihr nicht kanntet, noch kannten es eure Väter, damit Er euch erkennen lasse, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von Allem, das aus dem Munde des Herrn hervorgeht“ (Deu 8:1-3).

Mit diesem Bibeltext lehrte Moses die Israeliten etwas sehr Wichtiges: Die Schwierigkeiten, die sie entlang des Weges erfahren hatten, stellten nicht nur eine Erziehungsmaßnahme (Vers 5) und eine Charakterprüfung (Vers 2) für das Volk Gottes dar. Anhand dieser Lektion sollte Gottes Volk vielmehr auch erkennen, dass das Leben des Menschen aus mehr besteht als Brot zu essen, und dass der Mensch lernen muss, vollständig in Abhängigkeit von und im Vertrauen auf Gottes Wort zu leben (Vers 3). Auch Hiobs Heimsuchungen waren ebenso sehr eine Charakterprüfung (Hi 1:8) wie auch eine Lektion in seinem Leben, aus der Hiob lernen sollte, vor allem in schweren Zeiten stärker auf Gott zu vertrauen (Hi 38). Genau die gleiche Lektion lehrte der Hebräerbrief die Christen im Neuen Testament (vgl. insbesondere Kapitel 12). Das Buch der Sprüche untermauert diese Lehren überein, denn es sagt uns, dass auch die elterliche Zucht von Gott eingesetzt wurde, um die charakterliche Entwicklung eines Kindes zu fördern.

Mein Sohn, verwirf nicht die Zucht des Herrn Und verabscheue nicht seine Zurechtweisung; Denn wen der Herr liebt, den weist Er zurecht, Gleich wie ein Vater seinen Sohn, an dem er Gefallen findet (3:11-12).

Denn das Gebot ist eine Leuchte und die Lehre ist ein Licht; Und die Zurechtweisungen der Zucht sind der Weg des Lebens (6:23).

Wessen Ohr auf die Leben spendende Zurechtweisung hört, der wird unter den Weisen wohnen. Wer die Zucht verwirft, macht sich selbst zunichte, Aber wer auf Zurechtweisung hört, wird Verständnis erwerben (15:31-32).

Die Rute der Zurechtweisung bringt Weisheit, Aber ein Kind, das sich selbst überlassen wird, bringt Schande über seine Mutter (29:15, NIV).

Es ist hierbei sehr wichtig, zwischen Bestrafung und Züchtigung zu unterscheiden. Bestrafung heißt, einem Übeltäter das zukommen zu lassen, was er verdient. Züchtigung zielt darauf ab, einen Menschen zu belehren, damit er reifer und gottgemäßer werde. Aus göttlicher Perspektive betrachtet gilt die Bestrafung den Ungläubigen, die Zucht aber Gottes Kindern. Die Erziehung unserer Kinder sollte gemäß der Zucht für Gottes Kinder gestaltet werden (vgl. 3:11-12). Die Züchtigung unserer Kinder mit der Rute sollte also lehrreich, nicht nur strafend sein (obwohl auch das richtig sein kann).

Soweit es um Anleitung geht, braucht man keine Rute, um weise Menschen zu belehren; denn sie werden auf Ratschläge hören und daraus lernen.

Weise einen Spötter nicht zurecht, damit er dich nicht hasst; Weise einen weisen Mann zurecht, und er wird dich lieben. Gib einem weisen Mann Anleitung, und er wird noch weiser werden; Lehre einen gerechten Menschen, und er wird an Gelehrsamkeit zunehmen (9:8-9).

Mancher allerdings lässt sich durch bloße Worte nicht belehren. Ein Kind, beispielsweise, kann noch nicht einsehen, wie gefährlich es ist, auf der Straße zu spielen. Die Rute unterstützt in diesem Fall das Wort „Nein“ und lehrt das kleine Kind, dass es schmerzhafte Folgen hat, wenn man auf der Straße spielt. In Anbetracht dessen erstaunt es mich, dass manche Psychologen über die Grausamkeit von Schlägen für Kinder sprechen. Ist es grausamer, ein kleines Kind zu schlagen, damit es auf diese Weise Gefahren zu meiden lernt, oder ist es grausamer, das Kind die naturgegebenen Folgen seiner Torheit erleiden und es unter Umständen sogar zu Tode kommen zu lassen? Mit einem Kind in diesem Alter kann man nicht argumentieren. Kinder können keine abstrakten Dinge (wie die Gefahr durch einen Lastwagen auf der Straße) erfassen; aber Schmerzen sind etwas, das sie verstehen können. Die Rute dient zur Anleitung derer, die Erklärungen noch nicht zugänglich sind.

Die Rute dient aber auch zur Anleitung derer, die zwar alt genug sind, aber dennoch nicht einsehen wollen. Für die, die es ablehnen, auf Argumente zu hören, stellt die Rute ein alternatives Lehrmittel dar. Für dickköpfigen Starrsinn ist die Rute ein Heilmittel, das Stolz und Arroganz in Demut und Ungehorsam in Gehorsam umwandeln kann.

Wenn Eltern die Rute einsetzen, wollen sie ihrem Kind zeigen, wo in seinem Leben die Sünde herrscht, und ihm deutlich machen, dass Sündigkeit einen hohen Preis hat. Dadurch soll das Kind angehalten werden, die Gefahren der Sünde zu erkennen und sich aus seiner Eigenwilligkeit dem Weg der Weisheit zuzuwenden, der mit der Furcht des Herrn beginnt.

Obwohl ich die folgende Textstelle noch nicht bis zum Ende durchdacht habe, scheint mir doch, dass auch das Buch Jesaja die Rolle der Rute hervorhebt, wenn es darum geht, einen starrköpfigen Sohn dazu zu bringen, dass er auf Argumente hört. Im ersten Kapitel lesen wir:

„So kommt und lasst uns miteinander rechten“, sagt der Herr. „Wenn eure Sünden auch scharlachrot sind, sollen sie doch weiß wie Schnee sein; wenn sie auch karmesinrot sind, sollen sie doch wie Wolle sein“ (Jes 1:18).

Dies ist ein Wort der Warnung und der Ermahnung. Israels Problem ist seine Eigenwilligkeit. Gott bietet Vergebung, wenn die Israeliten nur bereuen. Wenn sie auf Gottes Warnung hören, werden sie Vergebung und Segnung erfahren, aber wenn nicht, ...

„Wenn ihr willig seid und gehorcht, so werdet ihr die besten Dinge des Landes essen; weigert ihr euch aber und lehnt euch auf, so sollt ihr durch das Schwert gefressen werden.“ Wahrlich, der Mund des Herrn hat gesprochen (Jes 1:19-20).

Gott will sich mit den Menschen auseinander setzen und sie von der Sünde abbringen. Wenn sie auf ihn hören und bereuen, wird Er ihnen vergeben. Wenn nicht, wird Gott „die Rute“ einsetzen, um ihren Starrsinn zu brechen und sie zur Buße zu bewegen. Die Rute ist für diejenigen, die sich weigern, auf einfache Art zu lernen.

Die Rute ist also so etwas wie eine rote Warnleuchte auf dem Armaturenbrett eines Autos – ein Signal dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist und behoben werden muss. Das Licht selbst behebt das Problem nicht, aber es macht zumindest darauf aufmerksam. In diesem Sinne ist, denke ich, der folgende Vers zu verstehen:

Striemen, die weh tun, scheuern das Böse weg Und Schläge erreichen das Innerste (20:30).

Die Rute wird eingesetzt, um das Herz des Kindes zu erreichen und es vom Bösen abzubringen. Wenn Eltern von der Rute Gebrauch machen, wollen sie ihrem Kind damit die Folgen der Sünde verdeutlichen und ihm klar machen, dass es notwendig ist, Gottes Ausweg aus der Sündhaftigkeit anzunehmen.

Im Übrigen sollte ich wohl noch darauf hinweisen, dass die Rute, wo sie den Gezüchtigten selbst nicht zu belehren vermag, doch immer noch Anderen eine Lehre sein kann.

Schlägt man den Spötter, so werden die Unvernünftigen klug; Aber wenn man den Verständigen zurechtweist, wird er an Erkenntnis gewinnen (19:25).

5. DIE RUTE IST ERFORDERLICH, WEIL ES VERHEERENDE FOLGEN HAT, WENN MAN IHREN GEBRAUCH UNTERLÄSST. Einige Sprüche scheinen uns mehr zu verheißen, als wir zu hoffen wagen:

Hiebe und Wunden säubern vom Bösen, Und Schläge reinigen das innerste Wesen (20:30, NIV).

Enthalte dem Kind die Zucht nicht vor; Wenn du es mit der Rute züchtigst, wird es nicht sterben. Züchtige es mit der Rute und bewahre seine Seele vor dem Tode (23:13-14, NIV).

Ein oberflächlicher Blick auf diese Schriftstellen könnte uns zu der Annahme verleiten, dass der Schlagstock effektiver sei als die ‚vier geistlichen Gesetze’. Ein solches Missverständnis entsteht daraus, dass wir die Begriffe ‚Seele’ und ‚Tod’ nicht im gleichen Sinn verstehen wie die alten Israeliten. Der Begriff ‚Seele’ entsprach unserem Wort ‚Leben’: Eine ‚Seele’ zu retten, bedeutete damals, ein Leben zu retten. Auch ‚Tod’ hatte eine ganz bestimmte Bedeutung – eine, an die wir heutzutage nicht ohne Weiteres denken, die aber weit reichende Auswirkungen auf die Heiligen des Alten Testaments hatte.

Wenn ein Mann einen störrischen und rebellischen Sohn hat, der seinem Vater und seiner Mutter nicht gehorcht und noch nicht einmal auf sie hört, wenn sie ihn züchtigen, dann sollen ihn sein Vater und seine Mutter ergreifen und zu den Ältesten seiner Stadt zu den Toren seiner Heimatstadt hinausbringen. Und sie sollen zu den Ältesten dieser Stadt sagen: „Dieser unser Sohn ist störrisch und rebellisch, er will uns nicht gehorchen, er ist ein Schlemmer und ein Trunkenbold.“ Dann sollen ihn alle Männer seiner Stadt zu Tode steinigen; und so sollst du das Böse aus deiner Mitte entfernen, und ganz Israel soll es hören und sich fürchten (Deu 21:18-21).

Während ‚die Rute’ angewandt wurde, um die Sündhaftigkeit zu zügeln, wurde ‚der Stein’ angewandt, um sie auszumerzen. In alten Zeiten wussten Eltern, die an die Autorität von Gottes Wort glaubten, nur zu gut, dass wenn die Rute nicht wirkte, nur noch der Stein – das Steinigen – blieb. Für diese Eltern war daher die Motivation groß, die Rute gewissenhaft einzusetzen. Wenn das auch schmerzhaft für das Kind wie für die Eltern war, so war es doch noch weit besser als die Alternative – einen störrischen und rebellischen Sohn zu steinigen.

Ein Problem heutiger Eltern liegt darin, dass wir die verheerenden Folgen aus den Augen verloren haben, die entstehen, wenn man sich mit der Sünde im Leben eines Kindes nicht auseinandersetzt. Erinnern wir uns daran, dass Paulus vor allem den geistlichen, nicht nur den leiblichen Tod meinte, als er schrieb: „Der Sünde Lohn ist der Tod.“ Eltern eines undisziplinierten Kindes leiden an den irdischen Folgen in Form von Scham und Reue (z.B. 29:15), in der Ewigkeit sind die Konsequenzen der Sünde aber noch weit schlimmer. Wenn es also gelingt, das Kind mithilfe der Rute von seiner Sündigkeit und seiner Erlösungsbedürftigkeit zu überzeugen, dann ist diese Lektion aller Schmerzen wert und kann vielleicht den viel größeren Schmerz und das Leid der ewigen Verdammnis vermeiden helfen.

In diesem Licht betrachtet sieht die Rute ganz anders aus, als Manche sie sehen möchten. Wenn man die Rute für primitiv und grausam hält, so heißt das, dass man sich über die Alternative zu ihr nicht im Klaren ist. Ist es grausam, ein Kind an den Haaren zu ziehen? Sicherlich ist das schmerzhaft. Aber angenommen, Ihr Kind würde von einem Hochhaus herab in den sicheren Tod stürzen. Würden Sie es dann nicht an den Haaren fassen, wenn Sie damit sein Leben retten könnten? Natürlich würden Sie das tun. Genauso erscheint die Rute nur so lange als etwas Grausames, bis man ihre Alternativen bedenkt.

6. DIE RUTE IST ERORDERLICH, WEIL SIE GERECHT IST UND WEIL GOTT BEI SEINEN KINDERN VON DER RUTE GEBRAUCH MACHT. Gottgemäßes Verhalten ist gottähnliches Verhalten. Gleich am Anfang des Buches der Sprüche wird uns gesagt, dass menschliche und göttliche Zucht ähnlich, wenn nicht gar gleich sind.

Mein Sohn, verwirf nicht die Zucht des Herrn Und verabscheue nicht seine Zurechtweisung; Denn wen der Herr liebt, den weist Er zurecht, Gleich wie ein Vater seinen Sohn, an dem er Gefallen findet (3:11-12).

Diese Verse gründen sich ganz offensichtlich auf das alttestamentarische Gesetz Gottes:

„So sollst du wissen in deinem Herzen, dass der Herr, dein Gott, dich gezüchtigt hat, so wie ein Mann seinen Sohn züchtigt“ (Deu 8:5).

Wenn die Verantwortlichkeit irdischer Väter darin besteht, dem Vorbild Gottes als des Vaters der aufrichtigen Gläubigen nachzueifern (mit dieser Vorstellung werden wir uns in der nächsten Lektion beschäftigen), dann muss die Zucht eines Vaters so sein wie die von Gott Selbst.

Das ist genau der Haken bei der Sache für diejenigen, die nicht gläubig sind oder nicht biblisch denken. Sie können sich nicht vorstellen, dass eine Tracht Prügel gottgemäß sein kann, weil sie sich Gott nicht als Einen vorstellen können, der über Menschen richtet und sie zu einer Ewigkeit in der Hölle verdammt. Wenn Gott nur der Gott der Liebe ist (wie es Manche glauben möchten), dann wollte und könnte Er Niemanden zur Hölle schicken und den Menschen niemals irgendwelche Schmerzen zufügen. In diesem Fall könnten Eltern, die gottgemäß (gottähnlich) handeln wollen, ihren Kindern auch keine Schmerzen zufügen. Der springende Punkt ist also: Wie handelt Gott? Fügt Er den Menschen Schmerzen zu, wenn sie sündigen? Wenn Er das tut, dann handeln wir nur in Übereinstimmung mit Seiner Persönlichkeit, indem wir unseren Kindern für ihre sündigen Taten Schmerzen zufügen.

Ein genauerer Blick auf einige Bibelstellen lässt keinen Zweifel an einer Züchtigung durch Gott:

„Ich will ihm ein Vater sein, und er wird Mir ein Sohn sein; wenn er Unrecht tut, so will Ich ihn mit der Rute der Menschen und mit den Schlägen der Menschensöhne zurechtweisen“ (2.Sa 7:14).

„Wenn seine [d.h. Davids] Söhne Mein Gesetz verlassen und nicht in Meinen richterlichen Entscheidungen wandeln, wenn sie Meine Satzung verletzen und Meine Gebote nicht halten, so werde ich ihre Übertretungen mit der Rute heimsuchen und ihr Unrecht mit Plagen. Aber von ihm werde Ich Meine liebende Güte nicht nehmen, noch falsch an ihm handeln in Meiner Treue. Meinen Bund werde Ich nicht brechen, noch ändern, was aus Meinem Munde gegangen ist” (Ps 89:30-34).

Wehe Assyrien, das die Rute Meines Zornes ist, und der Stock in seinen Händen ist Mein Grimm (Jes 10:5).

In jeder dieser Bibelstellen spricht Gott davon, die ‚Rute’ zur Zurechtweisung Seines Volkes zu gebrauchen. Davids Söhne, die Könige von Juda, sollten von Gott für ihren Ungehorsam gezüchtigt werden; und doch sagt Gott, dass Er treu zu Seiner Zusage stehe, für David einen immerwährenden Thron zu errichten (2.Sa 7:12-13). Das ungehorsame Israel sollte durch Assyrien, Gottes ‚Rute’ der Zurechtweisung, gezüchtigt werden (vgl. Deu 28:15-68, insb. Vers 64; Jes 7:17-19, 8:5-8).

Immer wenn Gott Sein Volk züchtigt, wird Gottes Gericht über die Sünder als gerecht angesehen. Seine Züchtigung wird nie als ein Makel Seines ansonsten heiligen Charakters gesehen, sondern vielmehr als Ausdruck Seiner Heiligkeit.

Daher nun, unser Gott, du großer, mächtiger und Furcht einflößender Gott, der den Bund und die liebende Güte bewahrt, lass all die Mühsal nicht bedeutungslos erscheinen vor Dir, die auf uns und unsere Könige, unsere Fürsten, unsere Priester, unsere Propheten, unsere Väter und auf Dein ganzes Volk herabgekommen ist von den Tagen der Könige von Assyrien bis auf den heutigen Tag. Du aber bist gerecht in Allem, das über uns gekommen ist, denn Du hast treu gehandelt, wir aber haben böse gehandelt (Ne 9:32-33; vgl. Ps 78; Da 9).

Ananias und seine Frau Sapphira wurden für ihren Betrug mit dem Tod geschlagen (Apg 5:1-11). Nicht nur im Alten Testament ist Gott also ein Strafender, sondern auch im Neuen. In Matthäus 18:25-20 bezeichnete unser Herr den Weg, auf dem die Strafe für einen ungehorsam gewordenen Gläubigen festzulegen sei, und im 1. Korintherbrief 5:2-5 legte Paulus den Korinthischen Heiligen ans Herz, diese Vorschrift auch umzusetzen. Im weiteren Verlauf des ersten Korintherbriefes erklärte Paulus, dass einige der Heiligen krank geworden, andere gestorben seien, weil sie bei der Feier des Heiligen Abendmahls den Leib des Herrn nicht angemessen gewürdigt hätten (11:29-30). Auch Paulus selber praktizierte diese Art der Züchtigung (1.Tim 18-20).

Wenn ungehorsame Kinder Gottes nach beiden Testamenten so streng bestraft wurden, dann müssen wir gewiss ein noch schlimmeres Schicksal erwarten, wenn Jemand die Errettung zurückweist, die Gott den Menschen in der Person Seines Sohnes Jesus Christus bereitet hat.

Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet; und noch ein Buch wurde geöffnet, das Buch des Lebens; und die Toten wurden gemäß der Dinge gerichtet, die in den Büchern geschrieben waren, gemäß ihren Taten. Und das Meer gab die Toten heraus, die darin waren, und der Hades gab die Toten heraus, die darin waren; und sie wurden gerichtet, ein Jeder von ihnen nach seinen Taten. Und der Tod und der Hades wurden in den feurigen See geworfen. Das ist der zweite Tod, der feurige See. Und Jeder, dessen Name nicht im Buch des Lebens eingeschrieben gefunden wurde, wurde in den feurigen See geworfen (Off 20:12-15).

Insbesondere diejenigen verdienen die Verdammnis, die die Heiligen willentlich gequält haben. Beachten Sie wieder, dass Gott in der unten zitierten Textstelle als gerecht in Seinem Gericht über die Sünder dargestellt wird.

Und der zweite Engel goss seine Schale in das Meer aus, und es wurde zu Blut wie von einem toten Menschen; und alles Lebende in dem Meer starb. Und der dritte Engel goss seine Schale in die Flüsse und in die Wasserquellen aus; und sie wurden zu Blut. Und ich hörte den Engel der Wasser sagen: „Gerecht bist Du, der ist und der war, o Heiliger, dass Du dieses Urteil gefällt hast; den sie haben das Blut von Heiligen und von Propheten vergossen, und Du hast ihnen Blut zu trinken gegeben. Sie sind es wert.“ Und ich hörte den Altar sprechen: „Ja, o Herr, allmächtiger Gott, wahrhaft und gerecht sind Deine Gerichte“ (Off 16:3-7).

Nun können wir verstehen, warum die Sprüche die Rute als gerecht und das Gericht als rechtmäßig ansehen. In Sprüche 1 stellt die Weisheit vollkommen zurecht fest, dass die Gerechtigkeit erfüllt wird, wenn Sünder nicht nur das ernten, was sie beabsichtigten, sondern gleichzeitig auch das, was sie so reichlich verdienen.

„Dann werden sie nach mir rufen, aber ich werde nicht antworten; Sie werden mich unablässig suchen, aber sie werden mich nicht finden, Weil sie die Erkenntnis hassten Und die Furcht des Herrn nicht erwählten. Sie wollten meinen Rat nicht annehmen, Sie verschmähten all meine Zurechtweisung. Darum sollen sie essen von den Früchten ihres Wandels Und sich an ihren eigenen Ratschlägen übersättigen. Denn die Eigenwilligkeit der Unverständigen wird sie töten, Und die Selbstzufriedenheit der Toren wird sie vernichten“ (1:28-32).

Schlussfolgerung

Wir können aus den Schriften keinen anderen Schluss ziehen als den, dass die Gerechtigkeit nach der Rute verlangt. Gottes Gerechtigkeit erfordert es, dass Er die Ungläubigen richtet und Sein eigenes Volk züchtigt. Gott hat das Königtum und irdische Autoritäten eingesetzt, um die Gerechtigkeit zu befördern und Übeltäter zu bestrafen (Spr 20:8, 24:25, 25:5; Rö 13:1-5). Desgleichen müssen auch Eltern Gerechtigkeit bei ihren Kindern belohnen und schlechte Taten bestrafen. Wenn Etwas in Ewigkeit gewiss ist und für unser Leben in Betracht gezogen werden muss, dann ist das die Tatsache, dass ein Sünder seine Strafe erhalten wird.

Sei dir dessen gewiss: Der Böse wird nicht ungestraft davonkommen, Aber die gerecht sind, werden frei sein (11:21, NIV).

Die Gesellschaft hat Unrecht, mein Freund – ganz und gar Unrecht! Es ist keine Sünde, wenn man ein Kind schlägt. Wenn Eltern gottgemäß sein wollen, müssen sie das Böse so behandeln, wie Gott es tut. Geradeso, wie Gott für den Sünder immer Vorsorge trifft, müssen Eltern ihrem Kind den Weg zum Leben zeigen. Geradeso, wie Gott Seine ungehorsamen Kinder züchtigt, müssen auch wir es tun, zu ihrem und zu unserem eigenen Nutzen. Die Rute ist gerecht. Zucht ist von Gott. Eine Tracht Prügel kann sogar ein spiritueller Akt sein. Sie ist es nicht immer, aber das ist Etwas, womit wir uns in unserer nächsten Lektion befassen werden.

Mein Freund, bist du bisher möglicherweise nachlässig mit dem Gebrauch der Rute gewesen, weil du dir Gott nicht als einen Züchtiger vorstellen möchtest? Möchtest du lieber einen fürsorglichen Gott haben als einen, der die Sünde bestraft? Viele von uns erziehen ihre Kinder einfach deshalb nicht richtig, weil ihnen das Vorbild – Gott – so nicht gefällt. Aber ob wir es nun mögen oder nicht: der Gott der Bibel – im Alten wie im Neuen Testament – ist ein Gott, der der Sünde im Leben der Gläubigen wie der Ungläubigen entgegen tritt.

Du und ich, wir haben die Wahl. Wir können entweder unsere Sündigkeit einsehen und die Vergebung annehmen, die uns Gott in der Person Seines Sohnes bereitet hat, oder wir müssen die Folgen unserer Sündigkeit erleiden – in Ewigkeit. Wenn wir uns für Seine Errettung entscheiden, wird Er uns weiterhin für unsere Sünden züchtigen, doch nur so, dass wir daran wachsen und reifen, um Ihm ähnlicher zu werden. Wie möchtest du Gott gerne gegenübertreten: als ein Sohn oder als ein Sünder, der Seinen Sohn zurückgewiesen hat? Du hast die Wahl, mein Freund. Ich bete dafür, dass du dich für den Weg der Weisheit entscheidest, für den Weg des Lebens durch den Herrn Jesus Christus. Er starb am Kreuz von Golgatha für deine Sünden. Er bietet all denen Erlösung an, die an Sein Werk in Golgatha glauben. Lege dein Vertrauen noch heute in Ihn.


46 Richard Ruble, “Should Children Be Spanked?” [Sollte man Kinder schlagen?] Journal of Psychology and Theology, Juli 1973, S. 64-65.

47 Hier zitiert Ruble Ginnot (S. 181), der in dem obigen Artikel auf S. 64 angeführt wird.

48 In diesem Artikel steht, dass Richard Ruble seinen Abschluss (Masters) am Faith Seminary machte und den Titel eines Doktors der Theologie vom Dallas Theological Seminary erhielt. Anschließend war er Vorsitzender der Abteilung für biblische Studien und lehrte er als Professor für Bibel und Psychologie an der John-Brown-Universität.

49 “Should Children Be Spanked?” [Sollte man Kinder schlagen?] S. 66.

50 In einer veröffentlichten Erwiderung auf Dr. Rubles Artikel weist Alan R. McThomas auf viele Denkfehler von Ruble hin. McThomas, der damals Doktorand an der Rosemead Graduate School of Psychology war, äußert die Hoffnung, dass nicht alle, die Theologie und Psychologie in Einklang bringen wollen, dabei die falschen Schlüsse ziehen. Vgl. Alan R. McThomas, “Reaction” [Entgegnung], Journal of Psychology and Theology, Juli 1973, S. 67-69.

51 Richard Ruble, “Should Children Be Spanked? A Reply To McThomas” [Sollte man Kinder schlagen? Eine Antwort auf McThomas], Journal of Psychology and Theology, Oktober 1973, S. 79.

52 Dr. Ruble schreibt: „… die Erwähnung von Schlägen für ein Kind kann einfach als eine Metapher dafür angesehen werden, dass Kinder Strafen brauchen, von denen Schläge eben eine bekannte Form darstellten.“ (‚Sollten Kinder geschlagen werden?’ Juli 1973, S. 65). Mit dieser Feststellung selbst habe ich wenig Probleme, aber bei ihrer Ausformung ignoriert Dr. Ruble buchstäblich die klare Aufforderung der Sprüche zum Gebrauch der Rute. Für ihn, so scheint es, würde das Tor zu einer ganzen Welt voller Misshandlungen geöffnet, wenn man ‚die Rute’ als etwas Anderes denn eine Metapher einstufen würde. Selbst wo die ‚Rute’ aber eine Metapher darstellt, drückt sie doch die Form der Strafe aus, die die Sprüche meinen – und genau diese Form der Strafe will Ruble nicht als relevant für heutige Eltern betrachten.

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