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Das Mosaische Gesetz: Seine Funktion und sein Zweck im Neuen Testament

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Einführung

Eine große Ursache der Verwirrung in der heutigen Zeit betrifft die Stellung des Mosaischen Gesetzes im Leben des neutestamentlichen Gläubigen. Wenngleich dieses kurze Studium nicht alle damit verbundenen Fragen behandeln kann, ist es meine Hoffnung, dass es ein wenig erhellt und etwas von der Verwirrung beseitigt.

Eine der starken Betonungen des Neuen Testaments, besonders in den Briefen des Paulus, ist die, dass Christen nicht mehr länger unter der Herrschaft des Mosaischen Gesetzes sind. Diese Wahrheit wird mit deutlichen Worten und auf verschiedene Weise zum Ausdruck gebracht (siehe Röm 6,14; 7,1-14.24-25; 4,21; 5,1.13; 2Kor 3,7-18). Aber dennoch gab es immer jene, die darauf bestehen, dass das Mosaische Gesetz, zumindest die Zehn Gebote, für den Christen immer noch in Kraft sind. In Bezug auf die Beziehung der christlichen Ethik zum Mosaischen Gesetz schreibt Luck:

Es gibt angesehene christliche Lehrer, die das Mosaische Gesetz als Richtschnur für das tägliche Leben des Christen ansehen.1 Eine Ansicht die man nicht selten unter ernsten, rechtgläubigen Gläubigen vorfindet, lautet wie folgt: ‚Obwohl wir nicht durch das Gesetz gerettet sind – nachdem wir einmal durch den Glauben gerechtfertigt worden sind, wird das Mosaische Gesetz unsere Richtschnur für das Leben.’ Jene, die eine solche Ansicht vertreten, machen gewöhnlich eine scharfe Trennung des Mosaischen Gesetzes in zwei Teile – sie unterscheiden zwischen dem moralischen und dem zeremoniellen Gesetz. Sie halten dafür, dass der zeremonielle Teil durch Christus bei seinem ersten Kommen Erfüllung fand und dass dieser aufgehört hat zu bestehen. Aber der moralische Teil des Mosaischen Gesetzes, so argumentieren sie, ist als Lebensrichtschnur für den Gläubigen immer noch in Kraft. Die Behandlung, die einige hoch respektierte Autoren der christlichen Ethik geben ist in der Tat kaum mehr als eine Erläuterung des Dekalogs, der Zehn Gebote.

Es scheint äußerst seltsam, das bibelgläubige Christen eine solche Ansicht befürworten, wenn das Neue Testament es sehr deutlich macht, dass der Gläubige in Christus nicht mehr länger unter dem Mosaischen Gesetz ist, und zwar in seiner Gesamtheit … in der Tat, sich bewusst wieder unter seine Kontrolle zu begeben, nachdem wir vom Gesetz befreit worden sind, bedeutet, dass „wir aus der Gnade fallen.

Aber wir wollen sofort verstehen, dass dies nicht bedeutet, dass wir uns notwendigerweise auf eine Weise verhalten, die einfach das Gegenteil von dem ist, was das Mosaische Gesetz befiehlt – dass wir beispielsweise morden, stehlen, falsches Zeugnis geben sollten. Schon lange bevor das Gesetz durch Mose gegeben wurde, war es total verkehrt, solche bösen Dinge zu tun …2

Im Gegensatz dazu wurde das Zeitalter, in dem wir leben, das Kirchenzeitalter, oft und mit Recht als das Zeitalter der Gnade bezeichnet. Das heißt nicht, dass Gottes Gnade nicht auch in anderen Zeitaltern sichtbar geworden ist, sondern weil wir durch das Kommen des Herrn Jesus Christus die letztendliche Manifestation der Gnade Gottes haben.

Titus 2,11-12: „Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen 2,12 und nimmt uns in Zucht, dass wir absagen dem ungöttlichen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben.“

Gnade wird zu einem absolut untrennbaren Teil des Lebens des Gläubigen in Christus. Im Kommen Christi und seinem Tod am Kreuz fand das Mosaische Gesetz als Lebensrichtschnur sein Ende. Der Gläubige soll jetzt in der Freiheit und in der Kraft der Gnade Gottes durch den Geist und nicht unter der Herrschaft des Gesetzes leben. Diese neue Freiheit darf niemals als eine Gelegenheit benutzt werden, sich dem Fleisch oder den sündigen Begierden hinzugeben (Gal 5,13), und es bedeutet auch nicht, dass der Christ kein moralisches Gesetz und oder keine Befehle für sein Leben hätte, sondern einfach, dass er oder sie durch eine neue Quelle des Lebens gerecht leben sollen, wie in Römer 8 beteuert wird.

Römer 8,2-4: „Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. 8,3 Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch, 8,4 damit die Gerechtigkeit, vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch leben, sondern nach dem Geist.“

Es besteht jedoch eine Menge von Verwirrung über das Thema Gesetz und Gnade und die Stellung des Mosaischen Gesetzes im Leben des neutestamentlichen Gläubigen. Das grundlegende Prinzip ist jedoch, dass die „Fusion“ von Gesetz und Gnade eine „Konfusion“ verursacht, die zu einem sterilen Legalismus führt. Auf Grund der natürlichen Neigung des Christen entweder zum Legalismus oder zur Zügellosigkeit, war die Stellung und die Funktion des Gesetzes seit den Anfängen der Kirche in der christlichen Gemeinschaft ein umstrittenes Thema. Es gab stets jene, die versucht haben, den Christen zurück unter das Gesetz zu bringen oder das Gesetz sowohl für das Heil als auch die Heiligung erforderlich zu machen. Als Folge davon wurden lange Abschnitte des Neuen Testaments direkt zu dieser Frage geschrieben (siehe Apg 15 und das Jerusalemer Konzil; Röm 5,10; 6,14; 7,1ff; 2Kor 3,6-18 und der gesamte Galaterbrief). Diese Abschnitte wurden gegen eine legalistische Anwendung des Gesetzes verfasst, gegen eine Anwendung, die Werke propagiert, um bei Gott oder Menschen Punkte zu sammeln; Werke aus eigener Kraft statt ein Leben, das durch die Kraft und die persönliche Führung des Heiligen Geistes gelebt wird.

Natürlich sind andere Teile des Neuen Testaments gegen Zügellosigkeit und den Missbrauch von Freiheit geschrieben (Gal 5,13ff, Röm 6,1ff, 8,4ff, Tit 2,11-14). Aber die Antwort ist niemals, den Christen zurück unter das Gesetz zu bringen, sondern vielmehr ein richtiges Verständnis und eine Wertschätzung von Gottes Gnade, die uns in Christus geschenkt ist. Christliche Freiheit ist nicht das Recht, zu tun, was einem gefällt, sondern die Kraft, das Verlangen und den Willen, in und durch die Kraft Gottes und eines erneuerten Lebens das zu tun, was man tun sollte.

Dies ist letztendlich die Betonung von Titus 2,11-14. Die glorreiche Manifestation von Gottes Gnade in Christus belehrt und unterweist Gläubige, wie sie leben sollen.3 In Bezug auf Titus 2,11-14 schreibe Ryrie:

Das Verb „unterweisen“ schließt das ganze Konzept von Wachstum mit ein – in Zucht nehmen, disziplinieren, reifen, gehorchen, Fortschritt machen und ähnliches. Das umfasst die Weigerung, unanständige Dinge zu tun und diese in richtige Kanäle zu leiten. Diese fünf Begriffe – Göttlichkeit, weltliche Begierden, besonnen, gerecht, fromm – beschreiben nicht so sehr den Inhalt von Gnadenlehre, sondern sie verweisen auf das Objekt und das Ziel dieser Lehre hin. Das Ziel dieses Abschnitts ist der letztendliche Zweck der Menschwerdung Jesu. Er kam auf die Erde, um die Gnade Gottes im veränderten Leben der Menschen zur Schau zu stellen. Der letztendliche Zweck der Offenbarung der Gnade Gottes in Christus ist nicht ein Glaubensbekenntnis, sondern Charakter.4

In Römer 6,14 gibt uns Paulus ein fundamentales Prinzip, so wie es sich auf das Verständnis eines Christen und der Stellung des Gesetzes im Leben des Gläubigen bezieht: „Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, weil ihr ja nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.“ Römer 6 handelt vom Wandel des Gläubigen oder der Heiligung. In dieser Hinsicht wird unter der Gnade sein nie als eine Ausrede benutzt, um zu sündigen, wie es einem gefällt, weil der Christ unter der Gnade ist (6,1-2) und dieser Begriff wird in starkem Gegensatz5 zu unter dem Gesetz sein gestellt. Zwei Dinge fallen in dieser Hinsicht auf: (1) Diese beiden (Gesetz und Gnade) werden als komplette Gegensätze dargestellt, und (2) macht es der Text auch klar, dass der einzige Weg, auf dem der Gläubige wahre Heiligung erfahren (Sieg über die Sünde plus das Hervorbringen von wahrer Gerechtigkeit) wird, durch Gnade (dem Werk Gottes in Christus) geschieht und niemals durch das Gesetz. Die Gründe, die im Nachfolgenden dargelegt werden, sind mit zwei Fragen verknüpft, der Schwäche des menschlichen Fleisches und dem Wesen des Gesetzes und seiner Unfähigkeit, auf Grund der Schwachheit des Menschen ein wahrhaft heiliges Leben hervorzubringen. Das heißt nicht, dass das Mosaische Gesetz nicht gut und heilig wäre und keine Funktion hätte – aber auch dies wird im Nachfolgenden behandelt werden.

So, was ist genau die Bedeutung, das Wesen und die Stellung des Gesetzes im Neuen Testament?

Die Bedeutung des Begriffes „Gesetz“

Im Alten Testament ist das Wort „Gesetz“ eine Übersetzung des hebräischen Wortes „to,ra,h“, was „Unterweisung“ bedeutet. Das hebräische Wort kommt von der Kausativ-Form des Zeitworts ya,ra,h, was „werfen, (einen Pfeil) schießen“ bedeutet. Das vom Stamm her verwandte Wort ya,ra,h bedeutet „zeigen, leiten, instruieren, lehren“. Daher ist das Gesetz das, was autoritative Leitung bietet. Im Neuen Testament lautet das griechische Wort für Gesetz nomos. Nomos bedeutet „das, was festgesetzt ist“, also „Sitte, Brauch“, und dann „Gesetz“ oder „eine Vorschrift, welche die Handlungen einer Person bestimmt.“

Daher ist Gottes Gesetz sein System von Regeln, durch die er seinen Willen zeigt und in seinem Willen unterrichtet und die Geschicke der Welt administriert. Offensichtlich erlaubt die Definition und sie lässt sogar darauf schließen, dass es zu verschiedenen Zeiten verschiedene Systeme von Vorschriften geben kann, abhängig davon, welche besonderen Aspekte und wie viel Gott von seinem Willen zu einer bestimmen Zeit offenbaren wollte… Ein System von Regeln und Vorschriften kann für verschiedene Zeiten, Völker und Zwecke zugeschnitten sein …6

Als Folge können wir beim Fortschreiten von Gottes Offenbarung an die Menschen eine Anzahl von verschiedenen Gesetzessystemen in der Heiligen Schrift finden. Diese sind:

Das Naturgesetz (natürlich oder inhärent)

Dies ist das Gesetz, das Paulus in Römer 2,14 erwähnt: „Denn wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur tun, was das Gesetz fordert, so sind sie, obwohl sie das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz.“ Die Naturgesetz enthält natürliche Offenbarungen von Gottes ewiger Kraft und der göttlichen Natur (Röm 1,20) und ist ausreichend, diejenigen zu verdammen, die diese Offenbarung zurückweisen, aber es ist nicht ausreichend, um zu retten. Diejenigen, die diese natürliche Offenbarung durch die Natur nicht empfangen, zeigen dadurch, dass sie nicht in der Lage sind, das zusätzliche Licht (spezielle Offenbarung durch die Heilige Schrift) zu erhalten, das für das Heil nötig ist. „Wenn ein Mensch die Offenbarung Gottes im Naturgesetz zurückweist, versagt er, sich für die weitere Offenbarung, die ihn zu Christus führen wird, zu qualifizieren.“7 Dieses natürliche Gesetz fällt vielleicht unter die Kategorie des ewigen Gesetzes Gottes, denn die moralischen Prinzipien des Mosaischen Gesetzes (die Zehn Gebote) begannen nicht mit dem Sinaibund, sondern sie sind so ewig und unveränderlich wie der heilige Charakter Gottes selbst (siehe 1Pt 1,16).

Das Gesetz von Eden

Obgleich der Begriff „Gesetz“ im Garten Eden für die Beziehung zwischen Adam und Eva und Gott niemals spezifisch benutzt wird, gab es ein Gesetz, das Adam gegeben wurde, da es, gemäß der Definition von „Gesetz“, ein System von Prinzipien und Vorschriften gab, das den Menschen über Gottes Willen und seine Führung Anweisungen erteilte. Er wurde angewiesen, den Garten „zu bebauen und zu bewahren“ und mit Ausnahme des „Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen“ von allen Bäumen ungehindert zu essen.

Das Gesetz der Patriarchen

Noch einmal, weil es sehr spezifische Offenbarung und Anweisung an die Patriarchen gab, gab es ein Gesetz, das diesen Gläubigen im Alten Testament gegeben wurde. Obwohl sehr wenig Detail überliefert ist, stellen Gottes Anweisungen an sie dennoch sein Gesetz dar, sein System von Prinzipien und Vorschriften, die dazu bestimmt waren, ihr Leben zu lenken. Das sehen wir beispielhaft in 1. Mose 26,5, wo es heißt: „… weil Abraham meiner Stimme gehorsam gewesen ist, und gehalten hat meine Rechte, meine Gebote, meine Weisungen und mein Gesetz.“

Das Gesetz des Moses, das Israel gegeben wurde

Das Mosaische Gesetz ist das Thema, das uns in Bezug auf den neutestamentlichen Gläubigen am meisten interessiert. Dieses bestand aus 365 negativen und 248 positiven Geboten, also insgesamt 613 Geboten. Diese kann man auch in drei Teile oder Abschnitte aufteilen – das moralische, das bürgerliche und das zeremonielle Gesetz. Als solches deckte es jeden möglichen Bereich im Leben Israels ab. Es sollte betont werden, dass die moralischen Prinzipien, die im Mosaischen Gesetz, das am Sinai gegeben wurde, lediglich der kodifizierte Ausdruck des ewigen Gesetzes Gottes waren, so wie es Israel gegeben wurde, um ihr Leben als Nation zu regieren und um Gottes Segen unter dem Abrahamitischen Bund zu erfahren.

Das menschliche Gesetz, wie es vom Menschen verordnet wird

Es gibt offensichtlich verschiedene Formen von menschlichen Gesetzen, jene, die von Menschen durch menschliche Regierungen oder Sitte (siehe Lk 20,22; Apg 19,38) erlassen werden. Während die menschliche Regierung eine Institution ist, die durch Gottes Willen oder Gesetz verordnet wurde, sind einige der menschlichen Gesetze ein direkter Ausdruck von Gottes Willen, aber sie stellen dennoch Gesetze dar, an die Menschen oft durch das Regierungssystem, unter dem sie leben, gebunden sind. Natürlich, wenn solche Gesetze mit Gottes Gesetzen im Konflikt stehen, sind wir verpflichtet, stattdessen Gott zu gehorchen (Apg 4,19-20).

Das Gesetz Christi, das Gesetz des Geistes des Lebens

Die Tatsache, dass das Mosaische Gesetz sein Ende fand, bedeutet nicht, dass es in diesem Zeitalter der Gnade kein Gesetz gäbe, auch wenn sich das Wesen dieses Gesetzes vom Standpunkt des Anreizes, der Motivation und der Mittel völlig unterscheidet. In der Tat, die neutestamentlichen Briefe sprechen vom „vollkommenen Gesetz der Freiheit“ (Jak 1,25), vom „königlichen Gesetz“ (Jak 2,8), dem Gesetz Christi (Gal 6,2) und dem Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus (Röm 8,2). Dieses besteht aus den vielen Befehlen, die man in den Briefen findet, aus denen dieses Gesetz besteht. Auch diese umfassen alle Bereiche des Lebens des Gläubigen, um ihn im Willen Gottes in der heutigen Welt zu leiten.

Die moralischen Prinzipien, die im Gesetz des Mose verkörpert sind, bezeichnet Paulus als „die Gerechtigkeit des Gesetzes“ (Röm 8,4), und er zeigt im selben Zusammenhang, dass solche Prinzipien das Ziel des vom Heiligen Geist geleiteten Lebens sind, indem er lehrt, dass der Gläubige nicht unter dem Mosaischen Gesetz ist (Röm 6-8).8

Das Gesetz des Reiches Gottes

Das Neue Testament spricht klar davon und erwartet die Herrschaft Christi auf Erden, wenn er in perfekter Gerechtigkeit regieren wird (Jes 11,4-5). Das wird natürlich bedeuten, dass viele Gesetze das Leben der Bürger des Reiches Gottes regeln werden. Man braucht nur Jesaja 2,3 zu lesen, wo es heißt:

„… und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des Herrn gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem“ (die NET Bible übersetzt: „Denn Zion wird das Zentrum für moralische Weisung9 sein, der Herr wird von Jerusalem aus Edikte erlassen).

Die Bedeutung dieser verschiedenen Gesetze

Daraus können wir ersehen, dass Gott der Verwalter der Welt ist. In Zuge seiner Offenbarung und der Entwicklung seines Planes gab er verschiedene Verwaltungen (Dispensationen), die von Gott mit verschiedenen Vorschriften oder Gesetzen ausgeführt wurden, die präzise Anweisungen für jede Verwaltung gaben. Die Art und Weise, wie Gott jede Verwaltung oder Dispensation geleitet hat, war unterschiedlich, aber in jedem Fall wurden verschiedenen Menschen unterschiedliche Gebote gegeben, die sich in Quantität und Charakter unterschieden, aber stets mit spezifischen Anweisungen.

Die Verwendung des Begriffes „Gesetz“ im Neuen Testament

In der Verwendung des Begriffes „Gesetz“ finden wir im Neuen Testament eine große Flexibilität. Einige der Verwendungen sind folgende:

1. Dieser Begriff wird für das gesamte Alte Testament verwendet (Joh 10,34; 12,34; 1Kor 14,21). Johannes 10,34 ist ein Zitat von Psalm 82,6 und 1. Korinther 14,21f ist ein Zitat aus Jesaja 28,11-12.Technisch gesehen sind weder die Psalmen noch Jesaja ein Teil des alttestamentlichen „Gesetzes“, aber manchmal wurde der Begriff „Gesetz“ auf das gesamte Alte Testament angewandt, weil es Gottes besondere Offenbarung von Anweisungen für Israel und letztendlich für die Menschheit darstellte.

2. Es wird mit solchen Begriffen wie die Propheten und Schriften benutzt, also wiederum als eine Überschrift für das gesamte Alte Testament, aber in dieser Hinsicht betrachtet es das Gesetz in seiner Unterteilung (Lk 24,27.44).

3. Es wird speziell für die ersten fünf Bücher des Alten Testamentes oder das Mosaische Gesetz verwendet (1Mo bis 5Mo, vergleichen Sie Lk 2,23; Joh 8,5; 1Kor 9,9; Gal 3,10).

4. Der Begriff wird für den gesamten, spezifischen Mosaischen Kodex benutzt, welcher der Nation Israel gegeben wurde, um ihr moralisches, religiöses und weltliches Leben zu bestimmen und zu leiten, und er umfasst Teile von 2. Mose, 3. Mose, 4. Mose und 5. Mose (5Mo 4,8.44-45).

5. Der Begriff wird auf die Zehn Gebote angewandt (2Mo 20,3-17).

6. Das Gesetz wird für ein Prinzip, eine Kraft oder einen Einfluss angewandt, der eine Person zu einer Aktion oder einem Verhalten nötigt.

7. Er wird für Gesetz in Allgemeinen (Röm 3,27 und vielleicht Röm 5,13b) benutzt.

Der Ursprung und die Quelle des Mosaischen Gesetzes

Obwohl Teile des Gesetzes von Engeln verordnet wurden, ist Gott der Ursprung und die Quelle des Mosaischen Gesetzes, das auf den ewigen und heiligen Charakter Gottes zurückgeht. Das trifft sogar auf das Naturgesetz zu, das in das Herz oder das Gewissen der Menschen geschrieben ist (2Mo 31,1b; Apg 7,53; Röm 2,14-16; Heb 2,1-2).

Das Wesen und der Inhalt des Mosaischen Gesetzes

Es ist üblich, das Mosaische Gesetz, wie unten dargestellt, in drei Teile zu unterteilen, aber obgleich dies für die Analyse und das Studium des Mosaischen Gesetzes und die Art und Weise, wie es funktioniert, hilfreich ist, wird eine solche Unterteilung in der Heiligen Schrift nie erwähnt.

Teil 1: Das Moralgesetz oder die Zehn Gebote. Dieser Teil des Gesetzes regelte das moralische Leben und leitete Israel in ihrer Beziehung zu Gott und den Menschen in den Prinzipien von richtig und falsch (2Mo 20,1-17).

Teil 2: Die Satzungen oder das bürgerliche Gesetz. Dieser Teil des Gesetzes regierte Israel in ihrem weltlichen, gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichem Leben (2Mo 21,1-23,13).

Teil 3: Die Verordnungen oder das Zeremonialgesetz. Dies war der religiöse Teil des Gesetzes, welches Israel leitete und für ihren Gottesdienst, ihre geistliche Beziehung und Gemeinschaft mit Gott ausstattete. Es umfasste die Priesterschaft, die Stiftshütte und die Opfer (2Mo 25-31; 3Mo).

Die Empfänger des Mosaischen Gesetzes

Das Mosaische Gesetz war ein bilateraler Bund, der spezifisch für Israel allein gemacht wurde, um ihr Leben im verheißenen Land zu regeln. Vom Abrahamitischen Bund an (1Mo 12) sehen wir Israel als ein auserwähltes Volk, ein Werkzeug Gottes, um ein Kanal des Segens für alle Völker zu werden. Jahwe war ihr theokratischer König, der die Nation in ihrem Schicksal regieren und leiten sollte, dass sie nicht durch andere Nationen beschmutzt und verunreinigt würde und so ihren Zweck erfüllen konnte. Zu diesem Zweck wurde das Mosaische Gesetz eingeführt, um Israel als Nation in allen Bereichen ihres Lebens zu regieren – moralisch, gesellschaftlich, politisch, wirtschaftlich und religiös.

Von seinem Wesen her sollte und konnte das Mosaische Gesetz dem Buchstaben nach nicht von irgendeinem anderen Volk an einem anderen Ort als Lebensrichtschnur gehalten werden. Im Geist des Gesetzes legte es jedoch moralische Prinzipien fest, die für alle Völker überall auf der Welt und zu jeder Zeit gültig waren, und die, falls man sie anwandte und als Maßstab für richtig und falsch benutzte, Segen bringen würden.

Es gab bestimmte ökonomische Bestimmungen im Gesetz, um das wirtschaftliche Leben Israels in ihrem gelobten Land zu regeln und zu schützen. So gab es beispielsweise das Recht auf Eigentum, freies Unternehmertum, Schutz der Armen, was sie vor den Übeln großer Konzentration des Reichtums in den Händen weniger, mit daraus resultierender Verarmungen anderer schützte. Aber für die Armen wurde auf eine solche Weise gesorgt, dass man vermied, das freie Unternehmertum und die Initiative des Einzelnen durch hohe Besteuerung zu verlieren und auch zu vermeiden, dass man aus Menschen, die sich weigerten zu arbeiten, Schmarotzer machte.

Die strikte Anwendung dieser Gesetze in unserer Welt ist jedoch unmöglich, da die ursprünglichen Bedingungen, zu denen Gott direkt eingriff, nicht reproduziert werden können, zumindest nicht bis zum Millennium. Doch könnten Ökonomen diese Gesetze und Prinzipien studieren und viel davon lernen.

Die Merkmale des Mosaischen Gesetzes

(1) Das Fundament und die Basis für das Mosaische Gesetz ist der Bund, den Gott mit den Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob schloss. An mehreren Stellen im 2. und 5. Buch Mose gibt es Verweise auf den Abrahamitischen Bund, was die Tatsache begründet, dass die Verkündigung des Gesetzes am Sinai auf dem Bund mit Abraham und auf Gottes fortwährendem Plan für das Volk Israel als einer priesterlichen Nation beruhte (Vergleiche 2Mo 19,4-6; 5Mo 4,4-8 mit 2Mo 2,24-25; 5Mo 4,36-38; 29,31; 1Chr 16,15-19). Gott hatte verheißen, die Nachkommen Abrahams – und durch sie – die Welt zu segnen. Dies war eine Verheißung, die er Abraham, Isaak und Jakob wiederholt gab und die ausgeweitet wurde. Gott würde Israel segnen und durch sie der ganzen Welt Segen bringen (1Mo 12,1.15; 17,1f; 26,24f; 28,13f). Der Abrahamitische Bund ist ein einseitiger Bund. Seine letztendliche Erfüllung hängt von Gottes souveräner und unerschütterlicher Treue zu seinen Verheißungen an Abraham ab, ohne Rücksicht auf Israels fortgesetzten Ungehorsam (siehe Hes 20,1-44).

Der Mosaische Bund dagegen war ein zweiseitiger Bund. Obwohl seine endgültige Erfüllung von Gott abhängt, war Treue zu Gott notwendig, wenn eine Generation die Segnungen des Abrahamitischen Bundes erfahren wollte. Folglich kommt das Gesetz ins Spiel, ein bilateraler Bund, der Mose für die Nation Israel nach ihrer Befreiung aus Ägypten gegeben wurde. Durch Gehorsam gegenüber dem Mosaischen Bund (dem Gesetz) würde Israel in der Lage sein, die Segnungen des Abrahamitischen Bundes im gelobten Land zu erfahren. Gehorsam würde Segen bringen, Ungehorsam Fluch (siehe 5Mo 28-30).

(2) Das Mosaische Gesetz ist heilig, gut und geistlich (Röm 7,12.14). Es war jedoch nur vorübergehend, wie der Hebräerbrief so deutlich lehrt. Als solches hatte das Mosaische Gesetz den Zweck, eine richtige Beziehung zwischen Gott und seinem Volk Israel aufrecht zu erhalten, aber nur bis zum Kommen des Messias und der Errichtung eines Neuen Bundes. Es war niemals vorgesehen, dass das Gesetz eine permanente Vorschrift für das Leben sein sollte. Es war lediglich ein Lehrer (Zuchtmeister) und Vormund (Wächter), um Israel bis zum Kommen Christi in allen Bereichen ihres Lebens zu leiten (2Kor 3,7.11; Gal 3,23-24; Röm 10,4).

(3) Das Mosaische Gesetz ist schwach, weil es von der Fähigkeit des Menschen abhängt. Es ist besonders schwach, wenn es als ein System von Leistung und Verdienst betrachtet wurde (Röm 8,3).

(4) Das Mosaische Gesetz war eine unteilbare Einheit – und genau das wurde durch unseren Herrn Jesus beendet. Obwohl das Gesetz, wie oben beschrieben, in drei Teile geteilt wird, ist es wichtig zu erkennen, dass es eine unteilbare Einheit war. Folglich, wenn Paulus feststellte, dass wir nicht unter dem Gesetz sind, schloss dies alle drei Teile ein, einschließlich der Zehn Gebote. Einige werden zugeben, dass Teile des Alten Testaments abgeschafft wurden, aber sie beteuern, dass die Zehn Gebote heute angeblich noch in Kraft sind. Aber alle drei Teile des Gesetzes wurden dazu bestimmt, als eine Einheit zu fungieren, um Israel in allen Bereichen des Lebens zu leiten. Die Zehn Gebote können nicht vom Rest getrennt werden. Darüber hinaus, auch wenn die meisten diese Dreiteilung des Gesetzes anerkennen, nummerierten die Juden all die Gebote auf eine solche Weise, dass sie an das Gesetz als eine Einheit herangingen. Ryrie bemerkt,

… das jüdische Volk hat sie (die dreifache Unterteilung des Gesetzes) nicht anerkannt oder hat wenigstens nicht darauf bestanden. Vielmehr unterteilten sie die 613 Gebote des Gesetzes in zwölf Gruppen von Geboten, die dann wiederum in zwölf zusätzliche Gruppen von positiven und zwölf zusätzlichen Gruppen von negativen Geboten unterteilt wurden.10

Dass es eine Einheit ist, wird ferner durch die Tatsache offensichtlich, dass die Anerkennung von all seinen Merkmalen, z. B. als ein System von Gerechtigkeit mit Gott, die man sich verdienen konnte, die Person verpflichtet, das ganze Gesetz zu erfüllen, wie sowohl Petrus als auch Jakobus uns lehren (siehe Gal 3,10.12; 5,3; Jak 2,8-11).

Ein weiterer Beweis, dass das Gesetz eine Einheit ist, liegt darin, dass die Todesstrafe für Ungehorsam in allen drei Teilen des Gesetzes verhängt wurde.

Wenn wir die Strafen, die bei Übertretung bestimmter Gebote verhängt wurden, betrachten, so sehen wir darin eine weitere Betonung für den einheitlichen Charakter des Gesetzes. Wenn das Gebot, den Sabbat zu halten (eines der „Gebote“) von einem Mann, der an diesem Tag Holz sammelte, verletzt wurde, war die Strafe Tod durch Steinigung (4Mo 15,32-36). Als das Volk Israel das Gebot des Sabbatjahres für das Land verletzte (eine der „Satzungen“), sandte sie Gott in die Gefangenschaft, wo viele starben (Jer 25,11). Als Nadab und Abihu vor dem Herrn fremdes Feuer darbrachten (eine der „Verordnungen“), starben sie sofort (3Mo 10,1-7). Es ist deutlich zu sehen, dass diese Gebote von den verschiedenen Teilen des Gesetzes gleichermaßen bindend waren und dass die Bestrafung gleich schwer war. Das Gesetz war eine Einheit.11

Schließlich erklärt Paulus in 2. Korinther 3,6-13 dreimal, dass das Mosaische System abgeschafft wurde (Verse 7,11,13). Im Kommentar zu 2. Korinther 3,7-13 schrieb Chafer:

Es ist das Gesetz, wie es in den Zehn Geboten kristallisiert ist, das hier betrachtet wird; denn dieses Gesetz allein war „auf Steintafeln geschrieben“. Inmitten des stärksten möglichen Kontrasts zwischen der Herrschaft der Lehren des Gesetzes und den Lehren der Gnade wird erklärt, dass diese Gebote „hinweg getan“ oder „abgeschafft“ wurden. Es sollte erkannt werden, dass das Alte abgeschafft wurde, um Platz für das Neue zu schaffen, das viel größere Herrlichkeit hat. Das Verschwinden des Gesetzes ist daher kein Verlust; es ist vielmehr ein unschätzbarer Gewinn.12

(5) Das Mosaische Gesetz steht im Gegensatz zur Gnade Gottes, wie sie jetzt im Kommen Christi offenbar geworden ist (Röm 6,14; 7,6; 8,3; Gal 3,12).

Der Zweck und die Funktion des Mosaischen Gesetzes

Der Zweck und die Funktion erklärt

Was ist nun der Zweck des Gesetzes? Obwohl es Israel gegeben wurde, um ihr Leben im gelobten Land zum Zwecke des Segens statt des Fluchs zu bestimmen, gab es einen damit verbundenen Zweck, warum Gott das Mosaische Gesetz Israel gab – ein Zweck, der auch heute noch besteht. Einfach ausgedrückt soll sein richtiger Gebrauch dem Menschen seine völlige Hilflosigkeit und seinen hoffnungslosen Zustand vor einem gerechten Gott zeigen.

1. Timotheus 1,8-10: „Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist, wenn es jemand recht gebraucht, 1,9 weil er weiß, dass dem Gerechten kein Gesetz gegeben ist, sondern den Ungerechten und Ungehorsamen, den Gottlosen und Sündern, den Unheiligen und Ungeistlichen, den Vatermördern und Muttermördern, den Totschlägern, 1,10 den Unzüchtigen, den Knabenschändern, den Menschenhändlern, den Lügnern, den Meineidigen und wenn noch etwas anderes der heilsamen Lehre zuwider ist.“

Beim Studium der Bibel kommen beim richtigen Gebrauch des Mosaischen Gesetzes drei spezifische Zwecke zum Vorschein:

(1) In einem allgemeinen Sinn wurde das Gesetz gegeben, um einen Maßstab für Gerechtigkeit zu bieten (5Mo 4,8; Ps 19,7-9). Dabei offenbarte das Mosaische Gesetz die Gerechtigkeit, Heiligkeit und Güte Gottes (5Mo 4,8; 3Mo 11,44-45; 19,2; 20,7; Röm 7,12-14). Das Gesetz am Sinai wurde Israel gegeben, um zu offenbaren, wer Gott ist und um Licht auf das Bestehen einer unendlichen Kluft zu werfen, die Gott von den Menschen trennt.

Römer 3,19: „Wir wissen aber: was das Gesetz sagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, damit allen der Mund gestopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei.“

Römer 3,23: „Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten.“

(2) Das Gesetz wurde gegeben, um Sünde zu identifizieren und die Sünde und den bankrotten Zustand des Menschen, der vor Gott schuldig ist, zu offenbaren (Röm 3,19f, 7,7-8; 5,20; Gal 3,19). Gottes heiliges Gesetz offenbart dem Menschen genau wer und was er ist – sündig und von Gott durch eine unendliche Kluft getrennt, die er aus eigener Kraft nicht überbrücken kann.

Römer 3,19-20: „Wir wissen aber: was das Gesetz sagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, damit allen der Mund gestopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei, 3,20 weil kein Mensch durch die Werke des Gesetzes vor ihm gerecht sein kann. Denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.“

(3) Das Gesetz wurde gegeben, um den Menschen auf den Glauben hin zu verwahren, d. h. die Werke des Gesetzes (oder irgendeines Systems von Werken) als ein System von Verdienst sowohl für das Heil als auch für die Heiligung auszuschließen, und ihn dadurch zu Christus, als das einzige Mittel der Gerechtigkeit zu führen (Gal 3,19-20; 20-24; 1Tim 1,8-9; Röm 3,21-24). Der zeremonielle Teil des Gesetzes tat dies, indem er auf das Kommen eines leidenden Knechtes verwies, „denn ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung“ (Hebr 9,22).

Römer 3,21-24: „Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. 3,22 Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: 3,23 sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, 3,24 und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.“

Galater 3,24-26: „So ist das Gesetz unser Zuchtmeister13 gewesen auf Christus hin, damit wir durch den Glauben gerecht würden. 3,25 Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. 3,26 Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus.“

Zusammenfassung: Das Gesetz nach der wahren Absicht halten

Wenn wir vom Halten des Gesetzes reden, sprechen wir vom wahren Sinn des Gesetzes, wie Gott es beabsichtigte, nicht wie Israel und die Menschen es gewöhnlich auffassen. Die Zehn Gebote zeigten einem Juden (und so auch der ganzen Menschheit) seine Sünde, und dass er unter dieser Sünde eingesperrt war. Die Zehn Gebote waren dazu bestimmt, ihn zu leiten, in der Tat um ihn zum zeremoniellen Gesetz zu treiben (der Stiftshütte, der Priesterschaft und den Opfern), um durch den Glauben an diese Opfer, die auf Christus verwiesen, Vergebung zu erlangen. Das bürgerliche Gesetz bestimmte sein Leben, in dem es ihm zeigte, wie man als guter Bürger lebt, nicht um ihm vor Gott Anerkennung zu verschaffen, sondern um ihn zu befähigen, die Segnungen des Bundes zu erfahren, statt dem Fluch, wovor Gott in 5. Mose warnte.

Die Begrenzungen des Mosaischen Gesetzes

Wenn man es als System ansieht, das Verdienst und Anerkennung von Gott bewirkt, kann das Gesetz nicht rechtfertigen (Gal 2,16), Leben geben (Gal 3,21), den Heiligen Geist schenken (Gal 3,2.14), heiligen (Gal 3,21; 5,5; Röm 8,3), vollkommen machen, oder auf Dauer mit der Sünde fertig werden (Hebr 7,19). Es war als ein vorübergehender Vormund (Zuchtmeister) bis zum Kommen Christi, dem leidenden Messias und Retter bestimmt.

Die Wirkungen des Mosaischen Gesetzes

Die Gründe für die unten aufgeführten Wirkungen liegen in der falschen Reaktion Israels und dem Menschen heute, d. h. indem man an das Gesetz als ein System von Verdienst und Leistung herangeht, und von einer Basis des Glaubens zu einer Basis der Werke übergeht (2Mo 19,8; Röm 10,3). Menschen versuchen das Gesetz oft als ein Mittel zu benutzen, ihre eigene Stellung vor Gott aufzurichten. Aber die Heilige Schrift lehrt uns mit Nachdruck, dass das Gesetz einen Fluch mit sich bringt (Gal 3,10-12), es bringt Tod, es tötet (2Kor 3,6-7; Röm 7,9-10), es bringt Verdammnis (2Kor 3,9), es führt dazu, dass die Vergehen mächtiger werden (Röm 5,10; 7,7-13), es erklärt alle Menschen für schuldig (Röm 3,19) und hält Menschen in der Knechtschaft von Sünde und Tod (Gal 4,3-5.9.24; Röm 7,10-14). Der Grund dafür ist, weil der Mensch in seinem sündigen Zustand niemals die Gerechtigkeit des Gesetzes erfüllen kann, besonders nach dem Geist des Gesetzes. Er versagt immer, wie Römer 3,23 uns sagt, und wird verdammt oder vor einem heiligen Gott schuldig (Röm 3,19).

Das Ende des Mosaischen Gesetzes als eine Lebensrichtschnur

Die etablierte Tatsache

Mehrere Abschnitte in der Heiligen Schrift beweisen klar, dass das Kommen Christi dem Mosaischen Gesetz ein Ende gesetzt hat. Paulus hält spezifisch fest, dass „Christus des Gesetzes Ende ist; wer an ihn glaubt, der ist gerecht“ (Röm 10,4). Dies setzte ein neues Gesetz oder Lebensprinzip ein, d. h. das Gesetz des Geistes, das Gesetz von Freiheit und Gnade (Röm 8,2.13). Diese Tatsache wurde auch klar vom Jerusalemer Konzil in Apostelgeschichte 15 entschieden. In der Kirche zu Jerusalem wurde ein Konzil einberufen, um die Frage des Gesetzes und seine Stellung im Leben des Gläubigen zu untersuchen, weil einige behaupteten: „Wenn ihr euch nicht beschneiden lasst nach der Ordnung des Mose, könnt ihr nicht selig werden.“ Und weil sogar Pharisäer, die zum Glauben gekommen waren, sagten: „Man muss sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz des Mose zu halten.“ Die Schlussfolgerung des Konzils, das aus Aposteln und Ältesten bestand, war, dass sie das Konzept, neutestamentliche Gläubige unter das Joch des Gesetzes zu stellen, zurückwiesen (15,6-11). Das Einzige, was das Jerusalemer Konzil forderte, war, dass heidnische Gläubige ihre Freiheit in Angelegenheiten kontrollieren, die für jüdische Gläubige Anstoß bereiten könnten, aber sie trachteten nicht danach, Gläubige unter das Joch des Gesetzes zu stellen, da sie erkannten, dass das Gesetz an sein Ende gekommen war.

Schließlich zeigt der Hebräerbrief, dass der Alte Bund des Mosaischen Gesetzes nur vorübergehender Natur war und durch das Kommen Christi ersetzt wurde, dessen Amt (1) auf einer besseren Priesterschaft beruhte, eine nach der Ordnung Melchisedeks, die höher ist als die von Aaron, und (2) ein besserer Bund mit besseren Verheißungen (siehe Hebr 7-10). Der Alte Bund war nur ein Schatten der himmlischen Dinge, und wenn er in der Lage gewesen wäre, Menschen vor Gott vollkommen zu machen, hätte es keinen Anlass für einen zweiten oder neuen Bund gegeben (siehe Hebr 7,11-12; 8,1-13). Diese Änderung in der Priesterschaft machte auch eine Änderung im Gesetz notwendig. Eine solche Änderung zeigt, dass das Gesetz beendet oder abgeschafft wurde.

Das Problem von Mosaischen Gesetzen als Gebote für neutestamentliche Gläubige

Ein sorgfältiges Lesen des Neuen Testamentes zeigt, dass neun von zehn Geboten als Pflichten für Gläubige wiederholt werden. Die eine Ausnahme ist das Gebot, den Sabbat zu halten. Wenn das Mosaische Gesetz abgeschafft worden wäre, warum werden dann diese Gebote im Neuen Testament wiederholt? Darüber hinaus, einige Gebote, die außerhalb der Zehn Gebote sind, werden ebenfalls im Neuen Testament wiederholt. Zum Beispiel, als eine Motivation für die Nächstenliebe, verwies Paulus auf vier der Zehn Gebote, weil sie dieses Prinzip demonstrieren, aber dann erwähnte er als Zusammenfassung ein Gebot aus 3. Mose 19,18: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Auf welche Weise wurde das Gesetz also abgeschafft?

Die Lösung

Ein Zweck des Gesetzes bestand darin, die Menschen durch seine Schatten und Typen auf das Kommen des Messias zu verweisen. Durch das moralische Gesetz konnte der Mensch Gottes heiligen Charakter sowie seine eigene Sündhaftigkeit und die unendliche Kluft, die Gott und Mensch trennt, sehen. Durch den zeremoniellen Teil des Gesetzes (die Priesterschaft, Opfer und Stiftshütte) konnte der Mensch durch den Glauben daran, was dieser Teil des Gesetzes darstellte, die Lösung für seine Sünde finden – einen leidenden Erlöser, der als Lamm Gottes sterben würde. Aber obwohl niemand das Gesetz perfekt halten konnte, war es auch für Israels unmittelbaren Segen bestimmt, indem es gerechte Prinzipien darlegte, die ihnen zeigen würden, wie man Gott und den Nächsten liebt. Dies würde eine stabile und sichere Gesellschaft hervorbringen sowie ein Zeugnis für die Völker sein (5Mo 4,6-8).

Folglich repräsentierten die 613 Gebote im Mosaischen Gesetz einen ethischen Kodex, der Israel von Gott gegeben wurde, um die Nation bis zum Kommen des Messias zu regieren. Aber im Wesen verkörperten sie das Moralgesetz Gottes – gerechte Prinzipien, die für die Menschheit lebenswichtig sind. Heute sind wir nicht unter diesem Kodex, aber viele seiner gerechten Prinzipien, die ewigen Gesetze Gottes, wurden übernommen und sind ein Teil des Gesetzes des Geistes des Lebens in Christus (Röm 8,2) oder des Gesetzes Christi (1Kor 9,21; Gal 6,2). In dieses Gesetz wurden einige der früheren Gebote übernommen (Röm 13,9), einige neue Gebote und Richtlinien werden hinzugefügt (Eph 4,11f, 1Tim 3,1f, 4,4) und einige wurden revidiert, wie im Falle der Todesstrafe, die von der menschlichen Regierung ausgeführt werden soll (Röm 13,4).

Es muss betont werden, dass das Ende des Mosaischen Gesetzes, einschließlich der Zehn Gebote, kein Iota vom ewigen Moralgesetz Gottes auflöst oder schmälert. Die moralischen Prinzipien der zehn Gesetze begannen nicht mit dem Sinai, sondern sie sind so ewig und unveränderlich wie der Charakter Gottes. Dies zu verstehen sollte die Ängste derjenigen zerstreuen, die denken, dass die Abschaffung des Mosaischen Gesetzes bloß einen Zustand der Gesetzlosigkeit hinterlässt.

Die moralischen Prinzipien, die im Gesetz des Mose verkörpert sind, nennt Paulus „die Gerechtigkeit des Gesetzes“ (Röm 8,4), und er zeigt im selben Zusammenhang, in dem er lehrt, dass der Gläubige nicht unter dem Mosaischen Gesetz ist (Röm 6-8), dass solche Prinzipien das Ziel des vom Heiligen Geist geleiteten Lebens sind.

Dies sollte nicht schwieriger zu verstehen sein, als die Tatsache, dass ein Staatsbürger der Vereinigten Staaten nicht unter den Gesetzen von Kanada ist, obwohl die moralischen Prinzipien, die den Gesetzen beider Länder zugrunde liegen, dieselben sind. Wenn ein Bürger der Vereinigten Staaten ein Bürger Kanadas wird, bleibt er nicht unter zehn der besten Gesetze der Vereinigten Staaten. Noch verwirrt oder kompromittiert die Tatsache, dass einige der Gesetze der Vereinigten Staaten ganz ähnlich wie einige der Gesetze Kanadas sind, seine neue, ausschließliche Verantwortung gegenüber Kanada. So bewegte sich der gläubige Jude des ersten Jahrhunderts völlig weg von der Mosaischen Verwaltung des Gesetzes hin zu der neuen Verwaltung des Heils, die von Jesus Christus eingeführt wurde (Joh 1,17).14

Der rechtmäßige Gebrauch des Mosaischen Gesetzes

Das Gesetz ist immer noch gut vom Standpunkt seiner Hauptfunktion und seinem Zweck, wie oben im Abschnitt „Der Zweck und die Funktion des Gesetzes“ beschrieben (1Tim 1,8-10; Jak 2,1-10; Gal 5,1-3; 6,1). Auf diese Weise benutzt Jakobus das Gesetz, um Sünde zu offenbaren (Jak 2,9), um Gläubige aus selbstgerechtem Legalismus herauszuführen und sie zu einem Wandel im Glauben an einen lebendigen Erlöser zu bewegen.

Die Beziehung des neutestamentlichen Gläubigen zum Mosaischen Gesetz

1. Er wird niemals gerettet, indem er das Gesetz hält (Gal 2,21)

2. Er ist nicht unter dem Gesetz als Lebensrichtschnur, z. B. in Bezug auf Opfer, Sabbathalten, Zehnten (Offb 6,14; Apg 15,5.24)

3. Daher lebt er nicht nach dem Gesetz, sondern nach dem Geist, welches das neue Gesetz für den neutestamentlichen Heiligen ist (Röm 8,4; Gal 5,5). Dies ist das Gesetz der Freiheit durch den Glauben an die Kraft Gottes.

4. Er ist kraft seiner Vereinigung mit Christus, der das Gesetz erfüllt hat, gegenüber dem Gesetz tot (Röm 7,1-6; Gal 2,19).

5. Er soll die Gerechtigkeit des Gesetzes erfüllen, d. h. den Geist des Gesetzes, wie er in Christi Worten in Matthäus 22,37-40, die Liebe zu Gott und zum Nächsten (Jak 2,29), zum Ausdruck kommt. Aber dies kann nur durch eine Erkenntnis von biblischer Wahrheit und der Erfüllung mit dem Heiligen Geist erreicht werden, der die Kraft und die Fähigkeit liefert, die notwendig ist, um das christliche Leben gemäß dem ewigen, moralischen Gesetz Gottes zu führen. So sind wir unter Gottes neuem Gesetz, dem Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus (Röm 8,2-4).

Christus, die Erfüllung des Mosaischen Gesetzes

Christus erfüllte die Zehn Gebote indem er ein perfektes und sündenloses Leben führte. Folglich, wenn ein Mensch sein Vertrauen in Christus setzt, wird dieser Person die Gerechtigkeit Christi zugerechnet, damit sie Rechtfertigung erlangt. Wir haben Christi Gerechtigkeit, sodass das Gesetz uns nicht verdammen kann (Röm 8,1; 7,1-6; Röm 5,1; 4,4-8).

Christus erfüllte die zeremoniellen Verordnungen, die Schatten und Typen seiner Person und seines Werkes, indem er am Kreuz für uns und an unserer Statt starb. Dies zeigte, dass Gott auch vollkommene Gerechtigkeit ist, und dass Sünde gerichtet werden muss, aber Gott gab seinen Sohn, das kostbare Lamm Gottes. Die Strafe, welche das Gesetz verlangte, wurde bezahlt. Wiederum, es gibt keine Verurteilung, weil der Gläubige „in Christus“ ist (Kol 2,14; Röm 3,24-25).

Christus erfüllte auch das bürgerliche Gesetz, aber er ersetzt es jetzt mit einem neuen Lebensweg, der zu unserem neuen Heil passt. Er trifft Vorsorge für den inneren Menschen – durch den uns innewohnenden Heiligen Geist –, der uns befähigt, wahre Heiligung zu erfahren, damit wir auch die Gerechtigkeit des Gesetzes erfahren können (Röm 8,2-4).

Zusammenfassung

1. Christus ist das Ende des Gesetzes und Gläubige sind nicht unter dem Mosaischen Gesetz. Neutestamentliche Gläubige sind nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade (Röm 6,14).

2. Da der Herr Jesus Christus das Gesetz durch seine Person und sein Werk erfüllt, sind Gläubige unter einem neuen Gesetz; sie haben die Verpflichtung, im Glauben nach dem Geist des Lebens zu wandeln (Röm 8,2-4). Wenn wir vom Geist geleitet werden, dann sind wir nicht unter dem Gesetz (Gal 5,18).

3. Gegen solche, d. h. die Frucht des Geistes, gibt es kein Gesetz, weil der Gläubige dann unter dem höchsten Gesetz operiert. Die Maßstäbe des Gesetzes werden erfüllt, wenn wir im Heiligen Geist wandeln und im Wort Gottes wachsen.

Warnung für heutige Gläubige gegen Verwicklungen mit dem Gesetz

Nachdem man das Heil durch Gnade empfangen hat, gibt es immer die ernste Gefahr, durch Tabus, zwanghafte Taktik oder irgendeiner Form der menschlichen Manipulation zum Gesetz oder zum Legalismus zurückzukehren (Gal 3,1-3). Zum Gesetz als Lebensweg zurückzugehen stellt einem unter die Kontrolle des Fleisches, es erklärt wahre Geistlichkeit durch den Glauben im Heiligen Geist für null und nichtig und besiegt den Gläubigen. Es resultiert in menschlich Gutem und der Dominanz durch die Sündennatur oder das Fleisch (Gal 5,1-5; Kol 2,14f) Die Tatsache, dass der Christ nicht unter dem Mosaischen Gesetz ist, bedeutet natürlich nicht, dass es im christlichen Leben Gesetzlosigkeit oder keinen richtigen Sinn für Moral oder Ethik gibt. Genau das Gegenteil ist der Fall. Aber wenn es um das Thema Moral und Ethik geht, muss man verstehen, dass die klare Lehre des Neuen Testaments besagt, dass das moralische Leben, für das der Christ verantwortlich ist, darin besteht, dass (1) niemand auf Grund seiner eigenen Werke gerettet werden kann (Tit 3,5; Eph 2,8-9), und (2) die Moral des christlichen Lebens das Ergebnis des ausgetauschten Lebens Christi im Glauben und die Unterordnung unter den Dienst und die Kraft eines vom Heiligen Geist kontrollierten Lebens ist.

Die dreifache Pflicht des neutestamentlichen Gläubigen

Im Neuen Testament finden wir völlig ausreichende Lehre in Bezug auf die Prinzipien des Verhaltens, denen der Christ folgen wird, wenn er seinen Leib tatsächlich „als lebendiges Opfer“ (Röm 12,1) hingibt und „im Geist“ wandelt (Eph 5,9). In Titus 2,11-14 finden wir eine praktische Gliederung, nach der wir diese Prinzipien gruppieren können. Als erstes wird in diesem Abschnitt auf majestätische Weise festgestellt, dass uns Gottes Gnade das Heil bringt. Aber seine Gnade lehrt uns, besonnen, gerecht und gottesfürchtig (fromm) zu leben. Diese sind drei wichtige Linien der Verantwortung: Der Gläubige soll in Bezug auf sich selber besonnen leben (Röm 12,3); gerecht in Bezug auf seinen Nächsten; und gottesfürchtig in Bezug auf den Herrn. Die gleiche Wahrheit kann mehr oder weniger auf eine etwas andere Weise ausgedrückt werden: Wir sollten danach trachten, im Einklang mit den Vorschriften der Gnade zu leben, weil (1) dies Gott gefällt (Hebr 13,16) und unsere Liebe zu Christus zeigen wird (Joh 14,15); (2) es wird anderen helfen (Mt 5,16; Tit 3,8.14); (3) es wird wahre Freude und wahren Segen für unser eigenes Leben bringen (Joh 15,10-11).15

Die folgende Zusammenstellung, wenngleich nicht erschöpfend, enthält einige der wichtigsten Vorschriften.

Pflichten gegenüber Gott
Positive

1. Vertraut ihm (Mk 11,22; Joh 14,1; Hebr 11,6).

2. Liebt ihn und trachtet danach, ihn besser kennen zu lernen (1Joh 5,2; Phil 3,10; Jak 4,8).

3. Seid dankbar; betet ihn an und preist ihn (Joh 4,23; Kol 3,15; Hebr 13,15).

4. Dient ihm (Röm 12,6-8.11; 1Kor 15,58).

5. Betet zu ihm (Lk 18,1; Röm 12,12; Eph 6,18; Phil 4,6; Kol 4,2; 1Tim 2,2).

6. Lebt im Einklang mit seinem Willen (Röm 12,1; Hebr 13,21; Jak 4,7).

7. Wandelt im Geist (Gal 5,16.25; Eph 5,18).

8. Haltet euch an gesunde Lehre und kämpft für den Glauben (2Tim 1,13; Hebr 13,9; Jud 3).

9. Gebet Zeugnis für Christus (Joh 15,27; Apg 1,8; 1Pt 3,15).

10. Tut alles, als ob man es für ihn täte (1Kor 10,31; Eph 6,7-8; Kol 3,17.23-24).

11. Seid eifrig in der Hingabe und im Studium seines Wortes (Joh 5,39; Kol 3,16; 2Tim 2,15; Jak 4,8; 1Pt 2,2).

Negative

1. Fliehet den Götzendienst (1Kor 10,7.14; Eph 5,3; Phil 3,19; Kol 3,5; 1Tim 6,17; Hebr 13,15; 1Joh 5,21).

2. Nehmt Irrlehrer nicht auf (2Joh 10).

3. Verspottet Gott nicht und führt keine Reden gegen ihn (Gal 6,7; Kol 3,8).

Pflichten gegenüber den anderen Menschen

Positive

1. Liebt alle Menschen, besonders unsere Geschwister (Joh 15,17; Röm 12,10; 1Kor 16,14; 1Pt 1,22; 1Joh 3,23; 4,7).

2. Seid freundlich und mitfühlend (Eph 4,32; Phil 2,4; Kol 3,12).

3. Vergebt und habt Nachsicht (Röm 12,19; Eph 4,32; Kol 3,13).

4. Handelt ehrlich und fair (Röm 12,17b, 13,7; 13,13; 1Th 4,12; Jak 2,1).

5. Tut allen Gutes und helft allen (Röm 12,13; Gal 6,2.10; 1Th 5,15; Tit 3,1; Hebr 13,16; Jak 4,17; 3Joh 11).

6. Sagt die Wahrheit (Eph 4,25).

7. Seid höflich und lebt mit allen Menschen in Frieden (Röm 12,18; 1Pt 2,17; 3,8).

8. Behandelt andere so, wie ihr wollt, dass sie uns behandeln (Lk 6,31; Röm 12,17a).

9. Gebt für andere ein gutes Beispiel (1Kor 8,9.13; Phil 2,15).

10. Bittet die Geschwister eindringlich, gute Werke zu tun, und versucht, Rückfällige wiederherzustellen (Gal 6,1; Hebr 10,24).

Negative

1. Lügt nicht und gebt kein falsches Zeugnis (Eph 4,25; Kol 3,9; Tit 2,3).

2. Stehlt nicht (Eph 4,28; 1Pt 4,15).

3. Mordet nicht (1Pt 4,15)

4. Begeht keinen Ehebruch oder keine Unzucht (1Kor 6,18; 1Th 4,13).

5. Richtet (verurteilt) einander nicht und verleumdet niemand (Röm 14,13; Tit 3,2; Jak 4,11; Joh 7,24).

6. Zieht nicht am fremden Joch mit einem Ungläubigen (2Kor 6,14).

7. Habt keine Gemeinschaft mit bekennenden Christen, die in skandalöser Sünde leben (1Kor 5,11; 2Th 3,14).

8. Zieht nicht andere Gläubigen vor Gericht (1Kor 6,1f).

9. Niemand rühme sich eines Menschen (1Kor 3,21).

10. Meidet Unruhestifter und nutzlose Kontroversen (Röm 16,17; 2Tim 2,23; Tit 3,12).

11. Seid niemand etwas schuldig (Röm 13,8).

Pflichten gegen sich selbst

Positive

1. Seid heilig (1Pt 1,15; 2,11; 2Pt 3,1).

2. Haltet fest am Guten und tut allen Gutes (Röm 12,9; 1Th 5,15).

3. Studiert das Wort Gottes und sinnt über heilige Dinge nach (1Th 4,11; 2Tim 2,15).

4. Wachst geistlich (2Pt 3,18).

5. Seid auf das Gute bedacht (Phil 4,8).

6. Denkt maßvoll von euch (Röm 12,3).

7. Seid auf die richtige Weise ehrgeizig (1Kor 12,31; 14,1; 2Kor 5,4).

8. Seid zufrieden mit dem, was Gott euch gibt (Hebr 13,5).

9. Freut euch im Herrn (Röm 12,12; Phil 3,1; 4,4; 1Th 5,16).

10. Lebt im Licht des Gerichtsthrones Christi (1Kor 9,24).

11. Richtet euch selber und bekennt Gott eure Sünden (1Kor 11,31; 2Kor 13,5; 1Joh 1,9).

12. Kauft die Zeit aus, um Gutes zu tun (Eph 5,11; Kol 4,5).

13. Kultiviert euren Sinn (1Pt 1,13).

14. Verrichtet nützliche Arbeit (Eph 4,28; 2Th 3,12).

15. Haltet euren Leib rein und bei guter Gesundheit (1Kor 6,15; 6,19-20; 10,31; Röm 12,1).

Negative

1. Hasst das Böse (Röm 12,9; 1Th 5,22).

2. Vermeidet Stolz (Röm 12,3; Jak 4,10; 1Pt 5,6).

3. Stellt euch nicht dieser Welt gleich und liebt sie nicht (Röm 12,2; 1Joh 2,15).

4. Habt keine Gemeinschaft mit dem Bösen (Eph 5,11).

5. Sündigt nicht durch Zorn (Eph 4,26).

6. Sorget euch nicht (Phil 4,6; 1Pt 5,7; 1Joh 14,1.27).

7. Seid nicht faul (Röm 12,1).

8. Redet kein faules Geschwätz (Eph 4,29; 5,4).

9. Besauft euch nicht (Eph 5,18).

10. Murret nicht (1Kor 10,10; Phil 2,14).

Verschiedene Pflichten

Über all das, was bereits gesagt wurde … es gibt noch andere Pflichten, die der ernste Gläubige in Betracht ziehen sollte: Pflichten gegenüber der Schöpfung und Umwelt; Verantwortung in Bezug auf die menschliche Regierung; spezielle Pflichten, die für bestimmte Gruppen gelten, wie z. B. für Singles, Ehemänner, Ehefrauen, Kinder, Diener.


1 Weitere Informationen zu diesem Thema können Sie im Artikel von Roy Aldrich mit dem Titel Causes for Confusion of Law and Grace, Biblica Sacra, 116:463:221-29, Juli 1959, finden.

2 G. Colemann Luck, Christian Ethics, Bibliotheca Sacra, 118:471, July 1961, Theological Electronic Library, Galaxie Software.

3 Das Verb „unterweisen“ oder „belehren“ ist paideuo, „erziehen, instruieren, trainieren“, dann auch „korrigieren, praktizieren, in Zucht nehmen, Führung geben“.

4 Charles C. Ryrie, The Grace of God, Moody Press, Chicago, 1963, S. 51-52

5 Das in diesem Satz mit „sondern“ übersetzte griechische Wort ist alla, ein Bindewort, das einen starken Kontrast zum Ausdruck bringt.

6 Ryrie, S. 53.

7 Ryrie, S. 53.

8 Roy L. Aldrich, „Wurde das Mosaische Gesetz abgeschafft?“, Bibliotheca Sacra, 116:464, October 1959, Theological Journal Electronic Library, Galaxie Software.

9 Das Hebräische lautet wörtlich: „Denn von Zion wird Weisung ausgehen“. Obwohl einige Bibelübersetzungen diese Stelle mit „denn das Gesetz des Herrn wird ausgehen“ wiedergeben, was auf Grund des Artikels „das“ als Verweis auf das Mosaische Gesetz gesehen werden könnte, aber im Hebräischen fehlt bei „Weisung/Gesetz“ der Artikel (wie es die Net-Bible und Luther-Bibel richtig wiedergeben).

10 Charles R. Ryrie, Basic Theology, Victor Books, IL, 1987, electronic media.

11 Ryrie, electronic media

12 Lewis Sperry Chafer, Systematic Theology, IV, 242.

13 Oder Wächter, Vormund oder Leiter, griechisch paidagogon, der Mann, gewöhnlich ein Sklave, dessen Pflicht es war, den Jungen oder Jugendlichen zu führen, hin zur Schule und zurück, und generell sein Verhalten zu beaufsichtigen; er war kein ‚Lehrer’ (trotz des abgeleiteten Wortes ‚Pädagoge’). Wenn der junge Mann älter wurde, brauchte es den ‚Pädagogen’ nicht mehr.

14 Aldrich, Theological Electronic Library

15 Dieser Abschnitt und das ganze folgende Material ist einem Artikel von G. Coleman Luck, mit dem Titel „Christian Ethics“ entnommen; Bibliotheca Sacra, 118:471, July, 1961, Theological Electronic Library.


Related Topics: Bibliology (The Written Word), Dispensational / Covenantal Theology, Law